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27.10.2024

TURBO KID (2015)

Ein Teenager, der in einer postapokalyptischen Welt möglichst unauffällig agiert, gerät durch eine neue Bekanntschaft versehentlich in einen Kampf mit dem mächtigsten Mann dieser Welt, welcher die Wasservorräte kontrolliert und barbarische Spiele mit seinen Untertanen treibt...

Die BMX-Bande...

Der Film spielt in der Zukunft, in den 90er Jahren, nach einer postapokalyptischen Katastrophe in den 80ern. Allein für diesen Ansatz könnte man die Verantwortlichen von "Turbo Kid" bereits umarmen. Und diesen nutzt man nicht ohne Grund, lieferte man doch einen Stoff ab, der ebenso in den 80er Jahren in der Videothek hätte stehen können. Optisch, stilistisch und von der Mentalität her ist er den B-Movies dieser Zeit nicht fern und unterscheidet sich nur insofern, als dass er das, was er ist oder präsentiert, offensichtlicher augenzwinkernd auslebt, mit Humor anreichert und die Nostalgie dieser Zeit eingeplant für sich zu nutzen weiß. Freilich ist das auf alt getrimmte Bildmaterial qualitativer als das Filmmaterial von einst mittlerweile, aber ich glaube kaum, dass ein Filmfreund, egal welcher Dekade seines Hobbys, gerne einen Beitrag in milchiger VHS-Qualität gesichtet hätte. Letztendlich geht man mit dieser Herangehensweise dennoch konsequent vor, wesentlich mehr sogar als im Folgewerk "Summer of 84", ebenfalls geschrieben und inszeniert von Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell. 

In diesem hervorragenden Film lebte dieses Trio lediglich die Zeit der 80er Jahre gekonnt auf, inmitten einer Inszenierung, die technisch in der aktuellen Kinozeit zu Hause war. Zwar finde ich den Horrorbeitrag noch eine Spur besser, aber auch der Vorgänger ist durchaus sehenswert in seinem herrlichen Genremix, der zwischen Kopie, Ideenreichtum und damaligem Standard hin und her pendelt. Als eine Art Anti-"Mad Max" konzipiert, existiert in dieser staubigen, einödigen Wüstenwelt kein Benzin mehr. Deswegen dürfen selbst die krassesten, mit Totenkopfmaske gekleideten, Krieger Verfolgungsjagden auf dem Fahrrad absolvieren, so dass Bedrohung und Belustigung charmant Hand in Hand gehen, ein Beispiel das Pate für den kompletten Film steht. Die Freundschaft zu einem schrägen Mädchen, deren Geheimnis man zwar erahnen kann, aber trotzdem als Freund solcher Stoffe dankend annimmt, kommt empathisch und schrill zugleich daher. Die oftmals seichte Komik in Form der Genre-Parodie trifft kompatibel auf manch derbe Späße, die eher in einer japanischen Gore-Komödie daheim wären, und das Verwenden und das Erkennen nutzloser Überbleibsel aus den 80er Jahren trifft auf wahre Liebe für derartige Popkultur-Gegenstände und entfacht eine sich wunderschön anfühlende Nostalgie inmitten einer kalten, rauen Zukunftswelt. 

Die Hauptfigur lebt letztendlich das versteckte Einigeln in der eigenen Blase, welche der Film-, Comic- und Gamer-Freak von damals und heute eher sinnbildlich um sich entfacht. Und jeder der in einer solchen lebt, weiß dass das Leben einen immer wieder aus dieser herauszieht, so wie es dem Protagonisten aus "Turbo Kid" passiert, der sich jedoch weit übleren Herausforderungen der echten Welt stellen muss, als es der Couch Potatoe in der unseren muss. Als Antagonist glänzt Michael Ironside so spielfreudig und wirksam, wie schon lange nicht mehr, was dem ohnehin schon gelungenen Werk einen weiteren Pluspunkt beschert. Freilich verläuft alles, der Pflicht der Vorlagen geschult, etwas zu typisch nach Schema F, Überraschungen gibt es stets nur in den Beilagen, nicht im grundlegenden Rezept der Handlungsabfolge, aber dieses Makel nimmt man gerne in Kauf, oder heißt es gar willkommen, eben weil man weiß worauf sich der Streifen bezieht. Dass der Film in seiner pulpigen Art auch Filmfreunden gefallen kann, die nicht wissen auf welche Art vergangenes Kino man schielte, liegt an den Identifikationsmöglichkeiten von heute, wo der sich mit kindlichen Hobbys beschäftigende Nerd längst nicht mehr einer belächelten Randgruppe angehört. Auch die eher nebenbei mitschwingende Superhelden-Thematik hilft diesbezüglich in der Hochzeit des Superhelden-Genres entstanden.  Wiki

01.04.2024

STARSHIP TROOPERS (1997)

Mit den medialen Nachrichten-Zwischensequenzen per Internet schlägt "Starship Troopers" eine Brücke zum ebenfalls von Paul Verhoeven inszenierten "RoboCop", der so wie dieser eine actiongewaltige Science Fiction-Satire ist. Von einer Kopie ist man aufgrund der völlig anderen Thematik jedoch weit entfernt, konzentriert sich das auf einem Buch von Robert A. Heinlein basierende Geschehen doch auf einen Krieg der Menschheit der Zukunft gegen einen außerirdischen Insektenstaat. Ein Krieg gegen Käfer wird geführt, die sich evolutionär komplett anders als wir entwickelt haben, über eine andere Art Intelligenz verfügen, biologische Technik verwenden, so dass sie von der überheblichen Menschheit als dümmer eingestuft werden, als es tatsächlich der Fall ist. Die Gegenüberstellung dieser beiden Entwicklungssysteme dient jedoch nicht nur dem faszinierenden Gedanken, dass sich Leben anderswo im All anders entwickelt haben kann, es stellt zwei totalitäre Systeme gegenüber. Denn die Gesellschaft der Menschheit ist deutlich an jener der USA zur Entstehungszeit des Filmes orientiert und wird in einer pervertierten Variante dargeboten, die gekonnt Grundlage bietet die Fragwürdigkeiten von heute zu thematisieren. 

Der Weg zum Militär ist noch immer freiwilliger Natur, das Weltbild der USA der Zukunft bleibt militärgeprägt, ohne zur reinen Militärdiktatur zu werden. Und der kleine Blick auf die andere Seite, den man uns erhaschen lässt, zeigt die Dekadenz der Reichen, der Wohlstand im Schatten derer die dafür sorgen. Dass es auch andere Gesellschaftsschichten gibt, erfahren wir durch die Begründungen des Militäreintritts, wenn solch interessante Ideen angesprochen werden, wie das verfrühte Recht aufs Kinderkriegen, wenn man eine Militärzeit absolviert hat. Auch das Propagandaprogramm im Internet zeigt, dass die ach wie freie Gesellschaft doch mehr vom Militär eingenommen ist, als es zunächst scheint. Verhoeven zeigt uns drei unterschiedliche Karrieren innerhalb dieses Militärgefüges, in einer Erzählung, die nach einem Jahr Vorgeschichte zu Kriegszeiten spielt. Hauptsächlich konzentriert auf den Werdegang Johnnys in der Infanterie, wird uns nicht nur eine schwarzhumorige Actiongeschichte im Science Fiction-Gewandt geboten, der Film zeigt uns die Austauschbarkeit der Menschen, die sich trotz ihrer individuellen Prägung nicht wirklich von den Käfern unterscheidet, die einzig dem Wohl ihres Oberhauptes dienen. 

Johnny ist dumm, er geht aus dümmlichen Gründen zum Militär, er tut was ihm gesagt wird, er plappert nach was er dort lernt, und auf diese Weise macht er Karriere, bis auch er ausgetauscht werden wird. Das System wird kritisch betrachtet, und dies beiläufig während wir einer lauteren, wuchtigeren Geschichte folgen, die von anderen Kreaturen, Krieg, aber auch von Liebe handelt. Erstaunlich ist das Greifbare der absichtlich oberflächlich gehaltenen Charaktere. Sie funktionieren als Identifikationsfiguren, lassen einen sogar emotional dann mitfühlen, wenn sie selbst nur funktionieren, anstatt Empathie zu empfinden, bei manchem Zuschauer werden sie vielleicht sogar zu Sympathiefiguren. Letztendlich dienen sie aber nur dem Zeigen einer eiskalten Welt, einer Gesellschaft, in der man sich durchaus einfinden kann, zu einem Preis der zu hoch ist, was sie intellektuell jedoch nicht verstehen. Der Intellekt findet sich woanders positioniert im System, und auch der ist eiskalt. Running Gags, erstaunliche Effekte, eine geistreiche Geschichte, das mit einem immensen Budget finanzierte Projekt bietet jene Art Blockbuster-Kino, das nicht nur der oberflächlichen Unterhaltung dient und es schafft das lediglich konsumierende Massenpublikum ebenso für sich einzunehmen, wie auch den reflektierenden Cineasten. "Starship Troopers" ist großes Kino, oberflächlich in dem was es sein will und damit etwas vortäuschend, was es nicht ist.  Wiki

18.06.2017

PROM NIGHT 2 (1987)

Was haben „Prom Night“ und „Prom Night 2“ miteinander gemein? Das im Titel benannte Abschlussfest, welches für die Schönen und Beliebten, glaubt man der Film- und Serienwelt aus Amerika, zum Highlight ihres Schülerlebens gehört. Umkämpft ist die Krone der Ballkönigin, und ein Blick auf den hier besprochenen Film lässt nur hoffen, dass er aus satirischen Gründen das Eifern auf den Titel übertreibt, denn für die ein oder andere Dame dieses Streifens ist ein Leben ohne die Krone ergattert zu haben undenkbar, und wenn man ihn sich per Blowjob erkaufen muss.

Wie auch immer, dass Teil 2 eigentlich ein eigenständiger Film ist und sich den Titel des Originals lediglich aufgrund besserer Verkaufszahlen geliehen hat (war das wirklich von Vorteil?) ist letztendlich egal, zumal der mit Jamie Lee Curtis besetzte Slasher nicht gerade derart umwerfend ausgefallen ist, dass man sich sehnlichst eine Fortsetzung gewünscht hat. Durch die übernatürliche Thematik geht man in „Mary Lou“ (Alternativtitel) völlig eigene Wege - wenn man das so bezeichnen kann, so krude wie er Elemente aus „Der Exorzist“, „Carrie“ und der „Nightmare on Elm Street“-Reihe mixt.

Den Einfluss von Letztgenanntem erkennt man an den einfallsreich gestalteten übernatürlichen Sequenzen, jener Part, an dem sich die Special Effects-Verantwortlichen und jene für die Geschichte tüchtig austoben durften. Ob es ein besessenes Schaukelpferd ist, ein unfreiwilliges Baden in einer Schultafel oder das aus „Nightmare 2“ entliehene Herausbrechen der übersinnlichen Kreatur aus ihrem Leihkörper heraus - zu sehen gibt es einiges, freilich handgemacht in einem 80er Jahre-Film, und das weiß bei der Vielzahl solcher Szenen zu gefallen.

Der Rest des Films kann damit nicht ganz mithalten. Zwar ist er mit Michael Ironside zumindest in einer Rolle gut besetzt (und in den anderen Rollen durchaus brauchbar), aber man merkt der Geschichte an, dass sie eigentlich gar nicht weiß was sie sein will. Nie entscheidet man sich wirklich zwischen Geister- und Exorzismus-Horror, ewig badet man in Visionen und nur selten bekommen gezeigte Szenen einen übergeordneten Sinn beschert. Warum Mary Lou attackiert wen sie attackiert wird nie ganz klar, ebenso die Frage darüber warum diverse Opfer Visionen erhalten.

Als Horrorfilm zum Kopfausschalten funktioniert „The Haunting of Hamilton High“ (Alternativtitel) allerdings recht gut, stellen sich die Unsinnigkeiten doch nicht derart penetrant in den Vordergrund, als dass man den Rest nicht dennoch routiniert genug genießen könnte. Mag „Hello Mary Lou - Prom Night 2“ (Originaltitel) auch manches Mal kurzfristig auf der Stelle treten und sich nicht wirklich derart für die Figuren interessieren, wie er es nach außen hin anhand diverser persönlicher Sub-Plots vorgaukelt zu tun, Bruce Pittmans Werk ist genau jene unterhaltsame Horror-Zwischendurchkost, für welche ich die 80er Jahre Videotheken-Produkte so liebe.  OFDb

06.11.2016

V - DIE AUSSERIRDISCHEN BESUCHER KOMMEN (1983)

„V - Die außerirdischen Besucher kommen“ war in seiner Erscheinungszeit ein besonderes TV-Phänomen, wurde der Sternenkrieg, der erfolgreich seit Jahren im Kino tobte, doch gekonnt in die Fernsehlandschaft transferiert, mit Spezialeffekten, die für seine Zeit für eine olle TV-Produktion bahnbrechend waren. Mag es auch nicht in jedem Moment krachen und rumsen, die Verfolgungsjagden mit den Fluggleitern, das Auftauchen der großen Raumschiffe über den Städten und die Schießereien zwischen Mensch und Alien sind ein Freudenfest für Science Fiction-Fans des Popkornbereichs, und die rar gesäten Kreatureneffekte wissen ebenfalls zu überzeugen.

„V“ funktioniert auch heute noch, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel und akzeptiert, dass es sich bei der plakativ erzählten Geschichte um Trivialunterhaltung handelt, die ihre Botschaft mit dem Holzhammer serviert, uns Stereotype anstatt greifbarer Charaktere vor die Nase setzt und ein versimpeltes Gut- und Bösebild präsentiert, wie es geradezu typisch für eine amerikanische Produktion ist. Subtile Töne darf suchen wer will. Die auf fünf Spielfilme gestreckte TV-Mini-Serie „V“ ist ein reißerisches Stück Science-Fiction-Unterhaltung in lauten Tönen, mit wuchtigen Cliffhangern, hohlen Helden und kitschiger Dramatik.

Es gleicht einem Wunder, dass „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ so wunderbar funktioniert, verkörpern doch eigentlich nur recht schwache Darsteller das Figurenmeer und badet die Science Fiction doch oftmals im Seifenoper-Bereich, so als gucke man gerade eine „Dallas“-Episode in der zufälliger Weise Außerirdische auftauchen. Neben der geglückten Spezialeffekte, liegt das Funktionieren der Serie hauptsächlich an dem gekonnten Wecken des Kindes im Manne, das von den Drehbuchautoren mit allerhand Spielereien befriedigt wird. Karrieregeile Streitigkeiten in der Chefetage der Aliens, das monströse Reptilienbaby, Verschwörungen mittels Gehirnwäsche, der Mensch als Nahrungsquelle, in „V“ wird mit keiner Zutat gespart, die zu einem abenteuerlichen Märchen dazu gehört. Und da uns gerade der erste Spielfilm einen detailierten Blick auf die große Menge an für die Handlung wichtigen Figuren gewährt und in seiner langsamen Erzählart zudem Schritt für Schritt aufweist, wie die Aliens an die Macht kommen konnten, macht dieses unreife Stück Faschismus-Kritik einfach Spaß.

Während Marc Singer völlig verkrampft und frei jeder erkennbaren Ironie den knallharten Actionhelden mimt, der die nicht minder schlecht verkörperte Anführerin der Rebellen stets von oben herab Kindchen nennt, weiß „Freddy Krueger“ Robert Englund als zahmer Vertreter der Aliengattung zu überraschen, was seine Wirkung in den „Nightmare on Elm Street“-Filmen zusätzlich zu bereichern weiß. Wahres Schauspieltalent beweist aber eigentlich nur der charismatische Michael Ironside, auf den man jedoch bis zum 4. Spielfilm warten muss, bis er ins Geschehen tritt. Ebenfalls positiv fällt der jüdische alte Mann auf, der die überforderten Jungdarsteller an seiner Seite stets locker an die Wand spielt. Ihm haben wir die wenigen emotionalen Momente der Serie zu verdanken, die trotz dick aufgetragenem Kitsch dennoch zu berühren wissen.

Wer sich geistfrei auf einen abenteuerlichen Mix aus Seifenoper, Science Fiction, Action und Drama mit eindimensionalen Charakteren in schlichter Gut-Böse-Aufteilung einlassen kann, dem wird hinter all den schlechten Eigenschaften eine überraschend gelungene Serie offenbart, die einen zum Mitfiebern verleitet, das Kind im Manne sättigt und mit einfallsreichen Plotwendungen die Neugierde stets oben hält. „V“ will unterhalten, nichts mehr als das, eben so wie sich das Fernsehen einst vom Kino unterschied. Heute fällt er dem modernen Publikum sicherlich nur noch wegen der überholten Spezialeffekte negativ auf, ist das Kino doch längst ähnlich plump ausgefallen, wie die Trivialrezeptur dieser sympathischen TV-Produktion.

Uns soll es egal sein. „V“ füttert die niedrigsten Instinkte im Menschen. Er weckt Rachsucht und Genugtuung ebenso wie Ehrgefühl und Mitleid. Er lässt uns manches Mal in seiner Idiotie ebenso die Augen verdrehen, wie er auf der anderen Seite auch mit raffinierten Twists überrascht. Und wenn dann noch der ein oder andere trockene Witz das bierernste Treiben aufbricht, meist in Form treffsicherer Sprüche, dann kann man eigentlich nicht mehr über „V“ meckern. Dann muss man schon ein arg verbohrter Dickkopf sein, der einfach nicht wahrhaben will dass stupide leichte Kost eben manchmal doch genau das Richtige für einen wunderschönen Videoabend ist.

Einzig das Ende ist ein Aspekt, an dem es nichts schön zu reden gibt, nicht nur weil es an Einfallslosigkeit kaum zu unterbieten ist, sondern auch weil „V“ in dieser Phase das Genre von Science Fiction auf Fantasy wechselt. Das sorgt zwar für eine Ernüchterung am Schluss, sofern man mit den Figuren mitempfinden kann löst sich die Enttäuschung jedoch schnell wieder in Wohlgefallen auf, wenn man sich zusammen mit den liebgewonnenen Protagonisten über das obligatorische Happy End freuen darf. Wer „V“ in guter Erinnerung halten will, sollte dann auch mit dem Ende des 5. Spielfilms die Spielwiese verlassen, ist der ein Jahr später folgende Nachzügler „V - Die Außerirdischen Besucher kommen zurück“ doch extem plump und arg überkonstruiert ausgefallen. Auch von dem Remake aus dem Jahr 2009 sollte man unbedingt die Finger lassen.  OFDb

14.09.2013

BLOODSUCKERS (2005)

Blutsauger aus dem All sind im Horrorgenre keine neue Idee. So gab es in den 60er Jahren den japanischen Film „Goké - Vampir aus dem Weltall“, Charles Band ließ Ende der 90er Jahre den „Angriff der Weltraumvampire“ auf die Menschheit los, und Energie anstatt Blut saugend ließen Tobe Hooper mit „Lifeforce“ und Jim Wynorski mit „Der Vampir aus dem All“ zumindest sinngemäß vergleichbare Wesen auf der Erde landen. Die Erde ist genau das was diese Filme gemein haben. Autor und Regisseur Matthew Hastings schwebte es nun vor, die meist lächerlich ausgefallene Idee im Weltraum spielen zu lassen. Er versetzt die Handlung in die Zukunft und rückt das Genre Science Fiction in den Vordergrund, während er das Genre Horror in der zweiten Reihe parkt.

So einige werden nichts mit dem billig produzierten Streifen anfangen können, aber mir hat er gefallen, der billig naive aber charmante Film, der schlicht erzählt ist und doch immer interessante Storywendungen bietet. „Bloodsuckers“ schaut sich wie ein Pilotfilm, und da die etwas oberflächlich ausgefallenen Charaktere zu gefallen wissen, hätte er das meiner Meinung nach auch ruhig sein können. Eine Serie zum hier gesichteten Szenario fänd ich eine interessante Idee, schaut sich der Film vom Stil her doch ein wenig wie die humorlose und anarchiefreie Variante der geglückten Science Fiction-Serie „Lexx“.

Ja, richtig gelesen: „Bloodsuckers“ ist ernst gemeint, wirkt trotz Vampirgattungen mit Namen wie die Vorheeses und die Leatherfaces (nein, dies ist kein Amateurfilm) nicht einmal augenzwinkernd erzählt oder gar ironisch angehaucht. Und trotzdem (oder deshalb?) weiß die simple, fast plumpe Umsetzung zu gefallen. Die Chemie stimmt einfach. So wie bei „Alien vs. Zombies“ weiß man manchmal nicht wirklich warum, aber „Bloodsuckers“ wird einfach nicht zum Langweiler. Im Gegenteil, ich fand die Geschehnisse Richtung Ende immer interessanter.

Dass Matthew Hastings ausgerechnet mit einer ernsten Umsetzung trumpft, darf schon verwundern. Immerhin war er für den wundervollen ersten „Todes-Date“ verantwortlich, der nur bei einem Ausnahmepublikum Anklang fand, und drehte er doch die ein oder andere Folge der charmant witzigen Serie „EUReKA“. Aber wie man sieht kann er auch anders. Der Frage warum es im Weltall so viele Vampirgattungen gibt, wird gar nicht erst nachgegangen. Wir bekommen die Zukunft mit ihren Gesetzmäßigkeiten vorgesetzt, und dürfen nun erleben wie eine Weltraum-Crew von einem Erlebnis zum nächsten gehetzt wird.

Die Geschichte selbst wirkt dabei niemals gehetzt, obwohl so allerhand passiert. Dialogszenen wechseln sich mit Actionszenen wunderbar ab, und ab und an gibt es auch manch herrlichen Gore-Effekt zu sichten. Schauspielern kann nicht jeder, das merkt man ganz besonders im Originalton, aber das stört nicht weiter, will „Bloodsuckers“ doch ohnehin nur trivial unterhalten und versucht gar nicht erst einen auf große Space-Opera zu machen. Bescheidenheit ist eine Tugend. Und es tut gut trotz Kostengünstigkeit überzeugende Spezialeffekte zu sichten, zumindest wenn man auch mit schlichtem Ergebnis zurecht kommt. So katastrophal wie die Effekte aus „Lexx“ ist „Vampire Wars - Battle Of The Universe“ (Alternativtitel) zumindest nicht ausgefallen.

Dass zudem noch Michael Ironside in einer kleineren Rolle vorbei schaut, gibt dem Streifen einen weiteren charmanten Pluspunkt. Und dass die Geschichte, so einfach sie auch gestrickt sein mag, neben überraschender Wendungen auch noch clevere Seitenhiebe auf Amerikas Kultur und Vergangenheit zu bieten hat und gekonnt mit Klischees spielt, macht den unbekannten Streifen endgültig zu einem kleinen Hingucker für ein Ausnahmepublikum, das nicht nur in den großen Kino-Hits daheim ist. „Bloodsuckers“ ist ein kleines Liebhaberstück ohne genügend Potential zu besitzen zum Geheim-Tipp, Kult oder gar Lieblingsfilm zu werden. Es war einfach schön, dass er mir in meiner Cineasten-Laufbahn begegnet ist. Und wer weiß: vielleicht gibt es in 10 - 20 Jahren ja mal ein Wiedersehen.  OFDb

27.10.2012

TERMINATOR 4 - DIE ERLÖSUNG (2009)

In der Zukunft hat die Maschine Skynet ein Bewusstsein entwickelt, die Menschheit zum Feind erklärt und jagt nun den Anführer der Rebellen und dessen Vater. In dieser Zeit erwacht ein vor Jahren öffentlich hingerichteter Mann, der per Zufall auf eine Anhängerin des Widerstands trifft...

Rostfrei und dennoch Schrott...
 
In einer perfekten Welt, in der Filme gedreht werden um Geschichten zu erzählen und nicht um mit wenig Aufwand viel finanziellen Erfolg einzufahren, hätte ich mir die dritte Fortsetzung von James Camerons 80er Jahre-Science Fiction in etwa so vorgestellt: Eine leicht gruselige Atmosphäre, ähnlich jener aus Teil 1, entsteht über das Erwachen des Hingerichteten, der völlig vor den Kopf geschlagen in dieser düsteren Welt erwacht. Der Zuschauer lernt mit ihm alles dieser Welt kennen und erlebt seine Angst, Ratlosigkeit und Unsicherheit mit, aber auch seinen Überlebenswillen und die Kämpfe, die er ausführen muss.

Die Zukunft sähe düsterer aus, nach ruinierten Großstädten, in denen es vor Maschinen und Robotern nur so wimmelt. Diese vernichten Menschen und planen ihr Vorgehen nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach Maschinen-Logik, Handlungsentscheidungen werden blitzschnell getroffen, große Pläne in einem Umfang entwickelt, der den menschlichen Geist überfordern würde (gut umgesetzt in „Colossus“). Ein Widerstand in dieser Welt wäre von umher laufenden Boten abhängig, denn alles Elektronische, auch der Funkverkehr, wird von den Maschinen überwacht. Waffen haben die Menschen kaum, und ihre Hauptgegner, die Terminatoren, wären weiterhin so schwer zu besiegen, wie in den Teilen zuvor. Selbstverständlich dürfte Skynet von seinem mehrfachen Versagen, John Connor in der Vergangenheit zu töten, nichts wissen, sonst würde er seine Taten nicht wiederholen und der Ober-Rebell wäre nie geboren worden.

Ich bin kein naiver Narr, und deshalb weiß ich, dass dieses Wunschdenken Utopia ist. Die zwei „Matrix“-Fortsetzungen machten vor, was man heute im Action-Bereich des Science Fiction-Films zu erwarten und erdulden hat. Mit Hinblick auf den simplen aber unterhaltsamen „Terminator 3“ erhoffte ich dennoch ein wenigstens halbwegs passables Ergebnis, sicherlich gespickt mit ähnlichen Fehlern und Unsinn wie in „Matrix 2“ und „Matrix 3“, aber integriert in eine packende Geschichte, mit einer griffigen, da über die beiden Vorgänger kennen gelernten, Hauptfigur.

Nach der eher positiven Überraschung von „Terminator 3“ wurde ich von „Terminator 4 – Die Erlösung“ (warum eigentlich Erlösung?) ziemlich enttäuscht. Es ist schon erstaunlich wie viel Mühe man sich gab, einen klugen Film erzählen zu wollen, um im Ergebnis mit Unlogiken nur so um sich zu schmeißen. Das Versagen der Attentate auf Connor ist der Maschine bereits bekannt, der Rebell existiert trotzdem, was heißt, dass die zukünftigen misslungenen Mordversuche dennoch stattfinden werden. Da Connor und sein Vater höchstes Ziel sind, wird ein großer neuer Plan entwickelt, ein völlig unnötig komplizierter, wie er nur in den Köpfen denkfauler Drehbuchautoren entstehen kann. Dass Skynet mehrfach die Möglichkeit hatte seine erwünschten Opfer zu töten wird komplett ignoriert. Mehr noch: Seit neuestem nehmen die Maschinen Gefangene anstatt alles und jeden zu töten, ein unsinniger Wandel den kürzlich auch Horrorikone Jason durchmachen musste.

Blitzschnell begreifende Maschinen reagieren nicht auf Fallen, wie die eines über die Straße gezogenen Seiles (welches nicht erst im letzten Moment hochgezogen wird, um den Sturz einzuleiten). Menschen verständigen sich per Funk, und dies selbst dann, wenn die finale Schlacht geplant wird. Terminatoren besitzen fast nie Waffen, prügeln sich lieber wie halbstarke Raufbolde, sind im Vergleich zu den Vorgängern leicht außer Gefecht zu setzen und werden neben ihrer Killer-Tätigkeit nebenbei auch noch als Wächter eingesetzt. Ein trojanisches Pferd, das nicht weiß dass es eines ist, bekommt nach getaner Arbeit von einer Maschine die Wahrheit serviert, jedoch auf Comic-Schurken Bond-Art, in dem er dem Betroffenen, der in den Augen der Maschine nur ein Werkzeug war, jeglichen Hintergrund erzählt, so als würde ein Handwerker seinem Hammer nun erklären, was er baut und warum der Nagel dafür an welcher Stelle eingehauen werden müsse.

Am Ende des Films entlarvt sich die politisch korrekt erzählte Geschichte, eine Erzählweise die sich für irre demokratisch hält, als (wahrscheinlich unbeabsichtigt) faschistisch, wenn ein Leben aufgrund seiner Maschinen-Herkunft trotz vorhandener Intelligenz und dem Talent zu Fühlen als lebensunwert gilt, und es als letzte Tat sein Herz dem Führer schenkt. Als Untermensch scheint er kein Recht auf dieses zu haben.

Leider nervt „Terminator 4“ nicht nur mit seinen Unsinnigkeiten, sonst würde ich ihn zumindest noch als Trash empfehlen. Die Geschichte ist leicht langweilig erzählt, da zwischen den Actionszenen Geist-armes Geschwafel stattfindet, wie man es schon bei den „Matrix“-Fortsetzungen erdulden musste. Wie in den letzten zwei Vorgängern achtete man leider nur noch auf Action und nicht mehr auf den Spannungsgehalt. Durch das Fehlen von Charakteren entsteht dadurch eine Lücke, da man im Spannungs-armen Geschehen nun niemanden hat, mit dem man mitfiebern kann. Alle Figuren sind hohle Gefäße, die ähnlich eines Ameisenstaates nur dem hohen Zweck dienen oder, falls nicht Rebell, einem Instinkt folgen. Individuell ist hier niemand, Wünsche und Bedürfnisse gibt es nur, wenn sie dem höheren Ziel entsprechen. Auf diese Art kann keine Kurzweile entstehen, was somit auch den Sinn geistfreier Popkorn-Unterhaltung entzieht, womit der Film, egal aus welcher Perspektive man ihn für sich einstufen würde, zur banalen Routine oder weniger verkommt.

Sicherlich kann man so etwas schauen. Zum Glück verzichtete man immerhin darauf aus „Terminator 4“ ein Drei-Stunden-Werk zu machen. Aber Spaß macht das ganze nicht. Letztendlich guckt man den Film zu theoretisch. Man fiebert nicht mit, ahnt das meiste voraus und darf sich schlichtweg an den Spezialeffekten ergötzen, ein Bereich der gerade heute zu viel Konkurrenz besitzt und somit auch keinen Anreiz bietet, sich den Film deswegen anzuschauen. Da die Charaktere schlichtweg egal waren und nicht nervig (mit Ausnahme eines emotionslosen und untalentierten Luci Lu-Klons), kann man „Terminator 4“ im Gegensatz zu „Transformers“ oder „Mutant Chronicles“ immerhin noch gucken. Aber selbst wenn man die Ansprüche weit zurückschraubt, bleibt ein unbefriedigtes Gefühl zurück.  OFDb