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13.02.2022

MONK - STAFFEL 2 (2003)

Bis auf den veränderten Vorspann mit neuem Titellied, der von nun an die Serie erst einmal begleiten wird, hat sich nicht wirklich etwas geändert. Die Fallzahl der zu vorhersehenden Kriminalfälle ist geringer als noch in Staffel 1, ansonsten unterhält das zweite Jahr auf gleicher Qualität wie das vorangegangene und muss dank dessen Stärke bereits dort schnell zu den wiederholenden Figuren  gefunden zu haben hier nichts mehr aufarbeiten. Gefallen haben mir die relativ rar gesäten, berühmteren Gaststars. Andrew McCarthy und David Rasche erscheinen gar in der selben Folge, Rasche leider nur selten, Rainn Wilson in seiner Folge leider auch, Tim Curry und Danny Trejo tauchen in einer der wichtigsten Episoden bezüglich der durchgehenden Geschichte der Gesamtserie auf, und John Turturro darf gar den Bruder Monks spielen und gehört damit zu den Highlights der zweiten Staffel. Ich hoffe er kehrt wieder. Vielleicht übertreibt man diesmal etwas zu sehr mit den "er kann es nicht gewesen sein"-Folgen, wenn ein Theater-Mime auf der Bühne steht während eines Mordes, jemand der im Koma liegt zu Monks Hauptverdächtigen wird, oder ein Fernsehstar mit Journalisten spricht, während seine Frau stirbt, aber so ist es nicht immer, stets ist man um Abwechslung bemüht. 

Letztgenanntes Beispiel kommt aus einer Folge, welche Krimiserien aufs Korn nimmt, und damit auch die eigene, inklusive verärgerter Fans bezüglich veränderter Titelsongs. Da mir der neue auch nicht gefällt, fand ich es umso lustiger, dass der Fanatismus von Serienanhängern so wundervoll augenzwinkernd thematisiert wird. Persönlicher wird es, wenn Stottlemeyer für eine Folge erfährt wie es ist in Monks Zustand der Trauer zu leben und freilich in jener Episode, in welcher es um die Geheimnisse rund um Trudys Tod geht. Banalere Beispiele finden sich auch in jener Geschichte, in welcher Monk die Schwester Sharonas vom Mordverdacht befreien muss, oder wenn der Fall eines ertrunkenen, in der Wüste gelandeten Falschirmspringers Monk zwingt nach Mexiko zu reisen (inklusive knallharter Konsequenz darüber, dass der Titelheld nur eine spezielle Sorte Wasser trinkt). "Monk" lebt auch im zweiten Jahr aus dem gut gewichteten Mix aus Rätsel raten, lachen und mitempfinden. Immer wieder schafft es die heitere Serie große dramatische Momente entstehen zu lassen - und sei es nur durch einen schräg stehenden Wohnzimmertisch. An anderer Stelle trumpft nach wie vor das humorvolle Mitleid mit Sharona, die stets am extremsten unter den Macken des Sonderlings zu leiden hat.  OFDb

08.10.2020

THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW - LET'S DO THE TIME WARP AGAIN (2016)

Was nach einer Dokumentation der allseits beliebten "The Rocky Horror Picture Show" klingt, ist, und mag man es auch kaum glauben, eine Neuverfilmung des Kultfilms aus den 70er Jahren. In den USA anstatt in England entstanden, und dann auch noch lediglich für das TV produziert, wird das unangenehme Vorgefühl bestätigt, welches man ohnehin bereits bei dem Gedanken an ein Remake bekommt. Warum sollte man den Kult neuverfilmen? Andererseits ist der Film die Adaption eines Bühnenstücks, das nach wie vor in allerlei Ländern mit anderer Besetzung aufgeführt wird, warum also nicht auch eine neue Filmversion angehen? Dagegen spricht, dass Jim Sharmans Original ein zeitlos geratener Film ist. Mag die Aussage auch in der Entstehungszeit feststecken, aufgrund des eingegrenzten Raums und der außerirdischen Mentalität, die wir dort kennen lernen, gibt es kaum Bezug zu den 70er Jahren. Die Geschichte könnte jederzeit überall spielen. Wie auch immer, schnell wird beim Sichten klar, dass "The Rocky Horror Picture Show - Let's Do the Time Warp Again" ziemlich genau Szene für Szene, Dialog für Dialog, Textzeile für Textzeile noch einmal das nachspielt, was man bereits kennt. Als ähnliches mit "Psycho" in den 90er Jahren gemacht wurde, erntete diese Art Experiment nur ein Kopfschütteln, dabei besaß es meiner Meinung nach jedoch einen gewissen Reiz. Hier schlägt der Versuch jedoch fehl, kommt er doch zu bemüht daher. 

Sicherlich mag man es als Freund des Originals ohnehin nicht wen anders in seinen liebgewonnenen Rollen zu begegnen, aber um objektiv heran zu gehen, wollte ich mich über dieses Gefühl hinwegsetzen. Und mit Blick auf Brad und Janet schien es auch zu funktionieren, konnten sie der Original-Besetzung zwar nicht das Wasser reichen, aber zumindest fielen sie nicht negativ auf, und auch ihre Stimmen machten etwas her. Zwar entschleicht unserer Janet zeitgemäß etwas zu viel zusätzliches, selbstverliebtes Uahuaaaa in ihrem Gesang, dies aber nicht derart übertrieben zelebrierend, wie in den Charts der letzten 15 Jahre stets anzutreffen. Ohnehin hat man die Musik mit 41 Jahren Distanz zur Erstverfilmung meist nur leicht variiert, doch was verändert wurde reicht um zu enttäuschen, beweisen diese Neuansätze doch, dass man viel Nebensächliches an psychologischer Bedeutung in der alten Darbietung nicht erkannt und begriffen hat, so dass das Wiedergekäuerte lediglich oberflächlich abgesungen und nachmusiziert wird. Würden neue Ansätze bemerkbar sein, die hintergründiger Natur sind und dem Gesungenen eine andere Bedeutung beimessen, oder die alte Bedeutung anders dargeboten werden, ginge ein solches Vorhaben in Ordnung. Allein dies könnte eine Neuverfilmung, die so nahe eins zu eins zur 70er Jahre-Verfilmung umgesetzt wurde, rechtfertigen. Aber dies ist nicht der Fall. Viel mehr beweist man mit diesen Neuerungen, wie viel plumper die heutige Gesellschaft bezüglich der Popkultur tickt und wie viel weniger Wert auf Tiefsinn und Reflexion gesetzt wird. 

Bemerkbar wird dies bereits in Brads gesungenem Heiratsantrag, in welchem nie der gespielte Gag eingebaut wird, dass der gute Mann jeden romantischem Moment mit seiner Hektik und Aufgeregtheit zerstört, ohne dies zu bemerken. Das ist überhaupt erst der Grund, warum das Lied auf diese Art gesungen wird, so dass die Neuinterpretation viel an Sinn einbüßt. Selbiges gilt im Gesamtfilm für Interpretationen von Gefühlen, dem Aufbau von Atmosphäre und noch schlimmer dem Kreieren von Mentalitäten. Der Versuch die Partytruppe im Schloss schrill erscheinen zu lassen, hört bei diesem Ansatz bereits auf. Eine befremdlich wirkende Kultur ist das nicht. Und statt frei tanzender, skurriler Gesellen, erleben wir maximal ausgeflippt gekleidete Choreographie-Tänzer, die sich bei ihrem Herumgehüpfe breit lächelnd unglaublich toll finden. Der Ansatz, dass Frank'n Furter echte Brüste besitzt und auch ansonsten weit mehr nach Frau aussieht, als das herrlich absichtlich trashige Outfit von Tim Curry einst, klingt interessant, verfehlt meiner Meinung nach aber seine Wirkung durch das Spiel seines Darstellers, dem jegliche mimischen und akustischen subtilen Zwischentöne fehlen. Manches versucht er mit schrillem Auftreten wett zu machen, glücklicher Weise nie so extrem, dass dies zu dominant angegangen wird, doch auch in reduzierter Form rettet er damit selbstverständlich nichts. 

Dies alles zusammen genommen sind genügend Faktoren - zusammen mit der meist nicht so tollen Besetzung - welche die Neuverfilmung nur scheitern lassen können. Fremdschäm-Momente mischen sich immer wieder drunter, gerade dann wenn es an Verständnis des wiedergegebenen Stoffes mangelt. Und leider gehört auch Tim Curry, den man als einzigen aus der Originalbesetzung verpflichtet bekam, zu den Negativpunkten, spielt er seinen Part als Geschichtenerzähler doch nur mit halber Backe herunter und wirkt somit überhaupt nicht in dieser Rolle. Zu den schlechtesten Ideen der Neuverfilmung zählt der Aspekt, dass "The Rocky Horror Picture Show - Let's Do the Time Warp Again" in einem Kino aufgeführt wird. So werden zwischendurch immer wieder mitfeiernde und mitsingende Fans im Kinoraum vor der Leinwand gezeigt, scheinbar um den sonst üblichen Hype, wenn das Original in den Lichtspielhäusern läuft, zu thematisieren. Aber es wirkt lediglich anbiedernd, und aufgrund dessen wie mager der Kult nachgeahmt wird, würde da sowieso niemand derart begeistert im Kinosaal agieren. Die Frage, ob es Jim Sharman selbst noch einmal geglückt wäre, den Kult derart gut einzufangen, ist eine reizvolle Frage für sich. Zu viele Faktoren hatten Einfluss darauf, dass das 1975er Original wurde, was es wurde. Zumindest bewies der Regisseur mit der Fortsetzung "Shock Treatment", dass sich ein derartiger Kult nicht einzig mit schrillen Zutaten wiederholen lässt. Somit hat auch das Original-Team mit dem Sequel eine ähnliche Schandtat begangen, wie es Regisseur Kenny Ortega nun mit dem Remake tat. Aufgrund seines Erfolgs von "Highschool Musical" hielt man ihn wohl für den Richtigen, einen derartigen Versuch anzugehen. Da hat man sich aber mal gewaltig getäuscht.  OFDb

09.12.2018

LEXX - THE DARK ZONE 2 - SUPERNOVA (1997)

Es ist schwer jemanden für die sympathisch andersartige TV-Serie "Lexx" zu begeistern, wenn diese sich mit dem zweiten Spielfilm gleich derart ausbremst wie geschehen. Während der eigentliche Aufhänger mehr Wissen über die faszinierende Spezies der Brunnen-G zu erhalten eigentlich reizvoll erscheint, will die Umsetzung kaum gefallen. Selbstverständlich besitzt sie wie die komplette Reihe allerhand kreativer und pointensicherer Ideen. Das Medium, das die Zukunft vorhersehen kann, da sie im Zeitzyklus in die Vergangenheit blicken kann, sei nur eine von vielen fantasiereichen Einfällen, die für unglaublich gute Gags verwendet werden. Und auch der nun entstehende Running Gag der abweisenden Zev gegenüber dem notgeilen Stanley weiß zu gefallen. Ohnehin hätte "Supernova" ein angenehmes Produkt werden können, vorausgesetzt man hätte die Hälfte an Laufzeit gekürzt. Aber nein, die ursprünglich als TV-Mini-Serie konzipierte "Lexx" sollte schließlich aus vier Spielfilmen bestehen, also wurde auch jede dieser Geschichten auf 90 Minuten aufgebläht. Was den anderen Film kaum bis gar nicht schadet, macht das Ergebnis von Teil 2 um so ärgerlicher.

Aber auch auf TV-Serien-Länge gekürzt könnte ein Aspekt der ganzen Chose selbst dann nicht fruchten, und dass ist der als Gaststar eingekaufte Tim Curry, dessen Rolle lediglich zu nerven weiß, zumal er ohnehin nur ins Blaue hineinbrabbeln darf, ohne je Kontakt zu anderen Mitspielern zu erhalten. Als Hologramm leitet er durch den Tempel des Wissens, freilich als Aussätziger andere Pläne habend als die Lexx-Crew, und ist dabei niemals wirklich witzig oder angenehm schurkig. Das magere Ergebnis diesbezüglich ist umso enttäuschender, wenn man weiß wie viel besser es Curry bei besserem Drehbuch und mehr Motivation eigentlich könnte. Aber man kann es ihm nicht verübeln, dass er seinen Part nur mit halber Backe herunter spielt. Auch die zu dominante Anwesenheit der stets nervigen Gigerota tut dem ohnehin schon angeschlagenen Zustand des zweiten Filmes der "Lexx"-Reihe nicht gut, so dass auch von dieser Seite aus dem fertigen Werk Schäden zugefügt werden.

Leider muss man sich durch diese Monotonie durcharbeiten, um mit den kommenden Geschichten der Reihe etwas anfangen zu können, erhält man doch allerhand Informationen, die für den weiteren Verlauf der Serie wichtig sind, ebenso wie zwischenmenschliche Momente vorhanden sind, die erst jetzt beim näheren Kennenlernen stattfinden, und im späteren Bereich der Serie zu Running Gags oder komplexeren Verstrickungen werden. Hin und wieder wirft man uns in dem zu monoton und mit zu viel Leerlauf angereichertem Film eine wertvolle Zutat zu. Auch Teil 2 besitzt schließlich kreative Ideen und beweist seine Andersartigkeit und seinen Weitblick gegenüber den Mainstreamprodukten seines Genres. Aber Freude bereitet der zweite Ausflug in diese wundervolle Welt der Lexx nicht. Da hat man viel zu früh eine Gurke platziert, so dass es nicht verwundern braucht, dass von den wenigen Zuschauern, welche die Reihe ohnehin nur besitzt, einige nach dem mittelmäßigen Ergebnis des zweiten Filmes frühzeitig abgesprungen sind.  OFDb

12.10.2017

GINGERCLOWN (2011)

Während andere Horror-Begeisterte zur Zeit der Killerclown-Welle fleißig in die kürzlich erschienene Kino-Version von Stephen Kings “Es” stürmen, machte ich einen Ausflug in den lediglich auf DVD erschienenen “Gingerclown”, der uns Tim Curry in der Rolle eines Clowns verspricht, jenen Mann, den man zwar immer als erstes mit der “Rocky Horror Picture Show” in Verbindung bringen wird, daneben aber eben auch mit Pennywise aus der damaligen TV-Verfilmung “Es”. Zwar wunderte ich mich, dass er sich erneut auf eine ähnliche Rolle einließ, nach Sichten von “Gingerclown” kann man diese Frage jedoch erweitern auf die grundlegende Frage warum Curry überhaupt an solch einem schrottigen Film beteiligt war.

Selbiges gilt für den stets im Genre auftauchenden Lance Henriksen und der sehr merkwürdigen Besetzung des damaligen Geräuschemachers Michael Winslow aus der “Police Academy”-Reihe. Logisch dass mit diesen mal mehr, mal weniger berühmten Namen geworben wurde, wer sich den Streifen von Regisseur Balázs Hatvani jedoch angeschaut hat, darf enttäuscht feststellen, dass sie lediglich Monstern ihre Stimme liehen, persönlich jedoch nie vorbei schauen. Wahrscheinlich hätten sie ansonsten am Set bemerkt an welcher Gurke sie beteiligt sind und hätten das Weite gesucht.

“Gingerclown” lockt zunächst nicht nur aufgrund der beliebten KillerclownThematik und durch Tim Curry in dieser angeblichen Rolle, es reizte auch die ungarische Herkunft des Streifens und das Versprechen man wäre darin bemüht das 80er Jahre Horrorkino wiederzubeleben, welches in den Videotheken bis Anfang der 90er Jahre eine ganz eigene Nische Genre-Beiträge füllte. Der ungarische Touch war durch das Einbringen sämtlicher US-Klischees von Beginn an über Bord geworfen, und wo bitte 80er Jahre-Feeling wehen soll, wie nicht nur der Coveraufdruck der DVD verspricht, sondern auch Autoren von Filmbesprechungen, die alles Gelesene hirnlos nachplappern müssen, ist mir nicht klar geworden.

Sicherlich: die im Film auftauchenden Monster sind handgemacht. Optisch erinnern diese jedoch eher an einen Puppenfilm a la “Die Reise ins Labyrinth”, freilich ohne wirklich geglückt zu sein, während der Film bereits aufgrund seiner Harmlosigkeit, der Geschichte und dem Verhalten der Monster eher wie eine leicht erwachsenere Version von “Alice im Wunderland” daherkommt. “Gingerclown” hat weder mental etwas von den Videotheken-Horrors der zweitschönsten B-Filmzeit des Genres zu bieten, noch von deren Äußerlichkeiten und Zutaten. “Gingerclown” spielt lediglich selbst in den 80er Jahren, so dass die ein oder andere Mode von einst kurz aufblitzt. Da der Film großteils aber an einem neutralen Ort zwischen den Zeiten spielt, ist auch dies ziemlich egal.

Bereits die erste Szene nervt gewaltig, die ellenlang innerhalb nur eines Spielortes und Zeitpunktes alles abarbeitet, was eine ausführlichere und liebevoller angegangene Einleitung durch mehrere Handlungsorte interessanter und feinfühliger hätte vertiefen können. Erschwerend kommt dieser mies gespielten und übel beleuchteten, sowie erbärmlich abgefilmten Szene hinzu, dass jene Person, die hier am meisten plappern darf, auch gleich die schlechteste Synchronstimme beschert bekommen hat, innerhalb einer Deutschvertonung, die über Mittelmaß ohnehin nicht hinaus kommt.

Das Makel der schlechten Optik und des ebenso schlechten Schauspiels bleibt auch nach der Einleitung bestehen, nur dass nun noch weitere Negativpunkte hinzukommen, ergibt doch nicht nur der komplette Plot keinen Sinn (ein Jahrmarkt, der seit Jahrzehnten nie betreten wurde, ist klar), sondern auch das übernatürliche Treiben, was den eigentlichen Reiz der Geschichte ausmachen sollte. Warum hier spukt, was hier lebt, wird nie geklärt, warum die Teenies nicht einfach wieder über den Zaun klettern, sondern sich stattdessen dem übernatürlichem Treiben stellen, ebenso wenig. Andererseits: bedrohlich erscheint in diesem zahmen Streifen ohnehin nichts, sind die Monster doch gerne mit sich selbst beschäftigt anstatt mit den menschlichen Protagonisten, und selbst wenn sie ein Auge auf diese geworfen haben, wird das Geschehen im Film doch niemals unheimlich.

Eher episodenartig stolpern die beiden Hauptfiguren durch das dunkle, unatmosphärische Jahrmarkt-Set, angetrieben durch die düstere Stimme des kaum zu sehenden Clowns (im Original weiß zumindest diese ein wenig zu wirken), von einem uninteressantem Geschehen zum nächsten hüpfend, was der ohnehin schon drögen, wie hirnlosen Chose endgültig den Reiz nimmt, da jeder Augenblick für sich zu stehen scheint, ohne einen echten roten Faden abzuliefern. “Gingerclown” guckt sich derart langweilig, dass es einer großen Leistung gleicht, diesen Scheißdreck bis zum Schluss sichten zu können. Mir war meine Lebenszeit dafür zu schade. Ich habe irgendwann aufgegeben.  OFDb

03.04.2016

LOADED WEAPON 1 (1993)

Die durch „Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ losgetretene Filmparodie-Erfolgswelle war nach „Spaceballs“ und Co noch längst nicht abgeschwappt und sollte durch den überragenden Erfolg von „Hot Shots“ Anfang der 90er Jahre noch einmal vorerst ein letztes Hoch erleben, so dass erneut eine Flut mal mehr mal weniger gelungener Veralberungen größerer Kinoerfolge die Lichtspielhäuser heimsuchte. Im selben Jahr von „Crazy Instinct“ und „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und ein Jahr vor „Das Schweigen der Hammel“ und „Chicken Park“ erschien „Loaded Weapon 1“ auf der Bildfläche, besetzt mit Emilio Estevez, dem Bruder Charlie Sheens, der in oben erwähnter „Top Gun“-Parodie die Hauptrolle spielte und im hier besprochenen Film neben jeder Menge anderer Prominenz als Gaststar vorbeischaute.

Was hier parodiert wird ist schnell klar. Die Teile 1 bis 3 der „Lethal Weapon“-Reihe gehörten zur Creme de la Creme des Actionkinos seiner Zeit und waren damit ein gefundenes Fressen für Filmparodien. Zudem veräppelt der Film, der bereits mit der angespielten Fortsetzung im Titel seinen ersten wirksamen Gag erntet, Größen seiner Zeit wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“, solche aber stets in einzelnen Szenen, wohingegen die Action-Komödien mit Mel Gibson in so ziemlich jeder anderen Szene Pate standen.

Wirklich kennen muss man diese nicht um Spaß mit „Loaded Weapon 1“ zu haben, aber es bereichert die Freude am Blödsinn freilich mehr nicht unwissend an Quintanos Komödie heranzugehen. Nur selten ist es allerdings von Nöten das Original zu kennen, so z.B. in jener Szene, in welcher der berühmte „Bombe auf dem Klo“-Moment parodiert wird. Deren Pointe ist so flach wie so ziemlich alles was man hier an Komik vorgesetzt bekommt, aber sie kommt herrlich unverkrampft daher, in all ihrer Reichhaltigkeit präsentiert von spielfreudigen Darstellern, die alle in ihren Klischees badend völlig übertrieben agieren durften, so auch Samuel L. Jackson, von dem damals noch kaum wer wusste wie genial er tatsächlich schauspielern kann. Dies erkannte die Masse nur kurze Zeit später mit „Pulp Fiction“ und allem was danach kam.

Zwar muss man die Originalreihe nicht kennen, dies bedeutet jedoch nicht dass die Filmparodie von Regisseur Gene Quintano, der auch für „Police Academy 4“ verantwortlich war, sich einzig auf ihren flachen, massentauglichen Witzchen auruhen würde. Im Gegensatz zu manch schneller abgearbeiteten Produktion wie „Agent 00“ veralberte man neben inhaltlichen Elementen auch die stilistischen des zu parodierenden Stoffes, was sich in Farbgebung, Setting, Soundtrack und dem belustigendem Umgang mit der Dramaturgie der „Lethal Weapon“-Reihe zeigt. Hier wird das Original tatsächlich ansatzweise im Kern getroffen.

Hauptsächlich darf jedoch verspielt fröhlich herumgealbert werden, wobei allerhand Krimi- und Action-Klischees aufs Korn genommen werden und mit Gewaltverherrlichung ebenso gespielt wird wie mit dem Bild der Bösewichter im amerikanischen Kino. Billige Wortwitzchen finden ebenso ihren Platz wie gewaltige Aktionskomik, sowie Fehler in Serien, die Prüderie Amerikas, das sich damals bereits extreme Hochschaukeln der immer gigantischer werdenden Zerstörungsorgie in Blockbustern und vielem mehr. „Loaded Weapon 1“ erreicht trotzdem nie das Niveau der frühen Werke von Zucker/Abrahams/Zucker, Monty Python oder der besseren Filme von Mel Brooks, gehört aber zu den angenehmeren Vertretern seiner Filmgattung, die zu seiner Erscheinungszeit bereits aus einer Modewelle heraus geboren wurden.

„Loaded Weapon 1“ ist weder Shakespeare noch „Die nackte Kanone“, kann mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen dank einer hoher Treffsicherheit innerhalb seiner absichtlich flachen Komik jedoch bestens funktionieren und wird somit zu den angenehmeren Filmparodien seiner Zeit. Im Gegensatz zu „Hot Shots“ wirkt er nicht so bemüht beim Einbringen der hohen Dosis Gags in einem Minimum an Plot. Und da die Verantwortlichen des Stoffes auch die stilistische Ausrichtung der Vorbilder erkannten, ist er zudem anspruchsvoller ausgefallen als alles was durch „Scary Movie“ losgetreten in den 00er Jahren bei der nächsten Filmparodien-Welle auf den Zuschauer losgelassen wurde.  OFDb

11.05.2014

DER TODESSCHREI (1978)

Ernst erzählt der Pole Jerzy Skolimowski in seinem britischen Film „Der Todesschrei“ die Geschichte um einen mörderischen Ton, eine Geschichte wie sie wohl heutzutage nur noch Platz in einem Trash-Film finden würde. Geradezu respektvoll geht er mit diesem Thema um, taucht es in einen mystischen Hintergrund, erzählt das phantastische Geschehen dramatisch orientiert und präsentiert den Streifen, passend zur Stimmung des Filmes, in tristen, trostlosen Bildern. Hierfür kommt ihm die typische Bildqualität der 70er Jahre ebenso zu Gute, wie die in Europa noch übliche Art natürlicher Darstellung von Personen und Situationen. Nichts ist wirklich Kino-orientiert, außer vielleicht der Aufhänger um den Todesschrei. Alles andere wirkt erstaunlich normal inmitten einer an sich ominösen Geschichte.

Normal trifft es vielleicht doch nicht so ganz, gerade bezogen auf die Mehrdeutigkeit des Streifens, der stets damit spielt frei von Wertung Normales und Unnormales zu vergleichen, die Grenzen verschwimmen zu lassen und sich jeglicher Erklärung zu entziehen, spätestens durch den Gesichtspunkt dass die Geschichte von einem vermeintlich Geisteskranken erzählt wird, der zudem noch zuvor betont er variiere die Erzählung gerne wie es ihm gerade passt. Damit kann man „The Shout“ aus verschiedenen Perspektiven sehen, was ihm, neben seiner technisch hervorragenden Seiten, zu einem anspruchsvollen Kunstfilm werden lässt, in einem Stil wie er nur in den 70er Jahren entstehen konnte.

Und mag das auch alles noch so reizvoll klingen und sehr gut von den Akteuren (u.a. John Hurt und Tim Curry) gespielt sein: wirklich gefallen hat mir „Der Todesschrei“ nicht. Mag sein, dass ich tatsächlich einen gewissen Grad Trash benötige, liebe ich doch eigentlich die skurrilen Werke der 70er Jahre, und mögen es noch so unbeholfene Filme wie z.B. „The Destructor“ sein, der mich trotz seines mittelmäßigen Ergebnisses in seiner Art schon sehr fasziniert hat. Gut gefiel mir auch „Der Kuss der Tarantel“ und „Invasion der Bienenmädchen“. Auch „California Axe Massacre“ zählt zu den Filmen dieser Zeit, mit denen die Masse schon immer nichts anfangen konnte, ich aber sehr wohl. Doch „Der Todesschrei“ gefällt mir nur in seiner Theorie, und ich kann nicht genau sagen woran das liegt.

Dass er sehr nüchtern erzählt ist, ist eigentlich eine Zutat die ich an solchen Werken mag. Ich finde es interessant wie er das gnadenlos Ehrliche dem Verlogenen gegenüber stellt und damit Gut und Böse verdreht und vermischt, oder zumindest auf den Prüfstand stellt. Ich mag das Spiel und die offene Art im Umgang mit verschiedenen Mentalitäten, mit Nacktheit und mit Ehrlichkeit. Ich mag die Vielschichtigkeit die für das Kino aus der Streitgesellschaft herauszuholen war und erst durch das politisch Korrekte für den geistvollen Filmfreund gebremst wurde. Hier gibt es noch Individuen und Handlungsweisen- und gründe die ohne Wertung gelebt werden. Von allem was Filme bis tief in die 80er Jahre hinein so lebendig werden ließ, weiß auch „Der Todesschrei“ zu zehren. Und doch: er schaut sich mir zu theoretisch.

Freunde ungewöhnlicher Filmstoffe sollten ruhig ein Auge riskieren. Wer gerade die Kunstform Film ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit beim Sichten rückt, wird fasziniert sein, im Gegensatz zu mir „The Shout“ auch richtig gut finden. Aber so sehr sich Skolimowski auch bemüht seine Geschichte rätselhaft und leicht hypnotisch wirken zu lassen und den Zuschauer auf die Suche nach Wahrheit zu schicken, er ist mit seinem Ergebnis weit von Meisterwerken wie „Picknick am Valentinstag“ entfernt. Wirklich anstecken wollen Faszination und Atmosphäre nicht. Zumindest nicht bei mir! Denn mir ist in solchen Werken auch immer der Unterhaltungswert wichtig, und der kommt mir hier zu kurz.  OFDb