Posts mit dem Label Woody Harrelson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Woody Harrelson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

18.08.2022

VENOM 2 - LET THERE BE CARNAGE (2021)

Entpuppte der erste "Venom" sich noch als unterhaltsamer, entspannter Spaß für zwischendurch, so ist seine Fortsetzung leider weniger geglückt ausgefallen. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass das Herumgezanke der Buddys Eddie und Venom zu infantil anmutet, bereits bevor es um das ewige Freund oder kein Freund-Getue geht. Da wo die Pointen nicht zünden, da fällt umso mehr der übliche Einheitsbrei derartiger Produktionen auf, und was dies betrifft, könnte "Venom 2" kaum austauschbarer ausfallen, hetzt man doch nur von einem Schauwert zum nächsten innerhalb einer innovationslosen Geschichte. Letztendlich schaut sich das Ergebnis mehr wie die öfters im Marvel-Universum anzutreffenden Schwanzvergleiche, anstatt wie die bislang unterhaltsamen im Superhelden-Kosmos spielenden Sony-Filme. 

Gerade auch mit Blick auf den Gegner fällt auf, wie sehr Teil 2 Teil 1 lediglich variiert. Wieder bekommt es Venom mit seinesgleichen zu tun, wieder wird der Kampf der Kreaturen zum Tiefpunkt des Ganzen, da sich nun fast einzig auf die Action konzentriert wird, und die Charaktere noch kürzer kommen als zuvor. Der Kampf zweier CGI-Monster hat leider nicht den Schauwert eines Kampfes zweier handgemachter Monster, und selbst die konnten nie mit dem Kampf Monster gegen Mensch(en) mithalten. Bevor es zum pflichtgemäßen Endkampf mit ebenfalls infantiler Auflösung kommt (der Gegner ist freundschaftlich nicht so kompatibel wie Venom und Eddie), werden lediglich die Probleme zwischen Eddie und seiner Ex wiederholt, mäßige Sprüche geklopft und immer wieder Wege gefunden möglichst oft Effekte einzubauen, sei es durch wuchtige Zerstörungswut oder durch das Zeigen der Kreatur oder einzelner Auswucherungen von ihr. Auch der mit Woody Harrelson gut besetzte Gegner kann nicht viel gegen den gefühlt zu oft bereits gesichteten Durchschnitt ausrichten. Und auch die herrlich nette Idee seiner Kreisch-Partnerin wertet das routinierte Treiben nur bedingt auf. Klar, es ist alles zügig genug erzählt, um nie wahre Durststrecken aufkommen zu lassen, aber letztendlich sichtet man nichts, was die Kosten und den Aufwand dieses Streifens rechtfertigen oder zum Einschalten verführt.  OFDb

13.05.2021

WAG THE DOG (1997)

Zwei Jahre nachdem Michael Moore in seinem einzigen Spielfilm "Unsere feindlichen Nachbarn" einen Fake-Krieg gegen Kanada thematisierte, griff "Wag the Dog" eine ähnliche Idee auf, die wiederum auf einer Buchvorlage basiert. Im Gegensatz zur etwas klamaukigen Variante Moores kommt die von Robert DeNiro mitproduzierte Satire weit reflektierter und realitätsnäher daher und scheut dabei auch keine konkreten Verweise auf Amerikas Vergangenheit. Wie nah man der Wahrheit tatsächlich war, bewies sich einige Jahre darauf im inszenierten Irakkrieg von George Bush Jr. Barry Levinsons Folgewerk von "Sleepers" vollbringt zudem das Kunststück neben dem Politikbereich zugleich die Kino- und Medienwelt der USA kritisch mitzuverarbeiten, ernst genug um die Fragwürdigkeit, die dort Alltag ist, als Warnung zu thematisieren, lustig genug um mit "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt" (Alternativtitel) zugleich unterhaltsames Kino abzuliefern. Gut aufgelegte Mimen agieren in einer Geschichte, in welcher die kritischen Aspekte ganz nebenbei im Vordergrund abgearbeitet werden, da die eigentliche Geschichte sich stets auf die Protagonisten konzentriert, wie sie stets ein Problem nach dem nächsten beheben müssen. 

Da wird kurz nach "Forrest Gump" noch einmal demonstriert wie täuschend echt sich optische Fälschungen als Wahrheiten verkaufen lassen, aber auch wie leicht der einfache Bürger in einer Überflutung manipulierter Medien beeinflussbar ist. Bei all dem satirischen Engagement kommen die Charakterzeichnungen nicht zu kurz, so dass man mit den handelnden Figuren auch etwas anzufangen weiß. Das ist insbesondere deswegen wichtig, weil sie nicht alltäglichen Branchen angehören, und es deshalb, im Zusammenhang mit einem sie ins asoziale Licht rückenden Plots, sonst unmöglich wäre eine Identifikation mit ihnen aufzubauen. Dass Hoffman und DeNiro eigentlich je eine Art bodenständig dargebotene Comicfigur spielen zerstört keineswegs die Glaubwürdigkeit, sondern unterstützt lediglich die gängige Übertreibung einer Satire. Wer Hackmans Darbietung aus "Das Urteil - Jeder ist käuflich" kennt, der kann schmunzelnd darüber mutmaßen in wie weit DeNiros Interpretation seiner Figur im hier besprochenen Film Vorbild für dort war. 

Andere Figuren kommen neben der zentralen zwei stets zu kurz. Gerade die wichtigste weibliche Rolle, gespielt von Anne Heche, wirkt so, als hätte man sie auch weglassen können. Und so manchen Nachhall manch gelöster Situation hätte ich dann doch gerne erzählt bekommen, auch wenn das wahrscheinlich den zeitlichen Rahmen zu sehr gesprengt hätte. Aber gerade das Bemerken der (von Dunst wunderbar naiv verkörperten) Schauspielerin, in was sie da hinein geraten ist, wäre doch ein interessanter Aspekt gewesen, der uns das Treiben der beiden Hauptfiguren noch einmal aus einer anderen Perspektive aufgezeigt hätte und dies zudem aus einer aussichtslosen, gefesselten und wehrlosen. "Wag the Dog - Ein hundsgemeiner Trick" (Alternativtitel) bietet einfallsreich einen vielfältigen Blick auf eine Seite der Geschehnisse, intensiver wäre das Ergebnis jedoch mit umfangreicherem Blick gewesen, eben weil Levinsons Film keines jener Werke ist, das über das Gefühlsleben seiner Figuren zu funktionieren weiß. Bei aller Professionalität fühlt sich "Wag the Dog" auf diese Art trotz seiner hohen Qualitäten deswegen für mich etwas zu unterkühlt und oberflächlich an, als dass ich ihn als die große Filmempfehlung betrachten könnte, unter deren Ruf er meist abgehandelt wird. Er ist nun einmal kein "Schtonk".  OFDb

17.08.2019

VENOM (2018)

Man kann nicht gerade sagen, dass Marvel sich ausnahmsweise einmal kreativ ausgetobt habe, inhaltlich kommt "Venom" so routiniert daher wie die üblichen Ergüsse aus diesem Hause der Comicverfilmungen. Aber immerhin gehört der Streifen zu der unterhaltsamen Gattung Superheldenfilm, auch wenn Venom als Superheldengegner, z.B. bekannt aus Raimis "Spider-Man 3", eher zur Gegenseite gehört. In Zeiten, in denen auch zwielichtige Menschen Superkräfte erhalten und erst einmal einen inneren Konflikt mit sich selbst austragen, bevor sie sich für die gute entscheiden, macht das freilich keinen wirklichen Unterschied aus. Und eine Verfilmung des herrlich fies aussehenden, außerirdischen Parasiten unabhängig einer "Spider-Man"-Geschichte spielen zu lassen, finde ich eine gelungene Idee, besitzt diese Figur, die ihrem Wirt übernatürliche Kräfte beschert, doch genügend Potential einen kompletten Film zu tragen. Schön herausgearbeitet ist der schizophrene Part dieser Partnerschaft, ist Eddie doch nicht wirklich Herr seines Körpers, wenn Venom loslegt, sondern eher Statist, und das weiß wen Comicvorlage-Unwissenden wie mich ebenso zu faszinieren, wie zu überraschen, erst recht in jener Phase, in welcher Wirt und Parasit noch im Konflikt miteinander stehen, bzw. auch in der Vorphase, in welcher Eddie noch nicht weiß was mit ihm los ist.

Dass "Venom" sich positiv von den meisten Werken aus dem Hause Marvel unterscheidet, liegt aber auch daran, dass seine Geschichte bereits dann interessant ausgefallen ist, bevor Venom ins Spiel tritt. Das ist den Hauptfiguren des Streifens zu verdanken, die nennenswert genug charakterisiert wurden, um sich für ihr selbst verursachtes Treiben zu interessieren (Eddie, Drake und Anne) und an der Besetzung, die weiß wie man halbwegs flach geratenen Individuen charismatisches Leben einhauchen kann. Die an sich überdrehte Geschichte wird in ihrer Vor- und Hauptphase möglichst zurückgehalten präsentiert, sprich man ertränkte den Stoff nicht in Spezialeffekten, weiß aber sein Stammpublikum mit genügend Einlagen dieser nicht zu enttäuschen, so z.B. in der Entdeckungsphase der Kräfte und in den Versuchen des irren Geschäftsmannes. Zumindest gehört "Venom" zu jener Gattung Marvel-Film, der ihre Computereffekte gut tun. Erst im unnötigen Kampf Parasit gegen Parasit nehmen die Spezialeffekte so sehr überhand, dass sie nicht mehr im Interesse der zu erzählenden Geschichte stehen, was zu einer kurzfristigen Phase führt, die nicht nur inhaltlich uninteressant ausgefallen ist, sondern auch in ihrer Optik nervt, da sich beide Gegner viel zu ähnlich sehen. Hat man diesen müden Kampf im Finale erst einmal hinter sich gebracht, weiß auch der Film in seiner emotionalen Tonlage wieder zu gefallen, so dass er einen solch sympathischen Ausklang erhält, wie er sich hauptsächlich schaute.

Auf diese Art präsentiert, freut man sich auf kommende Fortsetzungen, wissentlich dass auch mit Teil 1 weder das Rad neu erfunden wurde, noch anderweitig einfallsreich vorgegangen wurde. Ähnlich wie der italienische "Sie nannten ihn Jeeg Robot", den ich kürzlich sichtete, bedient "Venom" einfach die Grundbedürfnisse des Freundes von Superheldenstoffen, womit ich nicht die äußeren Schauwerte meine, sondern die inhaltlichen Aspekte, die einen solchen Film so interessant werden lassen können. "Venom" trumpft freilich auch mit der herrlich düsteren Optik seiner außerirdischen Hauptfigur, das war schon immer ihr Reiz, und im Zentrum präsentiert, anstatt nur als Randerscheinung, kann man sich daran endlich einmal satt sehen. Eingebunden in eine routinierte, aber unterhaltsame und locker leicht präsentierte Geschichte, bleibt dies nicht der einzige Höhepunkt des wilden Treibens, so dass auf Spielfilmlänge keine Ernüchterung im Laufe der Zeit aufkommt. Am Ende der Geschichte sind die Karten so gemischt, wie es sich für eine Comicverfilmung dieser Art gehört, gerade in Bezug auf Eddie und Anne, von daher könnte es in einer Fortsetzung ähnlich klassisch zugehen, wie im hier besprochenen Erstling. Aber wer kann schon einschätzen, was in den Köpfen der Geldmacher Marvels herumspukt? Teil 2 kann trotz des charmanten Ergebnisses seines Vorgängers ein ebenso nerviges Produkt wie "Deadpool" oder "Guardians of the Galaxy" werden. Bei Marvel muss man leider immer mit allem rechnen, was Mainstream so übel macht. Aber gerade desshalb ist es schön zu sehen, dass "Venom" nur kleine Ärgernisse beinhaltete, die typisch für diese Firma sind. Allerdings war auch die Wahl mit "Zombieland"-Regisseur Ruben Fleischer gut getroffen, hatte dieser mit seiner Zombie-Komödie doch genügend Erfahrung im Umgang mit lustig düsteren Stoffen mitgebracht. Und auch dass Sony mitmischte, die einst die Rechte für "Spider-Man" besaßen, und somit in Konkurrenz zu Marvel standen, könnte ein Grund für das sympathische Gesamtergebnis sein. Soviel ich gelesen habe, soll "Venom" ohnehin mehr Sony- als Marvelfilm sein, letztendlich werden aber beide Firmen vor Filmbeginn genannt.  OFDb

19.05.2016

MANAGEMENT - DIE LIEBE IST EINE BAUSTELLE (2008)

Mike ist ein Versager, eine arme Fritte mit der kaum ein anständiger Dialog möglich ist. Mike ist ein Kindskopf, ein ewig Daheimgebliebener, ein junger Mann der die Pflicht des elterlichen Unternehmens stets wichtiger fand als seinen eigenen Interessen nach zu gehen. Mike wächst über sich hinaus nachdem er Sue kennen lernt. Mike wird hartnäckig, lauert ihr auf, ist immer da, immer auf Mitleid pochend, immer die Frau penetrant anbetend, die ihn nicht an ihrer Seite sehen möchte. Es fällt schwer Mike wirklich sympathisch zu finden. Er ist die Identitätsfigur des Filmes, aber mögen tut man ihn nicht, auch wenn man ihn und seine Art durchaus versteht. Oder gerade deswegen!

Sue ist hübsch. Das reicht Mike um in ihr die Liebe seines Lebens zu erkennen. All das romantische Denken um ihre Person herum ist eher fiktiver Natur, Spekulation, manchmal zufällig richtig liegend, da Sue sich selbst falsch einschätzt. Sue findet man als Zuschauer sympathischer. Aber man versteht sie nicht. Warum lässt sie sich auf Mike ein? Warum lässt sie sich daheim von Mike überreden den Tag mit ihm zu verbringen? Mike ist unangenehm, und der Autor nimmt einen nicht an die Hand zu verstehen warum Sue handelt wie sie handelt.

Man versteht warum der Autor es so möchte. Dem schwebt eine Entwicklung beider Seiten vor um am Ende unglückliche Einsame in ein glückliches Paar zu verwandeln. Das gelingt ihm im Laufe seines Filmes sogar. Aber der Einstieg ist arg konstruiert, nicht derart abstoßend wie es sich lesen mag, aber auch nicht liebenswert, verschmitzt oder ansteckend erzählt. „Management“ ist ein Film, der in seiner durch Widersprüchen und Zufällen gelenkten Art eine Wirklichkeit wiederspiegelt die ich nicht verstehe. Ich verstehe meine Mitmenschen sehr häufig nicht. Und Sue und Mike verstehe ich überhaupt nicht. Aber das ist kein Hindernis Gefallen an einer Geschichte zu finden, die von solchen Leuten erzählt.

Da ich vielerlei als normal geltende Menschen nicht verstehe kann ich nicht beurteilen wie realistisch oder unrealistisch „Management“ ausgefallen ist. Klar, er hängt sich stark an Stereotype und Klischees fest, gerade solche die man im Bereich der Liebeskomödien immer wieder antrifft. Und doch wirkt der Film etwas anders, mitten im Leben stehend, provozierend durch seine nichtig erscheinende Geschichte. Hier gibt es keinen strahlenden Prinzen. Hier gibt es keine tiefschürfenden Erkenntnisse die zum Wandel führen, lediglich Eingeständnisse und Reife. Es ist jene Art Reife die mir persönlich immer aufgesetzt erscheint und die ich nicht als reif betrachte. Eine Reife die eher Richtung Angleichung tendiert. Am Ende lernen beide voneinander. Sie gestehen sich ihre Fehler und ihre Liebe ein. Happy End.

Ich bin verwirrt dass mir das gefallen konnte, war ich doch nie Teil dieser Mentalität die hier gelebt wird. Und auch jenseits des Empfindens im Bereich der handwerklichen Umsetzung tue ich mich mit dem Ergebnis etwas schwer. „Management“ ist bemüht den typischen Pflichtbausatz einer solchen Komödie zu erfüllen und geht hierfür verzweifelt erscheinende Wege. Überforderung, Anbiederung, Angleichung oder provokativ anders, die Regeln umschuppsend und neue Wege des Immergleichen entdeckend? Das ist schwer zu beurteilen. Auf mich wirkt diese ganze Art jedoch nicht wirklich professionell, sondern eher verzweifelt.

Und doch funktionierte der Film. Sein Mix aus angeglichen und zwischen den Dingen schwebend, sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich, war verwirrend wie schön anzusehen. Seine distanzierte Romantik machte neugierig, lullte einen aber auch nie ein. „Management“ lud nicht zum Träumen ein. Es war eher ein nüchternes Betrachten zweier Menschen mit denen man zunächst nichts anfangen kann, die einem aber schließlich ans Herz wachsen, einfach weil man sie kennt und ihre Hochs und Tiefs miterlebt, mal verstehend, mal nicht verstehend. Wer den typischen Kitsch sehen will oder eine besonders amüsante Story ist hier fehl am Platz. Belbers Werk ist keine gängige RomCom - zumindest auf den zweiten Blick. Es ist nicht besser oder schlechter als eine typische RomCom. „Management“ ist einfach interessant anzusehen. Wenn auch nicht all zu sehr. Aber genug um auf nette Art distanziert unterhalten zu werden.  OFDb

04.11.2014

L.A. STORY (1991)

Trotz seiner groben Albernheiten, die man besonders in den Frühwerken des Komikers vorfindet, gehört Steve Martin zu den feingeistigen und intellektuell geprägten Humoristen seines Landes, was er mit seinem persönlichen Meisterstück „L.A. Story“, das freilich aus seiner Feder stammt, auch allen bewiesen hat. Diese Ader, mittlerweile auch in Buchform und Theaterstücken bewiesen, war vor hier besprochenem Film noch eine Realität, die nur der gute Beobachter wahrgenommen hatte. Am deutlichsten war sie jedoch in „Roxanne“ erkennbar, in welchem nicht nur ein klassischer Stoff neu bearbeitet wurde, sondern auch Martins Talent zur Poesie und dem distanziert humorvollen Umgang mit dieser deutlich wird.

Ohnehin kann man „Roxanne“ als Fingerübung des reiferen „L.A. Story“ verstehen, die sich zudem ein Sub-Genre teilen, das der romantischen Komödie. Reif heißt bei Steve Martin glücklicher Weise nicht, dass Albernheiten ausgeschlossen werden. Martin besitzt einen erwachsenen Intellekt und weiß dass das eine das andere nicht ausschließt und beherrscht das Talent es somit gekonnt miteinander verknüpfen zu können. Lediglich sein Drang der Sexualprovokationen, ein typisches Markenzeichen des Mannes, das ihm schon immer viel Kritik beschert hat, wirkt diesmal häufig Fehl am Platz und fügt sich nicht mehr so perfekt ein wie in „Der Mann mit zwei Gehirnen“. Es wirkt nicht einmal so sympathisch skurril platziert wie seinerzeit in „Roxanne“.

In solchen Momenten wird die Geschichte, die kaum eine ist, etwas holprig. Aber das ist die Ausnahme. Steve Martin weiß genau was er will, und Mick Jackson schien seine Vision genauestens zu teilen, denn der schafft es die Gefühle richtig zu übertragen, eines der wichtigsten Elemente dieses Streifens, denn „L.A. Story“ ist Martins gefühlvollstes Werk. Es ist den Darstellern, der Inszenierung und dem Drehbuch zu verdanken, dass man die Protagonisten so gut kennenlernt und mit ihnen mitfühlt, dass die eher kitschige Musikuntermalung von Enya nicht nur abgedämpft wird, sondern zu einem der wunderschönsten Merkmale von „L.A. Story“ wird. Wenn im Finale das Wetter mystisch tobt, fern jeder realen Erklärungsmöglichkeit, dann ist es der Musik von Enya zu verdanken, dass die Szene so perfekt zu wirken weiß.

„L.A. Story“ wird aber ohnehin von toller Musik begleitet. So erklingt zu Beginn des Streifens der Song „La mer“, und das nicht in irgendeiner lieblosen Coverversion, sondern im unwiderstehlichen Original von Charles Trenet. Der Abspann kommt fröhlicher daher mit einem selten so sympathisch wie hier wirkenden „Doo Wah Diddy“, und mittendrin gibt es auch so allerhand musikalisches zu entdecken - und seien es nur die dumpfen Tuba-Töne von Telemachers neuer Bekanntschaft, einer Engländerin, mit deren Hilfe Steve Martin seine skurrile Liebe zu einer Stadt der Verzweiflung, Dekadenz und Hoffnung zugleich dem Publikum nahe bringt.

Diese Stadt verweigert sich geradezu der intelektuellen Tiefe, isoliert Menschen, macht sie unglücklich. Und darin liegt die Herausforderung. Harris T. Telemacher wird immer wieder zu seinem Erfinder Steve Martin, zumindest kommt mir das so vor. Und der trickst die Stadt aus, indem er aus ihr etwas Wunderbares macht, in Unmöglichkeiten Möglichkeiten sieht, und die Frage nach Kunst und Schrott auf den Kopf stellt. Man merkt dass Steve Martin die Stadt dafür liebt und nicht hasst. „L.A. Story“ ist eine ehrlich gemeinte Liebeserklärung, und sicher auch ein gewolltes Sinnbild dafür, dass Dinge nur etwas wert sind, wenn man sie sich erarbeitet. Als Intelektueller in L.A. bleibt einem nichts anderes übrig um nicht geistig unterzugehen.

Martin liebt die Stadt L.A., obwohl sie den Menschen zu schaden scheint, so sehr wie Martin auf den höchst skurrilen und dekadenten Macken seiner Bewohner herumreitet. Aber jeder der einmal verliebt war weiß nicht nur dass Negatives im rosaroten Blick zu verschwinden scheint, in einer langfristigen Beziehung werden die Macken gerade zu dem was den Menschen so interessant und individuell macht, dem man sein Herz schenkt. „L.A. Story“ macht dies deutlich, sowohl anhand der Stadt, als auch anhand der Menschen die in ihr leben. Dass Steve Martin hierbei das klassische Stilmittel der Übertreibung wählt dürfte klar sein, aber das passt schon und wird zu einem passenden Kontrast mit dem Minimum an rotem Faden.

„L.A. Story“ weiß auch in seiner Besetzung zu gefallen. Neben dem Autor spielt auch seine damalige Ehefrau ein letztes Mal mit, Victoria Tennant, die der gute Mann seinerzeit beim Dreh zu „Solo für Zwei“ kennen und lieben gelernt hat. Kurz nach „L.A. Story“ kam es leider zur Trennung. Eine damals noch unbekannte Sarah Jessica Parker spielt eine nicht unbedeutende, flippige Rolle. Und in einem Gastauftritt kommt uns kurz Martins Kumpel Rick Moranis unter die Augen, mit dem er zusammen „Der kleine Horrorladen“ drehte, und dem nach „L.A. Story“ noch das weniger erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt „My Blue Heaven“ folgen sollte. Auch Chevy Chase und manch andere Prominenz huscht mal schnell durchs Bild, jedoch nicht in solch nennenswerten Gastrollen wie der des schwarzhumorigen Totengräbers.

„L.A. Story“ dürfte Steve Martins persönlichstes filmisches Werk sein. Dieses Niveau hat er nie wieder erreicht, den Unterhaltungswert glücklicher Weise aber sehr wohl noch das ein oder andere Mal. Trotz der sehr persönlichen Handschrift schafft es „L.A. Story“ zwar nicht so perfekt zu unterhalten wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“ und „Ein Ticket für zwei“, aber er ist trotzdem ein Liebhaberstück, eine Komödie voller fröhlicher Albernheiten in poetischem Gewand, welch sympathisch schräger Mix. Zudem ist die emotionale Wirkung des Stoffes nicht zu unterschätzen. Man liebt förmlich mit. Erst teilt man Martins Liebe zu einem skurrilen Lebensstil in einer morbid-sympathischen Stadt, später teilt man die Gefühlswelt Harris T. Telemachers zu einer ganz besonderen Frau. Wenn das mal kein Liebesfilm mit Überzeugungskraft ist, weiß ich es auch nicht.  OFDb

04.10.2012

ZOMBIELAND (2009)

Ein Verklemmter und ein Zyniker ziehen durch ein von Zombie bevölkertes, fast menschenleeres Amerika und stoßen auf zwei Schwestern, die sie in Schwierigkeiten bringen...

Die Suche nach dem Naheliegenden...
 
Zombiefilme gibt es wie Sand am Meer, und erstaunlicher Weise lag es nie an einer einfallsreichen Geschichte, ob ein Beitrag in der Masse auf sich aufmerksam machte oder nicht. Seit je her läuft das Sub-Genre nach selbem Muster mit leichten Veränderungen ab, und schon seit der 80er Jahre rettete man sich innerhalb dieser Filmgattung hin und wieder in den Humorbereich.

Dieser ist auch in den 00er Jahren gut besucht gewesen, brachte Geheim-Tipps wie „Fido“ hervor, intelligente Innovationen wie „Shaun Of The Dead“ und manchmal einfach die kurzweilige Unterhaltung ohne Anspruch für zwischendurch wie „Dead And Deader“. Zur letzten Kategorie darf sich auch „Zombieland“ zählen, der von seiner eigentlichen Geschichte her belangloser nicht sein könnte. Aber er hat Stil und vor allen Dingen einige lustige Ideen parat, so dass sich ein Blick tatsächlich lohnt.

Schon die Einführung macht es einen leicht mit dem Werk zu sympathisieren. Man vereint die Kennenlernphase mit der Identifikationsfigur mit den Umständen und Überlebensregeln in Zombieland und bekommt dabei auch gleich den augenzwinkernden Grundton zu spüren, der dominant vor dem Horroraspekt steht. Im Vergleich zu anderen Zombiefilmen mag „Zombieland“ im Gore-Bereich etwas zahmer ausgefallen sein, dennoch darf man staunen was heutzutage so alles als FSK 16 durchgeht. Die Zeiten einer FSK 18 für „Carrie“ und „Schreckensmacht der Zombies“ ist schon lange rum.

Dass das Blut meist aus dem Computer kommt, stört ausnahmsweise mal weniger, was daran liegen mag, dass die Ekeleffekte ohnehin wenig beachtet werden. Wozu auch? Der Amateursektor hat sich seit je her bemüht diesen Bereich überzubewerten und den Allesgucker zu übersättigen. So macht es Spaß stattdessen mit Situationskomik unterhalten zu werden und den Bereich gelungener Spezialeffekte auf anderer Ebene genießen zu können.

„Zombieland“ funktioniert mit wenig Figuren, und diese haben recht grobe Charaktere, sind gar Stereotype, die in ihrer Übertreibung jedoch nie zu einseitig dargestellt werden. Der Verklemmte scheut sich nicht jeder Lebenslage, der Draufgänger wütet nicht pausenlos, usw. Das macht auch die Dialoge erträglicher, die jeder Figur zwei innere Seiten herausarbeiten, so monoton sie eigentlich auch für den eigentlichen Filmzweck als Figur eingebaut werden.

Eigentlich zeigt uns Regisseur Fleischer auf bissige und übertriebene Art die typischen Amerikaner, wie sie allgemein gerne in Filmen dargestellt werden: etwas dümmlich, aber lebensfroh und liebenswürdig, etwas gedankenlos, aber die Welt als Spielplatz betrachtend. Das findet in Zombieland freilich auf sehr extreme Weise statt, wird dafür aber auch deutlicher als eh und je, vor allen Dingen dann, wenn das Finale in einem Freizeitpark stattfindet, der den Figuren allerhand Möglichkeiten gibt sich den Untoten spielerisch zu entledigen.

Von psychologischer Tiefe braucht man da nicht sprechen, und Gesellschaftskritik findet dadurch auch nicht wirklich statt. „Zombieland“ ist ein Unterhaltungsfilm und soll Laune machen, und er macht dies, in dem sich die Figuren des Films selbst pausenlos Laune machen.

So bleibt Fleischers Werk ein eher oberflächlicher Film, der dank einer rasanten Inszenierung und guter Gags zu mehr wird als es klingen mag. Wenn ein Prominenter einen Gastauftritt absolviert, kommt sogar ab und an Komik auf Monty Python-Niveau auf. An anderer Stelle orientiert man sich mehr an der lauten Hau drauf-Komik und an zynischen Kommentaren.
 
Während ein Running Gag über die verzweifelte Suche nach Twinkys etwas überreizt wird, im Finale aber eine wundervolle Pointe findet („Worte können das nicht beschreiben“), läuft eine an sich interessante andere Idee, die Angst vor Clowns, leider ins Gewöhnliche. Nachdem was einem zuvor an tollen Ideen präsentiert wurde, hätte man hier mit mehr gerechnet, wird besagte Clown-Phobie doch recht früh eingebaut, wissendlich dass sie für eine spätere Szene wichtig sein wird.

Aber es ist ohnehin das letzte Drittel, das dem Werk einiges von seinem Potential raubt. Im Freizeitpark-Finale setzt man die Gagzahl zurück, um sich Schauwerten zuzuwenden. Laute Musik, blinkende Lichter, schrille Mordmethoden vor schriller Kulisse. Da sind nette Ideen vertreten, aber man ist doch froh wenn die Action ihr Ende findet und kurz vor Schluss noch mal auf Dialog und Situationskomik gesetzt wird.

Zwar bietet der Film auch einige klischeeartige Emotionsmomente, weiß aber immer wieder Wege zu finden diese humoristisch zu stützen, so dass sie letzten Endes nur dazu dienten einen Gag vorzubereiten. Die beste Szene dieser Art dürfte das Weinen des harten Mannes sein, der berichtet wie er seinen Sohn verloren hat, und sich die Tränen im nächsten Moment mit Bargeld von den Augen wischt.

„Zombieland“ ist ein kurzweiliger Zombie-Spaß, weit entfernt von dem Niveau eines „Shaun Of The Dead“ aber unterhaltsam genug um auch außerhalb der Fankreise für Vergnügen zu sorgen. Improvisierfreudige Darsteller und ein gutes Timing für Gags sorgen für das gewisse Etwas.  OFDb

24.07.2012

A SCANNER DARKLY (2006)

In 7 Jahren wird die Droge Substanz T viele Menschen süchtig machen. Fred arbeitet Undercover, um mehr über die Herkunft des Produktes zu erfahren. Doch dafür muss er Substanz T selber nehmen, und so nach und nach verliert der Mann die Fähigkeit zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden...

T-Kapsel anstatt T-Aktie...
 
Woody Harrelson und Winona Ryder sind bereits zwei namentlich bekannte Zugpferde dieses Projektes. Bedenkt man jetzt noch, dass Robert Downey, Jr. in einer dominanten Rolle mit an Bord ist und Keanu Reeves gar den Part der Hauptrolle übernahm, dann wird die Frage erlaubt sein warum „A Scanner Darkly“ solch ein stilles Dasein im Bewusstsein der Filmliebhaber führt. Sollten sich bei den beiden letztgenannten Stars nicht gerade die Frauen auf diesen Film stürzen?

Die Antwort lautet nein, denn der von Richard Linklater inszenierte Film ist ein Science Fiction, ein Genre welches beim weiblichen Geschlecht meist Desinteresse auslöst. Und zudem ist er auch noch ein durch Animation optisch entfremdeter Film, sprich der Streifen wurde real gedreht und dann wurde munter farblich drübergepinselt. Der besagte Stil hat seine Wirkung, denn auf der einen Seite wird „A Scanner Darkly“ damit vordergründig zum Animationsfilm, gleichzeitig entfremdet er die Realität nicht all zu stark, so dass Menschen und Umgebung sehr realistisch bleiben, Stars als solche wiederzuerkennen sind und damit ein ungewohnter Mix entsteht: Zeichnung und Realaufnahmen, man glaubt beides zugleich zu erleben.

Dieser Kniff passt psychologisch hervorragend zur Geschichte, die schließlich von Wahn und Wirklichkeit erzählt und dem Verlieren der Fähigkeit beides unterscheiden zu können. Durch die Droge ausgelöste Halluzinationen, die lediglich durch Zeichentrick eingearbeitet werden und nicht mehr das wirklich Dargestellte überpinseln, geben der optischen Herangehensweise ihre zweite Existenzberechtigung, auch wenn es nur selten zu einer solch phantastischen Sequenz kommt.

„A Scanner Darkly“ blickt lediglich in eine sehr nahe Zukunft, dementsprechend ist unsere Welt in der Wirklichkeit der Geschichte noch deutlich zu erkennen. Linklater serviert uns keine völlig fremde Zukunftswelt. Er zeigt uns das Heute, welches durch eine gewaltige Droge in die Mülltonne gekloppt wurde. Parallelen zu „RoboCop“ sind durchaus vorhanden. Dabei stammt die literarische Vorlage vom Science Fiction-Autor Philip K. Dick, dem wir andere Filme verdanken, so z.B. „Minority Report“, „Die totale Erinnerung“ und „Blade Runner“, alles Geschichten über eine Gesellschaft in der Zukunft, die kritische Rückfragen auf die Gesellschaft von heute wirft.

Somit reiht sich „A Scanner Darkly“ passend in die Schaffenswelt von Dick ein. Leser seiner Werke behaupten gar, dass der hier besprochene Streifen seinen Printmedien am ehesten entspräche, während die berühmteren Vertreter aus dem Kino wohl stark abgewandelt wurden. Ich kenne seine Bücher nicht und kann mich dementsprechend nur am Film selbst orientieren, und der ist, was Linklaters Werk betrifft, nicht uninteressant ausgefallen.

Man muss schon betonen, dass „A Scanner Darkly“ aufgrund seiner Optik, seiner Geschwätzigkeit und dem wenigen was inhaltlich tatsächlich passiert, schon recht anstrengend zu gucken ist. Einige Zeit fragt man sich, wofür das Ganze nun gut sein soll. Lohnt sich das Investieren von so viel Geduld? Aber noch bevor man von einer wirklich guten Geschichte sprechen kann, ist man drin in der Erlebniswelt der Protagonisten. Leergeschwätz wird interessant, da es die Lebensweise der Figuren auf tragikomische Art wiederspiegelt. Und nach und nach kristallisiert sich auch die Geschichte aus diesen ganzen Nichtigkeiten heraus.
 
Man kann jetzt nicht von einem „Spiel mir das Lied vom Tod“ sprechen, in welchem die vom Zuschauer Geduld erfordernde Erzählweise sich langsam zu einem inhaltlich wertvollen Produkt entfaltete. „A Scanner Darkly“ hätte seinen Hauptteil der Geschichte auch stark straffen können, und den zu kurz kommenden, interessanter werdenden Part der letzten 15 Minuten früher einbringen und damit stärker vertiefen können. Aber eigentlich gefällt mir die gewählte Umsetzung Linklaters, eines Regisseurs der mal mit Filmen wie „School Of Rock“ auch simple Themen gekonnt umzusetzen weiß, manchmal aber auch anspruchsvollere Projekte wie „Fast Food Nation“ in den Sand setzt.

Wer dran bleibt wird brav belohnt mit einem interessanten Storytwist in der letzten viertel Stunde. Erst dort wird klar, was das alles sollte, und warum die Geschichte so erzählt wurde wie sie es wurde. Dies und die Art wie „A Scanner Darkly“ schließt hätte Lust und Möglichkeiten auf eine Fortsetzung gegeben. Ich weiß nicht ob eine solche ursprünglich geplant war, aber dem Film wurde nicht der Erfolg beschert wie den namentlich bekannteren Verfilmungen nach Dick. Spätestens daran dürfte ein Sequel gescheitert sein. Schaut man sich aber den Schluss des Streifens an, der ein persönliches Anliegen erkennen lässt sich für exakt diese Geschichte entschieden zu haben, kann man durchaus davon ausgehen, dass „A Scanner Darkly“ schon immer als Underground-Projekt geplant war und man sich scheinbar nie ernsthaft voreilig mit der wirtschaftlich interessanten Frage nach einer Fortsetzung auseinandergesetzt hat.

Dem Film-Fan kann es egal sein. Der kann, sofern er Werken abseits des Mainstreams nicht abgeneigt ist, mit „A Scanner Darkly“ sicherlich seinen Spaß haben. Optisch ist er interessant ausgefallen, inhaltlich manchmal arg steril, deswegen aber nicht zwingend langweilig. Action kommt niemals auf. Die komplette Geschichte findet auf sehr ruhigem Wege statt.  OFDb