Die dritte Verfilmung einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe ("Mord in der Rue Morgue" von 1971 war als angeblich dritte Version lediglich eine Täuschung) ist die bislang Vorlagen-getreueste und präsentiert den Stoff erstmals rein im Kriminalfilm-Gewandt ohne Horroreinfluss. Leider ist der US-amerikanische TV-Film aber auch sehr nüchtern inszeniert und plätschert eher träge daher, anstatt Interesse für die Materie zu wecken. Eingeweihte des Stoffes bekommen kaum Zusatzreize geboten, Unwissende werden von der Auflösung erschlagen und diese auf solche Art sicherlich als unbefriedigend und an den Haaren herbei gezogen empfinden, könnte ich mir vorstellen. Das eigentliche Problem des Streifens ist jedoch seine verkrampfte Art. Selbst der auf locker getrimmte, zwangspensionierte Ermittler kommt arg bieder daher, Val Kilmer darf lediglich sein hübscher Stichwortgeber sein und ist unterfordert. Zwar ist man in dieser kostengünstigen Umsetzung erfolgreich im Einfangen einer vergangenen Zeitepoche, handwerklich macht "The Murders in the Rue Morgue" (Originaltitel) einen anständigen Eindruck, aber das Langziehen einer für einen Kurzfilm geeigneten Geschichte sticht doch deutlich hervor. Zum ausschlaggebenden Mord kommt es erst nach einem Drittel Laufzeit, und ein halbherzig angegangener Sub-Plot um Betrug und Sehnsucht erfährt nicht einmal durch die Festnahme des Fremdgängers mehr Elan, zumal dieser Rahmenstoff immer leicht moralinsauer anmutet. Und der Täter am Schluss, der für Nichtkenner der Materie hier nicht verraten wird, weiß trotz Verzichtes auf künstliche Tricks wenig zu überzeugen. "Mord in der Rue Morgue" kann man sich mal geben, ist aber eher theoretisch interessant, anstatt packend, tragisch oder zumindest spannend erzählt zu sein. Der augenwinkernde Ton zwischen den beiden Ermittlern lockert die Atmosphäre ein wenig auf. Doch die zwischenmenschlichen Aspekte lassen einen meist kalt, und dies obwohl das Drehbuch genau auf diese baut. Den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen, die sind gut gewählt und tragen die müde Umsetzung zumindest tapfer für ein neugieriges Publikum über die Ziellinie. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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03.08.2023
19.05.2020
DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT (1996)
Angeblich auf wahren Begebenheiten beruhend, guckt sich "Der Geist und die Dunkelheit äußerst naiv. Dies weg geblendet macht aus selbigem Streifen einen unterhaltsamen Videoabend mit gelungener Kino-Magie, die man für 100 Minuten nicht hinterfragt. Dafür ist die Umsetzung zu professionell gehalten. Landschaftsaufnahmen Afrikas und der dort lebenden Tiere beeindrucken regelrecht, das Setting wirkt realistisch, die vielen Statisten und Kleinstbesetzungen bieten ein überzeugendes Bild der Arbeits- und Lebenssituation vor Ort, und die afrikanische Mentalität wird respektvoll dem industriellen Denken der reichen Länder gegenüber gestellt, nicht mit zu zentral erhobenem Zeigefinger kritisiert und abgemildert durch Patterson, der kein übler Kerl ist. Den weiß Val Kilmer gekonnt zu verkörpern, so dass, trotz typisch überheblichem Auftreten des Weißen als Chef der Einwohner, die Sympathie auf seiner Seite ist. Einzig der von mir sonst so gern gesichtete Michael Douglas wirkt fehlbesetzt, ein Eindruck den seine wenig überzeugende Maske zu unterstützen weiß.
Das lässt die packende Entführung des Zuschauers in eine andere Zeit in eine andere Kultur zu einem ungewöhnlichen Erlebnis jedoch kaum bröckeln, so dass man sich nicht sonderlich dran aufhängen muss. Ein wenig ärgerlicher ist hingegen, dass es Regisseur Stephen Hopkins nicht vollends gelingt die eigentlich spürbare Mystik von Ort und Löwen in eine entsprechend atmosphärische Dichte zu packen. Alles ist gegeben, um sie zu erreichen. Sie ist fast zum Greifen nah. Und doch ist die Umsetzung nie düster und knisternd genug umgesetzt, um atmosphärisch vollends zu befriedigen. Dennoch ist "The Ghost and the Darkness" (Originaltitel) besser ausgefallen als Hopkins "Nightmare on Elm Street 5" oder "Predator 2", was aber weniger an ihm zu liegen scheint, als an den eingangs erwähnten Pluspunkten des Streifens. Was hätte ich diesem eine andere Regie gewünscht, um ihn zu dem Ergebnis zu führen, das er verdient hätte. Aber dank beeindruckender Tierdressuren, vieler Aufnahmen im Dunkeln, besagtem Respekts im Drehbuch und einer geduldigen Orientierung des Handlungsablaufs lohnt es sich dennoch diesen ungewöhnlichen Mix aus Abenteuer, Fantasy und Thriller gelegentlich in den Player zu werfen. OFDb
17.05.2020
BATMAN FOREVER (1995)
Nach dem düsteren Fetisch-Film "Batmans Rückkehr" wendet sich Folge-Regisseur Joel Schumacher von der Vision Tim Burtons ab und steuert die Reihe wieder mehr in Richtung der 60er Jahre Serie "Batman", welche die Comicvorlage nicht all zu ernst nahm. Es mag zwar keine Geräusche-Sprechblasen mit Piff und Puff geben, und eine gewisse Ernsthaftigkeit liegt noch immer in der Luft, gerade in den Szenen des Titelhelden, aber "Batman Forever" ist sehr bunt und schrill ausgefallen und räumt viel Platz für Humor und Budenzauber ein. Das passt zur Zirkusherkunft Robins, der mit diesem Teil eingeführt wird, und da er zu einer der, meiner Meinung nach, naivsten Ideen des Batman-Universums gehört, ist es wohl besser so den im Vergleich etwas erwachseneren Weg der Vorgänger hinter sich zu lassen. Die Zusammenkunft der beiden Partner wird überraschend glaubwürdig innerhalb eines fantastischen Popkorn-Kino-Szenarios umgesetzt, sie weiß sogar die Geschichte interessant zu halten und wird somit keine der Schwächen innerhalb des mit Val Kilmer in der Hauptrolle überzeugend besetzten Streifens.
Interessanter Weise zeigen sich die Schwächen eher im zu extremen Überagieren der beiden Bösewichter. Jim Carrey gehört zu meinen liebsten Mimen, aber hier geht er selbst mir auf den Senkel, so wie er hier frei jeder Mystik einen meiner Lieblingsgegner Batmans verkörpert. Doch damit nicht genug, selbst Tommy Lee Jones, der Mann mit der eisernen Mine, spielt ausgerechnet hier gegen den Strich ebenfalls auf zu schrille Art. Eine alles überblickende Umsetzung, ein wunderbares Popkorn-Comic-Feeling und eine nicht an erzählenswerten Elementen mangelnde Geschichte lassen den Film, an dessen Stil man sich nach den beiden Vorgängern erst einmal gewöhnen muss, dennoch zu einem amüsanten, kurzweiligen Erlebnis werden, ohne dabei jenes große Kino zu sein, das die Produzenten scheinbar anstrebten. Damit ist "Forever" (Alternativtitel) zumindest noch keine Katastrophe geworden, wie sein Nachzügler "Batman und Robin", der das Franchise einige Zeit, bezogen auf die große Leinwand, auf Eis legte (welche Ironie beim gewählten Gegner Mr. Freeze). Eine unnötige Liebesgeschichte fällt im großen Wirrwarr der Geschichte kaum negativ auf, tolle Spezialeffekte gibt es zu sichten, und ein Schluss-Gag in der Irrenanstalt weiß als beste Carrey-Szene innerhalb des Streifens zumindest mit dem Schauspieler zu versöhnen. OFDb
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Val Kilmer
25.06.2019
TOP SECRET! (1984)
Der Humor des Trios David Zucker, Jerry Zucker und Jim Abrahams ist legendär. Sie waren die Autoren des Kultfilms "The Kentucky Fried Movie", und mit ihrem gemeinsamen Regie-Debüt "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" erschufen sie sogleich eine der lustigsten Komödien, die wohl je gedreht wurden. "Die nackte Kanone" sollte die Genialität des Streifens um eine Flugzeugkatastrophe gar noch toppen, und mittendrin entstand der Bastard "Top Secret!", von dem ich aufgrund der so perfekt umgesetzten beiden anderen Werke nicht weiß was ich von ihm halten soll. Warum ist er so ausgefallen, wie er ausgefallen ist? Mit den anderen Komödien besagten Trios kann er nicht mithalten, auch wenn er eine Menge einfallsreicher und gut funktionierender Witze präsentiert. Es haben sich aber auch allerlei nicht funktionierender humoristischer Einlagen eingefunden, die oftmals aufgrund der Inszenierung nicht zünden wollen, so als stelle "Top Secret" einen Übungsfilm dar. Als erste Regie-Arbeit des Trios hätte das Ergebnis durchaus Sinn gemacht, zwischen beiden Meisterwerken entstanden verwundert der Grund manchen Scheiterns jedoch gewaltig.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass der Streifen derartig viel Charme zu versprühen weiß und in seinen guten Momenten auch unglaublich witzig ausgefallen ist, dass man über seine Mankos gerne großzügig hinwegsieht. Übersehen kann man sie in ihrer ruppigen, aufdringlichen Art jedoch nicht, so dominant wie uns die meisten Gags nun einmal vorgesetzt werden, und eine missglückte längere Szene kurz vor Schluss, eine Unterwasser-Western-Schlägerei, bildet den Tiefpunkt und somit den einzigen Moment, den ich mir tatsächlich gerne herausgeschnitten gewünscht hätte. Ansonsten sorgt auch das nicht so rund laufende Ergebnis für Lachanfälle, und selbst so mancher nicht zündender Moment erntet einen Restrespekt, weil es sich oftmals um gute Ideen handelt, die lediglich fehlerhaft umgesetzt wurden. Sei es im falschen Moment eingebracht, in zu aufdringlicher Art präsentiert, der Gründe des Nichtfunktionierens gibt es so einige, an Beispielen soll die so herrliche Idee reichen, wie Menschen im Hintergrund auf einer Vogelstatue landen und diese verdrecken.
Berühmt geworden ist "Top Secret!" unter Filmfreunden und Filmschaffenden aufgrund seines optischen Humors, den man als einen Schwerpunkt des Werkes bezeichnen kann. Immer wieder wird mit den Sehgewohnheiten des Publikums gespielt. Ein im Vordergrund bimmelndes Telefon wird nicht kleiner, wenn sich ihm jemand vom Hintergrund her kommend nähert, ein Auge bleibt groß wenn die Lupe herunter genommen wird, Schuhe auf einem Tisch entpuppen sich als selbstständig auf dem Tisch stehend, anstatt angezogen Teil einer gemütlichen Sitzhaltung zu sein, und ein Bahnhof entfernt sich von einem Zug, anstatt dass der Zug sich vom Bahnhof entfernen würde. Als Höhepunkt darf man wohl die einzige Szene mit Peter Cushing bezeichnen, die ohne einen Schnitt zu setzen durchgedreht wurde, und bei der man erst im Laufe der Zeit merkt, dass sie rückwärts abgespielt wird. Das erklärt auch die sich zuvor merkwürdig anfühlende Gangart der Protagonisten, die mit Rückwärtslaufen quasi ein Vorwärtslaufen vorgaukeln. Gerade Cushing schafft es die Illusion des Rückwärtsspielens fast gekonnt zu beherrschen und erlebte in dieser Szene somit selbst als erfahrener Schauspieler noch einmal eine wahre Herausforderung am Schluss seiner Karriere.
Aber auch Val Kilmer entpuppt sich hier (erstmals in einer Hauptrolle besetzt) als unglaublich talentierter Mime. Sein Schauspiel geht weit über ein Herumalbern hinaus, auch wenn ein Großteil seiner Leistung auch darin liegt. Aber was der gute Mann an Mimik, Körpereinsatz, Humorverständnis und anderweitigen schauspielerischen Leistungen vollbringt, ist einen Blick wert, erst recht für Leute wie mich, die diesen Mann bislang unterschätzt, bzw. nicht im Visier gehabt haben. Großteils dank ihm werden auch die Gesangseinlagen zu Höhepunkten anstatt zu Geduldsproben für den Zuschauer, wobei bei dem gelungensten dieser Auftritte wiederum die Regie trumpft, die es schafft das Anhimmeln des Stars durch fanatische, weibliche Zuhörer so perfekt den Kitsch verarschend umzusetzen, dass kein Auge trocken bleiben dürfte. Zu weiteren Highlights zählt der Einsatz eines Kuhkostüms gemixt mit den echten Aufnahmen einer Kuh in Gummistiefeln, das nebensächliche Einfangen eines kleinen, alten Mannes, der in einem Restaurant zwischen einer Gruppe großer junger Männer sitzt, der an "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" erinnernde Rückblick, in welchem "Die blaue Lagune" selbst für jene Zuschauer hervorragend parodiert wird, die den Film nicht gesehen haben und viele weitere Momente, wie die Hinrichtungsszene, in welcher ein Pfarrer eine wichtige Rolle spielt, der nebensächliche Einsatz des sogenannten Analintruders und vieles mehr.
"Top Secret!" mag nicht der beste Streifen besagten Humor-Trios sein, an Einfallsreichtum mangelt es ihm jedoch nicht, und er bietet allerhand Szenen, die einen wahrlich laut auflachen lassen. Ob die unausgegorene Umsetzung dazu führte, dass bei "Die nackte Kanone" nur noch David Zucker Regie führte, weiß ich nicht, wäre aber möglich, ist "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" doch noch deutlicher in den einzelnen "Sketchen" gefangen, umringt von einer äußerst dünnen durchgehenden Handlung, und sind die beiden anderen Werke doch schon viel mehr einheitliche Handlungen mit richtigem roten Faden versehen, in welchen die Episodenhaftigkeit der Gags nur noch einen Nebeneffekt darstellt. Vielleicht hat es das eine Mal deswegen so hervorragend geklappt, und das andere mal nicht mehr. Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz dafür, warum die Qualität des hier besprochenen Streifens so sehr von jener der Werke vor und nach ihm abweicht. OFDb
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