Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
03.12.2023
ROCKETEER (1991)
29.08.2021
STEPFATHER 2 (1989)
Eine maue Besetzung schadet dem leider nur schlicht abgefilmten Streifen ebenso. Gerade der früh verstorbene Jonathan Brandis ist alles andere als ein talentierter Jungschauspieler gewesen, aber die Erwachsenen bleiben ebenso blass in ihren plumpen Rollenbildern, ein Eindruck der durch die mittelmäßige deutsche Synchronisation leider zusätzlich gefördert wird. Da es dem Film zudem an Glaubwürdigkeit mangelt, sowohl was den neuen Schein-Beruf betrifft, als auch solch plumpe Fehler betreffend, wie die Mitnahme der Weinflasche, bishin zu einer Hochzeit, von der wir glauben sollen, dass hinter den Kulissen einzig die drei Familienmitglieder agieren, während sich alle anderen Menschen im Raum der Trauung befinden, kann die Fortsetzung von Regisseur Jeff Burr, der mit "Leatherface" den mir einzig bekannten besseren Film seiner Karriere abgeliefert hat, nur scheitern. Letztendlich lebt "Stepfather 2" lediglich von der Restfaszination der psychischen Erkrankung des Killers und von seinem Darsteller, der diesmal aber leider nur mit halber Backe agiert. Wer will es ihm verübeln bei solch blassem Drehbuch? Der theoretisch plump auf Slasher getrimmte dritte Teil der Reihe, der hierzulande als "Vatertag" veröffentlicht wurde, beweist sich als die bessere Fortsetzung, leider in der Hauptrolle neu besetzt. OFDb
12.08.2021
STEPFATHER (1987)
Durch den radikalen Einstieg, der bereits die kühle, beängstigende Routine des Täters gekonnt aufzeichnet, sind wir von Anfang an eingeweiht. Dass Stephanie an der Harmlosigkeit ihres Stiefvaters zweifelt, ist somit keine Grundlage für einen rätselhaften Plot, welcher den Zuschauer zweifeln lassen soll. Dass wir auf typischer Handlungsabfolge, eingeweiht in das Geheimnis des Filmes, keineswegs einem routinierten Film beiwohnen, liegt u.a. am Satiregehalt des Streifens, der mal mehr, mal weniger subtil gekonnt Klischees der Gesellschaft, der Medien und des eigenen Genres zelebriert, ohne dabei die Ernsthaftigkeit, und damit die Thrillerwirkung und den Anteil an Dramatik, zu vernachlässigen. Der schwarze Humor, der gelegentlich aufkommt, bleibt einem meist im Halse stecken, so bös wie "The Stepfather - Kill, Daddy, Kill" (Alternativtitel) daher kommt. Und das gekonnte Spiel von Hauptdarsteller Terry O'Quinn bietet auf all diesen Ebenen großes Können. Der Mann weiß wie er fast schon Grimassen schneidend den Psychopathen geradezu comicartig hochpuschen kann, ohne ihn dabei der Lächerlichkeit preis zu geben, wie er seinen Psychopathenblick höchst beängstigend eingesetzt bekommt und wie er die Unschuld vom Lande verkörpert bekommt.
Seine Darstellung in Kombination mit Rubens Inszenierungsstil wirkt Wunder. Da wird aus einem seichten Spannungsbogen urplötzlich eine Nerven kitzelnde oder einfach unerwartet brutale Situation, so dass man trotz der eher charmanten Erscheinung eines sich angenehm zurückhaltend erzählten Horrorfilmes geschockt vor dem Fernseher sitzt, so eiskalt wie Ruben den sich in Sicherheit wiegenden Zuschauer erwischt. Die Restbesetzung fällt ebenfalls überraschend talentiert aus, auch wenn es bei der Figur von Stephanies Mutter ein wenig dauert dies zu entdecken. Einzig die Rolle des Bruders eines ehemaligen Opfers des Familienkillers wird überzogen dargestellt, so als wolle der gute Mann die Welt vor dem "Terminator" schützen. Seine parallel zum Hauptereignis eingeschnittenen Sequenzen sind meist hektischer Natur, auf harter Kerl getrimmt, angereichert mit leichten Action-Anleihen, sicher humoristisch gemeint, aber nicht den richtigen Ton treffen, um mit dem Restergebnis kompatibel zu sein. Letztendlich wird mit seiner Anwesenheit aber zumindest ein gekonnter, psychologischer Kniff vorbereitet, der das Publikum von damals sicher noch überrascht haben dürfte.
Schaut man "Stepfather" sensibel und nicht übersättigt durch zu viel Horrorkonsum, ist sein beunruhigendster Aspekt die Sachlichkeit und Gefühlskälte, die der Killer im scheinbar harmonischem Umfeld seines aufgebauten Familienlebens unterschwellig aufkommen lässt, insbesondere dann, wenn der Fehlschlag des Familienprojektes sicher ist und eine neue Identität her muss. Eine solche muss über einen Zeitraum von mehreren Wochen geplant werden, und bis dahin wird das Familienleben fortgesetzt, reduziert in Sachen vorgeheucheltes Sozialverhalten und Harmonie, aber konsequent bis zum Schluss durchgezogen. Mutter und Kind ahnen beim gemeinsamen Essen am Tisch noch nicht, dass sie im Bewusstsein des Mörders längst tot sind. Derartige Momente beunruhigen weit mehr als es ein harter Kill oder eine spannende Fluchtszene je könnten. Dementsprechend sei zu "The Stepfather" nicht nur der Genre-Freund eingeladen, sondern auch Cineasten, die den Bereich des Horrorfilms nur gelegentlich aufsuchen. "The Stepfather" funktioniert, dank versteckt geistreicher Herangehensweise, auf verschiedenen Ebenen und ist damit weit entfernt von Rubens anderen mir bekannten Filmen wie "Der Feind in meinem Bett", "Das zweite Gesicht" oder "Die Vergessenen", die regelrecht im Mainstream baden. "Stepfather" ist psychologischer Terror in ruhiger Tonart, dramaturgisch dichter Geschichte und satirischem Umgang mit Klischees aus dem echten Leben und der Medienwelt. OFDb
27.12.2015
DER WERWOLF VON TARKER MILLS (1985)
Mit den prominenten Größen wie „Shining“, „Misery“, „Stand By Me“ und „Carrie“ kann es „Silver Bullet“ (Alternativtitel) nicht aufnehmen. Dennoch war ich überrascht welch gelungenes Werk Daniel Attias Regiearbeit ist. Warum war der gute Mann danach nur noch für TV-Serien tätig, wenn auch immerhin für solch prominente wie „Buffy - Im Bann der Dämonen“, „Lost“ und „Dr. House“? Attias ist ein wahrhaft dicht erzählter Film gelungen, der Spielberg-ähnlich aus familienabenteuerlicher Perspektive den Horror heraufbeschwört, der in seinen reinsten Momenten richtig spannend ausgefallen ist.
„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist einer dieser Horror-Wohlfühl-Filme. Er ist ein wenig märchenhaft erzählt, lässt einen Hauch „Stand By Me“-Mentalität durch die Kinderperspektive entstehen, ist aber trotz alledem nicht zu brav ausgefallen, als dass man ihn als Horrorfilm nicht ernst nehmen könnte. Nicht selten geht der Werwolf blutig zu Werke, und Attias weiß ihn gekonnt einzusetzen. Zunächst ist er immer nur recht kurz im Bild zu sehen, und später scheut der Regisseur auch nicht die Totale auf eine Kreatur, die nur in wenigen Momenten optisch zu naiv ausgefallen ist - ein Zustand den die Kreaturen in den meisten Werwolffilmen permanent besitzen. Die Verwandlungssequenzen sind wahre Hingucker, und die Traumsequenz eines innerlich gequälten Pfarrers lässt die Spezialeffekt-Spezialisten einmal so richtig austoben.
Zudem gefällt es, dass „Cycle of the Werwolf“ (Alternativtitel) nicht nur in den Nachtsequenzen Spannung aufzubauen weiß. Wenn z.B. die Schwester von Marty versucht den Werwolf zu identifizieren, da eine Attacke des Jungen Spuren bei einem der Bewohner hinterlassen haben muss, ist die Atmosphäre bei ihrem Streifzug durch die Stadt mitten am Tag auf einem Hoch. Die Auflösung um wen es sich handelt ist geradezu Stephen King-typisch ausgefallen und hat mich trotzdem überrascht. Von diesem Zeitpunkt an funktioniert die Geschichte ähnlich wie der im selben Jahr entstandene „Fright Night“, denn die Bestie weiß nun wer von seiner Existenz weiß und lauert jenem, dem keiner glaubt, auf.
„Der Werwolf von Tarker Mills“ versucht nicht nur zu erklären warum die Bestie auch dann aktiv ist wenn kein Vollmond ist (womit der Werwolf nicht nur in wenigen Nächten aktiv sein darf wie in manch vergleichbarer Geschichte), er weiß es auch zu nutzen um sich einen zeitlichen Vorteil zu verschaffen wenn es um das unausweichliche Finale geht. Dies ist nach einem hohen Spannungsbogen zwar relativ schlicht ausgefallen, aber es erzählt was es erzählen muss. Eine im Laufe der Story aufkommende Dramatik des Besessenen, die begründet warum das Monster sich nicht selber richten kann, wird im Finale geschlossen, ohne dass Attias mit dem Finger drauf zeigt. Der Zuschauer weiß es einfach, auf unnötigen Kitsch wird verzichtet.
„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist erfreulicher Weise keine dieser mittelmäßgen King-Verfilmungen wie „Christine“, „Rhea M“ oder „Desperation“, sondern spielt in etwa in einer Liga mit „Der Nebel“, „Thinner - Der Fluch“, „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Der Rasenmähermann“ (falls man den überhaupt als Vergleich heranziehen darf, so wenig wie er mit Kings Vorlage zu tun hatte), sprich er spielt nicht in der ersten Liga mit, weiß aber bestens zu unterhalten und ist damit sogar besser ausgefallen als die ebenfalls sympathischen Werke „Cujo“, „Schlafwandler“, die erste „Es“-Verfilmung und „Needful Things“. Mit solch einem tollen Ergebnis hatte ich wahrlich nicht gerechnet. OFDb