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21.01.2024

DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983)

Nach dem erwachseneren Touch im ernster gehaltenen "Das Imperium schlägt zurück" wird "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" im bunteren und emotionaleren Ton wesentlich mehr Familienunterhaltung als zuvor, stilistisch passt das aber immer noch zu den Vorgängern, so dass die Trilogie dennoch einheitlich wirkt und mit diesem noch immer starken Teil entsprechend gekonnt schließt. Das liegt aber auch daran, dass die fröhlichen Elemente, ja sogar kurze Ausflüge in den Kitsch, nie infantil wirken, was den Unterschied zu "Die dunkle Bedrohung" ausmacht. Auch unterscheidet die beiden Werke, dass Schauwerte so gut wie nie dem Selbstzweck dienen, sondern Teil der tatsächlich zu erzählenden Geschichte sind. Und gerade die weiß im sechsten Kapitel der "Star Wars"-Saga zu gefallen, begonnen im herrlich unangenehmen Tempel von Jabba the Hutt, zur Befreiung Han Solos. Ich bin generell der Meinung, dass man die Finger von der Special Edition lassen sollte und "Krieg der Sterne" in der Urfassung genießen sollte. Und gerade im hier besprochenen Teil ist dies geradezu notwendig, um die Andersartigkeit dieser hier erschaffenen Welt in vollen Zügen genießen zu können. In Jabbas düsterem Palast herrscht in der Urfassung noch eine bizarre, wie aus einer fremden Kultur, klingende Musik. Die Special Edition machte daraus peinliche Partymucke. Das Fremdartige ist im ersten Drittel so unglaublich wichtig, um das Unwohlsein der Figuren hier vor Ort besser spüren zu können. Und Jabba selbst gehört zu meinen liebsten Kreaturen der von George Lucas erschaffenen Welt, an ihm kann ich mich einfach nicht satt sehen. Umso amüsanter ist es, dass die bizarrste, da simpelste Figur, ebenfalls dort vor Ort eingesetzt wird, wirkt der Elefant der Band im Palast doch eigentlich nur wie ein typisches Stofftier aus einem x-beliebigen Kinderzimmer, auch in seiner Bewegungsfähigkeit, und das macht ihn geradezu kultig.

Dass die Ewoks in ihrer Verniedlichung  etwas arg über die Strenge schlagen, mag kein völlig unberechtigter Kritikpunkt sein, er ist zumindest definitiv ein häufig geäußerter, ich persönlich habe mit ihnen jedoch keine Probleme, was auch daran liegen mag, dass "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" eines meiner ersten Kinoerlebnisse war, und ich den Streifen folglich noch immer unbewusst parallel zum Erwachsenenblick mit kindlichen Augen gucke. Mein erwachsenes Ich mag am Einbringen dieser Waldmondbewohner aber auch die entscheidende Glaubwürdigkeit im Plot, denn diese auf Ur-Volk getrimmten Viecher hinterlassen beim Imperium nun einmal nicht den Eindruck einer Gefahr, und diese Überheblichkeit des Imperiums, zusammen mit einer anderen, sorgen erst für die entscheidenden Schritte zum Happy End. Damit wird das Herumgekasper, dass mächtige Kriegsmaschinen und folgsame Soldaten simpelsten Bekämpfungsmitteln zum Opfer fallen, zu einer tatsächlich heiteren Angelegenheit, ohne dem noch immer vorhandenen düsteren Ton der Gesamtgeschichte zu schaden. Die zeigt sich spätestens im Imperator, der eine unheimliche, wie mystische Figur ist und zusammen mit Lord Vader ein böse anmutendes Gespann abgibt. Gelegentlich wird Lucas Einfallslosigkeit vorgeworfen, weil das Imperium erneut an einem Todesstern baut. Ich hingegen habe mich gefreut, dass Filmbösewichte eine gute Idee endlich einmal wiederholen dürfen, anstatt stets auf die nächste fixe Idee zu setzen, denn diese Waffe einmal vollendet im Einsatz, ließe die Ziele des Imperators für immer Wirklichkeit werden, und keine Rebellen könnten dem noch etwas entgegen setzen. Das Aufheben des Gedankens, die dunkle Seite könne man nie mehr verlassen, finde ich einen sehr lobenswerten, menschlichen Aspekt an "Return of the Jedi" (Originaltitel) und sorgt für einen sehr bewegenden Schluss. Dieses von Richard Marquant inszenierte Werk sollte der letzte rundum gelungene "Star Wars"-Film werden. Nicht alles was danach kam war unsympathisch, aber eine derartige Professionalität, wie hier vorhanden, kehrte leider nie wieder zurück, erst recht nicht unter der Beteiligung von Schöpfer Geoge Lucas.  Wiki

07.01.2024

DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980)

Während "Das Imperium schlägt zurück" allgemein als der beste "Star Wars"-Film gilt, war er für mich immer der schwächste Teil der ursprünglichen Trilogie. Ich habe ihn mehr als einmal gesehen, aber auch nicht so oft wie "Krieg der Sterne" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter", und kann mein stiefmütterliches Verhalten ihm gegenüber heute nicht mehr nachvollziehen. Ich empfinde ihn heutzutage als gleichwertig, bevorzuge keinen der drei mehr, aber es ist freilich dennoch auffällig, dass er der alleinstehende Versuch (zumindest bis "Rogue One") war, der Reihe einen erwachseneren Ton zu bescheren, kommen Episode 4 und 6 doch verspielter, mit kindlichem Gemüt versehen daher. 
 
Das heißt nicht, dass "The Empire Strikes Back" (Originaltitel) seine Magie und seinen Hang zu einfallsreichen Welten und Lebewesen verloren hätte. In ihm erscheint zum ersten Mal Yoda, die Eiswüste beeindruckt, der Kniff mit der Meteoritenhöhle, die keine ist, erweckt jedes Mal auf ein Neues das Kind in mir, das Schicksal Solos und sein Machospruch sind legendär, das mit "Krieg der Sterne" erschaffene Universum wird gekonnt erweitert und die Mystik der Macht vertieft. Dies diesmal mit mehr Blick auf die dunkle Seite, was ein entscheidendes Element des ernsteren Tons ist. Aber auch das Imperium kommt düsterer und weit weniger filmschurkisch daher, der Sieg am Ende ist ein geringer, das was den Helden widerfährt ist bedrohlicher und hoffnungsloser, das darf sich "Star Wars V - Das Imperium schlägt zurück" (Alternativtitel) als Mittelteil einer Trilogie alles erlauben. Auch im grimmigeren Ton sprechen wir aber immer noch von einem FSK 12-Film. Das von George Lucas erschaffene Werk bleibt somit familienfreundlich, aber das was erzählt wird ist rauer, auch im zwischenmenschlichen Umgangston der Guten, so sehr der von Irvin Kershner inszenierte Teil auch auf Solidarität, Freundschaft, Liebe, Ehre und Menschlichkeit setzt. 
 
Während die Musik sich weitestgehend auf den Kompositionen des Erstlings ausruht, wissen die handgemachten Figuren und Welten (nach nur einmaliger Sichtung damals, werde ich die Trilogie nie wieder in der Special Edition-Version gucken) mit Neuerungen und Erweiterungen das bisher erschaffene Universum zu erweitern, bzw. um ein weiteres zu komplettieren, ohne der bis dahin gezeigten Vision zu schaden. Einzig einige, kleinere Unstimmigkeiten mit dem Erstling, gerade wegen der neu entdeckten Verbindung zwischen Luke und Lord Vader, sind enthalten, so mächtig wie der rechte Arm des Imperators (im ersten Teil noch Kaiser genannt) doch eigentlich dank der dunklen Seite ist und dennoch in Teil 1 nichts bemerkte. Doch auch mit ernsterem Grundton geht es in "Das Imperium schlägt zurück" noch immer Hauptsächlich um Unterhaltung, da blickt man nicht all zu streng auf die Logik. Naivität und geklaute Elemente aus etlichen Legenden und Geschichten bestimmen das Geschehen ebenso wie der hohe Grad an Kreativität. Und mag die Reihe auch nicht zu den Trivialfilmen zählen, so ist sie doch trotzdem lediglich Popkorn-Kino und keine ernstzunehmende Science Fiction, wie es "Planet der Affen", "Der Omega Mann", "Die Delegation", "Welt am Draht" und sogar noch "Alien" waren. Es ist eher seine kindliche, abenteuerliche, mitreißende Art, die mich so begeistert auf die Ur-"Star Wars"-Reihe blicken lässt. Also nicht falsch verstehen, sie ist überragend in dem was sie sein möchte, der Dreiteiler ist zu Recht legendär.  Wiki

06.01.2024

KRIEG DER STERNE (1977)

Krieg der Sterne ist einer DER Popkornfilme schlechthin. Während im selben Jahrzehnt Werke wie "Rollerball", "Westworld", "Colossus", "Phase IV" und Co gezeigt haben, wie ernstzunehmende Science Fiction aussieht, mixt George Lucas in seinem Gute Laune-Kultfilm das Genre mit dem der Fantasy und beschert dem märchenhaften Bereich diverse Elemente verschiedener Legenden und Klischees. Herausgekommen ist ein kurzweiliger, beeindruckender und das Genre beeinflussender Abenteuer-Action-Science Fiction mit humoristischem Anteil, der gekonnt eine naive Geschichte mit einem interessant geprägten, fremden Universum kombiniert, das eigene Gesetzmäßigkeiten besitzt, allerhand Figuren und Welten präsentiert und als Aggressoren (allen voran Darth Vader) etwas wirklich Bösartiges auf die friedliebenden Bewohner dieser Welten los lässt. Das faszinierende Mysterium rund um die Macht, welches edle Ritter mit Lichtschwertern in religiöser Form hervor brachte, aber auch dunkle, verführerische Seiten bereit hält, ist neben der zugänglichen und sympathischen Figurenschar das Schlüsselelement zum Funktionieren dieses Streifens. 

Der ist nicht immer logisch, nicht nur was physikalische Elemente betrifft, auch inhaltlich, wenn z.B. über den Mentor, der einen gefühlt zwei Tage in die Macht einführte, mehr getrauert wird, als über Onkel und Tante, die man ein Leben lang kannte und einen groß gezogen haben. Das meiste andere, worüber man diesbezüglich stolpert, ergibt sich erst über die Fortsetzungen, damalige ebenso wie heutige, so dass die Geschichte durch sie immer mehr Lücken erhält. Als Film für sich lässt sich alles andere mit der anderen Welt und dem Schwerpunkt, lediglich ein Unterhaltungsfilm sein wollen, entschuldigen. Und die vielen Stärken, Schauwerte und die Stimmung, die dieser wundervolle Film zu entfachen vermag, lassen einen an einen solch unnötigen Kritikpunkt ohnehin nicht zu lang und streng verweilen. Das Outfit Lord Vaders, die beeindruckenden Weltraumschlachten mit unterschiedlich anzusehenden Raumschiffen, der Mut die Geschichte einige Zeit über zwei Roboter zu tragen, von denen einer nur fiepsen kann, "Star Wars" (Originaltitel) lebt von vielen Schauwerten und Ideen, getragen von einer klassischen Heldengeschichte, in welcher am Ende das Feiern eben dieser zählt und nicht die bitteren Verluste. 

Hätte es nie eine Fortsetzung gegeben, würde auch umso mehr auffallen wie mutig es gerade in einem Film für ein großes Publikum zu nennen ist, den Oberbösewicht überleben zu lassen. Nun ja, angeblich hatte George Lucas schon immer einen Mehrteiler im Sinn, auch zur Entstehung von "Star Wars IV - Eine neue Hoffnung" (Alternativtitel), aber der Mann schwätzt viel, und eben jene Ungereimtheiten, welche der hier besprochene Science Fiction erst durch die Fortsetzungen erhält (z.B. alles was mit dem Nichtwissen Vaders über seine Kinder zu tun hat), zeigen dass er die Geschichte, wenn seine Aussage stimmen sollte, zumindest noch nicht weit durchdacht hatte. Dennoch sei gesagt, dass auch die komplette Trilogie, trotz anwachsender Widersprüche, ein wundervolles Filmerlebnis der besonderen Art bleibt, damals wie heute, Episode 4 ebenso wie 5 und 6.  Wiki

12.08.2017

ADEL VERPFLICHTET (1949)

Ich habe „Adel verpflichtet“ zum ersten Mal gesichtet und wusste von ihm nur, dass er Dieter Hallervorden zu seinem „Didi und die Rache der Enterbten“ inspirierte, da Alec Guiness acht Figuren aus ein und der selben Familie mimte und Hallervorden dies ebenfalls tun wollte. Um so überraschter war ich, wie sehr die Familie vergleichsweise in den Hintergrund rückt und wie stark sich die Geschichte auf Louis konzentriert, was mit dieser Reduktion jedoch die Stilsicherheit des Filmes unterstützt, vermeidet man damit doch all zu zotig auszufallen, was wohl auch erklärt warum der weibliche Part, den Guinnes ebenfalls übernahm, ganz besonders kurz ausfällt. Denn man kann sagen was man will: schwarze Komödien mit Würde und Stilempfinden umzusetzen ist ein Talent, welches den Engländern so schnell niemand erfolgreich nachahmt.

So lebt die Komödie nur selten von eingeworfenen Witzchen, sondern setzt auf die unterschwellige Komik, welche die morbide Geschichte und die in ihr enthaltenen Figuren fast schon automatisch mit sich ziehen. Treffsicher werden kurze Momente der Albernheit gekonnt und gut getarnt eingebracht, und gesellschaftliche Witzeleien, wie diverse Ansichten über Alkohol, Adel und die Treue in der Ehe, werden auf solch natürliche und oftmals subtile Art eingestreut, dass sich alles wie aus einem Guss schaut, vorgetragen mit einem gewissen Ernst, wenn auch nur um den Adel und dessen Schrullen zu veralbern, dennoch in beide Richtungen funktionierend.

Allein die Hauptfigur strahlt von ihrem Charakter her eine unglaublich gut funktionierende Komik aus. Louis‘ Denken, welches uns durch seine Off-Kommentare stets vor Augen geführt wird, outet ihn stets als weniger rational, als er es von sich glaubt zu sein. Seine Rechtfertigung zu Morden schiebt er auf seine Mutter, dabei tragen seine Phantasien erst Früchte, wenn ein persönlicheres Motiv aufkommt. Und das Ziel seines Hasses, die Arroganz des Adels, verliert er immer mehr aus den Augen, nicht bemerkend wie sehr er sich selbst immer mehr in das verwandelt was er einst verabscheute.

Der Kampf um den Herzogtitel wird ihm immer wichtiger. Die ursprüngliche Rache bleibt nur noch Ausrede, eine Phrase um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Und wie es sich für eine gute Geschichte gehört, orientiert sich die Handlung an anderen Schwerpunkten. Louis Wandel und Selbstlügen dienen lediglich der unterschwelligen Belustigung, eben weil „Kind Hearts and Coronets“ (Originaltitel) eine schwarze Komödie ist, und Louis gegen Ende nicht mehr morden müsste, um den Herzogentitel zeitnah zu erhalten. Der Weg zum Ziel und die Überraschung, die alles zum wanken bringt, sind dem Autor vordergründig wichtiger.

Das Drehbuch gönnt sich nach einer längeren Einleitung die Möglichkeit zu Beginn von Louis‘ Taten fast wie ein Episodenfilm zu wirken. Erst nach und nach besinnt sich die Geschichte konsequenter dem durchgehenden roten Faden, der zwar nie verloren ging, nun aber erst die einzelnen Morde in die zentrale Geschichte von Louis Leben mit einspielen lässt. Die Fassade der Würde, die Louis nach außen spielt und an die er mit der Zeit immer mehr selbst glaubt, verleiht dem Film selbige Maske. In stilvoller Inszenierung tobt er sich humoristisch ordentlich aus, verteilt Ohrfeigen in sämtliche gesellschaftlische Nischen, meidet dabei aber jeglichen Klamauk, selbst wenn manche Idee geradezu danach schreit. Ich habe selten einen vor Humor sprühenden Film gesehen, der sich nach Außen so würdevoll tarnt, so dass manch einer, der subtilen Humor nicht gut erkennt, sich sicherlich wundern dürfte was daran nun Komödie sein soll.  OFDb