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26.06.2021

SCHRÄGER ALS FIKTION (2006)

Während ein Andy Kaufman die schräge Grundidee zu einem grotesken, analytischen Universum mit weiteren ungewöhnlichen Ideen ausgebaut hätte, konzentriert sich "Schräger als Fiktion" auf das Gefühlsleben seines Protagonisten und erzählt den Film eher verträumt Richtung "Die fabelhafte Welt der Amelie". Das Thema ist morbider als dieser, geradezu bitter ausgefallen, und doch wird eher ein lebensbejahender Streifen daraus, welcher die Ausgangslage und das was dahinter steckt nicht weiter hinterfragt, zwar als ungewöhnlich und bizarr erkennt, sich aber lieber auf die Auswirkungen dessen konzentriert, anstatt nach der wissenschaftlichen Ursache zu suchen. Marc Forsters Werk mag die Tragikomik-Variante von Carpenters "Die Mächte des Wahnsinns" sein, Harold ist jedoch real und nicht einzig Fiktion, so wie seine Autorin. Gekonnt mixt der Film schwarzen Humor, Drama und Romantik in einem intelligent weiter gedachten Szenario. Der Zuschauer ist emotional derart stark an Harold gebunden, dass man jegliche Gefühlslage mit ihm mitempfindet. Dementsprechend treffsicher fühlt sich die intellektuell unterkühlte Rolle von Dustin Hoffman an, die stets sachlich und ungeniert mit den neuen Erkenntnissen heraus rückt. 

"Stranger Than Fiction" (Originaltitel) entführt einen in seine eigene Wirklichkeit, bietet uns magisches Kino das sich gefühlsecht anfühlt und lässt einen etwas miterleben, das es so in anderen Filmen nicht zu erleben gibt. Er ist quasi das, wofür Kino geschaffen ist, spielt gekonnt mit seiner Idee und geht durchdacht die Konsequenzen dieser in Bezug auf die betroffenen Figuren an. Diese werden bis in die kleinste Rolle hervorragend verkörpert. Selbst die mir meist unangenehm auffallende Queen Latifah weiß in ihrem ungewohnt zurückhaltendem Spiel zu überzeugen. Will Ferrell zeigt was er schauspielerisch kann und beeindruckt damit ungemein, ebenso wie Emma Thompson, die ihre beste Leistung hier meiner Meinung nach in jener Szene vollbringt, in welcher Harold sie nach dem Lesen des Manuskripts auf der Straße anspricht. "Schräger als Fiktion" holt die Menschen dort ab, wo sie sich befinden, akzeptiert sie wie sie sind, und lässt dies unkommentiert auf den Zuschauer wirken. Der ordnet aufgrund seiner Erfahrung und Wahrnehmung für sich ein was er als eventuelle Gesellschaftskritik empfindet, was ein wirksamer Schachzug dieser fantastischen Tragikomödie ist, die frei von Moral daher kommt. Der Schluss der Geschichte ist durchdacht, konsequent und kompatibel mit der Stimmung, welche die Erzählung verursacht, was erst so richtig klar durch den Schlussdialog zwischen Autorin und Literaturprofessor wird.

Während sein 2018 erschienener, ebenfalls geglückter "Christopher Robin", der einen ähnlichen Genre-Mix präsentiert, an einigen zu dick aufgetragenen Kitsch-Momenten krankt, ist Forsters "Schräger als Fiktion" frei von solchem rundum geglückt, eben weil er sich nicht dem Mainstream-Publikum versucht anzubiedern. Oft scheint es so, bis die Geschichte derartige Einflüsse ebenfalls als durchdacht und konsequent offenbart, manches Mal gar nur subtil für jene, die es bemerken. Dieser wunderschöne Film ist das ideale Beispiel dafür, dass Gefühlskino durchaus intelligent ausfallen kann. Freilich benötigt man dafür einen Autor, der seine Kreation versteht, Ursache und Wirkung nachgeht und dem seine Figuren wichtig sind.  OFDb

22.05.2021

SLEEPERS (1996)

"Sleepers" nimmt sich einer bitteren Thematik an, die auf wahren Begebenheiten beruhen soll. Wie nah oder nicht spielt eigentlich keine Rolle, ist es doch kein Geheimnis dass es zu derartigen Vorfällen kam, so dass der hier geschilderte spezielle Fall als Pate für alle anderen steht. Ich habe mit dem an sich engagierten Drama von "Rain Man"-Regisseur Barry Levinson jedoch mein übliches Problem großer Hollywood-Produktionen. Der mit allerhand Stars besetzte Film wirkt zu weichgespült. Dies nicht, weil er das Schicksal der Jungs nicht drastisch genug herausarbeiten würde, dafür bedarf er keiner deutlicheren Bilder, psychologisch geht man hier diesbezüglich erfolgreich vor. Es ist vielmehr die Blauäugigkeit an anderer Stelle, wenn der Film fragwürdige Umstände romantisiert, Abläufe und Zusammenhänge dramaturgisch passend für eine klassische Kinogeschichte zusammenstutzt, Beziehungen zu harmonisch sieht, diverse Berufsgattungen in ihren jeweiligen Klischees (positiv wie negativ) bestätigt und letztendlich Wohlfühlmomente zum höheren Ziel erklärt, auch genährt durch die entfachte Rachsucht der Protagonisten übertragen auf den Zuschauer. Letztgenanntes ist stets ein leichtes Ziel, um das Massenpublikum zu packen. 

Ich kann mich bis zu einem gewissen Grad mit derartigen Werken arrangieren, finde manche von ihnen teilweise sogar richtig gut. Bei "Sleepers" kam für mich jedoch zusätzlich unangenehm hinzu, dass kein echter Zugang zu den Charakteren aufgebaut wurde. Das beginnt bereits in der langen Phase vor der Haftanstalt. Was hätte ich mir hier ein Näherbringen der jugendlichen Seelen so stark empathisch ausgefallen wie in "Stand By Me" oder der Neuverfilmung von "Es" gewünscht. Stattdessen bekam man hauptsächlich verschmitzt erzählte, kriminelle Versuche in zu oberflächlichen Charakterzeichnungen geboten, die vier stets als Gruppe wahrnehmend, nie einen einzelnen zu exakt. Vom weiblichen Mitglied der Gruppe brauchen wir gar nicht erst sprechen, die wird nie von Bedeutung für den Gesamtfilm und ist einzig der Quote wegen mit eingebaut. "Sleepers" ist kein missglückter Film, aber er erscheint mir in vielen Punkten nicht konsequent und ehrlich. Er will bitter sein, er will nostalgisch sein, er will freundschaftliche Romantik knüpfen, gleichzeitig von Rache erzählen, zwielichtig sein und doch nur auf verständnisvolle Taten setzen. Ein oftmals zu bedeutungsschwanger anmutender Umgang mit den Einzelsituationen, wie z.B. das Ringen des Pfarrers mit seiner Entscheidung, greift dramaturgisch ebenfalls nicht tief genug. Vieles bleibt auf Gefühlsebene, im Gegensatz zum inhaltlichen Bereich, zu oberflächlich abgehandelt zurück. 

Somit lebt der Film fast einzig von seiner handwerklich professionellen Machart, den sympathischen Mimen, der Grundthematik, die wohl kaum wen kalt lässt, und bei mir persönlich durch sein nostalgisches Flair. Deshalb haben mir die letzten fünf Minuten, die einen Monat nach der Verhandlung spielen, auch am besten gefallen, wissentlich wie sehr ich hier von Levinson und Co manipuliert wurde. Der hat zusammen mit DeNiro und Hoffman ein Jahr drauf "Wag the Dog" gedreht, was man bei der lockeren Darbietung dort wohl als eine Art Entspannungstherapie nach dem bitteren, bemühten "Sleepers" verstehen kann.  OFDb

13.05.2021

WAG THE DOG (1997)

Zwei Jahre nachdem Michael Moore in seinem einzigen Spielfilm "Unsere feindlichen Nachbarn" einen Fake-Krieg gegen Kanada thematisierte, griff "Wag the Dog" eine ähnliche Idee auf, die wiederum auf einer Buchvorlage basiert. Im Gegensatz zur etwas klamaukigen Variante Moores kommt die von Robert DeNiro mitproduzierte Satire weit reflektierter und realitätsnäher daher und scheut dabei auch keine konkreten Verweise auf Amerikas Vergangenheit. Wie nah man der Wahrheit tatsächlich war, bewies sich einige Jahre darauf im inszenierten Irakkrieg von George Bush Jr. Barry Levinsons Folgewerk von "Sleepers" vollbringt zudem das Kunststück neben dem Politikbereich zugleich die Kino- und Medienwelt der USA kritisch mitzuverarbeiten, ernst genug um die Fragwürdigkeit, die dort Alltag ist, als Warnung zu thematisieren, lustig genug um mit "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt" (Alternativtitel) zugleich unterhaltsames Kino abzuliefern. Gut aufgelegte Mimen agieren in einer Geschichte, in welcher die kritischen Aspekte ganz nebenbei im Vordergrund abgearbeitet werden, da die eigentliche Geschichte sich stets auf die Protagonisten konzentriert, wie sie stets ein Problem nach dem nächsten beheben müssen. 

Da wird kurz nach "Forrest Gump" noch einmal demonstriert wie täuschend echt sich optische Fälschungen als Wahrheiten verkaufen lassen, aber auch wie leicht der einfache Bürger in einer Überflutung manipulierter Medien beeinflussbar ist. Bei all dem satirischen Engagement kommen die Charakterzeichnungen nicht zu kurz, so dass man mit den handelnden Figuren auch etwas anzufangen weiß. Das ist insbesondere deswegen wichtig, weil sie nicht alltäglichen Branchen angehören, und es deshalb, im Zusammenhang mit einem sie ins asoziale Licht rückenden Plots, sonst unmöglich wäre eine Identifikation mit ihnen aufzubauen. Dass Hoffman und DeNiro eigentlich je eine Art bodenständig dargebotene Comicfigur spielen zerstört keineswegs die Glaubwürdigkeit, sondern unterstützt lediglich die gängige Übertreibung einer Satire. Wer Hackmans Darbietung aus "Das Urteil - Jeder ist käuflich" kennt, der kann schmunzelnd darüber mutmaßen in wie weit DeNiros Interpretation seiner Figur im hier besprochenen Film Vorbild für dort war. 

Andere Figuren kommen neben der zentralen zwei stets zu kurz. Gerade die wichtigste weibliche Rolle, gespielt von Anne Heche, wirkt so, als hätte man sie auch weglassen können. Und so manchen Nachhall manch gelöster Situation hätte ich dann doch gerne erzählt bekommen, auch wenn das wahrscheinlich den zeitlichen Rahmen zu sehr gesprengt hätte. Aber gerade das Bemerken der (von Dunst wunderbar naiv verkörperten) Schauspielerin, in was sie da hinein geraten ist, wäre doch ein interessanter Aspekt gewesen, der uns das Treiben der beiden Hauptfiguren noch einmal aus einer anderen Perspektive aufgezeigt hätte und dies zudem aus einer aussichtslosen, gefesselten und wehrlosen. "Wag the Dog - Ein hundsgemeiner Trick" (Alternativtitel) bietet einfallsreich einen vielfältigen Blick auf eine Seite der Geschehnisse, intensiver wäre das Ergebnis jedoch mit umfangreicherem Blick gewesen, eben weil Levinsons Film keines jener Werke ist, das über das Gefühlsleben seiner Figuren zu funktionieren weiß. Bei aller Professionalität fühlt sich "Wag the Dog" auf diese Art trotz seiner hohen Qualitäten deswegen für mich etwas zu unterkühlt und oberflächlich an, als dass ich ihn als die große Filmempfehlung betrachten könnte, unter deren Ruf er meist abgehandelt wird. Er ist nun einmal kein "Schtonk".  OFDb

08.05.2020

DAS URTEIL - JEDER IST KÄUFLICH (2003)

Ich konnte ja nicht viel mit Gary Fleders "Sag' kein Wort!" und "...denn zum Küssen sind sie da" anfangen, aber seinen "Das Urteil - Jeder ist käuflich" habe ich nun schon des öfteren geschaut, und ich bin jedes Mal wieder von ihm angetan. Mag er auch dem selben Genre wie die Vergleichsfilme angehören, einen düsteren Still oder einen enormen Spannungsbogen braucht man hier nicht erwarten. Der Film über den Kampf um ein Gerichtsurteil ist eine Art verspielter Thriller, mischt doch eine dritte Partei die Profis zweier anderer Parteien auf, so als würde man einer humorbefreiten Show um Streiche mit versteckter Kamera beiwohnen. Freilich macht das Drehbuch aus Nick einen überbegabten Trickser, der etliche Züge voraus sieht und zusammen mit seiner Frau gegen fast alles gewappnet ist, was kommen mag. Der Film soll Kino sein und trotz seiner ernsten Gesellschaftskritik um Waffengesetze unterhalten, anstatt authentisch dokumentarisch daher zu kommen. Und auf diese Art weiß er zu funktionieren, zumal das Drehbuch dennoch genügend Raum lässt das angegangene Thema ernst zu nehmen und die Überlegenheit des Pärchens immer wieder abzudämmen, indem ihr Gegner sich als erfahrener, einfallsreicher und linker erweist, als sie es einschätzten.

Es ist eine Freude Nick und Begleitung bei ihren Manipulationen zuzusehen, beginnend mit der beeinflussenden Methodik bei der Auswahl der Geschworenen. Für sein Genre lockerleicht daher kommend, mischt sich Thriller zwar mit Drama, präsentiert das Geschehen aber oft auf satirische Art, ohne Elemente des Plots der Lächerlichkeit preis zu geben. Man nimmt den Stoff innerhalb seiner Kinorealität ernst genug, sogar in jener späten Phase, in welcher aus dem gewitzten Mainstream eine Art Anti-"Die 12 Geschworenen" wird. Dass das Ganze so wunderbar funktioniert, verdankt der Film zu einem großen Teil seiner Star-Besetzung. Allein der treue Blick Hoffmans ist Gold wert. Cusack ist wie so oft überzeugend als zwielichtiger Charmeur besetzt, und Hackman lebt geradezu auf in seiner überheblich anvisierten Bösewicht-Rolle, toll unterstützt von den Verantwortlichen für Maske und Kostüm.

"Runaway Jury" (Originaltitel) lässt einen fast über die komplette Lauflänge von den tatsächlichen Absichten des illegal handelnden Paares im Unklaren, diverse Andeutungen am Rande lassen einen aber vermuten, was wirklich Sache ist. Und da dies über Informationen vermittelt wird, welche der Filmgegner sich erhascht, leidet unter diesem Aspekt ein wenig die Glaubwürdigkeit der Geschichte, müssten die heimlichen Mitarbeiter der Verteidigung doch weit vor dem vor Genugtuung nur so übersprudelnden Finale den Braten riechen. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt innerhalb eines ansonsten wunderbar funktionierenden Werkes, welches man sich als Freund von Gerichtsfilmen, Betrüger-Geschichten und Themen um Ungerechtigkeiten des Alltags unbedingt ansehen sollte. "Das Urteil" bietet dies alles vereint in verschmitzter, aber nicht verharmlosender Form, eingebettet in den Gesetzmäßigkeiten des US-Mainstream-Kinos der angenehmen Sorte.  OFDb

30.07.2018

EIN GANZ NORMALER HELD (1992)

"Ein ganz normaler Held" beschäftigt sich mit den Funktionen der Medien, dem Konsum der Gesellschaft, dem Weltbild das man sich wünscht, jenem welches die Medien uns bieten und dem welches es in der (Kino)Realität tatsächlich gibt. Es geht um Gier und Manipulation, um Verzweiflung und Menschlichkeit, um Individuen und kreierte Mediengeschöpfe, um Gewissen und Gleichgültigkeit und letztendlich darum dass nichts so einfach ist wie es zu sein scheint. Interessanter Weise ist die hier besprochene Satire trotz ihrer Angriffsfelder keinesfalls eine sonderlich bissige ihrer Art geworden. Zwar werden besagte Anliegen gut ausgeleuchtet und gekonnt angeprangert, mit seinem Schwerpunkt auf den Bereich der Tragikomödie hebt "Hero" (Originaltitel) jedoch den menschlichen Faktor hervor und will die Menschen wie sie sind gar nicht als Wesen vorführen, die sich ändern müssten. "Ein ganz normaler Held" spielt augenzwinkernd mit den Umständen unserer Gesellschaft und macht daraus eine Liebeserklärung an die zwei Seelen die in jedem von uns ticken.

Sicherlich gelingt ein solches Vorhaben nur mit einem Ansatz innerhalb von Kinorealität. Wirklich realistisch fühlt sich da kaum etwas an, das will Stephen Frears auch nicht. Er möchte Kino bieten, die Leute sollen Kino erleben und trotzdem einem geistreichen Film folgen, der in der Lage ist die Lebenswelt in Amerika zu reflektieren. Ohne Blauäugigkeit funktioniert ein solcher Schwerpunkt freilich nicht. Aber eine Satire muss auch nicht immer zynisch und spöttisch sein, es ist schön sie auch einmal auf die lebensbejahende Art mitzuerleben. Und da sowohl die Geschichte an sich, als auch die Charakterisierung des im Zentrum stehenden LaPlante sehr individuell und greifbar ausgefallen sind, steht dem Funktionieren eines solchen Vorhabens meiner Meinung nach auch nichts im Weg. Das Drehbuch versteht seine Figuren, lässt die Geschehnisse aus dem Blickwinkel eines Gesellschaftshassers stattfinden und teilt dabei nach allen Seiten Kritik und Verständnis aus, mit dem besonderen Trick trotzdem keinesfalls naiv zu wirken.

Stephen Frears, der später noch so tolle Werke wie "Mary Reilly" und "High Fidelity" ablieferte, inszeniert gekonnt routiniert, sprich die Inszenierung lässt keine Wünsche offen, auch wenn nicht gerade mit künstlerisch wertvollen Aspekten vorgegangen wird. Dem Mann geht es um die Erzählung der Geschichte, er will Unterhaltung bieten und ein schweres Thema leicht zubereitet servieren. Und all dies ist ihm mit dem kurzweiligen und keineswegs oberflächlich ausgefallenem "Accidental Hero" (Alternativtitel) geglückt, wobei der Kniff Dustin Hoffman für die Hauptrolle zu erhaschen sich als wahrer Glücksgriff erweist, welcher den ohnehin schon geglückten Film zusätzlich aufzuwerten weiß. Ihn im Originalton vor sich hingrummeln zu hören ist bereits die halbe Miete. Die Mimen um ihn herum sind ebenfalls alle passend besetzt. 

Zu meckern gäbe es höchstens etwas über die Aussagen welche der Film trifft, da kann man sicherlich über einige Punkte geteilter Meinung sein. Letztendlich betrachtet Frears das Treiben des Streifens jedoch aus einer solch großen Entfernung, die ein Verurteilen der Geschehnisse schon nicht mehr zulässt, und erwartet diese Haltung gewisser Maßen auch vom Publikum, ohne dies dabei frei von Kritik halten zu wollen. Kritisch zuschauen ohne zu verurteilen ist ein schwieriger Ballance-Akt, den nur wenige Zuschauer hinbekommen werden. Da ist es um so schöner, dass Frears dies mit diesem Werk als Regisseur zusammen mit den Autoren gelungen ist. "Hero - Ein ganz normaler Held" (Alternativtitel) sieht man seine Laufzeit von über zwei Stunden nicht an, und ich habe ihn sicher nicht zum letzten Mal gesichtet.  OFDb

25.03.2017

DICK TRACY (1990)

„Dick Tracy“ gehört zu den heftigsten Kino-Flops seiner Zeit. Im Gegensatz zu Werken gleichem Schicksals, so wie „Waterworld“ oder „Howard - Ein tierischer Held“, von denen man im Vorfeld hätte wissen müssen, dass solch ein schundiges Vorhaben nur untergehen kann, hat der von Warren Beatty inszenierte Film sein Schicksal nicht verdient, schafft er es doch tatsächlich den zu Grunde liegenden Comic Fleisch werden zu lassen mittels kunterbunter Kostüme, den am Comic orientierten Masken, überdrehten Kulissen und dem Mut das Abenteuer nicht in die Gegenwart zu transferieren, sondern es wie gehabt in einer alternativen Realität der 20er bis 40er Jahre spielen zu lassen.

Vielleicht ist dies der Grund dafür, warum das Publikum Probleme mit dem Film hatte, vielleicht ist es auch die an „Derrick“ erinnernde zurückhaltende, fast charakterlose Art des Titelhelden. So oder so schaut sich „Dick Tracy“ keineswegs massentauglich, ein Liebhaberstück für ein Randpublikum ist er aber sehr wohl geworden, das hätte man von Produzentenseite aus vielleicht von Anfang an anvisieren sollen, um finanziell nicht derart unterzugehen. Der Stoff, der schon in den 30er, 40er und 50er Jahren mal in Spielfilmform und mal im Seriengewandt umgesetzt wurde und in den 60er Jahren zudem eine Zeichentrickserie erfuhr, ist recht skurril ausgefallen, bietet bis auf seine schrulligen Figuren keine weiteren Humorelemente und steuert ansonsten lediglich eine klassische Kriminalgeschichte gegen eine Mafiaorganisation an.

Es ist nicht nur den Kostümen und Settings zu verdanken, dass der Film trotz dieser gut versteckten, simplen Krimi-Geschichte zu gefallen weiß. Es ist der Mangel an Modernisierung, der „Dick Tracy“ innerhalb dieser Rezeptur so stimmig werden lässt, wird an dem klassischen Gut-Böse-Schema von einst doch nicht herumgeschraubt. Tracy ist loyal, unbestechlich und immer auf der Seite der Guten. Dass er das Gesetz selbst öfter bricht anstatt es lediglich zu dehnen, wird nicht kritisch hinterfragt, dient es doch dem guten Zweck. Ebenso werden männliche Fehltritte von Seiten der Frauen aus verziehen, ohne dass von Männerseite aus Worte der Entschuldigung nötig wären. Willkommen in den 40er Jahren!

Namhafte Stars konnten für das Projekt gewonnen werden. Urgesteine wie James Caan sind ebenso mit an Bord wie aktuelle Stars wie Al Pacino und Dustin Hoffman. Und für die zwielichtige, weibliche, große Nebenrolle konnte Sängerin Madonna gewonnen werden, die erst gar nicht zu schauspielern braucht, ist sie doch mit dabei um zu singen und den Tracy zu verführen, so dass sie quasi das machen muss, womit sie berühmt wurde: sexy sein und Lieder trällern. Letzteres weiß sie gekonnt zu meistern, ersteres haut bei ihrem hübschen Aussehen meistens hin, wirkt manches Mal aber auch zu bemüht und würdelos, billig darauf abzielend Männer könnten den Verführungskünsten dieser Frau nicht widerstehen.

Im Film wird es so dargestellt, als ob es eine Art Superkraft Tracys wäre ihr zu widerstehen, das ist dann aber auch der einzig unfreiwillig komische Aspekt einer Geschichte, die ansonsten abenteuerlich und faszinierend zu verfolgen ist. Wer keine Kinder in solchen Filmen mag, wird Probleme mit „Dick Tracy“ haben, spielt ein Knabe hier doch nicht nur eine größere Rolle, er soll zudem je nach Szene absichtlich nerven, so dass er dieses Ziel sicher auch bei so manchem Zuschauer erreicht. Ich empfand ihn manchmal als grenzwertig, manchmal als bereichernd, ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der Junge jedoch nicht.

Viel wichtiger hingegen ist jedoch die im Raum schwebende Love Story, da sie der einzige Aspekt ist, der Dick Tracy Leben einhaucht. Erst die Liebe zur Frau macht ihn zum Menschen, wärend er ansonsten der charakterlose, stets zu Diensten agierende Kriminalist ist, der weder Gefühlsregungen, noch persönliche Interessen in seine Arbeit einfließen lässt. Dass die Arbeit sein Leben ist, wird zum Konflikt zwischen ihm und seiner Angebeteten, so dass die klassische Heldentragik, wie wir sie auch aus „Spider-Man“ und Co kennen, Früchte tragen kann. Der bewegendste Moment ist meiner Meinung nach ein stiller, für die meisten Menschen unbedeutender. Selten klang ein „Danke“ so gefühlvoll, ehrlich und bewegend wie in jener Szene, in welcher Tracy es zur Femme Fatale Madonna sagt, kurz nachdem sie ihm einen Hinweis gab wo sich die entführte Geliebte des Polizisten befindet.

Warren Beatty entfacht an vielen Stellen des Filmes ein wahres Actionfeuerwerk, ein Element welches ich in diesem Film gar nicht so stark vertreten vermutet hätte, so klassisch wie hier Krimi und Comic zelebriert werden. Aber es weiß zu wirken, zumal besagte Szenen nicht dominieren und stets den Zweck des Mehrwertes erfüllen, um die Geschichte voran zu treiben. Es mag „Dick Tracy“ der letzte Schliff zum wahrlich großen Filmerlebnis fehlen, aber ein gelungenes Stück andersartige Comicverfilmung ist er definitiv geworden, so dass er damit gerade in heutigen Zeiten ewig wiederkehrender Superhelden in sich ähnelnden Filmen eine Wiederentdeckung wert ist. Im Gegensatz zu manch anderen verkannten Werken ihrer Zeit, ist „Dick Tracy“ leider auch im Nachhinein auf VHS und DVD kein erfolgreicher Geheim-Tipp geworden.  OFDb