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03.09.2022

SPIEL OHNE REGELN (2005)

"Spiel ohne Regeln" ist die zweite Neuverfilmung des 31 Jahre zuvor entstandenen "Die Kampfmaschine", in dem damals Burt Reynolds die Hauptrolle übernahm, der hier eine größere Nebenrolle beschert bekam. Ich kenne das Original nicht, letztendlich haben wir es bei einer Komödie mit Adam Sandler in der Regel aber ohnehin mit einem Adam Sandler-Film als eine Art eigenes Unter-Genre der Komödie zu tun. Und wer sich mit diesem Komiker auskennt, der weiß wie wechselhaft die Ergebnisse sind, allein schon weil der gute Mann es mit unangebrachter Provo-Komik gern übertreibt. Dass man eine solche erwarten muss in einem Plot rund um Proleten aus dem Knast, die ein Footballspiel vorbereiten, um die Wärter mal ordentlich verletzen zu können, liegt in der Natur der Sache, kann man "The Longest Yard" (Originaltitel) also nicht wirklich vorwerfen, erreicht aber trotzdem gelegentlich grenzwertige Momente. Insgesamt kann man aber eher von einer gelungenen Komödie sprechen, mangelt es ihr doch nicht an humoristischen Ideen, am Zelebrieren von Knast- und Sportklischees und besitzt sie doch das Herz am rechten Fleck - und dies zum Glück ohne Sandlers zweites häufiges Störelement, des arg braven, zu anbiedernden politisch korrekten Blickwinkels. 

Freilich findet auch diese temporeiche Feel Good-Komödie zu ihrem obligatorischen Happy End, Gut und Böse werden nicht näher hinterfragt und bekommen was sie verdienen, aber das mutet nicht moralinsauer an, fühlt sich höchstes etwas zu routiniert an, so oft wie US-Filme dieser Rezeptur folgen. Sandler zeigt sich diesmal von jener Seite, deretwegen man es immer wieder mit seinen Beiträgen versucht, denn wenn er will kann er wirklich lustig sein, und das ist er hier. Den Film alleine stemmen muss er aber ohnehin nicht, denn allein die Besetzung auf der Knastie-Seite ist gleich mehrere Blicke wert, da können die Knastangestellten zwar nicht mithalten, aber auch auf deren Seite gibt es manch treffsichere Besetzung zu sichten, den Direktor eingeschlossen (kicher, welch herrliches Wortspiel). Etwas weniger Pseudo-Grenzüberschreitung im guten Geschmack und mancher Running Gag nicht bis zum Erbrechen fortgeführt (der harte Spieler, welcher unwissend weibliche Hormone zu sich nimmt, der Gefangene, der nicht zu seiner schwulen Seite steht, oder die Cheerleader der Vollzugsanstalt) und "Spiel ohne Regeln" könnte als so richtig gelungen betrachtet werden. Aber diese Fehler plus das extreme Hangeln am Erzählstandard machen aus dem wunderbaren Menschenmaterial dann doch nur die kleine, sympathische Komödie für zwischendurch. Aber wie einer der Spieler gegen Ende zeigen darf, muss es ohnehin nicht immer der große Wurf sein, der zu einem positiven Ergebnis führt.  OFDb

15.07.2016

DER CHAOS-DAD (2012)

Einen Innovationspreis wird „Der Chaos-Dad“, wie „That‘s My Boy“ unangenehmer Weise im Deutschen heißt, sicherlich nicht gewinnen, ist er in seiner kompletten Art doch eine typische Adam Sandler-Komödie, für die man den Komiker entweder liebt oder hasst, oder wie ich die Schultern zuckt und weiter in seinem Repertoir stöbert. Die Geschichte folgt dem ganz typischen Muster eines Handlungsablaufs aus dem Lehrbuch, und Sandler-typisch wird dabei das konservative Weltbild welches der Komiker zelebriert mit gesellschaftlichen Provokationen gemischt, freilich nur um das Individuum zu preisen und gegen Angepasstheit zu wettern. Dass Sandlers Weltbild die Angepasstheit 2.0 ist, quasi der alternative Mainstream, scheint ihm nicht klar zu sein, ist aber eigentlich auch egal, denn sein Blick auf die Welt ist lieb gemeint, und von einem Sozialromantiker kann man nicht zwingend eine psychologisch greifbare Empathie erwarten.

Genau die steht dem Gelingen von „Der Chaos-Dad“, wie so oft bei Sandler-Filmen, im Weg. Die Moral steht stets im Widerspruch zu den provokativen bis ekligen und peinlichen Lebenseinstellungen des Anti-Helden. Wie schon in „Leg Dich nicht mit Zohan an“ soll man mit einem Mann sympathisieren, der mit jedem fickt, egal wie greis diese Person ist. Da es diesmal nicht um eine Love Story geht, kann man dies als nett gemeinten, aber übel mitzuerlebenden, Ausrutscher abbuchen, schließlich soll diesmal nur der Sohn von seinem Stock im Arsch befreit werden. Und die Sandler-Therapie dorthin wird wie üblich mit dem Holzhammer präsentiert.

Freilich weiß Donny gar nicht so genau was er da tut, vertraut nur auf seinen Instinkt und seine Überzeugungen. Das weiß Sandler gut in sein Spiel einzubauen. Ohnehin hat er der Schauspieler den Dreh raus seiner Rolle den richtigen Mix aus Versager, ehemaliger Held und Typ mit gutem Herzen zu verleihen. Und all zu streng geht mit „Donny‘s Boy“ (Alternativtitel) nur jener um, der die wild zusammengewürfelte Story, die fast keine ist, auch nur halbwegs ernst nehmen kann. Die Geschehnisse werden fast bis zur Groteske hochgeschaukelt, was Sean Anders Regie-Arbeit nun kein verstecktes Niveau beschert, dafür bleibt der Streifen zu sehr geistfreier Mainstream, aber er sorgt für die nötige Distanz das Geschehen samt seiner lustigen Ideen einfach geistfrei auf sich wirken zu lassen.

Selten wie hier konnte man in einer Sandler-Komödie die fehlerhafte Psychologie und das etwas fragwürdige Weltbild des Komikers derart ignorieren wie hier. Denn hier zählen nur die einzelnen Momente und nicht die Gesamtstory, und neben allerlei grenzwertigen Situationen und Ideen, die besser nie den Weg auf die Leinwand gefunden hätten, gibt es auch allerhand lustige, charmante und amüsante Sachen zu erleben. Was das im einzelnen ist, wird jeder anders sehen, da hat jeder seine ganz individuellen Grenzen in Sachen Humor und Scham. Für viele wird sicherlich Vanilla Ice zu den positiven Elementen zählen. Der beweist, dass er über sich selber lachen kann (oder mittlerweile einfach alles für Geld macht, keine Ahnung), hält aber meist für die infantilsten Witze her, weswegen er für mich persönlich nicht dazu zählt.

Interessant ist es, dass es Regisseur Anders, der auch für „Spritztour“ und „Kill the Boss 2“ verantwortlich war, es schafft trotz all der Tritte in die Eier der Wohlfühlzone des Zuschauers eine Komödie zu schaffen, deren emotionale Momente meist sogar zu wirken wissen, wenn auch häufig in Kitsch badend. Zwar erweist sich das Drehbuch, wie typisch für einen Sandler-Film, als absolut unsensibel wenn es um den charakterlichen Wandel von Personen geht, da wird der Schalter gern urplötzlich von Schwarz auf Weiß geschaltet, ohne dass der Zuschauer weiß wie ihm geschieht, aber der Film weiß, auch durch die stets vorhandene Rest-Sympathie Sandlers, das Herz am rechten Fleck zu vermitteln, uns an emotionalen Situationen teilhaben zu lassen, und gerade die Momente, in denen Donnys Sohn tatsächlich einmal anfängt unverkrampft zu leben, auch als großartig und lebensbejahend zu vermitteln, so dass man am liebsten gleich mit in das Partygeschehen einsteigen würde.

Durch die gnadenlose Übertreibung des Sandler-Humors bleiben freilich alle Darsteller unter ihrem Niveau. So tut es fast schon weh Schauspiel-Legende James Caan in solch infantilem Klamauk zu erleben. Aber irgendwie verzeiht man Sandler meist ja doch wieder, zumindest wenn man keiner dieser festgepolten Sandler-Hasser ist, die es allerhand zu geben scheint. Sicherlich kann ich verstehen was es an diesem Mann nicht zu mögen gibt, aber vollkommen in die Kacke wie bei „Kindsköpfe“ und „Billy Madison“ haut er eigentlich selten. Meist sind seine Werke ja doch noch akzeptables Mittelmaß oder sogar unterhaltsame Routine. Und „I Hate You, Dad“ (Alternativtitel) schafft es wie durch ein Wunder gerade noch in letztgenannte Kategorie zu rutschen. Aber das war mal wieder haarscharf.  OFDb

25.05.2015

DARK LEGENDS - NEUGIER KANN TÖDLICH SEIN (2009)

Mit seiner Erfolgsfirma Happy Madison erlebt Adam Sandler einen großen, ungebrochenen Erfolg auf dem Komödienmarkt. Also wollte er es auch mal im Horrorbereich versuchen und produzierte unter der Sub-Firma Scary Madison „The Shortcut“, der bei uns als „Dark Legends - Neugier kann tödlich sein“ auf dem DVD-Markt erschien. Sandlers Komödien sind eher routiniert, teilweise erschreckend überraschungsfrei umgesetzt. Deswegen habe ich mich nach dem Lesen seines Namens im Vorspann auch im Horrorbereich direkt auf Durchschnittsunterhaltung eingestellt. Und das war kein Fehler.

Allerhand Rückblicke verraten uns mehr über kommende Ereignisse als es dem Spannungsbogen der Geschichte gut tut. Trotzdem schafft es Regisseur Nicholaus Goossen, der für Sandler einst die schrecklich debile Komödie „Grandma‘s Boy“ inszeniert hat, sowohl einen angenehmen Spannungsbogen zu kreieren, als auch das zu viele Wissen in die Erwartungshaltung des Zuschauers einfließen zu lassen. Zu wissen was man weiß ist teilweise beunruhigender, als wenn man das Publikum komplett im Dunkeln gelassen hätte. Im Horrorbereich schlägt sich Goossen somit wackerer als in dem der Komödie, auch wenn wir hier lediglich von einem zahmen Teenie-Horror sprechen.

Dieser orientiert sich komplett an das Teeniealter der Protagonisten, was ich nicht nur auf den Inhalt beziehe, sondern auch auf die Art der Inszenierung. Der Spannungsgehalt den Goossen erreicht erschafft er nicht aus Grusel, sondern eher aus abenteuerlichen Situationen, wie man sie selbst aus seiner Jugend kennt. Das heimliche Betreten eines Grundstücks auf das man nicht darf, verbotene Gebäude des Nachts betreten (zu meiner Zeit waren es Baustellen die wir unter Herzklopfen untersuchten), das weiß allein schon durch die Jugendperspektive zu wirken. Dass man noch mehr angespannt ist als einst als Kind liegt freilich daran dass man weiß, dass man gerade einen Horrorfilm sichtet. Trotzdem wäre der Horrorpart der Geschichte fast nicht nötig gewesen.

Die Figuren gewinnen ebenso wenig einen Innovationspreis wie die Geschichte, aber auch hier braucht man nicht all zu kritisch sein, guckt sich „Dark Legends“ (Alternativtitel) allein schon deshalb halbwegs erfrischend, weil die Art wie die stereotype Figurenkonstellation zueinander findet frei von Klischees ist. In einem Meer an Veröffentlichungen gleichem Genres sind es manchmal die Kleinigkeiten die es ausmachen können ob ein Film routiniert langweilig oder routiniert unterhaltsam ist.

Trotz inhaltlicher Einfallslosigkeit ist dieser kleine Film Letzteres geworden. Damit wird er zwar keine Empfehlung, kann von Vielguckern des Genres, die nicht nur die harte Horrorkost benötigen, aber ruhig mal geschaut werden. „Stand By Me“ stößt auf Luessenhops „Texas Chainsaw“ ohne dass „Dark Legends" einem von beiden auch nur ansatzweise das Wasser reichen könnte. Anspruchslose Kurzweile hat Goossens Genre-Beitrag trotzdem bereitet. Lediglich der Schluss enttäuscht, wird aber durch eine finale schwarzhumorige Pointe ein wenig aufgefangen.  OFDb

30.05.2013

50 ERSTE DATES (2004)

Endlich trifft Tierarzt Henry Roth die Liebe seines Lebens, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Lucy leidet seit einem Unfall daran kein Kurzzeitgedächtnis mehr zu besitzen und die kann sich schon einen Tag später nicht mehr an Henry erinnern. Der nimmt die Herausforderung an und versucht Lucys Herz jeden Tag aufs neue zu erobern, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Zunächst sieht Lucys Vater das gar nicht gerne...
 
50 blöde Fehler...
 
Manchmal möchte man sich Adam Sandler einfach greifen um ihm mal ein paar Ohrfeigen zu verpassen, so ärgerlich sind manche Negativpunkte an Filmen mit seiner Beteiligung, die eigentlich gelungene Werke sein könnten. Ganz vorne an bei dieser Art Ärgernis steht „50 erste Dates“, der eine wunderbare romantische Komödie sein könnte, angereichert mit Elementen aus so wunderbaren Filmen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Vergiss mein nicht“, und der auf völlig unerklärliche Weise einen Humor beherbergt, der im Film eigentlich nichts zu suchen hat.

Neben der Vermenschlichung von Tieren, über die man noch gnädig hinwegsehen kann, da der Held Tierarzt ist und der Film ohnehin eine blauäugige Hollywood-Geschichte erzählen möchte, tauchen Figuren im fertigen Film auf, die weder für die Geschichte wichtig sind, noch die Atmosphäre des Streifens zu unterstützen wissen. Ein alter Opa in einem Restaurant sitzt herum um ständig abfällige Bemerkungen der unkreativen Art zu machen. Eine russische Gehilfin des Tierarztes steht nur für untersten Humor und der beste Freund des Helden bietet neben manch halbwegs nettem Gag immer wieder Fremdschämen, fast im Stil des eben erwähnten Opas.

Richtig unangenehm wird es, wenn Gast-Star Dan Aykroyd hin und wieder auftaucht, einst ein Meilenstein im US-Komikerangebot und Meister der Improvisation. Der ist sich mittlerweile für nichts mehr zu schade und darf nach einem gelungenen ersten Auftritt ein weiteres Mal vorbeischneien, um ähnlich schlechte Sprüche von sich zu geben wie die anderen drei Figuren des Filmes. Nimmt man nun noch ein kotzendes Walross dazu und den krampfhaften Versuch schräge Figuren wie einen Transsexuellen für einige Sekunden mit in die Story zu integrieren, lediglich um sie als Freakshow wirken zu lassen, dann könnte man dem Film voreilig den Zettel an den Zeh hängen und urteilen, der Patient sei am verfehlten Rezept verstorben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Was sich in den ersten 5 Minuten fast komplett unangenehm guckt erfährt dann eine positive Wende, wenn Drew Barrymore mit ihrer Rolle Lucy ins Spiel kommt, und die Geschichte sowohl jede Menge Pfiff als auch ein süßes Gesicht beschert bekommt. Im ernst, welcher Mann fühlt sich nicht von dieser wunderschönen Frau angezogen, und selten sah die gute Drew süßer aus als im hier besprochenen Film, der diesbezüglich nur noch von „Mitten ins Herz“ getoppt wird. Zudem ist sie eine gute Schauspelerin, und im gemeinsamen Spiel mit ihr kommen auch wieder Sandlers positive Seiten ans Licht, der, wenn er denn mal will, ebenfalls gar nicht so schlecht spielen kann. Zu schade dass er sein Potential nur selten offenbart.

Inmitten der eben erwähnten Negativpunkte der besonders aufdringlichen Art, schafft es Regisseur Segal tatsächlich, dass der romantische Teil der Geschichte aufblüht, so immens weiß das Paar vor der Kamera zu wirken und so stark ist die Geschichte, welche die beiden erleben. Klar, Realität wird hierbei ausgeblendet, aber „50 erste Dates“ soll eine RomCom sein, ein Film zum Träumen, und würden die anfänglich aufgezählten Alptraumsequenzen einen nicht immer wieder hochschrecken lassen, könnte der Film auch genau dies leisten.

Die ohnehin schon gute Geschichte erfährt immer wieder einige interessante Wendungen, die weder humoristische noch dramatische Seiten umgehen. Ohnehin ist es dem Film hoch anzurechnen, dass seine dramatischen Szenen so intensiv zu funktionieren wissen, wohingegen die humoristischen häufig, auch in ihren guten Momenten, sicherlich Geschmackssache bleiben. So würde manch einer sicherlich auch den Bruder Lucys zu den Negativpunkten zu Beginn der Review mit aufzählen, wohingegen ich ihn auf geglückte Art als absichtlich stillos empfinde. Und dank einer deutschen Lispelstimme ist auch die Vertonung in Sachen Humorwirkung auf seiner Seite.

Die Komik, die mit der Geschichte automatisch einhergeht, ist zudem Selbstläufer, kann also nur funktionieren und dürfte phasenweise auch beim völlig enttäuschten Publikum ankommen. Auf dem Regiestuhl sitzt ohnehin kein völlig untalentierter Mann. Peter Segal durfte schon mit seinem ersten Langfilm „Die nackte Kanone 33 1/3“ beweisen was er drauf hat, trat er mit dieser Fortsetzung doch in große Fußstapfen großer Erwartungshaltung und lieferte er doch eine recht gute Arbeit mit einem längst verschlissenen Leslie Nielsen ab. Während sein erstes Projekt mit Sandler, „Die Wutprobe“, eher negativer Natur war, weiß „50 erste Dates“ zumindest recht gut zu unterhalten, selbst mit den angesprochenen dominanten Negativseiten. Eine richtig gute Arbeit sollten beide zusammen als Team aber erst mit „Spiel ohne Regeln“ abliefern. Mit diesem endete die Zusammenarbeit mit Sandler auch leider schon. Das ist schon schade, hätte ich mir persönlich doch eher gewünscht Sandler hätte sich mal von seinem Hausregisseur Dennis Dugan getrennt. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Und genau dies lässt „50 erste Dates“ den Freund romantischer Filme immer wieder spüren. Klar kommt dieser Aspekt auch in der Hauptgeschichte herüber, aber selbstverständlich spiele ich wieder auf den Bereich an, über den ich schon seit Beginn der Review nörgle, und wer den Film gesichtet hat wird sicherlich wissen, dass ich damit nicht einmal übertreibe. Zu gerne würde ich eine Art Director‘s Cut sichten, in welcher etwa 5 Minuten Laufzeit fehlen, besagte Figuren und Szenen nicht mehr auftauchen, um am Ende einen Film zu haben, den man am liebsten freundschaftlich drücken möchte, so gut ist das Gefühl dass er einem hinterlässt, selbst mit seiner gewagten Schlussidee, welche die Phantasie des Zuschauers einige Zeit zu beschäftigen weiß.

Sicherlich könnte man sich auch eine Neuverfilmung wünschen, aber dann wäre ja die Besetzung eine andere, und von dieser lebt „50 erste Dates“ dann doch zu sehr, als dass man die wichtigsten Personen da mal eben ausgetauscht bekäme. Leider bleibt dem interessierten Cineasten also nichts weiter übrig als weiterhin in den sauren Apfel zu beißen, um diese zuckersüße, sehenswerte Liebesgeschichte konsumieren zu können. So unangenehm der Beigeschmack auch ist, ich stelle mich alle paar Jahre immer wieder dieser Herausforderung, weil ich weiß wie sehr es sich für die eigentliche Geschichte lohnt.  OFDb

19.05.2013

JACK UND JILL (2011)

Jack empfindet seine Zwillingsschwester Jill als äußerst unangenehm. Bei ihrem jährlichen Besuch zum Erntedankfest verkündet sie, dass sie diesmal länger bleibt. Dies wird zur Bewährungsprobe Jacks, die er jedoch durchsteht, da sich Al Pacino für Jill interessiert, den der Werbefachmann gerne für einen Spot gewinnen würde...
 
Der doppelte Sandler...
 
Stars üben sich gerne mal in Doppelrollen, das ist schön und gut und weiß auch meist zu gefallen. Männliche Stars üben sich aber auch gerne mal im Wechsel des Geschlechts, und solche Filme gehen meist nach hinten los. Peter Alexander wirkte bei diesen Versuchen ebenso peinlich wie Robin Williams und Ilja Richter, und diesmal wagt es ausgerechnet Adam Sandler, jener Komiker, dessen Filme man ohnehin schon kritisch beäugt, so unterschiedlich wie sie ausfallen.

Der Mann hat in guten Filmen gespielt, z.B. in „Eine Hochzeit zum Verlieben“, „50 erste Dates“ und „Spiel ohne Regeln“. Gerne sind seine Filme auch Wackelkandidaten, die sich eher anstrengend als belustigend gucken, so wie „Chuck und Larry“, „Die Wutprobe“ und „Leg Dich nicht mit Zohan an“. Leider gehört der gar nicht mal so untalentierte Mann aber auch zu jener Gattung Filmschaffender, die eine hohe Quote an ungenießbaren Stoffen abliefern, so z.B. „Kindsköpfe“, „Mr. Deeds“ und „Billy Madison“. Da darf man schon kritisch werden, wenn jemand mit so unterschiedlich qualitativen Arbeiten eine Frau mimt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Sandler-Filme, auch die gelungenen, fast immer an den selben Störfaktoren kranken: der Schmalz und die Moral. Genau Letztgenanntes wird zum Hauptproblem, wird doch diese Moral aus der von Sandler zelebrierten und immer wieder glorifizierten Political Correctness geerntet und ist damit fragwürdiger Natur, was auch in „Jack und Jill“ der Fall ist, und allein im Finale ein überdeutlicher Vertreter dessen ist, was an diesem Weg falsch, bzw. verlogen ist.

Jill ist ein Trampel, hat es aufgrund ihrer Art im Leben immer sehr schwer gehabt, während ihr Bruder Jack bei allen Menschen gut ankam. Allerdings wird Jill in einer Extreme dargestellt, die sie nicht mehr zum reinen Opfer macht. Vieles an ihrer Lage ist selbstverschuldet, bemüht sie sich doch nicht um Bildung und Empathie, kümmert sich nicht einen Hauch um Stil und Körperpflege, kurzum: das kann man nicht alles gut heißen, wenn kein Wille zur Besserung vorhanden ist.

Den von der Arbeitswelt gestressten und zu Recht von Jill genervten Jack stellt man als reizbaren Egoisten dar, der er sicherlich auch ist, nur dass seine negativen Seiten als schlecht angesehen werden und kuriert werden müssen, wohingegen Jill nach politisch korrektem Sandler-Konzept bleiben darf wie sie ist, denn Nettigkeit ersetzt ja jedes Makel. Ihre Form von Egoismus darf erhalten bleiben, Jack muss sich wandeln, und so sind am Ende des Films alle glücklich, alle außer jene Zuschauer, die ein Sozialempfinden und ein Verständnis für Psychologie haben. Die dürfen sich zurecht verarscht vorkommen und grübeln welch zweifelhafte Richtung im amerikanischen Kino propagiert wird.

Und mittendrin erleben wir Al Pacino in einem Film, der weit unter seiner Würde ist. Aber Al ist es auch der dem Werk die nötige Note beschert um wenigstens nicht genervt frühzeitig auszuschalten. Zwar ist seine Zuneigung zu Jill nicht gerade glaubwürdig herausgearbeitet, aber die Art und Weise mit welcher er sich als selbstverliebter Star selbst verarscht hat schon seine guten Momente. Zu denen zählen im übrigen auch der finale Werbespot, der Al absichtlich von einer völlig würdelosen Seite zeigt und nach Ende der Reklame in einem guten Schluss-Gag mündet.

Auch Sandler ist nicht völlig fehl am Platz. Seine Rolle als Jack kennen wir zu genüge aus „Klick“ und Co, aber seine Jill hat einige wenige überraschend geglückte Momente. Davon hätte es mehr gegeben, wenn der Film nicht so penetrant Jill-fixiert wäre und das Drehbuch mehr gelungene Gags um sie herumwehen lassen würde. Aber wirksame Witze kann man in „Jack und Jill“ ohnehin an einer Hand abzählen. Zu den gelungenen zählt definitiv die Suche nach einem geeigneten Kleid, wenn Jack seine Schwester imitieren muss.

Sandler-Fans, die alles fressen und nicht verstehen was an seiner ewig gepredigten Moral falsch sein soll, werden sicherlich bestens unterhalten. Und ein wirklicher Rohrkrepierer ist der Film auch nicht geworden. Aber um zu gefallen ist „Jack und Jill“ einfach zu anstrengend ausgefallen. Mit Blick auf den Hausregisseur Sandlers, Dennis Dugan, braucht das jedoch nicht mehr verwundern. Außer „Happy Gilmore“ hat er noch keinen einzigen kompromisslos unterhaltsamen Film abgeliefert, zumindest keinen den ich kenne.  OFDb

04.11.2012

KINDSKÖPFE (2010)

Zur Beerdigung ihres damaligen Trainers, treffen sich die mittlerweile erwachsen gewordenen Mitspieler einer Kinder-Footballmannschaft und verbringen mit ihren Familien ein gemeinsames Wochenende voll chaotischer Situationen...

Übernommen...
 
„Kindsköpfe“ erzählt keinerlei Geschichte, begleitet lediglich einen bunten Haufen verschiedener Charaktere durch ein Wochenende voller Nichtigkeiten, meist aus Auseinandersetzungen bestehend. Dabei soll es witzig und emotional zugleich zugehen. Man möchte auf menschlicher Ebene den Alltag mit seinen Tücken, verdrängten Wünschen, Enttäuschungen und dem Wiederentdecken vergessener oder verdrängter Werte arbeiten. Eben so, wie es in den 80er Jahren „Eine Wahnsinnsfamilie“ schaffte, ein Film in dem neben jeder Menge Prominenz auch Dennis Dugan mitspielte, Regisseur von „Kindsköpfe“.

Für sein aktuelles Werk „Grown Ups“ (Originaltitel) musste er jedoch in die Welt des Adam Sandler abtauchen, jenem Mann der die Hauptrolleübernahm und dem das Produktions-Studio Happy Madison gehört. Dugan war diese Welt nicht neu, drehte er doch schon bereits „Chuck und Larry“ und „Leg Dich nicht mit Zohan an“. Mit Sandler drehte er noch vor dessen Firmengründung „Happy Gilmore“, einer von zwei Filmen, die für die Namensgebung von Sandlers Firma Pate standen.

Dass Sandler gerade wen so Verbündetes für die Regie von „Kindsköpfe“ engagierte, verwundert mit Blick auf die Besetzung nicht. Die meisten sind alte Bekannte im Sandler-Universum, und wer nicht, arbeitete zumindest auf ähnlichem Niveau. „King Of Queens“-Doug Kevin James drehte mit Sandler und Dugan bereits „Chuck und Larry“, Rob Schneider bekam neben kleineren Auftritten in „Chuck und Larry“ und „Leg Dich nicht mit Zohan an“ auch mal eine Hauptrolle in „Animal - Das Tier im Manne“, ebenfalls eine Happy Madison-Produktion. Chris Rock hatte zumindest schon mal einen Gastauftritt als Taxifahrer in „Leg Dich nicht mit Zohan an“, und David Spade drehte früher viel mit dem mittlerweile verstorbenen Komiker Chris Farley, wenn auch nicht „Beverly Hills Ninja“, jenen Film, den Regisseur Dugan mit Farley realisierte.

Letztendlich sind alle Teilnehmer irgendwie miteinander verwoben, und das ist eigentlich ein guter Zustand, wenn man einen Film wie „Eine Wahnsinnsfamilie“ drehen möchte. Dass das Ergebnis nichts taugt, mag sich aber schon daran zeigen, dass in meiner Aufzählung der Beteiligten lediglich die Männer erwähnt werden. Ja, es machen viele Frauen mit, aber die sind nur Stichwortgeber oder Schauwert (ob im sexuellen oder widerlichen Sinne). Sie dienen dem abartigen Extremklamauk (der diesmal immerhin den Fäkalbereich umgeht) und der dicken Dosis Schmalz, wie sie geradezu typisch für eine Sandler-Produktion ist.

Ich mag einige Filme dieses Komikers, aber selbst in seinen besseren Werken kann man immer wieder entdecken, dass es diese zwei Faktoren „abartiger Humor“ („50 erste Dates“) und „Überdosis Schmalz“ („Klick“) ist, der an ihrem theoretisch gutem Ergebnis nagt. Was an seinen Produktionen und ganz besonders an „Kindsköpfe“ so verwundert, ist der eigentlich nicht kompatible Mix aus dick aufgetragener politischer Korrektheit und dem sich lustig machen über Minderheiten.

Letztgenanntes findet seine Grundlage in der Verkrampftheit eines biederen oder unsicheren Charakters. Man muss schon einen weltfremden Wahrnehmungssinn haben, um „überrascht“ darüber zu lachen, dass eine Oma furzt, eine alte Frau noch sexuelle Bedürfnisse hat und ein hässlicher Mann auch sexy Töchter haben kann, die wiederum eine hässliche Schwester haben. Wirklich lustig ist das nicht, und auf dem Niveau kann freilich auch nicht das oben beschriebene Ziel eines „Eine Wahnsinnsfamilie“ erreicht werden. Dafür sind die Gags nicht nur zu primitiv, sondern schlichtweg zu fern der Realität.

Wie will man ein ehrliches Spiegelbild an Gefühlen und Verwobenheiten einer aus unterschiedlichsten Charakteren bestehenden Gemeinschaft kreieren, wenn man diese in eine Klischee-Welt taucht, wie es sie nur im Kino gibt? Glaubt Sandler ernsthaft seine Filme würden die Realität streifen? Glaubt er wirklich die Problembewältigung, die in „Kindsköpfe“ stattfindet, würde den Durchschnittsmenschen beschäftigen? Wäre die emotionale Schlussphase des Streifens nicht, könnte man meinen, Sandler wollte lediglich ein primitiv lustiges Nichts an Story drehen, um einmal all seine Kollegen-Freunde zu versammeln, um gemeinsam Spaß zu haben. Aber eben der längere Schluss-Teil des Ganzen zeigt doch, dass der Film mehr will. Er will etwas, für das er nie die Basis besessen hat.

Ziel verfehlt, kann man da nur sagen. Und die Rezeptur zeigt bereits, dass auch auf anderer Ebene nichts zu holen ist. James' Talent wird dafür verschwendet immer wieder auf seine Pfunde zu verweisen. Sandler darf den klugen Anführer spielen, der im Finale deutlich Minderbemittelten den Arsch versohlen darf und selbstgerecht in fragwürdigster Political Correctness ein Spiel manipuliert, damit Sieger und Verlierer auch einmal die Gegenseite ihres Dauerzustandes kennen lernen. So etwas wirkt jedoch nur in Sandlers Welt edel, denkende und soziale Menschen wenden sich angewidert ab und schütteln sich erst einmal den geistigen Ekel ab, der ihr Hirn beim Konsum des Streifens ergriffen hat.

Neben all diesen Enttäuschungen, Mängeln und Unverschämtheiten gibt es immerhin auch den ein oder anderen lustigen Spruch, der meist durch die vertraute Gemeinsamkeit der ehemaligen Football-Spieler entsteht. Der lässt einen im Meer an Schund immerhin ab und an die Mundwinkel nach oben bewegen. Aber was nutzt das noch? Der Missmut dem Film gegenüber ist einfach zu hoch, und am Ende fragt man sich noch immer was Sandler und Dugan da wohl erzählen wollten. Glaubten sie ernsthaft „Kindsköpfe“ war eine Ansammlung kleiner Erzählungen, die mit der Laufzeit miteinander verwoben werden, um am Ende ein Miniuniversum zu sein, welches das Treiben der amerikanischen Kultur wiederspiegelt?

Das Drama „Grand Canyon“ und die Tragikomödie „Eine Wahnsinnsfamilie“ erreichten dieses Ziel, boten aber auch ein Niveau, von dem Dugans Werk um Lichtjahre entfernt ist. Es muss ja nicht immer ach wie hochkulturell oder realistisch sein, das zeigt doch gerade sein „Happy Gilmore“ oder viele Sandler-Filme wie „Spiel ohne Regeln“, „Klick“ und „Little Nicky“. Diesmal hat sich der Happy Madison-Clan jedoch übernommen und in seiner eigenen Welt verlaufen, eine Welt die bereits im Trivialbereich unübersehbare Schwächen besitzt.  OFDb