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25.11.2018

EXORCISM (1974)

Der von Jess Franco 1974 fertiggestellte "Exorcism" existiert mittlerweile in den unterschiedlichsten Fassungen. Neben einer stärker erotisch betonten Version und einer Thrillerversion gibt es die 100minütige (fast) Ur-Version, die ich zu sehen bekam, und um deren Veröffentlichung Jess Franco viele Jahre später kämpfen musste, da er scheinbar nicht die Rechte besaß. Einige derbere Momente, wie die Ausweidung eines der weiblichen Opfer, soll erst später nachgedreht worden sein, ansonsten entspricht die Fassung, die hier besprochen wird, scheinbar der Vision ihres Schöpfers. Und wer diesen Vieldreher kennt, der weiß dass das nicht zwingend etwas Gutes bedeuten muss.

Der Schmuddelfilm beginnt recht stimmig, indem er von schöner Musik untermalt in Francos typischem, nicht authentisch ausschauendem Stil ein bizarres sadomasochistisches Ritual präsentiert, welches für Nichtkenner der Geschichte zu einem überraschenden Schluss führt, welcher die Erzählung in jene Richtung schuppst, in die sie sich zukünftig auch weiter begeben wird. Sensationsgeile Vorführungen für lüsterne Elitäre werden als Alternativszene jenseits dessen was der Alltag preis gibt präsentiert, und auch dieser Aspekt weiß trotz viel zu lang geratener Fummelszenen noch recht gut zu gefallen. Zwischen den Pseudo-Folter- und Sexszenen stolpert Jess Franco persönlich durchs Szenario, einen Ex-Priester spielend, der verkommene, weibliche Subjekte mordet, freilich ganz im Sinne Gottes. 

Die Polizei wird erst zur zweiten Hälfte des Films aktiv, aber da ist man kaum noch optimistisch, dass der Film noch einmal so atmosphärisch stark wird wie zu Beginn, bestand das bisherige Treiben bis dorthin doch aus leicht variierten Wiederholungen des bislang Gesehenen, sprich immer wieder wurde lustlos gefummelt, sensationsgeil gefoltert und lateinische Sprüche murmelnd getötet. Franco verlässt sich bei diesem monotonen Szenenkarussell einzig auf seinen ureigenen Stil, weder gekonnte Effekte, noch Schauspieltalent sind gefragt. Zumindest auf die Erotik kann er teilweise bauen, obwohl die meisten Körper nicht so schön anzuschauen sind. Das macht diese Szenen aber immerhin natürlich, hat also auch seinen Vorteil. Und immerhin schafft es Franco mit der damals noch süßen Romay deren stark behaarten Intimbereich mittels einer provozierenden Bekleidung während eines der Rituale erotisch einzufangen. Das muss man erst einmal schaffen.

Und doch braucht man nichts schön zu reden. So interessant, schmuddelig und pseudo-künstlerisch wertvoll sich das auch für 20 Minuten gucken mag, am Ende bleibt die Ernüchterung eines zu drögen Streifens, der mit immer gleichen Szenen zu nerven beginnt, bis die Langeweile schließlich penetrant nach oben schießt. Im Gesamtwerk des Schundfilm-Meisters ist das keine Seltenheit, braucht also nicht zu überraschen, heimlich hoffe ich jedoch immer wieder erneut eines seiner Ausnahmewerke wie "Vampyros Lesbos" oder "Die Säge des Todes" zu sichten. Zumindest die Covergestaltung der von mir erworbenen DVD macht sich sehr schön im Regal. Das ist immerhin ein kleines Trostpflaster.  OFDb

22.07.2017

MONDO CANNIBALE 3 - DIE BLONDE GÖTTIN DER KANNIBALEN (1980)

Passt das? Jess Franco ist ein umstrittener Regisseur, das Genre des Kannibalenfilms ist ebenso umstritten. Es durchlebte eine recht kurze Erfolgswelle, und da sich der Titel „Mondo Cannibale“ gut verkaufte, sicherlich auch aufgrund seiner geglückten Fortsetzung, erfand man in Deutschland wie so oft ein paar Teile besagter Reihe hinzu und machte aus zwei Kannibalenfilmen Francos einen Teil 3 und 4. Während „Mondo Cannibale 4“ bereits in den ersten 5 Minuten deutlich macht, dass man eigentlich kein positives Ergebnis mehr zu erwarten hat, beginnt „Mondo Cannibale 3“, vorausgesetzt man kann mit Filmen des Kult-Regisseurs etwas anfangen, zunächst zumindest atmosphärisch routiniert. Sicherlich kam ich mir von Anfang an verarscht vor, als ich sah was für Kannibalen der alte Geschichtenerzähler da auf den Zuschauer loslässt (manche Schminke wäre einem Clown näher gekommen als dem Klischee eines Urwald-Bewohners), aber völlig ohne Reiz schien das Erzählte kurzfristig nicht zu sein.

Diesmal täuschte der erste Eindruck jedoch, denn was sich als zunächst akzeptabel für geduldige und für Alternativen offene Zuschauer guckte, entpuppte sich spätestens mit dem Rede-schwingenden Anführer der Menschenfresser als unverdaulicher Bullshit, der nicht erst mit seinen ewigen, in Zeitlupe gehaltenen, Fressattacken beginnt zu nerven. „Mondo Cannibale Massacre 3“ (Alternativtitel) ist derart dümmlich ausgefallen, dass es nichts mehr gibt was man schönreden könnte. Der gern verkannte Humor des Regisseurs findet sich in diesem Filmbeitrag nicht wieder, und auch die Improvisationskunst, die immerhin seinen im selben Jahr erschienenden „Jungfrau unter Kannibalen“ für andersgeartete Cineasten erträglich machte, weiß diesmal nicht positiv zu wirken. Zu sehr bekommt man das Gefühl, dass Franco selbst kein Interesse an diesem Stoff besaß.

So gibt es eigentlich nicht viel mehr über diesen Streifen zu sagen, außer vielleicht dass man ihn aufgrund seines Beititels bloß nicht mit „Die weiße Göttin der Kannibalen“ verwechseln sollte. Der war sicherlich auch kein geistreiches Werk, dafür aber ein äußerst sympathisches und unterhaltsames. Das abwechselnd reißerische, gelangweilte und Soap-artige Getue des hier besprochenen Filmes bietet jedoch keinen Grund überhaupt einen Blick zu riskieren. Es kommt weder Abenteuer- noch Horror-Feeling auf, und trotz Unzulänglichkeiten, die selbst jedem Ignoranten sofort auffallen würden, funktioniert er nicht einmal als unfreiwillig komischer Zwischendurchverzehr für das Trash-Publikum.  OFDb

10.10.2016

DIE SKLAVINNEN (1976)

In letzter Zeit habe ich kein Glück mit Jess Franco-Filmen. Da habe ich mich nach Jahren schlechter Filmsichtungen der Werke besagtem Herrn endlich mit dessen schrulligen, ungewöhnlichen Stil anfreunden können, solch schöne Werke wie „Vampyros Lesbos“, „Der Todesrächer von Soho“, „Die Säge des Todes“ und „Dr. M schlägt zu“ gesichtet, und dann erwische ich in letzter Zeit immer wieder den Bodensatz des Vielfilmers, sicherlich auch weil meine letzten Gehversuche innerhalb seiner Werke im Erotikbereich stattfanden anstatt im Krimi- oder Horrorbereich.

Wo mich ein „La comtesse perverse“, „Das Frauenhaus“ und sein „Frauen ohne Unschuld“ zumindest noch halbwegs interessieren konnten, da gingen mir „Die nackten Augen der Nacht“ und „Robinson und seine wilden Sklavinnen“ nur noch auf den Senkel, kaum etwas von dem preisgebend, was die Welt des Improvisationfilmers eigentlich so spannend macht. In „Die Sklavinnen“ versucht er wieder einmal gar nicht mehr wirklich eine Geschichte zu erzählen. Der Beginn schaut sich wie aus Filmresten zusammengezimmert, ein Wust nicht zusammenhängender Aufnahmen, die sich halbwegs mit den nötigen Erklärungen als Einleitung verkaufen lassen, auf deren Grundlagen man nun mit neuem Material einen Film zaubern kann.

So bekommen wir von der Zeit im Gefängnis nichts mit, nehmen teil an einem hektischen Gefängnisausbruch und befinden uns sehr schnell in der Geiselnahme des Millionärs, der sich nun für uns in Rückblicken präsentiert die erotische Vergangenheit der ehemaligen Bordellbesitzerin anhören muss, obwohl er eigentlich nur wissen möchte wo sich seine vermisste Tochter aufhält. Geliebt habe sie die Tochter, was sie als skrupellose Menschenhändlerin nicht davon abhielt das arme Ding noch frisch verliebt unter Drogen zu setzen und anschaffen gehen zu lassen. Zu dumm nur dass die damals noch recht süße Lina Romay, die Stammschauspielerin und Lebensgefährtin Francos, so gar nicht bösartig wirken will mit ihrer sanften, sinnlichen Mimik.

Franco ist das egal. Er nutzt die scheinheilige Visage nicht zur Täuschung. Was gesagt wird und was man sieht muss nicht zusammen passen. Diese Dreistigkeit kann seine Filme bereichern. Wenn aber so gar nichts ineinander greifen will, so wie im hier besprochenen Werk, verärgert diese Gleichgültigkeit leider viel eher, als dass sie den Unsinn stärkt. Wie auch immer, der Millionär darf sich jegliches Fummeldetail anhören, denn welcher Vater hört nicht gern von den sexuellen Abenteuern seiner Tochter? Wirkliche Informationen erhält er duch das Erotikgesabbel Armindas jedoch nicht. Also muss Jess Franco höchst persönlich in seinem obligatorischen Auftritt innerhalb des eigenen Werkes zur Zigarette greifen, was zur härtesten Foltermethode der Welt erklärt wird. Es lebe die Naivität Francos Filmwelt.

Dies entlockt Arminda einige Informationen mehr, die freilich wieder mit allerhand Nackedeimomenten aufgewertet werden. Man liest es bereits heraus. Genau wie in manch anderem Softsex-Film Francos, so wird auch hier eine hauchdünne Fast-Geschichte mit langweiligsten und desinteressiert gespielten Erotik- und Sexszenen langgestreckt, zwar gerne durch Heranzoomen körperliche Details zeigend, aber mit dem ewigen Draufhalten ebenso auch die gelangweilten Fressen der sich gerade selbst streichelnden Akteure oder ihren a-sexuell vorgetäuschten Beischlaf einfangend. Ich weiß nicht wie es Franco immer wieder schafft Erotikszenen völlig frei von prickelnden Elementen abzufilmen und solch unmotivierte Mimen zu finden. Selbst die für ihren Exhibitionismus bekannte Lina Romay lässt nicht erkennen, dass sie Spaß daran hat sich vor der Kamera nackig zu machen.

So bekommen wir eine uninteressante Geschichte mit noch uninteressanterem Streckmaterial präsentiert, in welchem desinteressierte Mimen lustlos Lust vorheucheln, und dies so unglaublich langweilig erzählt, dass einem die eigentlich recht kurze Laufzeit wie zwei Stunden vorkommt. Die schundigen Kunstelemente, für die Jess Franco so berühmt ist, kommen in „Die Sexhändler“ (Alternativtitel) kaum zur Geltung. Ganz zu Anfang darf man zumindest einer Befragung im skurrilsten Polizeipräsidium der Welt beiwohnen, darf die Verhörte doch in einer Hängematte liegen, innerhalb eines Raumes der auch gut für eine Räuberhöhle oder eine Schmuddelkneipe herhalten könnte.

Gäbe es mehr von diesen Elementen, könnte dies den dünnen Plot zumindest ein wenig auflockern. Aber da gibt es zu wenig gewagte bis schräge Nebensächlichkeiten und zu viel langweiliges Gefummel, als dass „Die Verschleppten“ (Alternativtitel) irgendetwas reißen könnte. „Die Sklavinnen“ gehört für mich mit zu den schlechtesten Filmen, die ich bislang vom Kult-Regisseur Jess Franco gesichtet habe, und das mag man nach solch üblen Werken wie „Mansion of the Living Dead“, „Oase der Zombies“ und „Lust für Frankenstein“ kaum glauben.  OFDb

08.05.2016

FRAUEN OHNE UNSCHULD (1978)

„Frauen ohne Unschuld“ spielt in einer alternativen Gegenwart in welcher sich niemand für sexuelle Wünsche schämt, man stets in vollkommener Selbstverständlichkeit mit jederman Sex haben möchte und der Beischlaf die Lösung aller Probleme bedeutet. So müssen sich die Hippies die Welt vorgestellt haben bevor das böse AIDS ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und die Träumer in die grauenvolle Wirklichkeit zurückgeholt wurden. Jess Franco, der Vielfilmer der gerne lüsterne Themen umgesetzt hat, war der richtige Mann für solch einen weltfremden Stoff, in welchem das Leben auf Erden fast wie das Paradies sein könnte, wenn im Gegensatz zum einvernehmlichen Sex nicht auch fast jeder Mensch korrupt und geldgeil wäre.

Würde der Film in unserer Wirklichkeit spielen, man müsste ihm vorwerfen dass er den sexuellen Umgang mit Schutzbedürftigen verharmlost, Sex mit geistig verstörten Frauen gutheißt unter der heuchlerischen Ausrede wissenschaftlicher Experimente. Doch so funktioniert die Welt in „Wicked Women“ (Alternativtitel) nicht, und sexuell psychologische Experimente bekommen Hand und Fuß, erweisen sich als richtig, und das lüsterne Beobachten der Ärzte, das über rein theoretisches Zuschauen hinaus geht, wird zu einer Selbstverständlichkeit in einer Welt in der jeder jederzeit mit jedem egal wo Sex haben möchte.

So braucht es bei dem Genre-Mix aus Sex, Thriller, Horror und Kriminalfilm auch nicht zu wundern, dass der Nackedeibereich dominant im Zentrum steht und die restlichen Filmgattungen zur Nebensache verkommen, am extremsten der Horrorgehalt, der ohnehin schon minimal vorhanden mit der vorhersehbaren Auflösung auch noch fast komplett relativiert wird. Wer bereits dachte der Kinski-Film „Das Schloss der blauen Vögel“ würde zu dominant auf Erotik setzen und zu wenig auf Thriller achten, der wird sich wundern wieviel mehr nackte Haut man in eine solche Story integriert bekommen kann. Dass man eine derartige Story gar noch mehr in Erotik ertränken kann als hier geschehen, bewies Franco jedoch vier Jahre zuvor mit „La comtesse perverse“, einer Sexvariante des „Graf Zaroff“-Themas.

Der mit meist überraschend gut funktionierender Fahrstuhlmusik untermalte Film lässt es nur selten zu dass Frauen Anziehsachen tragen. Selbst Männer sind zu einem guten Teil nur nackt vertreten, aber angezogene Frauen gibt es so gut wie nie zu sehen, meist nur in jenen Szenen die im Freizeitsaal des Spitals spielen, und selbst dort ist man vor Schamhaaren und Brüsten nicht sicher. „Wicked Women - Das Haus der mannstollen Frauen“ (Alternativtitel) mag völlig unsinnig erzählt sein, erstaunlicher Weise funktioniert er als Unterhaltungsfilm aber recht gut, besitzt Franco doch das Talent Nichtigkeiten nett in Szene zu setzen, ohne dass Nacktszenen wahrlich erotisch oder Sexszenen realistisch wirken würden. Fern tatsächlich ansteckender, prickelnder Erotik macht es einfach Spaß in diese ehrlich andere Welt der selbstverständlichen Gelüste einzutauchen, in welcher grässliche Morde zur Nebensache verkommen.

Für einen Franco-Film ist das Ganze allerdings recht unaufgeregt erzählt, extremst bizarre Situationen oder wahre Widersprüche in der Handlung gibt es eigentlich nicht zu erleben, von seinen typischen Filmfehlern wie nicht auf Tag oder Nacht zu achten ganz zu schweigen. Lediglich die Synchronisation, die trotz der Schweiz als Produktionsland aufgrund fremdsprachigem Drehs nötig war, gönnt sich offensichtliche Missachtungen von Mundbewegungen, die teilweise nicht einmal versucht werden auf die Lippen der Protagonisten gelegt zu werden. Wen sollte das in einem Plot wie diesem bei einem Regisseur wie Franco auch stören? Genau von dieser Lässigkeit leben diese Filme und zeigen dem möglichst fehlerfrei strengen Hollywood dass Perfektion an falscher Stelle überhaupt nicht nötig sein muss.  OFDb

01.01.2016

LA COMTESSE PERVERSE (1974)

Jess Franco bedient sich mit „La comtesse perverse“ ungeniert am Horror-Klassiker „Graf Zaroff - Genie des Bösen“ und macht auch gar kein Geheimnis daraus, schließlich heißt die Baronesse, die wie ihr prominentes Vorbild ebenfalls auf einer Insel haust, ebenfalls Zaroff. Dass dem alten Schundfilmer kein schlichtes Remake vorschwebte, weiß man wenn man andere Werke von Franco kennt automatisch. Selbstverständlich reichert er die Geschichte mit allerhand Geschmacklosigkeiten an, und doch kann man nicht gerade behaupten mit diesem in Frankreich entstandenen Streifen ein typisches Werk des Mannes gesehen zu haben.

Hierfür folgt der Film viel zu sehr einem roten Faden, der nie aus den Augen verloren wird. Gerade wenn man solch besonders chaotisch zusammengeschusterten Filme wie „Jungfrau unter Kannibalen“ kennt, ist man erstaunt dass Franco das stringente Festhalten an einen über alles schwebenden Plot überhaupt beherrscht. Selbst noch halbwegs normal erzählte Werke wie „Die Säge des Todes“ und „Der Todesrächer von Soho“ werden noch immer von einer Orientierungslosigkeit begleitet, die mehr auf die Improvisationsfreude des Regisseurs zurückzuführen ist als auf eine Überforderung den Überblick zu behalten. Dennoch bin ich überzeugt dass auch Letztgenanntes im geringeren Maße ebenfalls eine Rolle spielt bei solch zerstreut wirkenden Werken wie sie Franco immer wieder heruntergekurbelt hat.

Zugegebener Maßen ist es im hier vorliegenden Film auch nicht all zu schwer den Gesamtüberblick zu behalten. Die Geschichte wird an wenigen Orten mit Hilfe ebenso weniger Personen erzählt, und da alle Nase lang ausgiebig herumgefummelt wird, bleibt von der Nettospielzeit am Ende nicht mehr viel übrig. „Die perverse Gräfin“ (Alternativtitel) ist mehr Sex- als Horrorfilm, und da sich Franco sehr intensiv auf die Nackedeiszenen konzentriert sollten auch wirklich nur Freunde des amourösen abseitigen Kinos reinschauen.

Selbst die werden nicht gerade einen Freudensprung machen wenn man eine gefühlte Ewigkeit einen unattraktiven Männerhintern in Großaufnahme vor die Nase gesetzt bekommt, aber zumindest sind die Damen im Gegenzug nicht so unerotisch gewählt wie später Francos Besetzung in „Lust für Frankenstein“, vorausgesetzt man kann etwas mit den Intimbüschen der 70er Jahre anfangen. Interessanter Weise ist „The Perverse Countess“ (Alternativtitel) auch nicht so langweilig ausgefallen wie der Nackedei-Frankenstein Film aus den 90er Jahren, und das liegt hauptsächlich an der geglückten Musikuntermalung, die mal ruhiger und mal experimenteller den Streifen stimmig zu untermalen weiß. Banale Szenen wirken durch sie wesentlich aufregender als sie in Wirklichkeit sind und suggerieren einen Spannungsbogen der eigentlich nicht vorhanden ist.

Erst 25 Minuten vor Schluss verzichtet Franco endlich komplett auf Sexszenen und lässt das abgewandelte Szenario von „Graf Zaroff“ endlich in der Nackedei-Version passieren. Im Gegensatz zum geglückteren „Naked Fear“ wird jedoch gar nicht versucht wirklich etwas aus der Idee herauszuholen. Das gejagte Opfer tüftelt keine Pläne aus. Sie läuft weg und versteckt sich, und die Gräfin jagt ihr hinterher, bis es zum unausweichlichem Ende kommt. Das ist alles nicht gerade aufregend erzählt, und einfallsreich schon mal gar nicht, allein schon weil viele begangene Handlungen für den Zuschauer nicht nachvollziehbar sind. Aber einen gewissen stimmig schundigen Grundton kann ich dem Streifen nicht absprechen, so dümmlich und plump er doch eigentlich umgesetzt ist.

Dennoch bin ich froh den hin und wieder auf leicht lustig getrimmten Film in der 73 Minuten-Fassung gesehen zu haben, denn unter dem Titel „Sexy Nature“ gibt es noch eine über 90 Minuten laufende Porno-Fassung, und die muss ich mir nun wirklich nicht antun. Bereits mit der von mir gesichteten Version beweist man genügend Geduld wenn man bis zum Ende durchhält. Von daher empfehle ich, wenn man „Les croqueuses“ (Originaltitel) überhaupt sichten möchte, die Fassung unter dem Titel „La comtesse perverse“.

Der Schundfilm-Fan des 70er Jahre Bahnhofs-Kinos wird sicherlich etwas damit anfangen können. Ich kann dem Film nur phasenweise etwas abgewinnen, muss somit aber auch zugeben ihn nicht wirklich komplett schlecht gefunden zu haben, kann aber auch nicht benennen was es nun wirklich ausgemacht hat, schließlich ist der fertige Film weder künstlerich interessant ausgefallen noch handwerklich gekonnt umgesetzt. Von einem Schmuddel-Geheim-Tipp ist er meiner Meinung nach also noch weit entfernt.  OFDb

05.12.2015

MANSION OF THE LIVING DEAD (1982)

Aufgrund der Alternativtitel „Die Residenz der reitenden Leichen“, „Das Schloss der reitenden Leichen“ und „Die Auferstehung der reitenden Leichen“ wird fälschlicher Weise der Eindruck hinterlassen Jess Francos Film habe etwas mit der charmant schundigen „Die Nacht der reitenden Leichen“-Reihe von Amando de Ossorio zu tun. Dementsprechend enttäuscht reagiert der Zuschauer in der Regel. Das war bei mir vor Jahren nicht anders, und nun im Zuge meiner Jess Franco-Sichtungen habe ich „Mansion of the Living Dead“ erneut eine Chance gegeben, um ihn als Film für sich zu betrachten. Was ich zu sehen bekam war jedoch trotzdem nur ein Haufen uninspiriert heruntergedrehte Langeweile, die selbst Franco-Fanatiker an ihre Grenzen bringen dürfte.

Aufgrund der Sünde im Mittelpunkt entschied sich Franco einen Soft-Porno zu drehen mit dementsprechend aus besagter Branche gecasteter Mimen, die, wie nicht anders zu erwarten, so laienhaft spielen, dass dies das wahre Grauen des Filmes wird. Der Horrorpart scheint nur um die Sexszenen drum herum gebaut zu sein. Es ist kaum zu glauben dass der Streifen auf der Kurzgeschichte eines spanischen Schriftstellers basieren soll, so dünn wie die Geschichte ausgefallen ist.

Wenn man erst einmal etliche Nackedeiszenen und welche mit lesbischem Balzverhalten hinter sich gebracht hat, macht uns Franco mit einer vor Ort tätigen okkulten Sekte bekannt. Da treffen wir auf Personen, die in hellen Kutten gekleidet sind und bizarre bis unerwartet fröhliche Gipsmasken im Gesicht tragen. Ähnlich wie bei „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ fragte ich mich, ob da nun Menschen Masken tragen, um ihr Ritual damit zu unterstreichen, oder ob uns Franco mit diesem künstlich wirkenden Trick echte Untote präsentieren möchte. Die Antwort ist hier wie dort die selbe: der Kult soll tatsächlich von Zombies geführt werden, Zombies der völlig anderen Art, was sich dadurch erklärt, dass Franco kein Fan üblicher Zombiefilme ist.

Seine Veränderungen am typischen Zombiebild sorgen jedoch dafür, dass die Untoten in keinster Weise mystisch oder unheimlich wirken. Und da sie ein jedes Opfer im Gangbang vergewaltigen, wirken sie nur ebenso lüstern wie die Heldinnen und wie der Stelzbock von Regisseur, der sicherlich beim Dreh masturbierend daneben stand. So ist „La mansión de los muertos vivientes“ (Originaltitel) ähnlich plump ausgefallen wie Francos späterer „Lust für Frankenstein“.

Zwar setzt Franco viel auf die Windgeräusche, die für die Gegend in welcher der Film entstand typisch sind, das wohl einzig atmosphärisch wirkende Stilmittel des Streifens, und er ersetzt es komplett gegen einen Soundtrack (der Chorgesang des Kultes ist die einzige Musik im Film), und ein durch den Wind verursachter Glockenschlag unterstützt das Feeling durch den Wind, aber das kann nicht das komplett langweilige Getue auffangen das der Zuschauer ansonsten zu ertragen hat, um daraus einen auch nur ansatzweise brauchbaren Film zu zaubern.

Peinlich agierende Mimen, die ewig nur fummeln und lecken und die dann hineingeschuppst werden in einen Okkult-Plot, vor dem sich nicht einmal die Ur-Großmutter fürchten würde, „Mansion of the Living Dead“ ist so unsagbar schlecht, dass man auch mit der Improvisationsfreude des Regisseurs nichts mehr schön reden kann. Schade ist es einzig um die groteske Idee einer Frau, die im Hotel gefangen gehalten wird und ihre ganz eigene Art hat damit umzugehen. Der Rest guckt sich dilettantisch und Zuschauer verarschend.  OFDb

22.11.2015

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON FRANKENSTEIN (1972)

Wenn man einmal bedenkt wie oft der Name Frankenstein, aufgrund dessen dass kein Copyright-Schutz auf den Begriff liegt, für Filmtitel genutzt wurde die nichts mit ihm zu tun haben, darf man in einem europäischen Trashfilm der 70er Jahre fast schon überrascht sein, wenn es unter dem Titel „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ u.a. tatsächlich um den Mann geht der es schaffte eine Leiche wiederzuerwecken. Im Gegensatz zu den vielen anderen Werken um diesen Forscher wird Frankenstein hier lediglich als wissenschaftliches Genie gefeiert, einen Mann den man ehren muss.

Als größenwahnsinnig gilt erst der tatsächlich noch durchgeknalltere Dr. Cagliostro, eine Art unsterbliches, da immer wieder neu geborenes, Wesen (ein Scientologe?), der so wahnsinnig ist, dass man keine seiner unsinnigen Taten je hinterfragen würde. Warum sollte man nicht eine Vogelfrau züchten, die Menschheit vernichten wollen, seine Botschaft stets per Gedankenkraft von wem anders verkünden lassen während man höchstpersönlich daneben steht oder Frankensteins Kreatur mit einem menschlichen Wesen ficken lassen? Es ist dieser Wahnsinn der in der Luft schwebt, der Francos Werk so entspannt gucken lässt. Hier ist alles möglich, und nach Sinn und Unsinn wird nie gefragt, denn wir blicken in eine fiktive Horrorwelt in welcher Klischees zum Alltag werden und Schwachsinn als Normalität betrachtet wird.

Franco taucht diese schrille bis groteske Welt schlicht abgefilmt in stimmige Bilder (am schönsten schaut sich der Gang in weiße Laken gekleideter Zombies durch einen nebligen Wald), untermalt es musikalisch mit stimmungsvoller spontan heruntergedudelt klingender Orgelmusik. Einmal durfte es zur Abwechslung in einem theoretisch spannenden Moment auch eine fröhliche Musikuntermalung sein, welche eher in eine Komödie hineingepasst hätte. Aber wer weiß, vielleicht hat Franco dies eingebaut um zwischen den Zeilen zu suggerieren dass all das spinnernde Treiben hier lediglich augenzwinkernd gemeint ist. Zweifeln darf man da bei Franco schon, versteht man den guten Mann doch eigentlich ohnehin nicht. Aber man weiß zumindest zu schätzen dass er all diesen Irrsinn ernst abfilmt und nicht wirklich versucht komödiantisch zu arbeiten.

„Das Blutgericht der gequälten Frauen“ (Alternativtitel) ist ein wunderbarer Mix aus stimmigem Schundfilm und zum Schenkelklopfen einladendem Trash. Da soll mal einer argumentativ gegenhalten bei all dem amüsanten Treiben das man hier vorgesetzt bekommt und all den Unsinnigkeiten, die sich auch im hier geschaffenen Horroruniversum nicht erklären lassen. Als besonders unfreiwillig komisch habe ich es empfunden, dass der verantwortliche Kommissar jegliche Polizeiarbeit, blauäugig könnte man diese Taten Ermittlungen nennen, einem mit ihm arbeitenden Wissenschaftler überlässt, während er selbst immer nichts tuend neben ihm hertrottet und dabei ein wenig wie Dr. Watson aus den Sherlock Holmes-Geschichten wirkt. Erst gegen Ende darf er einmal aktiv tätig werden, und da besteht seine Aufgabe lediglich darin mit einer Pistole auf diverse Feinde zu schießen.

Lustig ist auch aufgrund des billigen Produktionsniveaus, dass man einige Zeit als Zuschauer am rätseln ist, ob die Gestalten die in Cagliostros Schloss ein und aus gehen mit ihren Totenkopfmasken schräge Gäste in Kostümen sind, so wie die Partygesellschaft Franknfurters aus „Die Rocky Horror Picture Show“, oder ob sie wirklich übernatürliche Wesen sein sollen. Irgendwann wird man von Franco aufgeklärt, und diese Bande fröhlicher Karnevalisten sollen dann tatsächlich Zombies darstellen, deren Verwesungsprozess der mächtige Wissenschaftler nicht aufhalten konnte.

Zudem weiß ein silbernes Frankensteinmonster zu belustigen, ein ewig für wenige Minuten wiedererweckter Frankenstein, der, obwohl er weiß dass er nur wenig Zeit hat, bei seinen Erklärungen immer unnötig ausschweift anstatt ganz rational, wie es typisch für einen Wissenschaftler wäre, auf den Punkt zu kommen. „The Erotic Rites of Frankenstein“ (Alternativtitel zu einer Alternativfassung) steckt so voller liebenswerter bescheuerter Ideen, dass es eine Freude ist ihn zu sichten, auch wenn der etwas arg zähe Stil Francos die meist flüssige Ambiente hin und wieder auszubremsen weiß. Freunde des vergangenen unheimlichen Europa-Kinos sollten unbedingt mal einen Blick riskieren, gerade dann wenn sie Spaß an irren Ideen in trashiger Umsetzung haben.  OFDb

01.01.2014

LUST FÜR FRANKENSTEIN (1998)

Ich lese immer wieder Jess Franco habe auch gute Filme im Laufe seiner schaffensreichen Regie-Existenz fabriziert, über den Weg gelaufen ist mir bislang aber noch keiner. „Lust für Frankenstein“ war dann wohl auch die falscheste Wahl um auf einen solchen zu stoßen, ist Franco doch viel mehr daran gelegen provokative Hardcore-Porno-Elemente in seinen Film einzubringen als tatsächlich einen Horrorfilm zu inszenieren. Umgeht man körperliche Details zunächst noch mit einer entfremdeten Optik die jede Heimkamera ähnlich getrickst bekäme, bekommen wir das zuvor Weggeblendete und von der Kamera ausgewichene irgendwann doch noch vor die Nase gesetzt, und das viel zu oft. Auch wenn dies manchmal auf angenehme Art für schmuddelige Atmosphäre sorgt, so weiß das doch noch lange keinen Film auf Spielfilmlänge interessant zu gestalten. Und wenn ich einen Porno sehen will, dann gucke ich mir einen Porno an. Vielleicht kann man mit „Lust für Frankenstein“ erst etwas anfangen, wenn man in vielen Jahren selbst zum alten Lustgreis wie Franco mutiert ist. Vielleicht wird man dann auch die Hauptakteurin sexy finden, die jetzt noch einen ziemlich unangenehmen Eindruck hinterlässt.  OFDb

11.12.2013

KILLER BARBYS VS. DRACULA (2002)

Ich tu mich mit Schmuddelfilmchen ja nun wirklich nicht schwer. Wieso nerven mich dann die bisher von mir gesichteten Werke Jess Francos eigentlich lediglich, anstatt mich zu unterhalten? Immer wieder heißt es im Netz, der gute Mann habe auch sympathische Werke fertiggestellt. Ich bekam auch schon von Blogger-Kollegen spezielle Titel was ich mir ansehen sollte genannt, allerdings habe ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrung von Franco immer nur das gekauft, was mir zufällig über den Weg lief, und so wird es auch bleiben. Trotz aller Tiefschläge bleibe ich tapfer und neugierig, erst recht nachdem Joe D‘Amato, den ich für ebenso untalentiert hielt, mich erst kürzlich mit „Man-Eater“ so positiv zu überraschen wusste.

„Killer Barbys vs. Dracula“ ist eigentlich ein Film, den ich mögen möchte, treffen sich doch einfach mal ein paar schauspielerische Laien zum fröhlichen Happening, um zu sehen ob sie nicht in der kurzen Zeit, die sie vor sich haben, einen Film auf die Beine gestellt bekommen. Anders macht es Helge Schneider auch nicht, der zuletzt mit „Null Null Schneider 2“ bewiesen hat, dass er es noch immer drauf hat. Der bietet in seinen Filmen aber auch ein Hochmaß an gelungenen Gags und skurrilen Figuren und Situationen.

Ebenso auf dem ersten Blick vergleichbar ist der hier besprochene Jess Franco-Film mit den cineastischen Werken Christoph Schlingensiefs, der nicht nur zufälliger weise viel mit Helge Schneider kooperiert hat. Schlingensiefs Filme waren eher ernster Natur, wenn auch meist als Groteske ausgelegt, so dass  trotzdem immer ein gewisser Humorgehalt vorhanden war. Doch auch seine Werke gucken sich in der Regel besser als „Killer Barbys vs. Dracula“, würde Schlingensief doch nie den analytischen Hintergrund seiner Erzählung vergessen und seinen Laien-Werken somit immer Hintergrund bescheren (Helge übrigens auch).

All das fehlt dem hier vorliegenden Film, und was übrig bleibt bekommt ihm nicht wirklich gut, was nicht hätte sein müssen, benötigt man zur Fertigstellung eines kurzweiligen Laien-Produktes doch keineswegs zwingend die analytischen und humoristischen Trümpfe eines Helge Schneider oder Christoph Schlingensief, sondern lediglich ein paar Ideen, die solch ein Filmprojekt legitimieren. Ideen schien aber kaum wer vom Team zu haben. Das Äußerste an kreativer Idee, das ich erkennen konnte, ist der Aufenthalt eines Mannes, der immer behauptet hat der echte Dracula zu sein, und der relativ kurz nach der Ankunft des leibhaftigen Grafen mit seinem Leben für diesen Lug und Trug zu bezahlen hat.

Der wahre Dracula ist ohnehin der einzig halbwegs funktionierende Pluspunkt des Filmes, spielt Enrique Sarasola doch derart albern und übertrieben, dass es schon wieder Spaß macht ihm dabei zuzusehen. Optisch erinnert er mehr an Kurt Raab aus „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ als an Max Schreck aus „Nosferatu“, was sicherlich eher gewollt war als Erstgenanntes. Egal ist beides, spielt Sasrasola doch derart sympathisch würdelos und so gar nicht edel, dass jegliches Dracula-Klischee schnell über Bord geworfen wird. Dementsprechend lustig kommt auch ein Dialog daher, in dem es heißt dass die Namen Dracula und Lugosi keinen Unterschied machen würde, das würde doch ohnehin das selbe bedeuten.

Ja, in solchen Momenten wird hemmungslos herumgeblödelt und Franco schafft es trotzdem eine relativ ernste Grundstimmung zu bewahren, sprich das muntere Treiben nicht zum überblödelten Kasperle-Theater ausufern zu lassen. Funktionieren will der Film trotzdem nicht. Denn so sehr dieses halbwegs befriedigende Herumalbern auch seinen Unterhaltungswert besitzt, es kommt zu selten vor, konzentrierte man sich doch viel lieber auf die Promotion der Band Killer Barbies (ja, sie werden wie die Puppe Barbie geschrieben, der Film aus rechtlichen Gründen selbst jedoch nicht), die manchmal ganze Lieder am Stück spielen, ohne dass mehr passiert als dass man ihnen auf der Bühne beim singen und schraddeln zusehen darf. Hin und wieder gibt es kurze Schnitte, in denen man Dracula herumhuschen sehen darf, aber dann wird wieder schnell innerhalb des Liedes die Band gezeigt.

An anderer Stelle wird der Film mit stummen Szenen gestreckt, die man dafür nutzte Ärzte-Lieder im Hintergrund abspielen zu können, ist doch auch Bela B mit an Bord dieser kleinen C-Produktion, doch auch der kann dem munteren Treiben keinen zusätzlichen Reiz bescheren, dabei ist er mit Blick auf „Terkel in Trouble“ nun nicht einzig im Musikgeschäft talentiert. Kurzum: „Killer Barbys vs. Dracula“ ist ein reiner Musikfilm, dem zwischen den Auftritten der Band Killer Barbies und manchem Auftritt mit Gaststar Bela B eine Dracula-Story drum herum gebastelt wurde, so dass maximal Fans der Band auf ihre Kosten kommen, aber keiner der einen Film sehen wollte, wird doch kaum Film geboten.

Da wird man am Set sicherlich Spaß gehabt haben, aber selbst dieses Feeling springt kaum auf den Zuschauer über, der sich vor Langeweile für das zusammenhanglose Treiben überhaupt nicht mehr interessiert bekommt. Selbst „Dracula in Pakistan“ guckt sich da reizvoller, und selbst bei dem stößt man als Trash-Fan an seine Grenzen. Also, schaut entweder den, oder wer Laien-Filme gerne mit künstlerischem Gehalt angereichert sehen will kann auch bei den Werken von Helge Schneider und/oder Christoph Schlingensief zugreifen. Von Letztgenanntem ist meiner Meinung nach am ehesten „Mutters Maske“ zu empfehlen.  OFDb

02.10.2012

OASE DER ZOMBIES (1983)

In den Ferien suchen Robert und einige seiner Kumpels den legendären Schatz Rommels, den der Nazi seinerzeit zurücklassen musste. Durch das ungefragte Eindringen erwachen die toten Soldaten zum Leben, um ihren Schatz zu beschützen...

Sumpf, Nacht, Schreckensmacht...
 
Wo Jess Franco drauf steht, da ist man vorgewarnt. Dieser Mann verfügt über so wenig Talent, dass seine schlechten Filme meist nicht einmal etwas zur Belustigung taugen. "Oase der Zombies" trifft es ähnlich, hat aber einige wenige Elemente, die in ihm wenigstens teilweise nicht gewollten Humor aufkommen lassen.

Dass Story, Schauspieler und Regie schlecht sind ist nichts unübliches in den Europa-Zombiefilmen der 70er und 80er Jahre. Manche schafften es dennoch auf etwas schundige Art atmosphärisch zu überzeugen und das ohne dabei unfreiwillig komisch zu sein. Einen Mix aus beidem schaffte die stimmige aber extremst lächerliche Reihe der reitenden Leichen. Bei den Auferstehungsszenen hat sich Franco von diesen wohl auch inspirieren lassen. Wenn die Zombies ihre Ärmchen durch den Sand strecken, wird man unweigerlich an die Templer erinnert, die ihre Ärmchen aus den Gräbern strecken, gefolgt von einem unheimlichen Sound, der einen Schockeffekt auslösen soll. Natürlich endet das nur in einem Lachkrampf, so auch hier bei unseren Oase-Zombies.

Das richtige Feeling wie bei den Templern Ossorios will einfach nicht aufkommen. Das hat mehrere Gründe: die Zombies sehen schlecht aus, die Wüsten- und Oasenlandschaft wird nicht gut eingefangen und das wichtigste von allem: die Musik ist unter aller Sau. Diese sorgte bei den reitenden Leichen für eine schöne Atmosphäre inmitten von Vollschrott. Bei den Oasen-Zombies unterstreicht der Sound diesen Vollschrott lediglich. Großteils bekommt man die Klänge einer vibrierenden Orgel zu hören, die Helge Schneider nicht ohne Grund gerne in seine Filme einbaut, um Spannungsübertreibung zu verarschen.

Bei "Oase der Zombies" erleben wir eine solche Musik ernst gemeint. Irgendwo zwischen nervigem dilettantischen Oriental-Geklimper und belustigendem Orgelschund ist die Musik einzuordnen. Wen sie nervt, der wird den ganzen Film verfluchen, da sie eigentlich fast nonstop eingespielt wird. Wen sie nicht nervt, der wird den Film dennoch mit Füßen treten wollen, gibt es doch weiterhin genug Gründe dafür.

Lustlose Darsteller spielen selbst für Zombiefilme dieser Zeit in unglaublich schlechten und unglaubwürdigen Szenen mit, sprechen besonders hohle Dialoge (hervorzuheben sei hierbei die Antwort des Überlebenden am Schluss auf die Frage, ob er gefunden habe wonach er gesucht hat). Diese Dialoge sollen den Film möglichst in die Länge ziehen, sonst könnte man ja riskieren einen Zombie zu sehen.

Hin und wieder kommen diese dann auch mal vor. Sie sehen ziemlich schundig aus und haben dabei keinerlei Wirkung. Neben menschlichen Zombie-Darstellern wurde mit mindestens einer Puppe zusätzlich getrickst, von der man nie mehr als den Kopf sieht (vielleicht noch die Schultern), und die insgesamt sehr unecht wirkt. Einer der Zombies könnte die selbe Krankheit wie Schauspieler Marty Feldman haben, wenn man seine Augen zu Gesicht bekommt, und einige Zombies haben Regenwürmer im Gesicht (woher sie die in der Wüste ohne fruchtbaren Boden auch immer haben, wahrscheinlich aus Deutschland eingeschleppt).

Unfreiwillig komisch ist gerade wieder das, was wir eigentlich nicht zu sehen kriegen: immer wieder kommen die Zombies aus dem Boden, obwohl sie seit je her Leute attackieren. Ich hätte ja gerne einmal eine Szene gesehen, in der die Untoten sich nach getaner Arbeit wieder im Boden einbuddeln und sich gegenseitig gute Nacht wünschen. Zumindest in der "Return Of The Living Dead"-Parodie in der Serie „Die Simpsons“ gab es einmal ähnliches zu sehen.

Schön ist auch, dass Regisseur Franco glaubt seine Zombies sähen derart furchterregend aus, dass jeder beim Anblick sofort erstarrt und keine Gegenwehr versucht. Wenn gegen Ende des Films dann doch mal einige Leute darauf kommen sich gegen die lebenden Toten zu wehren, erlebt der Zuschauer auch gleich wie einfach das ist: etwas Feuer an einem Stock und dann die Zombies anzünden, die sich im Prozess des Verbrennens auch gar nicht erst wehren, das hätte nämlich einen brennenden Stuntman gekostet, also hat man lieber schnell Puppen und Anziehsachen verbrannt.

Alles der Lächerlichkeit nicht genug: unsere Oasenzombies geben Froschlaute von sich und können übrigens durch Sonnenlicht sterben (hätte Knoblauch auch geholfen?). Zumindest war dies durch „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ auch nichts neues mehr im Zombiegenre, allerdings hatte Amando de Ossorio aus dieser Idee wenigstens noch etwas atmosphärisches gezaubert. Die Templer versteifen, die Protagonisten laufen an ihnen vorbei, nicht sicher ob sie auch wirklich tot sind und schließlich zerbröckeln die Untoten. Ossorio war wirklich eine Niete als Regisseur, aber Jess Franco lässt ihn im Vergleich wie einen Kubrick wirken.

Franco bedient sich nämlich eines Tricks, der bereits zur Stummfilmzeit in „Nosferatu“ angewendet wurde: bei Sonnenlicht lösen sich die Untoten auf, sprich sie werden ausgeblendet. Ohne jeden wirksamen Effekt sind die Zombies plötzlich aus dem Bild raus. Das ist nun wirklich eine Unverschämtheit in den 80er Jahren, selbst für Leute wie mich, die nicht viel um Spezialeffekte geben.

Das ist schon sehr lustig zu gucken und liest sich nun wie der Trash-Partyfilm schlechthin. Aber wie eben erwähnt kommen die Zombies nicht gerade oft vor. Und in den Szenen ohne sie wird es auch nur selten lustig. Die Dialoge und die Atmosphäre sind einfach nur trocken und lahm. Ewig hofft man auf irgendeine Aktion, aber Franco lässt sich nicht erbarmen und quält den Zuschauer weiter. Das bisschen Aktion, das außerhalb der Untoten-Szenen geschieht, ist wirklich nicht der Rede wert, trotz Morde, Hintergründe existentieller Herkunft und vor allen Dingen trotz dem Zeigen verschiedener Kulturen.

Diese werden nur aus der Sicht Francos gezeigt, der diese nicht gerade mit Respekt behandelt. Im Gegenteil, hier wird mit Klischees und Vorurteilen gespielt, das es fast schon wieder auf humorvoller Ebene wirken könnte (freilich nicht für unsere Angepassten politisch Korrekten heutiger Zeiten). Das einzige was die öden Nicht-Zombieszenen noch halbwegs rettet ist die eben erwähnte schlechte Musik, und für derartigen Stuss muss man schon ein spezielles Faible haben, sonst leidet man nur noch mehr.

Freunde von Erotik und Blut werden auch wieder einmal keine Freude haben. Ganz im Gegensatz zu Francos Ruf wird hier kaum nackte Haut gezeigt, wohl das einzig positive das man wirklich zu "Oase der Zombies" vermelden kann. Die Bluteffekte sind ein Witz, meist bekommt man eh nichts zu sehen und wenn ist es nicht der Rede wert.

Der Film ist öde! Er ist wirklich nicht einmal Trash-Fans zu empfehlen, und die kämen noch am ehesten auf ihre Kosten. Denen werden einfach die lahmen Pausen zwischen den Lustigkeiten zu lang sein um ein fröhliches Happening zu haben. Mit Hilfe der Bildvorspultaste könnte "Oase der Zombies" noch zur Belustigung taugen, denn die Zombieszenen sind wirklich herrlich blöde! Spannend und gruselig ist das ganze aber nur für Kinder unter 10 und den Rentner ab 90, die bisher ihre spannendste Erfahrung mit "Ein Fall für Zwei" und "Mord ist ihr Hobby" gesammelt haben.  OFDb