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29.05.2023

DRAG ME TO HELL (2009)

Ebenso wie "Thinner - Der Fluch" handelt auch "Drag Me to Hell" von einem Zigeunerfluch der tödlichen Art, der den Protagonisten final zu einer ethisch nicht vertretbaren Entscheidung zwingt, um die geringe Möglichkeit zu nutzen, dem Fluch eventuell doch entkommen zu können. Da sich das Mysterium hier auf gerade einmal drei Tage verteilt, ist Raimi sehr darin bemüht die Hauptrolle schnell verstehen zu lassen, dass etwas Übernatürliches vorgeht. Dementsprechend schnell werden neue Erkenntnisse gesammelt und für diesen Zweck allerhand Schauwerte geboten, die dank guter Finanzierung optisch tatsächlich zu beeindrucken, teilweise sogar zu ängstigen wissen. "Drag Me to Hell" hätte es meiner Meinung nach jedoch gut getan den Geschehnissen mehr Zeit zu gönnen, denn so kommt er überhastet, laut und Effekt-überladen daher, wie man es eher von Raimis Produktionen, anstatt von seinen Regie-Arbeiten kennt. Allerdings häufen sich derartige Stellen bereits vor dem engen Zeitfenster, z.B. in der gut gemeinten, nicht enden wollenden Attacke der Zigeunerin, die bis zu einem gewissen Grad in dieser Hartnäckigkeit konsequent anmutet, bis sie sich schließlich etwas arg in die Länge zieht, nur um mehr Schauwerte zu ernten. 

Das degradiert den eigentlich professionell umgesetzten Film zu sehr zum alternativen Mainstream, der zwar gut zu unterhalten weiß, jedoch mehr Klasse auszustrahlen wüsste, wenn er sich mehr stille und gruselige Momente gegönnt hätte. Die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation, das nahe Mitempfinden mit der Heldin und unglaublich viele wahrlich böse Ideen zaubern aus dem Streifen letztendlich aber dennoch einen sympathischen Genrebeitrag, der mit einer wundervollen Pointe schließt. Zudem trumpft er damit, dass die Tipps eines Experten, die man in vergleichbaren Werken für voll nehmen kann, hier nur Versuche der Besänftigung sind, da die Geschehnisse selbst für den Experten jene Ausnahme sind, für die er sich trotz allem Fachwissens selbst erst einmal schlau machen muss. Für einen glaubwürdigeren Plot wäre es auch diesbezüglich besser gewesen mehr als drei Tage Zeitfenster einzuplanen. Zwar setzt der Film stark auf die drängende Zeit und der damit wachsenden Verzweiflung und Rücksichtslosigkeit einer Frau, die sich früher nie zu wehren wusste, das wäre aber auch innerhalb eines besser funktionierenden 7-Tage-Zeitraum möglich gewesen. 

Freunde von Spezialeffekt-Kino bekommen hier ein Highlight präsentiert, es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Hier werden wahrlich atemberaubende Szenarien kreiert, die kreativen Verantwortlichen der Effekte durften sich ordentlich austoben. Mir persönlich hat diesbezüglich das wilde Treiben im Grab der Zigeunerin besonders gut gefallen. Der Geschichte und der Gesamtstimmung schadet diese Überfrachtung nur bedingt, sie lässt "Drag Me to Hell" letztendlich lediglich gewöhnlicher als nötig ausfallen, so dass mir der eingangs erwähnte Vergleichsfilm aus der Feder Stephen Kings noch eine Spur besser gefallen hat.  Wiki

20.03.2022

YOUTH IN REVOLT (2009)

Michael Cera greift sich gern interessante Rollen, die etwas Ausgeflipptes in ernst zu nehmenden, humoristischen Stoffen, beinhalten. So klingt es auch in "Youth in Revolt", und umso mehr darf man überrascht sein, dass die neue Persönlichkeit, die der Held des Streifens über sich selbst erfindet, um den Aufgaben gewachsen zu sein, die er erfüllen muss, doch relativ zurückhaltend präsentiert wird. Sowohl äußerlich lediglich durch einen Schnurrbart und leichten Zuhälterzügen in Szene gesetzt, als auch im eher zurückhaltenden Spiel Ceras, wird kein lauter Schurke aus dem überforderten, an sich stets braven Teenager. Dementsprechend überrumpelt ist man von den extremen Taten der zweiten Persönlichkeit, die zwar nicht inflationär in ihrer Anzahl sind, die Geschichte aber stets entscheidend in eine andere Richtung lenken. Doch auch derart radikale Richtungswechsel erleben eine relativ bodenständige und zurückhaltende Erzählung, so dass der Stoff zwar lobenswert unaufgeregt daher kommt, während er sich trotz seiner Übertreibungen ernsthaft mit der Lebenswelt von Teenagern befasst, mir persönlich aufgrund der fehlenden Comicmentalität aber immer ein bisschen zu theoretisch vorkam. Ähnlich erging es mir mit der eigentlich recht süßen Romanze zwischen zwei interessant charakterisierten jungen Menschen. Ich konnte in deren Gefühlswelt nicht wirklich aufgehen, folgte der Geschichte zwar interessiert, aber immer zu theoretisch und damit außen vor. Das ist mein Problem und nicht das des Filmes, so dass es durchaus sein kann, das jemand mit diesem ungewöhnlich für einen ungewöhnlichen Stoff umgesetzten Spektakel mehr anfangen kann als ich. Dann bekommt man ein besonderes Seherlebnis beschert. Das denke ich mir zumindest, da "Youth in Revolt" in seiner auf mich distanziert wirkenden Art trotzdem noch genügend Sympathie und Wirkung besaß, dass ich ihn zumindest kurzweilig fand und er stets die Neugierde bei mir aufrecht erhielt, wie es wohl weiter gehen mag. Passend zur Konsequenz die Geschichte stilistisch und inhaltlich anders zu erzählen, als man erwartet, kommt auch der Schluss daher, und weiß dementsprechend zu gefallen, selbst dann wenn die Romantik, wie in meinem Falle, stets zu nüchtern vorgetragen vor sich hin dümpelte.  OFDb

02.10.2016

TUSK (2014)

Der Aufhänger des Films klingt nach hartem Tobak, und so könnte man fälschlicher Weise vermuten „Tusk“ wäre eine Horror-Komödie oder würde in der Modewelle des Trashfilms mitschwimmen. Aber beides trifft nicht zu. „Tusk“ ist bizarr, „Tusk“ ist grotesk, humoristisch genug um ihn als Komödie zu sehen ist er jedoch nur zu Beginn in der Figur des Podcasters, eben weil dieser eine flinke Zunge besitzt und keine moralischen Grenzen zu kennen scheint. Aufgrund letztgenannter Eigenschaft kommt aber selbst dieser humoristische Aspekt recht bitter daher, lässt den Film aber dennoch recht locker flockig beginnen. Flotte Sprüche und freches Fehlverhalten wechseln sich ab oder paaren sich, so dass der Zuschauer mit Vorkenntnissen der Geschichte sich im Glauben bestärkt fühlt, es ginge immer so humoristisch weiter.

Doch weit gefehlt, „Tusk“ wird eine bittere Extremerfahrung für den zartbesaiteten Zuschauer, zumindest wenn er Filme wie „Blutgericht in Texas“ und „Calvaire - Tortur des Wahnsinns" nicht kennt, lenkt der ungewöhnliche Aufhänger von „Tusk“ den Kenner des Genres doch nicht davon ab, dass wir eigentlich lediglich der x-ten Version der Geschichte um einer von einem Wahnsinnigen festgehaltenen Person beiwohnen, was nun wahrlich nichts Neues im Horrorfilmbereich ist. Neu ist lediglich, dass der Stammzuschauer zunächst nicht vermutet einen solchen Film zu sichten, eben weil der Streifen so entspannt und humoristisch beginnt. Anders als in den meist anderen Werken dieser Thematik ist zudem die Konsequenz dessen was geschieht extremer, denn die Taten des Psychopathen neigen sich nur selten so stark der Vollendung dessen kranker Pläne, wie es in „Tusk“ der Fall ist.

Von daher lenkt die schräge Walross-Grundidee ein wenig von der tatsächlich vorhandenen Banalität ab. „Tusk“ ist anders und doch recht gewöhnlich ausgefallen. Die verrückte Grundidee birgt weitere mit ihr einhergehende skurrile Zusatzideen, dennoch bleibt die Geschichte an sich doch seinen Vorbildern arg treu. Während der aufgeschlossene Gelegenheitsgucker des Horror-Genres sicherlich die Leiden des Helden auf intensivere Art miterlebt, so wie auch „The Human Centipede“ dazu einlädt, schaut sich „Tusk“ für den erfahrenen Horror-Zuschauer jedoch nicht extrem beklemmend und unangenehm, zumindest nicht so stark wie meine vorhin geäußerte Formulierung Extremerfahrung suggeriert. Immerhin bleibt mit der Figur des erst spät in die Geschichte stoßenden Ermittlers und der ohnehin grotesken Grundidee immer eine Spur Resthumor zur Auflockerung der Verhältnisse enthalten, was dafür sorgt dass trotz der drastischen Bilder die man zu sehen kriegt man eher einer flotten, entspannten Geschichte beiwohnt als der Tortur eines „Calvaire“.

„Tusk“ ist anders und ist es doch wieder nicht. Er lockt mit etwas Neuem um Altbekanntes im neuen Gewand zu bieten, angereichert mit provokanten Eigenschaften und Erweiterungen der bislang gesetzten Regeln. „Tusk“ ist weder Partykracher, noch wird er mit seinen Neuerungen zum neuen Meilenstein an den sich künftige Werke messen müssen. Dank einer guten Grundstimmung und einer begrüßenswert gut ausgewählten Besetzung, in der jeder zu überzeugen weiß, ist Kevin Smiths Horrorbeitrag aber zumindest gut gourtierbar.

Hatte der gute Mann 3 Jahre zuvor noch mit „Zack and Miri Make a Porno“ aus einer gewagten Idee völlig überraschend und untypisch für den Regisseur Mainstream abgeliefert, so passiert ihm dies bei „Tusk“ trotz der gewöhnlicheren Ebene als vermutet nicht. Sein Film ist ungewöhnlich genug um zu locken und ungewöhnlich genug um bis zum Schluss die Neugierde aufrecht zu erhalten. Mittendrin ist er allerdings unerwartet banal, um es einmal sehr streng auszudrücken.

Dass ich mit dieser Äußerung nicht wirklich übertreibe, zeigt sich in der Psychologie des Bösewichts, der zwar stets gewollt pseudo-philosophisch über die Menschheit herzieht (eine wundervolle Idee), dabei aber nicht zum Nachdenken anregt oder Gut und Böse vermischt oder gar vertauscht. Innen verbirgt sich nichts was es Außen nicht zu entdecken gibt. Die Psychologie bleibt banal. Wo andere Filme aus dem Opfer und mit ihm aus der kompletten Gattung Mensch das Monster machen und aus dem Vorleben des Psychopathen das Opfer, da bleibt „Tusk“ trotz diesbezüglich möglicher Grundlagen der äußeren, oberflächlichen Linie treu. Zu grotesk ist die Weltsicht des Seemanns und zu bizarr seine Vorgeschichte, als dass man sich in sie einfühlen könnte, um das Leid dahinter zu verstehen. Dies klingt lediglich kurz in den sehr direkten Worten über seine Kindheit im Heim an. Alles was auf See folgen soll, sprengt den empathischen Rahmen und lässt es nicht zu, dass „Tusk“ psychologische Tiefe erlangt.

Damit bleibt das Opfer Opfer und der Täter Täter, ganz schlicht gehalten, was erneut eine untypische Eigenschaft in einem sonst überraschend typischen Film ist. Da Kevin Smiths Werk aber nie den Eindruck macht den von mir vermissten Aspekt zu wollen, geht das auch in Ordnung. Mehr noch, dieser Verzicht wirkt sogar gewagt in einer Welt, in der jeder Cineast geil drauf ist die Tiefen eines Filmes analytisch herauszufischen und in einer Review intellektuell angehaucht zur Diskussion zu stellen. „Tusk“ ist flach und steht dazu, und gewinnt damit ironischer Weise mehr Tiefe als vermutet.

Das ist so bizarr wie der Film selbst, mag vielleicht sogar raffiniert sein, sofern es beabsichtigt ist, immerhin zeigt der Film an vielen Stellen auf, dass er keinesfalls geistfrei umgesetzt ist. Allerdings ist der Effekt des Tiefegewinns durch psychologische Oberflächlichkeit nun kein nennenswerter Eckpfeiler, der das Genre zukünftig verändern wird. Somit bekommt diese ungewöhnliche Eigenschaft damit eine direkte Verwandschaft zur grotesken Grundidee der Geschichte: sie ändert nichts daran, dass „Tusk“ überraschend gewöhnlich ausgefallen ist - zumindest für einen Film um einen Mann, der in ein Walross verwandelt wird.  OFDb

Nachtrag:

Beim zweiten Gucken hat mir "Tusk" wesentlich besser gefallen, konnte ich mich doch mehr auf die leisen Töne konzentrieren, und die haben es in sich. Eine tolle Kameraführung, eine wesentlich gewitztere Psychologie als nach dem ersten Gucken bemerkt und jede noch so kleine Rolle so hervorragend besetzt, dass selbst jede kleinste Szene großartig gemeistert wurde, kurzum: was der Geschichte an mancher Stelle an Innovation fehlt, macht der Film durch Professionalität und treffsicherem Augenzwinkern wieder wett.

14.02.2013

HERBIE FULLY LOADED (2005)

Maggie ist unter Rennfahrern groß geworden. Deswegen gefällt es ihr auch gar nicht, als sie beim Autokauf versehentlich den VW-Käfer Herbie erwicht. Der Frust ist schnell über Bord als Maggie Herbies Eigenleben und seine Geschwindigkeit entdeckt. Nun will sie Rennen fahren, aber ihr Vater, ein erfolgloser Rennfahrer, möchte das nicht…
 
Ein weiblicher Fahrer…
 
Zum sechsten Mal ist Herbie nun im Einsatz, und gäbe es im Vorspann nicht einige Szenen aus den Vorgängern und eine kurze Brücke zum aktuellen Teil, hätte man auch von einem freien Remake sprechen können. Nachdem Teil 5 nur noch ein kleiner TV-Film war, hat wohl auch niemand mehr mit einer echten Kinofortsetzung gerechnet. Selbst Dean Jones, Hauptdarsteller aus Teil 1 und 3, nicht, gab dieser doch im 5. Teil mit Bruce Campbell in der Hauptrolle bereits seinen Gastauftritt (der auch nicht seine emotionale Wirkung verfehlte), statt in diesem 6., der seiner würdiger gewesen wäre.

Nun ja, es beginnt alles, wie bereits erwähnt, mit Szenen aus den alten Filmen (die Kakteenumfahrszene ist als meistgezeigtester Rückblick auch wieder mit dabei) in einem Vorspann, der uns zu all dieser aufs Auge drückenden Nostalgie einfach nicht das dazu passende Lied präsentieren will. Das Herbie-Thema taucht nur einmal kurz, ziemlich zu Beginn des Streifens, auf, um danach nie mehr gehört zu werden. Schade, dabei gehört es doch zu den Top-Ohrwürmern der von der Masse vergessenen Soundtracks.

Die Geschichte konzentriert sich, wie bei den meisten Vorgängern, wieder auf das Rennen fahren. Am Steuer sitzt nun nach Bruce Campbell Lindsay Lohan, die mit ihrem Auftreten der Fortsetzung auch den nötigen Schwung bietet. Ohnehin ist Teil 6 recht flott inszeniert und mit bekannten Gesichtern in Nebenrollen verfeinert. Das ist in Anbetracht auf das zu routinierte Drehbuch auch dringend nötig. Dafür überrascht dieses mit einigen lockeren Witzen am Rande (wie das angebliche Treffen Herbies mit Kid aus „Knight Rider“). Aber das dürfte für einen Kinofilm ja wohl auch das mindeste sein inmitten von fleißigem Klau aus eigenen Reihen.

Im groben wird Teil 1 abgewandelt neu aufbereitet mit Elementen aus Teil 4 (Herbie verliebt sich in ein anderes Auto, diesmal ohne peinliche Autokinder). Während man sich im Original für alles viel Zeit ließ, arbeitet Teil 6, für seine Zeit typisch, inhaltlich alles flott ab. Das gibt dem fertigen Werk auf der einen Seite zwar ein flottes Gewand, auf der anderen Seite werden zwei wichtige Bereiche dadurch falsch eingesetzt.

Da wäre zum einen die obligatorische „Ich habe Herbie enttäuscht“-Szene, die so früh einsetzt, dass eine Freundschaft zwischen der Besitzerin und dem Auto noch gar nicht möglich war, was dem ganzen ohnehin schon dick aufgetragenen Gefühlsschmus noch zusätzlich fehl am Platz wirken lässt. Wenn man schon eine Geschichte kopieren will, dann sollte man auch Ursache und Wirkung beachten, gerade im psychologischen Bereich.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Das finale Rennen war in Teil 1 eine lange Prozedur durch die Landschaft, was dem bösartigen Gegner genug Möglichkeiten bot sich unfair zu verhalten und zu blamieren. Im aktuellen Teil erleben wir das klassische Rennen mit ewigem im Kreis fahren, bei dem dann irgendwann unsere Heldin gewinnt weil sie einfach schneller war. Die miesen Tricks des, mit Matt Dillon so hervorragend besetzten, Gegners kann man an einer Hand abzählen. Dillon spielt unglaublich gut und überzogen comichaft. Dass er das drauf hat bewies er ja bereits bei „Verrückt nach Mary".

Michael Keaton als Lindsays Vater spielt auch ordentlich, hat aber einen uninteressanten Part erwischt. Dieser mutiert zu allem Überfluss, Disneyfilm sei Pflicht, zum Familien-Gefühls-Papa, woher auch immer diese Läuterung zum Finale hin kommen soll. O.k., dann fährt Töchterchen trotz allem vorrangegangenen Papa-Protestes halt doch, und die an sich doch niedlichtraurige Begründung zuvor, warum Daddy sein Töchterchen nicht fahren lassen wollte, löst sich einfach so in Luft auf.

Nun gut, einen Film wie „Herbie Fully Loaded“ sollte man sicherlich auch nicht zu streng sehen, soll er doch nur flotte Popkorn-Unterhaltung bieten und schnell wieder vergessen sein. Dennoch muss sich auch ein solches Werk berechtigte Kritik gefallen lassen. 

Dass in Zeiten modernem Trickkinos auch Herbie selbst mutiert ist, und zwar zu einer Art freundlicher „Christine“, ließ sich wohl nicht vermeiden, ist bis auf eine völlig blödsinnige Komplettmutierszene im Hintergrund auch halbwegs o.k., obwohl es Herbie zu sehr vermenschlicht. Gerade Teil 2 erklärte dem damals noch aufgeschlossenerem Menschen, wie es sich mit der Seele von Gegenständen verhält, ohne diese gleich auf das Menschliche zu beziehen. Es ist schon interessant dass in einer Zeit, in der sich Leute gerne politisch korrekt nennen, gerade das Hineinfühlen in Andersartige kaum möglich scheint. 

Die mimischen Tricks Herbies sind simpel wie brauchbar und niedlich noch dazu. Schade dass man auf der Schrottplatzszene, in der er und seine zukünftige Fahrerin sich das erste Mal begegnen, nicht das niedliche Hupen aus Teil 1 ertönen ließ, dies hätte die sympathische Wirkung des kleinen, traurigen Käfers in dieser Phase des Films noch unterstreichen können.

Mein letzter Kritikpunkt ist wieder inhaltlicher Herkunft. Wenn man den Film schon auf eine Fortsetzung auslegt, statt auf eine Neuverfilmung, dann sollte man daraus auch die inhaltlichen Konsequenzen ziehen. So gut wie Sport-Freaks sich Daten und Personen merken können (dem Cineasten im Filmbereich recht ähnlich) müsste sich doch bitte irgendwer an Herbie erinnern können. Er war ja nun auch damals schon nicht gerade das typische Rennauto und sorgte für allerhand Schlagzeilen.

In Zeiten vom Internet stellt sich diese Frage bereits bei der Rolle Matt Dillons. Hätte er sich erkundigt würde dies auch erklären, warum er viel zu schnell vom Eigenleben Herbies überzeugt ist, während andere erst x Situationen mit dem Käfer durchleben müssen um das zu begreifen. Dies tat er nicht, und bei ihm könnte man noch, passend zu einem Comicbösewicht, argumentieren, dass er einfach zu blöde ist um auf eine solche Idee zu kommen. Warum aber jeglicher Beteiligter des Rennsports, welche Aufgabe auch immer er hat, nicht einmal von dem kleinen Käfer aus den 60er und 70er Jahren gehört hat, bleibt ein ewiges Rätsel von „Herbie Fully Loaded“.

Was manch einer als Kleinkrämerei auslegen mag, sind für mich, auch in einem Popkornfilm, kritikberechtigte Punkte. Immerhin hemmen derartige Unlogiken und die Ignoranz das Sehvergnügen des sonst so flotten Filmes. Teil 6 hätte ein gelungener Streifen werden können. Den Cast und die Tricks dazu hätte er schließlich gehabt. Was fehlte war schlicht weg der irgendwann in den 80er Jahren verschollen gegangene Mut des Disneykonzerns und die Intelligenz und den Respekt früherer Filmschaffender. Letzteres ist gerade in Fortsetzungen eine benötigte Eigenschaft, auch im Kino für das Massenpublikum.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich am Ende aber noch einmal betonen dass wir es hier mit einem flotten, unterhaltsamen Filmchen zu tun haben, das gekonnt routiniert sein Ding durchzieht und sich wunderbar zum einfach mal Abschalten eignet.  OFDb

02.02.2013

PLANET 51 (2009)

Auf dem Planet 51 geht alles seiner friedfertigen Routine nach, bis eines Tages ein Raumschiff von der Erde landet und die Panik vor einer Invasion ausbricht...

Mehr als nur Steine...
 
Wenn der Bösewicht am Ende des hier besprochenen Streifens zum Guten bekehrt werden soll, packt „Planet 51“ seine Botschaft ganz offen aus: Habe keine Angst vor dem Unbekannten! Aber wie will man eine Botschaft glaubwürdig verkaufen, wenn man sie selber nicht vertritt? Die Verantwortlichen dieses Zeichentrickfilmes schienen ebenfalls Angst vor dem Unbekannten zu haben und scheuen sich jeder eigenständigen, neuartigen Idee und paddeln brav im stillen Wasser des US-Familien-Erfolgsrezepts der letzten 20 Jahre mit. So wie seinerzeit „Robots“ mit seiner Warnung vor bösen Konzernen unterging, da er selber nur ein kühl kalkuliertes Produkt eines solchen war, so wird „Planet 51“ aufgrund seiner Mutlosigkeit in Vergessenheit geraten.

Im Gegensatz zum Vergleichsfilm weiß er zumindest routiniert zu unterhalten, aber das ist schon recht wenig für eine solch nette, verdrehte Filmidee, in welcher der Mensch zum Außerirdischen wird, da er einen bewohnten Planeten besucht. Mit seinem Auftauchen löst er eine Panik unter den Einheimischen aus, die, wie sie es vom Kino gewohnt sind, an die Bösartigkeit der fremden Kreatur glauben. Mit dieser Idee endet auch bereits die Kreativität der Verantwortlichen.

Alles weitere ist bekannt: die Mentalität der Außerirdischen ist jene des US-TV-Niveaus der 50er Jahre, Verweise auf Filme ähnlicher Thematik gehen nur Richtung Blockbuster a la „E.T.“ und „Krieg der Welten“ (selbst der ebenfalls recht durchschnittliche „Megamind“ bewies mehr Fachwissen mit einer Anspielung auf „Robot Monster“), und die Geschichte ist so vorhersehbar, dass es fast schon wundert, dass man beim Zuschauen nicht rammdösig wird.

Am schlimmsten sind jedoch die Figuren ausgefallen. Ihre Charaktere sind billige Abziehbilder ohne einen Hauch Individualität. Am schlimmsten getroffen hat es die Teenagerin im Bunde, die auf langweilige Art nur das Mädchen sein darf und den menschlichen Astronauten, bei dem man sich nicht sicher war ob er nun gut oder böse charakterisiert werden soll, also versuchte man beides zugleich, was die Figur vollends gegen die Wand fährt.

Zeichnerisch sieht es nicht besser aus. Zwar ist „Planet 51“ eine professionelle Produktion (wenn auch nicht ansatzweise mit so detailfreudigen Hintergrundwitzchen versehen wie Werke von Pixar und Dreamworks), aber die Figuren selbst sind so einfallslos konzipiert wie die Geschichte selbst. Mit nur leichten und all zu klassischen Veränderungen wirken die Bewohner des Planeten wie Menschen, was dringend hätte verhindert werden müssen, da ja bereits die Mentalität ein Spiegelbild der Amerikaner ist.

Großkotzig darf der Astronaut sich noch verabschieden mit den Worten, dass der wahre Spaß erst in den 60er Jahren losgehen würde und hievt die hilfsbereite Bevölkerung damit unter das Niveau des fortgeschrittenen Amis. Der klassische US-Größenwahn ist also durchaus vertreten, allerdings nicht in Form von Satire, sondern in der üblen Variante der Selbstherrlichkeit.

Satire ist da trotz aller vorhandener Möglichkeiten ohnehin kaum vorhanden, werden die 50er Jahre doch derart gut geheißen und zelebriert, dass eine Kritik an der Vergangenheit Amerikas ebenso wenig auftaucht wie jene an der Gegenwart.

Dass „Planet 51“ nicht untergeht, verdankt er der netten Figur eines kleinen Steine-sammelnden Roboters, der schrillen Wissenschaftler-Rolle, welche John Cleese sprechen durfte, und dem kleinen, stillen Humor am Rande (meist nett eingefädelte Missverständnisse), der zwar nie hervorhebenswert zu nennen ist, den Film aber auf 90 Minuten nie langweilig werden lässt trotz bewährter Rezeptur. Erstaunlich ist, dass bei all den Fehlern die gemacht wurden, nicht auch die Kitsch- und Pathosschraube zu eng angezogen wurde. Damit sind die wirklich unangenehmsten Eigenschaften heutiger US-Familienproduktionen wenigstens nicht mit an Bord.

Der Vorspann, der wie heutzutage häufig angewendet erst vor dem Abspann erscheint, ist eigentlich das sympathischste am ganzen Film, darf man hier doch Kreaturen in einem Zeichenstil sichten, der geradezu typisch für die Popkultur der 50er Jahre war. Warum konnte man einen Film nicht mutig in diesem Stil kleiden? Es ist schon schade, dass ein Produkt hier und in seinen außerirdischen Kinoszenen sich diesbezüglich am originellsten gibt.

Wer anbei moderne Stoffe eingekleidet in der Kultur der 50er Jahre auf die amüsante Art sichten will, sollte entweder zur Horror-Komödie „Fido“ greifen, zur Komödie „Pleasantville“ oder, wenn es denn unbedingt Zeichentrick und Science Fiction sein soll, zu „Der Gigant aus dem All“. „Planet 51“ ist guckbar, aber bei so ziemlich jedem über 14 wird er keine überwältigende Begeisterung entfachen.  OFDb

30.12.2012

GALAXY QUEST - PLANLOS DURCHS WELTALL (1999)

In den 80ern war die Science Fiction-Serie „Galaxy Quest“ ein großer Hit. Heute leben seine Hauptdarsteller davon auf Fan-Conventions aufzutreten. Einzig Nesmith, der ehemalige „Captain“ findet Gefallen an diesem Leben. Nach einem seelischen Tief, wird er von Aliens kontaktiert, welche die alten Serienaufzeichnungen für historische Dokumentaraufnahmen halten und bitten ihn um Hilfe, da ein Tyrann ihre Gattung bedroht. Nesmith glaubt er würde für ein Schauspiel engagiert und findet sich im Weltall wieder im Krieg gegen ein mächtiges Wesen. Es dauert nicht lange, und der Rest der Crew folgt ihm...

Weltraum-Amigos...
 
Trotz seiner zu versöhnlichen Einstellung mit dem Extremfan ist „Galaxy Quest“ eine wirklich hervorragende Parodie auf Serien wie „Star Trek“ und deren Fankult geworden. Vielleicht hätte man eine Spur gnadenloser mit der Thematik umgehen können, auf familiengerechter Basis ist das Ergebnis aber erstaunlich gelungen und behält auch den nötigen Respekt seiner „Opfer“ gegenüber im Auge (was nicht nur Serien sondern auch deren Darsteller betrifft).

Schauspielerisch gibt es einiges zu entdecken. Tim Allen überraschte mit einer Leistung, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Grundsätzlich gucke ich seine Filme gerne, aber mehr wegen seiner sympathischen Ausstrahlung, weniger wegen seines Talentes. Sigourney Weaver wirkt mit blonden Haaren etwas blass, die Chance ihre Rolle aus „Alien“ zu parodieren, was ja nur bedingt mit dem inhaltlichen Stoff „Galaxy Quest“s zu tun gehabt hätte, wird fast komplett vertan. Ihre Leistung ist beachtlich, auch wenn sie im Wirrwarr der ganzen Humorextreme mit ihrer schlichten Rolle kaum auffällt.

Das größten Lob gebührt dem Schauspieler, der den Anführer der braven Aliens spielen darf. Eine so herrlich schräge, kaputte Rolle darf man nur selten spielen, und er hat sichtbaren Spaß dabei. Auch das wichtigste weibliche Alien ist gut gecastet und spielt sichtlich erheitert. Das dürfte ohnehin der große Pluspunkt an dieser Science Fiction-Komödie sein: allen Beteiligten sieht man ihren Spaß an dem Projekt an.

Warum auch nicht: Die Geschichte ist pfiffig, bietet allerhand gute Gags und erkennt die Unmenge an Möglichkeiten, um wirklich viele davon einzubringen. Von dem Countdown einer Bedrohung und der Rettung in letzter Sekunde, über die Unnötigkeiten mancher Serienrollen, bis hin zu Kirks ewig nacktem Oberkörper, wird wirklich alles durch den Kakao gezogen. Trotz allem Blödsinns kommt es, ihm Rahmen dessen was in einer eher albernen Komödie möglich ist, auch zu ernsten Momenten.

So bricht es einem beim Zuschauen fast das Herz, wenn der angebliche Captain seinem Alienfreund erklären muss, was ein Schauspiel ist. Auch die verhassten Worte des intellektuell angehauchten Schauspielers, der seine Rolle abgrundtief zu hassen scheint, lassen den Zuschauer traurig lächeln, wenn er diese zu einem sterbenden Fan spricht. Solche Momente rühren, und das in Mitten von Irrsinn.

Dass die komplette Idee eigentlich von „Drei Amigos!“ geklaut ist stört recht wenig. Dieses Stück Film schafft es endlich wieder verschiedene Zuschauergenerationen gut zu unterhalten, ohne dass eine Seite davon Abstriche machen muss. Das hat schon lange kein Popkornfilm mehr zuvor geschafft. Nicht ganz das Kaliber eines „Zurück in die Zukunft“, aber doch recht nah dran, können alle Beteiligten an diesem Werk zu recht stolz auf das Endprodukt sein.

Ein diesmal wichtiger Faktor sind die Spezialeffekte, an denen es wirklich nichts zu meckern gibt. Computeranimation und handgemachte Elemente (wie manch skurrile Maske) schaffen ebenso wie Buch und Spiel ständig den Spagat zwischen wirksamer Komik und deutlicher Parodie-Anlehnung an ein Vorbild.

Also: Wer dieses Filmchen noch nicht gesichtet hat sollte dies schleunigst nachholen. Dank des guten Drehbuches muss man Serien wie „Star Trek“ nicht einmal mögen um mitlachen zu können. Teilweise könnte eine solche Negativhaltung den Lachgehalt eventuell sogar erhöhen. Ich weiß es nicht, immerhin bin ich selbst Fan einer solchen Serie, nämlich der, der 60er-Jahre „Raumschiff Enterprise“. Ich mag zwar auch die Serie „Lexx“, aber wegen ihres hohen Anspruches wäre es falsch diese im selben Atemzug mit zu nennen.  OFDb

23.12.2012

IDIOCRACY (2006)

Für ein Jahr soll ein sehr durchschnittlicher Soldat und eine freiwillige Zivilistin zu Versuchszwecken eingefroren werden. Dummerweise gerät das Projekt in Vergessenheit, und so wachen Joe und Rita erst 500 Jahre später auf. Auf den ersten Schock folgt der zweite: die Welt ist komplett verblödet. Joe ist mit seinem damaligen Durchschnitts-IQ gar der klügste Mann der Welt geworden...

Schock und Bestätigung zugleich...
 
Da gibt es diese wirklich großartige Filmidee, und den Verantwortlichen dieses Werkes fällt nichts besseres ein, als ihm den albernen Namen „Idiocracy“ zu geben. In manchen Augen scheint der Streifen diesen verdient zu haben, bietet er doch besonders albernen Klamauk. Aber solchen Personen teile ich gerne eine wertvolle Information mit: Klamauk ist nicht immer geistlos. Und so verhält es sich auch in dieser Science Fiction-Komödie. Der Klamauk entsteht aus der konsequenten Weiterführung der Ausgangsidee. Man kann diese verblödete Welt nicht ohne Daueridiotie darstellen (nicht in einer Komödie), zumindest nicht wenn sie der Hauptnerv der Geschichte ist.

Als Gegenpol zum sehr albernen Drumherum steht das Versuchskaninchen Joe (selbst sein Name ist Durchschnitt). Dieser tappst recht ernst durch den Film. In dieser Welt voller Dummheit übertragen sich seine Gefühle, und mögen sie noch so banal sein, direkt auf den Zuschauer, der keine andere Wahl hat als Joe als Identifikationsfigur anzunehmen. Und das selbst dann, wenn Regisseur Mike Judge den Durchschnittsmenschen von heute augenzwinkernder Weise auch nicht komplett ohne Dummheit segnet. Zumindest bekommt man ein arg unwohliges Gefühl, wenn Joe sich in der Zukunft nach einer Zeitmaschine informiert, weil man bereits damals an so etwas gearbeitet habe. Autsch! Was ein Tiefschlag an uns Durchschnittsbürger!

Besetzt wurde die Rolle des Joe mit Luke Wilson. Der spielt diesmal nicht ganz so bravourös wie in „Die Royal Tenenbaums“ (wo er die großen Stars fast an die Wand spielte) und in „Die Super-Ex“ (wo er beweisen konnte welch tolle Mimiken er auf Lager hat). Aber er spielt gut. Man muss einfach mal anerkennen, dass das Talent eines Schauspielers sich auch anhand von Zurückhaltung zeigen kann. Wilson spielt zurückhaltend, damit die verdummte Welt um so extremer wirken kann.

Als ob sie das nicht auch so schon würde, so aber wirkt sie wie ein Atomschlag gegen jede Form der Intelligenz. Das wirkt albern, das ist es im Effekt auch, aber der Hintergrund sieht ganz anders aus. Das ist intelligente Kritik am Werteverfall heutiger Zeiten, und dieser wird sogar in zwei Bereichen gezeigt: der Mangel an Bildung/das Desinteresse an gehirnanregenden Aktionen und die moderne Haltung der Familienplanung gegenüber.

Diese wird gerade in den ersten Filmminuten hervorragend parodiert, in einer Phase, in der uns zunächst einmal erzählt wird wie es zu der verdummten Welt kommen konnte. Der Anfang ist auch gleich der Höhepunkt des kompletten Filmes, denn eines kann man dem Restfilm trotz seines guten Ergebnisses ruhig vorwerfen: der Satiregehalt hätte ruhig noch eine Spur höher ausfallen können. Die Grundidee lässt noch mehr Ideen offen als die komplett albernen.

Etwas, das man in anderen Science Fiction als negativ betrachten würde, ist in „Idiocracy“ eine besonders positive Eigenschaft. „Beavis und Butt-Head“-Erfinder Mike Judge orientiert sich stark an unserer Zeit. Hier wird kein komplett fremdes Zukunftsbild entwickelt, sondern der intelligente und durchschnittliche Part von heute einfach ausgeblendet. Und die Idioten aus der Gegenwart in übertriebener aber nicht unrealistischer Form werden als alleinige Bewohner dieser Welt gezeigt.

Sie tragen Anziehsachen wie die hirnlosen Prolls von heute. Sie interessieren sich für das gleiche geistlose Zeug, reden genau wie die wenig gebildeten Leute von heute. Sie sind komplett an der „Kultur“ der Dummen der Gegenwart orientiert. Dadurch entsteht ein komplettes Identifizieren mit dem Problem von heute. Wer ist nicht schon einmal verzweifelt, wenn er in Talk Shows die White Trash-Gesellschaft hat reden hören? Wer verzweifelt nicht, wenn nicht einmal deutsche Bürger ihre eigene Sprache beherrschen? Wer verliert nicht den Glauben an Vernunft und Intelligenz, wenn grundlegende Dinge im Alltag wie ethische Grundwerte und Politik sich als völlig dumm outen?

Hier trifft Judge genau den Nerv der Zeit, und es dürfte kaum einen halbwegs denkenden Menschen geben, der sich nicht beim Ansehen von „Idiocracy“ bestätigt fühlt, zumal der auch den Kern der Dummheit auf den Zahn fühlt: die Gier. Lediglich der zweite Eckpfeiler der Dummheit, die Eitelkeit, kommt mir zu kurz, aber was soll ich da meckern, wo das Ergebnis doch so angenehm ausgefallen ist.

Leider konzentriert sich Judge nur auf Amerika. Joe kommt nicht einmal in den Sinn zu schauen, ob es dem Ausland ähnlich ergeht. Ich sympathisiere mit einer Idee von mir, in welcher das Ausland kichernd das Treiben im verblödeten Amerika beobachtet. Das wäre vielleicht eine Idee für eine Fortsetzung. Aber was soll man am Ausblenden des kompletten Auslandes in diesem Film verstehen? Ist es das übliche, kulturell geprägte, Ignorieren anderer Länder oder ist es gar eine Parodie darauf? Verkörpert über Joe könnte dies ein ähnlicher Tiefschlag sein, wie die Frage nach einer Zeitmaschine. Da das Thema Ausland aber nicht einmal im kleinsten Hauch angesprochen wird, vermute ich leider ersteres.

Außerdem hinterlässt der Film bei mir ein Wechselbad der Gefühle, was seine Schauwerte angeht. Soll hier wirklich immer nur Parodie stattfinden, oder biedert sich der Film nicht auch dem sensationsgeilen Publikum an? Ein Catcher als Präsident der USA, willkürliches Herumgeballer durch gedankenloses Waffen nutzen und nicht zu vergessen der Showdown, der während eines Monster-Truck-Crash-Spektakels stattfindet. Wie oben erwähnt ist das alles konsequent, aber die stillen Gags, die auf ähnliches abzielen, haben meiner Meinung nach eine größere Wirkung: Die Weltnachrichten als Unterabteilung in einem Sexheftchen, das Fernsehprogramm mit Sendungen wie „Autsch meine Eier“. Nur eine Idee kommt komplett einfallslos, uninspiriert und komplett unwitzig daher und die betrifft das Kinoprogramm der Zukunft. Hier kommt ein Niveau auf, das den Rest des Filmes zum Glück nicht mehr wiederholt wird.

Der versöhnliche Schluss, in einer Welt voller Idioten noch etwas charmantes oder gar positives zu sehen, gehört ebenfalls zu den Punkten, die sich dem Publikum zu sehr anbiedern. Ein solcher Schluss ist typisch für amerikanische Filme, aber sollte man, wenn man die geistlosen Dinge der Jetztzeit parodiert, nicht auch auf solche Elemente hinweisen? Immerhin führt auch die ewige Wiederholung zur Geistlosigkeit (was der Film mit seiner Parodie auf gelernte Werbesprüche an anderer Stelle auch sehr deutlich macht). Sollte man Kritik wirklich nur inhaltlich einbringen? Wäre sie nicht auch in der Form angebracht gewesen? Ein Film mit konsequenterem Schluss hätte mehr geboten als nur eine gefühlnahe Geschichte, die einen erfreut und Angst zugleich macht. Ein Film, der auch in seinem Erscheinen anders gewesen wäre, hätte mehr Denkanstöße bieten können.  OFDb

20.12.2012

TRENNUNG MIT HINDERNISSEN (2006)

Gary und Brooke sind ein Paar. Doch da Gary Brooke nicht die nötige Anerkennung schenkt will sie ihm eine Lektion erteilen und macht Schluss. Aus dem „Spiel“ wird ein echtes Aus. Von nun an leben die beiden Getrennten gemeinsam in ihrer Wohnung und machen sich gegenseitig die Hölle heiß...

Spiel mit dem Stolz...
 
„Der Rosenkrieg“ als romantische Komödie, so könnte man den Film bis zu einem gewissen Zeitpunkt bezeichnen. Doch Wendungen, die letztendlich zu einem für US-Verhältnisse überraschenden Ende führen, distanzieren sich ein wenig von der Bezeichnung. Ohnehin fällt bei der einleitenden Zusammenfassung das Wort Komödie negativ ins Auge. Sicherlich ist „Trennung mit Hindernissen“ lustig gemeint. Er ist jedoch eine Spur zu ernst erzählt und beherbergt zudem tragische Momente.

Gegen eine ernste Herangehensweise mag auf dem ersten Blick nichts sprechen. Schaut man sich aber die Extreme der Geschichte an, so wäre ein extremeres Humorpotential als Ergänzung zu wünschen gewesen. Der beleidigte Gary veranstaltet eine Strip-Orgie im trauten Heim, Brooke verarscht Kerle um ihren Ex zu verarschen. Hier geht man sprichwörtlich über Leichen, wenn auch nie bis zur berühmten auf den Fisch pinkeln-Szene wie im „Rosenkrieg“. Trotzdem fehlt den einzelnen bösartigen Einfällen stets der Schritt zum echten Mut. Der Einfall ist das humoristische Element, dem folgt in solch fiesen Momenten jedoch keine ergänzende Komik.

Dies fehlt mir ein wenig in einem Streifen, der ansonsten durch einige Ausnahmen angenehm auffällt. Die ungewöhnlichen Randfiguren werden nicht so lächerlich präsentiert wie beispielsweise in „Notting Hill“, sondern haben noch eine gewisse Würde. Wie oben erwähnt ist der Schluss ungewöhnlich. Klischees werden nur eingebracht um Klischees einen Arschtritt zu geben. Die wahren Schwachpunkte der Charaktere werden aus dem Leben abgeleitet: verletzter Männerstolz, undurchsichtige Frauenspiele, das Pochen auf Unwichtiges, etc.

Was der Tragikomödie mit Schwerpunkt Komödie für ein besseres Ergebnis fehlt ist jedoch eine echte Sympathie-Figur. Über die schauspielerische Leistung von Vince Vaughn und Jennifer Aniston kann man nicht meckern. Aber die Figuren, die ihnen vom Drehbuch zugeschrieben wurden, sind trotz gewisser Realitätsnähe nicht griffig. Zwar stimmt die theoretische Rezeptur, wenn man sich an lebensnahen Schwachpunkten menschlicher Psyche orientiert, aber die Gewichtung ist falsch gewählt.

Frauen reden gerne in Rätseln und Männer sind zu dumm zu verstehen, was die Damenwelt möchte. Ein Klischee? Zumindest hin und wieder zu beobachten. Der Code Brookes ist jedoch nicht schwer zu durchschauen. Im Gegenteil, sie wählt recht deutliche Worte, auch wenn sie erst gegen Ende klar ausspricht was sie stört. Das macht beide Figuren etwas kaputt. Bei einer Frau, die einen zu deutlichen Code verwendet, verzichtet das Drehbuch auf humorvolle Übertreibung. Und der Ehemann, der das ganze nicht kapiert, wird nicht in die Rolle des typischen Mannes gepresst, sondern in die eines Egomanen, der so stark nur an sich denkt, dass man ihm die Frau auch nicht zurückwünscht.

Wenn nun noch die Frauenrolle darin besteht, so püppchenhaft zu wirken mit all den Frauentugenden die der Mann an dem falsch emanzipierten anderen Geschlecht so zu schätzen weiß, dann ist auch die Würde der Frauenrolle dahin, so dass auch keine echte Sympathie zu Brooke aufgebaut werden kann.

So darf man letztendlich den ganzen Film über zuschauen wie Brooke sich mit Gary zofft. Und wenn dieser Zustand pausiert zofft Gary sich mit seiner und Brooke sich mit ihrer Umwelt. Als reine Komödie wäre dieser Zustand wohl kaum auszuhalten und würde in hysterisch schräger Komik enden, wie sie typisch für Goldie Hawn oder Whoopi Goldberg wäre. Da aber auch ein leichter Touch Drama das Geschehen begleitet, weiß der an sich monotone rote Faden auf simpler Ebene zu unterhalten.

Dennoch wird deutlich, dass mehr möglich gewesen wäre. Zumindest kann man den Verantwortlichen des Filmes nicht vorwerfen, dass sie nicht wüssten was sie wollten. Es wird deutlich dass Mitproduzent Vince Vaughn genau weiß wie er seine (von wem anders geschriebene) Geschichte und seinen Charakter zu verstehen hat. Und man merkt auch, dass manches Ärgernis darauf begründet ist, was letztendlich zu dem interessanten Film-Ende führt. Da dies jedoch eine Überraschung sein soll, kann man mit der darauf hinarbeitenden Rezeptur nicht sympathisieren. Und wenn man sie begreift, ist es schon zu spät und der Film bereits nur noch bei der angenehmen Mittelmäßigkeit angekommen.

Ein wesentlich besseres Ergebnis erzielte Regisseur Peyton Reed erstaunlicher Weise beim banaleren „Ja-Sager“. Zuvor waren die meisten seiner Werke, wahrscheinlich durch die Arbeit im Hause Disney, eher mittelmäßiger Natur. Er drehte den 5. Herbie-Film, der trotz guter Rezeptur sehr enttäuschte („Der tolle Käfer kehrt zurück“), er drehte den sehr mageren „Dexter Riley“, der für sein Subgenre viel zu brav daherkam. Er drehte aber auch den banalen aber flotten „Girls United“. Trotzdem hat er erst mit „Trennung mit Hindernissen“ erstmals auf eine angenehme, da nicht endlos ausgelutschte, Rezeptur gesetzt. Und auf seine zukünftigen Regiearbeiten kann man vielleicht neugierig sein, nun wo er mit „Der Ja-Sager“ sein erstes gutes Werk abgeliefert hat.

Unter Produzent, Ideengeber und Hauptdarsteller Vince Vaughn hat er zumindest erste Gehversuche in einem ernstzunehmenden Filmprojekt gemacht und sich wacker geschlagen. Die eigentlichen Mankos liegen schließlich am Drehbuch.  OFDb

08.12.2012

NOT A GIRL (2002)

Teenagerin Lucy zieht in die Welt um Sängerin zu werden...

Britney nennt sich Lucy... 
 
Wenn Modepüppchen in ihrer trivialen Welt Verständnis finden, Oberflächlichkeiten zu den wichtigsten Nöten werden und Britney Spears vom Drehbuchautor immer wieder „pfiffige“ Gelegenheiten beschert bekommt um zu singen, dann hat „Not A Girl“ sein Ziel erreicht. Allerdings muss man auch nicht jeden Film gut heißen, der dies tut.

Das Anschauen dieses Produktes (womit sowohl das Produkt der Film, als auch das Produkt Spears gemeint ist) tut nämlich einfach nur weh. Unglaubwürdige Figuren, Charakterkonstellationen und Selbstbewusstseinswandlungen inmitten von Selbstüberschätzung, Äußerlichkeiten und Magersucht und mittendrin Dan Aykroyd. Na hoppla? Was hat der denn hier zu suchen? Wurde ihm erzählt dies wäre „My Girl 3“? Fieser Plan! Nun ja, es ist traurig dieses Genie nur noch in Nebenrollen und Gastauftritten zu sehen, aber wieso lässt er sich zu diesem Auftritt herab? An Geldarmut dürfte es bei Mr. Aykroyd wohl kaum liegen.

Dass der Film Mist ist, ist keine Überraschung. Spears niedliche Momente, die es durchaus gibt, werden schnell durch ihre überhebliche (oder zumindest so wirkende) Art zerstört. Da man in der Presse viel von dem verwöhnten Ex-Teen-Girl zu lesen bekam, ist es auch schwierig sie in dieser, zu ihrer echten Person so extrem widersprüchlichen, Rolle ernst zu nehmen, oder überhaupt akzeptieren zu können. Dafür kann sie auf den ersten Blick nichts. Aber man sollte auch bedenken dass das Werk kein rein fiktiver Film ist.

So sehr die Geschichte auch erfunden ist und der Name Spears' Figur ebenso, hat man doch aus Promotiongründen Spears als Spears verkaufen wollen. Das wollte der Fan sehen. Und die Methode, mit der sie sich zu diesem Zeitpunkt verkaufte steht nun einmal im krassen Gegensatz zu der vom frühen Ruhm ruinierten, kaputten Person, die wir heutzutage (noch) in der Presse erleben (dürfen). Hätte Britney, wie manch andere Sänger, versucht ins Filmgeschäft einzusteigen ohne dies mit der Gesangskarriere direkt in Verbindung zu bringen, wäre diese Wirkung heute bei „Not A Girl“ nicht zu sehen. Aber wer, ähnlich wie die Spice Girls im Film lediglich sich, das Produkt, anbietet, muss nun mal damit rechnen, dass Veränderungen in Person und Alltag auch das Bild früherer Werke, in diesem Falle der Film, ins Wanken geraten lassen.

Wie meine einleitenden Worte schon verkünden macht dies den Kohl bei „Not A Girl“ allerdings nicht fett. Der Film ist einfach Schrott, eine mögliche, vergangene Britney Spears-Sympathie hätte da auch nichts retten können.

Zum Schluss noch ein kleiner Filmfehler, der typisch für das ignorante Publikum solcher primitiven Werke ist, aber auch typisch für die Gattung Musikfilm überhaupt: Mauerblümchen Spears will beim öffentlichen Karaokeabend nicht singen. Ihre Freundin bittet sie es dennoch zu tun. Schüchtern legt Britney Spears los, liest singend brav den Text von „I Love Rock'n Roll“ ab, die Betonung schwächelt noch etwas unter dem mangelnden Selbstbewusstsein. Aber kaum ist es da, da legt Britney gnadenlos auf der Bühne los. Und jetzt kommt es: und kann von da an durch Zauberhand auch den restlichen Text auswendig. Ich weiß, es ist Kleinkrämerei, aber ich mag solche Filmfehler einfach.

Streng gesehen ist „Not A Girl“ ein kompletter Filmfehler. Sehenswert dürfte er nur für Britney Spears-Fans sein, und dann auch nur für jene Gattung, die in ihrer Oberflächlichkeit die argen Oberflächlichkeiten in Story und Charakterzeichnung zu übersehen wissen. Da genau jene aber auch meist nur der Musik hinterher jagen, die gerade angesagt ist, dürfte es schwierig sein dementsprechend heute noch ein Publikum für diesen Schund zu finden. Trashfans haben auf jeden Fall interessantere und lustigere Gebiete zum abgrasen.  OFDb

16.11.2012

S.H.I.T. - DIE HIGHSCHOOL GMBH (2006)

Bartleby wurde an keinem College seines Landes angenommen. Um seine Eltern nicht zu enttäuschen erschwindelt er eines, das ihn aufgenommen hat. Eine Website der Schein-Lehranstalt ist schnell programmiert, und von nun an geht alles Schlag auf Schlag: Daddy will seinen Sohn persönlich hinfahren, also muss ein Gebäude her. Daddy will mit dem Dekan sprechen, also muss einer engagiert werden. Nach allerhand Wirbel muss Bartleby feststellen, dass er einen College-Betrieb ins Leben gerufen hat, das von nun an von jeder Menge Teenagern besucht wird, die ebenfalls nie die Chance hatten zu studieren. Bartleby versucht alles, damit der Schwindel nicht auffliegt. Doch das spießige Konkurrenz-College beäugt das ungewöhnliche Treiben der Lehranstalt mit großem Interesse. Allein schon deswegen, weil Bartleby dem Oberhaupt der angesagtesten Studentenverbindung von dort sein Mädchen ausgespannt hat...

S.H.I.T. Happens – Man muss es nur wollen...
 
Teenie-Komödien, die große Berühmtheit erlangen, bieten meist eine eher schlichte Geschichte. Bei „Ferris macht blau“ war der Name Programm, in „American Pie“ ging es ähnlich wie in der „Eis am Stiel“-Reihe um das Flachlegen von Frauen, und in „Superbad“ um das Auftreiben von Alkohol für eine Party. Das ist alles recht oberflächlich betrachtet, mir ist sehr wohl bewusst dass jeder der genannten Filme zwischen den Zeilen tiefer ging, aber rein vom Aufhänger her waren diese populären Streifen seines Subgenres schon sehr schlicht gestrickt.

Hin und wieder zeigen sich versteckt im Meer der Teenie-Komödien jedoch auch richtig gute Ideen. Manche wie „Election“ streifen das Genre nur, andere wie „Dead Man On Campus“ badeten mittendrin. „S.H.I.T.“ hat eine recht gewitzte Idee, die auf der Vorliebe jener Genre.-Beiträge aufbaut, in welcher die Hauptfigur ein professioneller Trickser und Schummler ist („Ferris macht blau“, „Party Animals“, „Slackers – Ran an die Braut“, ...). Den bekannten Schritt des Mogelns pumpte man in einer solchen Extreme auf, dass ein Student sich diesmal sein eigenes College aufbaut.

Ich sympathisiere mit dieser Idee, auch wenn ich mir im Vorfeld die Frage gestellt habe, wie man diese Geschichte glaubhaft umgesetzt bekommt. Nach Sichten von „S.H.I.T.“ bin ich nicht schlauer, wussten es die Verantwortlichen des Streifens doch auch nicht. Das ist schon schade, denn die Idee hätte eine bessere Herangehensweise verdient. Da er jedoch schlichtweg der Gattung des Party-Films zugehören möchte, funktioniert er auf dieser Basis jedoch recht gut.

Mit Justin Long, den die meisten wohl aus „Jeepers Creepers“ oder spätestens aus „Stirb langsam 4.0“ kennen werden, hat man jemand Überzeugendes und Talentiertes für die Hauptrolle gewinnen können. Der Rest spielt o.k., eben so wie es für das positive Ergebnis eines schlichten Filmes reicht. Das Problem am eher schwankenden Ergebnis sind auch nicht die Schauspieler, die eben erwähnte fehlende Glaubwürdigkeit oder sein Hang zum Partyfilm, es sind die Charaktere.

Wie im eben erwähnten Vergleichsfilm „Dead Man On Campus“ opferte man seine hervorragende Idee nämlich der Extrem-Charaktere zu liebe. Schräge Comic-Figuren, fern jeder Realität, wissen einen zwar hin und wieder zum schmunzeln zu bringen, aber auch das Niveau niedriger zu halten, als es mit einer solchen Geschichte nötig gewesen wäre. Im Falle von „S.H.I.T.“ mag diese Rezeptur auf dem ersten Blick passen, stürmen doch alle Versager die Uni, die nie die echte Chance zum studieren bekommen hätten. Doch auch hier wäre weniger mehr gewesen.

Seine wahre Botschaft, die sich spätestens durch ein Plädoyer im besonders unglaubwürdigen und blauäugigen Finale zeigt, hätte die Extreme seiner Figuren ebenfalls nicht benötigt. In Zeiten von Angleichung wirkt der Gehalt der Schräge an Situationen und Personen schlichtweg zu unsinnig, um ernsthaft über das dort angegangene, durchaus gewollt gesellschaftskritische Thema nachzudenken, bzw. sich überhaupt darauf einzulassen. Vielen Menschen fällt es schwer sich vorzustellen, dass unsere Gesellschaft ganz anders ticken könnte, das es Alternativen zum Gelebten gibt und dass es nicht das einzig Richtige gibt. Auf sehr extremen Weg zeigt „S.H.I.T.“ dass man sich nicht dem fügen muss, was einem vorgelebt wird, und dass die Oberen einer Gesellschaft einem seine Freiheit und seine individuelle Art zu Leben nicht mit Regeln, Normen, Gesetzen und Zensur verbieten können, bzw. einem umgekehrt ihren Lebensstil nicht aufdrücken können.

„S.H.I.T.“ begeht dabei den Fehler vieler Werke ähnlicher Beweggründe, wie z.B. „Ich glaub' mich tritt' ein Pferd“. Durch seine wilde Art wirkt er zu anarchisch. Nur wenig Filme pochen auf diese Botschaft auf demokratischem Weg, so wie es „Donnie Darko“, „Grüne Tomaten“ oder der viel zu unbekannte „Hart auf Sendung“ schaffte. Es müsste mal wer einen Film zu dieser Thematik drehen, der offen thematisiert, dass der Wunsch sich gegen gesellschaftlicher und alltäglicher Unterdrückung aufzulehnen nichts mit Anarchie zu tun hat, sondern damit, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, eine Botschaft die in unserer Zeit, in der Politik sich mit zu vielen Verboten befasst, wichtiger denn je ist.

Leider ist „S.H.I.T.“ viel zu unsinnig erzählt, als dass man seine Botschaft ernst nehmen würde, sofern man sie als ernst gemeinte Botschaft im Meer an Klamauk überhaupt wahrnimmt. Und das ist schon recht schade, denn der Film hat ja theoretisch gesehen nun eine doppelt positive Gewichtung: eine gute Botschaft plus einer tollen, inhaltlichen Kernidee. Ich mag den Film, auch auf seine schlichte Party-Art. Und doch blicke ich eher traurig auf diese viel zu wilde Umsetzung zurück und frage mich, was mit diesem Grundrezept für ein Meilenstein hätte entstehen können, der eine ganze Generation hätte aufwecken können.  OFDb

27.10.2012

STIRB LANGSAM 4.0 (2007)

Terroristen legen die komplette Elektronik der USA lahm. Computerhasser McClane nimmt gemeinsam mit einem Hacker den Kampf gegen die Bösewichter auf...

The Last Boy Scout 2.0...
 
Kurzweile kann man „Stirb langsam 4.0" nicht abstreiten. Es geht rasant zur Sache, und egal ob die Action gerade Pause macht oder im größten Chaos versinkt, die flotten Sprüche, die mich mehr als ein mal zum lachen brachten, dürfen nicht fehlen. Natürlich muss ein Teil 4 mit seinen Vorgängern verglichen werden. Die dritte Fortsetzung hat zumindest das was dem mittelmäßigen Teil 2 fehlte: Kurzweile. Dafür hatte dieser und die guten Teil 1 und 3 mehr Anspruch.

Im Action-Popkornkino spricht man sicherlich auf anderer Ebene von Anspruch als in Dramen, Grotesken, Satiren, etc., aber auch Beiträge dieses Genres kann man sehr wohl Niveau bedingt verschieden einstufen. Und da ist "Stirb langsam 4.0" für eine Kino Großproduktion relativ unten anzuordnen. Die Kritik, die sich Teil 4 gefallen lassen muss, wäre auch dann relevant, wenn dies keine Fortsetzung sondern ein eigenständiger Film wäre.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir es bis auf den Namen des Helden und einiger Winzigkeiten ohnehin kaum noch mit einem "Stirb langsam" zu tun haben. Viel eher könnte der Film ein Sequel von "Last Boy Scout" sein, der rein von Bruce Willis Rolle her ohnehin fast eine "Die Hard"-Kopie war. Hier passt viel mehr zusammen. Da hätten wir dien wesentlich mehr beachteten Aspekt der Vater-Tochter-Beziehung und ihre Art. Dann hätten wir die große Ehrfurcht des Helden vor der Regierung und deren gnadenlose Untergebenheit (in diesem Film für ein Actionwerk eher versteckter eingebracht). Und drittens ist der Charakter wie bereits erwähnt ohnehin mit "Stirb langsam" fast identisch. Andererseits bin ich froh dass der Film nicht den Titel "Last Boy Scout 2.0" trägt, immerhin fand ich den letzten Pfadfinder schon immer eine Spur besser als die Filme um McClane.

Ein Kritikpunkt, den sich „Stirb langsam 4.0“ gefallen lassen muss, wäre u.a. das häufige Anwenden von Computeranimationen. Wenn ein Auto über Bruce hinweg fliegt, und man sieht dem Gefährt an seiner Glätte und Sterilität seine Herkunft aus dem Computer an, dann ist das plump und verfehlt seine Wirkung. Was nutzt die tollste Action, wenn sie optisch nichts hergibt? Aber nun mal halblang! Vieles ist auch handgemacht getrickst und manch andere Computeranimation ist besser umgesetzt (manchmal rätselt man sogar was von beidem es nun war), gute Action gibt es also sehr wohl zu sichten. Aber der eher geringe Anteil schlecht gemachter Sequenzen sorgt halt für ein getrübtes Sehvergnügen.

McClane einen jungen Spund an die Seite zu stellen ist sicherlich Ansichtssache. Das funktioniert zwar hin und wieder wenn sich die beiden über Ansichten verschiedener Generationen zoffen, aber genau diesen Punkt hätte man ruhig ausweiten können. Das mangelnde Wissen über Computer passt zum McClane-Charakter und lässt seine Beziehung zu einem Computerjunkie lustig wirken. Die erwachsenen Partner in den Vorgängern (ich zähle den Polizisten mal dazu, der McLane in Teil 1 am Telefon begleitete) passten allerdings besser zum Cop. Es ist dem McClane-Charakter kaum abzukaufen, dass er sich in brenzligen Situationen auf ein Bübchen verlässt.

Der Jungspund ist ein Risikofaktor, der, trotz seiner Computergenialität, zu beschützen ist. Er ist kein Partner. Aber genau das wird er im Laufe des Films. Das wäre so als wenn Leo Getz in "Lethal Weapon 2" sich im Laufe des Films eine Partnerrolle zu den beiden Cops erspielen würde. Der Partnerschaft Jüngling und McClane kommt erschwerend das ewige Pseudo-Gerede über Heldentum hinzu. Heldentum wird fragwürdig definiert über das Handeln und der klaren Trennen nach Gut und Böse. Wenn McLane z.B. seine Tochter rettet, ist es völlig legitim auf dem Weg dahin mit dem Laster zig Autos zu schrotten und dabei sicherlich das ein oder andere unschuldige menschliche Leben zu opfern.

Was ich persönlich sehr interessant finde ist folgende Beobachtung: was in "Stirb langsam 4.0" als Terrorismus angesehen wird, wurde in "Flucht aus L.A.", der Fortsetzung von „Die Klapperschlange“, noch im Finale als Heldentum gefeiert. Strom weg, willkommen in der Steinzeit! Durch eine Videobotschaft der Terroristen sieht man im hier besprochenen Film, dass McClane in keiner fiktiven Vergleichszeit lebt, sondern in der unseren. Er lebt also auch in einem George Bush Jr.-regierten Amerika. Somit sind auch die Regierungen beider Filme vergleichbar: beide verbrecherisch,korrupt und nicht dem Wohl des Volkes dienend. Trotzdem wird in beiden Filmen die Stromattacke ethisch unterschiedlich ausgelegt.

Das liegt mitunter daran, dass McClane stets an den kleinen Mann denkt, dem nicht geschadet werden darf, dabei aber übersieht, dass die Regierung diesen Schaden bereits anrichtet. In seinen wenig ernsten (und leider belehrend wollenden) Szenen guckt sich der Film verdammt republikanisch. Und er weiß wer sein Publikum ist und welche Knöpfe er drücken muss um versteckt zu manipulieren und die Gehirne „Fehlgeleiteter“ zu waschen. Was sollen solche Belehrungen in Unterhaltungskino? Und wieso erinnern diese Belehrungen mehr an Propaganda als an Unterricht? Traurig!

Wichtigster Kritikpunkt, warum der Film lediglich nettes Mittelmaß geworden ist, ist der Actioninhalt. Was McClane hier erlebt geht nur noch als purer Comic durch. Ich will jetzt nicht behaupten, dass seine drei Vorgänger authentische Werke gewesen wären, aber Willis dabei zuzusehen wie er auf einen Militärflieger springt, von dem er zuvor mehrfach erfolglos angegriffen wurde, zu sehen wie er Hubschrauber damit tilgt Wasserfontänen oder fliegenden Autos auf die Bedrohung zu feuern, all das hat nichts mehr mit der typischen Actionfilm-Übertreibung zu tun. Das ist alles eine Spur zu viel. Wie die beiden Hubschrauber und der Flieger vernichtet wurde lässt entweder ausgeklügelste Mathematik und das Anwenden vieler anderer Wissensgebiete vermuten, oder eben nur pures Glück. Mit einer dieser 3 Aktionen hätte ich wegen dem 2. Erklärungsansatz leben können, aber 3 mal Glück ist viel zu viel des Guten.
 
In den Teilen 1 - 3 war immerhin noch McClanes Können gefragt, oftmals auch der Mut durch Provokation, aber er war kein Mensch der kopflos handelte. Dass dies in Teil 4 nicht der Fall ist, ist z.B. auch deutlich zu sehen in jener Szene, in der McClane mit einem Auto durch ein Gebäude rast, um eine Asiatin zu jagen und dabei gar nicht den Grobschnitt des Gebäudes kennt. Jede Wand und Tür durch die er brettert könnte die letzte sein. In den Teilen 1 und 2 war McLane mit den Gebäuden vertraut und in Teil 3 mit der Stadt. Hier konnte er solche Aktionen berechnend durchführen. In Teil 4 heizt er hirnlos in einem ihm unbekannten Gebäude herum, und so endet die Szene wie sie enden musste: er landet in einem Fahrstuhlschacht und erlebt eine weitere böse Situation.

Mit der eben erwähnten Asiatin wären wir direkt bei den guten Seiten von Teil 4. Wie Willis diese verprügelt ist, trotz ihrer Kampfkunst, so etwas von politisch unkorrekt, dass es eine Freude ist zuzugucken. Solche "unkorrekten" Szenen sieht man in Hollywoodproduktionen leider kaum noch. Ohnehin sind die Bösewichter gut gecastet und ebenso wie in Teil 3 wird eine völlig andere Geschichte erzählt, oder besser gesagt die selbe Geschichte in völlig anderem Gewand.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich viel von dem Computergeschwätz aufgrund meiner mangelnden Kenntnisse in diesem Bereich nicht verstanden habe. Ähnlich wie bei "Cube" muss man vieles von dem was behauptet wird einfach glauben. Dennoch zweifel ich an dem ein oder anderem Gezeigten in diesem Bereich.

Auch wenn ich nicht zu den Computerjunkies gehöre, so tut es mir außerdem etwas leid, wie hier mit ihnen umgegangen wird. Sie werden mal wieder als Freaks dargestellt, lebend in einer Welt voller Verschwörungstheorien, die nur auf den richtigen Weg gebracht werden müssten, um vernünftige Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Von Individualismus haben Schreiber solcher Geschichten scheinbar noch nie gehört. Ich denke mal da unterschätzt man solche Leute etwas. Und Tatsachen, wie das Verbreiten der Angst durch Medien zur Erhöhung des Konsums, als Verschwörungstheorie darzustellen, ist schon eine Dreistigkeit für sich.

Dass ich selbst in den positiven Dingen zum negativen abschweife, zeigt nur erneut auf was für wackeligen Beinen "Stirb langsam 4.0" steht. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er eine Unverschämtheit. Für sich gesehen ist er jedoch kurzweilige und anspruchslose Actionkost, die man allerdings nur dann gucken kann, wenn man sich komplett auf ein extrem starkes Comicniveau einstellt. Was man hier zu sehen bekommt, kann ferner der Realität nicht sein, selbst für ein Actionwerk, was aber nicht heißt, dass es nicht Spaß machen kann. Also: Kopf aus, zurück lehnen, die Action und die Sprüche genießen, und die Propagandastellen einfach überhören! Dann, aber nur dann, kann Teil 4 auch unabhängig von den Vorgängern funktionieren.  OFDb