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08.07.2023

COCAINE BEAR (2023)

Basierend auf einer wahren Begebenheit bläht "Cocaine Bear" das was einst geschah zu einer völlig überdrehten Sache auf, so dass abgesehen vom tierischen Rauschgiftkonsum alles weitere Fiktion sein dürfte. Der Aufhänger kommt trotzdem gut, in einem Film der die Grundsituation nutzt, um völlig übertreiben zu dürfen. Klar werden da wieder viele Stimmen Trash rufen, das was der Begriff einst einmal bedeutete wird mit dieser absichtlich abseitigen Chose jedoch nicht erreicht, eben weil der Aufhänger bereits Legitimation zur Übertreibung bietet und man sich bewusst war, was hier für ein Produkt gedreht wird. Trash ist hingegen ein unbeabsichtigter Filmunfall. Das Schöne an Elizabeth Banks' vierter Regiearbeit ist, dass die Geschichte keineswegs das bietet, was die wenigen Bären-Horrors "Grizzly" und Co liefern und im Gegensatz zu denen einen Grund für die Tierattacken serviert. Nein, der Drogenkonsum macht den Schwarzbär nicht nur zu einem aggressiven Wesen, sondern auch zu einem Junkie und einem sich schräg benehmenden Lebewesen. 

Bereits der erste Auftritt des Tieres zeigt dies auf humoristische Art. Und teilweise bescheren uns die Verantwortlichen des Streifens auch schusselige, geradezu süß verpeilte Situationen des zugekoksten Bären. Das Vieh ist derart unberechenbar, dass es den Zuschauer manches Mal mit seinen Taten zu überrumpeln weiß, ob nun im verpeilten Sinne, oder im blutigen. Weit weniger überraschend ist der Einsatz der Menschen ausgefallen, die in typischen Konstellationen eingesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl an tätigen Figuren, die mehr als die kleine Randfigur für eine Szene darstellen. Glücklicher Weise werden die jedoch nicht zum Langstrecken einer öden Routine eingesetzt, wie bei so vielen SyFy-Produktionen üblich. Nicht nur dass "Cocaine Bear" hierfür ohnehin viel zu gut besetzt ist, der flotte Inszenierungsstil Banks' steuert ebenfalls dagegen. Und das Drehbuch, so sehr es auch zwischenmenschliche Standards beschert, hebelt diese wieder ordentlich aus, indem jede Figur treffsicher humoristisch angereichert wird, so dass allerhand Dialoge belustigen. Auch an Situationskomik mangelt es nicht, man setzt also nicht nur auf die Komik eines Bären auf Drogen. 

Kurze Anflüge von Leerlauf und Wiederholung ließen sich scheinbar trotzdem nicht vermeiden. Und gegen Ende wird die Stimmung, eben weil der Streifen zuvor meist Party ist, etwas arg brav bieder in ihrem Happy End gehalten. Dort werden selbst die ansonsten pointierten Kinderrollen hauptsächlich zum nervigem Standard. Zwei nachgerückte Szenen im Abspann versteckt lassen noch einmal kurz gute Stimmung aufleben, dennoch verstehe ich nicht warum der Schluss in seiner Mentalität so gar nicht zum Rest passt. Wie auch immer, der Hauptteil des Streifens ist unterhaltsam ausgefallen, vorausgesetzt man erwartet keinen wahren Horrorfilm, denn "Cocaine Bear" atmet in jeglicher Pore Komödienluft. Da man die Komik gekonnt beherrscht, darf das auch gern so sein. Bei all den missglückten Bären-Horrors wie "Grizzly Park", "Bear" und "Grizzly Rage" ist es vielleicht einfach besser die Teddys humorvoll in den Tier-Horror zu integrieren. Allerdings ist er hier auch wesentlich besser eingesetzt, als in den Vergleichsfilmen, ist er doch professionell am Computer animiert worden, so dass die meist gewalttätigen Interaktionen mit dem Mensch optisch zu gefallen wissen. Die nicht ganz perfekt täuschende Animation wird teilweise für Humormomente genutzt, so dass pingelige Kritiker dieser Tricktechnik nicht all zu verärgert reagieren sollten.  Wiki

20.03.2022

YOUTH IN REVOLT (2009)

Michael Cera greift sich gern interessante Rollen, die etwas Ausgeflipptes in ernst zu nehmenden, humoristischen Stoffen, beinhalten. So klingt es auch in "Youth in Revolt", und umso mehr darf man überrascht sein, dass die neue Persönlichkeit, die der Held des Streifens über sich selbst erfindet, um den Aufgaben gewachsen zu sein, die er erfüllen muss, doch relativ zurückhaltend präsentiert wird. Sowohl äußerlich lediglich durch einen Schnurrbart und leichten Zuhälterzügen in Szene gesetzt, als auch im eher zurückhaltenden Spiel Ceras, wird kein lauter Schurke aus dem überforderten, an sich stets braven Teenager. Dementsprechend überrumpelt ist man von den extremen Taten der zweiten Persönlichkeit, die zwar nicht inflationär in ihrer Anzahl sind, die Geschichte aber stets entscheidend in eine andere Richtung lenken. Doch auch derart radikale Richtungswechsel erleben eine relativ bodenständige und zurückhaltende Erzählung, so dass der Stoff zwar lobenswert unaufgeregt daher kommt, während er sich trotz seiner Übertreibungen ernsthaft mit der Lebenswelt von Teenagern befasst, mir persönlich aufgrund der fehlenden Comicmentalität aber immer ein bisschen zu theoretisch vorkam. Ähnlich erging es mir mit der eigentlich recht süßen Romanze zwischen zwei interessant charakterisierten jungen Menschen. Ich konnte in deren Gefühlswelt nicht wirklich aufgehen, folgte der Geschichte zwar interessiert, aber immer zu theoretisch und damit außen vor. Das ist mein Problem und nicht das des Filmes, so dass es durchaus sein kann, das jemand mit diesem ungewöhnlich für einen ungewöhnlichen Stoff umgesetzten Spektakel mehr anfangen kann als ich. Dann bekommt man ein besonderes Seherlebnis beschert. Das denke ich mir zumindest, da "Youth in Revolt" in seiner auf mich distanziert wirkenden Art trotzdem noch genügend Sympathie und Wirkung besaß, dass ich ihn zumindest kurzweilig fand und er stets die Neugierde bei mir aufrecht erhielt, wie es wohl weiter gehen mag. Passend zur Konsequenz die Geschichte stilistisch und inhaltlich anders zu erzählen, als man erwartet, kommt auch der Schluss daher, und weiß dementsprechend zu gefallen, selbst dann wenn die Romantik, wie in meinem Falle, stets zu nüchtern vorgetragen vor sich hin dümpelte.  OFDb

04.07.2019

COP LAND (1997)

Hinter der simplen Oberfläche einer klassischen Geschichte um Korruption und Mafia, und eingebettet in eine Handlung, die eigentlich keine großen Überraschungen oder unerwartete Wendungen offenbart, verbirgt sich eine von Stallone toll dargebotene Charakterstudie eines vom Schicksal geprügelten Mannes, der von Seinesmöchtegerngleichen klein gehalten wird, von seiner verheirateten Love Interest lediglich Mitleid erntet und unter einer Hörbehinderung leidet, weil er besagter Frau einst das Leben gerettet hat. Dies wiederum ist der Grund, warum der hervorragende Schütze nie Polizist in New York werden konnte. Eher lethargisch, mit Solidarität seiner ihn belächelnden Kollegen gegenüber agierend, geht er seinem Job nach und guckt zu lang über vieles hinweg. Dass hier weit mehr schief geht, als das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, nimmt er kaum noch wahr. Zu tief sitzt er teilnahmslos selbst im Sumpf, der in dieser Stadt herrscht, nicht einmal wirklich etwas gegen häusliche Gewalt tun könnend, ohne sich mit der Polizeipräsenz vor Ort anzulegen.

Dementsprechend hält er halb ahnungslos, halb wissend dass hier etwas nicht richtig läuft, den Mund als ihn wer von der Inneren um Hilfe bittet. Der Einfluss dieser Spezialeinheit endet an der Brücke, die verdächtigen New Yorker Polizisten wohnen nun einmal in Garrison. Trotz seines Schweigens lassen Freddy Fotos, die ihm während dieser Unterredung gezeigt werden, nicht kalt. Sie zeigen den Cop Ray, der hier vor Ort den meisten Einfluss hat, zusammen mit mächtigen Leuten der Mafia, und so langsam ahnt Freddy, warum so viele Polizisten hier ein günstiges Haus erstanden haben. Als es schließlich um Leben und Tod geht, schaut Freddy nicht länger weg, und es ist bei seiner finalen Entscheidung sein Glück, dass die hier wohnenden Polizisten ihn stets unterschätzten. So wie viele Kritiker stets Sylvester Stallone unterschätzten und erst mit Sichten von "Cop Land" das bemerkten, was sie längst hätten entdecken können. Aber so geht es Tunnelblickdenkern, die eine gute Darstellung erst in seriös umgesetzten Stoffen erkennen, anstatt auch in einem schlichten Actionreißer auf schauspielerisches Talent achten zu können. Allerdings hatte Stallone auch jenseits solcher Stoffe mit "Rocky" und "F.I.S.T." längst sein Können bewiesen, was die später Erkenntnis mancher Kritiker nur noch peinlicher erscheinen lässt.

"Cop Land" ist ein besonnener, durchdachter Film, in aller Ruhe erzählt, nie den reißerischen Weg wählend, und doch sowohl für den Cineasten, als auch für den Freund von leicht verdaulicher Feierabendunterhaltung gleichermaßen genießbar, vorausgesetzt man erwartet kein Actionfeuerwerk. Dass der von Mangold inszenierte und selbst verfasste Stoff immer eine winzige Spur anders ausfällt, als ähnlich funktionierende Vergleichsfilme, beweist er z.B. mit der mutigen Idee, das relativ kurz ausfallende Finale in reduzierter Akustik ausfallen zu lassen. Nachdem dem auf einem Ohr tauben Sheriff eine Waffe am gesunden Ohr abgefeuert wurde, stampft er taub durch die schussintensive Schlussphase des Streifens, und Mangold lässt uns dies großteils aus Freddys Akustik heraus miterleben. Mit dieser Entscheidung wird ironischer Weise auf etwas lautere Art das deutlich, was der Komplettfilm ansonsten eher subtil vermittelt. Er schert sich nicht um reißerische Elemente, will keinen Knalleffekt vorbereiten, er will eher sachlich eine gute Geschichte, die schlichter scheint als sie ist, interessant aufbereitet erzählen.

In guter Besetzung mit Keitel, DeNiro und vielen anderen talentierten Mimen, gelang es Mangold ein größeres Publikum zu erreichen als es für derartige Stoffe oft üblich ist. Um so mutiger darf man die Entscheidung Stallone in der Hauptrolle zu besetzen betrachten, gibt es doch viele Vorurteile diesem Mann gegenüber, so dass manch einer diesen sensibel umgesetzten Mix aus Thriller und Drama aufgrund seiner Anwesenheit wohl nie gesehen hat. Glücklicher Weise trifft dieser Verlust ignorante Menschen, also was soll's? Warum die späte Anerkennung Stallone nicht zu einer Wende in seiner Karriere verholfen hat, weiß ich nicht. Stattdessen kehrte er erst drei Jahre später mit "Get Carter" in einer Hauptrolle besetzt zurück. Verstehe das wer will. Gerade nach seiner überraschend guten, aber auch unterschätzten 90er Jahre-Phase hätte ich ihm gegönnt, dass ihm aufgrund des Erfolges von "CopLand" (Alternativtitel) reizvolle Projekte angeboten worden wären. Wie stattdessen mit ihm umgegangen wurde, macht die traurige Entstehungsgeschichte des Filmes "Driven" deutlich.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

25.10.2012

IDENTITÄT (2003)

10 Personen treffen wegen eines Unwetters zufällig in einem abgelegenen Motel aufeinander. Nach einiger Zeit ist einer von ihnen tot. Die Polizei kann man nicht rufen, der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen. Also stellt sich die Frage welche der Personen der Mörder ist. Und der belässt es nicht bei einer Leiche. Auf der Suche nach dem Killer wird deutlich, dass alle Personen mehr miteinander zu tun haben, als es den Eindruck machte...

10 kleine Besucherlein...
 
Dank hervorragender Besetzung und einer interessanten Ausgangslage ist dieser Horrorfilm zunächst interessant und packend erzählt. Der Stil zu Anfang, der mit den Zeiten der Geschehnisse spielt, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als der 08/15-Horror-Thriller von nebenan. Allerdings ist diese Form der ungewöhnlichen Erzählweise auch schon lange kein Neuland mehr, so dass man hier nicht von Individualität reden kann.

Hat der Film erst einmal seine Vorgeschichte erzählt, in der Figuren interessant eingeführt werden und die Neugierde des Zuschauers geweckt wird, geht es auch recht gelungen weiter. Die Atmosphäre stimmt und die Motel-Location unterstützt diese. Im Mittelteil geht einem jedoch langsam ein Licht auf, worauf „Identität“ hinausläuft. Zu Hilfe kommen dabei der Titel des Films und die deutsche Synchronstimme in der anfänglichen Therapie auf dem Tonband, die bereits zu früh den Täter entlarvt.

In diesem Wissen liegt jedoch gleichzeitig die Falle, die einem zur Mitte des Streifens klar wird, früher als es Regisseur Mangold wollte. Spätestens bei der Nennung der Geburtsdaten dürfte jedem ein Licht aufgehen oder Bestätigung eintreten. Und mit dieser Gewissheit nutzt das anfängliche Identifizieren mit der Synchronstimme nichts mehr, und jeder ist erneut verdächtig. Zumindest weiß man nun mehr, und nun setzt das letzte Drittel ein, von dem man nun Erklärungen erwartet.

Leider nutzten Drehbuch und Regie das letzte Drittel eher dafür "überraschend" die Auflösung zu präsentieren, die man aber zuvor bereits vermutete. Ich will jetzt nicht behaupten haarklein gewusst zu haben was da vor sich geht, so vermutete ich z.B. dass der Psychopath die Morde begeht, um sich zu heilen. Man erfährt hier nun die Auflösung, der man sich zuvor bewusst war, und das wenige was uns im letzten Part nun noch erklärt wird, ist nicht gerade nachvollziehbar. Bereiche der Medizin, die heute noch in den Kinderschuhen stecken, werden als Methoden dargestellt, die genau wissen was wie zum Ziel führt. Die Idee dahinter macht wenig Sinn, da Tote unter diesem Aspekt nicht zwingend tot bleiben müssten. Außerdem wird die Krankheit, die zu einem entscheidenden Faktor der Geschichte wird, in ihren Eigenschaften komplett verändert, nur damit sie zum Sinn der Geschichte passt.
 
Immerhin ist die Mörderauflösung überraschend, und man ohrfeigt sich im Nachhinein, weil doch so viele Sätze darauf hingedeutet haben. Andererseits ist es schade, dass diese Auflösung in Form eines bösen Schlussgags stattfindet. Dieser ist leider etwas fehl am Platz, und die Auflösung selbst wirkt nicht wie ein nachgeschobener „Gag", da der Erstbeschuldigte ohnehin nicht glaubhaft war, musste der doch nur eine Nacht überleben um frei zu sein.
Zumindest ist „Identität“ in der ersten Stunde sehr interessant erzählt, weckt auch immer wieder das Interesse des Zuschauers durch die Agatha Christie-ähnliche Situation des „10 kleine Negerlein"-Prinzips und der wiederholenden Elemente, in diesem Falle das Auftauchen der Schlüssel. Als diese auch bei Unfallopfern in der richtigen Reihenfolge auftauchen, ist der Übergang vom Thriller zum Horrorfilm noch vor dem ominösen Verschwinden der Leichen erfolgt.

Ich habe mich nicht besonders intensiv mit Deutungen und Symbolik dieses Filmes befasst, deswegen frage ich mich im Nachhinein, ob eigentlich eine genauere Deutung in den Geschehnissen zu suchen ist, welche die Figuren überhaupt erst zusammen brachten. Hochwasser, Motel, ein Frauenschuh,... steht das alles für etwas, das es in einer Filmanalyse zu entdecken gäbe, oder wollte der Film lediglich leicht reißerisch beginnen?

Zumindest wurde in der Einleitung richtig ergründet, dass sich alle Figuren gegenseitig beeinflusst haben, wenn auch nicht gewollt, um in diesem Motel zu landen. Immerhin der unbewusste Aspekt der Zusammenführung wird zu einem glaubwürdigen Teil der ansonsten zu Filmzwecken zu stark veränderten Krankheit.

Trotz all des Gemeckers meinerseits muss ich nun aber mal deutlich betonen, dass „Identität“ ansonsten ein gut gemachter Horrorfilm ist, der mit einer tollen Besetzung trumpft, halbwegs clever erzählt ist, wenn in seiner Auflösung auch leider nur halb überraschend und psychologisch mangelhaft. Den meisten Spaß macht der Film nur dann, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Eigentlich sollte es bei einem gewitzten Film anders herum sein.  OFDb

24.07.2012

SHOPPING-CENTER KING (2009)

Ronnie ist der oberste Sicherheitsbeamte des örtlichen Einkaufszentrums und nimmt diesen Job sehr ernst. Da passt es ihm gar nicht, dass die echte Polizei dazwischen funkt, als es tatsächlich einen Fall zu lösen gibt: ein Exhibitionist verängstigt weibliche Kunden und Angestellte...

Ich - Das Zentrum der Welt...
 
Der kleine Mann, der seinen kleinen Beruf sehr ernst nimmt, der gerne mehr geworden wäre, da er glaubt es stecke mehr in ihm drin, der kleine Mann, der es dann doch wagt und die böse Konkurrenz von oben zu überraschen weiß, der kleine Mann, der über sich hinauswachsen muss um das Herz seiner Holden zu erobern, und so weiter und so fort! Diesen Plot kennt man, und er ist nicht neu. Schon der im selben Jahr erschienene, titelähnliche „Kaufhaus Cop“ erzählte diese altbackene Geschichte, die er nur mit leichter Abwandlung zu einem passablen Ergebnis führen konnte. So ziemlich jede drittklassige Komödie von oder mit Adam Sandler geht selbige Wege, was soll man sich da „Shopping-Center King“ anschauen? Die Antwort ist einfach: „Shopping-Center King“ ist anders.

Zwar hält er sich für meinen Geschmack viel zu eng an das klassische Muster von Storyablauf her, dieses erfährt aber eine leichte Änderung durch einen kleinen Aspekt in der Charakterzeichnung der Hauptrolle. Seth Rogen spielt einen soziopathischen Egomanen, der nur kurz davor steht eine Gefahr für sich und für andere zu sein (Zitat aus dem Ergebnis seiner Bewerbung für die Polizeischule). Und wo andere Filme einem solchen Außenseiter eine Chance geben, in dem er geläutert wird, in dem er sich zum besseren Menschen bessert, passiert in „Shopping-Center King“ diesbezüglich nichts!

Und keine Frage: das ist herrlich zu beobachten! Was hat es Spaß gemacht diesen provokativ aufpolierten Streifen zu schauen und festzustellen: die sind konsequent! Die lassen ein Arschloch Arschloch sein, und daran wird sich auch nichts ändern. Nicht einmal die Begründung der psychologischen Krankheit des Helden dient als Schutz, Ausrede oder Alibi. Es ist schlichtweg eine Begründung unter mehreren angedeuteten, warum Ronnie so ist wie er ist.

Und da er selbst das wichtigste in seinem Leben ist, das Zentrum der Welt, der Mittelpunkt aller Wichtigkeit und in diesem Zustand freilich auch vor Selbstbewusstsein nur so glüht, glaubt er auch in allem recht zu haben, selbst wenn alles um ihn herum für das Gegenteil steht. Sein Urteilsvermögen ist aus dieser Egosicht getrübt, gerät aber lange Zeit nicht ins Wanken, und wenn dies dann doch einmal passiert, ist hinterher alles wie vorher. Gegen Ende nimmt Ronnie wieder seine Tabletten. Das hat aber weniger die Bedeutung des sich bessern Wollens, a la „Besser geht‘s nicht“, sondern ist nur wieder das Geraderücken einer Verschiebung der Norm für Humorzwecke. Denn wenn man mitten im größten Chaos irgendwann erfährt, dass Ronnie auf Eigeninitiative seine Medizin weglässt, da es ihm so gut ginge, ist das nur eine von wirklich vielen gut gesetzten Pointen.

Dadurch sich dem charakterlichen Wandlungsmuster gängiger amerikanischer Komödien zu verweigern, kommt „Shopping-Center King“ wesentlich unverkrampfter daher als all das was in den letzten Jahren aus diesem Land humoristisch in unsere Kinos sprudelte. Dementsprechend locker geht der Streifen auch mit Tabuthemen um, wie dem Thema Nacktheit, welches in der Art eines „American Pie“, aber noch mehr eines „Scary Movie“ in den 90er und 00er Jahren doch recht gewollt provoziert wurde. Keine Frage, das waren wichtige Schritte in der Befreiung aus bislang gekannten Prüderie Hollywoods. Es ist aber genau so wichtig, dass die Amis in ihrem liebstem Medium neben dem TV auch endlich dahin gelangen, was „Shopping-Center King“ ihnen vor macht: die lässige Variante mit dem Tabuthema Nacktheit umzugehen. Und anbei auch das unverkrampfte Spiel mit dem Anbiederungen umgehenden Verarbeiten von Themenbereichen wie die Krankheit Ronnies oder dem Alkoholismus seiner Mutter.

Bleiben wir aber beim Thema Nacktheit, welches trotz des für kurze Zeit ins Zentrum rückenden Exhibitionisten zunächst keine Rolle spielt. Kaum zu glauben, aber das Umherlaufen eines nackten Mannes kann zur lustigsten Szene einer Komödie werden, wenn das ganze als eine Verfolgungsjagd durch ein gut besuchtes Einkaufszentrum inszeniert wird, in Zeitlupe ein hin und her zuppelnder Pillemann nicht zensiert wird und dieses Szenario mit dem Lied „Where Is My Mind“ untermalt wird. Zwar gab es mal eine vergleichbar mutige Szene 10 Jahre zuvor in „Terror Firmer“, aber die badete inmitten eines klamaukigen Provokationsfilmes, der seinerzeit auf ganz eigene Art all jenem den Stinkefinger zeigte, was Kommerzkino zu bieten hatte. „Shopping-Center King“ ist jedoch kein Gegenstück zum Mainstream-Kino. Er zeigt wie es innerhalb diesem anders geht. Ein gewisser Grad Mainstream bleibt er dennoch.

Zu schade, dass die eigentliche Geschichte viel zu routiniert abläuft. Der sture, unveränderbare Charakter des Egomanen kann schon viel vom üblichen Klischeeablauf abwenden, letztendlich verfällt der Streifen dennoch viel zu sehr ins gängige Muster. Zumindest tut er dies mehr als es nötig gewesen wäre in einem sonst so konsequent modern erzählten Streifen! Da tut es der Komödie sichtlich gut passend besetzt zu sein. Seth Rogen passt super in die Rolle des Ronnie und gefiel mir dort auch besser als in „Superbad“ oder „Beim ersten Mal“, wo ich seine Leistungen auch schon beeindruckend fand. Als Gegenspieler ist auch Ray Liotta gekonnt besetzt. Und Anna Faris, die diesmal keinen Sympathiecharakter spielen darf, tobt sich erneut aus, so wie sie es gerne tut. Müde Ausrutscher wie der ein Jahr zuvor erschienene „House Bunny“ scheinen der Vergangenheit anzugehören.

So bleibt mir nur all jenen, die beim Lesen jeglicher Inhaltsangaben und beim Titel ebenso mit den Schultern zucken mussten wie ich, zu sagen, dass „Shopping-Center King“ einfach mal anders ausgefallen ist als all das im scheinbar selben Fahrwasser erschienene. Trotz des noch immer vorhandenen Streifens des Mainstream-Bereichs ist der Film aber immerhin noch weit von den gängigen 08-15-Adam Sandler-Komödien entfernt. Denn einem Hauptrezept von diesen verweigert sich „Shopping-Center King“ komplett: den der biederen Moral.  OFDb