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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (6)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monk - Staffel 7 (2008)

Es geht mit seichter Unterhaltung im klassischen Erzählmuster weiter, ganz ohne Experimente, eben so wie es der Freund der Reihe haben möchte. Qualitativ gibt es nach wie vor keinen Abstieg zu erkennen, auch wenn manche Ideen, wie Natalie zur populären Lotto-Fee zu machen, etwas arg über das Ziel hinausschießen. Eine Episode großteils im Doku-Stil umzusetzen, bietet wunderbar mediensatirische Möglichkeiten, und wenn der von Ängsten beherrschte Monk unfreiwillig mit einem U-Boot untergeht, bleibt kein Auge trocken. Bewegend ist eine Geschichte um einen Mutterersatz ausgefallen, sowie die letzte Episode, die sich wieder einmal Trudy zuwendet.  Wiki


Spiders - Ihr Biss ist der Tod (2023)

Effektiver Spinnen-Horror, der es mit der Evolution in solch kurz spielendem Zeitraum übertreiben mag, ansonsten aber gekonnt erzählt ist und mit dem Hauptspielort im Ghetto keine billigen Klischees abliefert. Auch schafft man es die Gefühlswelt der Figuren gekonnt einzufangen, ohne dass "Vermines" (Originaltitel) zum tatsächlichen Drama wird. Stattdessen ist er unglaublich spannend inszeniert, liefert manchen Schocker selbst dann, wenn man schon x Horrorfilme zu diesem Thema gesichtet hat und bremst sich in seiner packenden Umsetzung nie aus. Definitiv ein Tipp meinerseits!  OFDb


Knives Out - Mord ist Familiensache (2019)

Vom Spielort, Budget, sowie Genre und Mentalität an "Das krumme Haus" erinnernd, kommt der Star-besetzte Kriminalfilm zwar nie an dessen Genialität heran, bietet aber ebenso überdurchschnittliche Unterhaltung. Ein nicht uncleverer Plot, die Überraschung in die Umstände des "Mordes" früher eingeweiht zu sein, als man meinen sollte, und der Kniff dennoch oft mit Wendungen überrascht zu werden, sind wichtige Elemente, die inmitten eines augenzwinkernden Plots, voll von spielfreudigen Darstellern, zu überzeugen wissen und auf Comic-Art einen unausgesprochenen Gruß an Agatha Christie richten.  Wiki


The Taint (2010)

Eine witzige Idee in den Händen von Troma, da sind Geschmacklosigkeiten vorprogrammiert, und da habe ich diesbezüglich schon Schlechteres von diesem Ausnahmestudio gesichtet. Aber auch besseres, denn der vulgäre Humor weiß mal schön unter der Gürtellinie herrlich infantil zu funktionieren, und doch ist er zu extrem eingebaut und verwässert die guten Ideen um einen Plot, in welchen Männer durch verseuchtes Wasser zu Frauenhassern werden. Sämtliche Klischees rund um Frau, Mann, Vorurteilen und Film werden abgegrast, die episodische Erzählart mit Rückblicken erweise sich als kurzweilig, damit keine Figur zu sehr mit ihrer Monotonie nerven kann, aber wirklich geglückte Kost ist "The Taint" in meinen Augen nicht geworden.  OFDb


Cinderella - Abenteuer im Wilden Westen (2012)

Die Idee das klassische Märchen ins Western-Genre zu transferieren, um es damit zu entfremden und aufzupeppen, klingt so gewollt, wie das Ergebnis letztendlich auch ausgefallen ist. Aber hier nervt nicht nur ein lieblos gestalteter Plot, sondern auch unangenehm steif und unsentimental animierte Figuren, die den Billig-Look des Films, der sich zwischendurch zudem um nervige Actionsequenzen bemüht, immer im Bewusstsein des enttäuschten Zuschauers bleiben lässt. Warum Trickfilmfiguren zudem in ihren Rundungen und Ausbeulungen derart auf sexy getrimmt sein müssen, während alles andere klassisch bieder auf Kinderfilm-Niveau erzählt ist, muss ich auch nicht verstehen.  OFDb

13.11.2012

RENAISSANCE (2006)

Polizist Karas soll im Paris des Jahres 2054 die vermisste Forscherin Ilona aufstöbern, die für den mächtigen Konzern Avalon tätig war. Hilfe bekommt er von Bislane, der Schwester der Vermissten. Die weiß, dass Ilona eine zwielichtige Person beauftragt hat irgendwelche Dokumente zu stehlen. Karas vermutet, dass die Wissenschaftlerin während ihrer Arbeit bei Avalon auf etwas gestoßen sein muss, auf ein Geheimnis, das irgendwer auf Teufel komm raus zu verstecken versucht. Denn nach und nach sterben Karas die Zeugen weg. Seine Ermittlungen deuten darauf hin, dass Ilonas Verschwinden irgendetwas mit einem Forschungsprojekt zu tun hat, das bis ins Jahr 2006 zurückreicht...

Das OCP Frankreichs...
 
„Renaissance“ bedeutete für Regisseur Christian Volckman jahrelange Arbeit. Für ein solches Projekt benötigt man Geduld. Zunächst musste das Drehbuch auf die übliche Art mit Schauspielern in den Rollen verfilmt werden, dann schnappte sich der Mann mit einem Team von Animatoren die fertigen Aufnahmen und verwandelte sie in ein optisches Kunstwerk.

„Renaissance“ ist ein Zeichentrickfilm, bei dem die Realaufnahmen übermalt wurden. Und seinen individuellen Touch bekommt er in erster Linie dadurch, dass die Zeichnungen lediglich in schwarz und weiß gehalten wurden. Hin und wieder tauchen Grautöne auf und in zwei Szenen wird gar mit Farbe gearbeitet, aber solche Momente bilden die Ausnahme. Schwarz und weiß stehen sich gegenüber und verleihen dem Science Fiction-Thriller eine Optik, die den Zuschauer das ein oder andere Mal staunen lässt.

Staunen und verwirren, denn das ein oder andere mal muss der Betrachter sich zunächst orientieren. Die Umsetzung mit den zwei Zuständen Schwarz und Weiß verwischt allerhand Details. Das ermöglicht ein intensives Spiel mit Licht und Schatten, ist in Sachen Information aber nun einmal ein simpleres Stilmittel mit geringerem Ergebnis, als das übliche Schwarzweiß-Verfahren, in welchem großzügig Grautöne im Spiel sind.

Mit dieser extremsten Variante des Verzichts auf Farbe und Grautöne bildet „Renaissance“ somit ein Monopol im Bereich Film, auch wenn sein Look ein wenig an den ein Jahr zuvor entstandenen „Sin City“ erinnern mag. Mir ist kein Animationsfilm mit gleicher Optik bekannt.

Nun zeigten Genre-Beiträge wie „Final Fantasy“ und späte Werke der Firma Disney, dass mit einer guten Animation häufig über eine schwache Geschichte hinweggetäuscht wird. Das mag hin und wieder funktionieren, wie z.B. „Blood – The Last Vampire“ zeigt, meist sorgt dies jedoch für eine Ernüchterung, wenn sich der Reiz der Zeichentrick-Optik gelegt hat, und die Geschichte in den Vordergrund rückt. Das ist ein Zustand den jeder Film irgendwann zwangsweise erreicht.

Glücklicher Weise erweist sich die Geschichte von „Renaissance“ als gehaltvoller als es zunächst den Eindruck macht. Unnahbare Charaktere im sterilen trotz reizvollen Schwarzweiß werden mit der Zeit zu griffigen (Identifikations)Figuren, und die so harmlos klingende Kriminalgeschichte entblättert nach und nach ihre Schichten, die sie versteckt. Das ist kein neues Verfahren, viel mehr ein sehr klassisches, aber das verleiht dem futuristischen Film das gewisse Etwas. Ein in der Zukunft spielender Film mit individueller Optik, umgesetzt durch neueste Technik, erzählt seine Geschichte in schwarzweiß im Stil klassischer Detektivgeschichten. Dieser scheinbare Widerspruch passt und bildet ein stimmiges Ergebnis.

Trotzdem erkennt man, dass es der Weg zur Animation ist, der den Film rettet. Als Realfilm veröffentlicht, wäre seine Geschichte zu routiniert, was besonders an den eher nüchtern vorgetragenen, simplen Dialogen auffällt. Inmitten einer monotonen Optik sieht das wiederum ganz anders aus. Mit ihr wirkt das Realfilm-Manko wie eine pfiffige psychologische Idee, deren Umsetzung wegen man es nun verzeiht, dass die Geschichte selbst lange Zeit fast ereignislos bleibt und Actionszenen kaum vorhanden sind.
 
Da die Optik somit der wichtigste Trumpf ist um bis zum Ende dran zu bleiben, sorgt Volckman auch immer wieder für neue, interessante Momente im Animationsbereich, damit dem Zuschauer auch nie langweilig wird. So überraschen Bilder, die mehr in Weiß gehalten sind innerhalb einer Inszenierung, die ansonsten mehr in Schwarz badet. Man sucht das kurz und nur leicht aufkommende Weiß im Rauch eines Zigarettenkonsumenten. Man spielt mit Grau wenn Spiegel und Fensterscheiben ins Spiel kommen. Hin und wieder wird sogar auf besonders pfiffige Weise getrickst, wenn sich Beispielsweise die Gesichter von Karas und einem Zeugen durch den Schwarzweiß-Kontrast durch eine Kamerawendung einen, so als sähe man nur eine Person im Bild.

Das schaut sich alles wunderbar und bleibt bis zum Schluss interessant, auch deshalb weil Volckman auf Spielfilm-Ebene die Spannungsschraube Richtung Ende aufdreht und ab und an mit philosophischen Momenten und Elementen spielt. Die sind nicht immer neu, wie das Beispiel Avalon zeigt, das in seiner Art doch stark an OCP aus „RoboCop“ erinnert. Karas finale Entscheidung und die darauf aufbauende Schluss-Szene erinnern inhaltlich gar an den ein oder anderen Anime, so zum Beispiel an „Jin-Roh“.

Doch so interessant „Renaissance“ auch sein mag. Als Realfilm wäre er Durchschnitt gewesen, und dies scheint auch in toller Optik irgendwann durch. Dies nur leicht und den Film nicht so schwächelnd wirken lassen wie in reiner Realumsetzung, aber durchaus zu bemerken. Es wäre schön gewesen, der tolle Ausnahmefilm hätte auch eine kompromisslos gute Realumsetzung beschert bekommen. Tiefergehende Charaktere und innovativere Dialoge hätten „Renaissance“ zu einer wahren Größe werden lassen.  OFDb