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21.02.2018

DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI (1953)

„Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ war ein sympathischer, kleiner Gruselklassiker, nicht mehr und nicht weniger. 20 Jahre später bescherte man ihm mit „House of Wax“ (Originaltitel) eine Neuverfilmung, für welche man Vincent Price für die Hauptrolle gewinnen konnte. Das klingt aufregend, und das Projekt wurde auch mit allerhand Sorgfalt umgesetzt, was allein die detailreichen, liebevollen Settings überdeutlich machen, das Ergebnis ist jedoch nicht sonderlich aufregend zu nennen, arbeitet es doch recht überraschungsarm die zu erwartende Geschichte durch, ohne dabei ein wahrlich spannendes Szenario zu entfachen. Seinen unheimlichen Höhepunkt erreicht der Film in einer toll umgesetzten Szene in den leeren Straßen Londons Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Frau flüchtet vor einer unheimlichen Gestalt, die Mantel und Hut trägt und ein zerfallenes Gesicht besitzt. Dass es sich um Bondi handelt ist ein offenes Geheimnis des Filmes, welches trotzdem erst im Finale offiziell gelüftet wird.

Von dieser ansatzweise gruseligen Szene einmal abgesehen ist „Das Kabinett des Professor Bondi“ lediglich ein solide umgesetzter, augenzwinkernder Horrorspaß, der wie erwähnt nichts erzählt was man nicht ohnehin schon erahnen würde. Aber dies macht er zumindest recht kurzweilig, zumal der aufkommende Verdacht, um welchen sich das Hauptgeschehen dreht, eine wahrlich morbide Idee ist, deren Aufdeckung aber ruhig eine kleine Spur blutiger hätte stattfinden können, um den Stoff des Vorgängers tatsächlich nennenswert zu modernisieren. Price wirkt im Rollstuhl ebenso wie im unheimlichen Gewand, die Settings sind wie erwähnt liebevoll und detailreich gestaltet und bilden den wahren Hingucker des Streifens, zum großen Klassiker fehlt es dem fertigen Streifen jedoch an nennenswerten Besonderheiten in der eigentlichen Geschichte und am Mangel einer nennenswert düsteren Atmosphäre, die über allen Geschehnissen schwebt.

Ich möchte „Das Kabinett des Professor Bondi“ nicht schlechter reden als er ist, er wird Freunden dieser Horrordekade sicherlich ähnlich gefallen wie Gästen des Genres, allein schon weil sein Retrocharme ebenso zu gefallen weiß wie das liebevolle Wiedererwecken des frühen 20. Jahrhunderts, aber wenn man bedenkt dass der Film Vorbild für solch kultige Werke wie „Das Schreckenshaus des Dr. Phibes“ gewesen ist, werden die hohen Erwartungen an den Streifen bei weitem nicht vollends erfüllt, zumal er inhaltlich seinem Vorgänger ähnlicher ist, als ich erwartet hätte. Da tat man gut daran die dritte Verfilmung 2005 thematisch völlig anders anzugehen.  OFDb

26.11.2017

DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (1974)

Hinter dem oftmals verwendeten Filmtitel „Madhouse“ (Originaltitel) verbrigt sich zwar erneut kein großer Filmklassiker den man als Fan des Genres gesehen haben muss, aber ein kleines, ungewöhnliches Werk, welches trotz seiner unbeholfenen Ausstrahlung aus verschiedensten Gründen einen Blick wert ist. Besetzt mit Vincent Price und Peter Cushing in den wichtigsten Rollen mag manch einer mehr vom Streifen erwartet haben als manch anderer, Fachkundige erkennen jedoch bereits bei der Namenseinblendung Samuel Z. Arkoffs als Produzent im Vorspann, dass hier eine schnell heruntergekurbelte Billigproduktion auf den Zuschauer wartet und sind somit vorgewarnt.

Zeit nahm man sich scheinbar wahrlich nicht für die Vorbereitungen auf „Das Schreckenshaus des Dr. Death“, wird beim Schauen doch nie seine Orientierung deutlich, was er eigentlich sein möchte. Irgendwo zwischen Grusel-Krimi, Horrorfilm und einem Hauch Horror-Parodie pendelnd weiß zumindest sein Spiel mit der Horrorszene innerhalb des Horrorfilms zu gefallen, handelt Jim Clarks Werk doch von Schauspielern, Autoren und Produzenten dieses Genres, sowie von den Dreharbeiten und dem Kult um die entstandenen Werke. Diesbezüglich versuchte sich Arkoff bereits in den 50er Jahren mit „Der Satan mit den 1000 Masken“, „Der Dämon“ (Alternativtitel) geht jedoch noch einen Schritt weiter und nimmt die Idee von „Scream 3“ und „Nightmare on Elm Street 7“ vorweg, um durch die gegebenen Mittel mit den Metaebenen zu spielen. „Deathday“ (Alternativtitel) ist dabei ebenso wenig gewitzt ausgefallen wie die später entstandenen prominenten Vergleichsfilme, aber allein Vincent Price bei seinem augenzwinkernden, spielfreudigen Agieren zuzusehen, beweist wie richtig es war sich an dieser Art der Thematik zu versuchen.

Wie für eine Arkoff-Produktion typisch wurde nicht gerade viel Geld in den Streifen investiert. Dies bescherte aber immerhin den Schauspiellegenden Boris Karloff und Basil Rathbone eine spezielle Nennung im Vorspann aufgrund von Gastauftritten, verkauft uns der Film doch ehemalige, real existierende Werke mit Vincent Price (u.a. „Das Pendel des Todes“ und „Der Rabe - Duell der Zauberer“) als damalige Dr. Death-Filme, um für diese nicht zusätzliche Szenen drehen zu müssen. Und in diesen treten besagte ehemalige Filmstars innerhalb von „Das Schreckenshaus des Dr. Death“ auf.

Geiz hat sich selten so gelohnt, denn das Verwenden alter Price-Filmszenen unterstreicht den augenzwinkernden Grundton des Filmes und lässt ihn an Sympathie gewinnen, gerade weil gewählte Szenen offensichtlich auf das Ur-Werk verweisen, im Gegensatz zu dem wie es bei neutraler entliehenen Momenten der Fall gewesen wäre. Zudem existiert im Film eine Interviewszene mit Paul Toombes, die mit einem echten Showmaster vor einem tatsächlichen Livepublikum aufgenommen wurde, so dass man davon ausgehen kann, dass hier Dreharbeiten mit der Möglichkeit ein echtes Interview mit Vincent Price aufzuzeichnen, vermischt wurden. Diverse von Toombies geäußerte Sätze schein gar vom realen Price-Interview entliehen worden zu sein und wirken dementsprechend authentisch.

Da durch diesen Umgang mit realen Aufnahmen diverser Medien und der dazugehörenden augenzwinkernden Darstellung Prices der Großteil des Filmes wie ein verschmitztes Spiel aller Beteiligten wirkt, verzeiht man dem Gesamtwerk seine etwas orientierungslose und vorhersehbare Chose, guckt sich das alles doch unterhaltsam, ohne je zum Retrozirkus, zu groben Albernheiten oder zum Selbstzweck zu verkommen. Subtil sieht anders aus, aber der dezente Umgang mit diesen Mitteln nicht zu übertreiben sorgt für den richtigen Grundton, und da jede Szenen, die das Ganze nicht betrifft, ohnehin zu spannungsarm ausgefallen sind, bereichert dieses Vorgehen, anstatt eine möglicher Weise vorhandene düstere Grundatmosphäre unangenehm aufzubrechen.

Von einem großen Wurf braucht man wie eingangs erwähnt nicht sprechen. Dafür ist „The Madhouse of Dr. Fear“ (Alternativtitel) zu banal und vordergründig ausgefallen. Diverse Handlungselemente kommen ebenso wie diverse Figuren zu kurz, die Auflösung steht zu vorhersehbar im Raum, und die Tricks sind zu erkennbar umgesetzt, als dass sich eine wahre Illusion auftun würde. All dies verzeiht man dem Film aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung jedoch all zu gerne. Einzig die Schlussszene, die es verfehlt das finale Geschehen freudianisch zu erklären, wirkt in ihrem Realitätsbruch ärgerlich und billig angehangen, und dies obwohl sie eine reizvolle zentrale Idee von „Dance of the Demons 2“ und „Ring“ vorwegnimmt.  OFDb

16.09.2017

IM TODESGRIFF DER ROTEN MASKE (1969)

Mag man Christopher Lee auch nur in einer kleinen Nebenrolle besetzen, ihn zusammen mit Vincent Price, der hier eine Hauptrolle spielt, für einen Film zu gewinnen, ist solch ein Plus für einen Filmschaffenden, dass man sich eigentlich kaum noch Sorgen um das Ergebnis machen muss - sollte man zumindest meinen. Wenn die literarische Vorlage nun noch von Edgar Allan Poe stammt und das vorliegende Produkt dem Grusel-Krimi zuzuordnen ist, dann sollte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Ein löchriges Drehbuch sei Dank hat dies „Im Todesgriff der roten Maske“ nicht viel genutzt. Und Regisseur Gordon Hessler dürfte auch kein Genie seines Fachs sein, hat er es doch ein Jahr später mit „Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse" erneut geschafft eine Gurke abzuliefern trotz der Anwesenheit beider soeben genannter Stars und dem zusätzlichen Mitwirken von Peter Cushing.

Mit Blick auf das Drehbuch hätte aber auch wer Talentierteres aus der lediglich an Poe angelehnten Erzählung kaum etwas Brauchbares geerntet, ist „Falsche Leichen klaut man nicht“ (Alternativtitel) doch zum einen recht umständlich erzählt, obwohl es inhaltlich keinesfalls kniffelig zugeht, zum anderen langweilt die Geschichte schneller als erwartet, da sie dem Zuschauer keinerlei Rätsel bietet, die das vorhersehbare Treiben aufwerten. Der Täter hinter der roten Maske ist bekannt, sein Wesen nicht mystisch gestaltet, seine Taten nicht aufregend zu nennen, das Abfilmen dieser nicht atmosphärisch oder zumindest angenehm morbide eingefangen und die Dialoge so realitätsfern und unsinnig runtergeschrieben, wie die Handlungsweise so ziemlich jeder hier agierenden Person.

Was nutzt eine Geschichte um Leichendiebe, Krankheit, Verschwörung und schwarzer Rituale in einem englischen Horrorfilm zu Pferdekutschenzeiten in theoretisch gotischem Flair, wenn das Treiben der Protagonisten belanglos ist und der Aggressor des Films bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit stets der Lächerlichkeit preisgegeben wird, was ihm noch mehr seiner Wirkung beraubt als die völlig deplatziert wirkende Maske auf seinem Gesicht? Und was nutzt einem dann noch ein stets seriös spielender Vincent Price, der selbst dann noch zu wirken weiß, wenn er sich, wie hier, nicht wirklich Mühe gibt?

Peinliche Versuche ein afrikanisches Voodoo-Ritual aufzuzeigen machen von Anfang an klar, welches Niveau einen mit „Der Fluch des Dämon“ (Alternativtitel) erwartet. Ich dachte zunächst dies sei lediglich ein schwacher Einstieg in die Geschichte, dem folgte aber leider eine umständlich erzählte Vorgeschichte, die zu lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Wenn nach langer Zeit endlich der Rachefeldzug der roten Maske startet, sind bereits derart viele Filmminuten vergangen, dass einem klar wird mit keiner Besserung der Zustände mehr rechnen zu müssen.

Hier setzen sich nur jene Fehler fort, die auch zuvor am Gelingen des Werkes sägten: der Mangel an Atmosphäre und Ästhetik (die Hammer Studios hätten nie solch idiotisches Inventar eingesetzt), der Mangel an psychologischem Verständnis in der Begründung der Taten der Figuren, idiotische Verwendungen von Ausreden um diversen Handlungsweisen Sinn zu geben und das Fehlen eines Rätsels oder Geheimnisses, welches den Zuschauer einladen soll Interesse für das Gezeigte zu entwickeln.

Bislang ist „Die Todesmaske“ (Alternativtitel) die einzige von mir gesichtete Verfilmung um die rote Maske von Edgar Allan Poe, aber ich bekomme Lust mir andere Versionen des Stoffes zu Gemüte zu führen, um einen kompletten Eindruck zu bekommen, wie desaströs „Dance, Mephisto“ (Alternativtitel) tatsächlich ausgefallen ist. Heutzutage würde ein Regisseur, der gleich zwei unterirdische Filme abliefert, obwohl er tolles Personal am Start hat, kaum eine weitere Chance bekommen weitere Werke für das Kino fertigzustellen. Hessler hingegen hat es auf 31 Filme geschafft plus diverse Regiearbeiten für TV-Serien. Erst 1991 beendete er diese Karriere.  OFDb

04.02.2017

WEISSER OLEANDER (1946)

Im selben Jahr, in dem Vincent Price in „Shock“ bereits den Psychopathen üben durfte, wurde auch „Weißer Oleander“ gedreht, in welchem er zwar ebenfalls den Bösewicht verkörpern darf, aber auf eine wesentlich subtilere und ungewöhnlichere Art. Im Zentrum steht Miranda, die Farmerstochter, die ihn, den Adligen heiratet. Zwar sind ihre Probleme exakt Schritt für Schritt beschrieben und sorgen beim weiblichen Publikum für eine Identifikation mit ihr, den wesentlich interessanteren Part hat jedoch Vincent Price erwischt, dessen Schurkenrolle nicht frei von Tragik ist, ganz im Gegenteil.

Sicherlich kann man ihn verachten für das wofür er steht, für das was er tut und für das was er denkt. Setzt man sich mit seiner Rolle jedoch ein wenig näher auseinander entsteht ein beeindruckendes Psychogramm eines Mannes, der zu seinem Bedauern in einer Zeit des Umbruches lebt. Seine Familientradition, von deren Richtigkeit er aufs Äußerste überzeugt ist, wird von seinen Untertanen mit Füßen getreten. Zudem gewährt ihm das Schicksal keinen männlichen Erben. Depressiv zurückgezogen in seinem Turmzimmer, nicht an Gott glaubend und unter Drogen stehend, in Selbstmitleid zerfließend, wird er so wunderlich wie er uns auch schließlich immer präsentiert wird, wenn er nicht gerade den Gentleman vor Fremden mimt.

Das Schicksal eines Adligen, der seiner Macht beraubt wird, da nun jeder gleichberechtigt sein soll - wann bekommt man schon einmal so intensiv das Innenleben jener anderen Seite geboten, die aufgrund unseres Rechteempfindens sonst nur als Bösewicht oder zumindest als vergangene traditionelle Ignoranz in anderen Filmen auftauchen darf, gerade dann wenn ein Werk eine gewisse Moral predigt? Dass „Die gebändigte Frau“ (Alternativtitel) diesbezüglich so empathisch umgesetzt ist, obwohl der Mächtige auch hier den Bösewicht-Part erhalten hat, verwundert um so mehr, als dass auch hier an allen Ecken und Enden Moral gepredigt wird.

Ohne die Vertiefung von Nicholas Innenleben wäre „Dragonwyck“ (Originaltitel) nur ein seicht vor sich hin plätscherndes Drama in schönen Bildern, wenn auch hervorragend erzählt. So aber erhält der Film Tiefe, bekommt die Geschichte einen vielfältigeren Blickwinkel, was auch gut zur Hauptfigur passt, ist Miranda doch keineswegs das naive Farmersmädchen, für das man es zunächst hält. Mag sie auch durch ihre Erziehung an die Bibel gekettet sein, so ist sie doch offen für das Empfinden des sich unverstanden fühlenden Nicholas und könnte ihm tatsächlich helfen, wenn er es nur zulassen würde.

Sie ahnt jedoch nicht wie unberechenbar Nicholas tatsächlich ist, und wie weit er gehen würde um seinen Frieden zu finden, unter Rauschgifteinfluss immer wieder den Geistergesang einer Ahnin hörend, die einen Fluch auf das Schloss gelegt haben soll. Interessant ist zudem der Aspekt, dass seine Tochter diesen Gesang ebenfalls vernehmen kann. Scheinbar handelt es sich bei den Van Ryans um eine Familie mit vererbbarer Geisteskrankheit. Mehr als Andeutungen diesbezüglich gibt es jedoch nicht. Und wer glaubt aufgrund der morbiden Finalereignisse und aufgrund der angeschnittenen Fluch-Thematik „Weißer Oleander“ wäre auch Thriller oder gar Horror, den muss ich enttäuschen. Joseph L. Mankiewicz‘s Werk ist ein waschechtes Drama, aber eines mit mehr Gehalt und weit weniger naiv erzählt, als es zunächst scheint.  OFDb

03.12.2016

SCHREI, WENN DER TINGLER KOMMT (1959)

Obwohl er der alten Gattung Film inhaltlich kaum ferner sein könnte, versteht sich William Castles „The Tingler“ (Originaltitel) als Hommage an den Stummfilm, lässt er Nebenfiguren des Streifens doch nicht nur ein Kino besitzen, in welchem lediglich stumme Filme laufen, der Streifen selbst bekommt Szenen geschenkt, die nah am Stil vergangener Zeiten orientiert sind. Wenn einer taubstummen Frau in der wohl besten Szene des Filmes Angst eingejagt werden soll, dann agiert besagte Frau wie einst die Schauspieler der vergangenen Kinodekade, und das Schwarz/Weiß des Streifens, zu das man sich trotz der Farbfilmzeit entschied, weiß mehr denn je zu wirken.

So herrlich unsinnig die Thematik des Filmes ist, und so sehr das titelgebende Monster zum Schmunzeln animiert, egal wie sehr man dem Film eine ehrliche Chance geben will, William Castle schafft es tatsächlich trotz des naiven Retrocharmes des öfteren einen wirksamen Spannungsbogen aufzubauen. Und diesen verdankt „Schrei, wenn der Tingler kommt“ eben nicht dem so gar nicht angsteinflößendem Monster, sondern jenen Szenen, in welchen die Angst vordergründig thematisiert wird. Wenn der Arzt in seinem Wahn nach der Einnahme eines Halluzinogen glaubt die Wände des Raumes würden ihn erdrücken, während wir das ganze Szenario aus dem realistischen Blickwinkel heraus betrachten, dann sorgt allein die Vorstellung des Protagonisten zusammen mit dem exzellenten Mimenspiel Vincent Prices für wohliges Unbehagen jenseits des verspielten Charmes, von dem der restliche Großteil des Filmes lebt.

Eindringlicher spürt man diesen Spannungsmoment in besagter Angstszene um die taubstumme Frau, die einen geradezu zu fesseln weiß. Diese Szene funktioniert auf verschiedenen Ebenen zugleich. Der Zuschauer kann sich mit dem Opfer identifizieren, ihr Angstgefühl überträgt sich im herabgeschraubten Sinne auf das Publikum, und stilistisch weiß der Aufbau des Stummfilmszenarios zu gefallen, der mit dem überraschenden Einzug von Farbe einen beabsichtigten Bruch erhält und die Spannungsschraube mit diesem Gimmick tatsächlich zu erhöhen weiß. Selten vertrugen sich die Gegensätze des verspielten Schundes und des wirksamen Horrors so harmonisch wie in dieser liebevoll gestalteten Szene, die zudem als Paradebeispiel dessen dient, dass man bei Castles Werk mit allem rechnen muss. Selbst die Schuldzuweisungen, die einem während des Sichtens dieser Sequenz durch den Kopf geht, wird sich noch als trügerisch herausstellen.

Zugegeben, dieser überraschend wirksamen Horrormomente gibt es wenige im hier besprochenen Film, aber dass sie in einem eher wegen des Retrocharmes heutzutage so interessantem Streifen überhaupt enthalten sind, ist schon eine kleine Überraschung für sich, die das schmackhafte grundlegende naive Programm, wegendessen man überhaupt zugegriffen hat, erst zum kulinarischen Hochgenuss werden lässt. „Schrei, wenn der Tingler kommt“ steht ziemlich für sich allein, ist im Gegensatz zu „Die Fliege“, der ebenfalls wirksamen Horror mit naivem Nonsens vereinte, in seinem Mix dieser beiden Einflüsse zu unausgegoren ausgefallen, da sich belustigender Retrocharme und wirksame Horrorsequenzen meist abwechseln anstatt dauerhaft insgesamt zu harmonieren, so wie es im Vergleichsfilm der Fall ist. Castles Werk verkommt dabei jedoch nie zur Witzfigur seines Genres, auch in den Monsterszenen nicht, da der Streifen nie zu billig und reißerisch daher kommt. Ein gewisses Niveau wird immer beibehalten. Und dass man weiß, dass man eigentlich gerade ziemlichen Unsinn erzählt, ist den Verantwortlichen des Tinglers stets bewusst.

Dennoch richtet sich Castle an den besonders naiven Part des Publikums zu Beginn des Streifens. Er warnt es, so als würde man mit dem bevorstehenden Film wahres Grauen erleben. Castle geht hierbei jedoch weiter als ein Hitchcock, der mit selbigen Methoden die Werbetrommel mancher seiner Filme zu rühren wusste. Richtung Finale unterbricht der Horrorregisseur parallel zu den Geschehnissen im Film das zu sehende Werk, lässt uns lediglich auf einen dunklen Bildschirm starren, während er dem Publikum Verhaltensregeln zum Schutz gegen den Tingler in uns gibt. Da diese Unterbrechungen während jener Szene eingebracht werden, in welcher der Tingler in einem Kino wütet, wird mit diesen Zwischensequenzen stets kurzfristig der Eindruck eines Metabebenen-durchbrechenden Stilmittels suggeriert, obwohl die beiden Ebenen Film und Unterbrechung eigentlich sauber getrennt sind.

Wie bereits erwähnt, im höchst charmanten „Schrei, wenn der Tingler kommt“ muss man immer wieder mit Überraschungen rechnen. Dies zeigt sich auch in der Schlusssequenz, die zu den Höhepunkten des Streifens zählt und uns eigentlich einen Moment präsentiert, der einer Fortsetzung eigenständige Möglichkeiten bieten würde, ohne Teil 1 lediglich zu wiederholen. Leider ist es zu einer solchen Fortsetzung nie gekommen, was schade ist, gilt „The Tingler“ heutzutage doch als Geheimtipp unter Monsterfilm-Fans und ist damit längst zum Kultfilm geworden, dessen Geschichte man als Freund des nostalgischen Kinos gerne weitererzählt bekommen hätte.  OFDb

25.10.2016

TAGEBUCH EINES MÖRDERS (1963)

„Tagebuch eines Mörders“, den man aufgrund der ähnlichen Titelgebung nicht mit dem 6 Jahre später erschienenen deutschen Lustspiel „Tagebuch eines Frauenmörders“ verwechseln sollte, zeigt uns Vincent Price in einer geradezu typischen Rolle. Pendelnd zwischen Gut und Böse darf er mimisch vielfältig zeigen was er kann, und mag Letztgenanntes auch recht selten zu sehen sein, so gehören diese kurzen Momente doch zu den Höhepunkten seines hier geforderten Spiels.

Man merkt, dass sich Price kein Bein für diesen Film ausreißt. Er spielt das was man von ihm sehen will gekonnt routiniert, und das passt schon ganz gut zu einem Film, der nicht wirklich etwas Innovatives zu erzählen hat, und trotzdem gut zu funktionieren weiß. Wahre Höhepunkte gibt es nicht. „Horla - Tagebuch eines Mörders“ (Alternativtitel) plätschert angenehm vor sich hin ohne nennenswerte Höhen oder Tiefen - abgesehen vielleicht von der etwas zu geschwätzigen Art des Dämons, welche ihm einer Mystik beraubt, die er allein aufgrund seiner rätselhaften Physis besitzt. Gern würde man mehr von ihm und seiner Gattung erfahren. Zu gern würde man einen Blick in seine Wahrnehmungsebene riskieren.

Stattdessen speist man uns mit einem typischen Horror-Plot der 60er Jahre ab, nicht so phantasiereich wie das was Le Borgs Film ausblendet, aber interessant genug wiedergekäuert, um dem Stammzuschauer charmante Standardware zu bescheren. Die Verwandtschaft zu „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ oder „Jack the Ripper“ ist nicht zu übersehen, dennoch darf es verwundern, dass sich der Streifen lange Zeit nicht wirklich für seine im Hintergrund plätschernde Horrorgeschichte interessiert. Dem Autor bereitet es viel mehr Freude mit dem Charakter des Richters zu spielen, so dass wir ihn in seiner Vielfältigkeit bereits vor dem Kontrollverlust durch einen Dämon kennenlernen.

„Diary of a Madman“ (Originaltitel) lebt von der Verspieltheit, mit welcher der Alltag des Richters und sein Umfeld dargeboten wird. Dementsprechend verspielt tritt auch der Dämon ins Geschehen, der eher wie ein Mix aus Geiselnehmer und Anstifter wirkt, anstatt wie eine bedrohliche, dämonische Präsenz. Wer mit dieser verspielten Leichtigkeit des Stoffes in einem ernsten Horrorfilm nichts anfangen kann, wird sicherlich auch die lange Phase bemängeln, in der rein Genre-technisch zu wenig passiert. Wer jedoch mit der augenzwinkernden Art des Streifens etwas anfangen kann, dem ist es egal ob der Horror lange Zeit pausiert oder nicht. Und dem ist es auch egal, dass der Horrorpart nicht gruselig oder düster daher kommt.

Letztendlich ist „Tagebuch eines Mörders“ mental schlichtweg ein reiner Vincent Price-Film, ohne dabei das Talent der um ihn herum agierenden Mimen schmälern zu wollen. Price ist es, der den Film am Laufen hält. Die Geschichte ist weder einfallsreich, noch aufregender Natur. Freunde der berühmten Genre-Größe werden definitiv ihren Spaß haben, eben weil die Rolle so perfekt auf Price zugeschnitten ist. Zudem ist man von Price das augenzwinkernde, lockere Spiel im Horrorbereich gewohnt, so dass der Kenner seiner Stoffe vom Schwerpunkt des Streifens sicherlich nicht unangenehm überrascht wird.  OFDb

10.01.2016

SCHOCK! (1946)

Es ist interessant Horrorlegende Vincent Price einmal in jüngeren Jahren zu Gesicht zu bekommen. Mit 35 Lenzen war der gute Mann sicherlich kein Jungspund mehr, aber einen Film aus den 40er Jahren habe ich mit ihm zuvor noch nie gesichtet, und es ist interessant zu sehen wieviel mehr ein älteres Gesicht von Vorteil sein kann wenn man den Schurken mimen soll. Price wirkt, keine Frage, aber längst nicht so gut wie in seinen späteren Werken. Dennoch weiß er auch hier gekonnt zu spielen, ist er im Gegensatz zu so vielen seiner späteren Rollen in „Schock!“ doch eher eine Art passiver Bösewicht. Er begeht die Taten, aber seine Geliebte treibt ihn dazu. Gewissensbisse und Mitleid halten ihn ab, bis er von seiner Holden bedrängt wird trotzdem gegen seine Natur zu handeln.

Dies ist ein Zusatzaspekt, welcher der ohnehin schon geglückten Geschichte den Rücken stärkt. Denn somit werden beide Seiten beleuchtet, sowohl die des Opfers als auch die des Täters. Wir leiden mit beiden Seiten mit, wenn mit Janet auch etwas mehr, zumal das Drehbuch das Mitgefühl zu der jungen Frau ungemein mit der Hintergrundgeschichte puscht, dass ihr Mann durch eine Kriegsgefangenschaft ganze zwei Jahre für tot gehalten wurde, und das Verbrechen von Cross dem jungen Glück nun ebenso im Wege steht wie die Therapie, die der Nervenarzt an seiner Patientin praktiziert, damit sie auch ja nicht ausplaudert was sie beobachtet hat.

Das Drehbuch arbeitet gekonnt heraus unter welchen Einflüssen sich die Methoden des obersten Arztes der Nervenheilanstalt ändern. Erst soll Janet vergessen, dann soll sie sich erinnern, da man ihr damit geistige Verwirrung nachweisen kann, und erst als sich auch die Polizei für die wahren Hintergründe des Todes von Frau Cross interessiert fordert die Geliebte den Doktor auf erneut zu morden, eine Forderung die Cross an seine Grenzen bringt und zu einem interessant inszenierten Finale führt.

Damit ist „Shock!“ (Originaltitel) definitiv auf der Gewinnerseite, wenn es um das Interesse des Zuschauers geht. So typisch 40er Jahre das Werk auch ausgefallen ist, die Geschichte, die rein von der Grundidee bereits ein Selbstläufer ist, weiß mit all ihren Zusatzideen auch heute noch zu wirken, und dank eines Vincent Price in der Schurkenrolle besitzt der Streifen zudem einen ebensolchen Zuschauermagneten, so dass man bis zum Ende des Filmes mit Janet und Cross zugleich mitbangen darf, in einem Horrorfilm in welchem sich Thrill und Drama die Waage halten.  OFDb

09.01.2016

DAS BIEST (1959)

Bei „Das Biest“ handelt es sich um einen waschechten Grusel-Krimi, bei dem beide Genres gekonnt miteinander verwoben sind, um die leicht augenzwinkernde Geschichte so spannungsgeladen wie nur möglich erzählen zu können. Innerhalb der Geschichte werden Motive aus „Bis das Blut gefriert“ und Wes Cravens „Nightmare - Mörderische Träume“ bereits vorweg genommen, während der Hauptpart sich darauf konzentriert mit gängigen Klischees aus Kriminalgeschichten zu spielen.

Es ist unschwer erkennbar, dass die Vorlage des Streifens aus dem Theaterbereich stammt, ist die dritte Verfilmung des Stoffes filmisch doch recht schlicht ausgefallen. Zwar vermeidet man dass sich „The Bat“ (Originaltitel) lediglich wie abgefilmtes Theater schaut, indem man hin und wieder mit besonderen Kameraperspektiven spielt, aber die Begrenzung auf nur wenige Personen und die Nutzung weniger Handlungsräume, sowie die nur angedeuteten Außenaufnahmen lassen einen die wahre Herkunft trotzdem deutlich spüren. In die medienwirksame Trickkiste greift man nur höchst selten, z.B. dann wenn sehr effektiv erstmals eine mit einem düsteren Handschuh bekleidete Hand nach einer der Hauptfiguren greifen will. Die Szene ist optisch so gekonnt inszeniert, dass jeder 3D-Effekt daneben nur verblassen kann.

Ein zu Beginn des Films begangener Mord, bei welchem man bereits die Hintergründe der zukünftigen Taten mitgeteilt bekommt, hilft durch das Zeigen des Täters dabei, den Zuschauer bei der zentralen Täterfrage zu verwirren. Sind wir als diejenigen die stets mehr wissen als die Protagonisten auf der sicheren Seite, oder ist doch wer anders die Fledermaus? Mag sein dass sich der Mann in Schwarz manches mal ein wenig dusselig anstellt, wenn er recht umständlich versucht an den im Haus verborgenen Schatz zu gelangen, aber die Inszenierung von Regisseur Crane Wilbur lässt nie zu, dass er deshalb wie eine Witzfigur wirkt.

„The Bat - Die Fledermaus“ (Alternativtitel) ist trotz diverser Auflockerungen zwischendurch ziemlich düster geraten und besitzt einen Spannungsbogen von welchem die Grusel-Krimis der Rialto Edgar Wallace-Reihe nur träumen dürfen. Dass der Film eine solche Wirkung besitzt, obwohl wir den Bösewicht immer wieder wie einen Schatten durchs Haus flitzen sehen, und somit Zeuge werden was er tut, welche Fehler er begeht und wo er sich aufhält, zeigt wie gekonnt der Streifen umgesetzt wurde, irgendwo pendelnd zwischem klassischem Kriminalroman, augenzwinkerndem Lustspiel und gruseligem Psychopathen-Horror. Dass der immer überzeugende Vincent Price diesmal kaum aus dem restlichen Cast herausragt, macht deutlich wie gut die Figuren in „Das Biest“ besetzt wurden.  OFDb

17.07.2015

DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES (1972)

Zwar schließt „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ in seiner ersten Szene nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers „Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes“ an, allerdings kommt die Fortsetzung nicht so locker verspielt daher wie das großartige Original. Zu bemüht, fast schon verkrampft, schafft man die Grundlagen der kommenden Geschichte, die viel zu viel Erklärungsnot bedarf und zu holprig erzählt ist, um alle Figuren in Grundposition zu bringen. Auf die Morde wird erneut viel Wert gelegt, die sind so ungewöhnlich und bestialisch wie bereits jene aus dem morbiden Teil 1, allerdings war die Rachestory als Grundlage für das Zelebrieren der Morde wesentlich geeigneter als das Ausschalten eher zufälliger Widersacher. Zudem besitzt „Im Bund mit dem Teufel“ (Alternativtitel) kaum die skurrile Grundlage des Originals, und das wenige was er davon besitzt hat er meist dem Vorgänger entliehen. Manche dort schräge Ideen werden in der Fortsetzung zum zwingenden Ritual, dem auch gerne mal zu oft nachgegangen wird. „Dr. Phibes Rises Again“ (Originaltitel) bleibt somit nur eine blasse Kopie des originellen Vorgängers, und das obwohl Produzent Samuel Z. Arkoff als auch Regisseur Robert Fuest wieder mit an Bord waren. Vincent Price spielt zwar wieder mit vollem Einsatz, aber selbst der will in meinen Augen nicht wirklich wirken, vielleicht auch weil der Grundton des Streifens nicht düster genug ausgefallen ist - komödiantische Anlehnung hin oder her. Vielleicht war der Abstand zwischen beiden Teilen auch einfach zu kurz, um erneut so kreative Arbeit leisten zu können wie zuvor. Den Fans war es egal. „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ erfreut sich großer Beliebtheit. Allerdings verstehe ich nicht warum. Zumindest kam es nie zu einem Teil 3.  OFDb

23.11.2014

THEATER DES GRAUENS (1973)

Wenn man in einer der ersten Mordszenen miterleben darf, wie ein wütender Mob über einen der Theaterkritiker herfällt, ein Mob obdachloser, dreckiger Gammler, dann wirkt das aufgrund mangelnder Mystik zuerst einmal nicht so überzeugend. Die Hilfe einer Horde gewaltbereiter Menschen klingt zu modern für einen Vincent Price-Film. Man sieht die Gefahr, dass die Moderne den charmanten Reiz älterer Price-Filme so nicht einfangen kann. Glücklicher Weise bleibt dieser negative Eindruck nicht lange bestehen, denn mit jedem ermordeten Kritiker werden die Tötungsmethoden einfallsreicher und schwarzhumoriger, während der wütende Mob, der den todgeglaubten Edward Lionheart den kompletten Film über blind und naivst folgt, im weiteren Verlauf des Streifens seinen ganz eigenen Reiz erhält, dankenswerter Weise aber auch zurückhaltender eingebracht ist als in der von mir kritisierten Szene.

Die Rolle von Vincent Price ist herrlich psychotisch, arrogant und überheblich gespielt. Dieser Tunnelblick-Künstler lässt alternative Ideen nicht zu, lebt die konservativste Ur-Form der Schauspielerei und empfindet Kunst als etwas, das den Originalstil der Vorlage nur unterwürfigst nacheifern darf. Kein Wunder also, dass ihn nicht jeder Kritiker einst über den Klee loben konnte, auch wenn Edward Lionheart in seinen Stammrollen ein begnadeter Schauspieler war. Nach seinem Beinahe-Tod zudem noch vom Wahnsinn besessen, ist Einsicht von ihm erst recht nicht zu erwarten.

Und so mordet er sich so verspielt wie Prices Paraderolle Dr. Phibes durch einen Film, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, und augenzwinkernd mit schwarzem Humor in jede Richtung austeilt. Da wird der Sinn und Unsinn von Kritike(r)n ebenso hinterfragt, wie der starre Sinn auf Kunst und Kultur und der Umgang eines Schauspielers mit seiner Rolle und seinem Publikum. Jede Seite kriegt ihr Fett weg, es darf geschmunzelt werden, aber „Theater des Grauens“ bleibt dabei distanziert und subtil. Zur Horror-Komödie wird er nicht.

Letztendlich weiß ein Film wie dieser aber nur zu gefallen, wenn die Seite der Helden ebenfalls gut besetzt und charakterisiert ist, und das ist in Hickox Werk glücklicher Weise der Fall, was dringend Not tut, denn von den Shakespear-orientierten Morden und der alles um sich schlagenden Satire einmal abgesehen, ist die grobe Geschichte an sich lediglich das klassische zehn kleine Negerlein-Prinzip, wie man es (in meist einfallsloserer Form) vorher und hinterher schon oft gesehen hat. Ein Hauch Agatha Christie weht umher, was in Kombination mit einem typisch charmanten Vincent Price-Film freilich ein Mix ist, der zu gefallen weiß.

Da stört es dann auch nicht weiter, wenn eine Enthüllung am Schluss viel zu vorhersehbar ist. Die sehenswerten und skurrilen Morde auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Helden des Filmes dabei zusehen zu dürfen, wie er verzweifelt mit Hilfe der Polizei versucht andere Kritiker und sich selbst zu beschützen, ist einfach ein kurzweiliges Erlebnis, eben weil Edward Lionheart den Guten immer einen Schritt voraus ist. Schon lange vor Jason, Freddy und Co liegt die Sympathie hier eigentlich beim Bösewicht, auch wenn die Heldenrolle keinesfalls negativ gezeichnet ist, sondern ganz im Gegenteil immer nachvollziehbar handelt und argumentiert. Letztendlich kommen die Morde so pfiffig daher, dass der Horror-Fan eigentlich eher zu Lionheart hält, und da die Sympathie mit dessen Mordmethoden so im Vordergrund des Konzepts stehen, darf man ernsthaft anzweifeln ob der letzte lebende Kritiker sein Happy End erhält oder nicht. Inmitten einer Geschichte nach Schema F, um es mal streng zu formulieren, ist das definitiv ein Vorteil zur Aufrechterhaltung des Spannungsbogens.

„Theater des Grauens“ weiß zu gefallen, und dies auf verschiedenen Ebenen: als klassischer, naiver Horrorfilm, als noch immer moderne Satire auf Tunnelblick-artiges Kunstverständnis und selbsternannte Kritiker, und als schwarzhumoriger Genre-Beitrag, bei dem man im Gegensatz zur zuerst genannten Variante zum Bösewicht anstatt zum Helden hält. Letztendlich beinhaltet „Theater des Grauens“ alle drei Varianten zugleich, und nur so möchte ich ihn auch sehen. Man muss den Film einfach aufgrund seiner Vielfältigkeit inmitten einer an sich monotonen Geschichte Anerkennung zollen. Er gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Vincent Price-Bewunderers, allein schon deshalb, weil der Star mit einer spürbaren Spielfreude agiert.  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb

09.02.2013

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN (1983)

Wegen einer Wette mit seinem Verleger verbringt ein Schriftsteller eine Nacht in einem verlassenen Haus, um in 24 Stunden einen kompletten Roman zu schreiben. Doch so verlassen wie er glaubt ist dieses alte Gebäude nicht...
 
Treffen der Legenden...
 
Es kommt nicht häufig vor, aber es gibt sie, die Filme in denen die damaligen Genre-Stars Vincent Price, Peter Cushing und Christopher Lee gemeinsam agieren. In „Das Haus der langen Schatten“ treffen sie sich relativ spät und somit stark gealtert, ist der Film doch von 1983. Er orientiert sich jedoch nicht an seiner Entstehungszeit, ignoriert den harten Horror, der seit der Mitte der 70er Jahre die Lichtspielhäuser heimsuchte, sondern setzt auf eben jenen klassischen Grusel, den man mit diesen drei Namen in Verbindung bringt.

Dass es Regisseur Pete Walker eher zum klassischen Horrorfilm hinzieht, bewies er bereits 1974 mit „Frightmare“, einem Film mit Kannibalenthematik, deswegen theoretisch Hoopers „Blutgericht in Texas“ nicht unähnlich, überraschenderweise jedoch recht zahm und blutarm umgesetzt. Auch hier richtete der Regisseur vieler Erotik-Produktionen sein Hauptaugenmerk mehr auf den Thrill, als auf den lauten Effekt. Wie es bei seinem Werk „Haus der Peitschen“ war, kann ich nicht beurteilen. Der Titel lässt jedoch vermuten, dass er es dort dann doch mal auf die damals moderne Art versucht hat.

Leider sind alle drei Schauspiel-Legenden lediglich in größeren Nebenrollen besetzt, keiner von ihnen spielt den Buchautor. Christopher Lee erscheint gar erst zur zweiten Hälfte hin, weiß von da an aber auch jegliche Szenen an sich zu reißen und agiert von allen Teilnehmern am besten, was mich schon ein wenig verwundert hat.

Klassischer Grusel hin oder her, was an sich positiv klingt, weiß in der Praxis zunächst nicht zu überzeugen. Kaum im Ort angekommen wirkt alles zu verkrampft auf düster und Grusel getrimmt. Im Haus angekommen spielt der Film augenzwinkernd damit, dass das Haus alles andere als verlassen ist. Ewig stolzieren neue Gesichter durch das Haus. Das mag witzig gemeint sein, schadet jedoch der Atmosphäre, da es keineswegs unheilvoll wirkt, da können sich die Gestalten im Gebäude noch so wunderlich benehmen.

Der geschulte Horror-Fan mag ohnehin vermuten auf welche Pointe das hinausläuft, wird zwar kurzfristig umgestimmt und glaubt es laufe doch auf ein anderes Ende hinaus, doch das hat weniger mit einem trickreichen Drehbuch zu tun, als viel mehr mit Situationen, die für den Schlussgag unlogisch erscheinen. Da dem Ende jedoch ein weiterer Schluss folgt, sollte man Unlogik nicht zu laut schreien, so dass das mangelnde Talent vielleicht auch zwischen den Zeilen augenzwinkernd absichtlich gemeint war. Man weiß es nicht, und man kann so viel vermuten, bei einer Geschichte mit dreifachem Boden.

Je weiter der Film voranschreitet, um so interessanter wird die Geschichte dann auch. Spuk-Thematik wäre ein öder Bereich gewesen, wenn man die Anwesenheit der Eindringlinge bedenkt. Da kommt es schon gut, dass plötzlich die Rede von einem Wahnsinnigen ist, der 40 Jahre lang eingesperrt in seinem Zimmer in diesem Haus lebte. Das gibt der Geschichte genügend Zunder, so dass man ihr auch verzeiht, dass Christopher Lee scheinbar die Rolle eines guten und hilfsbereiten Mannes zugeschrieben bekam.

Es dauert lange bis man durchblickt, das macht den Reiz aus, und am Ende hat man viele Überraschungen und Wendungen erlebt, da hält das Drehbuch einen schon gut auf Trab. Dennoch, so ganz hat der Film bei mir nicht funktioniert, was vor allen Dingen an der lahmen und uninteressanten ersten Hälfte liegt, die zwar viel im dunklen Haus und mit vielen stillen Momenten spielt, in diesen Situationen aber nie Spannungspotential aufbaut.

Wer nicht zu viel erwartet, kann klassisch unterhalten werden. Allein die großen Namen sind schon ein Einschalten wert, und der restliche Cast fällt ebenfalls nicht negativ auf. Leider ist der Film jedoch nicht spannend genug, zur Horror-Komödie wird er trotz vieler lustig gemeinter Momente auch nie, und so ist „Das Haus der langen Schatten“ nichts Halbes und nichts Ganzes und eigentlich nur dem Genre-Freund zu empfehlen.  OFDb

DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE (1959)

Am Tag der Beerdigung seiner Mutter, erfährt der mittlerweile erwachsen gewordene Sohn des verstorbenen Wissenschaftlers, was der Hintergrund dessen rätselhaften Todes war. Trotz einer von da an startenden Fliegenphobie macht er sich gegen die mahnenden Worte seines Onkels daran, die Arbeit seines Vaters fortzusetzen. Sein Laborpartner ist jedoch nicht der, für den er ihn hält...
 
Wie der Vater so der Sohn... 
 
„Die Fliege“ war ein großer Erfolg. Zu recht, wie ich meine, guckt er sich doch abgesehen von einigen wenigen unfreiwillig komischen Szenen, welche ihm die Zeit beschert hat, auch heute noch richtig gut. Schon damals galt das Gesetz, was gut ankommt muss fortgesetzt werden, also erschien gerade ein Jahr später „Die Rückkehr der Fliege“. Diese bot dem Zuschauer nun das, was Teil 1 umgangen hatte. Jedoch nicht um Kosten zu sparen, sondern um den Schwerpunkt auf die Dramatik und den unheimlichen Aspekt zu setzen. Dieser Schachzug ermöglichte es, dass die wahnwitzige Idee nicht völlig lächerlich umgesetzt wurde. Teil 2 haut nun mitten rein in den Trash und lässt zur zweiten Filmhälfte einen Mann mit Fliegenkopf umherlaufen.

Was nutzt die Anwesenheit des großartigen Vincent Price, wenn der komplette Film sich bereitwillig der Lächerlichkeit preisgibt? Zwar wurde der inhaltliche Fehler vermieden, nicht rein zufällig dem Protagonisten von Teil 2 das selbe passieren zu lassen, wie dem Wissenschaftler aus Teil 1, das wären einfach zu viele Zufälle gewesen (diesen dummen Fehler beging man erst zu Beginn der Blockbuster-Ära mit „Der weiße Hai 2“), der Alternativgrund, warum der Forscher diesmal zur Fliege wird, ist jedoch auch nicht sonderlich befriedigend, zumal er auf der Fliegenphobie des Sohnemannes aufbaut, die jedoch nur zwei mal kurz aufblitzt.

Insgesamt ist die Fortsetzung viel zu simpel und vorhersehbar aufgebaut. Ideen sind aus den Fortsetzungen von „Frankenstein“ und „Der Unsichtbare“ entnommen, ansonsten orientiert man sich am klassischen Mutantenfilm seiner Zeit. Ein Unterhaltungswert ist immerhin vorhanden, jedoch ein eingeschränkter. Trashfans bekommen mehr geboten, als der typische Genrefan. So darf man wie gesagt viele Szenen sehen, in denen ein Fliegenmann umherläuft, Leute attackiert und ständig seinen künstlichen Kopf gerade rückt, damit er nicht runterplumpst. Das ist schon sehr witzig.

Lustig ist auch eine Szene zu Beginn, in der man beobachten darf, wie der Regen dem fahrenden Auto folgt, während der rechte Teil des Bildschirms trocken bleibt und großflächiger wird. Was soll Vincent Price da noch groß herumreißen? Er spielt ohnehin relativ lustlos. Der restliche Cast gibt sich Mühe, fehlbesetzt wirkt hier niemand.

Kleine Verbesserungen gibt es im Bereich der Spezialeffekte. Die Miniaturfliege mit dem weißen Kopf ist nun besser, wenn auch immer noch simpel, getrickst. Schön sieht auch das Meerschweinchen aus, das statt seiner Pfoten Menschenhände besitzt und mit den Fingern wackelt. Sein großes Gegenbild mit den flauschigen Pfötchen sieht dafür um so bescheuerter aus. Man bekommt den Eindruck, der Mann sei aus einem „Zotti“-Film entsprungen und wird in Punkto Lächerlichkeit nur noch von dem Fliegenmann getoppt, der immerhin dem Trashfan gibt, was der gerne sieht.

Zumindest lernte man aus Teil 2. „Der Fluch der Fliege“ sollte die nächste Fortsetzung werden, auch kein herausragender Film, aber wenigstens nicht so lächerlich wie „Die Rückkehr der Fliege“ und wieder mehr auf Drama gesetzt.  OFDb

04.02.2013

THE LAST MAN ON EARTH (1964)

Seit einer Seuche ist Robert Morgan der letzte Mensch auf Erden. Zwar haben auch einige andere überlebt, aber aus diesen sind abscheuliche Wesen geworden, die nachts darauf lauern Morgan zu vernichten. Tagsüber dreht der Wissenschaftler den Spieß um...

Der erste letzte Mensch... 
 
Wenn den Cineasten ein großer Gefallen getan wurde, dann war es jener, dass endlich „The Last Man On Earth“ in Deutschland veröffentlicht wurde. Bisher musste der Filmfreund noch immer auf ausländische Fassungen zurückgreifen, die, sofern man den Originalton sah, immerhin mit der wirksamen Stimme Vincent Prices trumpfte, ein Element welches für die Klasse des Streifens sehr wichtig ist. Die deutsche Synchronisation ist allerdings auch in Ordnung, und netter Weise kam die deutsche Erstveröffentlichung auch gleich mit zusätzlichem Originalton heraus. Nun endlich kann ein wesentlich breiterer Kreis dieses Werk begutachten.

Das tut natürlich nach dem unverschämt mauem „I Am Legend“ besonders gut. Der Film mit Will Smith war das Paradebeispiel, dafür, wie man eine intelligente, großartige Idee zu einem plumpen Durchschnittswert kaputt machen kann. Was dieser Film durch seine Finanzstärke für Möglichkeiten gehabt hätte, ist kaum auszumalen, heraus kam nur Mist. Bei der Erstverfilmung mit Vincent Price war es genau umgekehrt. Die Zeichen standen nicht gut.

Erst rissen sich alle möglichen Filmfirmen um die Rechte, dann konnten die Hammer Studios, welche die Zusage erhielten, das vom Buchautor selbstverfasste Drehbuch nicht finanzieren. Geendet hat alles bei einer Billigfirma, die das komplette Werk für einige wenige Kröten in Italien abdrehte mit Star Price inmitten von italienischen No Names. Der Autor des Buches war so enttäuscht, dass er mit dem Film nichts mehr zu tun haben wollte. Das begreift sicherlich nur der, der das Buch kennt. Ich tu es nicht, weiß aber immerhin den Film zu schätzen.

Er ist nicht der erste Streifen, der seiner Zeit verkannt wurde und mit einem Minibudget realisiert wurde. Und dass man nicht auf jammernde Buchautoren hören darf, weiß der Filmfreund spätestens seit der Besetzung von Margaret Rutherford als Miss Marple.

„The Last Man On Earth“ ist ein atmosphärischer Film geworden. Ihm fehlt sicherlich der Erzählbereich, in dem einem erklärt wird, wie Morgan so alleine überlebt (Essen anbauen, etc.), und er zeigt auch noch nichts von der psychischen Erkrankung, wie sie Neville in der zweiten Verfilmung mit Charlton Heston zugeschrieben wurde. Das sind zwei wichtige Punkte, die viel an der Qualität der Folgeverfilmungen ausmachten.

Aber wenn man die Zeit berücksichtigt, muss man auch bedenken, dass dort das Medium Film im reinen Unterhaltungsbereich noch nicht so bemüht war alles logisch zu halten und jeden Aspekt zu bedenken. „The Last Man On Earth“ ist ein Kind seiner Zeit, und als solches muss man ihn auch sehen. Akzeptiert man einmal die beiden Abstriche, die im Vergleich zu den Nachfolgern entstehen, steht einem hohen Sehvergnügen nichts im Weg.

Auch nach nochmaligem Gucken fällt es mir immer noch schwer zu entscheiden, welches wohl die bessere Verfilmung ist. Die Price-Version oder jene mit Heston? Beide Teile haben ihre deutlichen Vorteile und schlichten Nachteile, beides sind Meilensteine des Science Fiction-Kinos. Mir erscheinen beide Versionen gleichrangig.

„The Last Man On Earth“ hat ganz einfach Vincent Price selbst zum Vorteil. Heston ist ein oller Revolverheld, ein dümmlicher Haudegen, der immerhin in vielen Filmen zu überzeugen wusste. Price aber hat Klasse, weiß Kleinigkeiten mimisch gut darzustellen, und das selbst in diesem kleinen Film, bei dem man ständig das Gefühl hat, der große Horrorstar wäre nur mit halber Backe dabei gewesen. Klar, in einer „Nur ein Mensch hat überlebt“-Geschichte steht und fällt alles mit dem Hauptdarsteller, das bewies gerade die letzte Verfilmung mit dem völlig fehlbesetzten Musiker Will Smith. Und Price macht seine Arbeit wirklich gut. Er passt ohnehin wunderbar in das Geschehen, denn in dieser ersten Verfilmung orientierte man sich noch etwas näher am Buch (wobei auch hier bereits einiges geändert wurde, die Hauptfigur im Roman ist kein Wissenschaftler).

Und im Buch ging es nicht um Mutanten, sondern um Vampire, oder sagen wir einmal vampirähnliche Wesen. Sie haben ein Spiegelbild, aber sie können den Anblick nicht ertragen, sie haben eine Abneigung zu Knoblauch, haben aber kein Problem damit eine Kirche zu betreten, und sie meiden das Tageslicht. Price pfählt sich klassisch mit selbst hergestellten Holzpflöcken durch den Film, die moderne Science Fiction-Thematik vom einzigen Menschen auf der Welt trifft auf klassische Gebiete des Horrors. Diesen Punkten kommt das Schwarzweiß zugute, mit dem der Film gedreht wurde. Somit haben wir Zuschauer aus unserer Zeit einen prima Mix aus nostalgischer Unterhaltung und gekonnter Gruselstimmung mit Endzeitatmosphäre.

Hinzu kommt eine gute Dosis Dramatik, allerspätestens im Rückblick, wenn man erfahren darf, wie Neville seine Liebsten verlor. Auch im Jetzt gibt es einige tragische Punkte, beispielsweise die Freundschaft zu einem Hund, die nur von sehr kurzer Dauer ist. Dass Neville die Wahrheit, der von ihm abgewehrten Vampir-Theorie seines Freundes und Arbeitskollegen, erst in Form der Wiederkehr seiner eigenen Frau erfahren muss, ist auch ein deutlicher Punkt, der auf klassische Gruselerzählstruktur zurück greift und rückwirkend mit dieser Sequenz auch etwas an „Friedhof der Kuscheltiere“ erinnert.

Nun befasst sich „The Last Man On Earth“ also mit einer Vampirthematik. Interessanter Weise hat dieses Werk allerdings kaum etwas mit anderen Vampirfilmen gemein. Trotz der eben angerissenen Parallelen zu diesem Subgenre, erinnern uns die hier gezeigten Wesen viel mehr an Kreaturen aus einem ganz anderen Subgenre, zudem einem, das 4 Jahre nach Erscheinen dieses Filmes erst in der Form begründet wurde, wie wir es heute kennen: den Zombies.

„The Last Man On Earth“ guckt sich Szenenweise ähnlich wie „Die Nacht der lebenden Toten“. Die Vampire sind ähnlich dumm, ähnlich körperlich schwach und belagern den ollen Morgan ebenso wie später die Zombies die kleine Gruppe Menschen in Romeros kleinem Meilenstein. Ob Romero von dem Price-Streifen vielleicht sogar etwas inspiriert wurde? Keine Ahnung, denkbar wäre es.

„The Last Man On Earth“ ist ein empfehlenswerter Science Fiction-Grusler mit einem zwar nicht 100 % agierenden Price, aber einem immer noch sehr wirksamen. Wer sehen will wie man „I Am Legend“ gut verfilmen kann, sollte reinschalten. Allerdings nur um die Grundthematik zu vergleichen. Um zu sehen wie aus dem Will Smith-Film ein gesellschaftskritisches Werk hätte werden können, muss man eher „Der Omega-Mann“ gucken. Sowohl die 60er- als auch die 70er Jahre-Verfilmung ist besser als der neumodische Schund mit seelenlosen computeranimierten Gegnern. Die Price Verfilmung ist noch handgemacht, weist zwar einige Unlogiken und Erklärungslücken auf, beachtet man aber Herstellungsjahr und Produktionskosten, geht das schon in Ordnung.  OFDb