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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (6)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monk - Staffel 7 (2008)

Es geht mit seichter Unterhaltung im klassischen Erzählmuster weiter, ganz ohne Experimente, eben so wie es der Freund der Reihe haben möchte. Qualitativ gibt es nach wie vor keinen Abstieg zu erkennen, auch wenn manche Ideen, wie Natalie zur populären Lotto-Fee zu machen, etwas arg über das Ziel hinausschießen. Eine Episode großteils im Doku-Stil umzusetzen, bietet wunderbar mediensatirische Möglichkeiten, und wenn der von Ängsten beherrschte Monk unfreiwillig mit einem U-Boot untergeht, bleibt kein Auge trocken. Bewegend ist eine Geschichte um einen Mutterersatz ausgefallen, sowie die letzte Episode, die sich wieder einmal Trudy zuwendet.  Wiki


Spiders - Ihr Biss ist der Tod (2023)

Effektiver Spinnen-Horror, der es mit der Evolution in solch kurz spielendem Zeitraum übertreiben mag, ansonsten aber gekonnt erzählt ist und mit dem Hauptspielort im Ghetto keine billigen Klischees abliefert. Auch schafft man es die Gefühlswelt der Figuren gekonnt einzufangen, ohne dass "Vermines" (Originaltitel) zum tatsächlichen Drama wird. Stattdessen ist er unglaublich spannend inszeniert, liefert manchen Schocker selbst dann, wenn man schon x Horrorfilme zu diesem Thema gesichtet hat und bremst sich in seiner packenden Umsetzung nie aus. Definitiv ein Tipp meinerseits!  OFDb


Knives Out - Mord ist Familiensache (2019)

Vom Spielort, Budget, sowie Genre und Mentalität an "Das krumme Haus" erinnernd, kommt der Star-besetzte Kriminalfilm zwar nie an dessen Genialität heran, bietet aber ebenso überdurchschnittliche Unterhaltung. Ein nicht uncleverer Plot, die Überraschung in die Umstände des "Mordes" früher eingeweiht zu sein, als man meinen sollte, und der Kniff dennoch oft mit Wendungen überrascht zu werden, sind wichtige Elemente, die inmitten eines augenzwinkernden Plots, voll von spielfreudigen Darstellern, zu überzeugen wissen und auf Comic-Art einen unausgesprochenen Gruß an Agatha Christie richten.  Wiki


The Taint (2010)

Eine witzige Idee in den Händen von Troma, da sind Geschmacklosigkeiten vorprogrammiert, und da habe ich diesbezüglich schon Schlechteres von diesem Ausnahmestudio gesichtet. Aber auch besseres, denn der vulgäre Humor weiß mal schön unter der Gürtellinie herrlich infantil zu funktionieren, und doch ist er zu extrem eingebaut und verwässert die guten Ideen um einen Plot, in welchen Männer durch verseuchtes Wasser zu Frauenhassern werden. Sämtliche Klischees rund um Frau, Mann, Vorurteilen und Film werden abgegrast, die episodische Erzählart mit Rückblicken erweise sich als kurzweilig, damit keine Figur zu sehr mit ihrer Monotonie nerven kann, aber wirklich geglückte Kost ist "The Taint" in meinen Augen nicht geworden.  OFDb


Cinderella - Abenteuer im Wilden Westen (2012)

Die Idee das klassische Märchen ins Western-Genre zu transferieren, um es damit zu entfremden und aufzupeppen, klingt so gewollt, wie das Ergebnis letztendlich auch ausgefallen ist. Aber hier nervt nicht nur ein lieblos gestalteter Plot, sondern auch unangenehm steif und unsentimental animierte Figuren, die den Billig-Look des Films, der sich zwischendurch zudem um nervige Actionsequenzen bemüht, immer im Bewusstsein des enttäuschten Zuschauers bleiben lässt. Warum Trickfilmfiguren zudem in ihren Rundungen und Ausbeulungen derart auf sexy getrimmt sein müssen, während alles andere klassisch bieder auf Kinderfilm-Niveau erzählt ist, muss ich auch nicht verstehen.  OFDb

22.02.2025

GANDAHAR (1987)

Als ein friedlich lebendes Volk urplötzlich angegriffen wird, vermutet man die einst ausgegrenzten Mutanten hinter den Aktionen. Doch der Auserwählte, der sie mit ihren Taten konfrontieren soll, findet heraus dass zu Robotern umgewandelte Menschen hinter der Sache stecken, die über ein mysteriöses Dimensionsportal Zugang zu dieser Welt erlangen. Die Spur weiterer Hintergründe führt zu einem längst vergessenen Experiment aus der Vergangenheit...

Halte mich auf, wenn ich mich verändere...

Mit seinem ersten Langfilm "Der phantastische Planet" lieferte René Laloux einen beeindruckenden und intelligenten Zeichentrickfilm aus dem Science Fiction-Bereich ab. Sein erst 9 Jahre später erschienener Nachfolger "Herrscher der Zeit" soll auf einen anderen Schwerpunkt gesehen ähnlich beeindruckend ausgefallen sein. Sein 5 Jahre danach veröffentlichter "Gandahar", der auch als "Light Years" veröffentlicht wurde, gehört ebenfalls dem Bereich der animierten Science Fiction an, kann aber an der Klasse seiner beiden Vorgänger nicht anknüpfen, obwohl sichtbar mehr Geld zur Verfügung stand und der Zeichenstil nach wie vor der selbe ist. Erst 2004 verstorben, lässt das unbefriedigende Ergebnis vermuten, warum es trotz des eigenen Animationsstils nie zu einem weiteren Langfilm kam, "Gandahar" folgte lediglich 1988 noch der Kurzfilm "The Captive". Seinem dritten auf Spielfilmlänge inszenierten Werk fehlt es meiner Meinung nach ein wenig an der nötigen Würde, bereits früh erkennbar, wenn man sich regelrecht mit einer Vielzahl an bizarr anmutenden Wesen übertrumpfen möchte, um die hier gezeigte Welt so fremd und vielfältig wie möglich wirken lassen zu wollen. 

Da sind einige gute Ideen mit dabei, ebenso später bei der Vielfalt an mutierten Kreaturen, aber es wird zu dick aufgetragen, die Kreativität wirkt bemüht, das überzeugt nicht wirklich. Erschwerend kommt hinzu, dass "Gandahar" weit esoterischer ausfällt, als die Vergleichsfilme, was intelligenter Science Fiction grundsätzlich schadet, so also auch hier. Schade ist es um die wundervoll düster aussehende, metallene Invasionstruppe, die dem Streifen seine düsteren Momente beschert, und um manch inhaltliche Idee. Das mysteriöse Portal, der Mentalitätenwandel einer gewissen Kreatur nach etlichen Jahren, der phantastische Ursprung dieses Wesens und die Entwicklung seiner Pläne, da ist einiges an Potential vorhanden, verwässert durch eine kitschige Heldengeschichte, in welcher der Gute zu übertrieben gut ist, verglichen damit dass sich in der restlichen Welt dies alles vermischt oder wahlweise einem Irrtum unterliegt. Letztgenanntes betrifft in erster Linie die Mutanten, deren friedliches Miteinander nach dem Eindringen des Feindes, etwas arg penetrant auf friedlich getrimmt bleibt, um den sozialen Verstoß moralisch besonders dick auftragen zu können. Kurzum, so wirklich funktionieren will der von Frankreich und Nordkorea finanzierte Film nicht. Individuell ist er durchaus ausgefallen, das Werk biedert sich lediglich seinem Publikum an, nicht den Inhalten oder Modewellen anderer Trickfilme dieser Dekade.  OFDb

18.08.2024

DOCTOR WHO - FURY FROM THE DEEP (1968)

Mehrere miteinander verbundene Bohrinseln verlieren allmählich den Kontakt zueinander. Aus den Gasrohren ist ein seltsames Geräusch zu vernehmen. Der Doktor und seine Begleitung finden heraus, dass intelligenter Seetang dafür verantwortlich ist, und dieser ist auf den Weg nach oben und schafft es Menschen zu manipulieren...

Schreie in der Wiederholungsschleife...

"Fury fom the Deep" aus der fünften Staffel der Originalserie "Doctor Who" gilt vom Bildmaterial her als verschollen. Aber zu allen sechs Episoden existieren noch die Tonaufnahmen, und so wurde diesem Abenteuer zur Veröffentlichung auf DVD eine Zeichentrickversion beschert, ein Verfahren welches sonst bei fehlenden Einzelepisoden angewendet wurde. Wahlweise in Schwarz/Weiß oder bunt zu sichten, guckt sich ein rein animierter 150-Minüter anstrengender, zumal er nur mit Originalton versehen ist, wenn auch mit deutschem Untertitel anwählbar. Die Zeichnungen sind simpel, die Bewegungsabläufe etwas starr, Stimmung kommt rein animationstechnisch nicht auf. Da erfreut es umso mehr, es mit einer kurzweiligen Geschichte zu tun zu haben. Sie quillt nicht über vor Innovation, ist eher routiniert herunter erzählt, aber das Aufkommen einer intelligenten Bedrohung vom Meeresboden aus besitzt genug Potential, die Lauflänge zu füllen, zumal mit parasitär besessenen Menschen der ganzen Sache noch etwas Zusatzzunder geschenkt wird. 

Vielleicht wiederholt sich zu Beginn etwas zu sehr der Kampf um das Gehör des Chefs vor Ort. Der ist ein sturer Bock in Reinform. Andererseits lebt das Abenteuer zu einem guten Stück von der Stimmung an diesem Arbeitsplatz. Und der Oberste ist kein Tyrann, nur etwas arg ehrgeizig und nicht willens die albern klingenden Sorgen der Crew ernst zu nehmen. Warum sollte er auch? Freilich zieht er seine Ignoranz selbst dann noch durch, wenn selbst Skeptiker allmählich über die merkwürdigen Vorkommnisse nachdenken würden, aber ein gewisser Comic-Touch gehörte schon immer mit zu dieser Art Abenteuer. Da muss man nicht erst auf die riesigen, grünen Fangarme in der Finalfolge warten, die aus dem Wasser ragen, und die man gerne in den Originalaufnahmen getrickst gesichtet hätte, erst recht wenn der Doktor mit dem Hubschrauber durch sie durch fliegt. Schade, dass es nur noch diese Zeichentrickvariante des Stoffes gibt. 

Nennenswert an diesem speziellen Sechsteiler ist das erste Einbringen des später immer wichtiger werdenden Schallschraubenziehers, sowie die Trennung einer Begleitung des zweiten Doktors. Dieser zuliebe wird noch 10 Minuten nach erfolgreichem Sieg gegen den Tang weiter erzählt, um entsprechend würdig Abschied zu nehmen. Mir wird die besagte Person nicht fehlen, nicht nur weil man vom zweiten Doktor ohnehin nur wenig Folgen miterleben durfte (ein Großteil der Folgen wurde von der BBC einst vernichtet), sondern auch weil sie selbst für ihre Zeit (und jener aus der sie stammt) etwas arg mädchenhaft passiv eingebaut wurde. Sie durfte sich nur Sorgen machen, kreischen, eben nur das nervige Anhängsel sein. Durch die Sprunghaftigkeit der noch existierenden Folgen, wird man wahrscheinlich nicht erfahren wie der Doktor auf die nächste Begleitung stoßen wird, sofern es eine neue geben wird. Denn zur Zeit ist der Doktor immer mit zwei Begleitern unterwegs. Ich habe keine Ahnung ob das erst einmal so bleibt, oder ob der Schotte den Autoren reicht.  Wiki

09.06.2024

PRINZESSIN MONONOKE (1997)

Ashitaka kämpft zum Schutz des Dorfes mit einem merkwürdig veränderten, äußerst starken Wildschwein. Er kann es zwar besiegen, aber er trägt eine Wunde davon, mit welcher das Tier sein Leiden übertragen hat. Da es unheilbar ist und zum Tod führen wird, macht sich Ashitaka in die Fremde auf, um den Ursprung des Mysteriums zu ergründen und mit ein bisschen Glück doch noch einen Weg aus seiner Misere zu finden... 

Wie es zum Tod eines Gottes kam...

"Prinzessin Mononoke" genießt nicht nur in Anime-Fan-Kreisen einen hohen Ruf und dies meiner Meinung nach zurecht. Hayao Miyazaki, dem wir so wunderbare Werke wie "Kikis kleiner Lieferservice" und "Das wandelnde Schloss" ebenso zu verdanken haben, wie seinen wohl berühmtesten Anime "Chihiros Reise ins Zauberland", ist ein beeindruckender Film gelungen, der einen mit seiner optischen und erzählerischen Kreativität schnell in seinen Bann zieht, sich für die kindlich gewitzten Dinge im Leben ebenso interessiert, wie für Härte, Konsequenzen und Verantwortung und uns all dies mit einer weitreichenden Empathie präsentiert, so sehr wie das Buch verschiedenste Mentalitäten versteht und uns verstehen lässt. Erzählt ist dies mit einer Geduld, die Respekt vor der eigenen Geschichte zeigt, keine Schauwerte meidet, aber auch genügend Raum für Mysterien, Charakterentwicklungen und (scheinbare) Nebensächlichkeiten lässt. "Mononoke-hime" (Originaltitel) ist Kunstwerk und Unterhaltungsfilm in einem, will inhaltlich nicht nur berieseln, sondern erwartet ein Mitdenken und Konzentration vom Publikum, hat er doch oberflächlich und tiefsinnig gleichermaßen viel zu berichten, bei all seinen Anliegen. Auch Moral steht im Raum bei manchem Appell, so z.B. an die Menschlichkeit und an den Respekt vor der Umwelt, aber typisch Japan gelingt dies ohne moralinsauer zu wirken, ohne den Zuschauer zu belehren oder gar zu entmündigen, reif wie er ausgefallen ist, so steht er auch seinem Publikum gegenüber, das dies dankend annimmt, bei all dem was man durch das Sichten von "Prinzessin Mononoke" gewinnt. 

Den einzigen Schwachpunkt, den ich bei all der Thematik um Ehre und wahre Gefühle, entdeckt habe, liegt im Versprechen der Geliebten in der Heimat, die schneller vergessen ist, als von Ashitaka gesagt und deren Erinnerungsstück eiskalt an die nächste Gewonnene weiter überreicht wird. Mag sein, dass ich da eine asiatische Mentalität nicht richtig einordnen kann, aber für mich als Europäer wirkt das alles andere als ehrbar und empathisch. Auffallen tut es nur dem, der daran denkt. Vielleicht hat Miyazaki hier innerhalb seiner Geschichte schlichtweg einen blinden Fleck gehabt, eben weil der Rest so feinfühlig und tiefsinnig ausgefallen ist. Das ist auch der Grund warum man über diese eine Schwäche hinwegsehen kann, innerhalb eines Filmes, der trotz seiner vielen erwachsenen Anliegen angenehm verspielt daher kommt, sei es im Humor, den Charakterzeichnungen, im Erschaffen übernatürlicher Gesetzmäßigkeiten oder in manch anderen kreativen Bereichen, wie der Natur der Waldgeister zum Beispiel. "Prinzessin Mononoke" hat nach all den lobenden Worten, die ich überall von ihm vernahm, auch mich bei dieser ersten Sichtung beeindruckt und für sich gewinnen können und wird somit meiner Meinung nach seinem hohen Ruf gerecht. Ich hatte das Glück ihn im Kino bei einer Wiederaufführung sichten zu dürfen, und habe noch selten ein solch respektvolles Kinopublikum erlebt, wie dort, so ruhig wie es im Saal bei diesem Kulturerlebnis war.  Wiki

06.03.2024

BATMAN - BAD BLOOD (2016)

Der dritte Teil der Trilogie mag nicht so interessant wie sein Vorgänger "Batman vs. Robin" ausgefallen sein, eine unterhaltsame Angelegenheit ist aber auch er geworden, sein Szenario mit dem Tod von Batman beginnend. Von nun an läuft der ehemalige Robin als Batman durch Gotham, damit keiner was merkt, Waynes Sohnemann, der aktuelle Robin, eilt hinzu, und im weiteren Verlauf werden Batgirl und Batwing sich noch selbst entdecken und hinzustoßen, ein Bündnis das der freilich nur totgeglaubte Batman nicht mag und den Rest des Films an Zeit benötigt, zu akzeptieren, dass man nur gemeinsam stark genug ist und dass es gut ist so viele Verbündete zu haben. Je größer die Batmanfamilie, desto schwerer tue auch ich mich meist mit den Stoffen. Förderlich finde ich diese Art der Geschichten nicht, aber auf sie soll es hinaus laufen, darauf haben "Son of Batman" und seine beiden Fortsetzungen hin gearbeitet, und von nun an darf man froh sein, dass künftige Trickfilme des dunklen Ritters wieder unabhängig hiervon erzählt sind. Denn was hier noch einmal gut gegangen ist, wenn auch mit schmalerem Ergebnis als zuvor, wäre für ein neues Abenteuer nur Ballast. Die Geschichte von "Batrman - Bad Blood" ist darauf ausgelegt, dass der Clan sich eint, zukünftige Geschichten hingegen müssten stets Kompromisse eingehen, um jeder Figur genügend Raum und Sinn zu gewähren. Durch die Rückkehr der Mutter von Waynes Sohnemann ist für Konflikte freilich zu Genüge gesorgt, Konflikte auf Superhelden- und Superschurkenebene, versteht sich, und das innerhalb eines actionreichen und kurzweiligen Treibens, wenn auch belangloser anmutend als das Abenteuer zuvor. Zumal die Animation wie sein Vorgänger "nur" angenehmer Durchschnitt ist, ohne diesmal ein optisches Highlight, wie den Vollstrecker vom Rat der Eulen, vorweisen zu können. Das Rätsel um Batmans Verbleib und eine stimmige Grundatmosphäre, die zumindest eine Art Restdüsternis, trotz der zentralen familiären und sub-familiären Situation, bereit hält, sorgen dafür, dass man angenehm genug, wenn auch diesmal etwas austauschbar, unterhalten wird.  OFDb

04.03.2024

BATMAN VS. ROBIN (2015)

"Batman vs. Robin" bildet den Mittelteil der Zeichentrick-Trilogie, die mit "Son of Batman", den ich bislang nicht gesehen habe, begann und mit "Batman - Bad Blood" beendet wurde. Zeichnerisch ist er im angenehmen Durchschnitt angesiedelt, da kommt manch andere Trickfilmversion des dunklen Ritters künstlerisch anspruchsvoller daher, aber mit dem Rat der Eulen und ganz besonders deren Abgesandten, den sie als Vollstrecker schicken und der zu einer Art Mentor für Batmans Sohn wird, sind optische Leckerbissen integriert, die zu faszinieren wissen, so wie sie aus dem Einheitsbrei hervorstechen. Die Geschichte hingegen ist alles andere als Durchschnitt, auch wenn sie auf viele klassische Elemente setzt, so z.B. auf die unterschiedliche Sichtweise das Verbrechen zu bekämpfen zwischen Batman und Robin. Letztgenannter ist mittlerweile Batmans Sohn. Der ehemalige Robin darf ebenfalls mitmischen. Und so bilden sich allerhand Fronten, Begleiter, Einmischer im Kampf um den zukünftigen Werdegang von Bruce Waynes Sprössling, der Gefahr läuft den falschen Weg zu wählen. Aufgrund der düsteren Grundstimmung und auch weil die Batman-Animationsabteilung so gut wie nie reine Jugend-, geschweige denn Kinderprodukte abliefert, rechnet man mit allem, trotz Garantie-Happy End, denn auch ein solches darf in diesen Produktionen bittere Elemente besitzen. 

Das Zusammenspiel der jeweiligen Figuren, sowie wahlweise das Gegeneinanderspiel gibt der erzählenswerten Geschichte Dynamik, anstatt Verwirrung oder Orientierungslosigkeit, zumal jede Figur einen anderen Blickwinkel auf die Dinge hat, andere Ziele verfolgt, eine andere Mentalität lebt. Da darf der Butler Waynes wieder einmal eigenwillig vorgehen, Batmans Sohnemann rebellieren (teilweise zurecht, wenn man einmal erleben darf welche Ausbruchsfallen installiert wurden, um den zum Robin trainierten Jungen daran hindern zu können nachts alleine loszuziehen), der Rat der Eulen heuchelt und manipuliert, wie man es von ihm erwartet, und der in deren Auftrag agierende Rächer ist ohnehin schwer einzuordnen. Gut und Böse verschwimmen wie gehabt, bleiben auch nach Ende der Geschichte diskussionswürdig, und man darf es wohl als konsequent bezeichnen, dass Robin, um sich über einiges klar zu werden, sich auf die Spuren des jungen Wayne von einst begibt, als dieser sich selbst suchte. Der Generationenkampf findet zwischen Vater und Sohn, Vorgänger- und Nachfolger-Robin, sowie zwischen dem altem und dem neuen Rächer Gothams statt und bietet dem Publikum ein düsteres, actionreiches und interessant erzähltes Spektakel, das auch ohne die Rest-Trilogie für sich alleine bestehen würde. Dass man sich im Batman-Universum, die Figuren betreffend, gut auskennen muss, erwarten viele andere der Zeichentrickfilme um den Fledermausmann letztendlich ebenso. Das war für mich selbstverständlich. Ich habe erst hinterher erfahren, dass es sich um einen Teil 2 handelt, eigentlich sogar erst nach der Sichtung von "Batman - Bad Blood".  OFDb

25.02.2024

ROBOCOP (1988)

Ein Jahr nach dem gleichnamigen, erfolgreichen Science Fiction-Film folgte eine Zeichentrickserie. Dass eine solche auf einem Werk basiert, das aufgrund seiner Brutalität seinerzeit in Deutschland nur gekürzt in den Kinos laufen durfte, zeigt die unterschiedliche Einstellung der Amis und den Deutschen zum Thema Gewalt in den Medien. Zwar braucht man den Erwachsenenfilm für das Kinder- und Jugendprodukt nicht zu kennen, man findet sich in der Zeichentrickserie jedoch besser zurecht, wenn dem so ist, immerhin schließt sie direkt an den Erlebnissen von dort an und setzt auf die Figuren, die man dort miterleben durfte. Das klingt nach einem respektvollen Umgang mit der Vorlage, und bis zu einem gewissen Grad mag das auch stimmen, aber "RoboCop the Comic" (Alternativtitel) ist letztendlich zu lieblos ausgefallen, um eine derartige Behauptung zu stützen. Er ist ein klassisches Fließbandprodukt aus der Trickfilmindustrie der USA, routiniert genug umgesetzt, um im Meer an Erfolgsserien mit schwimmen zu können, zu durchschnittlich konzipiert, um aus diesem herauszuragen. Außerdem sind die Animationen zu kantig und schwerfällig geraten, und RoboCop sieht selbst im actionreichsten Einsatz so aus, als würde er lächeln. Das stört in einem ernst gemeinten Plot dann doch was arg. 

Die simplen Geschichten werden zwar naiv präsentiert, die Gesellschaftskritik des Films findet wie zu erwarten keinen ernsthaften Platz in der Serie, im Bezug auf die Firma OCP fällt das jedoch ganz besonders auf. Die und ihr Vorsitzender werden zwar, ebenso wie die meisten Mitarbeiter, zwielichtig präsentiert, der Machtapparat dahinter, die Bedrohung der freien Gesellschaft durch eine Firma, findet aber freilich keinen Platz, und der wahre Aggressor einer jeden Geschichte kommt stets von woanders oder ist ein ehemaliger Mitarbeiter von OCP. Der Konzern rückt somit nie zu stark ins negative Zentrum. Trotz der vereinfachten Geschichten, findet sich dennoch immer wieder Platz für seichte Gesellschaftskritik, freilich eingefangen auf Jugendniveau. Wirklich humoristisch, wie in der Vorlage, ist das leider nicht ausgefallen. Die zu bierernst geratene Umsetzung unterstützt den zu versteiften Stil der Serie. Und da die Charaktere zu oberflächlich bleiben, kommt auch nie eine wirkliche Identifizierung mit dem Produkt auf. Es bleibt somit zu theoretisch. Nach 12 Folgen war schließlich bereits Schluss. Dem Zielpublikum bietet es jedoch genug Action, um vor der Glotze sitzen zu bleiben. Und Nachtisch sollte dieses 10 Jahre später mit der Zeichentrickserie "RoboCop Alpha Commando" erhalten. Ob diese sich mehr lohnt, weiß ich nicht, wer zu einem verwandten Thema im Trickfilmbereich greifen möchte, sollte die japanische Serie "8 Man After" sichten, die weiß zu überzeugen.  OFDb

23.02.2024

ATTACK OF THE SUPER MONSTERS (1983)

Die ersten vier Folgen der TV-Serie "Angriff der Dino Monster" wurden aneinander geschnitten, um ihn als angeblichen Film zu veröffentlichen (so wie auch mit "Goldorak" geschehen), und das VHS-Produkt kam schließlich auf DVD dann als "Attack of the Super Monsters" heraus. Hierbei handelt es sich um ein japanisches Produkt, das von den Amis irgendwie ummodelliert wurde. Aus wieviel verschiedenen Werken das Ganze zu etwas Neuem zusammengebastelt wurde, und welches Land nun welchen Einfluss darauf hatte, ist mir nicht bekannt. Ich kenne aus keinem anderen Werk die Realaufnahmen, in denen Kampfsequenzen mit Spielzeugminiaturen vollzogen werden, ohne dass diese durch die Kameraperspektive verfremdet werden, so dass sich alles wie ein Kampf im Kinderzimmer anguckt, also vergleichbar mit dem berüchtigen "Roboter der Sterne". Ebenso wenig kenne ich aus irgendeinem Anime die Zeichentricksequenzen, welche der Film ebenfalls als Mix aus Real, Zeichentrick und Kaiju-Action beherbergt, stammen sollen sie aber aus der 70er Jahre Anime-Serie "Kyôryû sensô Aizenbôgu". 
 
Selbiges gilt für die Aufnahmen des aggressiven Oberdino, der die Menschheit vernichten will und dafür in jeder Folge eine neue Plage über die Menschheit bringt. Die jeweiligen Gast-Aggressoren müssen nicht zwingend wie er aus der Urwelt stammen, da dürfen auch mal Fledermäuse und verfärbte Hunde über die Menschheit herfallen. Zu sehen gibt es aber auch Flugsaurier, stampfende Riesenreptilien, wie es für den Bereich der Kaijufilme geradezu Pflicht ist, und ohnehin besteht das komplette Produkt eigentlich nur aus Schauwerten, aneinandergereiht und zusammengehalten mit einem Minimum an Handlung. Unterforderung ist da bei jedem über 10 Jahren vorausprogrammiert, immerhin reden wir hier von 83 Minuten Laufzeit, egal ob man nun von der VHS-Kassette oder der DVD-Veröffentlichung spricht. Im Gegensatz zum eben erwähnten Vergleichsfilm, der ohne Trickfilmmomente auskam, lässt sich "Dinosaur Wars Eisenborg" (Alternativtitel) aber bei wenig Erwartung durchaus gucken, wissentlich dass einem ein derartiger Stoff als Erwachsener ohnehin nicht mehr für sich gewinnen kann. Ich zumindest kenne das Produkt nicht aus meiner Kindheit und verbinde entsprechend nichts persönlich-nostalgisches mit dem billig zusammengeschusterten, eher lieblosen Action-No-Brainer für Kinder mit sehr geringer Aufmerksamkeitsspanne. Völlig uncharmant ist diese trashige Puzzlearbeit aus verschiedenen Stoffen jedoch auch nicht ausgefallen.  OFDb

26.12.2023

MEINE NACHBARN DIE YAMADAS (1999)

In seinem Versuch mittels Kurzgeschichten in simplen Zeichnungen typische Familienkrankheiten zu persiflieren, erinnert "Die Familie Yamada - Meine verrückten Nachbarn" (Alternativtitel) an "Die Simpsons"-Anfangsphase um den Pilotfilm herum. Während die US-amerikanische Vergleichsfamilie verstärkt auf lauten Provokationshumor setzt, kommt Isao Takahatas Werk eher feinsinnig daher, geht es ihm doch zu einem guten Teil um die Schrulligkeiten im Alltag, um negative Seiten, die auch charmant sein können und uns als Mensch im Gesamten aus machen. Zu brav ist "Hôhokekyo tonari no Yamada-kun" (Originaltitel) dennoch nicht ausgefallen, treffsicher wie er pointiert seine kleinen Geschichten erzählt, wie sie, versehen mit satirischen Übertreibungen, auch im Alltag aussehen könnten, wenn sämtliche Schrulligkeiten sich nebeneinander versammeln würden. Der simpel anmutende Zeichenstil fängt treffsicher jegliche Mimik und Reaktion der Figuren gekonnt ein, künstlerisch wertvoll angegangen, liebevoll im Detail ausgearbeitet (wenn man das bei dieser Art Animation so nennen kann). "My Neighbors the Yamadas" (Alternativtitel) ist also eigentlich eine kleine Wundertüte des Animationsfilmes, wenn er mit seiner Laufzeit von fast 100 Minuten in seiner Eigenschaft als Episodenfilm nicht so unglaublich viele, oft arg kurze, Geschichten aneinander reihen würde. Als TV-Serie, mit einer Länge von jeweils 10 bis 20 Minuten pro Folge, könnte ich diese kleine Perle weit besser gucken, als in dem gewählten Format eines Langfilmes, eben weil man die Yamadas konzentriert im Detail verfolgen will und nicht als Massenerlebnis auf die Schnelle konsumieren möchte. Zwar kann jeder für sich selbst einen Langfilm stoppen und sich merken, wo er dran war, bei einer Serie ist das Fortführen einer Sichtung bei mir persönlich jedoch wesentlich wahrscheinlicher, als in selbst gesetzten Kapiteln, an deren Unterbrechungspunkt man sich bei eventuell unbeabsichtigt längerer Pause zwischen den Sichtungen vielleicht nicht mehr richtig erinnert. Von daher freut es zu wissen, dass das Projekt 2001 in Serienform fortgesetzt wurde, anstatt einen erneuten Film abgeliefert zu haben.  Wiki

26.11.2023

BATMAN - THE LONG HALLOWEEN - TEIL 1 (2021)

Ebenso wie die Comics, so besitzen auch die Zeichentrickfilme rund um Batman verschiedene alternative Ebenen, Zeichenstile, Schwerpunkte und Qualitäten. Das bedeutet, dass auch das Ergebnis völlig unterschiedlicher Natur sein kann. Da "Batman - The Long Halloween" ebenso wie die geglückten "Batman - Year One" und "Batman - The Dark Knight Returns" auf einer sehr beliebten Comicvorlage beruhen, bin ich davon ausgegangen, mit dem hier besprochenen ersten Teil eines im selben Entstehungsjahr konzipierten Zweiteilers ein ebenso kurzweiliges, vielleicht sogar besonderes Erlebnis zu erfahren, wie dort. Der erste Eindruck war sogleich gut, einfach weil die Animation zu überzeugen wusste und wahrlich wundervolle Bilder präsentierte. Leider blieb es dabei, dass das Produkt nur auf technischer Ebene überzeugt. Denn rein inhaltlich wird uns nichts präsentiert, was dem Stammzuschauer des Franchise nicht längst bekannt wäre. Der Staatsanwalt wird zu Two-Face, der Pinguin vom Untergebenen der Mafia zu einem Anführer einer Verbrecherbande, usw. usf. Wenn die bekannten Einflüsse dafür da wären, etwas anderes zu Erzählendes zu unterstützen, oder vorzubereiten, z.B. als andere Dimensionsebene, um mit gleichen Voraussetzungen auf etwas anderes hinaus zu wollen, wäre das Ganze in Ordnung gegangen. Aber auch nach langer Wartezeit, will die Geschichte auf nichts Besonderes hinaus und erzählt das Bekannte so, als wären es neue Eindrücke oder Ideen. Quantität statt Qualität zeigt sich dann, wenn in einem unkreativen Szenario einzig auf die Vielzahl der Gegner gesetzt wird. Spöttisch könnte ich da auf "Batman hält die Welt in Atem" verweisen, um zu zeigen, dass diese Denkweise keinen Erfolg garantiert. Und ein Blick auf die Inhaltsangabe des von mir nicht gesichteten zweiten Teils der hier besprochenen ersten Hälfte, zeigt dass es auch in der Fortführung lediglich um das Einbringen möglichst vieler, weiterer, bekannter Bösewichter geht, nicht aber um eine erzählenswerte Geschichte. Deswegen spare ich mir ein Sichten des zweiten Teils und sterbe lieber dumm.  Wiki

19.11.2023

NIGHT ON THE GALACTIC RAILROAD (1985)

Der langweiligste Junge, der je die Hauptrolle einer Kindergeschichte bekleiden durfte, steigt ohne ersichtlichen Grund in einen aus dem Nichts auftauchenden Zug, obwohl er dem Milchhändler gerade mitgeteilt hat, er bräuchte dringend Milch für die kranke Mutter, noch heute. Okay, der Händler sagte, er möge später wieder kommen, aber wer weiß schon wie lang eine fliegende Eisenbahn, von der man nichts weiß, unterwegs ist? Aber die Sorge des Katzenjungen gilt ohnehin einzig nur der sich Sorgen machenden Mutter und nicht der Frage, ob sie krank im Bett liegend (tief im Dunkeln, wo der Zuschauer sie nicht sichten darf, um ein paar Kröten mehr an der ohnehin schon mauen Animation zu sparen) nun mehr denn je leiden muss, so ganz ohne Milch. Wie verabredet trifft Giovanni einen seiner wenigen Freunde im Zug, obwohl er gerade eben noch zufällig eingestiegen ist. Bei solch einer komplexen Geschichte, die immerhin auf einer Buchvorlage aus den 20er Jahren beruht, kann man aber auch wirklich mal den Überblick verlieren, also wirklich! 
 
"Night on the Galactic Railroad" hat Preise bekommen, und dies sicherlich dafür, dass er Kinder in seiner sanften, zahmen Art nicht weh tut und Wissen über die Welt, sowie Fantasie vermittelt, aus dem Blickwinkel einer alternativen Katzenkultur. Dass der Streifen aber derart ruhig erzählt ist, dass dies nichts mehr mit einer angenehmen Vorgehensweise zu tun hat, sondern stattdessen den Eindruck hinterlässt, dass der Film selbst bei doppeltem Abspieltempo noch lahm wie ein Greis voran schreiten dürfte, schien der Jury ebenso egal zu sein, wie den Verantwortlichen des Streifens. Dass die Animation auch für einen 80er Jahre-Anime und auch für den Bereich des Kinderfilms alles andere als gelungen ist, in dieser fantasielosen, plumpen Art, die selbst die öde Animation von "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" unterbietet, kann auch nur wer schön reden, der Kindern keine schönen Zeichnungen gönnt und dem es reicht, wenn die Kleinen gefahrenlos vor den Fernseher gesetzt werden können. Dass die Hauptfigur, wie eingangs erwähnt wurde, ein sehr langweiliges Wesen ist, hat keineswegs mit der Außenseiterposition zu tun, die ihm das Drehbuch zuschreibt. Es ist eigentlich schön, dass er sich für Wissenschaft interessiert und sich um seine Mutter kümmert. Aber er lebt in dieser ereignislosen Welt, in welcher jeder wie unter Betäubung kommuniziert. 
 
Er ist also nur ein konsequenter Part seines unangenehmen Umfelds und hat somit gar nicht erst die Möglichkeit auf irgendeine Art interessant zu wirken. Passend dazu ist der aufregendste Moment des Helden, innerhalb dieses billig produzierten, einschläfernden Streifens, dann erreicht, wenn er begeistert aus dem Fenster des fliegenden Zuges blickt und dort Blumen am Himmel sichten darf. Zu diesem Zeitpunkt darf auch der Soundtrack endgültig damit anfangen zu nerven. Und es war der Zeitpunkt, der meine stets Anime-interessierten Freunde und mich aus "Ginga tetsudô no yoru" (Originaltitel) hinaus schmiss, so dass wir es hier mit einer dreisten Besprechung einer halben Sichtung zu tun haben. Schon auf 70 Minuten wäre "Night on the Milky Way Railroad" (Alternativtitel) ein Schlafmittel ersten Grades gewesen, das Produkt läuft jedoch über 100 Minuten, und dafür ist mir mittlerweile meine begrenzte Lebenszeit dann doch zu schade, und das will schon was heißen, bei all dem möglichen Schund, an den ich mich stets mutig und unfähig zu lernen heranwage. Mag das Besprechen einer halben Sichtung auch dreist erscheinen, der Film in seiner absichtlich plumpen, lustlosen und selbst für naive Kinderstoffe widersprüchlichen Art, war ebenso dreist. Gleiches mit Gleichem, heißt es doch so schön. Andererseits... warum rechtfertige ich mich hier überhaupt?  Wiki

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

03.10.2023

DIE ADDAMS FAMILY (2019)

Wer hätte gedacht, dass ein farbenfroh gezeichneter Computeranimationfilm in gewöhnungsbedürftiger Optik das Seelenleben der Addams Family besser einzufangen weiß, als die Real-Serien-Vision eines Tim Burton? Aber so ist es geschehen. Hier dürfen die Addams wieder alternativ morbide neben der üblichen Gesellschaft co-existieren, bestreiten wie gehabt den üblichen passiven Kampf gegen diese mit Leichtigkeit und Selbsttreue und beweisen sich als autonom und lebenswert, so wie sie als "Freaks" sind, während "Wednesday" in seiner ersten Staffel davon berichtete, wie jemand Andersartiges der Norm angeglichen werden musste. Manche Figur mag zu niedlich und, typisch CGI-Stil, zu steril ausgefallen sein, das Herz der Zeichentrickversion sitzt aber an der rechten Stelle, was sich auch durch überraschend kompatible Neuerungen beweist. Dem Haus ein eigenes Leben zu bescheren und dem Sohn Selbstbewusstsein im Umgang mit Sprengstoff bereichert das Grundkonzept. 

Nur selten gibt es Fehlentscheidungen zu sichten, wie etwa jene, dass das eiskalte Händchen ein Auge beschert bekam und damit optische Nähe zu den dämlich aussehenden Minions erhält (glücklicher Weise bleibt das Auge meist zu). Völlig daneben ist Onkel Fester geraten, der eher an die fröhlich-dämliche Disneyversion aus "Die Addams Family und die lieben Verwandten" erinnert, anstatt an den ungehobelten Schelm, dem der Stil seines Bruders fehlt. Der wiederum ist der typische Verweis auf die Rückbesinnung auf die Addams-Historie, ist er doch weder an Raul Julia, noch an John Astin angelehnt, sondern an den Comics, mit denen in den 30er Jahren alles seinen Anfang nahm. Auch verweist man andernorts in vielerlei Hinsicht auf die 60er Jahre-Serie, manches Mal auch auf die Kinofilme der 90er Jahre, so z.B. in der Bewegungsform des eiskalten Händchens geschehen. Die Besetzungen mit Chloë Grace Moretz als Wednesday und Snoop Dog als Vetter It sind ein kleiner Geniestreich für sich, und die Handlung wirkt wie ein chaotisch, typisch auf Cartoon-Stil, aufgeblasener Klassiker eines ansonsten typischen Addams-Abenteuers. 

Freilich bekommt der Mainstream mit seinem Hang zur Angleichung sein Fett weg (so gar nicht subtil), der Wandel Richtung Addams-Mentalität wird treffsicher durch einen klassischen Look der Gothic-Szene dargestellt, und am etwas zu fröhlichen Ende akzeptieren beide Seiten ihre Andersartigkeit - ja, auch die Addams den Mainstream, und dies gar nicht so moralinsauer und anbiedernd verpackt wie man meinen sollte und wie leider in Burtons Netflix-Produktion geschehen. Dennoch wirkt das Ganze am Schluss eine Spur zu verwässert, während typische Mainstreameinflüsse heutiger US-Trickfilme sich im Rest des Streifens gerade eben noch passend kompatibel als wackeliger Drahtseilakt mit der Addams-Kultur arrangiert bekommen. Viele eigenständige Ideen, klassische Verweise, recycelte Gags, allerhand Hintergrundideen, Schelmereien, Insiders und manch überraschend morbide Randerscheinungen sorgen für kurzweilige Unterhaltung, weit über dem Niveau welches ich pessimistisch im Vorfeld erwartet hatte. 

Zwar ist "The Addams Family" (Originaltitel) kein großes Kino geworden, wie die beiden Werke aus den Lichtspielhäusern der 90er Jahre, aber nach den ganzen Fehlversuchen der Wiederbelebung seit den zwei Realfilmen, tat es gut mal wieder eine positiv ausgefallene Version über die Addams zu sichten, welche sich mit dem Franchise auch tatsächlich auskennt, anstatt es lediglich zu plündern ohne dessen Mentalität zu teilen oder gar zu verstehen. Dass das Abspannlied so überhaupt nicht zum Flair der Addams passen will, kann man wiederum schon fast als Verweis auf den schrecklichen Abspann des 90er Jahre "Addams Family"-Films verstehen.  Wiki

17.09.2023

PETER HASE (2018)

Basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker springt Sony-Pictures mit einem Mix aus Animation und Realkomödie auf den Zug der Erfolgswelle von "Die Schlümpfe", "Yogi Bär" und all den vergleichbaren familienfreundlichen Stoffen auf, modernisiert die Vorlage hierfür ebenfalls wie bei den Vergleichsfilmen, um inmitten der Konfliktgeschichte zwischen Mensch und Tier einen Sprüche klopfenden Coolnessfaktor zu integrieren. Das fällt in vielen Werken infantil aus, was auch ansatzweise bei "Peter Hase" der Fall ist, bewegt sich aber hier im akzeptablen Zwischenraum aus Anbiederung an das Jungpublikum und funktionierenden Witzen und Sprüchen. Als Beispiel sei nur einmal der Hahn erwähnt, der voller Aufregung jeden Sonnenaufgang per Krähen dokumentiert, weil er mit diesem nach Sonnenuntergang am Tag zuvor nicht mehr gerechnet hat. Das Werk von "Einfach zu haben"-Regisseur Will Gluck ist einfaches Formelkino, nicht wirklich kreativ zu nennen, eher Produkt als Herzensangelegenheit, aber es funktioniert auf simpler Unterhaltungsebene, hat das Herz am rechten Fleck, überzeugt technisch mit glaubwürdiger Interaktion zwischen Mensch und animierter Tiere, die für meinen Geschmack etwas individueller im Look hätten ausfallen können. Ohne ihre verschiedenen Jacken wären sie kaum zu unterscheiden. 

Hier wurde nur so unterschiedlich und so charmant wie nötig animiert, innovativ sieht das nicht aus, es geht nur soweit in diese Richtung, wie es förderlich zum Funktionieren des Stoffes ist, so wie alles in diesem für den Markt konzipierten Konstrukt. Die Gradwanderung aus Gelingen und lahmer Routine wankt in Sachen Slapstick und Gefühlsebene mal in die ein, mal in die andere Richtung. Trotz mancher Ausrutscher und einer arg gewöhnlichen Story hat mir "Peter Rabbit" (Originaltitel) vom Unterhaltungswert jedoch recht ordentlich gefallen. Wer nicht zu viel erwartet und gern auch mal einer vorhersehbaren Geschichte beiwohnt, so lange diese genug Aktionskomik und kleine Albernheiten am Rande beinhaltet, der kann mit dem hier besprochenen Werk schlichte Kurzweile erleben. All zu moralinsauer ist der Streifen für einen Familienfilm mit US-Einfluss nicht ausgefallen. Einen Kreativpreis gewinnt man mit derartigem Konzept-Kino freilich aber auch nicht. Selbst die Parodie auf den Disney-Gesang, mit welchem "Peter Hase" u.a. startet, ist spätestens seit "Shrek" nichts neues mehr. Was soll ich sagen? Ich habe nichts erwartet und habe mich 90 Minuten lang amüsiert. Ich bin halt manchmal leicht zufrieden zu stellen. Und wenn ich bedenke welch weit plumperen Werke gerade im Bereich der Animationsfilme im letzten Jahrzehnt auf den Zuschauer lauerten, bin ich bereits erleichtert völlig ungenervt ein Werk wie dieses hier amüsiert überstanden zu haben.  Wiki

26.08.2023

AKUMA NO RIDDLE (2014)

Der 13-teilige Mix aus "Assassination Classroom" und "Battle Royale" gehört, soweit ich weiß, einmal nicht zu jener Art Animeserie, die sich zu einem breit gefächerten Franchise entwickelt hat, durch das man nur mit Hilfe des Internets durchblicken kann. Außer diesem in sich geschlossenen 13-Teiler ist mir unter "Akuma no Riddle" nichts bekannt, und das tut einfach mal gut. Die Geschichte um eine Klasse, in die nur jugendliche Auftragskiller gehen und die Mission zugeschrieben bekommen, die einzige Nichtauftragskillerin der Klasse zu töten, ist meiner Meinung nach ein Selbstläufer für sich. Die reizvolle Idee wurde in keine außergewöhnliche Optik gepackt, sie kommt geradezu klassisch animiert daher, und selbiges betrifft Charakterzeichnung und Ablauf der Serie, alles Elemente, die nur wen Neues in diesem Feld ungewöhnlich erscheinen wird. Die Grundlage, auf der alles aufbaut, ist überraschend schlicht gehalten. Vorher ausgemachte Regeln und das überraschende Mitwissen des Opfers machen es den Autoren leicht, ihre Geschichte zu erzählen. Und abgesehen von den beiden Hauptfiguren lernt man jede weitere Mitschülerin eigentlich erst dann richtig kennen, wenn sie ihre eigene Angriffs-Episode erhält. Man muss also keinen Figurenüberblick behalten, wie beispielsweise in "Girls und Panzer" geschehen. 

Das Prinzip ist somit so schlicht, wie die optische Umsetzung. Aber das Ergebnis gibt den Verantwortlichen recht: für die kleine unterhaltsame Zeichentrickserie für zwischendurch benötigt man nicht zu viel Blut, Schweiß und Tränen. Die werden im hier dargebotenen Mix aus Gewalt und Kitsch stattdessen auf dem Bildschirm geboten, so wie es der Anime-Freund gewohnt ist. Eine sympathische deutsche Synchronisation und der tolle Aufhänger der Geschichte sorgen dafür, dass man schnell mit der Serie warm wird, und überraschende Wendungen im letzten Drittel halten den Zuschauer auf Trab, so dass er bei solch trivialem Stoff nicht unterfordert wird. Die Auflösung hat mir nicht wirklich gefallen, gerade wegen einer plötzlichen Wendung kurz zuvor habe ich meine Erwartungen doch noch hochgeschraubt, aber da "Riddle Story of Devil" (Alternativtitel) ohnehin nur charmant vor sich hin plätschert, sorgt das für keinen Absturz, der den positiven Gesamteindruck zerstört. Kritischer zu betrachten ist da die angehangene Episode 13, die für sich steht und in anderen Veröffentlichungen als eigenständige OVA erschienen wäre. Die ist ziemlich zotig und unnötig ausgefallen, so dass ich sie mir hätte sparen können. Nach dem Abschluss in Folge 12 war ich als Unwissender ohnehin verwundert, dass es noch weiter gehen soll. Ich hatte mir lediglich die Beantwortung manch offener Frage gewünscht, da war dieses Zusatzabenteuer auf einer Insel, bei welchem niemand tatsächlich in Gefahr gerät, schon eine gewaltige Ohrfeige ins Gesicht. In Erinnerung bleibt mir aber freilich der eigentliche 12-Teiler, der mich angenehm unterhalten hat, ohne durch irgendetwas innovativ aufzufallen.  Wiki

23.08.2023

STEAMBOY (2004)

Ein Superheld mit Dampfantrieb, das klingt so gewagt, wie interessant, bietet Möglichkeiten auch in einer modernen Umsetzung Retro-Touch zu versprühen, und ist dadurch möglich, dass "Steamboy" ähnlich wie "Wings of Honneamise" in einer alternativen Vergangenheit spielt. Als japanischer Zeichentrickfilm umgesetzt hat man freilich keinen üblichen Superhelden-Stoff zu erwarten und einen geistlosen schon mal gar nicht. Sehr politisch und gesellschaftskritisch kommt der Film daher, der zwar nicht auf Stereotype verzichtet, Gut und Böse jedoch nicht simpel trennt. Es sind zwei Seiten Idealismus zwischen denen der kleine Junge steht, der erst recht spät zu der Figur wird, für die man ursprünglich eingeschaltet hat. Aber in solch technischer, wie erzählenswert anspruchsvoller Umsetzung wartet man gerne bis zu jenem Moment, den man verspätet umso mehr feiert, denn das nie wirklich Partei ergreifende Szenario rund um Extremismus und der Verantwortung für Forschung und Wissenschaft kommt nie falsch daher, täuscht den Zuschauer gerne mal so sehr wie den Protagonisten selbst und lehrt dem kleinen Helden niemandem zu trauen, außer sich selbst. Es ist schön zu erleben, dass eine verwöhnte, keifende Zicke zu den Helfern der zentralen Figur gehören darf (nicht ohne sie innerhalb eines Blickes in die Zukunft als jene unangenehme Erwachsene zu zeigen, zu der sie werden muss), ebenso wie halt eine veraltete Form des Fortschritts hier einem Helden Antrieb gibt und Wissenschaftler zu herrlich anzuschauenden Kriegsmaschinen inspiriert. Wenn diese Richtung Finale zum Einsatz kommen, geht in dem durchdachten Stoff die Post ab. Der Krieg tobt, Gewinner wird es nicht geben. Inmitten von Idealisten, Kapitalisten und Kriegstreibern liegt es am Steamboy das Gleichgewicht wieder herzustellen, das Schlimmste zu verhindern, und erwachsen wie sich der Stoff gibt, wird all dies freilich auf Kosten vieler Opfer erreicht. Blauäugig ist "Suchimubôi" (Originaltitel) von "Akira"-Regisseur Katsuhiro Ôtomo nun wirklich nicht ausgefallen. Inmitten von Extremismus und Krieg hält er jedoch stets ein Herz für den Helden und für die dumme Menschheit bereit, frei von Kitsch und erhobenem Zeigefinger.  Wiki

17.07.2023

DIRTY PAIR - PROJEKT E.D.E.N. (1987)

Neben zwei von fünf OVAs hat es von der in Deutschland bislang nicht erschienenen Zeichentrickserie "Dirty Pair" lediglich noch der Kinofilm in unser Land geschafft, der 15 bis 20 Minuten längere Laufzeit besitzt, als "Affäre Nolandia" und "Verschwörung um Flug 005". Zwischen diesen erschienen, besitzt er auch als Produkt für die große Leinwand noch den schlichteren, dafür aber auch komplett handgemachten Stil der Animes dieser Zeit. Zwar bemerkt man im Vergleich schon ein wenig die längere Laufzeit, dennoch guckt sich "Dirty Pair" auch in dieser Form sehr angenehm, kommt er doch ebenso verspielt und fantasiereich daher, wie die zwei mir bekannten Produkte dieser Reihe. Ob es Nebensächlichkeiten wie die rosa Unterhose eines harten Kerles ist, der fast den kompletten Film mit dieser herumläuft, oder ein wildes Chaos, das dazu führen wird, dass eine der Heldinnen für einen Mensch-Tier-Mutanten gehalten wird, auch in "Dirty Pair - Project Eden" (Alternativtitel) geht es schräg und amüsant zur Sache. 

An Kreativität mangelte es dem Autorenteam wahrlich nicht. Das sieht man an den interessanten Raumschiffen ebenso wie am Plot selbst, der nicht, wie zunächst vermutet, Parallelen zu "Verschwörung um Flug 005" vorweg nimmt, wenn er zwei verfeindete Planeten für politisch satirische Seitenhiebe einbringt. Im Gegensatz zum Vergleichswerk bildet dies lediglich den Beginn des Abenteuers, das sich diesmal mit einem irren Wissenschaftler beschäftigt, der auf jenem Planeten bizarre Kreaturen erschafft, um den sich besagte zwei Planeten aufgrund eines wertvollen Bodenvorkommens streiten. Sich irre rechtfertigende Forscher mit Hang zum Redeschwall hat man als Cineast schon des öfteren sichten dürfen, das hier präsentierte, wahnsinnige Genie dürfte zu den oberen Plätzen an Geschwätzigkeit gehören, hat man doch manchmal das Gefühl, dieses Werk hätte erst durch das Langziehen seiner Monologe die Spielfilmlänge erreicht. Was er von sich gibt ist in dieser Dosierung ein klein wenig zu viel des Guten, was man aber gerne verzeiht, so irrsinnig wie seine ständig wiederholenden Bestätigungen sind, was für ein Genie er doch sei, und wie wichtig, ja geradezu evolutionär vorbestimmt, das Ergebnis seiner Forschungen doch ist. 

Auch zeichnerisch wundervoll charakterisiert und begleitet von einem nüchtern agierenden Diener, der stets in den falschen Augenblicken Essen vorbereitet (und die Synchronstimme des Butlers aus "Graf Duckula" erhielt), vergisst man gern das Manko des zu weit getriebenen Scherzes seiner Monologe, bereichert er den Film doch ungemein. Wilde Mutanten, der Spielort einer Industrieanlage auf einem traurig drein blickenden Planeten und natürlich die empathielosen, für Zerstörung berüchtigten Heldinnen (die glücklicher Weise wieder nur wenige Erotikmomente beschert bekamen) sorgen für den Rest, so dass sich "Dirty Pair - The Movie" (Alternativtitel) ähnlich angenehm guckt wie die beiden OVAs. Gegen Ende lässt "Dâti pea: Gekijô-ban" (Originaltitel) für meinen Geschmack ein wenig nach, wenn allerhand Action den Humorgehalt ein klein wenig drückt, aber die tolle Animation von einst, ein passender Soundtrack und das Gespür für Tempo, sowie das Verhindern von Monotonie durch wenig wiederholende Ereignisse, lassen auch diesen zurückgeschraubten Part eines sympathischen Streifens unterhaltsam genug ausfallen. Mag die Reihe auch nicht zu den großen Werken des Anime-Bereichs zählen, ich wünschte mir irgendwer würde mal die Serie und die fehlenden drei OVAs nach Deutschland holen, charmant genug fallen die filmischen Abenteuer des Erfolgs-Mangas definitiv aus.  OFDb

01.07.2023

INTERSTELLA 5555 (2003)

Als die französische Musikband Daft Punk an ihrem Album Discovery arbeitete, kamen ihre Mitglieder auf die Idee, die Stücke des Albums mit Videoclips einer durchgehenden Geschichte zu untermalen. Sie schrieben ein Drehbuch und konnten den Mangazeichner und Anime-Regisseur Leiji Matsumoto für diese Idee gewinnen, der das Drehbuch der Band schließlich per Zeichentrick umsetzte. Während 2000 und 2001 erste Aufnahmen in den Musikvideos der Band bereits bewundert werden konnten, kam die komplette Geschichte erst 2003 in Form des hier besprochenen "Interstella 5555" in die Kinos, der von einem Bösewicht erzählt, der mittels dunkler Kräfte Musiker diverser Universen entführt und ihre Erinnerungen löscht, um mit ihnen als Marionetten unter seiner Fuchtel eine goldene Schallplatte nach der nächsten zu gewinnen. 

Was sich während des ersten Liedes zunächst wie eine relativ simple Zeichentrickübertragung der Band, die gerade ihr Lied vorträgt, anfühlt, eben weil man dort zunächst fast nur eine gezeichnete Band auf der Bühne erlebt, die synchron zum Gesang die Lippen bewegt, wird zu einem abenteuerlichen Trip quer durch mehrere Dimensionen. Hier darf gelitten und gestorben werden, während sich dennoch alles nach und nach dem klassischen Happy End samt Heldentum nähert. Positiv fällt neben der ohnehin beeindruckenden Gesamtidee auf, dass sich nicht Daft Punk selbst als Helden profilieren. Die Combo im Clip ist eine fiktive, versehen mit Figuren, die unverkennbar Matsumotos Stil entspringen, erinnern sie und viele weitere Figuren aus "5555: 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem" (Alternativtitel) doch an jene aus "Die Königin der 1000 Jahre", "Captain Harlock" und Co. Daft Punk selbst haben lediglich, typisch für sie mit Helmen bekleidet, einen kurzen, sogar inhaltlich bedeutungslosen Gastauftritt. 

Die Geschichte mixt nicht nur Musikfilm mit Science Fiction, aufgrund einer Seele, die ins Jenseits fährt, und okkulter Rituale wird auch der Bereich der Fantasy integriert, sowie durch eine Episode, die in einem unheimlichen Schloss spielt, auch das Gebiet des Horrorfilms gestreift. Das Ergebnis guckt sich interessant, kommt ohne jegliche Dialoge aus, erfordert deswegen trotz relativ simpler Ereignisse aber auch eine gewisse Konzentration und funktioniert freilich am besten, wenn man Zugang zur Musik von Daft Punk besitzt. Mir persönlich hat dieses japanisch-französische Experiment gefallen, das stilistisch und inhaltlich auf der einen Seite sämtliche Klischees abgrast, passend zu einer gerade in Europa aufkommenden Modewelle (die keine blieb, so beliebt wie Mangas und Animes auch heute noch als fester kultureller Bestandteil Europas sind), andererseits im wilden Mix dieser Elemente trotzdem eigene Luft atmet, mit Blick auf das von der Band selbst finanzierte Gesamtprojekt sogar individuelle. Mit einer Laufzeit von 65 Minuten, besagtem Szenarienmix und einer ebenso abwechslungsreichen Musik wird man weder unter- noch überfordert und bekommt als Freund des alternativen Kinos etwas Besonderes geboten. 

Mit Blick auf die deutsche DVD-Veröffentlichung muss mir nur noch wer erklären, warum ein englischer Untertitel vorhanden ist in einem Film ohne Dialoge. Dass dies keinen Sinn ergibt, schien auch der Erschaffer besagtem Untertitels zu bemerkten und hat wahrscheinlich deswegen (abgesehen vom Prolog) immer nur in verschiedenen Zeitabständen ein und den selben Satz einblenden lassen, der sich auf Blitzlichter im Gehirn bezieht. Ein Insider für treue Daft Punk-Fans? Lediglich ein Produktionsfehler auf der DVD? Ich habe keine Ahnung.  Wiki

25.06.2023

IN THE AFTERMATH (1988)

Es klingt unglaublich reizvoll, dass sich die drei Länder USA, Japan und Australien zusammengetan haben, um einen Endzeit-Science Fiction für Erwachsene zu drehen, der den Bereich des Realfilmes und jenen des Zeichentricks kombiniert. Dies um so mehr, als dass Mamoru Oshii als Animateur und Mit-Regisseur genannt wird, der später mit seinen "Patlabor"-Filmen und den "Ghost in the Shell"-Werken von sich reden machen sollte. Allerdings hat dieser lediglich drei Jahre zuvor den Anime "Angel's Egg" geschaffen, an dessen Material man sich bediente, um es im hier besprochenen "After Rabbit" (Alternativtitel) zweitzuverwerten. Drumherum entwickelte man eine sehr kostengünstig inszenierte Science Fiction-Geschichte, gedreht mit wenig Beteiligten in der Einöde und in schlichten Strahlenschutz-Kostümen, und fertig war der Produzententraum auf derart lieblose Art einen weit reizloseren Film zu schaffen, als es zunächst klang. Zeichentrick und Realsequenzen treffen nie direkt aufeinander, wie es bei "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" im selben Jahr perfektioniert werden sollte, und die neu inszenierten Realfilm-Sequenzen glänzen auch nicht gerade mit Innovation oder zumindest einer erzählenswerten Geschichte. Die dümpelt mit einem hauchdünnen Alibi-roten Faden lahm vor sich hin, so dass man als Zuschauer recht schnell merkt, dass hier nichts zu holen ist, zumal sich die Darsteller in ihren oberflächlich gehaltenen Rollen auch nicht gerade ein Bein ausreißen, warum sollten sie auch? Kurzum wird aus einem in der Theorie aufregend klingenden Filmexperiment eine billig zusammengeschusterte Geldmaschine, von der ich nicht weiß, ob sich ihr minimaler Aufwand finanziell tatsächlich gelohnt hat oder nicht. Wäre er tatsächlich ein großer Erfolg geworden, wäre "In the Aftermath" aber sicherlich heutzutage bekannter. Andererseits ist er schon immer für ein Randpublikum konzipiert gewesen, also wer weiß... Regisseur Carl Colpaert hat sich nach diesem Erstling eher dem Bereich des Thrillers und Dramas zugewendet, inszenierte u.a. den Fantasyfilm "G.I. Jesus" und hat mit seinem achten Werk "The Land of the Astronauts" 2010 schließlich seine Regiekarriere an den Nagel gehängt. In Deutschland wurde kaum einer seiner weiteren Beiträge veröffentlicht. "In the Aftermath" kann man sich getrost sparen, so lieb- und respektlos wie er mit Oshiis Material umgeht.  OFDb

01.06.2023

THE PERFECT INSIDER (2015)

Ein rätselhafter Mord, der den gegebenen Umständen entsprechend nicht hätte stattfinden können, begangen an einer rätselhaften Person, die Genie und Wahnsinn in einem verkörpert, ermittelt durch eine junge Frau und dem Professor, den sie begehrt, und der in seiner ständigen Art zu philosophieren das tote Genie mehr versteht als den Rest der Menschheit. Das ist die Rezeptur zu einem wahrlich reizvollen Stoff. Verzweifelt schaut man zu, im Versuch einen Sinn hinter den offenen Fragen und bisherigen Hinweisen zu bekommen, und auch wenn man nicht allein auf die Lösung kommen kann, "The Perfect Insider" arbeitet zum Erreichen seines Ziels nicht mit linken Tricks, welche die Wirklichkeit aushebeln, oder eine der Figuren im Irrsinn eine vorgetäuschte Alternativwelt erleben lässt. Die Antwort befindet sich tatsächlich in der uns vorgelebten Erzählung, die uns insgesamt über 11 Folgen vorgesetzt wird, den eigentlichen Kriminalfall erstaunlicher Weise jedoch nur über 9 Folgen auf die ursprünglich erwartete Art verfolgt. So beginnt der Mord z.B. erst in Folge 2, die Auflösung erfahren wir bereits in Folge 10, dennoch sind die jeweilige vorherige und darauffolgende Episode essenziell für die Geschichte, da es auch um das Zwischenmenschliche der Protagonisten geht und ihre intellektuelle Weiterentwicklung. 

Hierfür und zur Mörderauflösung und Argumentation der Taten schwankt "Subete ga ni naru: The Perfect Insider" (Originaltitel) etwas arg zwischen intelligent philosophisch und bedeutungsschwanger pseudo-philosophisch, zumal manche Folgen den Plot in ihren arg gewollten Gedankengängen um Sein und Ursprünglichkeit nicht wirklich vorwärts bringen. Insgesamt kann man aber von einer gelungenen Serie sprechen, interessieren Figuren doch gleicher Maßen wie die rätselhafte Geschichte, die nicht immer in klassischer Zeitreihenfolge erzählt ist. Allerdings fängt diese bisher für sich stehende Anime-Serie (es gibt ausnahmsweise mal keine hundert Fortsetzungen, Verfilmungen, Realfilmversionen oder Ableger) meiner Meinung nach weit stärker an, als sie sich zur zweiten Hälfte hin entwickelt. Da wäre mehr Potential gewesen, gerade aus intellektueller Sicht gesehen. Andererseits streift die Erzählung stets Zwischenbereiche, so z.B. zwischen Gefühl und Intellekt, zwischen klassischem Mord und konstruiertem Aufhänger/Auflösung, zwischen zwischenmenschlicher Annäherung und dem Vermeiden einer zu Ende erzählten, ja nicht einmal zu Ende offenbarten Liebesgeschichte. 

"The Perfect Insider" schwebt zwischen den Fakten, dies ohne esoterisch oder verträumt zu werden, und das verleiht ihm, einmal akzeptiert nicht so verkopft wie vermutet zu sein, seinen eigenen Reiz. Die Schlusssequenz unterstreicht eines der nicht gelösten Rätsel der Serie, der Frage ob ein bestimmter Aspekt des Wahns, entgegen sonst jedwedem Fehlen phantastischer Zutaten der Geschichte, nicht auch eine übermenschliche Fähigkeit sein könnte, philosophisch betrachtet je nach Blickwinkel vielleicht sogar beides zugleich sein könnte.  OFDb