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01.01.2020

DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1962)

Dachte ich zunächst Klinglers "Das Testament des Dr. Mabuse" sei lediglich eine Neuverfilmung von Fritz Langs 1933 inszenierter, gleichnamiger Fortsetzung von "Dr. Mabuse, der Spieler", so entpuppt sich der Streifen als Fortsetzung des im selben Jahr veröffentlichten "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse". Der Film ist Quasi Remake und Fortsetzung in einem, eine herrlich skurrile Idee inmitten einer Filmreihe, die mit ihrem völlig kunstbefreitem Eintritt in die Trivialfilmwelt der 60er Jahre ohnehin auf immer groteskere Ideen abonniert war. Der hier besprochene "Das Testament des Dr. Mabuse" guckt sich dementsprechend kompatibler mit den anderen Werken dieser Reihe besagten Jahrzehnts, als es das Original tut, leidet aufgrund des Personenunterschieds der beiden Mabuse-Identitäten, von der eine stets im Schatten des wahren Genies stand, allerdings auch unter Ungereimtheiten. Der Mabuse seit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" war alles andere als ein Genie, es war ein Dilettant, der sich die Ideen des verstorbenen Verbrecher-Genies zu Nutze machte. Nun ist er doch hoch intelligent, und auch auf die Idee der überragenden hypnotischen Fähigkeiten des Mannes wird wieder gebaut.

Da hier ohne wirklichen Anspruch gearbeitet wird, leidet Klinglers Werk nicht unter der unausgegorenen Herangehensweise. Ganz im Gegenteil weiß seine verspielte Art mit der Fortführung des Trivialen, sowie der Wiedererzählung einer intelligenteren Geschichte, zu gefallen, schaut sich der Streifen aufgrund letztgenanntem Antriebs doch pfiffiger als seine Vorgänger seit "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse". Letztendlich sind jedoch die aus dem Originalfilm entliehenen pfiffigen Ideen weit reißerischer eingefangen als dort. Was Lang subtil einzuweben wusste, muss hier in flottem Tempo und geradeaus ausgesprochen eingefangen werden. So werden nicht nur angedeutete Fakten der 33er-Version hier klar heraus formuliert, auch im Ungewissen schwebende Möglichkeiten, die den Zuschauer von einst lediglich vermuten ließen, werden nun zu eindeutigen Fakten. Nicht nur diese direktere Art unterscheidet den Streifen von Langs "Das Testament des Dr. Mabuse", Klinglers Werk bietet eigene Ideen, gerade zu Anfang und kommt, gerade gegen Ende, weit sadistischer daher, was aber hervorragend ins reißerische Bild der Neuverfilmung passt.

Gert Fröbe ist hier zum dritten und letzten Mal in einem Mabuse-Film besetzt. Holte man sich im Vorgänger wen anders für die Ermittlungen, macht sein Einsatz im wahrscheinlich zeitgleich entstandenem Film (wohl der Grund warum er im Vorgänger nicht mitspielt) mehr Sinn, da er doch seinerzeit in "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" als hervorragend passender Ersatz für den im Vorgänger spielenden Otto Wernicke besetzt wurde, der ihm im Aussehen und der ruppigen Art stark ähnelte. Nun darf die ähnliche Besetzung einen direkten Vergleich stand halten, und da wissen beide Darsteller gleichermaßen zu gefallen, auch wenn Fröbe weit entspannter inmitten einer pulpigen Version eines einst anspruchsvollen Stoffes spielen darf, was beispielsweise die Elektroschock-Szene zeigt. Professionelles Spiel wurde nur bis zu einem gewissen Grad gebraucht, auch hier zeigt sich der Trivialfilm-Charakter eines Werkes, der sich aber auch der Pluspunkte einer entspannteren Herangehensweise bewusst ist. Mabuse tatsächlich dabei zuzusehen, wie er den Arzt manipuliert, ist das beste Beispiel für ein gelungenes Szenario, das davon lebt, dass es eben nicht subtil erzählt ist und mehr zeigen darf als der Film, den er kopiert. Freilich kommt Klinglers "Das Testament des Mabuses" qualitativ nicht an das Original heran, aber er ist ein sympathisch ernst dargebotenes Narrenstück, das sich seiner Natur bewusst ist und meist dank der Nachahmung trotzdem noch einmal im direkten Vergleich anspruchsvoller daher kommt, als seine beiden Vorgänger. Einzig unangenehm ist mir hier nur das Verheizen von Harald Juhnke aufgefallen, mit dem ein erneuter Versuch angegangen wurde, den Eddi Arent-Humorpart der Wallace-Reihe auf die Mabuse-Reihe zu übertragen. Ansonsten sind die Anbiederungsversuche an die Konkurrenz hier weit weniger zu bemerken, als in den beiden Mabuse-Filmen zuvor.  OFDb

30.12.2019

IM STAHLNETZ DES DR. MABUSE (1961)

Nach drei Mabuse-Filmen Langs geht die Figur des Superverbrechers nun unter anderer Regie als direkter Konkurrent der erfolgreichen Wallace-Reihe in Serie, vom Unterhaltungswert her so leicht angelegt, wie der Vorgänger "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse". Unter der Regie Reinls, der auch den Nachfolger "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" ein Jahr später inszenieren sollte, ist das Ganze nicht derart überzeugend umgesetzt wie der erste reine Trivialfilm um das Verbrechergenie. Über hypnotische Fähigkeiten braucht der wandlungsfähige Mabuse mittlerweile nicht mehr verfügen. Mit "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" beginnt die Spielerei um irre Erfindungen, die der Verbrecher zum Erlangen seiner Herrschaft nun von Film zu Film variiert einsetzt. Den Beginn macht eine synthetische Droge, die Menschen willenlos macht und quasi fremd-programmiert. Das macht zwar keinen Unterschied zur Hypnosekunst des Originals, aber um Sinn und Verstand geht es hier ohnehin nicht mehr, ist das Buch doch gespickt mit Unsinnigkeiten und Widersprüchen, ganz besonders im Verhalten Mabuses, dessen Identität wieder einmal erraten werden darf.

Dass er nicht mehr über die hochgradige Intelligenz des Täters der ersten beiden Filme "Dr. Mabuse, der Spieler" und "Das Testament des Dr. Mabuse" verfügt, braucht nicht zu verwundern, steckt hinter der Tarnidentität doch nicht ein ins Leben zurück gekehrter Dr. Mabuse, sondern jener Mann, der sich in "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" dessen Namen und Verbrechen entliehen hat und lediglich tot geglaubt war. Dass "The FBI vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) auf ähnliche Weise endet wie der Vorgänger, gereicht ihm zum Vorteil, eben weil nun die eigentliche 60er Jahre-Reihe losgeht, und da spielt die Brauner-Produktion am Schluss mit offenen Karten, mittels einer Aufnahme einer Menschenmasse, um zu suggerieren, dass Mabuse, sofern er noch lebt, jeder von ihnen sein kann. Es ist dieser verspielte Ton, der auch die schwächere Variante des Stoffs noch immer unterhaltsam werden lässt. Zudem hat man die Idee aus "Das Testament des Dr. Mabuse" zurück entdeckt, dass der Verbrecher nicht offen mit seinen Kumpanen arbeitet, sondern wieder als Phantomchef fungiert, dessen Identität auch seinen Untergebenen nicht bekannt ist. Derartige Bezüge zu Langs Ideen wissen zu gefallen.

Lex Barker ist in Sachen Charisma nicht Peter van Eick, darunter leidet die obligatorische Liebesgeschichte. Aber zumindest weiß die Hauptrollen-Besetzung mit Gert Fröbe zu versöhnen, der diesmal nicht als Kommissar Krass, sondern stattdessen als Kommissar Lohmann unterwegs ist, jener Polizist, der in Langs zweitem Film den Fall löste. In eben dieser Rolle sollte Fröbe auch ein Jahr später in der Neuverfilmung "Das Testament des Dr. Mabuse" zurück kehren, also im selben Jahr, in welchem Reinl seine Fortsetzung zum hier besprochenen Teil nachreichte. "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" heißt auch Werner Peters aus dem Vorgänger wieder willkommen, in einer anderen Rolle besetzt, aber freilich zwielichtig wie eh und je charakterisiert. Dieser und andere Trümpfe lassen aus "Phantom Fiend" (Alternativtitel) ein unterhaltsames Vergnügen werden, dem es nicht an Tempo mangelt. Im Vergleich zum Vorgänger kommt der Film jedoch unausgegorener und unsinniger daher, und ihn mit einem der ersten beiden Lang-Mabuses zu vergleichen wäre lediglich unfair, will Reinl doch nichts weiter abliefern als unterhaltsames Trivial-Kino.  OFDb

DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1960)

Langs Rückkehr zurück nach Deutschland bescherte uns u.a. den dritten und letzten Teil seiner Mabuse-Trilogie, der, so unterhaltsam er auch sein mag, nicht mehr an die Klasse der beiden vorangegangenen Filme "Dr. Mabuse, der Spieler" und "Das Testament des Dr. Mabuse" heran reicht. Bargen die beiden Vorgänger hinter all der künstlerisch wertvollen Herangehensweise bereits den Bereich des Trivialfilms, so bricht er nun in Zeiten der harten Kinowelle Deutschlands unübersehbar hervor. Ob es eine im Kitsch endende Liebelei zwischen zwei wichtigen Figuren ist, die so dargeboten wird, dass sie nur in der Popkornkino-Realität zu überzeugen weiß, oder ob plump choreographierte Prügeleien stattfinden, selbst die Auflösungen am Schluss, die allerlei Wahrheiten über die Figuren freilegt, wirken derart übertrieben, dass man nicht mehr wirklich von einem bodenständigen Werk reden kann. Selbiger niveauloserer Umgang trifft auf den Namen Mabuse zu, der nun frei von einem Nachfolger benutzt werden kann, dessen einzige Legitimation darin besteht das Verwenden alter Pläne des Verbrecher-Genies zu nutzen. Er mag sich so gut tarnen und verwandeln können, wie das Original, er mag über eine Verbrecherorganisation verfügen, der wichtigste Punkt des echten Mabuse, fehlt ihm jedoch komplett: dessen überragende Intelligenz.

Da wir erst am Schluss erfahren wer er ist und erst dann auch auf seine Defizite stoßen, ist dieser Aspekt nicht so schlimm ausgefallen, schließlich konzentriert sich "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" hauptsächlich auf das Rätselraten wer denn nun Mabuse ist. Das interessierte mich persönlich nur halbwegs, da man auf der einen Seite schnell die richtige Vermutung hat, auf der anderen Seite einem das geglückte Drehbuch anderweitig stets an der Nase herum führt. Die Geschichte ist interessant verstrickt und verwoben erzählt, trumpft mit ebenso interessanten Figuren, so dass eine Dynamik ins Laufen gebracht wird, welche der Regisseur in der entspannt dargebotenen, sich rein dem Unterhaltungsfilm verpflichtenden Art, bis zum Schluss des Streifens aufrecht erhält. Hintersinnig in Bezug auf die Symbolik der vorangegangenen Teile fällt lediglich auf, dass der Täter nicht nur persönlich das Erbe Mabuses antritt, auch die Räumlichkeiten und Maschinerien die er nutzt sind ein Erbe. Sie sind das Erbe der Nazis, welche in Teil 1 gesät und in Teil 2 geerntet wurden, womit die versteckte Symbolik im letzten Teil der Trilogie nun ihr Ende findet. Sie hat keine tief gehende Bedeutung mehr, analytisch ist da wenig heraus zu holen, dennoch ist es schön mit anzusehen, dass innerhalb eines reinen Trivialfilms ein solcher Gedanke zu Ende gedacht wird.

Mag "The Shadow vs. the Thousand Eyes of Dr. Mabuse" (Alternativtitel) auch nicht mehr die Klasse der beiden Vorgänger besitzen, er ist dennoch ein sympathischer Abschluss, der unter der Regie anderer jedoch zum Startschuss einer trivialen Dr. Mabuse-Reihe wurde, welche der zeitgleich laufenden Rialto-Wallace-Reihe versuchte Konkurrenz zu machen. Kompatibel zu den Vorgängern erscheint im hier besprochenen Film die Besetzung des Kommissar Krass mit Gert Fröbe, der von der Statur und von seiner Art her wie ein Spiegelbild von Otto Wernicke erscheint, der in "Das Testament des Dr. Mabuse" Kommissar Lohmann spielte. Dementsprechend erfreut es, dass in der gleichnamigen Neuverfilmung von 1962 erneut Gert Fröbe für die Rolle des Gesetzeshüters engagiert wurde, freilich diesmal als Lohmann anstatt als Krass agierend. Da "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" sehr leichtfüßig inszeniert ist, weiß die zusätzliche Besetzung mit Peter van Eyck, Werner Peters, Dawn Addams und Wolfgang Preiss so sympathisch zu wirken, die sich alle kein Bein ausreißen müssen, um zu überzeugen, sondern rein von ihrem Charisma her wirken dürfen, auch wenn einige von ihnen mehr auf dem Kasten haben, als hier von ihnen gefordert wird. Wer nicht auf einen Abschluss gleicher Qualität hofft, der kann mit Langs Finale dieser Thematik gut unterhalten werden, ist die rätselhafte Geschichte doch flott und sympathisch umgesetzt, und badet der Film doch noch nicht in solch plumpen Gefilden, wie es die letzten Mabuse-Filme der 60er Jahre taten.  OFDb

12.03.2017

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961)

Wenn einem hohen Tier von Scotland Yard mitten in einem gewaltigen Schusswechsel ein Tee gereicht wird, oder eine Frau direkt nach einer lebensbedrohlichen Situation zur Schminke greift, da sich die Presse nähert, dann hält recht skurriler Humor Einzug ins Wallace-Universum. Zwar dominiert der Kriminalpart, so dass „Der grüne Bogenschütze“ deshalb nicht zur Krimi-Komödie verkommt, und die hier aufgezählten Beispiele und einige andere wissen zu gefallen, aber Eddi Arent (man verzeihe mir das Wortspiel) überspannt den Bogen dann doch zu sehr, wirkt erstmals kurz vor Schluss meiner Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe störend anstatt bereichernd, zumal er pausenlos die vierte Wand durchbricht, was schließlich nur noch nervt.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwachpunkte zu vermelden, ist der Plot doch derart angereichert mit zwielichtigen Personen und Situationen, dass die Geschichte den titelgebenden Verbrecher eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, so interessant wie hier jegliche Nebenhandlung und freilich auch die Haupthandlung ausgefallen ist. Zwar wirken sowohl Wolfgang Völz als Higgins, als auch der von Klausjürgen Wussow verkörperte Featherstone etwas blass, obwohl sie als Ermittler große Rollen erwischt haben, aber der Rest der Besetzung macht das wieder wett, allen voran Gert Fröbe, dessen Rolle hier wie eine Übung für die drei Jahre später angegangene Titelrolle im James Bond-Film „Goldfinger“ ausgefallen ist, so übertrieben schurkisch, geradezu wahnsinnig wie er seine Rolle ausfüllt. Wenn er im Finale einen offenen Krieg gegen die Polizei führt, dann ist wahrlich kein Unterschied mehr zwischen beiden Rollen zu bemerken.

Aber nicht nur Fröbe weiß in seiner brummig egoistischen Art zu gefallen. Die attraktive Karin Dor darf bezaubernder denn je wirken, Harry Wüstenhagen verkörpert einige der wenigen Figuren im Wallace-Universum, bei denen Gut und Böse verschwimmen und auch die restliche Besetzung weiß dem Zuschauer einiges zu bieten. Nach „Der rote Kreis“ sollte „The Green Archer“ (Alternativtitel) Jürgen Rolands letzter Beitrag zur Wallace-Reihe gewesen sein, verstehe einer warum, so unterhaltsam wie beide Werke ausgefallen sind. An der immer weiter ansteigenden Überspitzung des beiläufigen Humors kann es nicht gelegen haben, so sehr wie Roland im hier besprochenen Werk darauf baut. Es wäre interessant gewesen zu erleben, in welche Richtung sich die Serie entwickelt hätte, wenn Roland weiter für sie tätig gewesen wäre.  OFDb

12.02.2017

MEIN ONKEL THEODOR (1975)

„Mein Onkel Theodor“ ist nach einem Kinderbuch gedreht, dementsprechend lebenslustig ist der Grundton seiner Geschichte, dementsprechend verschiebt sich der Blick von Recht und Unrecht in die kindlische Perspektive, und vieles was im Leben so kompliziert ist, wird vereinfacht. Dies diesmal nicht zur Vereinfachung der Thematik, sondern auch als Thema selbst. Verkompliziert nicht euer Leben! Arbeitet euch nicht krank! Macht euch nicht um mehr einen Kopf als nötig! Diese Aussagen sind alle recht gesellschaftskritisch, und das wird die etwas ungewöhnlich ausgefallene Geschichte noch um einiges mehr, wenn es diversen Stadträten, Lehrern und anderen Institutionen, die eigentlich für den Bürger arbeiten sollten, an den Kragen geht.

Ungewöhnlich ist die Geschichte deshalb zu nennen, weil Onkel Theodor nicht klassisch, wie zunächst erwartet, von dem Kind mit der Zeit seiner Anwesenheit zum besseren Menschen geläutert wird, so wie wir es aus „Der kleine Lord" kennen, sondern Onkel Theodor sich stattdessen bei der zweiten Ankunft des Jung-Teenagers von ganz allein um 180 Grad gedreht hat. Zwar ist er noch immer ein Korintenkacker, aber er ist es für die Kinderseite geworden, mit verspielten Anwandlungen versehen. Erst wenn aus einem politisch engagierten Mitbürger ein Politiker wird, wandelt er sich wieder Richtung alter Onkel Theodor, dies aber eher leicht angedeutet als tatsächlich thematisiert.

Dass die Familie bestens und gut gelaunt vom Schlafzustand ihres kranken Familienoberhauptes lebt und dessen Bruder, der viel Geld locker macht damit es dem ältesten Neffen gut geht, nichts davon erfährt, ist wie erwähnt dem Richtig/Falsch-Blick eines Kinderbuches geschult, in welchem sich am Ende alles zum Guten entwickelt hat, auch wenn es vorher an jeglicher Empathie mangelte. Zwar sind zwei rote Fäden zu erkennen, dennoch zerfällt „Mein Onkel Theodor“ zu sehr in kleine Einzelepisoden, die nacheinander abgearbeitet werden. Nach einem charmanten Einstieg, der lange Zeit zu gefallen weiß, macht sich dann doch Ernüchterung breit, da man merkt dass die Geschichte längst nicht so gut ist wie Gert Fröbe, der das ganze Treiben am Leben hält.

Zwar sind auch jegliche Nebenfiguren gut besetzt, auch die Kinderrollen betreffend, aber es ist Gert Fröbe, der aus einer mittelmäßigen Sache etwas halbwegs Sehenswertes zaubert. Er ist eine Schau, ist nicht minder sehenswert als seine Leistung als „Räuber Hotzenplotz“, den er zuvor ebenfalls in einem Kinderfilm von Gustav Ehmck mimte. Aber während daraus ein erfolgreicher Kinderfilm-Klassiker wurde, der nicht einzig vom Titelhelden lebte, bewundert man im hier besprochenen Kinofilm lediglich den Einsatz Fröbes und seine Wirkung in den so verspielt angegangenen beiden Rollen, die er mit leichter Hand bewältigt. Fröbe ist charmant wie eh und je, kindlisch verspielt, wie man es später von ihm auch als Geyermeier aus der Serie „Der kleine Vampir“ kennt, und er hält den Film lange Zeit im Griff.

Irgendwann kommt er aber doch, der Moment, bei dem einem bewusst wird, dass man sich nicht weiter für das Fortlaufen der sich immer im Kreis drehenden und in alle Richtungen als unempathisch herausstellenden Geschichte interessiert. Was hätten „Mein Onkel Theodor“ 60 Minuten Laufzeit gut getan, stattdessen läuft er über 100 Minuten, was für Kinder ohnehin eine zu lange Laufzeit ist um vor dem Fernseher zu sitzen. Sicher ist es ein großer Pluspunkt, dass der Film einen Erwachsenen überhaupt so lange interessieren konnte, zumal ich ihn nicht nostalgisch aus der eigenen Kindheit kenne, sondern ihn jetzt zum ersten Mal sichtete. Aber gerade mit dem politischen Hintergrund versehen musste ich immer an den wesentlich geglückteren, allerdings auch nicht auf Fröhlich getrimmten, „Die Vorstadtkrokodile“ aus der gleichen Entstehungszeit denken, der es schaffte Gesellschaftsprobleme in eine packende Geschichte zu kleiden, die Kinder wie Erwachsene bis zum Schluss gleichermaßen interessierte. „Mein Onkel Theodor“ fährt zu oft im Leerlauf und besitzt in diesen Momenten nur Fröbe als Trumpf. Es braucht also nicht verwundern, dass er trotz der prominenten Besetzung in Vergessenheit geriet.  OFDb

03.09.2016

NICK KNATTERTONS ABENTEUER (1958)

Der Vorspann macht deutlich, dass man mit der Comic-Figur Nick Knatterton eine neue Filmreihe ins Leben rufen wollte, und auch das etwas arg kindisch ausgefallene Titellied könnte in seiner Art so auch Erkennungsmelodie einer Hörspiel-Reihe sein. „Nick Knattertons Abenteuer“, der mit Blick auf die geplante Serie als „Nick Knattertons Abenteuer - Der Raub der Gloria Nylon“ ins Kino kam, wurde jedoch nie fortgesetzt, und wirklich wundern tut mich dies nach Sichten nicht, ist die Verfilmung der Comicreihe aus der Zeitung Quick für meinen Geschmack doch zu gewollt skurril und zotig ausgefallen, dabei jeglichen Charme vermissen lassend.

Ursprünglich war Theo Lingen für die Rolle des Titelhelden vorgesehen. Über den hätte ich mich persönlich auch mehr gefreut als über Karl Lieffen, der jegliche Sympathie vermissen lässt, zwar so agiert wie es Hans Quest sicherlich vorgeschwebt ist, immerhin wollte der Regisseur des Quoten-Hits „Das Halstuch“ eine spaßig, groteske Kriminalkomödie drehen, mitfiebern oder gar identifizieren kann man sich mit Nick Knatterton jedoch nicht. Andere Figuren des Films nehmen dem Detektiv die Rolle der Identifikationsfigur allerdings ebenso wenig ab. Sie alle bleiben zu schablonenhaft eine fiktive Figur, als dass man wirklich warm mit wem werden könnte, und der sonst immer als Trumpf herhaltende Gert Fröbe weiß mit seinem Spiel gar zu nerven, man mag es kaum glauben.

Dass „Nick Knattertons Abenteuer“ kein vollkommener Rohrkrepierer wurde, liegt an der recht gut eingebrachten Tolpatschigkeit der Verbrecher, die in ihrer Übertreibung für tatsächlichen Comic-Charme sorgt. Wenn die Entführerin in ihrer Eitelkeit getroffen der Zeitung persönlich am Telefon ihre Charakterbeschreibung diktiert, Täter zittrige Hände bekommen wenn sie ertappt wurden, oder Verbrecher sich selbstverschuldeten Explosionen aussetzen, dann stimmt der Spaß und das Spiel mit der absichtlichen Realitätsferne, sprich mit der bewussten Identifikations Knattertons Ursprungsmediums, weiß zu funktionieren.

„Nick Knattertons Abenteuer“ weiß diese Sympathie jedoch nicht zu erzeugen, wenn selbiges auf der Seite der Guten passiert. Das klingt in der Theorie zwar lustig wenn Knatterton die Entführte per Wasserleitung kontaktiert (die Gegenszene auf der Verbrecherseite, ein Hilferuf über den Zapfhahn in einer Kneipe, weiß wiederum zu belustigen), Lieffen sich versteift aus dem Autofenster lehnt und an einem Laster festklammert, oder Knatterton den Geheimausgang versteckt in einer Standuhr nutzt, erntet in der Praxis aber nur ein müdes Lächeln, ebenso wie die ständig eingebauten Kanaldeckel-Gags.

Manches Mal weht dreißig Jahre verfrüht ein „Die nackte Kanone“-Wind durch die Chose, und Susanne Cramer darf im selben Jahr von „Der Greifer“, in welchem sie eine arg biedere Rolle spielen musste, beweisen wie sexy sie in Wirklichkeit ist, aber das sind alles kleine Pluspunkte, die den Film nicht entscheidend in eine positive Richtung schwenken. Bei aller absichtlichen Aufgeblasenheit und Realitätsferne hätte es einfach gut getan, wenn die Gesamtatmosphäre entspannt verspielt wirken würde anstatt bemüht versteift wie „Nick Knattertons Abenteuer“ schließlich ausgefallen ist. Der Streifen wird selbst für Filmnostalgiker eine ziemlich anstrengende Angelegenheit, für dessen Ausgang der Geschehnisse man sich nach einiger Zeit nicht mehr interessiert. „Nick Knattertons Abenteuer“ ist sympathisch in dem was er sein will, aber leider nicht überzeugend umgesetzt.  OFDb

03.07.2015

DAS MÄDCHEN MIT DEN KATZENAUGEN (1958)

Bevor 1959 die Edgar Wallace Reihe mit „Der Frosch mit der Maske“ startete und damit das Genre des Kriminalfilms stark beeinflusste, da sah die Welt besagten Genres noch etwas anders aus. „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ neigt noch viel mehr zum klassischen Kriminalfilm, hat aber schon so einige berühmte Gesichter an Bord, die später in der harten Welle ordentlich mitmischten. Mit dabei sind Joachim Fuchsberger („Der Hexer“, „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“), Gert Fröbe („Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, „Der grüne Bogenschütze“), Hans Clarin („Das indische Tuch“), Wolfgang Preiss („Scotland Yart jagt Dr. Mabuse“, “Der Henker von London“) und Vera Tschechowa („Die Gruft mit dem Rätselschloss“).

Der deutlichste Unterschied zu besagter Welle war zu Zeiten von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ der Spielort Deutschland anstatt London, was am fertigen Werk jedoch herzlich wenig ausmacht. Geradezu austauschbar wirkt die Stadt innerhalb einer Geschichte, die meist innen an recht wenigen Orten spielt, inhaltlich dafür aber einen komplexen Erzählstrang aufweist. So vielschichtig die Geschichte auch sein mag und so toll die Besetzung auch glänzt und in der jeweiligen Rolle überzeugt, etwas zu lahm ist Eugen Yorks Werk dann doch ausgefallen, kommt der Streifen doch etwas zu steif und umständlich daher, und tritt er manches Mal doch zu lang auf der Stelle. Auch die eingebauten Liebesszenen zwischen Katja und Norbert wollen sich nicht gut ins Gesamtbild einfügen, zumal die Chemie zwischen den beiden nicht zu stimmen scheint. Ein völlig rabiater, unromantischer Kuss zwischen den beiden macht dies nur um ein weiteres Mal deutlich.

Immerhin erlaubt sich „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ jedoch den Luxus sich mit der Vorgeschichte Zeit zu lassen. Bis Hauptermittler Norbert Wilms ins Geschehen tritt vergeht fast eine halbe Stunde. Um so mehr darf es verwundern, dass der Mittelteil sich zu zäh schaut. Bei Laune gehalten wird man immerhin mit einem schurkisch spielenden Hans Clarin, der seine humorvolle und sensible Seite noch gar nicht zeigen darf und mit einem Gert Fröbe, der vom Alkohol so herrlich fertig und heruntergekommen spielen und aussehen darf, dass es eine Freude ist ihn einmal so ganz anders zu sehen, trotz der Tragik seiner Rolle.

Um heute noch vom Hocker zu reißen fehlt dem fertigen Werk jedoch die nötige Dynamik in der Erzählung, sowie die ein oder andere Überraschung innerhalb einer Geschichte, die viel zu vorhersehbar ausgefallen ist. Vieldreher Eugen York, der seit der 30er Jahre als Regisseur tätig war, im selben Jahr von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ auch noch die Kriminalfilme „Der Greifer“ und „Der Mann im Strom“ (beide mit Hans Albers in der Hauptrolle besetzt) inszenierte und mit „Der Nebelmörder“ später auch noch in der harten Welle mitmischen durfte, schafft es nicht dem hier besprochenen Werk einen eigenen Stempel aufzudrücken. Zu austauschbar guckt sich das fertige Werk. Gut genug um ihn sich als Vielseher des Genres mit geringen Erwartungen einmal zu geben ist „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ durchaus. Mehr aber auch nicht!  OFDb

01.07.2015

DER REGENSCHIRMMÖRDER (1980)

Dass Lecomte in „Der Regenschirmmörder" mit einem echten Auftragskiller verwechselt werden kann und er auch lange danach noch nichts von diesem Irrtum merkt, funktioniert nur deshalb glaubwürdig, weil die Hauptfigur ein arroganter Charakter ist, der nur an sich selbst und seinen Vorteil denkt. Deswegen betrügt er auch  immer wieder seine Freundin, und lügt wie gedruckt, selbst nahestehenden Menschen gegenüber. Ein Happy End würde man ihm in einem regulären Film nicht wünschen, aber wir befinden uns in einer Pierre Richard-Komödie, und die folgt dem Gesetz dass wir uns stets bewusst sind, dass die Hauptrolle von dem sympathischen blonden Komiker gespielt wird. Und deshalb mögen wir die Arroganz die er an den Tag legt. Und hoffen dass er auf dem Weg zum Happy End möglichst viel Chaos anrichtet.

Hiermit hält sich Richard verhältnismäßig zurück, und wenn Slapstick auf dem Programm steht wird eine einzelne Szene auch nicht so ausschweifend zelebriert oder mit individuellem Touch versehen wie beispielsweise in „Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn“. Regisseur Oury, der zwei Jahre zuvor mit Richard „Der Sanfte mit den schnellen Beinen“ drehte und auch Dreherfahrungen mit Louis de Funès („Die Abenteuer des Rabbi Jacob“) und Jean-Paul Belmondo („Das As der Asse“) sammelte, konzentriert sich eher auf die Verwechslungsgeschichte, die eigentlich eine schlichtere Abwandlung des Hits „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ ist, nur dass es diesmal um die andere Seite des Gesetzes geht, eine Verwechslung anstatt einer Intrige vorliegt und es somit ein Original gibt, dem der Auftrag weggeschnappt wurde.

Ein solcher Auftragskiller ist in einem solchen Film freilich eine Comicfigur voller Klischees, und damit schon im Ur-Zustand eine unangenehme Person. Dass sie aufgrund des weggeschnappten Auftrags und im weiteren Verlauf zudem durch die Opferrolle der von Lecomtes verursachten Unfälle erst recht zu einer hasserfüllten nach Rache lechzenden Figur wird, ist nahe liegend. Und da hat man rein äußerlich schon ein faszinierendes Schurkengesicht gecastet, welches keine Klischeewünsche offen lässt. Vieles an Komik in „Die Regenschirmmörder“ (Alternativtitel) funktioniert allein aufgrund des Aussehens des wahren Killers.

Ohnehin verlässt man sich hauptsächlich auf die Besetzung. Gert Fröbe darf einen herrlichen Fiesling spielen, der wiederum einen indischen Beschützer hat der jedes humorlose Klischee eines mörderischen Dieners verkörpert. Lecomte wiederum hat einen Agenten an seiner Seite, der den naiven Part aller Beteiligten übernehmen darf, und dann gibt es in Zentrum freilich Lecomte selbst, der ein zu Unfällen neigender Egomane ist. Lediglich die weiblichen Rollen kommen etwas schlecht weg, erfüllen lediglich den Part der eifersüchtigen Zicke und des oberflächlichen Mädels das sich nach mehr Luxus sehnt. Aber auf den männlichen Part kann Gérard Oury wahrlich zählen, und das ist sein Glück, denn damit erreicht „Die Sache mit dem Regenschirm“ (Alternativtitel) die Ziellinie ohne den Zuschauer gelangweilt oder enttäuscht zu haben, obwohl der Slapstick wie bereits erwähnt nicht erste Sahne ist und obwohl die Geschichte nicht gerade vor Innovation sprüht.

Zu funktionieren weiß sie allerdings dennoch, sind die Verwechslungen und Missgeschicke inmitten einer mörderischen Verbrecherwelt doch recht heftig und Oury schäfft es ähnlich wie Bill Murray später in „Agent Null Null Nix“ den Helden fast bis zum Schluss von allem keine Ahnung haben zu lassen. Und wird ihm dies dann doch mal bewusst, dann begreift der Autor der Geschichte endlich einmal das, was man bei anderen Filmen mit Schauspielern im Vordergrund sonst vermisst, nämlich die Feststellung von Profis, dass das gerade Erlebte sich doch wunderbar für einen Film eignen würde.

Für eine Komödie, bei der man nicht wirklich wüsste wie man sie nach all dem Chaos und den vielen Toten enden lassen sollte, bietet sich ein solcher Ausweg wunderbar an. Man schließt mit einer solchen Idee humoristisch, ohne in Erklärnot zu verfallen, obwohl es da sicherlich noch viel Redebedarf gegeben hätte, vorausgesetzt man hätte einen regulären Kriminalfilm anstatt einer Pierre Richard-Komödie gesichtet.  OFDb

10.04.2014

DER MANN OHNE GESICHT (1973)

Wenn es um den Mix der Genres Krimi und Horror geht, war das muntere Treiben europäischer Filmschaffender recht einfallsreich zu nennen. Die Italiener hatten ihre harten Giallos und die Deutschen ihre Mabuse- und Edgar Wallace-Filme. Wenn etwas thematisch in das unsere Konzept passte, dann modellierten wir Deutschen auch gerne ausländische Filme um, so geschehen mit dem französischen Werk „L‘homme sans visage“ des Regisseurs Georges Franju, dem wir den zukunftsprägenden Meilenstein „Augen ohne Gesicht“ verdanken. Mit Blick auf „Der Mann ohne Gesicht“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Mel Gibson-Drama) könnte man meinen der Mann habe seine Gabe verloren, so trashig wie hier im Wallace-Stil bunt diverse Handlungsfragmente durcheinander gewürfelt werden.

Auf der von mir erstandenen DVD sind zum Film zwei Fassungen enthalten, die deutsche und die französische, und ein kurzer Blick in letztgenannte zeigt dass Franjus Werk stilistisch andere Wege geht. Seine Version wird mit ruhiger Musik eingeleitet, die Reihenfolge der Anfangsereignisse sind eine völlig andere als in der Deutschfassung, in welcher, wahrscheinlich um Gert Fröbe zentraler wirken zu lassen, alles mit einer Jahre zuvor misslungenen Jagd auf den Mann ohne Gesicht beginnt, untermalt mit Off-Kommentaren um dem Treiben verzweifelt einen Sinn zu geben, auffällig als Trashzutat zu erkennen, da der Off-Kommentar nach nur wenigen Minuten nie wieder auftauchen wird und ohnehin arg verzweifelt platziert wirkt.

Über die französische Fassung kann ich nicht wirklich viel schreiben, habe ich doch nur einen kurzen Blick auf sie geworfen, da mir die von mir gesichtete deutsche Version für einen Franju-Film zu konfus vorkam. Alles gleich von mir Berichtete ist also nur bedingt ihm zu verdanken, so stark wie an dem Film herumgepfuscht wurde.

Der titelgebende Gauner, dem mehr Beachtung geschenkt wird als den Ermittlern, weshalb sich der Film eher wie ein Gaunerfilm als wie ein Kriminalfilm schaut, wirkt wie ein Mix aus Dr.Mabuse und Fantomas. Er ist ein Meister der Maske, im Gegensatz zu Mabuse jedoch nur bedingt ein Genie, geht es ihm doch nur um persönlichen Reichtum und nicht um eine Veränderung der Gesellschaft, und fällt er doch aufgrund seiner Gier auf billige Fallen herein, auch wenn er nie persönlich durch solche Fehler geschnappt wird.

Die Geschichte mixt wild seine Pläne und die Ermittlung der Polizei mit Szenen eines noch immer existierenden geheimen Templerordens, der aber erst gegen Ende wirklich relevant wird und auch für den sehr plötzlichen und arg unbefriedigenden Schluss des Streifens verantwortlich ist. Zudem bietet uns der Film einen Schuss Science Fiction, in welchem ein Arzt, der dem Doktor aus „Augen ohne Gesicht“ sehr ähnlich sieht, für den Mann ohne Gesicht in einem geheimen Labor willenlose Verbrecher züchtet, die auf Kommando Morde begehen. Dies ist auch der Grund warum die Polizei in letzter Zeit auf Leichen stößt, denen das Gehirn abgezapft wurde.

Wirklich relevant sind diese ganzen Gymmicks zur Bereicherung einer kaum vorhandenen Handlung kaum. Und doch mischen sie mit in den entscheidendsten Wendungen der Geschichte, was dem Film damit erst recht ein angenehmes Trash-Flair beschert. Dass zudem eine Frau im Catwoman-Outfit auf den Dächern der Stadt in einer Szene umherschleicht, die man zu den gelungendsten des Streifens zählen kann, und der Film auch nicht vor Ideen mit ferngelenkten Autos samt Fahrerpuppe und dem für eine einzige Szene urplötzlichem Überraschungstalent der Stimmenimitation beim Verbrecherboss Halt macht, beschert dem Werk trotz komplett steif konstruiertem Ablauf eine Leichtigkeit, die den Film dadurch erst wirklich sehenswert macht und ihn auch in kein Genre stecken lässt. 

Dass der reißerische Soundtrack zudem dreist von einem bekannten Rock-Sound klaut, rundet die ganze Sache ab. Fragt nicht nach Handlung, genießt einfach das muntere Treiben einer völlig sinnfreien Geschichte um Verbrecherorganisationen, Geheimbünde und Schatzsuche, wahrscheinlich weit entfernt von der Vision Franjus. Beizeiten, wenn genügend Zeit verstrichen ist, werde ich auch seine Fassung einmal unter die Lupe nehmen und dann berichten. Mag sein dass mich bei solch einer Geschichte auch dort nur charmanter Trash erwartet. Vielleicht hat er aber auch etwas mehr aus dem Ganzen gezaubert, als der wild zusammengeschnittene Haufen Filmszenen, der uns Deutschen vorgesetzt wurde.  OFDb

31.01.2013

DER MÖRDER (1962)

Die Frau des Buchhändlers Kimmel wird tot aufgefunden. Er hat ein Alibi. Walter Saccard verfolgt den Fall über die Medien und ist fasziniert, spielt er doch selbst mit dem Gedanken seine Frau umzubringen. Also kontaktiert er Kimmel. Als Saccards Frau tot aufgefunden wird, entdeckt die Polizei die Parallelen zwischen beiden Kriminalfällen und hofft nun auch Kimmel endlich überführen zu können. Dieser wird für einen Verbündeten Saccards gehalten, obwohl er nie von dessen Plänen erfuhr. Saccard wiederum ist unschuldig, da seine Frau Selbstmord begangen hat. Die Schlinge beider Männer zieht sich mit dem Entlüften jeder einzelnen Lüge, welche beide der Polizei vorgesetzt haben, weiter zu...

Über das Wachsen von Gedanken...
 
Die erste Überraschung von „Der Mörder“ erleben wir direkt zu Beginn. Kimmel tötet seine Frau, und wir sind mit dabei. Dass er es war ist kein Geheimnis. Ebenso wenig wie später die Tatsache, dass Saccards Frau nicht von ihrem Ehemann getötet wurde. Die Kriminalpolizei tappt ahnungslos in ihren Ermittlungen hin und her, geht Vermutungen und Indizien nach, so wie es in einem Kriminalfilm häufig der Fall ist. Da die Sachlage für den Zuschauer jedoch klar ist, befinden wir uns gar nicht in einem solchen und erleben das sonst so bekannte Szenario auf einer anderen Ebene und somit aus der Sicht eines anderen Genres, dem des Thrillers.

Denn letztendlich ist der Zuschauer den ganzen Film über Partner und Zeuge Saccards, eines Mannes der keineswegs sympathisch ist, aber auch kein Verbrecher. Gerade der Aspekt dass er mit dem Gedanken spielte seine Frau zu töten wird ihm in den Augen des schnell verurteilenden Zuschauers zum Verhängnis. Dabei ist es der Film selbst, der im letzten Drittel seinen Helden in Schutz nimmt, wenn der Kommissar mit der Geliebten Saccards darüber debattiert wie aus einem flüchtigen Mordgedanken eine Faszination wächst und der mutierte Gedanke und der flüchtige den Mörder von einem Normalbürger unterscheidet.

Regisseur Autant-Lara, der ein Jahr zuvor „Der Graf von Monte Christo“ inszenierte, konzentriert sich bewusst auf das meist zufällig Verwobene des Falls. Saccard zieht Kimmel ungewollt in seinen Fall mit hinein und gefährdet damit gleichzeitig die Geheimhaltung des Mordes den Kimmel wiederum begangen hat. Der Kommissar spielt beide gegeneinander aus, wissendlich dass beide in Kontakt standen, aber unwissendlich das Kimmel in Saccard lediglich einen Kunden sah. Hinter den Indizien, die für den Kommissar völlig unprofessionell viel zu voreilig Beweise sind, steht eine völlig andere Wahrheit. Und die Methoden des Polizisten ketten nun die Schicksale Kimmels und Saccards aneinander.

Beides sind völlig unterschiedliche Charaktere (einer gespielt von Gert Fröbe, der damit ein wenig an seine Rolle aus "Es geschah am hellichten Tag" anknüpfen kann). Das macht dieses verwobene Netz der Zufälle und Fehler so interessant, zumal man nie weiß, anbei bis zum Schluss, was die wirklichen Absichten und Vermutungen des Kommissars waren. Wann hat der Polizist gepokert, wann hat er treffsichere Fallen gestellt? Meist bleibt dies Ansicht des Zuschauers.

Meiner Meinung nach hätte dieses wunderbare Katz- und Mausspiel noch eine Spur besser funktioniert, wenn man zu Beginn nicht gezeigt hätte wie Kimmel Frau Kimmel umbringt. Dann hätte es auch für den Zuschauer im Kriminalfall selbst, Genre Thriller hin oder her, dunkle Momente und Möglichkeiten zur Überraschung gegeben. Eine Alternative in welcher beide Männer unschuldig sind hätte ich zumindest sehr reizvoll gefunden. Vielleicht musste zur damaligen Zeit die Trennung nach Gut und Böse zumindest ein bisschen einsichtig für den Zuschauer sein, eben weil „Der Mörder“ diese für seine Zeit bereits so gekonnt vermischt wie es später in Filmen wie „Kap der Angst“ und somit heute für unsere Sehgewohnheiten normal ist.

Dass Saccard in den Augen der Polizei deswegen als unschuldig am Tod seiner Ehefrau gilt, da er einen anderen Mörder überführte, ist naives wie überholtes Denken und in diesem Punkt nur einer vieler Momente und Gedanken, die „Im Schatten einer Nacht“ (Alternativtitel) in seiner Entstehungszeit zurück lassen. Vieles von dem was man hier sieht ist längst überholt, und gerade die Fehler die Saccard beim Belügen der Polizei macht wirken mit heutigen Augen so tollpatschig, dass man den Film immer wieder mit den Augen seiner Zeit betrachten muss, um ihm gerecht zu werden. Andererseits verweist bereits der Titel der Buchvorlage, "Die Stümper", darauf, dass man sich schon seinerzeit darüber bewusst war, wie fehlerhaft die beiden Verdächtigen vorgehen, der eine gelenkt durch seine Triebe, der andere durch seine undurchdachte Art.

Für die damalige Zeit war "Der Mörder" mit dem oben genannten Verwischen von Gut und Böse und auch mit seinem bösartigen, vielleicht gar selbstgerechten Schluss fortschrittlich erzählt. Und die Dynamik, welche die Geschichte nach einer ausführlichen Einleitung, welche den Zuschauer zwangsweise an Saccard kettet, entfacht (gerade im unfreiwilligen Aneinanderbinden der beiden Verdächtigen) ist derart wirkungsvoll, dass man den modernen Blick gerne abnimmt und den Film noch einmal so naiv wie einst guckt. Nur dann kann man auch erkennen, dass Autant-Laras Werk, welches u.a. auch den Alternativtitel „Der Schatten der Laura S.“ trägt, keineswegs naiv erzählt ist und ganz genau weiß warum er seine Geschichte so erzählt wie er es tut.  OFDb