Dass sich beide ineinander täuschen, gute wie schlechte Momente gemeinsam erleben und weder ohne noch miteinander auskommen, ist die nötige Chemie, mit der das Ganze menschlich genug funktionieren kann. Lange Zeit kann Hugh Wilson diese Magie gut genug aufrecht erhalten, um kompromisslos schlicht unterhalten zu werden. Wenn es zum tragischen Kipppunkt Richtung Finale kommt, funktioniert das zuvor aufgebaute Gerüst nun nicht mehr ganz so gut. Humor und Tragik bilden kein Gleichgewicht mehr, Dramaturgie wird zu Theatralik, das schlechte Gewissen des Protagonisten und die Passivität, in die er sich zunächst steigert, sind zu dick aufgetragen, während sein Verbleib inmitten der Ermittlungen ohnehin unglaubwürdig anmutet. Letztendlich dient dies alles nur dem finalen Kniff, den "Guarding Tess" (Originaltitel) eigentlich nie nötig gehabt hätte, dass der von allen Beschuldigte, samt Team, von Tess gegenüber den staatskonformen Ermittlern nach ihrer Rettung bevorzugt wird. Und so fliegen sie grinsend mit der kranken Tess mit, während die selbsternannten Helden das Gefährt verlassen müssen. Ohne diesen unnötigen Machtstreit, samt Gewinnerszenario, wäre "Tess und ihr Bodyguard" weit runder ausgefallen und würde besser funktionieren. Auch das harte Schicksal, welches die gute Frau rückblickend während ihrer Entführung ertragen musste, passt nicht zu der Leichtigkeit eines dem Unterhaltungsfilm verpflichtenden Produktes. Auf schlichter Ebene unterhält diese Tragikomödie jedoch trotzdem genug, um nicht all zu enttäuscht auf die zu lang geratene Schwachstelle zurückzublicken. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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29.12.2023
TESS UND IHR BODYGUARD (1994)
Das Zusammenkommen zweier völlig unterschiedlicher Menschen kann immer wieder für amüsante Reibereien sorgen, erst recht wenn beide Personen nicht gleichrangig agieren und einer auf den anderen hören muss. Noch lustiger wird eine solche Ungleichheit, wenn der untergeordnete Part eigentlich die Befugnis hätte sich diverse Schikanen und überhebliches Getue nicht gefallen zu lassen, der dominante Part der unfreiwilligen Partnerschaft jedoch beste Beziehungen zum Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika besitzt und somit im ständigen Machtstreit siegt. Passend besetzt mit Nicolas Cage und Shirley MacLaine gelingt es Autor und Regie die nicht neue Geschichte gut funktionierend erzählt zu bekommen, im nur leicht vor sich hin plätschernden Humorbereich ebenso, wie in dem nötigen Hauch Dramatik, der sich neben der Einsamkeit der ehemaligen Präsidentengattin auch in der heimlichen Dankbarkeit der Frau gegenüber ihrer liebsten Leibwache zeigt, klammert sie doch nicht ohne Grund an ihrem Stamm-Bodyguard, der am liebsten von ihr weg möchte.
17.05.2016
CAROLINA - AUF DER SUCHE NACH MR. PERFECT (2003)
Liebeskomödien gibt es wie Sand am Meer, und nie könnte man aufgrund einer Geschichte erraten ob sich hinter einem solchen Streifen ein brauchbarer oder weniger brauchbarer verbirgt. Da diese Art Film stark mit der Sympathie zu ihren Figuren und den sie spielenden Darstellern verbunden ist, habe ich als Bewunderer der unglaublich süßen Julia Stiles freilich nicht gezögert zu „Carolina“ zu greifen, auch wenn die Geschichte sich auf dem DVD-Cover 08/15 las. Nicht dass ich mich nicht auch mal bei einer RomCom mit 08/15 zufrieden geben würde, mutig bin ich eher nicht bei meinen Stichproben dieses eigentlich von mir gern geguckten Genres.
Mir hätte es mit Julia Stiles in der Hauptrolle also wahrscheinlich durchaus gereicht mit Durchschnitt a la „Management - Die Liebe ist eine Baustelle“ abgefertigt zu werden, um so erfreuter war ich, als ich feststellen durfte welch herzensguter Film hinter dem unscheinbaren Produkt steckte, eine Geschichte die das Leben zwar manipulativ schön malt wie es für sein Genre fast schon obligatorisch ist, dies aber in einer solch angenehm einlullenden und nicht vollkommen kopflosen Art tut, dass man sich nur all zu gern dem Träumen hingibt, zumal man sich nicht einzig in Carolina verliebt, sondern gleich auch in ihre komplette ziemlich schräge Familie.
Mit der mit Shirley MacLaine so grandios besetzten Großmutter, die fast schon wichtiger für den Film ist als es Carolina zu sein scheint, spricht der Film einige Wahrheiten gerade heraus aus, während er gleichzeitig Fremdschämen verursacht, der einen wiederum an Carolina bindet. Zumindest ist dies die beste Art um den Film vollends genießen zu können, darf man sich doch mit Carolina zusammen vom Leben belehren lassen, dass man sich manches Mal an falscher Stelle fremdschämt.
Was den etwas müde besetzten Albert betrifft, der sich als der Idealkandidat für Carolina entpuppt, so ist die junge Frau im Zentrum vielleicht ein wenig zu schwer von Begriff gezeichnet, als dass es zum Restcharakter der an sich taffen Frau passen würde. Aber wer Freund der Gattung romantische Komödie ist weiß ohnehin dass man nie all zu viel Realität erwarten darf, selbst bei solch originellen und lebensnahem Genrebeiträgen wie „Harry und Sally“.
Hilfreich kommt dem hier besprochenen Film zu Gute, dass er zudem der Gattung der Tragikomödie angehört, was sich als wundervoller Mix herausstellt. Selbst wenn das finale Drama ein wenig konstruiert in die Geschichte geschuppst wird, so wirkt dies aufgrund der emotionalen Vorarbeit doch nie wie ein Fremdkörper in einem sonst gelungenen Film. Ganz im Gegenteil schafft es dieser Aspekt die Geschichte in eine wesentlich unverkrampftere Richtung zu lenken um das zu erzählen was noch erzählt werden muss, als das was alternativ ohne das tragische Schicksal am Ende an Möglichkeiten zur Auswahl gestanden hätte - zumindest orientiert an den Konkurrenzprodukten aus Amerika, die sich mit dem letzten Drittel gerne hin und wieder schwer tun.
„Carolina“ ist ein wundervoller Film über das Leben, die Familie und die Liebe, über das was wichtig und unwichtig ist und zeigt uns damit warum es auch immer Filme für naive Träumer geben muss, über die eiskalte Intellektuelle immer wieder aufgrund der Realitätsferne durch Verschönerung von Augenblicken schimpfen werden. Lasst sie schimpfen! Die haben doch keine Ahnung wofür Kino alles da sein kann! Kino darf alles sein, erst recht wenn es solch ein gutes Gefühl hinterlässt wie Marleen Gorris Film, das bislang erste Werk welches ich von ihr gesehen habe. OFDb
16.12.2012
IN DEN SCHUHEN MEINER SCHWESTER (2005)
Schon vor dem Tod ihrer Mutter waren die beiden Schwestern Rose und
Maggie unzertrennlich. Im Erwachsenenalter angekommen besteht diese
Zusammengehörigkeit jedoch nur noch in der Rolle von Rose die
verantwortungslose jüngere Schwester aus jedem Schlamassel zu holen.
Gedankt wird es ihr von Maggie mit Diebstahl des Geldes und dem
Beischlaf mit Roses neuem Freund. Das bedeutet für die
Schwesternfreundschaft den Schluss-Strich. Rose wirft Maggie, die sich
gerade in der Wohnung ihrer Schwester breit gemacht hat, aus eben dieser
heraus und beginnt ihr Leben neu zu sortieren. Maggie schnorrt sich
derweilen bei ihrer Großmutter Ella durch, von deren Existenz sie erst
kürzlich erfuhr. Ella riecht den Braten und verhilft ihrer Enkelin zu
einem Reifeprozess, der längst überfällig war...
Über sich hinauswachsen und doch noch in die Schuhe passen...
Wie der Name des Genres schon sagt beherbergt eine Tragikomödie sowohl humoristische als auch dramatische Elemente. Bei letzteren ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass das Drama nicht lebensnah sondern verträumt erzählt wird, was letztendlich zum Kopf ausschalten führt, bei wachem Verstand jedoch häufig zu einem Desaster wird in den Punkten Glaubwürdigkeit und Logik.
„In den Schuhen meiner Schwester“ ist erfrischend anders. Zwar kann sich der Film auch nicht davon frei sprechen den Zuschauer zum Träumen zu verführen, dies ist aber letztendlich die Aufgabe eines Märchens, und genau dies ist der hier besprochene Film, und das will er auch sein. Immerhin sind märchentypische Bereiche deutlich zu erkennen. Wir haben da die böse Stiefmutter, den holden Prinzen, welcher der Glücklosen hilft, eine bevorzugte leibliche Tochter der bösen Stiefmutter, und geht man tiefer erkennt man auch noch Elemente aus speziellen Märchen wie „Frau Holle“, „Das hässliche Entlein“ und in Geschichte so wie Titel selbst „Aschenputtel“.
Der Name „In den Schuhen meiner Schwester“ soll jedoch nicht nur Pate für den märchenhaften Stil sein, in ihm spiegeln sich die Haupteckpfeiler der Geschichte wieder. Der Titel ist symbolisch gemeint, denn Maggie lebt in den Schuhen ihrer Schwester. Sie verlässt sich immer drauf, dass ihre Beschützerin sie rettet und nimmt die Gutherzige gnadenlos aus. Als es zur Trennung kommt nähern sich beide Frauen den Schuhen ihrer Schwester. Ihr Lebensstil gleicht sich dem des jeweiligen anderen an. Rose lernt die Liebe kennen und findet Gefallen an einem alternativen Lebensstil, den sie in ihrem Tunnelblick von einst fälschlicher Weise als verantwortungslos gesehen hätte. Maggie lernt auf eigenen Füßen zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und die Schuld nicht immer bei allen anderen Menschen zu suchen.
Was den Film von Regisseur Curtis Hanson so angenehm macht, ist der richtige Mix aus verträumten Märchen und Realitätsnähe. Um eine glaubhafte Geschichte zu erzählen gibt es wohl kaum eine schwere Aufgabe zu bewältigen, und kritisch muss man erwähnen, dass auch Hanson nicht jederzeit glaubhaft bleibt. Wenn Maggie lesen lernt ist der Weg wie sie dorthin geschuppst wird nicht kompatibel mit der Art des Charakters, der uns zuvor vorgesetzt wird. Hier gibt sich „In den Schuhen meiner Schwester“ meiner Meinung nach zu blauäugig. Auch das Altern wird mir eine Spur zu verzuckert präsentiert, auch wenn sichtlich versucht wird, sich an den Gefühlen und Gedanken alter Menschen zu orientieren.
Ein Störfaktor ist das alles nicht, der Film guckt sich wunderbar. Diese kleinen Mankos sind lediglich die Antwort auf die Frage, durch was das gute Ergebnis hätte noch mehr aufgewertet werden können.
Immerhin gibt es dafür in der schlichten Geschichte nichts zu meckern. Zunächst scheint die Story fast ein Nichts zu sein, das lediglich durch die verschiedenen Personen zusammengehalten wird. Es entwickelt sich jedoch sehr sensibel und zurückhaltend eine echte Geschichte mit roten Faden, die zu einem erzähltechnischen Ende führt. Und neben all der Dinge, die dem Zuschauer deutlich nahe gebracht werden, gibt es auch einige versteckte Pluspunkte im Drehbuch, die der Betrachter selbst entdecken muss.
Oft sind dies psychologische Feinheiten, wie der gedankliche Kniff, dass es für die Weiterentwicklung der beiden Hauptfiguren zur Trennung kommen muss. Beide Schwestern hinderten sich am charakterlichen Fortkommen. Während die verantwortungslose Maggie Rose unbewusst dazu zwingt in eine biedere Aufpasserrolle zu schlüpfen, hindert Rose Maggie am Weiterkommen, da sie in ihrer psychologisch uncleveren Art Maggie nicht motiviert sondern zum bocken bringt. Kaum haben die Damen keinen Kontakt mehr, können sie sich auch beide weiterentwickeln und von da an wieder gemeinsam durchs Leben gehen.
Aber auch hier sei wieder einmal die Blauäugigkeit erwähnt, die weiter geht als jedes Märchen tragen könnte. Ist so etwas schwerwiegendes wie der Beischlaf mit dem Freund der Schwester wirklich mal eben so zu verzeihen? So sehr, dass nach der Hochzeit sogar in Anlehnung an dieses bittere Erlebnis gefrotzelt werden kann? Wie man an Beispielen wie diesen sieht fehlt es auch dem Film an mancher Stelle noch an Reife. Wie das Beispiel ebenso zeigt, liegen diese Defizite jedoch nicht in den Haupteckpfeilern sondern eher in schlichten Randerscheinungen.
Schauspielerisch macht jeder Teilnehmer seine Sache gut. Besonders hervorzuheben ist Shirley MacLaine, die ihrer Rolle auf verschiedensten Ebenen Leben einzuhauchen weiß. Ihre Rolle umgeht jedes Klischee und jedes Schablonendenken. Das kann man von den anderen Charakteren nicht behaupten, ist aber nun einmal auch das Wiedererkennungsmerkmal eines jeden Märchens.
Regisseur Curtis Hanson beweist wieder einmal, dass er in seinen Beruf hineingehört. Ich kenne nicht all zu viele Filme von ihm, finde es bei den wenigen die ich sah jedoch hervorragend, dass er immer ein großes Ergebnis erzielte, obwohl er nie auf ein wiederholendes Rezept oder ein Stamm-Genre zurückgreift. „L.A. Confidential“ und „Wonder Boys“ sind beides ebenfalls so großartige Filme, dass es echt nicht wundert, dass der Herr für seine Werke stets viel Prominenz an Land ziehen kann. Um so erstaunlicher, da seine Filme meist in den fast unsichtbaren, stillen Bereichen ihre größte Qualität besitzen. OFDb
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