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02.03.2017

DER ZINKER (1963)

„Der Zinker“ wird gerne als einer der Höhepunkte der Rialto-Wallace-Reihe bezeichnet, ich habe da aber meine anderen Kandidaten. Der Kriminalfilm mit Heinz Drache in seiner klassischen Rolle als Ermittler macht durchaus Spaß, und Klaus Kinski hat man innerhalb der über 30teiligen Kino-Serie nie kranker agieren sehen, was schon was heißen mag, aber mehr als kurzweilig und amüsant fand ich das Werk nicht, obwohl es von meinem liebsten Wallace-Regisseur Alfred Vohrer inszeniert ist.

Dessen Stil erkennt man zwar an den herrlichen Nonsensspielereien am Rande, wie der Innenaufnahme des Gebisses eines Vegetariers, aber wo der gute Mann es sonst schafft jegliche Szene bestmöglich zu inszenieren, da will bei „The Squeaker“ (Alternativtitel) manche Szene etwas blass wirken, manches wird zudem zu sehr angedeutet anstatt deutlicher benannt, so dass man sich nicht so leicht orientiert bekommt, wie bei einem Wallacefilm üblich.

An den Figuren liegt das keineswegs, wissen doch gerade die wieder zu gefallen. Vielleicht mag man mit Draches typisch bieder angelegter Kommissareninterpretation nicht einverstanden sein, zu den Sympathieträgern gehört der Ermittler diesmal aber ohnehin nicht, so überheblich wie er niemanden Sätze zu Ende sprechen lässt. Die alte Dame, die Rolle Pfitzmanns, die Kriminalautorin und der diesmal nicht den Sir John spielende Siegfried Schürenberg lenken gut dagegen, wissen in all ihren Szenen zu gefallen, und dank nebliger Außenlocations, zwielichtiger Spelunken und schön dekorierter Adelshäuser agieren sie im üblichen Wallace-Flair, dem das Schwarz/Weiß sehr gut tut.

Etwas schwammig ist diesmal die Verdächtigenzahl ausgefallen. Zwar hat man als Zuschauer mehrere Vermutungen wer der Zinker sein könnte, die Auflösung präsentiert einem aber leider den offensichtlichsten von ihnen. Das wundervolle Szenario der Überführung lässt einen zwar versöhnlich mit der etwas enttäuschenden Auflösung zurück, andererseits ist es aber gerade sie schuld, dass der Mensch hinter dem Pseudonym viel zu erbärmlich wirkt, als dass man ihm die Abgebrütheit des Zinkers zugetraut hätte.

In Alfred Vohrers Film ist nicht alles Gold was glänzt, und allein weil nicht aus allem das Maximum heraus geholt wird, zählt „Der Zinker“ zu Vohrers schlechtesten Beiträgen der Reihe. Ein schlechter Vohrer-Wallace ist aber noch immer ein sympathischer, so dass sich Freunde der Reihe trotzdem nicht davon abhalten lassen sollten diese dritte Verfilmung des Stoffes zu sichten.  OFDb

03.09.2016

NICK KNATTERTONS ABENTEUER (1958)

Der Vorspann macht deutlich, dass man mit der Comic-Figur Nick Knatterton eine neue Filmreihe ins Leben rufen wollte, und auch das etwas arg kindisch ausgefallene Titellied könnte in seiner Art so auch Erkennungsmelodie einer Hörspiel-Reihe sein. „Nick Knattertons Abenteuer“, der mit Blick auf die geplante Serie als „Nick Knattertons Abenteuer - Der Raub der Gloria Nylon“ ins Kino kam, wurde jedoch nie fortgesetzt, und wirklich wundern tut mich dies nach Sichten nicht, ist die Verfilmung der Comicreihe aus der Zeitung Quick für meinen Geschmack doch zu gewollt skurril und zotig ausgefallen, dabei jeglichen Charme vermissen lassend.

Ursprünglich war Theo Lingen für die Rolle des Titelhelden vorgesehen. Über den hätte ich mich persönlich auch mehr gefreut als über Karl Lieffen, der jegliche Sympathie vermissen lässt, zwar so agiert wie es Hans Quest sicherlich vorgeschwebt ist, immerhin wollte der Regisseur des Quoten-Hits „Das Halstuch“ eine spaßig, groteske Kriminalkomödie drehen, mitfiebern oder gar identifizieren kann man sich mit Nick Knatterton jedoch nicht. Andere Figuren des Films nehmen dem Detektiv die Rolle der Identifikationsfigur allerdings ebenso wenig ab. Sie alle bleiben zu schablonenhaft eine fiktive Figur, als dass man wirklich warm mit wem werden könnte, und der sonst immer als Trumpf herhaltende Gert Fröbe weiß mit seinem Spiel gar zu nerven, man mag es kaum glauben.

Dass „Nick Knattertons Abenteuer“ kein vollkommener Rohrkrepierer wurde, liegt an der recht gut eingebrachten Tolpatschigkeit der Verbrecher, die in ihrer Übertreibung für tatsächlichen Comic-Charme sorgt. Wenn die Entführerin in ihrer Eitelkeit getroffen der Zeitung persönlich am Telefon ihre Charakterbeschreibung diktiert, Täter zittrige Hände bekommen wenn sie ertappt wurden, oder Verbrecher sich selbstverschuldeten Explosionen aussetzen, dann stimmt der Spaß und das Spiel mit der absichtlichen Realitätsferne, sprich mit der bewussten Identifikations Knattertons Ursprungsmediums, weiß zu funktionieren.

„Nick Knattertons Abenteuer“ weiß diese Sympathie jedoch nicht zu erzeugen, wenn selbiges auf der Seite der Guten passiert. Das klingt in der Theorie zwar lustig wenn Knatterton die Entführte per Wasserleitung kontaktiert (die Gegenszene auf der Verbrecherseite, ein Hilferuf über den Zapfhahn in einer Kneipe, weiß wiederum zu belustigen), Lieffen sich versteift aus dem Autofenster lehnt und an einem Laster festklammert, oder Knatterton den Geheimausgang versteckt in einer Standuhr nutzt, erntet in der Praxis aber nur ein müdes Lächeln, ebenso wie die ständig eingebauten Kanaldeckel-Gags.

Manches Mal weht dreißig Jahre verfrüht ein „Die nackte Kanone“-Wind durch die Chose, und Susanne Cramer darf im selben Jahr von „Der Greifer“, in welchem sie eine arg biedere Rolle spielen musste, beweisen wie sexy sie in Wirklichkeit ist, aber das sind alles kleine Pluspunkte, die den Film nicht entscheidend in eine positive Richtung schwenken. Bei aller absichtlichen Aufgeblasenheit und Realitätsferne hätte es einfach gut getan, wenn die Gesamtatmosphäre entspannt verspielt wirken würde anstatt bemüht versteift wie „Nick Knattertons Abenteuer“ schließlich ausgefallen ist. Der Streifen wird selbst für Filmnostalgiker eine ziemlich anstrengende Angelegenheit, für dessen Ausgang der Geschehnisse man sich nach einiger Zeit nicht mehr interessiert. „Nick Knattertons Abenteuer“ ist sympathisch in dem was er sein will, aber leider nicht überzeugend umgesetzt.  OFDb

19.12.2015

TAGEBUCH EINES FRAUENMÖRDERS (1969)

Was sich auf dem DVD-Cover wie ein Kriminalfilm liest entpuppt sich beim Sichten als entspannt inszeniertes Lustspiel, welches weniger Interesse an der Aufdeckung der Verbrechen seiner Täter hat, als viel mehr an der Entlarvung der Sensationsgier der Boulevardpresse. „Tagebuch eines Frauenmörders“ ist augenzwinkernd gedacht, dementsprechend lustig erzählt, immer wieder mit kleinen Seitenhiebe auf andere Themenbereiche versehen und trotz der Medienkritik nie moralisch ausgefallen. Inszeniert ist das ganze fast schon wie ein Theaterstück. Nur wenige Außenaufnahmen brechen das bewusst künstlich gespielte Treiben auf der Bühne auf, ein Stilmittel mit dem man sich anfreunden muss, um Gefallen an Helmut Käutners Satire zu haben.

„Tagebuch eines Frauenmörders“ fühlt sich nie echt an. Grundlage wie Storywendungen kommen höchst brachial daher, bauen auf der Naivität der Figuren auf, die nie zu echten Menschen werden, eingebettet in humoristische Übertreibungen. Das sind keine versehentlichen Fehler. Käutners Lustspiel ist so gedacht und erntet aus dieser Entfremdung seine Wirkung. Die Schauspieler sind gut aufgelegt, an keinem von ihnen gibt es etwas zu meckern, zumal jeder für seine Rolle gut besetzt ist. Und doch will „Tagebuch eines Frauenmörders“ nicht vollends überzeugen, ist er in seiner Aussage doch zu aufdringlich. Eine subtilere Annäherung an das Thema wäre dem Werk besser bekommen als seine Holzhammer-Methode, mit der er die Protagonisten ins Feuer laufen lässt.

Sie ist etwas zu extrem ausgefallen, die Bereitschaft für eine Story ohne jegliches Mitleid für zukünftige Opfer das Gesetz zu brechen. Ebenso häufen sich die Zufälle gegen Ende zu sehr, um eine Pointe zu bieten, die von einem Unterschied lebt, der keiner ist. Auch die Bereitschaft Böhms morden zu wollen, allein aus dem Grund Aufmerksamkeit zu erhaschen, wirkt zu sehr aus dem Nichts gegriffen, auch wenn gerade dieser Punkt noch von der lockeren Grundstimmung aufgefangen werden kann.

Erwartet man weder Richtung Spannungsaufbau noch von der Wirksamkeit der Medienkritik all zu viel weiß „Tagebuch eines Frauenmörders“ als Trivialverzehr für zwischendurch zu gefallen. Siegfried Lowitz trägt mit seinem Mix aus professionellem und absichtlich die Fernsehwand durchbrechendem kalauerndem Spiel das etwas wackelig ausgefallene Werk, während Helmut Qualtiner mit seiner passiven, starren Art genau das an Böhm herauszukitzeln vermag, was diesen Typ Täter ausmacht, ein Pluspunkt der zu einem der wenigen Zutaten zählt, in welchen das Stück psychologisch richtig angegangen wurde.

Für TV-Nostalgiker ist das Sichten dieses Fernsehspiels sicherlich kein Fehler, schaut es sich doch mit Blick von heute so fremd, eben weil solch etwas Unverkrampftes in der heutigen TV-Landschaft gar nicht mehr denkbar wäre. Zu bemüht ist heutzutage alles auf ernst und professionell getrimmt und wenn nicht dann gleich auf komplett trivial und dilettantisch. „Tagebuch eines Frauenmörders“ guckt sich heute so fremd wie er für sein Medium inszeniert ist und ist damit ein interessantes Stück Vergangenes, das zwar nicht einzig von seinem Nostalgie-Faktor lebt, aber zumindest ein gutes Stück davon.  OFDb