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04.08.2025

Ein böser Affe, Gefühle in Dorf, Stadt und Weltall - Kurzkommentare (5)

 

The Monkey (2025)

Die zweite Hälfte ist pointiert schwarzhumorig, mit herrlich skurrilen und toll getricksten Splattermomenten versehen. Leider kommt die erste Hälfte dank Drehbuchschwächen umso weniger überzeugend daher, am schlimmsten wohl in seiner Art, wie es die Hauptperson das Geheimnis des Affen entdecken lässt. Auch der Zugang zu den Figuren ist zunächst äußerst sperriger Natur. Zumindest könnte eine mögliche Fortsetzung überzeugen, so rund wie sich die letzte Hälfte dieser Verfilmung einer Stephen King-Kurzgeschichte guckt. Da gab es weit zäheres in der Vergangenheit.  Wiki

 

Doc Hollywood (1991)

Klar handelt es sich um eine direkte Manipulierung den Zuschauer von der Romantik und den sympathischen Tücken des Dorflebens zu überzeugen, aber wenn das Erzählen einer gar nicht so neuen Geschichte derart sympathisch ausfällt wie hier, angehäuft mit charmanten Charakteren, gespielt von gut aufgelegten Profis, dann herzlich Willkommen, lieber Doc Hollywood! Fox als unreifer Erwachsener wurde nicht ohne Grund seine persönliche Marke, die Romantik springt auf den Zuschauer über, die Pointierung funktioniert, lediglich das Titellied ist völlig fehl am Platz und spiegelt nicht die Stimmung des Streifens wieder. Dass sich Disneys "Cars"etliche Jahre später so dreist am Stoff bedient hat, ist zwar traurig, aber deren mageres Ergebnis spricht für sich.  Wiki 

 

Pretty Woman (1990)

Manch einer mag nörgeln, dass das Bild der Frau hier als ziemlich oberflächlich dargestellt wird, also von heutigen Wahrnehmungen überholt ist. Letztendlich handelt diese Komödie jedoch von der Romantik zwischen zwei oberflächlichen Menschen, die charakterlich keine Vorzeigemenschen sind, sowohl der Mann, als auch die Frau. Und dass man mit diesen Zwei dennoch so wunderbar mitfiebert und ihre Gesellschaft bei Nichtigkeiten genießt, spricht schlichtweg für Drehbuch, Regie und die treffende Besetzung in großen und kleinen Rollen, so gekonnt wie hier alles ineinander greift. Der Soundtrack, ob mittels eingekaufter Hits oder Film-eigener Hintergrundkomposition, sorgt für den Rest in einem Film, der einen bei jedem Sichten immer wieder zu verzaubern weiß.  Wiki  

 

Star Trek Beyond (2016)

Ein letztes Mal die vollständige Besetzung der neuen Crew aufgrund eines Trauerfalls zu sichten, ein bewegender Verweis auf Spock und die alte Mannschaft aufgrund eines weiteren Trauerfalls, das lässt einen durch kurze, bewegende Momente nicht zu streng mit einer Fortsetzung ins Gericht gehen, die definitiv schwächer ausgefallen ist als die zwei Filme, denen sie folgt. Dennoch ist unübersehbar wie sehr das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch seine arg actiongeladene Geschichte zu geradeaus erzählt, was umso mehr auffällt, da es sich keineswegs um eine innovative handelt. Was hätte man mit dem mystischen Nebel für ein Abenteuer ins Unbekannte schaffen können. Was hätte man echte Gefahren, die ungewohnt gemeistert werden müssen, einbringen können durch die ungewollte Trennung der Mannschaft. In seiner zu ideenlosen und blauäugigen Art schafft es der Streifen durch das Grundrezept der Marke und der mittlerweile ins Herz geschlossenen neuen Mannschaft, dennoch zu unterhalten. Aber eben nur schlicht, kein großes Abenteuer zum Mitfiebern bietend wie die Teile 1 und 2.  Wiki  

 

Synecdoche, New York (2008)

Ich bin ja jedes Mal fasziniert von dem Einfallsreichtum eines Charlie Kaufman, und auch die Idee, die mit "Synecdoche, New York" erzählt wird, ist nicht von schlechten Eltern. Mit der Umsetzung wurde ich jedoch nicht warm. Nicht nur dass die eigentliche Idee einer Stadt in der Stadt erst viel zu spät Fuß im Hauptplot fasst, auch der Hauptcharakter blieb mir unnahbar, soll ein selbstverschuldeter Versager sein, dem böse mitgespielt wird und der sich aufgrund mangelnder Reflexion nicht zum Sympathiecharakter wandelt, das hab ich verstanden, aber er wird nicht zur Identifikationsfigur. Es gibt keine emotionale oder intellektuelle Motivation sich für sein Schicksal zu interessieren. Kurzum: ich bekam keinen Zugang zu einem einfallsreichen Film, der handwerklich professionell umgesetzt war - wieder mal. Liegt wahrscheinlich an mir...  Wiki

28.01.2024

FLETCHERS VISIONEN (1997)

Zu einer Zeit, in der ich weit mehr Massenware geschaut habe, als heutzutage, war ich von "Fletchers Visionen" richtig begeistert. Kurzweilige Unterhaltung ist er auch heute noch, aber anspruchsvoll erzählt sieht anders aus. Klar, technisch ist er bei solch einer Großproduktion professionell ausgefallen, die Stars, welche den Zuschauer ins Kino locken sollen, sind sympathischer Natur und relativ gut in dem was sie tun, und der Aufhänger der Geschichte weiß definitiv zu locken. Aber die Möglichkeiten, die mit der Thematik von Verschwörungstheorien vorhanden gewesen wären, werden nur oberflächlich abgegrast, dienen eher als Aufhänger und Freakshow und bedienen sich jeglichen Klischees. Doch die Fesseln, welche der Autor seiner Geschichte unnötig zumutet, entstehen erst so richtig durch die allmählich durchsickernde Auflösung. Warum muss alles was geschah im direkten Zusammenhang mit den Figuren stehen? Warum wird solch eine Geschichte in einem derartigen Mikrokosmos festgehalten? Ähnlich wie in "Number 23" 10 Jahre später, schnappt man sich ein Thema, welches durch eine unübersichtliche Reichweite gereizt hätte, und engt diese dann mit einer leicht zu überblickende Population an Beteiligten ein, sowie mit einem zu begrenzten Zeitfenster. 

Faszinierender Weise wäre die gar nicht einmal uninteressante Auflösung des Ganzen eigentlich wesentlich erzählenswerter und reizvoller ausgefallen, wenn man sie der natürlichen Zeitlinie der Ereignisse nach erzählt hätte, sprich all das Schritt für Schritt thematisiert hätte, was uns im Nachhinein enthüllt wird. Den Aufhänger einer aufgedeckten Verschwörung hätte man dann nicht gebraucht, mit dem Fehlen dieser entsprechend keine Erwartungen geschaffen, die es nicht einzuhalten gibt, und man hätte eine tolle Geschichte parat gehabt. Ganz verkehrt ist "Conspiracy Theoriy" (Originaltitel) freilich auch in seiner tatsächlich angegangenen Form nicht ausgefallen, aber er wird nur zur Lightversion dessen was er hätte werden können, ob nun bezogen auf die Auflösung oder alternativ auf den Aufhänger. Die Übervorsichtigkeit Fletchers wird freilich nach einer etwas belustigenden Phase, die zudem durch sein wirres Zusammenwürfeln unabhängiger Ereignisse in der Welt gefördert wird, zu einem funktionierenden Motor einer bedrohlicher werdenden Geschichte. Wunderbar schaut sich seine abgesicherte Wohnung, der Mechanismus sie zu zerstören für den Ernstfall, schockend ist seine überraschende Entführung und die packende Flucht im gefesselten Zustand, welche die Orientierungslosiglkeit im reinen Überlebensinstikt vortrefflich inszeniert einzufangen weiß.

Den leichten Anflug an Humor und den im Zentrum stehenden Thrill beherrscht Regisseur Richard Donner jedoch weit mehr als die Gefühlsebene. Und auf diese setzt man im Drehbuch ungemein. Aber die Figuren bleiben zu distanziert, trotz des harmonisierenden Teams Roberts/Gibson, und so will dieser Aspekt nicht wirklich fruchten. Die Schuldgefühle Fletchers kommen da noch eher an, aber auch sie wirken in diesem zu theoretisch emotionalen Film lediglich aufgesetzt. Damit geht viel vom Charme verloren, und auch die Schlusspointe ergreift einen damit nicht derart, wie gewünscht. Mit wenig Erwartungen weiß "Fletcher's Visionen" (Alternativtitel) aber zumindest zu unterhalten. In seinen 130 Minuten entsteht nie Stillstand oder eine sperrige Phase. Große Überraschungen im Plot oder eine nennenswerte Figurenentwicklung braucht man bei diesem typischen Stück Popkornkino jedoch nicht erwarten.  Wiki

09.05.2020

DIE BRAUT, DIE SICH NICHT TRAUT (1999)

Dass Richard Gere und Julia Roberts eine knisternde, wirkungsreiche Chemie für den Bereich der Liebes-Komödie sind, bewiesen sie im Kassenerfolg "Pretty Woman". Der Regisseur dieses modernen Klassikers vereinte das Paar neun Jahre später in "Die Braut, die sich nicht traut" erneut, und glücklicher Weise tat er dies für eine Geschichte, die nicht versucht inhaltlich die erste Zusammenkunft zu kopieren. "Runaway Bride" (Originaltitel) kommt eigenständig daher, gehorcht freilich den Regeln des RomCom-Genres, arbeitet die beiden Hauptcharaktere aber derart intensiv aus, dass man sich tatsächlich in einer erzählenswerten Geschichte wiederfindet. Zudem ist diese in ihrer herzensguten Kabbelei ein charmantes Stück Emotionskino geworden, in welchem man den beiden Liebenden ein Happy End geradezu herbei sehnt. Der Weg zu diesem ist holprig, dank eines gelungenen Drehbuchs auch ausgesprochen amüsant ausgefallen, innerhalb eines Plots, der nicht immer den leichtesten Weg geht. Allein für die Vorgeschichte wird sich allerhand Zeit genommen, was schließlich zum Hauptszenario führt, welches sich nicht wie eine Alibi-Handlung anfühlt, um den Kitsch rund um Liebe zum x-ten Mal zu verbraten, sondern tatsächlich neugierig auf die bevorstehenden Erlebnisse macht.

Julia Roberts wird charmant eingefangen, Richard Gere ebenso, und beide bekommen dennoch zusätzlich die Chance Schauspieltalent zu zeigen, auch wenn das Mitwirken in diesem Streifen nicht ansatzweise zu ihren härtesten Herausforderungen wird. Mit genügend Engagement werden sie den weit tiefer als fürs Genre üblich charakterisierten Figuren, die sie verkörpern, gerecht. "Runaway Bride - Die Braut, die sich nicht traut" (Alternativtitel) ist ein Feel Good-Movie, der es wagt inmitten der Heiterkeit auch Platz für ernstzunehmende Momente zu schaffen, die dem im Mittelpunkt stehenden Paar nicht nur dabei helfen zusammen zu finden, sondern ebenfalls erzählenswertes Engagement und einen gewissen Grad Tiefgründigkeit aufweisen, beispielsweise dann wenn Ike den üblen Scherzen Maggies Familie zum Thema Hochzeitsflucht den Spiegel vorhält, oder die beste Freundin Maggies mit ihr über ein Problem reden muss, welches seit der Kindheit an der Freundschaft nagt. Gerade weil "Die Braut, die sich nicht traut" innerhalb des Liebesfilms ein wenig tiefer greift als üblich, fällt lediglich die Finalversöhnung etwas sauer auf, die beweist, dass Maggie in Sachen Imitieren eigentlich nichts dazu gelernt hat. Da das Ganze dennoch die Geschichte auf angenehm süße Art zu einem Ende führt, verzeiht man dieses Manko aber all zu gerne.  OFDb

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

16.02.2020

DER FEIND IN MEINEM BETT (1991)

Gewalt in der Ehe, dominierende Männer, Unterdrückung in der Partnerschaft, diese Themen bleiben stets aktuell, auch in Zeiten der gegenseitigen Emanzipation. Deswegen hat die Geschichte von "Der Feind in meinem Bett" grundlegend nichts an Reiz verloren, zumal er relativ zeitlos inszeniert ist in seiner klassischen Hollywood-Art, was Vorteile und Nachteile gleicher Maßen mit sich bringt. Denn als ernstzunehmenden, erwachsenen Appell zu dieser Thematik funktioniert das Werk von "The Stepfather"-Regisseur Joseph Ruben, der dem hier besprochenen Thriller "Das zweite Gesicht" mit Kinder-Star Macaulay Culkin folgen ließ, aufgrund seiner zu märchenhaft inszenierten Dramaturgie nicht. Es ist so, als wolle man in dieser eigentlich düsteren Geschichte den Zauber von "Pretty Woman", mit welchem Julia Roberts ein Jahr zuvor berühmt wurde, beibehalten. Und so landet Laura nicht zweckdienlich in einem schlichten Mehrfamilienhaus in der Großstadt und kämpft beinhart um eine neue Existenz, stattdessen landet sie in einer traumhaften Kleinstadt, in welcher sie ohne jegliche Papiere vorweisen zu können kostengünstig ein hübsches Häuschen mietet, samt schnuckeligen Nachbarn im Gepäck, und durch diesen gerät sie zudem an einen angenehmen Job in einer Universitäts-Bibliothek.

Das tatsächliche Leben von Opfern aus solchen Beziehungen sieht anders aus. Das Buch konzentriert sich mit dieser Blauäugigkeit einzig auf den zum Dämon erklärten Martin, welcher zum einzigen Hindernis eines glücklichen, selbstbestimmten Lebens in Harmonie und durchschnittlichem Luxus wird. Erst auf dieser naiven Ebene vom Zuschauer akzeptiert, kann "Sleeping with the Enemy" (Originaltitel), der das Potential zu mehr hat, funktionieren. Schraubt man also seine Erwartungen herunter, um ein derart frustrierendes und emotional brutales Thema in der Schmusewelt des Mainstreams anzunehmen, unterhält das Thriller-Drama trotz vorhersehbarem Plot auf sicherem Standard-Erzählweg ganz ordentlich. Zumal sich einige Pluspunkte in diese Mittelmäßigkeit eingeschlichen haben, die meist eher unauffällig eingebaut wurden. Dass Martin sein erstes brutales Verhalten, welches der Zuschauer von ihm miterlebt, später entschuldigt, in dem er es als Gekabbel herunterspielt (und wahrscheinlich tatsächlich auch so wahrnimmt), ist nur ein gelungenes Puzzlestück der gut, da oft subtil, ausgefallenen Vorgeschichte, die ihre Bedrohung bereits in kleinen Nebensächlichkeiten entstehen lässt. Diese Phase würde ich als den Hochpunkt eines Filmes bezeichnen, der ansonsten zu sanft mit Figuren und Situationen umgeht, ein zu kurz gehaltenes Finale präsentiert (in welchem die weibliche Hauptrolle aber zumindest entgegen aller Hollywood-Norm zu ihrer eigenen Retterin wird) und zu blauäugig umgesetzt ist. Wachrütteln kann man mit diesem halbwegs düsteren Märchen für Erwachsene niemandem. Nett anzuschauen ist das Ganze in seiner gemütlich erzählten, schlichten Routine aber durchaus.  OFDb

24.01.2019

MONEY MONSTER (2016)

Dass Jodie Foster und George Clooney zu den aufmüpfigen Hollywood-Stars gehören, die ihr Mainstream-verdientes Geld häufig in Projekte investieren, die für die üblichen Finanzgeber Hollywoods unangenehme Themen ansprechen, ist weitläufig bekannt. In dem von Foster inszenierten und von Clooney produzierten "Money Monster" wird über die Aktienabzockerei berichtet, die auf Kosten des kleinen Mannes abgezogen wird, ein wichtiges Thema zu Zeiten, in denen es legal ist unwissende Menschen durch Mehrwissen in den Ruin zu treiben. Allerdings kann auch ein Werk wie dieses nicht gnadenlos ungeschönt Licht hinter die Machenschaften eines weltweit funktionierenden Systems, welches allerlei Betrüger anzieht, werfen, zumal längst nicht alles korrupt ist, was dort abläuft. Zu komplex und undurchsichtig sind die Fäden, die hierbei ineinander laufen, u.a. bestehend aus Mitläufern, Computeralgorithmen, in der Öffentlichkeit gesichtslosen Aufsichtsräten von Unternehmen, Profi-Aktionären und Kleinanlegern. Hier kommen allerlei Faktoren zusammen, die ein Gut oder Böse nicht so leicht entschlüsseln lassen, wie bei einem Banküberfall.

Und um nicht unprofessionell zu wirken, so dass man ihre Kritik unkompliziert angreifen könnte, orientiert man sich in Fosters sechstem Film als Regisseur an einem speziellen Einzelfall mit einem filmtypischen Einzeltäter, dessen Machenschaften über die Extremhandlung eines Betrogenen aufgedeckt werden. Das kann schnell heuchlerisch wirken, streift diesen Bereich auch recht stark, doch trotz vieler Klischees und Stereotype weiß "Money Monster" überraschend gut zu funktionieren, was noch mehr verwundern darf, wenn man bedenkt, dass er eigentlich nicht gerade überraschende Wendungen aufweist, sondern eigentlich ziemlich genau das erzählt was man, zumindest nach Sichtung des Trailers, bei diesem Stoff vermutet. Dank professioneller Routine in Inszenierung und Schauspiel ist das alles ordentlich erzählt, und das Reizthema, das gerade in Amerika zu einer Zeit der Armut und Entrüstung des einfachen Volkes ein wahrer Zündstoff ist, sorgt für den Rest.

Foster versucht das ganze Szenario trotz seiner gewählten Aufhänger möglichst sachlich anzugehen, seine reißerischen Seiten kann man dem Thriller-Drama jedoch nicht absprechen. Auch der Wandel des clowneresken Egomanen, der die Sendung leitet, zum empathischen Erfolgsjournalisten ist aufgrund des kurzen Zeitraums nicht gerade glaubwürdig ausgefallen und könnte höchstens über das allgemein bekannte Phänomen erklärt werden, welches häufiger auftritt wenn Geiseln positive Gefühle zu ihrem Geiselnehmer aufbauen. Dieser Aspekt ist von den Storyverantwortlichen jedoch nicht gewollt, was die Szenen nach dem Schlussszenario beweisen. Aber all diese theoretisch mies klingenden Faktoren können tatsächlich nicht verhindern, dass die Dynamik des Stoffes funktioniert. Zu tief sitzen die Wunden der Bevölkerung, selbst jener Bürger, die nicht persönlich betroffen sind, sondern frustriert mit ansehen müssen, wie ein System, das spätestens aufgrund seiner weltweiten Auswirkung, mächtiger ist als allerlei größere Volksgruppen zusammen, Existenzen frisst und Gier in Gewinn verwandelt. Das lässt einen nur all zu gerne befriedigt etwas blauäugig das engagierte Treiben verfolgen, was Kritiker auch als Opium fürs Volk bezeichnen könnten. Aber diese Form der Unterhaltung ist noch immer weit weniger blauäugig, als dem ausbeuterischen System zu vertrauen und es zu verteidigen. Zudem muss man den Autoren zugute halten, dass sie das Selbstverschulden des sich rächenden Kleinanlegers nicht unter den Teppich kehren, sondern, ganz im Gegenteil,  in einer entscheidenden Phase des Streifens sogar kurzzeitig in den Vordergrund hieven.  OFDb

07.11.2015

OCEAN'S TWELVE (2004)

„Ocean‘s Eleven“ war ein kurzweiliges Werk mit interessanten Figuren, deswegen habe ich mich auch mit Freude auf die Fortsetzung gestürzt. Auch Teil 2 sehr stilvoll erzählt. Die an sich dünne Geschichte ist in exzellente Bilder getaucht, die reichhaltige Anzahl talentierter Mimen laufen gut gestilt umher ohne deswegen gleich realitätsfern zu wirken, und ein wirklich hervorragender Soundtrack unterstützt das Treiben der Ocean-Bande zu jedem Zeitpunkt bestmöglichst.

Allerdings ist die Fortsetzung im Vergleich zum Erstling auch ein kleines Ärgernis. Neben dem etwas zu konstruierten Plot wird ähnlich wie im Vorgänger ein wenig mit der Starbesetzung geblendet, wenn man einmal bedenkt wer wieviel Platz im Film ergattert bekommt. Julia Roberts zu den Hauptdarstellern zu nennen ist eigentlich genau so dreist wie selbiges von Matt Damon zu behaupten, schade da beide gut spielen. Brad Pitt und George Clooney stehen um so mehr im Vordergrund, was sich dank gewitzter Dialoge auch recht entspannt schaut. Während ihre gemeinsamen Szenen in Teil 1 erstaunlich gestellt wirkten funktioniert ihr Miteinander diesmal mehr. Ein Gastauftritt von Bruce Willis und die Idee wie Julia Roberts in das kriminelle Geschehen mit hineingezogen wird gehören zu den Pluspunkten des Streifens. Negativ hingegen fällt Zeta-Jones auf, die zwar hervorragend in den Rollenpart der arroganten Ermittlerin hineinpasst, leider aber so gar nicht in den Rollenpart der verletzten Frau.

Die kleinen Ideen in „Ocean‘s 12“ sind meist gelungen, aber die eigentliche Geschichte, die nur sehr angestrengt ins Rollen kommt, lebt von zu vielen Zufällen, Ungewöhnlichkeiten und zu gewollten Verwirrungen. Die Wendungen sind meist flach und unglaubwürdig ausgefallen, der eigentliche Hauptcoup so uninteressant und uninspiriert, dass es kaum wundert dass diesem auch kaum Beachtung innerhalb der Geschichte geschenkt wird.

Was bleibt ist ein optisch hervorragender Krimi- und Komödien-Mix, in locker flockiger Atmosphäre getaucht, angereichert mit seichtem Humor, so wie es der Zuschauer von Teil 1 gewöhnt ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand den Machern diesmal leider nur ein wesentlich schlechteres Drehbuch zur Verfügung. Darauf bezogen kann man jedoch dankbar sein, dass der Streifen aufgrund seiner Vorzüge trotzdem noch so unterhaltam ausgefallen ist.  OFDb

17.03.2013

LUCAS, DER AMEISENSCHRECK (2006)

Lucas liebt es Ameisen zu quälen und denkt sich nichts dabei. Da lässt ein Ameisenzauberer den bösen Jungen auf ihre Größe schrumpfen, damit er beim Wiederaufbau der Kolonie helfen kann. Dabei lernt Lucas viel über wahre Werte wie Freundschaft...
 
Human Antz... 
 
Dies ist lustige Computeranimation, eher für die Kleinen konzipiert, der man ihre Verwandtschaft zu den „Antz“-Ameisen nicht abstreiten kann. Außer dem Ameisendesign hat "Lucas der Ameisenschreck" dann aber auch nichts weiter mit "Antz" zu tun, der sich ja eher an ein älteres Publikum richtete. Obwohl die Geschichte schon zu Zeiten von "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" nichts neues mehr war, macht die hier erzählte Geschichte viel Spaß. Man hätte sich zwar sparen können, dass Lucas unbedingt im späteren Verlauf eine Ameise werden will, und noch schlimmer gegen Ende aus ungenannten Gründen plötzlich deren Fähigkeit besitzt, aber dies und die typischen Nerv-Lehren amerikanischer Trickfilme können den Spaß nur bedingt trüben, den man mit diesem sonst so unverkrampften Streifen hat.

Da er nicht wirklich auf das ältere Publikum schielt, fallen die coolen Pflichtsprüche zurück. Ohnehin tut es gut mal wieder einen Trickfilm zu sehen, der sich klar für ein Publikum entscheidet und nicht auf wackeligen Füßen allen gefallen will, um am Ende eher das Gegenteil zu bewirken (bestes Beispiel "Flutsch und weg").

Die Aussage, dass Ameisen ihre Stärke im Teamgeist finden ist schon recht nett, auch dass Lucas sich diese, wenn er wieder groß ist, zu nutze macht, um sich von seinem Peiniger zu befreien. Dennoch hätte der Film nicht ganz so streng mit der Spezies Mensch umspringen müssen. Denn diese erreicht eine Menge im Alleingang und besitzt die Fähigkeit für spezielle Momente ein Team zu bilden. Das wird in diesem Kinderfilm allerdings völlig ignoriert, um die eben erwähnte Lehre deutlicher herüber zu bringen. So ist das in Amerika, es muss immer alles deutlicher sein. Und wenn es deutlich genug ist, wird es noch mal noch deutlicher gemacht, es könnte sonst übersehen werden.

Ein paar Gags haben sich auch für das eher ausgeschlossene ältere Publikum eingeschlichen (ganz ohne ging es dann doch nicht), und so erleben wir z.B. eine auf der Wiese groß angekündigte Explosion, die sich mit Perspektivenwechsel aus der Menschensicht als stilles "Pffffff" statt als großes "Bumm!" herausstellt. Solche Momente wissen zu gefallen.

Die Animation ist nicht so gut wie in den großen Filmen seiner Art, aber noch weit über den Durchschnitt und somit besser als andere weniger große Computeranimations-Produktionen wie „Happy Fish“. Die Charaktere strotzen nicht gerade vor Innovation, aber sie sind nett herausgearbeitet, mit Ausnahme der dick aufgetragenen Momente, in denen fragwürdige Moral verbreitet wird. Zumindest ist die Geschichte abenteuerlich, lehrreich (auch ohne den eben erwähnten Erziehungsschandfleck), lustig und kindgerecht.

Die deutsche Synchronisation ist an sich geglückt, nur die weibliche Hauptrolle spricht zu betont liebevoll, auch in den strengeren Momenten. Das ist ja leider ein Manko, das fast jeden Trickfilm der letzten Jahre betrifft. Man fragt sich warum es nur der männliche Cast ist, der mit seiner Stimme spielen darf und dabei trotzdem sympathisch oder beschützend wirkt (z.B. die "Ice Age"-Figuren).

Kleine werden ihren Spaß haben und Große, wenn sie akzeptiert haben, dass dieser Film nicht für sie als Hauptpublikum gedacht ist, können diesen auch haben. Dass das Niveau weit unter "Findet Nemo" ist, dürfte klar sein, aber eine kleine Überraschung ist "Lucas der Ameisenschreck" dennoch geworden.  OFDb

09.02.2013

MEXICAN - EINE HEISSE LIEBE (2001)

Jerry soll als Dienst für die Mafia eine bestimmte Handfeuerwaffe in die Vereinigten Staaten schmuggeln. An dieser sind jedoch auch viele andere Leute interessiert...
 
Die wichtigste Waffe seit Susy...
 
Zugegeben, es hat etwas gedauert bis der Funke übergesprungen ist, aber nachdem mir die erste halbe Stunde nur recht mäßig gefiel, entpuppte sich „Mexican“ ab dem 2. Drittel als wesentlich flotter, interessanter und lustiger als zunächst vermutet. Das Problem an den ersten 30 Minuten ist, dass man mit den Figuren nicht wirklich warm wird.

Brad Pitts Rolle ist ein Pechvogel, sein Pech comichaft, er selbst zunächst arg blass. Julia Roberts Rolle keift herum und kommt dann erst einmal gar nicht mehr weiter vor. Nun sichtet man eine Gaunerstory um eine heiß begehrte Pistole. Ich tu mich immer etwas schwer mit Gangsterfilmen und Werken die von der Mafia handeln. Im Nachhinein mag ich sie zwar oft, aber es lockt mich halt nie die Handlung selbst. Nun war „Mexican“ mit interessanten Schauspielern besetzt und als Komödie betitelt, das waren zwei Gründe sich doch mal dran zu wagen.

Die Geschichte ist banal aber pfiffig, letzteres merkt man nur leider erst bei weiterem Fortschreiten des Films. Je länger „Mexican“ läuft, um so mehr Gesicht bekommen die Figuren. Aus der Roberts-Rolle, die anbei von beiden parallelen Handlungssträngen den wesentlich interessanteren erwicht hat, wird mehr als eine bloße Zicke und die Pitt-Rolle lebt auch immer mehr auf, je mehr Mist ihr widerfährt. Die Figuren werden einem zwar nicht unbedingt sympathisch, aber sie werden interessant und lustig.

Heimlicher Star von „Mexican“ ist jedoch die Rolle James Gandolfinis, der den leicht soften Profikiller mit sehr viel Seele spielt. Wäre er kein Massenmörder könnte er glatt als Sympathiefigur durchgehen. Über seine Rolle erfahren wir auch die wenigen, aber wichtigen, tragischen Momente dieses etwas ungewöhnlich erzählten Werkes.

Zusätzlich gewürzt wird die Kombination aus guter Schauspielerei und interessanten Rollen mit den Gebieten des Running Gags (hier sei nur einmal die Ampel in der Einöde erwähnt), der trockenen, manchmal albernen, Dialogkomik (nein, sie erinnert nicht an den Tarantino-Stil) und den originellen Rückblicken zur Geschichte der Waffe.

Die Pistole ist die eigentliche Hauptfigur „Mexican“s. Sie ist hässlich, wird im Film aber als eine der schönsten Waffen der Welt betrachtet. Über die Rückblicke der Entstehung, die immer eine neue Version erfährt, wird dennoch eine gewisse Mystik rund um dieses Stück Mordwerkzeug aufgebaut.

Manch einen mag es ärgern, dass „Mexican“ sehr dialoglastig ausgefallen ist und die Action irgendwo in der dritten Reihe parkt. Aber solchen Cineasten muss ich sagen: Anstatt das Gesprochene zu erdulden solltet ihr lieber lernen zuzuhören! Wenn für den Film förderlich geredet wird, kann dies wesentlich fruchtbarer für das Endprodukt sein als jede Möchtegern-Aktion, die vordergründig mehr Schwung in die Bude bringt. Wenn Dialoge stimmen, gut geschrieben sind, Wirkung besitzen, die Story vorwärts bringen, Figuren füllen und eine gewisse Raffinesse aufweisen, was in Gottes Namen soll dann an einem dialoglastigen Film so furchtbar sein? Für Werke wie „Mexican“ ist allein der Begriff dialoglastig völlig fehlbetitelt. Sagen wir lieber es wird viel gesprochen.

Der Behauptung, dass der Film nicht massentauglich ist, stimme ich zu. Die guten Witze sind versteckt, sprich müssen erst entdeckt werden. Zudem dauert es wie erwähnt, bis man mit den Figuren warm wird. Da dürfte vielen 30 Minuten zu lang vorkommen, so dass zu früh (verständlich) ausgeschaltet wird. Einige werden sicherlich auch enttäuscht sein, dass Roberts und Pitt so wenig gemeinsame Auftritte haben. Und die Geschichte selbst haut einen freilich auch nicht vom Hocker. Wer Figuren, Dialoge und Gags nicht mag, begreift oder witzig findet, hat quasi keine weiteren Anhaltspunkt etwas an diesem Werk gut finden zu können.

Ich fand „Mexican“ interessant und lustig. Es gab ein paar wenige Überraschungen, die Schauspieler überzeugten so ziemlich alle, lediglich die Geschichte selbst ist etwas zu dünn. Sie entfaltet sich zwar erst im Laufe des Guckens, wird dabei aber kein unauffällig füllendes Meisterwerk wie „Spiel mir das Lied vom Tod“. Die Story bleibt simpel, egal welche Wendungen da auch kommen mögen.  OFDb