Posts mit dem Label Ralf Möllenhoff werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ralf Möllenhoff werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

05.08.2021

NOIR (2013)

Ein abgelegener Ort, maskierte Umherschleichende, das Vermischen von Wahn und Wirklichkeit, ein Mann mit einer Heckenschere, es ist lange her, dass ich die drei von mir besprochenen Filme des Ausnahme-Amateur-Horrorfilmers Ralf Möllenhoff sah, und deswegen war ich beim Sichten von "Noir" die ganze Zeit am rätseln, ob seine Geschichte mit diesen Parallelen nur sehr nah an dessen 2008 gedrehten "Nerves" orientiert war, oder ein direkter Bezug besteht. Der Abspann gab mir schließlich eine Antwort auf das, was ich aufgrund fehlender konkreter Erinnerung und einem Blick auf meine Review zum genannten Werk alleine nicht beantwortet bekam: "Noir" ist die Fortsetzung von besagtem Film. Ich weiß nicht ob er nun die Vorgeschichte erzählt oder eine später stattfindende. Ich denke mal dass es letztendlich egal ist, man versteht den hier besprochenen Streifen sowieso, auch ohne seinen Vorgänger zu kennen (wenn man das so behaupten kann, der Film verwirrt den Zuschauer absichtlich und lässt ihn auch gegen Ende nie im Klaren was nun Wahn und Wirklichkeit ist). Dennoch fand ich es ein bisschen schade, dass der für die deutsche Amateurszene ungewöhnlich vorgehende Regisseur ausgerechnet jenen seiner Filme fortsetzte, der mir am wenigsten gefallen hat.

Mein Urteil fällt ähnlich aus wie dort, fast bestehend aus den selben Plus- und Minuspunkten des Vorgängers, was aber auch bedeutet wie kompatibel beide Filme letztendlich ausgefallen sind, so dass Freunde des Erstlings auch hier gut aufgehoben sind. Auf der Habenseite haben wir ein künstlerisch wertvoll abgefilmtes Werk, das gerade mit den verschiedenen Techniken diverser Filmkameras trumpft. Handwerklich fällt die Reflexion Möllenhoffs auf, ein Aspekt der inhaltlich nicht sonderlich deutlich wird. Aber ein Blick auf erkennbare Überlegungen hinter der Kamera lassen welche vor der Kamera, bzw. welche im Drehbuch, vermuten, auch wenn die Erzählung der wir beiwohnen dies nicht klar präsentiert. Wie erwähnt gibt es diese stattdessen im technischen Bereich zu entdecken. Zum analytisch jeweils richtigen Zeitpunkt gesetzte, absichtlich widersprüchliche Aufnahmen zwischen Winter und Sommer, sowie der Wechsel zwischen Schwarz/Weiß- und Farbaufnahmen begleiten das Erlebte jeweils psychologisch passend. Gleichzeitig ist Möllenhoff interessiert am künstlerischen Aspekt. So sucht er z.B. stets interessante und stimmige Aufnahmeausnahmen im ansonsten meist eher monotonen Treiben weniger Gesichter und Spielorte. Entfremdungen durch ungewöhnliche Farbsetzungen, entrückte Kameraaufnahmen und ungewöhnliche Schnittsetzungen kommen ebenfalls hinzu, ebenso wie eben erwähntes unterschiedliches Filmmaterial, freilich mit Super 8 am Start, was Möllenhoff stets am Herzen liegt.

Die fein anzuschauenden Filmaufnahmen, die im Amateursektor so gar nicht üblich sind, geben ihm Recht und bescheren "Noir" u.a. jenen Retroaspekt, vor dessen vergangene Horror- und Thriller-Epochen er sich verbeugt. Am deutlichsten wird dies sicherlich bei seiner etwas an "Frankenstein" erinnernden Sequenz einer Wiedererweckung, aber auch andernorts finden sich Übereinstimmungen zum vergangenen Kino, wenn meinerseits auch eher intuitiv wahrgenommen, anstatt konkrete weitere Beispiele nennen zu können. Außerdem gehört zu den positiven Aspekten von "Noir" Möllenhoffs bereits in den anderen Werken zu entdeckendes Gespür für Atmosphäre und Stimmung. Diesmal schafft er es sogar recht spannende Momente zu erzeugen, denen zwar der letzte Schritt zum Grusel fehlt, nicht aber die packende Stimmung. Jene Szenen finden sich jedoch erst, dann aber in angenehmer Schlagzahl, im letzten Drittel, jener Phase des Streifens, die ich ohnehin als die angenehmste und interessanteste des gesamten Filmes empfand, wenn auch etwas unangenehm eingeleitet durch ein zeitlich und per Off-Kommentar eher plump gesetztes Einweihen diverser Hintergründe.

Das ist aber zugegebener Maßen ein recht strenger Kritikpunkt, erst recht wenn man sich die Stunde zuvor anschaut, die trotz erkennbarem Engagement und trotz der künstlerischen Ambitionen doch etwas arg zäh ausgefallen ist. Zu distanziert begegnen wir den Charakteren, als dass sie als Identifikationsfiguren den an sich lobenswert ruhig erzählten und rätselhaften Plot tragen könnten. Zu theoretisch und zu gewollt verwirrend wirkt bereits die Handlung an sich. Einige technische Ärgernisse verhinderten außerdem eine gewisse Zeit, mich überhaupt in "Noir" einfinden zu können. Die nachträgliche Synchronisation ist gerade in den ersten zehn Minuten arg penetrant zu direkt ins Mikrofon gesprochen. Und der Drang Möllenhoffs seine Protagonisten meist in Nahaufnahme einzufangen, anstatt etwas mehr auf optische Distanz zu gehen, verhindert ebenfalls ein warm werden, gerade auch mit dem Handlungsort, der Möllenhoff andererseits doch so wichtig erscheint. Es sind dann tatsächlich auch eher die oben genannten technischen und künstlerisch ehrbaren Aspekte, die einen im ersten Drittel interessiert dran bleiben lassen. Der Plot ist es trotz einiger weniger Schauwerte nicht. Ich glaube jedoch einen satirischen Ansatz über die Kunstszene wahrgenommen zu haben, keine Ahnung ob das beabsichtigt ist oder nicht, aber das hat mir gut gefallen, gerade auch beim zweiten Anflug, wenn erneut ein Künstler Einblick in den Sinn eines seiner Werke gibt.

Lange Zeit hat mich der eigentliche Aufhänger (das Geheimnis hinter den Rätseln, bzw. das Entdecken eines Zusammenhangs der wild durcheinander gemischten Eindrücke) nicht sonderlich interessiert. Einzelne Momente haben mich hingegen sehr wohl gepackt. Wenn während einer Bootsfahrt die zuvor beobachteten Maskierten plötzlich am Ufer erscheinen, besitzt das definitiv Wirkung. Wenn wir einem Blinden dabei zusehen, wie er im schwarzen Kunstwerk der Hauptfigur etwas entdeckt, was er nicht wissen dürfte, schwebt ein angenehmes Mysterium im Raum (welches mich ein wenig an vergleichbare Momente bekannterer Werke Fulcis erinnert hat). Derartige Szenen und gut gesetzte Schauwerte stehen leider im Widerspruch zu nicht so toll anzuschauenden Spezialeffekten. Die handvoll Gore-Effekte sind angenehm dosiert über den Komplettfilm verteilt und sind stets sinnvoll zum Erzählten eingebracht und wirken dadurch nie reißerisch. Aber sie sind, auch für einen Amateurfilm, in ihren simplen Tricks wenig überzeugend. Am übelsten trifft es die erste Aufnahme diesbezüglich, in welcher ein Auge blutend bearbeitet wird, aber auch die anderen, leicht besser umgesetzten, harten Momente bieten nicht die Illusion, die Möllenhoff gerne hätte. Das weiß zu enttäuschen, nicht nur einem einzig nach geilen Effekten lechzenden Stammzuschauer von deutschen Amateur-Horrorfilmen.

Der ist ohnehin nicht Zielpublikum dieses oder anderer Filme von Möllenhoff. Mag es mitunter auch um einen ominösen Kult, üble Ereignisse in einer Nervenheilanstalt, sowie um Wiedererweckung von Toten gehen, Möllenhoff visiert ein vielschichtig interessiertes Publikum an. Es soll mitdenken, Vergnügen am Andersartigen haben, auch am vergangenen Stil, an der rätselhaften Geschichte, am trockenen Grundton. Und so sehr ich das auch begrüße, allein schon wegen dem auf künstlerischer Ebene gut funktionierendem Ergebnisses, "Noir" ist zu sperrig ausgefallen. Eine trockene Erzählung muss einem flüssigen Unterhaltungswert nicht widersprechen, wie gerade Werke der 70er Jahre zeigen, und ein solcher will sich in "Noir - Art Bizarre" (Alternativtitel) erst zu spät auftun. Im letzten Drittel angekommen passiert dies endlich, und es gleicht fast einem Wunder, dass einem dies zu solch einem späten Zeitpunkt nicht bereits egal ist. Tatsächlich (wiederer)weckt der ereignisreichere Part nun das Interesse des Zuschauers, so sehr sogar, dass ich mir im Nachhinein dachte wie toll es gewesen wäre, wenn dies ein Kurzfilm wäre der nur die letzten 30 bis 35 Minuten erzählt. Und selbst hier verzichtet Möllenhoff trotz ereignisreicherem Geschehens nicht auf rätselhafte Umstände und künstlerisch wertvolle Elemente. 

So gefällt mir z.B. die Kamerafahrt, welche die Pinselstriche begleitet, oder der mich an die simple Auflösung in "Suspiria" erinnernde Kniff um die weiße Farbe auf dem schwarzen Gemälde (was aufgrund dessen was dem folgt dann doch nicht die ganz so simpel angenommene Konsequenz ist, wie es zunächst scheint). Auch der Schluss, der einen aufgrund unterschiedlicher Aufdeckungen weiterhin im verwirrten Zustand zwischen Realität und Wahnsinn zurück lässt, weiß zu gefallen und setzt sich passend dazu im angenehm anzuschauenden Abspann fort. Spätestens dort fällt anbei die angenehm zurückhaltende Hintergrundmusik auf, die stimmig genug ist um Szenarien zu tragen, sich aber nie in den Vordergrund spielt. Ohnehin setzt Möllenhoff sie spärlich ein, was vielleicht aber auch ein Mitgrund dafür sein könnte, dass der Film sich einige Zeit etwas arg zäh schaut. Ich weiß es nicht. "Noir" ist nun nach 8 Jahren auf DVD erschienen und gefällt in seiner Aufmachung und den interessanten Extras. Ein zu Beginn der DVD eingestreuter Trailer auf ein kommendes Projekt weckt Neugierde, gerade auch weil mir die dort angedeutete Thematik gefällt. Allerdings freue ich mich allein schon deswegen auf den kommenden Film, weil "Noir" bislang leider der letzte besagten Regisseurs war und sich somit einige Jahre nichts tat. Eben weil Möllenhoff entgegen dem was im deutschen Amateursektor im Horrorbereich sonst üblich ist arbeitet, freue ich mich über jedes seiner Projekte, künstlerisch ambitioniert sind sie alle.  OFDb

18.10.2012

DEAD EYES OPEN (2007)

Urlaub ohne elektronische Geräte und solange fahren bis der Sprit alle ist. Nach diesem Motto fährt eine Gruppe Teenager zum Campen ins Grüne, nichts ahnend dass auf dem Land Tote Menschen auferstehen und die Lebenden verspeisen. Die Gruppe trennt sich, man findet an verschiedenen Orten Zuflucht, oft auch den Tod...

Das Landleben macht Tote munter...
 
Hört man das Subgenre Zombiefilm in Zusammenhang mit den Worten Amateurfilm und Deutschland, so ist meist Vorsicht geboten, darf man doch meist an Gedärm kauende Monster sichten, die in billigen Tricks zu Hardrockmusik ihre Opfer verspeisen. Aber es gibt Lichtblicke aus deutschen Landen, und ein solcher scheint Regisseur Ralf Möllenhoff zu sein, zumindest ist es seine zweite Regiearbeit „Dead Eyes Open“.

Es ist nicht so, dass man hier um die nervigen Innereienfressereien umhin käme. Sie werden jedoch nicht zum Mittelpunkt des Streifens. Dennoch muss man Möllenhoff vorwerfen, dass er manches mal die Kamera zu lange auf den Untoten-Imbiss drauf hält.

Die Spezialeffekte sind schnell durchschaubar, ohne professionell zu wirken jedoch brauchbar. Das Zombiedesign schwankt zwischen viel zu weiß angemalten wandelnden Toten (Clowns?) und manchen recht gut zurecht gemachten Zombies. Meist treten sie ohnehin im Dunkeln auf. Das mag ein Trick sein um optisches Unvermögen zu verstecken, da Möllenhoff den Bereich des Gruselns jedoch nicht vernachlässigt, kann man nicht schimpfen.

Nur wenige male wird es selbst für meinen Geschmack zu düster, aber die Beleuchtung ist ohnehin immer ein schwerer Bereich im Amateurfilm. Wo es am Licht noch hin und wieder hapern mag, da weiß Möllenhoff zumindest auf anderen Wegen zu punkten. Wie gerade erwähnt wäre da der Gruselgehalt zu nennen, ein Bereich der eigentlich immer im deutschen Amateurfilm vernachlässigt wird (der Kurzfilm „Evil Puppets“ war eine gelungene Ausnahme). Hier zieht der Regisseur alle Register.

Mal darf die Musik aussetzen (Stille ist immer ein Pluspunkt beim Spannungsaufbau), mal wird rhythmisch getrommelt, ohnehin ist der Film mit stimmiger Musik unterlegt. Die auf dem Cover erwähnte Band Abwärts spielt kurz den Vorspann ein und darf im Abspann mit einem tollen Punksong den Film abschließen, innerhalb des Streifens belässt es Möllenhoff jedoch bei passenderer Musikuntermalung, denn die Atmosphäre und der Spannungsgehalt sind ihm ebenso wichtig wie die Nähe zum Zuschauer, der sich in die Situationen hineinfühlen soll.

Damit dem Horrorfan gruselig wird, wird auch gerne mit plötzlichen Geräuschen geschockt. Auch optisch gibt es im Gruselbereich manchen Leckerbissen, beispielsweise die durch das Schweinwerferlicht des Autos angelockten Zombies, die aus dem Dunkeln in das Licht treten, wobei man einen Übergang beobachten darf, wie die Untoten immer besser zu erkennen sind. Im leicht erhellten Zustand wissen sie am besten zu wirken.

Manch einer mag gegen seinen Fernseher hauen, wenn sich das Bild verändert. Möllenhoff setzt nicht nur inhaltlich auf Old School-Horror, sondern drehte sein Werk auch auf Super 8. Hierbei arbeitet er mit verschiedenen Super 8-Kameras, mit dabei ist auch ein altes Modell, das ohne Ton drehte. Möllenhoff legt den Sound jedoch drüber, und da gibt es nichts zu meckern, der Ton passt zu den Szenen wie in jeder anderen Sequenz auch.

Negativ wirkt akustisch lediglich die Gastszene mit Regisseur George A. Romero, der für ein paar Sätze als Wissenschaftler in einer Nachrichtensendung auftreten darf. Er musste als Mann der englischen Worte natürlich synchronisiert werden, und da wurde recht unmotiviert und schlecht betont geplappert. Wirklich gravierend ist das ganze ohnehin nicht, denn die Nachrichtenszene wirkt nicht echt und George A. Romero erweist sich als der untalentierteste Schauspieler von allen Laien. Auf mich wirkte er auch ein wenig senil, mag sein dass er auch nicht mit Herzblut dabei war. Aber scheiß egal, für Möllenhoff muss es eine große Ehre gewesen sein, dass der Vater des modernen Zombiefilms überhaupt mitgemacht hat. Seinen Stolz wird ihm jeder Horrorfan nachfühlen können.

Bleibt nur zu sagen, dass „Dead Eyes Open“ endlich mal ein toller Zombiestreifen aus dem deutschen Amateursektor ist, der sich besonders durch zwei Punkte sympathisch macht: er weiß Gruselstimmung aufzubauen und er möchte eine Geschichte erzählen. An letzterem muss Möllenhoff jedoch noch arbeiten, denn manchmal gibt es Sprünge in der Handlung, bei denen es schwer fällt sich neu zu orientieren.

Auch logisch gibt es manches Manko, dass mal eben nicht so unter den Teppich gekehrt werden kann wie manch verzeihliche Logiklücke. So klingt es in den Nachrichten so, als sei die Epidemie auch bis zu den Städten vorgedrungen, dann wird sie wieder aufs Landleben reduziert, da habe es die Untotenplage schon länger gegeben. Mal verändert sich die Welt innerhalb von zwei Tagen, mal scheint es so, als ob die Sache noch locker einzugrenzen wäre. Warum man in Ruhe zombiebezogene Gesetze auf dem Land verordnet, wenn die Situation doch langsam über die Dorfgrenzen hinaus überhand nimmt wurde zumindest mir nicht klar. Mag sein dass ich da etwas nicht kapiert habe, ich habe aber den Eindruck dass da im Film selbst der Wurm drin ist.

Aber auch das ist mir egal. Denn „Dead Eyes Open“ ist ein Amateurfilm, und Amateure dürfen nicht nur fleißig üben, sie dürfen auch Fehler machen. So lange die nicht am Unterhaltungswert oder an der Aussage knabbern, die ein Film machen will, ist es mir halbwegs egal. Ich war von Möllenhoffs Film auf jeden Fall angenehm überrascht und freue mich auf eventuelle zukünftige Projekte.  OFDb

02.10.2012

NERVES (2008)

Drei Stadtplaner landen in einem von der Außenwelt vergessenen Ort. Nachdem sie von einem Wahnsinnigen mit einer Heckenschere attackiert werden, flüchtet Jan in eines der Häuser. Leichen, ominöses Inventar und unheimliche Geräusche geben allerhand Rätsel auf. Seltsame Gestalten vor der Türe hindern ihm am Entkommen. Der verstörte Mann stolpert von einer Bluttat in die nächste und weiß bald nicht mehr was Wahn und Wirklichkeit ist...

Geisterstadt Gehirn...
 
Die deutsche Horrorfilm-Amateur-Szene wird bevölkert von mal mehr mal weniger kreativen Köpfen, die für Zombie- und Mutationsfilme die Schlachtplatte eröffnen, um munter mit Kunstblut und Gekauften aus der Metzgerei herumzusauen und sich darauf auszuruhen. Eine Verallgemeinerung? Auf jeden Fall! Aber leider häufig zu beobachten!

Ralf Möllenhoff fiel mir das erste mal durch seinen „Dead Eyes Open“ auf, der zwar auch, wie so viele Amateur-Horrors, ein Zombiefilm war, aber Qualitäten aufblitzen ließ, die bei vergleichbaren Produkten keine Beachtung geschenkt bekamen. Der Mann achtete auf Atmosphäre und schaffte es durch eine Orientierung am Grusel mit echten Spannungsmomenten zu arbeiten. Dass sein nächstes Werk ein Psycho-Horror nach Edgar Allen Poe werden sollte, weckte die Neugierde somit freilich ungemein.

Aber was soll man sagen? Scheinbar ist die Bindung eines Amateur-Horrorregisseurs an die Gore-Szene recht stark, denn anstatt sich nun deutlich von dieser zu distanzieren, breitet Möllenhoff die Schlachtplatte aus. Zu Beginn des öfteren, mit Voranschreiten der Geschichte wohldosierter, aber selbst dort viel zu zelebriert und lange drauf gehalten. Was den Freund blutiger Genrebeiträge freut, hat mich ein wenig enttäuscht, denn diese extremen Bluttaten bremsen den Streifen aus.

Das ist um so trauriger, da mal wieder das Talent des Regisseurs aufblitzt. Gekonnt baut er einzelne Szenarien auf, die Wahn und Wirklichkeit verschwimmen lassen. Er schafft es erneut spannende Momente entstehen zu lassen (z.B. wenn der Mann mit der grünen Maske unbeachtet am Fenster erscheint), er vertraut der von ihm aufgebauten Suspense jedoch nie zu sehr, so dass er, wohl um das Stammpublikum nicht zu enttäuschen, wieder mit dem zu extremen Gore beginnt.

Ich will jetzt nicht abstreiten, dass es in „Nerves“ eines gewissen Blutgehalts bedarf, schließlich sind die Abscheulichkeiten, die der Held der Geschichte sichtet, wichtig für sein verstörtes Verhalten und Wahrnehmen. Aber es gibt blutige Szenen und blutige Szenen. Man kann auch mit intensiven Lebenssaft-Bildern arbeiten und trotzdem nicht ins zu Gewollte abrutschen. Gerade die Werke Argentos sind dafür ein passendes Beispiel.

Was Möllenhoff abseits des Gore bereithält ist schon nicht ohne. Sein Verwandter Michael Möllenhoff, der die Hauptrolle übernahm, schafft es wie der Held aus „Dagon“ und „Tanz der Teufel 2“ auf Amateurfilm-Niveau den Großteil der Szenerie zu beherrschen. Er trägt die Story und einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit. Wirkt er in den ersten Augenblicken etwas untalentiert, beweist er sein Können im Laufe der Spielzeit. Dass ihm schweigende, verstörende Momente mehr liegen, als welche in denen er sprechen muss, ist zu erkennen. Dennoch kann man ihn für die Darbietung dieser wichtigen Rolle ruhig loben.

Ralf selbst blieb hinter der Kamera. Neben der Regie schrieb er auch das Drehbuch, das wohl nur sehr lose auf Poe beruhen soll, und den Schnitt hat er auch noch getätigt. Optisch legte er Wert auf einen Mix aus etwas verwackelter Kameraführung in ereignisreichen Situationen und ruhigen Stativ-Aufnahmen und Kamerafahrten in gegenteiligen Szenen. Leider sind gerade die Bilder von Szenen, welche die Aufmerksamkeit besonders wecken, oft zu dunkel und verwackelt eingefangen. Manchmal erkennt man nicht was der Protagonist nun wieder erlebt oder glaubt dies zu tun.

Das sind jedoch nur kurze Momente, die schnell verziehen sind. Denn auf der anderen Seite arbeitet Möllenhoff mit einem großartigen Sound. Sei es die geglückte Musikuntermalung, die teilweise wohl auch vom Regisseur stammt, oder noch mehr die Geräusche, die Möllenhoff nutzt um Grusel zu erzeugen. Ein pulsierendes Herz, Windgeräusche zu windstillen Bildern, jede Tür quietscht, und nicht zu vergessen jener skurrile Geräuschemix, der den Geisteszustand des Helden symbolisieren soll. Schön ist auch der Kniff die ruhige Musik nicht zu verändern, wenn die Bilder über die sie gelegt ist, intensiver und hektischer werden.

Damit der Sound wirken kann, nimmt sich Möllenhoff den Luxus seine Geschichte sehr langsam zu erzählen. Erste Hinweise auf die Hintergründe der rätselhaften Abscheulichkeiten, die man zu sehen bekommt, gibt es erst etwa nach 45 Minuten. Bis dahin lässt der Mann seine Hauptfigur durch ein Haus voller Unmöglichkeiten tapsen, die zunächst keinen Zusammenhang ergeben wollen.

Die groteske Atmosphäre des Hauses wird neben ihres dreckigen Eindrucks zum einen durch die weihnachtlichen Elemente eingefangen, die später Zentrum des Hintergrundes bilden werden, zum anderen durch die ominösen Spiralbilder an den Wänden. Schlichte aber wirksame Masken von umherwandernden Bewohnern der Geisterstadt werden zum Highlight des Rezepts zum Unwohlsein des Zuschauer-Gemüts.

Nach Sinn und Unsinn sollte man besser nicht fragen. Schon die Grundidee einer Geisterstadt in Deutschland wirkt etwas konstruiert. Die genauen Hintergründe machen auch nur innerhalb eines Horrorfilms Sinn. Aber erstens geht es hier nur zweitrangig um die Geschichte und zweitens bleibt es am Ende ohnehin dem Zuschauer überlassen zu entscheiden, was zur Einbildung gehört und was tatsächlich real gewesen sein kann. Zwar gibt Möllenhoff zwischen den Zeilen Hinweise, aber die sind nie deutlich genug. Gut so!

Was mir besonders gefallen hat, war das Einbauen der Familie des Helden, die dem Verstörten in ruhigen Situationen als Halluzination Trost spenden. Das gibt dem ganzen einen tragischen Aspekt, der dank des Mutes ein Kind mit einzubauen, auch zu funktionieren weiß.

Es ist jedoch nicht nur der oben erwähnte extreme Blutgehalt, der den Film nicht zur völligen Entfaltung bringt. Möllenhoff vernachlässigt es leider den Hauptcharakter zunächst kennen zu lernen, bevor man ihn in den Wahnsinn schuppst. Deswegen kann man auch nicht beurteilen wie vorgeschädigt er vor der Ankunft in der Geisterstadt war. Was war zuvor in seinem Schädel? Was für eine Art Mensch war er? So entsteht nie eine wirkliche Bindung zur theoretischen Identifikationsfigur.
 
Da der Charakter des Helden großteils ausgeblendet wird, erscheint einem sein Abenteuer in dem Zufluchtshaus zu sinnlos aneinandergereiht. Es dauert bis man sich als Zuschauer orientiert bekommt, was sicherlich gewollt ist. Der Nebenaspekt daran ist jedoch leider, dass es auch dauert bis man sich als Zuschauer für das Geschehen auch wirklich interessiert.

Was bleibt ist ein mutiger Versuch innerhalb der Amateurfilm-Horrorszene, mal andere Wege zu beschreiten. Spannungsmomente und das Aufblitzen künstlerischen Gehalts sind hier ebenso zu erkennen, wie in „Dead Eyes Open“. War der jedoch noch ein Zombiefilm, der das Verwurzeln an der Grundhaltung deutscher Amateurfilmer legitimierte, wäre es in „Nerves“ gerade das Loslassen vom Gorezwang gewesen, der wahren Mut bewiesen hätte, um zu einem richtig guten Ausnahmefilm zu werden. Hätte man sich nicht zu sehr auf den Ekel konzentriert, wäre einem vielleicht auch aufgefallen, dass der Protagonist einem näher gebracht werden muss.

„Nerves“ weiß momenteweise zu gefallen. Doch um mit dem vorhandenen Talent einen wirklich guten Film abzuliefern, muss sich Möllenhoff unbedingt von dem Gorezwang lösen. Alternativ fiele mir als Lösung lediglich ein, dass der Goregehalt einen Sinn erhalten müsste, so wie er ihn in „Braindead“ bekam oder in den Werken des eben erwähnten Künstlers Argento. Im hier besprochenen Film wirken diese blutigen Szenen zu willkürlich.  OFDb

12.08.2012

LIFELESS (2010)

Der Schriftsteller Allan arbeitet in Kroatien an seinem neuen Buch, als seine Frau und sein Kind verloren gehen. Auf der Suche nach ihnen stößt er auf das Geheimnis einer zugemauerten Kapelle und eines Tunnelsystems, dessen Ursprung bis ins 16. Jahrhundert zurückführt, als die Pest um ging. Schon seit langem verschwinden Menschen spurlos. Manche von ihnen tauchen tot und blutleer wieder auf. Treiben Vampire ihr Unwesen oder nutzt jemand Mythen und vergangenen Aberglauben für ganz andere Zwecke?...

Tunnel der blutleeren Leichen...
 
Schon in seinem Zombiefilm „Dead Eyes Open“ bewies Amateurfilmer Ralf Möllenhoff trotz des liebsten Horror-Subgenres für Hobbyfilmer, dass er anders ist als seine deutschen Horrorkollegen aus der Independent-Szene. Mit einem Gespür für Spannungsbögen bot er mehr als die reine Schlachtplatte seiner Kollegen Schnaas und Co und schielte schon immer ein wenig auf den Erzählstil vergangener Gruselfilm-Tage.

Schon deutlicher wurde dies beim Folgefilm „Nerves“, der bis auf seinen Blutgehalt schon eine völlig andere Richtung einschlug als der typische Amateur-Horrorfilm, stand doch diesmal ein Rätsel um Wahn und Wirklichkeit im Vordergrund mit dem Hauptanliegen zu verwirren und zu verstören. Der mit einigen Schwächen versehene Film wusste dieses Ziel auch zu erreichen und krankte an anderer Stelle. Und nun folgt diesem der leicht verwandte „Lifeless“, der definitiv mehr zu überzeugen weiß als sein Vorgänger.

Auch hier geht es um eine rätselhafte Geschichte, jedoch nicht im Bereich von Wahn und Wirklichkeit, sondern auf der Suche nach der Wahrheit im bewussten Zustand (von einem Finale einmal abgesehen, welches mit dem Handicap eines unter Einfluss von Schlangengift leidenden Protagonisten spielt). Die Fährten die Möllenhoff legt deuten in viele Richtungen, die Rätsel animieren zum Mitfiebern und der verpuzzelte Erzählstil, der in „Nerves“ noch etwas unsortiert wirkte, weiß in „Lifeless“ zu verwirren und gefallen zugleich. Verwirren diesmal jedoch im gewollten Sinne, man wird damit nicht komplett aus dem Film hinausgeschossen wie im Vorgänger, der den Zuschauer zu spät an die Hand nahm. Im hier besprochenen Werk bleibt der Zuschauer immer mitten im Geschehen drin, das ist ein deutlicher Vorteil, auch wenn es in „Nerves“ sicherlich Absicht war den Filmfreund eine lange Zeit mit seinen Fragen allein zu lassen.

Es ist schön dass Möllenhoff sehr früh mit der Frage spielt, ob seine Geschichte übernatürlicher Art ist oder ob Kriminelle vergangene Mythen für ihre Machenschaften nutzen. Damit die angeblichen Mythen zu wirken wissen hat Möllenhoff in der Geschichte Kroatiens herum gestochert, sprich er ließ wen recherchieren, und auch dies tut dem Film recht gut, zumal er zeitlich weit ausholt um seine Geschichte so rätselhaft wie möglich wirken zu lassen.

Inhaltlich wie inszenatorisch orientiert sich der Regisseur an vergangene Horrorzeiten, was er mit Anspielungen an seine Vorbilder zusätzlich deutlich macht. Da werden versteckt in Rollennamen Edgar Allan Poe und Joe D'Amato ebenso geehrt, wie der Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, dessen Geschichte ähnlich begann. Aber es sind eben nicht nur die Verbeugungen vor Vorbildern die dies deutlich machen. Inhaltliche Elemente wie die zugemauerte Kapelle, das unüberschaubare Tunnelsystem und der klassische Aberglaube ungebildeter Kleinstädter zeigen die Wurzeln aus vergangenen Horrorzeiten.

Schön dass man sich die Mühe machte großteils in Kroatien zu drehen, um das klassische Feeling intensiver wirken zu lassen.  In Deutschland wurde ebenfalls gefilmt, und dieser Wechsel fällt überhaupt nicht auf. Gut gemacht! In Kroatien entdeckte man auch gleich einige sehenswerte Locations, die einen guten Teil an der Atmosphäre des Streifens ausmachen.

Einzig von dieser lebt „Lifeless“, eine Atmosphäre die aus dem Rätselhaftem seiner Geschichte besteht, der Fremde in welcher sie spielt und dem Spannungsbogen, der von einem zurückhaltenden Soundtrack getragen und durch Gruselgeräusche hervorgehoben wird. Leider vermisste ich den mit dieser Story möglichen Gruselgehalt, was für mich einer der Gründe ist warum der Film wieder einmal nicht über nettes Mittelmaß hinaus ragt. Mir hat „Lifeless“ zwar gefallen, aber da hätte es inhaltlich ruhig mehr geben können als die ständige Suche nach des Rätsels Lösung. Es hätte mehr Szenen geben müssen in denen tatsächlich etwas passiert und durch die man damit auch hätte Gruselmomente erzeugen können.
 
Ebenfalls vermisst habe ich den mit der Geschichte einhergehenden dramatischen Aspekt, ein Bereich der, je klassischer ein Horrorfilm erzählt ist, einfach dazu gehört. Nun weiß ich dass das Drama nicht das Ziel eines Independent-Horrorfilmers ist, und ich weiß dass Dramatik schwerer umzusetzen ist als Spannung oder Humor. Aber man müsste den tragischen Teil der Geschichte nicht zum Mittelpunkt oder dauernden Begleiter der Geschichte machen, um diesen Bereich mit einzubringen. Ich denke nur, dass man zumindest dem Helden etwas mehr Gefühlstief hätte verleihen können, immerhin ist er auf der Suche nach seiner verloren gegangenen Familie und ist auf sich allein gestellt, da die Polizei ihm keine große Hoffnung macht. Etwas mehr frustrierte Mimik und weniger Gelassenheit hätte da erzähltechnisch Wunder bewirken können.

Positiv fällt auf der anderen Seite auf, dass ganz im Gegenteil zum Vorgänger „Nerves“ diesmal nicht in blutigen Bildern gebadet wird. Selbstverständlich verzichtet Möllenhoff nicht auf brutale Tatsachen, aber die ordnen sich diesmal der Geschichte unter, wohingegen man beim Vorgänger den Eindruck hatte die mysteriöse Story sei Vorwand um ordentlich aufs Gorepedal treten zu dürfen. Damit ist der entscheidende Schritt gegangen ernstzunehmenden Horror abzuliefern und nicht mehr in den Kinderschuhen des deutschen Amateurfilmes zu stecken.

Das zeigen jedoch auch Kamera und Schnitt, die zwischen ruhigem und hektischen Stil hin und her wechseln, nicht immer sinnig wie ich meine (z.B. verstehe ich nicht warum ein ruhiges Gespräch im Präsidium eine schnelle Schnittabfolge beschert bekommen muss), aber doch in der Regel gut gewählt und überzeugend. Schön dass Möllenhoff trotz geglückter optischer Experimente nicht auf das klassische Amateurfilmen verzichtet, sprich mit tragbarer Kamera beim Dreh umher läuft um sich ab und an gar selbst zu filmen. Wobei die Aufnahmen, in denen man den Kopf der Hauptperson groß im Bild sieht, doch etwas zu häufig vorkommen. Scheinbar drehte Möllenhoff auch viele Einstellungen des fertigen Streifens ganz alleine.

Aber „Lifeless“ ist ohnehin noch mehr Möllenhoff-Alleingang als seine Vorgänger es ohnehin schon waren. Denn neben Schnitt, Kamera, Regie, Drehbuch und Sound spielt der Kopf des Projektes diesmal auch die Hauptrolle selbst, und das macht er auf Amateurfilmniveau gesehen auch überzeugend. Wer einen Independentfilm schaut, weiß dass er mit etwas verkrampfter Darstellung zu rechnen hat, doch das etwas zu steife Spiel ist deutlich über dem Niveau typischer Amateurproduktionen. Die Darsteller schlagen sich da schon recht wacker. Die meisten von ihnen haben mittlerweile auch etwas Übung, huschen doch bekannte Gesichter über den Bildschirm, vorausgesetzt man hat den ein oder anderen Möllenhoff-Film schon gesehen. Dieses Wiedersehen macht jedoch Freude und sorgt nicht, wie man eventuell meinen könnte, für Langeweile.

Langeweile gibt es im kompletten Film ohnehin nicht zu erleben, was schon etwas erstaunen darf in einem Werk auf Spielfilmlänge, welches sich nur mit der Suche nach der Lösung eines Rätsels befasst und somit viel mit Hinhalten arbeitet. Möllenhoff hat die Situation jedoch gut im Griff, was er sicherlich auch „Nerves“ zu verdanken hat, den man als Übung für den gelungeneren „Lifeless“ betrachten kann. Auch wenn Möllenhoff scheinbar jener Bereich reizt der sich mit dem Rätselhaften einer Geschichte befasst, so hoffe ich doch trotzdem für zukünftige Projekte, dass es vielleicht etwas mehr Handlung gibt, sprich dass ein Film nicht einzig und allein nur dafür da ist ein Geheimnis zu enträtseln.

So etwas kann auch parallel zu einer echten Geschichte laufen und muss nicht immer in einer solch surrealen Extreme abrutschen, die einen pausenlos raten lässt was wohl (gerade) passiert. Auf Dauer ist das nämlich ganz schön anstrengend, und etwas mehr entspannte Unterhaltung tut auch einem Horrorfilm gut. Trotz aller Kritik ist „Lifeless“ jedoch der Schritt in die richtige Richtung. Ich warte gespannt auf das nächste Projekt.  OFDb