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11.03.2021

CRAWL (2019)

Dass sich der durch "High Tension" berühmt gewordene Franzose Alexandre Aja darin auskennt einen funktionierenden Tier-Horror auf die Beine zu stellen, bewies er mit dem Joe Dante-Remake "Piranha", in dem es mit derben Späßen ordentlich zur Sache ging. Im Feld des humoristischen Horrors können Übertreibungen zum Vorteil werden, mit "Crawl" bedient der gute Mann jedoch den Bereich des ernsthaften Genres, und da darf es schon wundern wie wenig er auf einen auch nur ansatzweise glaubwürdigen Plot gibt. Egal wie viel hier zu- und abgebissen wird, egal ob man vor wenigen Augenblicken noch reanimiert wurde, seit Ewigkeiten im Wasser feststeckt, oder sich auch schon mal mit dem ein oder anderen Körperteil im Maul eines Alligators befand, jegliches Überleben und Weitermachen ruht sich einzig auf der Prämisse aus, dass Haley und ihr Vater Sturköpfe sind, die stets so lange kämpfen, bis es nicht mehr geht und zusätzlich darauf, dass Haley eine Leistungsschwimmerin ist. Man sollte meinen, dass ein Film dieser Art mit einem dermaßen realitätsfernen Szenario scheitert. Aber was soll ich sagen? Der Streifen funktioniert. 

Das liegt unter anderem daran, dass Aja nicht nur die lauten Momente seines Filmes hervorragend beherrscht, als da wären beeindruckende Hurikanaufnahmen, schön anzuschauende Alligator-Attacken (mit wahrlich gut animierten Viechern) und manche Schreckmomente, auch den Thrillbereich hält er inmitten von Irrsinn und Überlebensaction erfolgreich hoch. Dem Treiben begleitet stets ein funktionierender Spannungsbogen und ein Hauch Dramatik, der einen passabel genug an die beiden wichtigsten Figuren kettet, um auch wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Da Aja immer wieder unverschönte, teilweise gnadenlose Momente einfließen lässt, ist man tatsächlich gespannt darauf, ob beide überzeugend gespielte Charaktere das Filmende erleben werden, oder nicht. Hilfreich steht dem Regisseur ein von Kamera und Licht wirksam eingefangener, feuchter und dunkler Spielort zur Seite, der sich nie so monoton gibt, wie er praktisch gesehen eigentlich ist. Zudem weiß es zu gefallen, dass Aja das Gebiet des Tier-Horrors nicht neu erfinden möchte, sich ganz im Gegenteil gerne auch an erfolgreichen Ideen diverser Vorgänger bedient, sie mit seinem persönlichen Stil ergänzt und gleichzeitig auf eine packende Inszenierung achtet. 

Sicherlich wäre es förderlich gewesen das Ganze etwas glaubwürdiger umzusetzen, zumindest zu jenem Grad, wie es ein "The Shallows" beherzigte, der auch nicht rein bodenständig erzählt war. Dann hätte "Crawl" eventuell gar ein richtig guter Horrorstreifen werden können. So aber ist er "nur" der nette, kleine, sympathische Zwischendurchverzehr geworden, der aufgrund seiner Produktionsgröße zumindest mal optisch etwas mehr hermachen darf als die üblichen Billigproduktionen des Tier-Horror-Bereichs. Mit seinem augenzwinkernden (anderen) Abspann-Lied hat er mich zudem an den charmanten "Rogue - Im falschen Revier" erinnert, der leider viel zu unbekannt blieb.  OFDb

07.04.2016

THE HILLS HAVE EYES - HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (2006)

Es ist nicht so dass Wes Cravens Klassiker „Hügel der blutigen Augen“, der einer jener Horrorfilme war der die damalige Terrorwelle stark mitgeprägt und losgetreten hat, es nötig gehabt hätte neu verfilmt zu werden. In Sachen Härte und radikale Direktheit steht er den harten Filmen heutiger Zeiten in nichts nach und weiß noch immer zu gefallen. Dennoch braucht man nicht böse zu sein, dass solch einem gelungenen Streifen ein Remake beschert wurde, handelt es sich doch um eine ausgesprochen gute Neuauflage des alten Stoffes, die dem Original alle Ehre macht.

Aja weicht kaum von den Geschehnissen des 70er Jahre Filmes ab. Die Todesarten und die gestellten Fallen werden fast 1 zu 1 übernommen. Ob es nötig war den Ur-Plot um eine Geisterstadt zu ergänzen sei einmal dahingestellt. Mit dem dort spielenden Szenario kommt man Hoopers „Blutgericht in Texas“ näher als es der Stoff von „The Hills Have Eyes“ nötig gehabt hätte. Wer sich nicht an einer selbstgerechten Rachestory stört mit Verletzungen mit denen kein normaler Mensch je weiter kämpfen könnte, der wird gut unterhalten mit einem Horrorbeitrag, der trotz einiger satirischer Spitzen spannungsgeladen umgesetzt ist und trotz etwas zu übertriebener Maskerade furchteinflößender aussehende Gegner bietet als das Original.

Starke Nerven und einen harten Magen sollte man besitzen um dem eiskalten Treiben bis zum gar nicht so optimistischen Schluss folgen zu können. Dabei ist es schön mit anzusehen, dass uns Aja trotz seiner Hochglanzoptik ganz im Gegensatz zu Michael Bays „Texas Chainsaw Massacre“ derart dreckige Bilder zaubert, dass man fast glaubt sich selbst in der staubigen Wüste zu befinden. Bis zu einem gewissen Grad bleibt die bluttriefende Story gar realitätsorientiert, z.B. in den Kampfsequenzen mit einem kampfunerfahrenen Helden, welche erst in der x-ten Zuspitzung den Pfad allem Glaubwürdigen verlassen, um rein des Unterhaltungseffekts wegen komplett im Blut zu sudeln.

Wer sich daran stört ist beim harten Horrorfilm im falschen Genre unterwegs, gehören Unlogiken gerade in Sachen Härte und ein ungesundes Maß Selbstjustiz zu solch einem Film doch zwingend dazu um vollends funktionieren zu können. Damit können aufgestaute Gefühle beim Zuschauer entladen werden, selbst dann wenn man nicht weiß ob das alles zu einem Happy End führen kann oder nicht.

„The Hills Have Eyes“ kommt weit weniger subtil daher als Cravens Erstverfilmung. Die Hintergründe müssen erst per Einleitung erwähnt, später per Zeitungsartikel belegt und gegen Ende von einem Mutanten noch direkt ausgesprochen mitgeteilt werden. Ansonsten geht aber auch das Remake nicht all zu schonend mit dem Publikum um. Gerade Nichtkenner des Originals werden von so einigen Überraschungen geschockt werden, auch wenn es nicht jede abartige Idee von dort ins Remake geschafft hat. Und man darf es Aja danken, dass er es schafft trotz der engen Orientierung an die 70er Jahre-Verfilmung dem Ganzen einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Der höhere Spannungsbogen, das bessere Make-Up der Gegner und vor allen Dingen der schwer im Magen liegende Vorspann, der mit echten Aufnahmen von Atombombentests einen zunächst in die Realität reißt bevor es fiktiv weiter geht, sowie die augenzwinkernde Musikauswahl im Abspann, das sind alles Zutaten welche die Neuverfilmung legitimieren, zumal „The Hills Have Eyes“ bereits rein von der Besetzung her zu überzeugen weiß. So wenig wir auch über die Charaktere erfahren, wir fiebern eng mit ihnen mit in einem hervorragend fotografierten Film. Ajas Remake lässt nur wenig Wünsche offen und ist eine der gelungensten Neuverfilmungen der 00er Jahre Horror-Remake-Welle, auch für Kenner des Originals.  OFDb

23.07.2013

PIRANHA (2010)

Ausgerechnet während des Spring-Breaks geraten versehentlich freigesetzte, todgeglaubte Urzeit-Piranhas in den Lake Victoria und greifen die Party feiernden Badegäste an...
 
Uralt und doch mit festen Zähnen gesegnet...
 
Wer für diesen Sommer noch einen feucht-fröhlichen Video-Tipp passend zum Wetter benötigt, und so wie ich Neuerscheinungen meist erst Jahre später entdeckt, dem rate ich zu „Piranha“, der freilich kein Geheim-Tipp mehr ist, so gut wie er von der Horror-Fan-Gemeinde angenommen wurde, aber das hat Qualitäts-technisch ja leider nicht immer etwas zu bedeuten. Im Falle von Ajas Remake von Joe Dantes „Piranhas“ aus den 70er Jahren kann ich jedoch grünes Licht geben. Der Hype ist berechtigt. Der Film macht ordentlich Laune.

Freilich erfindet Aja das Rad nicht neu, und so kann man zu Recht kritisch sein wenn es darum geht sich einen Film anschauen zu sollen, dessen Thema auf Video (meist mit Haien) todgeritten wird. Aber Ajas weiß mit welcher Inszenierung er der ausgelutschten Story begegnen muss, und die orientiert sich an den so quantitativen Punkten flotter Sound, viel nackte Haut und ordentlich Blut. So plump das klingt: es funktioniert nicht nur, es rockt.

Schön selbstironisch, dabei aber ehrlich zu sich selbst, kommt die Nebenstory um einen Pornofilmer daher, der spielfreudig von Jerry O‘Connell verkörpert wird. Seinem Sub-Plot verdanken wir jede Menge weibliche Freizügigkeiten, die ebenso wie die Szene eines abgebissenen Pimmels zeigt, wie losgelöst die Amis mittlerweile von ihrer einstigen Prüderie sind. Die Verantwortlichen dieser traurigen Vergangenheit Hollywoods, die Verfechter des Christentums, werden am Rande gleich mit verarscht, zwar kurz, aber dafür treffsicher als Demonstranten gegen den viel zu freizügigen Spring-Break.

Ohnehin ist der Grundton von „Piranha“ lustiger Natur, und das lebt man nicht nur in wunderbar ekligen und fiesen Goreszenen aus (die dank kranker Ideen nicht immer nur den Piranhas zuzuschreiben sind), was ein Glück ist, zeigten doch Filme wie „Dead Snow“ wie unbefriedigend eine Horror-Komödie ist, die einzig darauf achtet. Nein, auch die Figuren und die kleinen Situationen die diese erleben wissen humoristisch zu wirken, auch wenn große Lacher meist den kleinen Schmunzlern weichen müssen.

Die Piranhas sind dank des hohen Produktionsniveaus ein Augenschmaus, und Ajas liebt es mit Ideen zu jonglieren wie er sie optisch eingefangen kriegt und was er sie alles anstellen lassen kann, damit der Film nicht zu monoton ausfällt. Und da kommt einiges an fiesen Momenten zusammen. An Zeigefreudigkeit mangelt es dem Film in keiner Nische, und so wird der Freund anspruchsloser Popkorn-Unterhaltung bestens bedient.

Die Schauspieler schlagen sich alle wacker, die obligatorische Love Story kommt süß und nicht all zu wichtig daher, und kleine Gastauftritte absolvieren Richard Dreyfuss (der als „weiße Hai“-Veteran bereits vor dem Vorspann ableben darf) und „Doc Brown“ Christopher Lloyd, den es auch in die Fortsetzung gezogen hat, die gerade mal zwei Jahre später erscheinen sollte.

Viel zu sagen gibt es ansonsten nicht. Ajas, ein Regisseur dessen Filme meiner Meinung nach qualitativ immer sehr unterschiedlich ausfallen, macht das beste aus einem längst ausgeschöpften Thema und holt dabei ein Ergebnis heraus, das ich der Story gar nicht mehr zugetraut hätte. Dass er sich hierfür stark von Joe Dantes Original distanziert war wohl eine gute Entscheidung. Vielleicht hätte dies das erste Remake namens „Die Rückkehr der Piranhas“ ebenso machen sollen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Andererseits, warum wird ein Werk wie Ajas Tier-Horror dann als Remake angekündigt? Man stelle sich mal vor jeder auf Video erschienende Hai-Film würde als Remake von Spielbergs großem Blockbuster beworben werden. „Piranha“ sollte man also als eigenständiges Werk einer nicht eigenständigen Idee ansehen. Filme wie diese machen den heißen Sommer erträglicher.  OFDb