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30.12.2019

DIE UNSICHTBAREN KRALLEN DES DR. MABUSE (1962)

Ich weiß nicht ob 1962 zunächst "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" auf den Mark kam oder "Das Testament des Dr. Mabuse", ein Remake von Fritz Langs legendärem gleichnamigen Film, mit den Stamm-Stars der 60er Jahre-Reihe besetzt. Der Schluss des hier besprochenen Teils lässt vermuten, dass es ihn zuerst gab und Neuverfilmung und Fortsetzung zu eins werden. Das besäße einen skurrilen Reiz inmitten der herrlich wirr dargebotenen Reihe, ein Blick auf die nächsten Teile wird mir diesbezüglich Klarheit bescheren. Unabhängig davon ist in Harald Reinls zweiter Regie-Arbeit der Mabuse-Reihe noch mehr als im Vorgänger zu bemerken, dass die Rialto-Wallace-Reihe als finanziell stärkere Konkurrenz kopiert werden sollte. Nachdem Wallace-Regisseur Harald Reinl einen Teil zuvor Eintritt in die Welt des Mabuses fand, folgt ihm nun auch seine Ehefrau Karin Dor, die in einigen Werken der Konkurrenzreihe zu sehen war. Zudem spielen diverse Szenen in Schloss-artigen Gemäuern, ein weiteres Zugeständnis an das finanziell erfolgreichere Vorbild. Und als wäre dies an anbiedernden Nachahmungs-Versuchen nicht schon genug, stößt noch eine humoristische Nebenrolle, im Stile der Eddi Arent-Figuren aus dem Wallace-Universum, hinzu: der Kriminalbeamte Hase, gespielt von Walo Lüönd.

Es ist dem immer wahnwitziger werdenden, aber auch bekanntem Muster der Mabuse-Filme zu verdanken, dass "The Invisible Claws of Dr. Mabuse" (Alternativtitel) nicht nur eine lächerliche Kopie eines Wallace-Filmes wurde. Bekannte Gesichter aus den Vorgängern kehren wieder (inklusive Werner Peters in einer erneut anderen Schurkenrolle), Elemente, wie die Herrschaft des Verbrechens, werden erneut verarbeitet, und mit der Unsichtbaren-Thematik hatte man einen übernatürlichen Spielraum parat, der in die Konkurrenzreihe thematisch nicht gepasst hätte. Im Mabuse-Universum hingegen war mittlerweile alles möglich, was dem scheinbar unsterblichen Superverbrecher beim Erreichen seiner Ziele half. Wieder erweist sich die Kopie des Original-Genies als Stümper, auch hier bleibt sich die Reihe unfreiwillig treu. Die Fehler, die Mabuse begeht, seine verpassten Chancen, seine Gutmütigkeit an falscher Stelle und sein arg leicht zu durchkreuzender Plan, nachdem er ihn unachtsam ausgeplaudert hat, all das hat nichts mehr mit den Taten eines Genies zu tun, aber das war der selbsternannte zweite Dr. Mabuse (ein sehr früher Fall von unredlicher Aneignung eines Doktortitels), der seit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" die Filmwelt unsicher machte, ohnehin nie.

Ebenso wenig war Harald Reinl ein Künstler, wie es Fritz Lang, der Regisseur der ersten drei Mabuse-Filme, war. Zwar schaffte er es einen amüsanten, kurzweiligen Kriminalfilm mit Science Fiction-Einfluss umzusetzen, "The Invisible Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist wahrlich kein Langweiler, die Chance ein wenig mehr den Horrorbereich auszukosten, der immerhin cineastisch gesehen der Ursprung der Unsichtbaren-Thematik ist, nutzt er jedoch kaum. Kurz vor dem viel zu simplen Schluss weht ein kurzer Hauch Grusel-Feeling, wenn die Polizei mit ihren urigen Methoden als Konkurrenz zu Mabuses moderner Errungenschaft, auf der Lauer liegt. Ansonsten konzentriert man sich lediglich auf den klassischen Krimi-Stil seiner Zeit mit leichtem Humoreinfluss. Das Drehbuch, das die ersten Taten des Unsichtbaren mit einer überraschenden, arg naiv begründeten, Auflösung erklärt, lässt durch eben solche Einfälle ohnehin kaum Raum für wahre Bedrohlichkeiten. Um Nervenkitzel sollte es hier leider ohnehin nie gehen. Plumpe Schauwerte wurden für einen reißerischen Stoff eingesetzt, eine geradezu typische Geschichte der harten Welle wurde erzählt, und das Unsichtbaren-Thema damit eigentlich verschenkt. Da man in der Regel aber bereits vor der Sichtung weiß, dass hier nur Trivialunterhaltung geboten werden soll, und da Reinl diese auch kurzweilig und sympathisch zu bieten weiß, ist man dem Film um seine vertanen Chancen nicht wirklich bös. Wie könnte ich einen Film auch nicht mögen, in welchen Siegfried Lowitz eine solch große Rolle beschert bekommen hat?  OFDb

IM STAHLNETZ DES DR. MABUSE (1961)

Nach drei Mabuse-Filmen Langs geht die Figur des Superverbrechers nun unter anderer Regie als direkter Konkurrent der erfolgreichen Wallace-Reihe in Serie, vom Unterhaltungswert her so leicht angelegt, wie der Vorgänger "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse". Unter der Regie Reinls, der auch den Nachfolger "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" ein Jahr später inszenieren sollte, ist das Ganze nicht derart überzeugend umgesetzt wie der erste reine Trivialfilm um das Verbrechergenie. Über hypnotische Fähigkeiten braucht der wandlungsfähige Mabuse mittlerweile nicht mehr verfügen. Mit "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" beginnt die Spielerei um irre Erfindungen, die der Verbrecher zum Erlangen seiner Herrschaft nun von Film zu Film variiert einsetzt. Den Beginn macht eine synthetische Droge, die Menschen willenlos macht und quasi fremd-programmiert. Das macht zwar keinen Unterschied zur Hypnosekunst des Originals, aber um Sinn und Verstand geht es hier ohnehin nicht mehr, ist das Buch doch gespickt mit Unsinnigkeiten und Widersprüchen, ganz besonders im Verhalten Mabuses, dessen Identität wieder einmal erraten werden darf.

Dass er nicht mehr über die hochgradige Intelligenz des Täters der ersten beiden Filme "Dr. Mabuse, der Spieler" und "Das Testament des Dr. Mabuse" verfügt, braucht nicht zu verwundern, steckt hinter der Tarnidentität doch nicht ein ins Leben zurück gekehrter Dr. Mabuse, sondern jener Mann, der sich in "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" dessen Namen und Verbrechen entliehen hat und lediglich tot geglaubt war. Dass "The FBI vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) auf ähnliche Weise endet wie der Vorgänger, gereicht ihm zum Vorteil, eben weil nun die eigentliche 60er Jahre-Reihe losgeht, und da spielt die Brauner-Produktion am Schluss mit offenen Karten, mittels einer Aufnahme einer Menschenmasse, um zu suggerieren, dass Mabuse, sofern er noch lebt, jeder von ihnen sein kann. Es ist dieser verspielte Ton, der auch die schwächere Variante des Stoffs noch immer unterhaltsam werden lässt. Zudem hat man die Idee aus "Das Testament des Dr. Mabuse" zurück entdeckt, dass der Verbrecher nicht offen mit seinen Kumpanen arbeitet, sondern wieder als Phantomchef fungiert, dessen Identität auch seinen Untergebenen nicht bekannt ist. Derartige Bezüge zu Langs Ideen wissen zu gefallen.

Lex Barker ist in Sachen Charisma nicht Peter van Eick, darunter leidet die obligatorische Liebesgeschichte. Aber zumindest weiß die Hauptrollen-Besetzung mit Gert Fröbe zu versöhnen, der diesmal nicht als Kommissar Krass, sondern stattdessen als Kommissar Lohmann unterwegs ist, jener Polizist, der in Langs zweitem Film den Fall löste. In eben dieser Rolle sollte Fröbe auch ein Jahr später in der Neuverfilmung "Das Testament des Dr. Mabuse" zurück kehren, also im selben Jahr, in welchem Reinl seine Fortsetzung zum hier besprochenen Teil nachreichte. "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" heißt auch Werner Peters aus dem Vorgänger wieder willkommen, in einer anderen Rolle besetzt, aber freilich zwielichtig wie eh und je charakterisiert. Dieser und andere Trümpfe lassen aus "Phantom Fiend" (Alternativtitel) ein unterhaltsames Vergnügen werden, dem es nicht an Tempo mangelt. Im Vergleich zum Vorgänger kommt der Film jedoch unausgegorener und unsinniger daher, und ihn mit einem der ersten beiden Lang-Mabuses zu vergleichen wäre lediglich unfair, will Reinl doch nichts weiter abliefern als unterhaltsames Trivial-Kino.  OFDb

23.03.2017

DER FROSCH MIT DER MASKE (1959)

Erst 25 Jahre nach der Komödie „Der Doppelgänger“ sollte es wieder eine deutsche Kinoproduktion zu den Vorlagen von Edgar Wallace geben. 1959 startete „Der Frosch mit der Maske“, der gleich als erster einer als Serie anvisierten Kinoreihe produziert wurde und bereits Joachim Fuchsberger und Eddi Arent als spätere Stamm-Stars besagter Filme mit an Bord hatte. Auch unter den Goldmann Taschenbüchern, auf welche sich die Filme beziehen, war der Roman „Der Frosch mit der Maske“ die erste Veröffentlichung, und diese bietet auch gleich einen „Dr. Mabuse“-ähnlichen Täter, der eine große Verbrecherbande auf die Beine stellt, ohne dass je wer die Identität des Anführers wüsste.

Da Harald Reinls Start der Wallace-Reihe noch recht ernst umgesetzt ist, darf ein solcher Schwerverbrecher noch düster und damit wirklich bedrohlich wirken. Nicht einmal sein Kostüm sieht in irgendeiner Weise affig aus, eher zweckdienlich und damit ideal passend zu einem Mann, der seine Verbrechen wohlüberlegt tätigt. Arent, der zum Humorhighlight der Reihe werden sollte und hier bereits in einem Schlusskommentar und in seiner augenzwinkernden, da übertriebenen, Butler-Art erstmals auf diese Rolle hinsteuert, wenn auch noch in keinster Weise klamaukig, tritt hier ungewohnter denn je auf, mehr noch als im Folgefilm „Der rote Kreis“, der ebenfalls noch eine ernste Herangehensweise erfuhr. Neben dem taffen Fuchsberger agierend, darf er Verbrecher vermöbeln, also auf ganz andere Art aktiv werden als in späteren Beiträgen, und das besitzt einen reizvollen Sehwert.

Die an sich noch tief bieder in den 50er Jahre badende Produktion, wird ein wenig aufgebrochen mit der Figur die Joachim Fuchsberger verkörpern darf, ein Millionär, der aus Langeweile Verbrecher fängt. Das erstaunliche an „Der Frosch mit der Maske“ ist jedoch, dass er auch die moderneren Aspekte noch stockbieder präsentiert. Der pseudo-Hauch Erotik, der anonyme Superverbrecher mit seiner großen Gefolgschaft, die Love Story, die Zwielichtigkeit des Millionärs, das alles atmet noch nicht die 60er Jahre-Luft, welche der Wallace-Reihe das gewisse Etwas verschaffte, und dies immerhin zu den Anfängen der 60er Jahre, als die Konkurrenz noch in den 50er Jahren zu Hause war.

Damit schaut sich „Face of the Frog“ (Alternativtitel) wie ein Außenseiter der eigenen Reihe, weiß doch selbst der direkte Nachfolger, trotz seiner großteils nüchternen Erzählmethode, weit weniger bieder zu wirken, als es der hier besprochene Film noch tut. Allerdings verleiht dies Reinls Werk auch einen gewissen Außenseiter-Charme, zumal die Geschichte selbst keineswegs zu langweilen weiß. Wallace hat aufregendere Verfilmungen erlebt, aber bereits der Einstieg in die Reihe kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man findet auch Gefallen an einem trocken erzählten, klassischen Kriminalfilm, der ohne irgendwelche Gimmicks auskommt. Das Schrillste was es hier zu erleben gibt sind die Rolle des Butlers, der Millionär und der im Froschkostüm agierende Gegner. Der Rest folgt dem klassischen Muster des Genres.

Es ist schön, dass man Fritz Rasp als ehemaliges Ur-Gestein der 30er Jahre Wallacefilme für diesen Beitrag und einige Folgebeiträge gewinnen konnte, weiß er doch selbst in seiner hier recht klein ausgefallenen Rolle zu überzeugen, mimt Rasp hier doch einen Chef, den man wahrlich nicht zum Vorgesetzten haben möchte. Fast möchte ich von unheimlich sprechen, wenn ich ein Adjektiv für seine Darbietung suche. Siegfried Lowitz darf den ermittelnden Inspektor spielen, was auch nie ein Fehler sein könnte, so sympathisch wie dieser Mensch noch in jeder Rolle wirkte, selbst dann wenn er, wie in „Der Greifer“, auch einmal den Fiesling spielen durfte.

„Der Frosch mit der Maske“ hat auf Seiten der Schauspieler, zumindest bei den männlichen Parts, somit so einiges zu bieten, und dies zusammen mit der Mabuse-ähnlichen Geschichte sorgt für einen Film, den man als Cineast ruhig einmal gesehen haben sollte, auch wenn das Werk aufgrund seiner biederen Ader eigentlich noch nicht von dem Ruhm zehren darf, den sich die Reihe erst im Laufe der Zeit erarbeitet und auch definitiv verdient hat. Aber gerade weil „Fellowship of the Frog“ (Alternativtitel) im Vergleich so anders ausgefallen ist, ist er ein interessanter Blick darauf, was aus solch einem klassischen Start gedeihen kann. Freilich besitzt der Streifen auch ohne die Vergleiche zu den Folgefilmen genügend Unterhaltungswert.  OFDb

15.03.2017

DIE BANDE DES SCHRECKENS (1960)

Gerne wird der Begriff Grusel-Krimi verwendet, wenn es um die Edgar Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto geht. Gerechtfertigt, wie beispielsweise im Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“, finde ich die Bezeichnung nicht gewählt, sind es doch höchstens die Spielorte die ein wenig gothischen Touch versprühen. Die Geschichten selbst beinhalten maximal leicht angedeutet das Sinnbild eines Monsters, so beispielsweise im blinden Jack aus „Die toten Augen von London“.

„Die Bande des Schreckens“ kommt noch am ehesten an den Begriff Grusel-Krimi heran, darf hier doch ein Toter Rache nehmen. Doch nicht nur dass von Anfang an klar ist, dass hier kein Verstorbener am Werke ist, sondern äußerst lebendige Zeitgenossen, auch das Flair selbst will nicht im Ansatz Grusel-Feeling versprühen. Was soll also dieser stets verwendete irreführende Begriff bezüglich einer Reihe, die mal mehr, mal weniger klassische Kriminalfilme bietet?

Wie auch immer, „Hand of the Gallows“ (Alternativtitel) ist ein sympathischer, klassischer 10 kleine Negerlein-Krimi, der zwar zum Mörderraten einlädt, einem aufgrund seiner erst im Finale lüftender Geheimnisse aber keine echte Chance gibt Rückschlüsse sinnvoll ziehen zu können. Verdächtige gibt es zu genüge, und 20 Minuten vor Schluss, wenn die Leiche eines der Todeslisten-Opfer nicht gefunden wird, ist längst klar wer der Chef der hier tätigen Verbrecherorganisation ist, lange bevor es das Drehbuch so möchte. Nur den Grund begreift man erst mit Enttarnung besagter Person.

Was mir an „The Terrible People“ (Alternativtitel) besonders gut gefällt, ist seine geradezu reine Art der klassischen Wallace-Zutatenkombination, die der Streifen als dritter Teil der langjährigen Reihe sicherlich seinem frühen Erscheinen zu verdanken hat. Die Love Story wird noch offensichtlicher und ohne verkrampftes Buhlen, Komplexe oder anderweitiger Hindernisse angegangen und zeigt in der Schluss-Szene ihre Leichtigkeit in einer Form, die eher im Heimatfilm zu Hause wäre. Und ähnlich ergeht es der komödiantischen Rolle Arents, anbei der einzig humorvolle Part des Streifens, die noch mit schlichtem Running Gag auskommt, trotz teilweise etwas krampfhaft eingefügter Szenen sich großteils aber dem Gesamten zu fügen weiß und das Voranschreiten der Geschichte gar unterstützt, was in späteren Werken nicht selbstverständlich sein sollte.

Neben den weiteren Stammdarstellern Joachim Fuchsberger und Karin Dor agieren die ebenfalls gelegentlich in der Reihe vorbeischauenden Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp. Letztgenannter hat schon in den 30er Jahren in Edgar Wallace-Verfilmungen mitgespielt. Beide sind gern gesehene Mimen und meistern ihre Rollen gut, Flickenschildt etwas auffälliger als der souverän schlicht, aber subtil agierende Rasp.

Harald Reinl inszeniert das Geschehen, welches schnell hätte monoton ausfallen können, flott und damit sehr unterhaltsam, liefert aber auch kein überdurchschnittliches Ergebnis ab. Ob es nötig war die Erbschaftsverstrickung zwingend in die Rachegeschichte zu integrieren, sei einmal dahin gestellt, gibt der Love Story aber freilich zusätzlichen Zunder, zumal trotz Fuchsbergers Beschützerinstinkt die Rolle Dors keineswegs hilflos gezeichnet ist, sondern stattdessen recht taff daher kommt. Von daher ist es schön, dass sie stets per Betäubungsmittel außer Gefecht gesetzt wird, so dass beide Seiten des Liebespaares ihren Part erfüllen können.  OFDb

12.03.2017

DER FÄLSCHER VON LONDON (1961)

„Der Fälscher von London“ ist ein solide erzählter, ohne großen Hokuspokus auskommender, Kriminalfilm, in welchem nur wenige der großen Stars der Rialto-Wallace-Reihe auftauchen. Begnügen muss man sich mit der stets taff agierenden Karin Dor, und für zwei kurze Momente schaut Eddi Arent um die Ecke, dessen wenige Auftritte leider nicht den Witz geschenkt bekommen, den er sonst zu versprühen vermag. Wenn man dabei zusehen darf wie gewitzt und charmant Siegfried Lowitz agiert, kann man nicht verstehen warum er für die Reihe nicht zur Standardbesetzung in der Kommissarenrolle wurde. Zumindest wurde dieser Fehler 16 Jahre später mit der TV-Serie „Der Alte“ wieder wett gemacht, spielt er dort doch ziemlich genau jenen Typ Mensch, den er auch hier verkörpern durfte - abgesehen von den zwielichtigen Momenten, denn auch die von Lowitz verkörperte Rolle soll lange Zeit ein möglicher Fälscher sein.

Wenn die Identität des Gerissenen am Ende aufgedeckt wird, macht man mittels einer toll inszenierten Fahrstuhlszene einen riesen Wirbel um den Unbekannten, dabei kann es zu diesem Zeitpunkt nach etlichen Toten nur noch eine Person sein. Das ist etwas schade aufgrund der eigentlich wirksamen Inszenierung, ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einem an sich gut erzählten und zum Mitraten einladenden Kriminalfilm, der trotz der Thematik um Schizophenie, dem Spielort auf einem Schloss und eines im Fall herummanipulierenden Gesetzeshüters ziemlich unaufgeregt, ja geradezu bodenständig daher kommt. Einzig die Methoden, mit welchen die Verschwörer vorgehen, sind typisch fantastischer Wallace-Natur, bilden im Gesamtbild jedoch die schlichte Ausnahme.

Der stimmige Soundtrack von Martin Bötcher weiß das gelungene Gesamtbild zu unterstützen, schmiegt er sich doch sanft in die Ohren des Zuschauers, so schlicht und zurückhaltend wie die gesamte Inszenierung von Regisseur Harald Reinl ausgefallen ist. „The Forger of London“ (Alternativtitel) ist weder einer der schrilleren Wallace-Beiträge der Rialto-Serie, noch einer der großen Hingucker, aber Krimi-Fans wird er definitiv gefallen, ganz unabhängig davon welcher Reihe der Film eigentlich angehört. Zudem ist er stellenweise recht emotional ausgefallen und weiß damit zusätzlich durch seine ungewöhnlich eingefädelte Love Story zu fesseln. Nach „Der Fälscher von London“ wissen wir nun endlich, dass Geisteskrankheiten der Liebe manchmal auf die Sprünge helfen können.  OFDb

28.02.2017

ZIMMER 13 (1963)

„Zimmer 13“ schaut sich wie ein Mix aus den klassischen und den Ausnahme-Rialto-Wallace Filmen a la „Das Verrätertor“. Auf der einen Seite wird klassisch ermittelt, angeleitet von Sir John und Begleitet von einem von Joachim Fuchsberger verkörperten Privatschnüffler, der allerdings behandelt wird als sei er fester Angestelter des Scotland Yard, auf der anderen Seite werden wir jedoch auch ausführlich Zeuge der Pläne der Diebesbande. Zu erraten wer schuldig oder unschuldig ist, gibt es da nichts. Mit Ausnahme des zusätzlich eingefügten Elements des unbekannten Frauenmörders, das sich nie ins Zentrum drängt, sogar so wenig Beachtung geschenkt bekommt, dass man Harald Reinl keinen Einfluss auf das kommende Giallo-Genre zusprechen kann.

Die Auflösung erklärt dann auch warum das Thema kürzer trat als zunächst angenommen, und trotz der dort anzutreffenden Hausfrauen-Psychologie, die anbei typisch für die italienischen Gialli der 70er Jahre werden sollte, beweist „Zimmer 13“ hier eine Ernsthaftigkeit, die ohnehin den kompletten Film umgibt. So hemmungslos hier auch teilweise herumgealbert wird, meist durch Eddi Arent, der eine Rolle erwischt hat mit der er sichtlich Spaß hatte, „Room 13“ (Alternativtitel) ist ein düsteres, ernstes Werk. Das zeigt sich auch im Agieren Fuchsbergers Rolle, die den Standard des kühnen Helden erfüllen könnte, also jene Rolle die er sonst oft verkörpert hat, mit dieser aber nur verwand ist.

Johnny Gray geht viel überlegter und sorgfältiger vor, als es die typischen Fuchsberger-Figuren in ihrem Elan je taten. Und der ständige Kontakt mit der Rolle Karin Dors (die eine pseudo-taffe Frau spielt, die doch nur ständig gerettet werden muss) wird keinesfalls genutzt um hemmungslos zu flirten, die Sorge um die Frau steht Fuchsberger ins Gesicht geschrieben. Seine flaxigen Anmachen lässt er nur zu Beginn heraus. Wenn die Situation ernst wird, dann ist es damit vorbei. Passend zu diesem ernsteren Grundton darf man auch über einen Rasiermessermord überrascht sein, in welchem für Wallace-Verhältnisse dieser Dekade überraschend viel Blut spritzt. Das wiederholt sich nicht, „Zimmer 13“ bleibt ansonsten relativ bieder und zugeknöpft, abgesehen von einer kurzen Nackedeiszene, die vorbei ist ehe sie begann.

Amourös hätte auch die schräge Thematik ausfallen können, wie der von Arent gespielte Dr. Higgins (welch herrliche Anspielung) mit seiner Versuchspuppe umgeht. Sein etwas arg persönliches Interesse für diesen weiblich geformten Gegenstand wird stets nur angedeutet, fällt wie gesagt nie amourös aus, und doch schwebt da was in der Luft. Arent überspielt es klamaukhaft, so will er sie z.B. zum Puppendoktor bringen, als sie leicht zerstört wird, und er bedauert dass sie sich in diesem Zustand befindet und damit die frisch erlangte Beförderung Higgins nicht mitbekommt. Allein hierdurch wird der Ehefrau-Ersatz überdeutlich. Mehr war in den 60er Jahren zu diesem Thema in einem Film für den einfachen Bürger jedoch nicht drin.

Zwar ist Reinl kein großer Wurf gelungen, gerade im Mittelteil schwächelt der Plot ein wenig, aber er versucht mit möglichst vielen lauteren und schnelleren Szenen dagegen zu halten, was ihm recht passabel gelingt. Das erste und das letzte Drittel schauen sich hingegen tatsächlich flott und unterhaltsam, so dass die Tendenz zur Mittelmäßigkeit noch umgangen werden konnte. „Zimmer 13“ mag nur etwas für Stammgäste im deutschen Wallace-Universum sein, aber als zwischen den Stühlen sitzendes Werk ist er für eben jenes Publikum auch recht interessant ausgefallen. Die französische Ausnahmebeteiligung an diesem Rialto-Wallacefilm merkt man meiner Meinung nach dem Werk nicht an.  OFDb

22.11.2016

WER ZULETZT LACHT, LACHT AM BESTEN (1971)

Man kennt sie, diese heile Welt-Komödien Deutschlands aus den 60er und 70er Jahren, zu denen man aufgrund ihrer höchst naiven Art, ihres in ihrer Zeit feststeckenden Singsangs und der überholten Art Herumzublödeln ohnehin einen Zugang besitzen muss, um mit diesen seine Freude zu haben. Ich habe sie, habe den Mantel der Coolness und die Ausrede des Trashs längst abgelegt um meine Freude mit dieser wundervollen Gattung Film zu haben, muss nach Sichten von „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ jedoch eingestehen, dass er auch inmitten der naiven Konkurrenzproduktionen ein besonders schlicht ausgefallener Beitrag seiner Nische ist.

Zwar besteht die Handlung aus den typischen Versatzstücken, wie sie in diesem speziellen Sub-Genre seit je her zelebriert werden, Sinn macht die hier zu sehende Handlung jedoch noch weniger als üblicher Weise ohnehin schon. Warum Sabine ausgerechnet mit einem ihr zuvor unsympathischen Mann anbendelt, um Robbie eifersüchtig zu machen, warum Robbie überhaupt das Hotel retten will, und warum zum Teufel er deshalb gegen Ende das Unternehmen des Onkels übernehmen muss, sind alles Fragen, die der Normalzuschauer inmitten all des anderen unlogischen und aus anderweitigen Gründen vorhandenen Unsinns nicht stellt, ich mit Blick auf die besser funktionierenden Vergleichswerke aber sehr wohl, macht doch dieser kleine Unterschied einen Stück des Wohlfühlens während der Sichtung aus, und genau das Wohlfühlen ist doch überhaupt erst der Grund warum man sich einen solchen Film ansehen möchte, wenn es einem nicht nur nach unfreiwilliger Komik dürstet.

Zwar weiß auch „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ auf seine simple Art dennoch zu funktionieren, eben weil er dem seit je her typischen Muster nachgeht, aber er steht auf wackeligen Beinen. Da tut es gut dass Roy Black erst gegen Ende in Dauerschleife singt, und einer von den Songs, das Einschlaflied für die vermeintliche Tochter, situativ aufgrund seiner unfreiwilligen Komik trumpft. Theo Lingen ist ein Hingucker und Hinhörer wie eh und je, Eddi Arent lässt gelegentlich das Niveau seiner vergangenen humoristischen Wallace-Leistungen durchfunkeln, und Roy Black spielt angenehmer als ich es bislang von ihm gewohnt bin.

Da alles vom Anspruch und Niveau her auf niedrigster Flamme brennt, fällt auch Uschi Glas in der Ausnahme einmal nicht so untalentiert auf wie sie eigentlich ist. Inmitten einer selbst für diese Art Film arg konstruierten Romanze, die man als Zuschauer nicht mitfiebert, weiß auch sie nichts zu zerstören. Lediglich von Siegfried Schürenbergs Rolle hatte ich mir mehr erhofft, der gibt zwar sein bestes, aber das Drehbuch hat ihm eine einfallslose Figur zugewiesen.

An „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ sollten sich nur die hartgesottenen Fans dieser Gattung Komödie heranwagen, bietet er das seichte Programm der Konkurrenz sowohl inhaltlich, wie auch von der Stimmung her, nur im Light-Modus. Mir hat er aufgrund der wenigen Erwartungen die ich ohnehin an einen Roy Black-Film stelle zumindest genügend Freude bereitet, um mich trotz all seiner Schwächen versöhnlich von ihm zu trennen. Aber manch einer wird mit den Störfaktoren sicherlich nicht so großzügig umgehen wie ich.  OFDb

14.07.2016

DER UNHEIMLICHE MÖNCH (1965)

„Der unheimliche Mönch“, der in den USA bereits 1938 verfilmt wurde, sollte, vom in Farbe gehaltenem Vorspann einmal abgesehen, der letzte Schwarz/Weiß-Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe werden. Passend zu dieser überholten Methode des Bilderablichtens kommt auch die Inszenierung eines Stoffes noch veraltet daher, der Ähnlichkeiten zu dem zwei Jahre zuvor inszenierten „Der schwarze Abt“ besitzt und von Alfred Vohrer gerade einmal zwei Jahre nach seinem Erscheinen in Farbe als „Der Mönch mit der Peitsche“ neuverfilmt wurde.

Das musikalische Hauptthema von Wallace-Stamm-Komponist Peter Thomas kommt so flott daher wie der eigentliche Film, in romantischen Momente klingt die Musikuntermalung jedoch eher parodistisch als herzzerreißend. Und jegliche andere Musikuntermalung fällt durch seine viel zu reißerische Art so überholt aus, wie „Der unheimliche Mönch“ an sich, der sich im Vergleich zu dem ihm folgenden, wesentlich moderner ausgefallenem, „Der Bucklige von Soho“ wie ein Werk aus einer vergangenen Epoche guckt, so als habe man übersehen, dass das Kino sich weiterentwickelt habe.

Das liest sich zwar sehr negativ, ist aber etwas was ich Regisseur Harald Reinl niemals ankreiden würde, der als einer der Stamm-Regisseure mit „Der unheimliche Mönch“ ebenso Abschied von der Reihe nimmt wie es Karin Dor tut. In diesem letzten Beitrag der beiden bieten sie noch einmal all das wofür die Kinoserie so beliebt war. Dor ist die taffe, sich in Lebensgefahr befindende, junge Frau, der eine Menge Menschen im nebligen England nach dem Leben trachten. Ein maskierter Killer, diesmal ein Mönch, der seine Opfer mit einer Peitsche tötet, ist freilich auch wieder mit dabei, ebenso wie der humoristische Sidekick Eddi Arent, der in diesem Film so manchen Stammzuschauer mit einem düsteren Geheimnis überraschen sollte.

„The Sinister Monk“ (Alternativtitel) guckt sich so überholt wie sympathisch, kann dem vergleichbaren „Der schwarze Abt“ mit Leichtigkeit das Wasser reichen, schafft es auf der anderen Seite aber auch nicht zu den Höhepunkten der Reihe zu werden. Dafür bleibt die Ermittlerfigur Inspektor Bratt zu charakterlos, das Thema des Mädchenhandels wird zu verkrampft in die Geschichte eingefügt und erweist sich als völlig unnötiges Element, und der komplette Zusammenhang des Kriminalfalls muss aufgrund seiner zu konstruierten Art arg bemüht vom Inspektor zum Schluss erklärt werden, damit all das Erzählte irgendwie einen Sinn ergibt. Dafür muss u.a. ein unsinnig psychologisches Leiden als Motiv für die Taten herhalten. Aber da dies selbst dem guten alten Hitchcock in seinem Vorzeigewerk „Psycho“ passiert ist, kann man das einem der Trivialunterhaltung verpflichtendem Film, wie dem hier besprochenen Werk, wohl kaum vorwerfen.  OFDb

26.03.2015

DER TEPPICH DES GRAUENS (1962)

Dieser recht früh zur harten Welle hinzugestoßene Konkurrenz-Beitrag der damals so erfolgreichen Edgar Wallace-Verfilmungen guckt sich wie ein Mix aus dieser und den 60er Jahre Mabuse-Filmen, beides Reihen für die Regisseur Harald Reinl tätig war. Mehr noch, mit Reinls „Der Frosch mit der Maske“ ging die komplette Welle überhaupt erst los. Dieser war, ebenso wie „Die Bande des Schreckens“, ein unterhaltsamer Beitrag. Doch an deren Qualität kommt „Der Teppich des Grauens“ nicht heran.

Das beginnt bereits mit der holprigen Einführung der Figuren und dem ungeschickten Einstieg in eine Geschichte, die viel zu bemüht verworren sein möchte, so dass es einen nach einem eher schwachen ersten Drittel schon wundern darf, dass der Film mit dem wohl bescheuertsten Titel innerhalb der harten Welle zumindest noch zu einem durchschnittlichen Ergebnis findet, wenn Figuren erst einmal an Sympathie gewonnen haben und das Interesse des Zuschauers für den laufenden Fall doch noch geweckt wird.

Freilich geschieht das alles zu spät um für Reinls Werk, das im selben Jahr wie sein „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ erschien, eine Empfehlung auszusprechen, aber orientiert am besagten Mabuse-Film war das Filmjahr 1962 scheinbar ohnehin nicht Reinls bestes Jahr, sind doch beide Werke eher Light-Versionen der besseren Kriminalfilme dieser Zeit. Leider fehlt „Teppich des Grauens“ zudem auch der Bezug zum Sub-Genre Grusel-Krimi.

Trotz einer Verbrecherorganisation mit mystischem Gift und unbekanntem Hintermann ist der Streifen ein waschechter Kriminalfilm, wie er abgesehen von kurzen Action-Momenten klassischer kaum aussehen könnte, allein schon aufgrund der klaren Gut-Böse-Trennung, die man zwar scheinbar vermeiden wollte bei all den angeblich zwielichtigen Personen, die sich erst spät als Ermittler auf Seiten der Guten entpuppen. Aber aufgrund der Besetzung gehören sie nie zu den wahrlich verdächtigen Personen. Ihr guter Kern ist nie eine plötzliche Überraschung. Im Gegenzug entpuppt sich ein positiv gezeichneter Charakter nie urplötzlich als böse.

Es liegt an der guten Besetzung, dass „Der Teppich des Grauens“ sich in seiner Innovations-Armut noch brauchbar guckt. Neben Joachim Fuchsberger und Karin Dor gibt es noch manch anderes berühmtes Gesicht aus der Wallace-Reihe zu entdecken. Letztendlich sind die unbekannteren Gesichter auch die talentierteren. Aber die beiden Helden wissen zumindest über ihren Charme auf den Streifen zu wirken, das ist auch schon viel wert.

Die Auflösung ist meiner Meinung nach nicht sonderlich originell ausgefallen und lässt auch nach Reffolds angehangener Erklärung am Schluss noch einige Fragen offen. Aber letztendlich ist „Der Teppich des Grauens“ ohnehin nur die Trivialunterhaltung für den Schnellverzehr und deshalb nicht geeignet einer tieferen Analyse stand zu halten. Zum einmal Gucken ist er okay. An das Ergebnis von „Die weiße Spinne“, der ebenfalls vom Kriminalautor Louis Weinert-Wilton stammt, kommt er nicht heran, und selbst der war eher eine Blaupause der berühmten Wallace-Werke und damit keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Im Internet liest man übrigens immer wieder wie rassistisch die Besetzung des Schwarzen in der lustigen Nebenrolle sei, die in einem Wallace-Film üblicher Weise mit Eddi Arent besetzt worden wäre. Ich vermutete bei solchen Artikeln immer, dass die übertriebene politische Korrektheit den Verfassern dieser Texte einen Streich in ihrer Wahrnehmung gespielt hätte, aber die Leute haben tatsächlich Recht. Der arme Kerl wird im Gegensatz zu den Spaßfiguren des Eddi Arent völlig würdelos eingesetzt, so dass man das geradezu penetrante Vorführen seiner Idiotie in Kombination mit seiner Unterwürfigkeit und dem herablassenden Ton der ihm stets entgegen gebracht wird definitiv als fragwürdig bezeichnen darf - von der idiotischen Stimme mit der er spricht einmal ganz zu schweigen.  OFDb

29.09.2012

DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL (1967)

Ein Mann und eine Frau bekommen eine Einladung in das Schloss des Grafen Regula. Dieser sollte aber eigentlich tot sein. Nicht nur die Neugierde, auch persönliche Gründe veranlassen die beiden dazu, dennoch der Einladung zu folgen...

Was Hammer kann, kann Deutschland schon lang – oder etwa doch nicht?...
 
Harald Reinl mag ja im Bereich des Gruselkrimis sowohl innerhalb der Wallace-Reihe („Der Frosch mit der Maske“, „Die Bande des Schreckens“) als auch außerhalb dieser („Der Würger von Schloss Blackmoor“, „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“) ein kleines Talent sein. Sein ungewöhnlicher Erzählstil verursachte immerhin eine Welle an unzähligen Kopien, und seine Werke wissen auch heute noch, jenseits unfreiwilliger Komik (wenn auch nicht komplett ohne) zu unterhalten. Aber was hat den Mann bloß geritten sich an einen Horrorfilm zu wagen?

„Die Schlangengrube und das Pendel“, angelehnt an den Kinoerfolg „Das Pendel des Todes“ (aufgrund seines plumpen Anliegens kann man diesen Vergleich wohl eher ziehen, anstatt sich an die, dem Vergleichfilm zugrunde liegende, literarischen Vorlage Poes zu klammern), ist eine filmische Unverschämtheit in den Augen des ernsthaft Horrorfilm konsumieren wollenden Genrefans. Wie so oft in solchen Fällen ist er zudem ein Glücksgriff für den Trashfan.

Was Reinl uns hier vorsetzt, in einer Geschichte die fast nichts mit der Poe-Vorlage zu tun hat, ist so unglaublich plump, dass es einem schwer fällt die richtigen Worte zu finden. Die Kulissen sind schlicht, sie und ihr Inventar (innen) und die Landschaften (außen) versprühen das Niveau eines Geisterbahn-Besuchs. Gemalte Hintergründe können ihre Herkunft nicht verschleiern. Man bekommt sogar den Eindruck als wolle man dies auch gar nicht. Die Deko erinnert an einen Besuch im Gothic-Shop. An Charme fehlt es nicht, versucht man doch krampfhaft klassische Elemente einzubringen. Totenschädel, Folterinventar, der finstere Wald, die Kostüme, das Schloss, das ominöse Amulett, ja sogar die Geschichte selbst mit ihrem wiedererweckten Grafen, ominöse Fremde die so schnell verschwinden wie sie erschienen sind, zwölf tote Jungfrauen, lange Kutschfahrten, ein unheimlicher Diener, ängstliche Bauern, unheimliche Gestalten im Wald, Falltüren, alles soll klassisches Gruselfeeling entstehen lassen, nichts davon zündet ernsthaft. 

Die eben aufgeworfene Frage, die gemalten Kulissen betreffend, kann man eigentlich auf den kompletten Film beziehen. Wollte man diese Billigkeit überhaupt verschleiern? Oder ist dieser Trash pure Absicht? Immerhin macht der Soundtrack von Peter Thomas, dem Mann der damals einen Großteil deutscher Produktionen musikalisch untermalen durfte, ebenfalls den Eindruck, dass alles mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Der Stil Thomas' Musik ist sich meist ähnlich, da aber Ausnahmen die Regel bestätigen, kann man eigentlich den Gedanken ausschließen, Thomas könne nur in eine Musikrichtung befriedigende Arbeit leisten und läge mit seiner Komposition für einen Horrorfilm nun völlig falsch. Seine auf lustig getrimmten Gruselklänge, die ebenfalls Geisterbahnfreuden versprühen, scheinen beabsichtigt zu sein. Klar, es war der Sound seiner Zeit, vielleicht werde ich hier von unfreiwilliger Komik geblendet und sehe sie als gewollt an. Sieht man aber all das Unvermögen, welches der Film dem Konsumenten vor die Füße wirft, fühlt man sich einfach bestätigt. Dieser Film KANN doch nur Augenzwinkerei sein. Vielleicht ist es aber auch nur die Angst eines Review-schreibenden Cineasten, irgendein Hirn könne dies alles ernst meinen, was man hier vorgesetzt bekommt.

Nun, alles kann sicherlich nicht gewollt sein. Lex Barker spielt untalentiert wie immer, die endlose Kutschfahrt von etwa einer halben Stunde Laufzeit erlebt keine Höhepunkte, auf solche Fehler setzt gewiss niemand, der bewusst Trivialität auf die Leinwand zaubern will. Auch die sehr erbärmlichen Dialoge sind wohl kaum beabsichtigt, sie wären aber im Bereich des möglichen Gewollten. Sicherer hingegen scheint die Naivität der Geschichte beabsichtigt zu sein. Anspruchslose Unterhaltung zeigt sich nun einmal durch die schlichtere Umsetzung besserer Vorgaben.

Reinls Rezept geht dennoch nicht auf. Was er übersieht ist, dass andere Trivialwerke Größen kopieren. Er erzählt jedoch die schlichte Version schlichter Vorbilder. Würde er sich an Poe orientieren, könnte sein Rezept aufgehen. Aber wer sich am Stil der Wallacefilme orientiert und die bereits trivialen Hammerstudio-Produktionen auf billigere Art umsetzen will, der hat nicht verstanden was gewolltes Schundkino braucht. Und das macht den Film auch in seiner gewollten Plumpheit zunächst so unbefriedigend.

Aber das macht den Bereich der unfreiwilligen Komik so faszinierend. Sie lässt nicht nur schlechte Filme, die gerne großes Kino wären, lustiger erscheinen, sie schafft selbiges bei „Die Schlangengrube und das Pendel“. Jahre nach seiner Entstehung, zu einer Zeit in der mit der Gruppe der Tashfans eine völlig neue Art Filmfan ehemalige Kinokost konsumiert, da wird sogar schlecht erzählte freiwillige Schlechtigkeit zu einem spaßigen Produkt. Als Horrorfilm eine Niete, als gewollte Trivialunterhaltung wegen seiner Regelmissachtung ebenfalls ungenießbar (man beachte, dass der Film keine Komödie sein wollte, sondern lediglich eine augenzwinkernd erzählte Horrorversion), als Volltrash ist er heutzutage aber ein kleiner Geheimtip. „Die Schlangengrube und das Pendel“ kann sich mit „Invasion der Bienenmädchen“ und „Die Rache des Würgers“ zu den treffenden Beiträgen der Arte-Trashreihe zählen. Eine echte Genregröße wie „Suspiria“ und Romeros Zombiefilme, die sich unerklärlicher Weise ebenfalls in diese Reihe eingeschlichen haben, ist Reinls Werk nicht, auch wenn vielleicht der ein oder andere naive Genrefan darauf gehofft hat.  OFDb