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17.12.2023

DER MANN, DER FRANKENSTEIN WEINEN SAH (2010)

Paul Naschy ist Kult. Er ist nur den eingefleischten Horrorfilm-Freunden ein Begriff. Er war der Horror-Star des spanischen Kinos schlechthin. Genre-Verehrer feierten seine Werke für manch harten Effekt damaliger Zeit und für das klassische Grusel-Feeling. Meist fielen seine Werke hoch-naiv aus, nah an der Lächerlichkeit angesiedelt, in hochgepuschter Theatralik und Gruselmomenten schwimmend, die schon damals nur die ängstlichsten Zuschauer schauern ließen. Und Naschy war, egal ob in seiner Position als Regisseur, Darsteller oder Autor, nicht wirklich talentiert zu nennen. Aber all das Gegenteilige behauptet der Dokumentarfilm "The Man Who Saw Frankenstein Cry" (Originaltitel), der sich mit der Beweihräucherung der zentral betrachteten Figur unsachlich gibt und mit dieser übertriebenen Ehrerbietung, zu der sich auch John Landis und Joe Dante gesellen, eher wie ein US-Produkt wirkt, so wie wir es aus den schrecklichen Making Ofs US-amerikanischer Produktionen kennt, in denen niemand frei Schnauze reden darf, und alles nur der Werbung dient. 

Gerade zu Beginn macht "Der Mann, der Frankenstein weinen sah" dadurch einen unangenehmen Eindruck, ist das doch sehr unprofessionell für den Bereich des Dokumentarfilms und lächerlich noch anbei, wenn man schon einige Werke Naschys gesichtet hat. Ich mag ihn, seine Filme besitzen einen eigenen Reiz, der auch für mich nicht einzig von unfreiwilliger Komik lebt. Und Naschy schien ein sympathischer Kerl zu sein. Aber in einer dokumentatorischen Biographie erwarte ich Fakten, und die muss man hier inmitten von Fan-Getue heraus picken. Nach der ersten viertel Stunde kommt der Film von Ángel Agudo auch gleich interessanter und sachlicher daher. Wir erfahren einiges über Leben und Werk Naschys, und erst in den letzten 20 Minuten wandelt sich der 80-Minüter erneut der zu schlechten Herangehensweise der ersten Phase zu und feiert erneut fast nur noch seinen Star. Viele sympathische Filmszenen bereichern den Streifen, da sie sinngemäß zum jeweiligen Thema eingesetzt werden, und der Großteil der Doku bietet genug Informationen und Anekdoten, so dass man nicht verstimmt auf dieses etwas ungar ausgefallene Projekt zurück blickt. 

Die beiden Söhne Naschys, sowie die Witwe kommentieren viel persönlich, der politische und wirtschaftliche Zeitgeist einzelner Dekaden wird beachtet, und auch die Spätwerke und öffentlichen Auftritte eines Mimen, der im Alter überrascht darüber war, wie bekannt er auch im Ausland im Laufe der Zeit wurde, bekommen genügend Aufmerksamkeit beschert. Ein Blick auf Naschys Einfluss in "Der Totenchor der Knochenmänner", in welchem er nur eine Nebenrolle besetzte, hätte mich noch interessiert, zumal er in ähnlicher Form agierend in "Dracula jagt Frankenstein" Erwähnung erhält. Beim Blick auf sein spätes Schaffen, wird leider "School Killer" nicht thematisiert, da hätte mich auch noch mancher Hintergrundblick drauf gereizt. Aber die bedeutenden Werke seiner Karriere finden freilich alle, wie es sich gehört, ihren Platz in dieser Liebeserklärung, die der Fanatiker unter den Horrorzuschauern besser finden wird als ich. Die am Schluss genannte Anekdote, die auch zur Titelgebung der Dokumentation führte, gefiel mir anbei wirklich gut. OFDb

04.02.2018

SPIONE WIE WIR (1985)

In den 80er Jahren war Dan Aykroyd neben Steve Martin einer der erfolgreichsten Komiker des amerikanischen Kinos, die einen guten Teil ihrer Filme auch selbst geschrieben haben. Zusammen mit zwei Co-Autoren realisierte Dan Aykroyd ein Drehbuch aufbauend auf einer eigenen Idee, und da der von ihm geschriebene „Ghostbusters“ ein Jahr zuvor finanziell eingeschlagen ist wie eine Bombe, stand dem guten Mann auch ein recht gutes Budget zur Verfügung - passender Weise zu einem Thema, in welchem selbst eine Bombe zum Mittelpunkt der Ereignisse wird. Dank der großzügigen Finanzierung werden dem kunterbunten Treiben um zwei vertrottelte Agenten Hightech-Szenen zur Verfügung gestellt, die es Regisseur John Landis erlauben einen relativ detailierten Blick auf die Raketentechnik, jene der Satelliten und manch andere Bereiche zu werfen. Nötig hätte dies eine Geschichte, die lediglich den üblichen Albernheiten seiner Comedystars dient, nicht gehabt, ein Hingucker sind diese technischen Gimmicks jedoch durchaus.

Wie in fast jedem Aykroyd-Werk werden solche Hingucker jedoch etwas zu sehr auf Kosten der Komik und der Geschichte ausgereizt. Zwar weist „Spione wie wir“ eine angenehme, nicht überfrachtete Gagdichte auf und bietet mit Chevy Chase an Aykroyds Seite einen weiteren hochkarätigen Komödianten, Momente des humoristischen Leerlaufs machen sich trotzdem gelegentlich breit, mehr denn je gegen Ende, wenn das Demonstrieren optischer Reize immer mehr den Eindruck macht mit dem Budget und seinen Möglichkeiten protzen zu wollen, anstatt sie lediglich dem Nutzen der zu erzählenden Geschichte zu unterstellen. Da das Ergebnis jedoch trotzdem unterhaltsam ausgefallen ist, muss man nicht all zu streng mit diesen kleinen Lachpausen sein. Überraschender Weise überragt auch gelegentlich eine unerwartete Actiondominanz das Geschehen, fast so als würde man bereits für „Lethal Weapon“ den Genre-Mix proben, um so schöner ist es, dass inmitten dieser gelegentlichen Actionorgien und High Tech-Spielereien trotzdem Platz für die plattesten Kalauer bleibt, die „Spies Like Us“ (Originaltitel) seinen eigentlichen Charme bescheren.

Chase darf hier des öfteren ähnlich lustige Sprüche loslassen wie in seinem „Fletch - Der Troublemaker“, Aykroyd besticht wieder einmal mit seinem zurückhaltenden, schüchternen Charme, der im richtigen Augenblick die Komik aus einer ganz naiven Ecke losfeuert, und insgesamt weiß einfach der Aufhänger zu gefallen, dass zwei Ahnungslose, ähnlich wie in „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, zum Spielball zweier Spionagefronten werden, während sie sich, trotz offensichtlich fehlender Kompetenzen jeglicher Art, für echte Agenten halten. Das Ergebnis ist nicht ganz so gut ausgefallen wie im französischen Vergleichsfilm, allein schon weil Pierre Richards komplette Ahnungslosigkeit den Humorgrad immens erhöhte und seine naive Trotteligkeit die Arroganz der Helden des hier besprochenen Filmes übertrumpfte, aber auch das simplere Ergebnis von „Spione wie wir“ kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man erwartet keinen großen Komödienknüller. „Spies Like Us“ ist eher schlicht ausgefallen wie Aykroyds „Schlappe Bullen beißen nicht“: nett, allerhand Schmunzelmaterial vorhanden, letztendlich aber doch wieder zu gewöhnlich geraten, als dass man das Ergebnis über den grünen Klee loben könnte.  OFDb

28.01.2017

AMAZONEN AUF DEM MOND ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN (1987)

Nicht viele Leute wissen, dass es von „The Kentucky Fried Movie“ eine Fortsetzung gibt. Man erkennt es nicht einzig am Konzept einer per Kurzfilm-Sketche parodierten Form des amerikanischen TV-Programms, das gab es schließlich auch Jahre vor Teil 1 mit der „Big Gäg Movie Station“, an welcher u.a. auch Chevy Chase beteiligt war und die mit ihrem Nachfolger nichts zu tun hat. Dass eine direkte Verbindung zwischen „Kentucky Fried Movie“ und „Amazonen auf dem Mond“ besteht, merkt man eigentlich nur an dem Running Gag, dass sämtliche Schrottfilme von einem angeblichen Samuel L. Bronkowitz produziert wurden.

Sicher, der Humor ist ebenfalls ähnlich angesiedelt. Aber man merkt grundsätzlich ob das Zucker/Abrahams/Zucker-Team für den Humor eines Filmes verantwortlich ist, oder nicht. Die arbeiteten treffsicherer in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ im Vergleich zur von anderen Autoren verfassten Fortsetzung „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, und so ist es auch mit „Amazonen auf dem Mond“, der bei weitem nicht mehr so pointensicher daher kommt wie sein Vorgänger.

Aber auch er kann sich sehen lassen. Mehr sogar! Denn rein stilistisch ist er flotter umgesetzt als das an mancher Stelle leicht sperrige Original. Mag auch nicht jeder Sketch gleichermaßen zünden, der Großteil des Gezeigten ist eine Lachgarantrie. Und da sich das Medienleben der Amerikaner weiterentwickelt hat, wenn auch nicht im qualitativen Bereich, gibt es auch in einem Teil 2 noch genügend zu parodieren. Unschwer erkennbar ist der Einzug der Videokassetten in das Leben der Amerikaner. Ob als Nebensache zu Beginn im ersten Sketch mit dem unglaublich komisch agierenden Arsenio Hall, oder im Sexvideo-Sketch mit Gaststar Russ Meyer, welchen man als einen Mix der „Kentucky Fried Movie“-Sketche mit dem gefühlsechten Kino und dem Liebespaar vor der Nachrichtensendung bezeichnen könnte, sie ist dem Amerikaner wichtig geworden und stellte die Revolution ihrer Tage da. Kino für zu Hause, welch faszinierende Idee.

Mag man sich auch hauptsächlich an Medien des damaligen Zeitgeistes orientieren (sogar mit einem überraschenden und sehr witzigen Ausnahmeverweis auf das Medium Buch), mit dem Hauptfilm „Amazonen auf dem Mond“ dürfen auch Film-Klassiker wieder dran glauben. Im speziellen Fall diente in erster Linie „Cat-Women of the Moon“ als Vorbild. Was hier parodiert wird lässt sich aber auch auf viele weitere Science Fiction- und Monsterfilme der 50er Jahre anwenden. Auch wenn der über 30minütige Hauptfilm in „The Kentucky Fried Movie“ nicht gestreckt wirkte, so schaut es sich doch angenehmer, dass der „Hauptfilm“ diesmal auf die 90 Minuten Laufzeit verteilt wurde, was außerdem dem Thema Zapping zugute kommt, das in den 70er Jahren sicherlich noch nicht so extrem verbreitet war wie in den 80er Jahren.

Die Höhepunkte der Fortsetzung liegen zum einen in der Darbietung schwarzer Amerikaner ohne Seele (allen voran der grinsende Schlagersänger, der im fertigen Film immer wieder auftaucht) und der Parodie zu „Der Unsichtbare“ namens „Der Sohn des Unsichtbaren“, in welchem Ed Begley Jr., selbstverständlich in Schwarz/Weiß, einen Wissenschaftler spielen darf, der lediglich glaubt unsichtbar zu sein. Doch auch neben dieser beiden Highlights gibt es viele andere großartige Ideen zu erleben, so z.B. eine Beerdigung die zur Comedyshow umfunktioniert wurde, eine hanebüchene Erklärung um das Geheimnis Jack the Rippers, die Peinlichkeit eines Kondomkaufs und seine Folgen, ein mahnender Lehrfilm gegen unsittliches Verhalten (Vorsicht! Läuft erst nach dem ersten Abspann!), eine Doku über das Pethouse-Girl des Monats und einiges mehr.

Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Kurzfilme manchmal stark. So setzt die Parodie einer live übertragenen Gerichtsverhandlung z.B. absichtlich auf unterirdischen Humor (meiner Meinung nach auf sehr gelungene Art), der Sketch um einen Aufreißer, der Probleme mit der modernen Technik bekommt, fällt hingegen recht bieder aus. Und was der Sketch um einen Arzt, der das neu geborene Baby eines Öko-Paares nicht finden kann, im Film zu suchen hat, weiß ich aufgrund des fehlenden inhaltlichen Anschlusses nicht, beschert uns aber immerhin die aberwitzige Konfrontation zwischen einem ahnungslosem Paar und einem schäbigen Wurzelsepp.

Der Großteil folgt inszenatorisch und humoristisch jedoch dem Vorbild des ersten Teiles, für welchen John Landis für die Regie verantwortlich war. Der hat sich diesmal einige geschätzte Kollegen mit an Bord genommen, so z.B. „Gremlins“-Regisseur Joe Dante, was auch erklärt warum die Sketche so unterschiedlich ausgefallen sind. Dem Film bietet dies stilistische Abwechslung und könnte damit auch eine Erklärung dafür sein, warum sich Teil 2 trotz schwächerer Pointensetzung flotter guckt. Glücklicher Weise hat man aber auch die lahmsten Sketche entfernt, wie ein Blick auf die entfallenen Szenen auf der DVD zeigt. Die hätte ich an deren Stelle allesamt ebenfalls nicht mit reingenommen. Es ist vielleicht etwas schade um den Sketch um eine fremdsprachige Bauchrednerpuppe, aber auch dieses Highlight der entfallenen Szenen schaute sich zu langgezogen und hätte den flotten Verlauf von „Cheeseburger Film Sandwich“ (Alternativtitel) geschadet.  OFDb

22.01.2017

THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977)

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.  OFDb

24.09.2014

DREI AMIGOS! (1986)

Steve Martin war gerade mit „Solo für Zwei“ international berühmt geworden, da sollte sein nächstes Werk nach dem Kino-Erfolg aus der Feder eines Fremdautors diesmal wieder aus seiner eigenen stammen. Manch einem wird der Stummfilm-Verweis der Figur des Navin aus „Reichtum ist keine Schande“, Steve Martins Erstling, aufgefallen sein, und diese Film-Dekade scheint ihm gut zu gefallen, denn nun werden andere Aspekte aus der Zeit, bevor Kino Ton beschert bekam, verarbeitet, wenn zum Großteil auch nur zu Beginn des Streifens.

Aber selbst der ist bereits ur-komisch, wenn die Top-Komiker Chevy Chase, Martin Short und Steve Martin geradezu tuntig ihren Mann vor ihrem mächtigen Boss stehen, aufgrund des Star-Ruhms glaubend selbst einen Hauch Macht zu besitzen, um kurz darauf auf der Straße zu sitzen. Von nun an darf herzlich gelacht werden in einer Western-Komödie, die anspruchsvolleren Humor mit gnademlosen Nonsens mixt, und damit ein geradezu typisches Martin-Produkt ist. Sei es der singende Busch, der endlose Abschiedskuss eines eigentlich keuschen Mannes, der Abbruch einer romantischen Abschieds-Szene, um zu erleutern was man mit den Worten „Ich komme wieder“ meint, an tollen Ideen mangelt es hier nicht.

Auch die in „Galaxy Quest“ und „My Name is Bruce“ noch einmal auftauchende Idee von Schauspielern, die für echt gehalten werden und damit in Gefahr geraten, war seinerzeit innovativ und ein großartiger Ausgangspunkt sprudelnder Situations-Komik. Am meisten punkten freilich die drei talentierten Komiker, wobei jeder seine eigene Humor-Richtung mit einbringt und sicher auch hier und da improvisieren durfte. Aber selbst berechnende Gags, wie der Ritt durch die Wüste, wobei es zweien der drei Amigos an Wasser mangelt, während der Dritte fleißig trinkt, gurgelt und den Rest weg wirft, um den zwei Kumpels nur kurz darauf großzügig etwas von seinem Lippen-Balsam anzubieten, sind grandios pointiert und auf den jeweiligen Komiker perfekt zugeschnitten.

Während auf der einen Seite die Arroganz, Naivität und Überheblichkeit der eigentlich über wenig Talent besitzenden Schauspieler durch den Kakao gezogen wird, spart „Drei Amigos!“ auch nicht gerade an Western-Klischees auf der anderen Seite, die trotz des Schwerpunktes Komik treffsicher eingebracht sind und sicherlich auch Freunden des ernsten Western-Genres gefallen werden, so liebevoll sich hier vor dieser Filmgattung verbeugt wird. Der Ober-Bösewicht weiß dann auch gleich am meisten zu gefallen, gerade dann wenn er in absurden Situationen eingesetzt wird, z.B. wenn er sich auf prollige Männer-Art über einen Pullover als Geburtstagsgeschenk freut, so als sei dies ein richtig cooles Geschenk unter harten Kerlen.

Interessanter Weise ist „Three Amigos!“ (Originaltitel) trotz dieser Extrem-Komik keineswegs ein pausenlos Witze abfeuerndes Gag-Feuerwerk. Oftmals liegt Ruhe über den Situationen, die Komik schaltet einen Gang zurück und subtiler Humor verschmilzt mit den niemals pausierenden Albernheiten. Nie ruht Autor Martin sich auf der grundlegenden Idee aus und nimmt der Story die Zügel aus der Hand. Die Vielzahl der lauten und ruhigen Witze ordnen sich stets der Geschichte unter, weshalb die Komik trotz ihres hin und wieder anwesenden Klamauk-Gehaltes nie an Niveau verliert und nie zur Nummern-Revue verkommt wie in den meisten Schnellschuss-Werke eines Leslie Nielsen, der trauriger Weise oft mit dem Genie Steve Martin verwechselt wird.

Geht „Drei Amigos!“ einmal ruhiger vonstatten bremst der Streifen sich nie aus, hat er doch immer etwas zu erzählen, auch wenn er im Mittelteil hin und wieder wirkt als würde er sich von einem Sketch zum nächsten hangeln. Dem Film ist seine Geschichte ebenso wichtig wie seine Charaktere und die Pointensetzung der unterschiedlichsten Humorgattungen. Und an dieser liebevollen Herangehensweise erkennt man die Professionalität eines Werkes talentierter Komiker, das weit entfernt vom unteren Niveau eines zu berechnenden Studio-Projektes ist.

Schön dass Anarcho John Landis als Regisseur mit an Bord geholt werden konnte, kurz bevor er endgültig in den Mainstream-Bereich abrutschte. „Drei Amigos!“ mag nicht mehr so kaputt und wild wie seine Frühwerke sein, ebenso wie „Drei Amigos!“ mehr Normen befolgt als Steve Martins Frühwerke wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“, aber ihre Western-Komödie ist noch Grenzen einreißend genug und besitzt genug Charakter um sich vom Massengeschmack deutlich genug zu distanzieren.  OFDb

10.03.2013

SCHLOCK - DAS BANANENMONSTER (1973)

Viele Menschen sterben. An den Tatorten finden sich allerhand Bananenschalen. Kaum nachdem ein Wissenschaftler im TV seine Theorie darüber geäußert hat, dass es sich bei dem Killer nicht um einen Menschen sondern um das Zwischenglied zwischen ihm und dem Affen handelt, da erscheint es auch schon und erkundet mordend die Stadt... 
 
Der Affe entstand vor der Tomate...
 
„Angriff der Killertomaten“ ist ein lustiger, provozierender Film, der die Medien seiner Zeit, das Genre Tier-Horror und all das was den Amis heilig war mit Anarcho-Humor angereichert herumalbernd aufs Korn nimmt. Nach Sichten von „Schlock - Das Bananenmonster“ war ich allerdings überrascht genau die selbe Rezeptur in einem Film zu sichten, der 5 Jahre vor De Bellos Tomaten-Komödie erschien und zumindest zu seiner Entstehungszeit unter Jugendlichen ebenso beliebt war wie Brooks „Frankenstein Junior“.

Von all diesen drei Filmen (wobei sich „Frankenstein Junior“ von den anderen beiden stilistisch und vom Humor stark unterscheidet) ist „Schlock“ (Originaltitel) in unseren Breitengraden das unbekannteste Werk, vielleicht weil die Idee von Killertomaten einfach extremer klingt und sowohl Frankenstein als auch Mel Brooks bekannte Namen im cineastischen Bereich sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass „Schlock“ der schwächste dieser drei Filme ist, was er in meinen Augen als eine Art Vorreiter dieser Art Komödien auch ruhig sein darf.

Immerhin brachte diese Welle albernen Anarcho-Humors neben den eben erwähnten Streifen auch Werke wie „Kentucky Fried Movie“ hervor, welcher sich der Idee des eher schwachen „Big Gäg - Movie Station“ annahm und sie verbesserte. Es war eine Welle von Komödien, die ihr Zielpublikum hauptsächlich unter den Jugendlichen fanden, einer Jugend, die noch immer im Zeichen der 60er Jahre-Rebellion stand und alles Konservative bekämpfte. Was in den 80er Jahren mit „Police Academy“ und „Die Killertomaten schlagen zurück“ seinen Anarchogehalt verlor und dem Mainstream zum Fressen zugeworfen wurde (etwa zur selben Zeit wie der Rock‘n Roll), war zur Entstehungszeit von „Schlock“ noch so rebellisch wie albern, und daher unverkrampft und genießbar.

Regisseur John Landis, der Berühmtheit über solche Hits wie „Blues Brothers“, „Kentucky Fried Movie“, „American Werewolf“ und „Der Prinz aus Zamunda“ erlangte, lieferte mit diesem fast auf Amateurfilm-Niveau gedrehten Streifen sein Regie-Debut ab und steckt sogar höchst persönlich im Affenkostüm, womit er somit gleich auch die Hauptrolle eines Streifens verkörpert, in welchen es sonst so etwas wie Hauptfiguren nicht wirklich gibt.

Von einer kleinen Schar bekloppter Figuren bedient sich Landis immer an jener, die er gerade benötigt in einem Plot, der eher von Situation zu Situation springt, anstatt eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Dank der wirklich vielen gelungenen Gags, die meist dem Bereich des Klamauks zuzuordnen sind, geht das auch vollkommen in Ordnung, auch wenn ich sagen muss, dass nach der ersten schwungvollen halben Stunde ab und an Stillstand herrscht, bevor es mit gleichem Tempo wie zuvor weiter geht.

Dass Landis sich nur wenige Jahre nach der großen Monsterfilmwelle in amerikanischen Autokinos einen Affen als zentrale Figur wählte, kommt sicher nicht von ungefähr, war „King Kong“ doch noch immer eine Berühmtheit, die Flower Power-Welle noch nicht ganz abgebrochen und das Tier somit auch eine tolle Gelegenheit den Hippie auf entfremdete Art darzustellen, und außerdem ließ sich Landis wohl von „Schlacht um den Planet der Affen“, dem letzten Kinofilm dieser berühmten Science Fiction-Reihe, inspirieren, in welchem er im selben Jahr wie "Schlock" immerhin in einer kleinen Rolle mitwirkte.

Natürlich ist die olle Schlock-Maske inmitten von Anarcho-Humor und einer Amateurfilm-nahen Umsetzung nicht so professionell gestaltet wie die Masken der „Planet der Affen“-Reihe, aber das Vieh weiß zu wirken. Landis schien sich bewusst zu sein wie wichtig es ist das Zwischenglied zwischen Mensch und Affe in der richtigen Körperhaltung zu spielen und aus dem richtigen Blickwinkel gucken zu lassen, da war es schon die richtige Entscheidung selbst in das Kostüm zu schlüpfen. Manche Szene wird einzig über die Mimik des Schlocks lustig, z.B. wenn Schlock sich zu einem Musiker ans Klavier setzt und musikalisch loslegt, oder wenn das Tier verwundert vor einem Automaten steht, aus welchem sich Menschen stets Lebensmittel heraus holen können, Schlock jedoch nicht.

Schön ist es zudem mit anzusehen, wie „Schlock“ humoristisch in jede Richtung austeilt. Da werden die Extremen der „heile Welt und alle sollen sich lieben“-Flower Power-Welle ebenso verarscht wie die Institutionen wie Medien und Polizei, die selbiges mit den Bürgern taten. Gleichzeitig kritisiert man auf höchst alberne Art die Schwäche des Amis sich in andere nicht hineinversetzen zu können und Andersartige auszugrenzen. Denn die gelebten Aggressionen Schlocks gehören nun einmal zu seiner Natur und meist will er nur in Ruhe gelassen werden. Hin und wieder zeigt Landis zur Unterstreichung hierfür auch den liebevollen Umgang Schlocks mit Kindern.

Eine solche Szene ist nur eine unter vielen, die Landis nutzt um auch berühmte Werke des Kinos zu zitieren und zu veralbern. Neben dem recht häufig herauszuerkennenden „Frankenstein“ aus den 30er Jahren findet sich z.B. auch ein Verweis auf „2001 - Odyssee im Weltraum“. In einer augenzwinkernden Kino im Kino-Szene, eine Sequenz in welcher nicht nur diesbezüglich Überschneidungen stattfinden, darf man zudem Originalaufnahmen aus „Blob - Schrecken ohne Namen“ und anderen Klassikern sichten. Schön dass ausgerechnet in jenem Moment, in welchem Schicksale wie das von Schlock empathisch in einem Film besprochen werden, es dem Primaten zu langweilig wird, und er das Kino aufgrund mangelnder Action verlässt. Das bietet sich in der heutigen Kinokultur eigentlich noch mehr zum parodieren an als damals.

Wie dem auch sei, „Schlock - Das Bananenmonster“ ist lustig und ähnlich gut wie der treffsichere „Angriff der Killertomaten“. Allerdings ist „Schlock“ wesentlich früher erschienen und nimmt vieles vom bekannteren Independent-Film vorweg. Vielleicht muss man „Schlock“ zu seiner Zeit gesichtet haben, um ihn fair beurteilen zu können. Aufgrund diverser Leerläufe in Kombination mit seiner Episodenhaftigkeit weiß er heutzutage aber nur eher angenehm routiniert zu unterhalten.  OFDb