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15.04.2023

HARRY UND SALLY (1989)

Es sind nicht seine Drehbücher, die hat wer anders geschrieben, aber letztendlich hat Regisseur Rob Reiner die Eingangssequenz für "Harry und Sally" aus dem Hauptplot seines Teenfilms "Der Volltreffer" aus dem Jahr 1985 entnommen und lässt das ungleiche Paar diesmal erst erwachsen werden, bevor es zueinander findet. Hierfür spielt die Geschichte zwei Mal mit Zeitsprüngen, lässt dann aus den sich nicht sympathisch findenden Menschen Freunde werden, und von nun an fiebert der Zuschauer über einen inhaltlich lang gestreckten Zeitraum mit, dass diese wundervollen Menschen, mit ihren Macken, Tücken und ihrem Charme, partnerschaftlich zueinander finden. Der Weg dorthin ist äußerst amüsant, nicht weil die eigentliche Geschichte so höllisch interessant klingt, sondern weil das Drehbuch uns derart geniale Dialoge und Situationen beschert, dass "When Harry Met Sally..." (Originaltitel) damit etwas völlig Eigenständiges im Meer der romantischen Komödien wird. 

Fast scheint es so, als wäre ihm das Anliegen der Romantik egal, so lebensnah und bitter die Komik manches Mal anmuten mag, ohne dabei gleich zur Tragikomödie zu werden. Aber "Harry und Sally" hat sein Herz am rechten Fleck, verliert sein Ziel nie aus den Augen, gönnt uns jedoch statt dem üblichen Kitsch des Genres etwas, das den Zuschauer tatsächlich zum Schmachten bringt: er lässt uns die beiden richtig kennen lernen. Aus zwei Streithähnen werden Freunde, die sich all das anvertrauen, was sie dem eigenen Geschlecht nicht sagen können, und darüber hinaus freilich vieles mehr. Thematisiert werden Fragen wie, können Männer und Frauen einfach befreundet sein? Gibt es einen Zeitpunkt wo aus Freundschaft keine Liebe mehr werden kann? Was wollen Männer und Frauen jeweils in einer Beziehung? Wie gehen sie mit Trennung um? Und freilich geht es auch um das Reifen, um Theorie und Praxis und um die Menschen um einen herum, die hier keinesfalls, wie so oft in Vergleichsfilmen, entweder zu nervigen Sidekicks werden, oder zur enttäuschten ersten Wahl einer der Protagonisten. 

Stattdesen arbeitet ein Teil der Geschichte sogar damit, dass es eine solche Person im nahen Umfeld nicht gibt, ganz im Gegenteil, wie ein herrlich treffsicher Trinkspruch während einer Hochzeitsfeier bestätigt und zu einem der größten Lacher wird. Die Nebenfiguren sind ebenso greifbare Menschen wie die Hauptfiguren und ganz wichtig für das soziale Umfeld der beiden und für die Psychologie des Films, selbst für seinen Humors und seine Technik (z.B. die Split Screen-Sequenzen). "Harry & Sally" ist nicht nur darin und in den anderen bereits erwähnten Unterschieden zur typischen RomCom Ausnahme. Auch die berühmteste, lauteste und vulgärste Szene des Films, die in anderen Werken oft der Publikumsliebling der Masse mit ihrem einfach gestrickten Humor wird, während die tatsächlichen humoristischen Schätze fast unbemerkt bleiben, gehört hier tatsächlich zu den Highlights, auch von der Schauspielleistung Meg Ryans her. 

Was aber nicht bedeutet, dass diese Szene die zu entdeckenden Humorschätze besagter Vergleiche ersetzen würde. Die gibt es hier ebenfalls zu erleben und dies zuhauf, manchmal schlichtweg zur Verdeutlichung der Charaktere, wie die Idee mit den Karteikarten für die Videosammlung, oder die Unterhaltung über Sex nach einer missglückten Verabredung, manchmal um Stimmungen zu untermauern, wie die herrliche Situation rund um einen der hässlichsten Tische der Welt. Laute Komik, wie die Kernspuckszene im Auto und die berühmte Orgasmusszene, gehen Hand in Hand mit sensiblem Humor, empathischen Beobachtungen und tatsächlich auch manchem Filmklischee, das sich inmitten der genialen Zutaten nicht einmal wie ein solches anfühlt. "Harry und Sally" ist ein gute Laune Film, eine Komödie, die einem zum Träumen verführt, ein Film über Menschen, die man kennen und mögen lernt. Er ist einer der ganz großen Werke eines Subgenres, das meist nur der geistfreien Gefühls-Berieselung dient. Eben weil sich der Film guckt, als gehöre er nicht dazu, funktioniert er so gut und wird zum Pflichtfilm eines jeden Kinointeressierten.  Wiki

KATE UND LEOPOLD (2001)

Neben Julia Roberts und Sandra Bullock war Meg Ryan die bedeutendste Darstellerin für romantische Komödien in den 90er Jahren. Ihre Wirkung und ihre Auswahl der Drehbücher war überragend, sie selbst war laut dem was ich mal gehört habe jedoch kein Freund dieses Genres. Dennoch drehte sie 2001 mit Verspätung erneut eine solche, wahrscheinlich weil Alternativprojekte nicht den selben immensen Erfolg einbrachten. Aber die Klasse vergleichbarer Projekte, wie "E-Mail für Dich", "French Kiss" und "In Sachen Liebe", konnte diese nicht einfangen. Dabei hatte man mit Hugh Jackman einen gut agierenden und charismatisch wirkenden Partner an ihrer Seite, ein Vorteil, der gerade in diesem Sub-Genre nicht zu unterschätzen ist. Mit Liev Schreiber hatte man zudem noch eine weitere Sympathiefigur mit an Bord, und der Aspekt zweier Zeitdekaden und damit unterschiedlicher Mentalitäten, ist interessanter Natur, somit auch förderlich für den Unterhaltungswert und unterstreicht zudem die universelle Grundsätzlichkeit von Liebe, eine gern gesehene Aussage in dieser Art Film. 

"Eve und der letzte Gentleman" hatte die Zusammenkunft verschiedener Zeitkulturen 2 Jahre zuvor jedoch wesentlich pfiffiger und treffsicherer thematisiert und dies ohne eine Zeitreise einzubauen, die grundsätzlich für eine wackelige Logik sorgt. Doch dass dies auch in "Kate & Leopold" der Fall ist, ist kein nennenswerter Schwachpunkt am Projekt, soll das Ergebnis doch ohnehin ein blauäugig erzähltes Märchen sein. Etwas unangenehmer fällt da eher der Sidekick in Form von Kates Bruder auf, der regelrecht publikumsanbiedernd eingebracht wird. Er ist eine jener Kleinigkeiten, die sich etwas zu sehr sammeln, und den an sich nett zu schauenden Streifen damit arg in die Banalität rückt. Anstatt auf die Chemie zwischen dem Liebespaar zu bauen, sowie ihre unterschiedlichen Ansichten und Zeitprägungen allein für sich wirken zu lassen, hatten die Verantwortlichen des Streifens ständig das Gefühl dem Publikum mehr bieten zu müssen. 

Und so erleben wir eine Verfolgungsjagd per Kutsche, oder die Jagd nach einem Taschendieb zu Pferde, welche eine eigentlich zurecht ruhig vor sich hin plätschernde Geschichte künstlich aufpeppen. Zudem gewöhnt sich Leopold viel zu schnell an die neue Welt, gibt sich mit Banalitäten wie dem Sichten vom TV zufrieden, was ihn viel oberflächerlicher wirken lässt, als vom Drehbuch eigentlich gewollt. Zu viele, mal mehr mal weniger interessante Aspekte, werden eingebracht, um die Geschichte aufzuwerten (Leopold als Liebesvermittler, Leopold als Werbegesicht, ...). Das erklärt auch warum der Streifen 23 Minuten länger läuft, als die Standardlaufzeit dieser Art Film, und das tut dem Endergebnis nicht gut. Meg Ryan bezaubert wie eh und je (sympathisch tolpatschig gelegentlich, wie in ihren Erfolgen), der vom Pech verfolgte Liev weiß zu wirken, Jackman spielt sich in die Herzen der Zuschauer, eigentlich funktioniert "Kate & Leopold" recht gut, aber dann kommt es immer zu Brüchen im eigentlich so einfachen System, durch kleine Störfaktoren, die das Seherlebnis schmälern. Am Ende wurde man zwar nett unterhalten, aber nicht so kompromisslos wie in den guten Liebeskomödien mit Meg Ryan.  Wiki

15.11.2017

ZWEI UNTER VOLLDAMPF (1986)

So richtig wusste man in der Mitte der 80er Jahre noch nicht wie man den talentierten Komiker John Candy in den Kinobereich einbinden könnte. Eine alleinige Hauptrolle traute man ihm nicht zu, meist durfte er Randfiguren verkörpern wie in „Alles hört auf mein Kommando“ oder in „Zum Teufel mit den Kohlen“. Wenn er dann mal eine Haupfigur mimen durfte, dann stets im Partnergewand, wie in „Ein Ticket für zwei“ mit Steve Martin an der Seite, oder wie in dem hier besprochenen, weit weniger bekannten „Zwei unter Volldampf“, in dem er Eugene Levy zur Seite gestellt bekommt, der hierzulande erst spät durch die Rolle des Vaters in der „American Pie“-Reihe berühmt werden sollte.

Beide machen nicht gerade den Eindruck die Idealbesetzung für eine Buddy-Actionkomödie zu sein, und tatsächlich wirken sie in den härteren Szenen wie die Waschlappen-Variante von „Lethal Weapon“. Allerdings kommt es „Zwei unter Volldampf“ zu Gute, dass trotz der Regie Mark L. Lesters, der eher für harte Stoffe wie „Die Klasse von 1984“ steht, der Komödienfaktor weit mehr in den Fokus rückte als der Bereich der Action, was die Mitarbeit von Harold Ramis am Drehbuch verdeutlicht, der in den 80er Jahren für so manchen Komödienerfolg zuständig war. Lesters Film konzentriert sich auf das Losersein seiner beiden Hauptfiguren und fährt damit, gerade mit Blick auf die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten und der damit verbundenen trotteligen Gruppe Mitauszubildenden, im Fahrwasser der zur Entstehungszeit erfolgreich laufenden „Police Academy“-Welle mit.

Candys Figur wirkt ein wenig unausgegoren, womit ich auf die Einleitung dieses Artikels zurückkomme. In der ersten Szene ist er ein Feigling ohne Selbstbewusstsein, im Rest des Filmes ist er der zwielichtige, aber mit dem Herz am rechten Fleck agierende, Sprücheklopfer, der für einen erfolgreichen Einsatz alles geben würde, selbst wenn er dafür, wie die LKW-Szene im Stau verdeutlicht, mehr Leben riskiert als es zu retten gilt. Hin und wieder darf Candy etwas zotiger agieren, z.B. wenn er als dicke Tunte getarnt herumschwulen darf. Meist aber bleibt er der unnütz wirkende Angeber, der schlechte Umgang der Rolle Eugene Levys, wie die Rolle Meg Ryans an einer Stelle des Films zu früh anmerkt, lange bevor der Charakter Candys tatsächlich so wirkt wie er abgestempelt wird. Der gutmütige Trottel, die Paraderolle Candys, bleibt diesmal fast gänzlich zu Hause, was zur Abwechslung aber auch einmal okay ist.

Eugene Levy bleibt überraschend blass, obwohl er doch schon lange vor „American Pie“, z.B. in seiner kleinen Rolle in „Ein Geschenk des Himmels“, beweisen durfte wie lustig er sein kann. Tatsächlich mimt er hier nur den Ängstlichen, der vom Sprücheklopfer stets zu Heldentaten verführt werden muss, auch wenn diese, mit ehrlichem Blick auf das Ablenkungsmanöver der vielen chaotischen Füllszenen, recht rar gesät sind und selbst im Finale, wenn er über sich hinaus wächst, noch immer nicht ganz überzeugen wollen. Meg Ryan ist hier eigentlich nur unnötiger Anhang. Aufgrund ihrer wenigen Szenen und der vergessenen Vertiefung ihres Charakters versteht man nie so ganz, warum sie irgendwann anfängt den beiden Unglücksraben zu helfen. Und selbst wenn sie dies tut, erlangt ihre Rolle nie eine wirkliche Bedeutung. In „Die Reise ins Ich“ durfte sie kurz darauf bei ähnlicher Rollenposition weit mehr Einfluss auf eine Handlung nehmen als hier noch.

Wenn man nun noch bedenkt dass die Actionszenen in ihrer Extreme nicht wirklich mit der Leichtigkeit der Restszenen harmonieren und der billige, austauschbare 80er Jahre-Soundtrack endgültig die härteren Szenen nur routiniert umgesetzt erscheinen lässt, darf man sich schon wundern, dass „Armed and Dangerous“ (Originaltitel) eigentlich ein recht sympathischer, wenn auch austauschbarer und nicht lange im Gedächtnis heften bleibender, Film ist, der gerade in der ersten Hälfte mit manch schlichter, aber humorvollen Idee zu punkten weiß. Glücklicher Weise macht bereits die Einstiegsszene mit der Katze auf dem Baum recht deutlich was man vom Restfilm zu erwarten hat. Man sichtet dort einen lustigen Candy in einer Szene, aus der man in einer guten Komödie weit mehr geerntet hätte. Es reicht um simpel zu unterhalten, aber eben nicht für eine wahre Empfehlung. In schwächeren Szenen zuckt man mit den Achseln, in besseren grinst man vor sich hin, trotz aller Einfältigkeit und dem Fehlen wahrer zum Lachen einladender Pointensetzung.

Mark L. Lester inszeniert das unbeholfene Stück Action-Komödie recht solide, lässt die Klischees und Stereotype für sich selber wirken und lässt mittendrin die Sprüche klopfende Naturgewalt John Candy auf das Szenario los, in der Deutschfassung ein wenig gewöhnungsbedürftig synchronisiert, aber das passt ja recht gut zur ungewöhnlich ausgefallenen Rolle des kanadischen Komikers, der sonst eher die sympathische Art Loser-Typ mimen durfte. Zwar fragt man sich hinterher bei so viel dünner Luft warum „Zwei unter Volldampf“ trotz dem Fehlen großer Ideen und Gags und trotz seiner enorm klingenden Makel so unterhaltsam zu schauen war, aber das war er nun einmal, warum sollte ich es ihm nun abstreiten, nur weil theoretisch alles dagegen spricht?  OFDb

25.03.2017

DIE REISE INS ICH (1987)

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei viel gesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein idealer abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken.  OFDb

30.07.2014

I.Q. - LIEBE IST RELATIV (1994)

Tim Robbins ist ein großartiger Schauspieler, den ich aufgrund so einiger großer Darbietungen („Human Nature“, „High Fidelity“, „Code 46“...) regelrecht bewundere. Meg Ryan hat in Filmen wie „French Kiss“ schon des öfteren bewiesen, dass sie eine treffsichere Besetzung für den Bereich der romantischen Komödien ist. Und Regisseur Fred Schepisi hat mit Hilfe von Steve Martins Drehbuch seinerzeit in „Roxanne“ bewiesen, dass auch er dieses Fach beherrscht.

Doch trotz all dieser theoretisch so gut klingenden Chemie funktioniert „I.Q.“ (Originaltitel) nur halbwegs aufgrund der im Film aufflammenden Liebe. Eigentlich ist es nur ein Mann mit dem diese Komödie steht und fällt, und das ist Walter Matthau in der Rolle des Albert Einstein, allein wegen seines Aussehens schon die Idealbesetzung für diese Rolle, durch die schrulligen Vorgaben des Drehbuchs jedoch endgültig als Einstein glänzend.

Dieser wunderbare Charakter wird nun in eine ziemlich unfaire Geschichte gepackt, in welcher der Verlobte der Angebeteten extremst negativ gezeichnet wird, damit man ihn auch bloß nicht mag. Mir tat er dennoch leid, auch wenn seine Negativseiten wirklich humoristisch gut herausgearbeitet wurden. Nicht leid genug um nicht zum Automechaniker zu halten, aber warum Einsteins Nichte sich nun wirklich in diesen verliebt bleibt mit Abstand betrachtet fraglich, kennt sie doch fast nur die Lüge die er lebt. Die sensible Seite des Mannes ist echt, aber könnte sich eine Frau nach Aufdeckung der Lüge darauf verlassen?

Nun gut, eine Rom-Com sollte man nie mit zu viel Abstand betrachten und sich einfach der Magie hingeben, aber die will nur teilweise funktionieren, wird doch etwas zu viel auf das niedliche Aussehen Meg Ryans gesetzt, und diese niedlich lächelnd in Großaufnahme allein reicht nicht um sie sympathisch zu finden. Und da es ihr an wahrer Herzlichkeit im Wesen fehlt, kommt einem das Verliebtsein des Mechanikers eher wie ein kurzes infantiles Schwärmen vor.

Dank eines wirklich gelungenen Drehbuchs und der gut aufgelegten Stars funktioniert „I.Q. - Liebe ist relativ“ glücklicher Weise trotzdem. Die Schrulligkeiten von Einstein und seinen Wissenschaftsfreunden, die Verkettungen die aus einer so simpel klingenden Lüge entstehen und die Schadenfreude mit der aus der Enttäuschung eines anderen etwas Wunderbares für zwei für einander bestimmte Seelen wächst, weiß zu überzeugen. Letzteres aber auch nur weil das Drehbuch nie Zweifel an der Richtigkeit der Mission aufkommen lässt. Wie erwähnt: leid tat mir der Verlobte trotzdem.

„I.Q.“ fehlt die Größe von „Harry und Sally“, „Während Du schliefst“ und „E-Mail für Dich“, aber er schaut sich trotzdem noch immer über Durchschnitt, wenn auch eher wegen der amüsanten Wissenschaftler und dem leidenden Verlobten. Wirklich romantisch wird die Komödie nur selten, einmal jedoch im wichtigsten Moment. Wie die Rolle der Ryan erkennt, dass sie den Mechaniker tatsächlich liebt ist schön herausgearbeitet und wirkt psychologisch gesehen sogar recht glaubwürdig. Aber auch diese Szene funktioniert nicht komplett ohne Matthaus herrlich lustigen Zutuns.  OFDb

09.02.2013

FRENCH KISS (1995)

Kate kann ihren Verlobten wegen Flugangst nicht auf eine Reise nach Paris begleiten. Nach einiger Zeit macht dieser telefonisch mit ihr Schluss, da er eine süße Französin kennen gelernt hat. Kate glaubt jedoch, dass die Magie der französischen Verführung flöten geht, wenn er seiner ehemaligen Verlobten noch einmal leibhaftig begegnet. Also setzt sie sich trotz ihrer Angst ins Flugzeug auf den Weg nach Paris. Auf dem Flug lernt sie einen Gauner kennen, der ihr unter der Ausrede ihr helfen zu wollen auf Schritt und Tritt folgt. In Wirklichkeit hat er in Kates Tasche Schmuggelware versteckt, die er wieder haben will. Dummerweise wurde Kate beraubt...
 
Ein Ami in Frankreich...
 
Ich kann nicht gerade behaupten mit „French Kiss“ einen innovativen Film gesehen zu haben, im Bereich der Liebeskomödie ist Regisseur Lawrence Kasdan allerdings ein sehr sympathisches Werk geglückt. Aus dem Humorbereich sind nur kleine Schmunzler zu ernten. Den großen Lacher sucht man hier vergebens, auch wenn man ganz selten mit unnötigem Karachohumor bemüht war diese entstehen zu lassen (z.B. stolpert Meg Ryan über einen Servierwagen). Solche Szenen sind etwas zu gewollt, und andere Gags, wie das Herausschreien einer Forderung an sich selbst triumphieren zu wollen, und dabei den Triumphbogen mit im Bild zu haben, werden wohl eher bei Humorlegasthenikern Zuspruch finden.

Aber ich finde gerade im Subgenre der Liebeskomödie ist der kleine Schmunzler viel wichtiger. Den großen Lacher hat ein solcher Film gar nicht nötig. Zumindest wenn er ein Drehbuch hat, das interessante Identifikationsfiguren strickt (die Story ist dabei, wie gerade „French Kiss“ zeigt, ziemlich schnuppe) und ein guter Cast diese auch zu verkörpern weiß. Dies ist hier der Fall. Damit haben wir den Haupttrumpf des Films bereits herausgearbeitet. Die Besetzung Meg Ryan und Kevin Kline ist kaum zu überbieten. Ryan, die das Werk auch produzierte, ist ohnehin erfahren in diesem Filmbereich und wirkt gerade mit ihrem Struwellook so unglaublich süß. Vielleicht stößt ihre etwas extreme Niedlichkeit leicht sauer auf, diese ist hier aber auch ein wichtiger Bestandteil der Charakterisierung ihrer Figur.

Mit Kevin Kline an der Seite hat sie jemanden parat, der alles spielen kann was er will. Kline ist ein großes Talent, und als Europäer spielend sehe ich ihn ohnehin am liebsten. Seine Mimiken sorgen für viele humorvolle Momente, und so wie die Maske ihn zurecht machte, muss auch ein großes Lob in diese Richtung gehen.

Das Spiel mit beiden zusammen lässt es ordentlich kribbeln. Leise Momente zeigen auf, wie früh Ryans Rolle bereits zweifelt ob sie ihren Mann überhaupt noch zurückerobern will. Ebenso leise und langsam erleben beide Figuren ihren Reifeprozess. Beide erkennen die Widersprüche in ihrer bisherigen Lebensweise. Ihre Gesinnungen ändern sich etwas. Diese Thematik wird dem Zuschauer zum Glück nicht plump auf die Nase gedrückt.

Es bleibt zwar anzuzweifeln, ob das im Finale glückliche Paar ernsthaft bis zu ihrem Lebensende glücklich ist (angekommen in der Realität sind Gesinnungswechsel oft nur von kurzer Dauer), die Filmgeschichte selbst soll es aber nicht interessieren. Sie erzählt die Story bis zu dem Punkt, wo man verzückt das Kino verlässt. Und Liebeskomödien gehören für mich nicht zu dem Bereich Film, wo man noch viel über die Weiterführung der gezeigten Geschichte nachdenkt.

Ohnehin lässt man in romantischen Werken ja gerne den Geist benebeln. Wieder bei klarem Verstand fand ich manche Übergänge etwas arg ominös. Ryans Verhalten im pleiten Zustand allein in der Stadt, die Art wie beide in die Familie der Rolle Klines rutschen, die Art wie beide sich manches anvertrauen, da sind so einige Momente die bei reellerer Denkweise nicht mehr so aalglatt ineinander laufen, wie sie es noch inmitten dieser schönen romantischen Erzählung taten. Die Frage ist ob so etwas für oder gegen das Drehbuch einer Liebeskomödie spricht.

Mir soll es auch egal sein. „French Kiss“ ist für mich ein Werk, das man immer wieder gucken kann. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, die kleine Rolle von Jean Reno erspielt sich flink in die Herzen des Kinogängers, und der Humor ist auf einem schlichten, aber zum Subgenre passenden Level. Lediglich der finale Kuss ist nicht sonderlich romantisch eingefangen. Das ist allerdings ein häufiges Manko bei dieser Art Film, z.B. hat auch „E-Mail für Dich“ in diesem Bereich ein deutliches Defizit.

Da sich das Knistern beider Figuren zuvor allerdings so wunderbar auf den Zuschauer überträgt, kann man über den finalen Wermutstropfen gnädig hinwegsehen. Wer Komödien dieser Art nicht mag, wird auch hier nicht glücklich. Ein zweiter „Harry und Sally“, der auch den Nichtsympathisanten dieser Gattung Film gefiel, ist es nicht geworden. Aber so muss „French Kiss“ auch gar nicht sein. Mit seiner locker flockigen Art ist er einfach gelungen wie er ist.  OFDb