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31.05.2022

CAN'T BUY ME LOVE (1987)

Er erfindet das Genre nicht neu, er geht formelhaft die übliche Geschichte an und dies teilweise arg sprunghaft, und er badet in Klischees. Aber ich kann mir nicht helfen, ich finde "Can't Buy Me Love" ur-sympathisch. Er begleitet mich seit meiner Jugend durch mein Cineastenleben, und es war Liebe auf den ersten Blick. Beide Hauptrollen sind toll besetzt, die weibliche bezaubernd, die männliche glaubwürdig, und Regie, Drehbuch und Soundtrack schaffen es vereint einem mit träumen zu lassen und zwischenmenschlich mit enttäuscht zu werden, ohne dass die Teenie-Komödie zur Tragikomödie verkommt. Sie will Kino sein, nicht authentisch, eine Teenie-Romanze mit schöner Geschichte sein, und das schafft sie, eben weil es nicht nur um die Romantik geht, sondern fast schon mehr um das Verlorengehen des Ur-Ichs, wenn aus einem Außenseiter ein Trendsetter wird. Das hat es alles vorher wie hinterher schon mehrfach gegeben, aber hier stimmt meiner Meinung nach einfach die Chemie perfekt zwischen den beiden Hauptdarstellern, während die Randfiguren griffig genug besetzt sind und meist ohnehin als Satire oder Parodie für bestimmte Typen Menschen stehen. 

Auch Randfiguren bekommen den nötigen Hauch Tiefe beschert, ohne dass das Produkt auch nur im Ansatz Arthouse-Kino-Niveau atmet. Und individuelle Ideen, wie das afrikanische Ameisenbärenritual, heben den Film phasenweise sogar tatsächlich aus der Masse heraus. Es mangelt also nicht völlig an Innovation, auch nicht in den meist auf Stereotyp ausgelegten Charakterzeichnungen, so dass z.B. der Besuch auf einem Flugzeugfriedhof zu einem glaubwürdigen und bewegendem Szenario werden kann. Momente des Fremdschämens gibt es immer wieder, ohne dass "Can't Buy Me Love" je zu Haudrauf-Komik greifen muss (ein gelegentlich furzender Schüler ist die einzig in diese Richtung tendierende Komik, und selbst die wird charmanter eingesetzt als es sich zunächst liest), Enttäuschungen und bittere Erlebnisse finden gefühlsintensiv statt, baden weder in Schadenkomik, noch in tiefster seelischer Düsternis und schaffen es stets jenen Freiraum des Verzeihens einzuhalten, der Figuren nach ihren beschämenden Taten immer noch beim Zuschauer gemocht werden lässt. 

In einer Geschichte um Mitläufer, Trendsetting und Sehnsüchten wird jede Figur am Ende mit ihren schlechten Seiten konfrontiert zu einer Zeit im Leben, in der man noch nicht festgefahren ist und alles besser werden kann. Deswegen weiß auch das obligatorische Happy End zu gefallen, dem leider ein etwas moralinsaurer Monolog voraus geht, der zwar das Herz am rechten Fleck besitzt und nicht so bitter aufstößt wie moralische Rezepturen in vergleichbaren Werken seit der 90er Jahre, aber doch zu dick aufgetragen und aufgesagt wirkt, um sich dem sonst so gut funktionierenden Gesamten zu fügen. Freunde der späten 90er und frühen 00er Jahre könnte es zudem interessieren, dass hier Seth Green in einer frühen Rolle vertreten ist. Patrick Dempsey hingegen war bereits zur Entstehungszeit ein Teenie-Star in den USA. Regisseur Steve Rash konnte an diesen wunderbaren Film nicht mehr anknüpfen. Mit "American Pie präsentiert: Die nächste Generation" und diversen Beiträgen der "Girls United"-Reihe lieferte er leider danach nur plumpen Durchschnitt ab, dem es an Individualität mangelt.  OFDb

09.12.2020

BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN - STAFFEL 4 (2000)

Passend zum Wechsel aufs College wird auch der Ton der eigentlichen Serie erwachsener, nicht ohne gänzlich auf die romantische Teenie-Rezeptur zu verzichten, aber doch spürbar rauer erzählt. Es geht mitunter um unangenehme Veränderungen. Altes ist zerstört, es kommt zu Abschieden, Entfremdungen, Neufindungen, dem Gefühl des Alleinseins, alles vom Drehbuch gewollt, was der schließende Kreis am Ende von Staffel 4 sehr deutlich macht, aber erneut den Zugang zu den neuen Geschehnissen zu Beginn sehr schwer machend, wie man es bereits von den beiden vorausgegangenen Jahren kennt. Diesmal ist es jedoch noch schwerer den Zugang zu finden, gehört für mich zum Zusehen der Serie doch stets das Wohlgefühl, welches sie zu entfachen vermag, mit dazu. Zunächst ist jedoch alles lediglich bitter anzusehen, und mit Buffy zusammen empfindet man sich inmitten einer großen Welt klein, schwach und allein. Wenn erstmals die Räumlichkeiten der Institution gezeigt werden, unterstreicht dies den Eindruck, zeigen diese doch ebenfalls wie gewollt diese psychologische Wirkung von den Autoren eingearbeitet wurde, während die sterilen Kammern und die schockierende Größe der Anlage, sowie das Mitmischen des Militärs auch den erwachsenen Grad der Geschichte deutlich machen. Derartiges hätte es im Teenie-Alltag zuvor nicht gegeben. Der kleine private Rahmen um Buffy und ihre Gang wird aufgebrochen. Was hier stattfindet ist überregionaler Natur, hier mischen andere Autoritäten mit. Willkommen mitten im Leben, wo sich die wenigsten für deine Persönlichkeit oder dein Empfinden interessieren - ganz zu Schweigen von einer angeblichen Berufung des Schicksals.

Das Zurechtfinden in dieser bitteren neuen College-Welt wird zudem durch die Entwicklung diverser Figuren erschwert. Angel und Cordelia sind weg und machen in der Serie "Angel - Jäger der Finsternis" weiter (von der bei manch holprigem Bruch der Ereignisse der hier erzählten Geschichte, gerade gegen Ende, wohl erwartet wird, dass man diese Serie parallel mitverfolgt), Xander wird immer uninteressanter bei seiner ewigen Jobsuche und bleibt lediglich durch die sympathische Idee seiner neuen Lebensgefährtin halbwegs im Rennen, auf Oz muss man nach einigen Folgen leider verzichten, der wird aus der Serie geschrieben, obwohl er Buffys Truppe gut tat, und Giles agiert in unangenehmen, da zu privatem und menschlichem, Umfeld nach dem Verlust der Bibliothek und seinem Job als Wächter. Ein unnatürlich wirkender Angel-Ersatz als Buffys neuer Liebhaber und die Frau, die den Platz von Oz einnimmt, erweisen sich zwar inhaltlich als interessant und förderlich für die Geschehnisse, sie erobern aber nicht das Herz des Zuschauers und bleiben gefühlt dennoch Randfigur, anstatt zu neuen Sympathisanten zu werden. Gelungen ist hingegen der Cordula-Ersatz, darf doch Spike als eines der Opfer der Institution als nicht wirklich aktiver Teil der Truppe hinzu stoßen, von Buffy und Co angeekelt, jedoch nicht in der Lage seine Aggressionen auszuleben. Er ist trotz mangelnder Sympathie zur Truppe irgendwie doch immer mit in deren Abenteuer involviert - eben so wie es bei Cordula stets der Fall war.

Das trotz dieser Schwächen eine gelungen zu schauende und geradezu kreative und mutige Chose voll von Überraschungen auf den Zuschauer wartet, zeigt sich z.B. in der Zutat, dass Spike in seiner wehrlosen Art in der Lage ist zumindest Dämonen zu vermöbeln, wenn schon nicht Menschen zu schaden, dieser Aspekt aber keinesfalls zur naheliegenden, arg plumpen Konsequenz führt, dass er somit aktiver und geläuterter Teil der Clique wird. Ganz im Gegenteil spinnt die Geschichte ganz andere Konsequenzen aus seinem Treiben. Selbiges gilt für die Hauptgeschichte, die einem einen ganz anderen Verlauf der militärischen und wissenschaftlichen Aktivitäten der Institution erwarten lässt, als das was uns tatsächlich erwartet, was sogar soweit führt, dass der eigentliche Hauptgegner sich als jemand völlig anderes entpuppt als zunächst gedacht. Ist man erst einmal in die ersten Geheimnisse um die unterirdische Organisation eingeweiht, schaut sich die vierte Staffel gleich um einiges angenehmer, was aber auch daran liegt, dass etwa zeitgleich der Zugang zu den Figuren wieder besser funktioniert. Die Distanz zueinander verhindert noch immer das angenehme Gefühl, welcher der Zusammenhalt ansonsten dem Zuschauer vermittelte, aber Staffel 4 lebt nun einmal mehr von den Herausforderungen einer Geschichte, die den Wahrnehmungsradius der kleinen Buffy zu überschatten weiß, anstatt von den Abenteuern einer eingeschweißten Teenager-Bande. Umso wichtiger ist der weiterhin vorhandene Humorfaktor der Reihe, der zwar oftmals bitterer wirkt als sonst, gerade mit Spike jedoch angenehme Seiten erfährt und die gnadenlosere Realität aufzulockern vermag. Der humoristisch lockere Umgang erleichtert auch das Fehlen der Theatralik rund um die Liebe inmitten eines sachlichen, ernsteren Plots. Der dennoch vorhandene Herzschmerz der hier besprochenen Staffel wirkt nicht mehr so empirisch aufgebläht wie zuvor, und das was uns diesbezüglich tatsächlich emotional bewegt betrifft ohnehin eher Willow, an deren Empfinden man bezüglich Oz nah dran ist.

Nicht nur die Hauptgeschichte überrascht mit weit greifenden Blickwinkeln und kreativem Einfallsreichtum, auch das Gesamtkonzept der Staffel überrascht in seiner durchdachten und verästelt entwickelnden Art. Das zeigt sich zwischenmenschlich am ständigen Wechsel der Besetzung im Vorspann, im erwachsenen Umgangston allgemein, in der Härte der Erwachsenenwelt, in der Kühle und Unübersichtlichkeit des Experiments und dessen Verlaufes samt Nachwirkungen, Opfer und unnahbarer Strippenzieher, aber auch daran, dass das Finale der Hauptgeschichte nicht das Finale der Staffel bedeutet. Die Endschlacht findet in der vorletzten Folge statt, für die letzte hat man sich eine schräge Zusatzgeschichte einfallen lassen, die anders erzählt ihren Platz zwar besser irgendwo mittendrin gefunden hätte, so verloren wie sie sich am Schluss guckt, sich inhaltlich allerdings in ihrer Begründung als Konsequenz der vereinten Taten der Finalschlacht erweist. In dieser Episode erfahren wir nicht nur etwas über die allererste Jägerin, hier dürfen sich zudem die Autoren, ebenso wie die Darsteller, ordentlich austoben, handelt es sich doch um Traumwelten, die herrlich bizarr anmuten und gekonnt mit Wirklichkeit und Spinnerei herum spielen - einschließlich des Mannes mit dem Käse, welch herrliche Idee. Auch zwei weitere Geschichten inmitten der Staffel, die für einen Augenblick das Hauptgeschehen unterbrechen, erweisen sich als ähnlich kreativ, innovativ und sympathisch. Zum einen wäre dies die Episode, in welcher jeder Einwohner Sunnydales seine Stimme verliert. Hier sind die Gegner ein Augenschmaus, die Herausforderung individueller Natur und das Ganze zudem äußerst magisch und märchenhaft orientiert am Stummfilm-Flair erzählt. Zum anderen ist es die Folge um einen Superstar, der im Alltag alles lenkt. Der Kniff dieser Folge, um eine bislang und hinterher unbedeutende Figur, die wir glücklicher Weise bereits von früher kennen, ist jener, dass wir einmal in eine typische Situation des Buffy-Universums geschubst werden, ohne vorher darauf vorbereitet zu werden. Alles ist anders in dieser Episode und dies von Beginn an. Wir finden mit den Protagonisten zusammen heraus, wie es zur alternativen Realität kommen konnte, ein Aspekt der allein schon dadurch reizt, dass wirklich jede Identifikations-Figur, ohne Ausnahme, die neue Realität für völlig normal und selbstverständlich hält. 

An Ideen mangelt es also nicht, so dass Staffel 4 trotz starker emotionaler Ernüchterungen ein aufregendes Erlebnis bleibt, das nur noch selten auf die Seifenoper-artige Gefühlswelt der Teenager setzt. Es ist erstaunlich, dass ich dies als Verlust ansehe, wird die Reihe doch theoretisch qualitativer und weniger trivial durch diese Methode. Ich mochte aber schon immer die Unschuld und die Naivität der Reihe und mit ihr diese Leichtigkeit, welche die Serie ausmachte. Es ist etwas schade, dass diese immer mehr verloren geht. Zumindest ist es gut, dass im Gegenzug wahrlich Interessantes erzählt wird und einem durch die Zusammenfindung am Schluss von Staffel 4 scheinbar im fünftem Jahr zumindest wieder der Zugang zu den Figuren erleichtern wird. Das hoffe ich zumindest, es kann freilich auch täuschen. Ich bleibe so oder so neugierig dran, bei all den Möglichkeiten, welche die neue Tonart der Serie ermöglicht. Jede unschuldige Teenager-Zeit hat nun einmal irgendwann ihr Ende. Ich hätte dieses lediglich noch nicht zu Beginn der College-Zeit erwartet.  OFDb

05.12.2020

BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN - STAFFEL 3 (1999)

Mit Staffel 3 geht eine Dekade zu Ende. Vieles wird nicht mehr so sein wie zuvor, allein schon weil die Highschool mit Ende des dritten Serienjahres ihren Abschluss findet. Dieser Bruch wird noch gewaltiger wie zum Ende der zweiten Staffel, und bis deren Fortsetzung zu alter Stärke gelangt, dauert ein wenig, tut die Neuorientierung in Staffel 3 doch schwerer als erwartet. Das liegt mitunter aber an der schrägen Weltsicht der Amerikaner und den Schuldzuweisungen Buffy gegenüber. Erst mit der Rückkehr der Harmonie in der Gruppe funktioniert die Serie wieder so gut wie zuvor. Und dann legt sie auch richtig los. Oz wird zum wahren Gewinn für die Gruppe, Willow wird durch die Zauberei endgültig vielschichtiger als zuvor, Angel bleibt ein interessanter Part, die neue Jägerin bietet allerhand Potential, von dem viel genutzt wird, und die Geschichte rund um Giles und eines Nachfolgers bereitet humoristisch und spannungsgeladen eine entscheidende Wendung vor, was die Abhängigkeit Buffys zum Rat der Jägerinnen betrifft. Der Endgegner enttarnt sich erst relativ spät und kann dementsprechend nicht so lächerlich wirken wie einige seiner Vorgänger, er entfaltet mit diesem Abstand aber auch nicht die nötige Mystik, um ihn als ehrfürchtigen Gegner wahrzunehmen. Er ist okay besetzt und charakterisiert, aber erst im Team mit Faith wird er im letzten Drittel der Staffel wirklich interessant. 

Dass sich diese Geschichte zu einem derart Action-reichen Finale hoch schaukelt, wie es innerhalb der Reihe seinesgleichen sucht, würde man nie erwarten und überrascht trotz mittelmäßiger CGI-Effekte äußerst positiv. Ohnehin entwickeln sich die einzelnen Geschichten trotz aller nach wie vor vorhandenen Theatralik und Teenie-Schmuserei äußerst interessant und oftmals erwachsen. Mehr als einmal wird der Zuschauer getäuscht, überrascht und einem Wechselbad der Emotionen ausgesetzt, in dieser Hinsicht funktioniert die Fantasy-Seifenoper "Buffy - Im Bann der Dämonen" nach wie vor gut. Freilich bleibt es trotzdem stets lustig genug, wie z.B. die Folge um eine Schokolade zeigt, die Erwachsene in ihrem Verhalten wieder zu Jugendlichen macht. Und bemerkenswert bleibt für eine derart triviale Serie zudem die eigene Reflexion, z.B. dann wenn sie bewusst eine Wiederholung der Ereignisse vortäuscht, eben weil man es diesem Rezept locker zutrauen würde, um sich dann doch als innovativer und cleverer zu beweisen, als es scheint. Damit wird Staffel 3 weiterhin nicht zum Geniestreich - das würde ich bei dieser Wohlfühl-Feierabend-Stimmung, welche die Serie entfacht, auch nie wollen - aber zumindest beweist sie Raffinesse und kann nach etlichen Folgen somit noch immer herausfordern.  OFDb

03.12.2020

BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN - STAFFEL 2 (1998)

Die Leichtigkeit, die in Staffel 1 so zu trumpfen wusste, weicht mit Staffel 2 ein gutes Stück. Man ist um mehr Ernsthaftigkeit bemüht, kreiert hierfür Schicksale, dramatische Momente und böse Überraschungen. Theoretisch gesehen wird "Buffy - Im Bann der Dämonen" hierfür erwachsener. Dass dem nur bedingt so ist, liegt daran dass das meiste davon auf Seifenopern-Niveau stattfindet. Das erstaunliche für mich ist jedoch, dass trotz dieses Wandels die Serie so überraschend gut zu funktionieren weiß. Dieser sorgt sogar dafür, dass die Vampir-Folgen zu den besseren der Serie werden, anstatt, wie zuvor, jene, welche die alternativen Monsterjagden thematisierten. Die Figuren werden interessanter, ihre Gefühlswelt komplexer, die Probleme schwerer zu lösen. Figuren, die im ersten Jahr nicht richtig funktionierten, bekommen nun ihre Chance dies endlich zu tun, gerade was die wichtigsten Männer-Rollen in Buffys Umfeld betrifft. 

Xander ist noch immer zu muskulös besetzt, gewinnt aber an Selbstvertrauen, bekommt verspieltere Momente beschert, und man bekommt den Eindruck, dass Nicholas Brendon nun selbst aufgetaut ist und unverkrampfter agiert. Giles Zutun ist aktiver im Kampf gegen die bösen Mächte, ohne seinen Charakter dabei zu verraten. Zudem bekommt er den bittersten Moment der Staffel beschert, der selbst für den Zuschauer schwer zu verarbeiten ist. Zuvor ist es schön seine Menschlichkeit hinter der intellektuellen Fassade zu entdecken, danach tut es derart weh, dass er der Empathie des Stammpublikums gewiss sein kann. Angel wird für den Handlungsverlauf wichtiger denn je, taucht von nun an, im Vorspann unter den Hauptfiguren miterwähnt, in jeder Folge auf, und ein gutes Drehbuch sei Dank kann man sich ihm und seiner Geschichte nähern, obwohl sein Spiel verkrampft ist und man zu arg um Theatralik bemüht ist. Die Geschichte um ihn herum ist allerdings ein Selbstläufer, der erstaunlicher Weise aufgrund des mangelnden Schauspieltalents seines Darstellers ausgerechnet dann schwächelt, wenn die eigentlich aufregendsten Momente geschehen. Diese gehen parallel mit einem anderen Ärgernis einher: hatte man mit einer augenzwinkernden Vernichtung des bösen Kindes, als eine Art Entschuldigung der Autoren an das Publikum, endgültig die beiden neuen Gegenspieler Buffys als wesentlich bessere Wahl empfunden, als die beiden Obervampire, die Buffy bislang das Leben erschwerten, geraten diese mit der entscheidenden Wendung in Angels Geschichte in ein weniger wirksames Licht. 

Staffel 2 ist, wie man an derartigen Beispielen sieht, nicht frei von Schwächen, eine weitere wäre das holprige Einbringen der Figur Oz, die erst gegen Ende der Staffel endlich zu sich findet und damit das Potential erreicht, welches ich mit der Besetzung Seth Greens üblicher Weise in Verbindung bringe, fand ich ihn doch schon immer sympathisch. Aber so ist das nun einmal im Buffy-Universum: vieles braucht seine Zeit, um verspätet endlich wirken zu können. Dazu zählen auch derartige Oberflächlichkeiten wie Buffys neuer Look, der ihre natürliche Art aus der ersten Staffel leider aufhebt und sie zu einer sexy Teenagerin macht, die das Publikum anschmachten soll, was sich durch den neuen Grundton, der von nun an herrscht, jedoch als passende neue optische Buffy entpuppt. Die Leichtigkeit des ersten Serienjahres ist zudem nie ganz von Bord, immer wieder kommt es zu schönen augenzwinkernden Ideen, auch die Aufhänger mancher außergewöhnlicher Geschichten betreffend. Ein heiterer Grundton herrscht ohnehin nach wie vor, die Geschichte ist und bleibt eine Horror-Komödie mit Fantasyeinfluss. 

Allerdings wird sie dem Teenie-Zielpublikum geschult kitschiger, was dank rührender Geschichten und charmanter Charaktere dem wohlgesonnenen erwachsenen Publikum jedoch nur selten auf die Nerven geht, zumal die Serie freilich weiterhin von ihren Pluspunkten des flotten Tempos und des Einfallsreichtums, sowie einer Verspieltheit der Autoren lebt. Zudem ist es nett anzuschauen, dass Erlebtes nie ganz vergessen ist und teilweise auf eine kreativ konsequente Art wieder hereinbrechen kann, mit der man zuvor nie gerechnet hätte. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Konsequenz aus Buffys Tod in Staffel 1, deren Folgen in Staffel 2 den Zuschauer zum einen raffiniert vor den Kopf stößt, während wir gleichzeitig endgültig begreifen dürfen, was an der uns bekannten unausgebildeten Vampirjägerin so anders ist, als an all den anderen Auserwählten der Menschheitsgeschichte. Dass die Logik des öfteren hakt, stört dabei wenig, mitunter eben weil "Buffy the Vampire Slayer" (Originaltitel) eine Teenie-Serie ist, in der selbst seelenlose Dämonen miteinander herum turteln können. Dass man die Serie aufgrund solcher Trivialitäten nicht völlig verharmlosen sollte, beweist aber allein schon das konsequente Finale der Staffel, welches der Geschichte Schäden beschert, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Von nun an wird alles anders sein als zuvor, und das wirkt unglaublich erwachsen in diesem pubertären Stoff.  OFDb

PS: Der heimliche Star der zweiten Staffel ist anbei Juliet Landau als völlig geisteskranke Vampirin Drusilla. Sie macht selbst Mrs. Addams ernste Konkurrenz.

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

06.02.2020

LIEBER DIKTATOR (2018)

Oh, was klingt "Lieber Diktator" nach einem politischen Plot, der als bissige Satire a la "Election", voll schwarzem Humor wie "Heathers", oder zur Rebellion aufrufend wie "Hart auf Sendung" ausfallen könnte. Da werden einige sicher enttäuscht gewesen sein, dass das vom Regie-Duo Lisa Addario und Joe Syracuse, welches seit 1997 einige wenige Filme gemeinsam inszeniert hat, umgesetzte Werk eines dieser anspruchslosen Kurzweiler mit Wohlfühl-Faktor geworden ist. Klar rebelliert Tatiana, lernt vom kommunistischen Diktator diverse Methoden, aber es ist alles recht zahm thematisiert, selbst dann wenn mit Milk-Boarding auch mal ein Lehrer in der Garage gefoltert wird. Solchen Werken, die sich der vorhandenen Möglichkeiten verweigern und alles harmloser aussehen lassen, als es tatsächlich ist, kann man kritisch gegenüber stehen, man kann eine rebellische Idee mit theoretisch mehr Potential aber auch einfach mal als provozierenden Gedanken eines ansonsten nett anzusehenden Unterhaltungsfilm akzeptieren, ohne das Ganze gleich als politischen Verrat oder Produkt der Verdummung anzusehen.

"Dear Dictator" (Originaltitel) fängt das Szenario aus dem Blickwinkel einer Teenagerin ohne Orientierung ein, verfällt nicht dem Drang daraus einen an ein Jugend-Drama grenzenden tragischen Stoff zu machen, sondern sieht sich als lockerleichte Komödie, die einer irren Idee nachgeht, umgesetzt mit Herz. Wer glaubt ein Diktator könne nicht die Rolle einer väterlichen Figur einnehmen, der sollte sein Schwarz/Weiß-Bild von Gut und Böse einmal dringend überdenken. "Lieber Diktator" lebt von beiden Seiten des im Titel genannten Mannes, dessen Vergleiche nicht ohne Grund Richtung Kuba schielen, verharmlost sicherlich durch seinen etwas arg weich gespülten Plot, aber nicht durch einen unkritischen Blick auf die Person, die Tatiana da beherbergt. Außerhalb engen, strengen politischen Ansichten, kommt der Streifen verschmitzt daher. Damit mögen die Kriegsverbrechen als eine Art schelmische Schattenseite des ehemaligen Machtinhabers etwas zu sehr verharmlost werden, als oberflächlich gestaltetes Gedankenspiel zu Unterhaltungszwecken geht das jedoch deswegen in Ordnung, weil der Film nicht versucht politisch zu manipulieren, egal in welche Richtung. Er legt die Schattenseiten beider hier thematisierten Systeme ebenso nahe, wie die positiven, zumal es letztendlich um die Kraft zur Rebellion geht, orientiert an einer naiven, da lebensunerfahrenen, Teenagerin, die vom Drehbuch jedoch nicht unterschätzt wird.

Überschreitungen von Grenzen werden schnell wieder eingedämmt, "Lieber Diktator" geht nie zu weit, zeigt keine Härte in irgend einer Art von Haltung, und auch echte Konsequenzen sind rar gesät. Vordergründig ist der Film eine Teenagergeschichte, mit überraschend treffsicherer Wiedergabe tatsächlicher Teenagerrollenbilder und einem Diktator als eine Art fragwürdigen Miyagi, der gute wie schlechte Tipps bereit hält und ein lieber Onkel ebenso sein kann, wie ein intoleranter Idealist. Diese Rolle wird gelungen von Michael Caine dargestellt, dessen deutsche Synchronstimme mehr denn je zur verkörperten Rolle des berühmten Schauspielers passt. Ebenfalls mit an Bord sind (endlich mal wieder) Seth Green, Katie Holmes und Jason Biggs. Das Herzstück bildet inhaltlich, wie emotional Hauptdarstellerin Odeya Rush, die nicht nur so bezaubernd süß aussieht wie Mila Kunis, sondern zudem noch schauspielerisch zu überzeugen weiß. Eine fast schon unnötige Love Story am Rande schenkt dem rebellischen Geist im Zentrum eine verletzliche Seite, so dass ihr Charakter greifbar genug ist, um mitzuempfinden, anstatt den Streifen lediglich aufgrund der gewagten Idee als unterhaltsam zu betrachten. Der ist, wie erwähnt, ohnehin glatt gebügelt, ins typische Muster eines familientauglichen Unterhaltungsfilmes gepresst, dank entspannter Atmosphäre, sympathischen Mimen und moralfreier und kitschreduzierter Herangehensweise geht "Lieber Diktator" als netter Zwischendurchverzehr jedoch trotzdem in Ordnung. Er gibt nicht vor etwas anderes zu sein, darin ist er ehrlich. In dieser Art ist er mir auch lieber als in Form einer starren, verkopften Satire, die den Blickwinkel anderer Seiten nicht zulassen würde. So oder so ist "Lieber Diktator" jedoch kein großes Erlebnis, sondern lediglich "nur" ein netter Film.  OFDb

26.05.2019

ICH KANN'S KAUM ERWARTEN! (1998)

"Ich kanns kaum erwarten - Can't Hardly Wait" (Alternativtitel) ist meiner Meinung nach das für die Kids der 90er und 00er Jahre, was die Werke John Hughes für jene der 80er Jahre waren. Hier entdeckt man gleiches Verständnis für die Gefühlswelt der Teenager, eingepackt in ebensolche schrulligen Figuren, mit dem nötigen Touch comicartiger Übertreibung. Am ehesten ist die wilde und gleichzeitig zarte Komödie des Regie-Duos Harry Elfont und Deborah Kaplan mit "Das darf man nur als Erwachsener" zu vergleichen. In beiden spielt eine Party eine zentrale Rolle, ebenso wie Liebe und Nerds, und in beiden ist eine vordergründige und parallel dazu eine beiläufige Liebesgeschichte vorhanden, welche beide jeweils das Herz des Zuschauers zu erobern wissen. Eine Nachahmung des Vergleichsfilmes ist "Big Party" (Alternativtitel) jedoch trotzdem nicht geworden, schlägt er inhaltlich doch andere Töne an, was nicht einzig dem aktuellen Zeitgeist von einst geschult ist, diesem jedoch auch sehr deutlich. Er sorgt für eine Entfremdung zu den Werken der 80er Jahre, so dass manche dadurch den Vergleich nicht bemerken. Aber Hughes Einfluss ist vorhanden, sehr stark sogar. Und da das Werk trotzdem innovative Luft atmet und hochgradig unterhaltsam ist, frage ich mich warum so wenig Leute den Streifen kennen und kaum über ihn berichten.

Ich habe ihn seit seinem Erscheinen nun schon etliche Male gesehen und bin bei jeder Sichtung wieder aufs Neue überrascht wie gut er funktioniert, einerseits von Klischees und Stereotype lebend, andererseits diese aushebelnd oder comicartig hochpuschend. "Party Zone" (Alternativtitel) ist der ideale Mix aus partytauglichem Teenagerfilm und herzlichem Jugendverstehen. Sein wilder Ritt weiß ebenso zu berühren, wie auch zu herrlichen Lachanfällen zu führen. Ein bunter Mix mal mehr, mal weniger im Zentrum stehender Figuren bildet den Mikrokosmos, fast einzig aufgezeigt auf einer einzigen Party, insgesamt an einem Tag spielend, Hintergründe nachholend über zeitliche Rückblicke. Auf diese wird jedoch nur selten zurückgegriffen, so dass der eigentliche Kniff der Chose darin besteht, die einzelnen Handlungsfäden stets zeitgerecht und in ihrer passenden Größenordnung in die Party einzuarbeiten, und dies möglichst mit flüssigem Übergang zum zuvor erlebten, anderen Parallelstrang. Während Seth Green, der damals wohl prominenteste Mime, der eine große Rolle in diesem Streifen ergattert hat, treffsicher wie immer herum albert und Jerry O'Connell in einem saukomischen Gastauftritt einen besonderen Moment herbei zaubert, ist es gerade Ethan Embry in der Hauptrolle zu verdanken, dass der eigentliche Motor des Films, die Liebesgeschichte rund um Preston und Amanda, derart zu Herzen geht. Sein Hundeblick verleitet zum Mitleiden, sein optimistisches Lächeln steckt an, sein milder Blick unterstützt die Gutmütigkeit und die Solidarität, die sein Charakter beinhalten soll, wie man hauptsächlich über Fremdaussagen erfährt. Einzig den finalen Kuss vergeigt er, ein übler Wermutstropfen, der ein hochgradig emotional inszeniertes Happy End ein wenig ausbremst, was man jedoch verzeiht, so genial wie der Rest der Szene und des Films inszeniert ist.

Während kleine Nebensächlichkeiten mit allerhand Running Gags und Ausnahmepassagen zu belustigen wissen, wie z.B. die nie spielende Partyband, der ewig zugreifende Kleptomane (besetzt mit dem Sherminator), die leidende Veranstalterin des Events, das hohle Püppchen, das von jedem eine Unterschrift ins Jahrbuch erhalten möchte, um nur einige wenige im Meer an lustigen Randfiguren aufzuzählen, findet der zweitgrößte Schwerpunkt des Streifens eingesperrt in einem Badezimmer statt. Dort versteckt entsteht eine nicht minder ansteckende Liebesgeschichte, dargeboten mit den vielschichtigsten Charakteren die "The Party" (Alternativtitel) zu bieten hat. Dass wir die Vielseitigkeit dieser Figuren, bzw. deren Täuschungen und Ängste und ihr wahres Ich vorgezeigt bekommen, liegt daran dass sie sich hier alleine in diesem einen Raum nicht lange verstellen brauchen, isoliert vom Rest, eine Ausnahme in einem gerade von Geltungssucht, Täuschung, Alkohol und Idealen getriebenen Selbstdarstellungsrausch, von welchem sich lediglich Preston und Amanda (mittlerweile) distanzieren. Ein weiterer Blick hinter die zerbrechlichen Fassaden von Teenagerseelen wird hingegen für einen bösen Schluss-Gag vorbereitet, nicht aber ohne authentisch, wie empathisch die Wahrheit eines alkoholisierten Gefühlslebens derartiger Partys widerzuspiegeln. Trotz aller Übertreibung atmet "Ich kann's kaum erwarten!" nun einmal lebensechte Luft. Das macht ihn gerade so besonders.

Inmitten von wahr gewordenen Kinoträumen in Sachen Romantik und Partygeschehen existieren gleichzeitig gut beobachtete Tragödien, Macken und Charaktere aus der echten Welt. Die Vielseitigkeit an Figuren und Situationen, die das Gesamtergebnis nie überfrachten, sondern stets bereichern, sorgt dafür dass Kino und Echtheit, dass Comic und Realismus, dass Partytauglichkeit und emotionale Ruhe nebeneinander co-existieren können, ohne stets das eine gegen das andere austauschen zu müssen. "Can't Hardly Wait" (Originaltitel) vermittelt ein Lebensgefühl, erinnert an alte Zeiten, gefällt als Comic, lässt einen mitfühlen und beschert uns dies alles mit einem Meer an gut aufgelegten Darstellern in verschiedenen Geschichten zur selben Zeit am selben Ort. Sie, ebenso wie Regie, Schnitt, Drehbuch, Kamera, sorgen für das Chaos und den Überblick innerhalb eines wildzahmen Szenarios. Sie schaffen es uns schnell an Begebenheiten und Personen zu binden, uns deren Anliegen verstehen zu lassen, einen anderen Moment an den vorherigen flüssig und verständlich anzuknüpfen und gleichzeitig wild losgelassen uns ein Partychaos zu offenbaren, das anzustecken weiß. Man muss kein Teenager sein, um sich hier auf verschiedensten Gefühlsebenen mitreißen zu lassen. Der satirisch und ironisch distanzierte Stil lässt auch den erwachsenen Blickwinkel zu, ebenso wie Wehmut, Retro-Charme und Nostalgie mitwirken können. "Ich kann's kaum erwarten!" ist ein emotionales Feuerwerk an Komik und Gefühlen, pointensicher umgesetzt, zum Schmunzeln ebenso animierend, wie zum großen Lacher und geistreicher ausgefallen, als uns sein wildes Daherkommen weiß machen möchte.  OFDb

07.12.2012

THE ITALIAN JOB (2003)

Eine Gruppe Profidiebe wird nach gelungenem Coup von einem ihrer Mitglieder betrogen. Der Verräter glaubt seine ehemaligen Komplizen tot, während diese einen Racheplan schmieden...

Von einem fehlerhaften Frontmann...
 
Grays Neuverfilmung von „Charlie staubt Millionen ab“ möchte gerne in der Liga von Werken wie „Ocean's Eleven“, „The Score“ oder „Verlockende Falle“ mitspielen, wenn auch etwas actionreicher angelegt. Er scheitert aber an der Blauäugigkeit die man besitzen muss, um überhaupt Gefallen daran zu finden. Die eigentliche Geschichte klingt sehr nett, warum der Verräter seine Diebeskollegen für tot hält geht storytechnisch auch in Ordnung. Vieles andere innerhalb der Geschichte ist allerdings etwas unausgegoren. Dazu später mehr!

Die Besetzung kann sich sehen lassen. Donald Sutherland absolviert einen Gastauftritt, Teen-Star Seth Green ist mit dabei, Jason Statham aus „The Transporter“ weiß mit seiner leichten Bruce Willis-Ähnlichkeit zu gefallen und hat ohnehin ein markantes und somit wirksames Gesicht, Charlize Theron darf nicht nur hübsch aussehen sondern ist auch nützlich für den Bruch, und Edward Norton ist ohnehin immer eine erstklassige Besetzung.

Lediglich Mark Wahlberg ist als Frontmann zu blass besetzt. Hätte er einen ähnlich kleinen Gaunerpart wie Seth Green ginge das in Ordnung, als Anführer der Truppe fehlt ihm jedoch das Format und die optische Wirkung vor der Kamera. Er sieht aus wie ein Weichei und wirkt so brav wie der olle Matthew Broderick. Schade dass man nicht Matt Damon besetzte, der sieht Wahlberg recht ähnlich, kann aber wesentlich besser schauspielern. Zumindest haben wir mit Wahlberg den ersten Hinweis darauf, dass der Film nicht ganz so gut funktioniert, wie er es eigentlich könnte.

Denn eigentlich ist die Geschichte zunächst einmal flott erzählt. Die Musikuntermalung versucht auch in den nicht so flinken Szenen durch flotte Musik ein konsequent schnelles Tempo vorzugaukeln. Das geht manchmal in Ordnung, manchmal wirkt es allerdings etwas lächerlich. Im Gegensatz zu den oben genannten Vergleichsfilmen war man auch mehr dem Actionkino zugeneigt. Aber auch hier gibt es des öfteren Punkteabzug.

Crashende Autos im Straßenverkehr wirken bei einer Verfolgungsjagd gut. Findet diese jedoch auf dem Wasser statt, und man crasht lediglich eine olle Gondel, hat das nicht mehr das selbe Kaliber. Das wirkt billig (was es von den Kosten ja dann auch gewesen sein dürfte) und nicht gerade sonderlich actionreich. Crashenden Autos sieht man in „The Italian Job“ nur bei den Szenen mit manipulierten Ampel, und da gibt es für den Actionfreund auch nicht gerade viel Krawumm zu sehen. Von meiner Seite aus geht das allerdings in Ordnung, wirken doch wenigstens diese Szenen endlich einmal realistisch.

Viele andere Szenen tun dies nicht. Oh ja, das fertige Werk soll ein kurzweiliger Funfilm sein, ein Popkornfilm. Aber man versucht zu zeigen wie professionell die Diebe arbeiten. Und nun schleichen sich Ärgernisse von Seiten ein, die man aus anderen Filmen gewohnt ist und dort auch gütigst übersieht. Wenn unsere „The Italian Job“-Gauner aber nun ihren Coup bis ins kleinste Detail planen, dann ärgert es beispielsweise, wie unecht hier Auto gefahren wird. Mit jedem Sprung in die Luft müsste die Karre längst Schrott sein. Unfälle wären beim Fahrstil sehr wahrscheinlich gewesen. Man hätte liegen bleiben müssen usw. Klar machen diese gewohnten Elemente einen Film rasant, sie hinterlassen aber auch den Eindruck, dass der fertige Plan auf zu vielen Zufällen beruht.

Außerdem stößt es etwas sauer auf, dass man zu viele wichtige Aspekte der Planungsphase, ähnlich wie in der Ocean's-Reihe, bereits als fertige Tatsache vorgesetzt bekommt. Kontaktmänner sind bereits aufgetrieben, eine finale Rückversicherung dient als Überraschung. Ihre Entstehung wird aber nicht einmal über Rückblick erklärt obwohl da dringend Erklärungsbedarf bestand. Asse werden ohnehin häufig aus dem Ärmel gezogen, ohne zu erklären wie man nun dies wieder bewerkstelligt hat.

Was ebenfalls auf der Negativliste steht, ist das Verhalten der Jungs in dem Zeitraum, in dem die Rolle Nortons seine Kollegen noch für tot hält. Man plant vor Ort, spaziert durch die Gegend, und das wo der Haupttrumpf doch darin liegt für tot gehalten zu werden. Nicht einmal in einem Nebensatz wird erwähnt wie gefährlich das Treiben der Helden ist.

Zuletzt sollte man auf der Negativliste einmal darüber nachgrübeln wer nun das schlimmere Übel ist: die Rolle Nortons oder die Diebesbande? Die Rolle Nortons brachte seine Kollegen um (dachte dies zumindest), lebte danach in Reichtum und hat sicherlich noch eine handvoll weiterer Menschen auf dem Gewissen. Seine Taten geschehen im vollen Bewusstsein. Unsere Diebesbande hat auf Gaunerniveau gute Absichten und will bewusst auch niemanden unnötig verletzen. Doch dann sichtet man immer wieder flinke Autos mitten im Straßenverkehr, rasende Autos in der U-Bahn-Station u.ä. Die Autos brettern dort in Highspeed umher, wo jede Menge unschuldiger Menschen sind.

Im Prinzip hat man es lediglich dem gnädigen Drehbuchautor zu verdanken, dass dabei nicht mindestens so viele Menschen umkamen wie bei Nortons Killermomente. Aber das ist Hollywood in seinen Massenpublikums-Werken: Für den guten Zweck wird dieses Risiko in Kauf genommen. Ethisch unkorrekter und asozialer kann man wohl kaum handeln. Ähnliche Fehler sind übrigens auch in „Stirb langsam 4.0“ zu sichten.

Schaut man über diese ganzen Minuspunkte hinweg, was möglich ist in einem solch kleinen Popkornfilm, wird man zumindest recht nett unterhalten. Es wird nie langweilig, und die Boots- und Autofahrten sind sehr rasant umgesetzt. Ohnehin werden Autofreaks ähnliche Freude verspüren wie beim besseren „Nur noch 60 Sekunden“. Die gezeigten Tricks der Bande sind auch eine Freude für sich, und ohnehin macht es Spaß zu beobachten, wie die Gauner mit jedem Situationswechsel umdenken muss.

„The Italian Job“ ist flotte Unterhaltung, ist aber auch nur der kleine Film für zwischendurch. Er ist zu naiv erzählt und seine Action ist verglichen mit dem was man heutzutage von der Konkurrenz präsentiert bekommt auch arg zurückhaltend. Da man auch die Jugend ins Kino locken wollte, ist er eine Spur zu brav ausgefallen, und auf eine intelligente Geschichte wurde keine Rücksicht genommen. Die Story an sich ist gut, die Besetzung weiß bis auf Wahlberg auch zu überzeugen. Aber gerade der gute Cast und die finanziellen Möglichkeiten die gegeben waren, sind der Anlass zu grübeln, warum dann um Gottes Willen aus „The Italian Job“ nicht großes Kino gemacht wurde.  OFDb