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21.01.2024

DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983)

Nach dem erwachseneren Touch im ernster gehaltenen "Das Imperium schlägt zurück" wird "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" im bunteren und emotionaleren Ton wesentlich mehr Familienunterhaltung als zuvor, stilistisch passt das aber immer noch zu den Vorgängern, so dass die Trilogie dennoch einheitlich wirkt und mit diesem noch immer starken Teil entsprechend gekonnt schließt. Das liegt aber auch daran, dass die fröhlichen Elemente, ja sogar kurze Ausflüge in den Kitsch, nie infantil wirken, was den Unterschied zu "Die dunkle Bedrohung" ausmacht. Auch unterscheidet die beiden Werke, dass Schauwerte so gut wie nie dem Selbstzweck dienen, sondern Teil der tatsächlich zu erzählenden Geschichte sind. Und gerade die weiß im sechsten Kapitel der "Star Wars"-Saga zu gefallen, begonnen im herrlich unangenehmen Tempel von Jabba the Hutt, zur Befreiung Han Solos. Ich bin generell der Meinung, dass man die Finger von der Special Edition lassen sollte und "Krieg der Sterne" in der Urfassung genießen sollte. Und gerade im hier besprochenen Teil ist dies geradezu notwendig, um die Andersartigkeit dieser hier erschaffenen Welt in vollen Zügen genießen zu können. In Jabbas düsterem Palast herrscht in der Urfassung noch eine bizarre, wie aus einer fremden Kultur, klingende Musik. Die Special Edition machte daraus peinliche Partymucke. Das Fremdartige ist im ersten Drittel so unglaublich wichtig, um das Unwohlsein der Figuren hier vor Ort besser spüren zu können. Und Jabba selbst gehört zu meinen liebsten Kreaturen der von George Lucas erschaffenen Welt, an ihm kann ich mich einfach nicht satt sehen. Umso amüsanter ist es, dass die bizarrste, da simpelste Figur, ebenfalls dort vor Ort eingesetzt wird, wirkt der Elefant der Band im Palast doch eigentlich nur wie ein typisches Stofftier aus einem x-beliebigen Kinderzimmer, auch in seiner Bewegungsfähigkeit, und das macht ihn geradezu kultig.

Dass die Ewoks in ihrer Verniedlichung  etwas arg über die Strenge schlagen, mag kein völlig unberechtigter Kritikpunkt sein, er ist zumindest definitiv ein häufig geäußerter, ich persönlich habe mit ihnen jedoch keine Probleme, was auch daran liegen mag, dass "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" eines meiner ersten Kinoerlebnisse war, und ich den Streifen folglich noch immer unbewusst parallel zum Erwachsenenblick mit kindlichen Augen gucke. Mein erwachsenes Ich mag am Einbringen dieser Waldmondbewohner aber auch die entscheidende Glaubwürdigkeit im Plot, denn diese auf Ur-Volk getrimmten Viecher hinterlassen beim Imperium nun einmal nicht den Eindruck einer Gefahr, und diese Überheblichkeit des Imperiums, zusammen mit einer anderen, sorgen erst für die entscheidenden Schritte zum Happy End. Damit wird das Herumgekasper, dass mächtige Kriegsmaschinen und folgsame Soldaten simpelsten Bekämpfungsmitteln zum Opfer fallen, zu einer tatsächlich heiteren Angelegenheit, ohne dem noch immer vorhandenen düsteren Ton der Gesamtgeschichte zu schaden. Die zeigt sich spätestens im Imperator, der eine unheimliche, wie mystische Figur ist und zusammen mit Lord Vader ein böse anmutendes Gespann abgibt. Gelegentlich wird Lucas Einfallslosigkeit vorgeworfen, weil das Imperium erneut an einem Todesstern baut. Ich hingegen habe mich gefreut, dass Filmbösewichte eine gute Idee endlich einmal wiederholen dürfen, anstatt stets auf die nächste fixe Idee zu setzen, denn diese Waffe einmal vollendet im Einsatz, ließe die Ziele des Imperators für immer Wirklichkeit werden, und keine Rebellen könnten dem noch etwas entgegen setzen. Das Aufheben des Gedankens, die dunkle Seite könne man nie mehr verlassen, finde ich einen sehr lobenswerten, menschlichen Aspekt an "Return of the Jedi" (Originaltitel) und sorgt für einen sehr bewegenden Schluss. Dieses von Richard Marquant inszenierte Werk sollte der letzte rundum gelungene "Star Wars"-Film werden. Nicht alles was danach kam war unsympathisch, aber eine derartige Professionalität, wie hier vorhanden, kehrte leider nie wieder zurück, erst recht nicht unter der Beteiligung von Schöpfer Geoge Lucas.  Wiki

07.01.2024

DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980)

Während "Das Imperium schlägt zurück" allgemein als der beste "Star Wars"-Film gilt, war er für mich immer der schwächste Teil der ursprünglichen Trilogie. Ich habe ihn mehr als einmal gesehen, aber auch nicht so oft wie "Krieg der Sterne" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter", und kann mein stiefmütterliches Verhalten ihm gegenüber heute nicht mehr nachvollziehen. Ich empfinde ihn heutzutage als gleichwertig, bevorzuge keinen der drei mehr, aber es ist freilich dennoch auffällig, dass er der alleinstehende Versuch (zumindest bis "Rogue One") war, der Reihe einen erwachseneren Ton zu bescheren, kommen Episode 4 und 6 doch verspielter, mit kindlichem Gemüt versehen daher. 
 
Das heißt nicht, dass "The Empire Strikes Back" (Originaltitel) seine Magie und seinen Hang zu einfallsreichen Welten und Lebewesen verloren hätte. In ihm erscheint zum ersten Mal Yoda, die Eiswüste beeindruckt, der Kniff mit der Meteoritenhöhle, die keine ist, erweckt jedes Mal auf ein Neues das Kind in mir, das Schicksal Solos und sein Machospruch sind legendär, das mit "Krieg der Sterne" erschaffene Universum wird gekonnt erweitert und die Mystik der Macht vertieft. Dies diesmal mit mehr Blick auf die dunkle Seite, was ein entscheidendes Element des ernsteren Tons ist. Aber auch das Imperium kommt düsterer und weit weniger filmschurkisch daher, der Sieg am Ende ist ein geringer, das was den Helden widerfährt ist bedrohlicher und hoffnungsloser, das darf sich "Star Wars V - Das Imperium schlägt zurück" (Alternativtitel) als Mittelteil einer Trilogie alles erlauben. Auch im grimmigeren Ton sprechen wir aber immer noch von einem FSK 12-Film. Das von George Lucas erschaffene Werk bleibt somit familienfreundlich, aber das was erzählt wird ist rauer, auch im zwischenmenschlichen Umgangston der Guten, so sehr der von Irvin Kershner inszenierte Teil auch auf Solidarität, Freundschaft, Liebe, Ehre und Menschlichkeit setzt. 
 
Während die Musik sich weitestgehend auf den Kompositionen des Erstlings ausruht, wissen die handgemachten Figuren und Welten (nach nur einmaliger Sichtung damals, werde ich die Trilogie nie wieder in der Special Edition-Version gucken) mit Neuerungen und Erweiterungen das bisher erschaffene Universum zu erweitern, bzw. um ein weiteres zu komplettieren, ohne der bis dahin gezeigten Vision zu schaden. Einzig einige, kleinere Unstimmigkeiten mit dem Erstling, gerade wegen der neu entdeckten Verbindung zwischen Luke und Lord Vader, sind enthalten, so mächtig wie der rechte Arm des Imperators (im ersten Teil noch Kaiser genannt) doch eigentlich dank der dunklen Seite ist und dennoch in Teil 1 nichts bemerkte. Doch auch mit ernsterem Grundton geht es in "Das Imperium schlägt zurück" noch immer Hauptsächlich um Unterhaltung, da blickt man nicht all zu streng auf die Logik. Naivität und geklaute Elemente aus etlichen Legenden und Geschichten bestimmen das Geschehen ebenso wie der hohe Grad an Kreativität. Und mag die Reihe auch nicht zu den Trivialfilmen zählen, so ist sie doch trotzdem lediglich Popkorn-Kino und keine ernstzunehmende Science Fiction, wie es "Planet der Affen", "Der Omega Mann", "Die Delegation", "Welt am Draht" und sogar noch "Alien" waren. Es ist eher seine kindliche, abenteuerliche, mitreißende Art, die mich so begeistert auf die Ur-"Star Wars"-Reihe blicken lässt. Also nicht falsch verstehen, sie ist überragend in dem was sie sein möchte, der Dreiteiler ist zu Recht legendär.  Wiki

06.01.2024

KRIEG DER STERNE (1977)

Krieg der Sterne ist einer DER Popkornfilme schlechthin. Während im selben Jahrzehnt Werke wie "Rollerball", "Westworld", "Colossus", "Phase IV" und Co gezeigt haben, wie ernstzunehmende Science Fiction aussieht, mixt George Lucas in seinem Gute Laune-Kultfilm das Genre mit dem der Fantasy und beschert dem märchenhaften Bereich diverse Elemente verschiedener Legenden und Klischees. Herausgekommen ist ein kurzweiliger, beeindruckender und das Genre beeinflussender Abenteuer-Action-Science Fiction mit humoristischem Anteil, der gekonnt eine naive Geschichte mit einem interessant geprägten, fremden Universum kombiniert, das eigene Gesetzmäßigkeiten besitzt, allerhand Figuren und Welten präsentiert und als Aggressoren (allen voran Darth Vader) etwas wirklich Bösartiges auf die friedliebenden Bewohner dieser Welten los lässt. Das faszinierende Mysterium rund um die Macht, welches edle Ritter mit Lichtschwertern in religiöser Form hervor brachte, aber auch dunkle, verführerische Seiten bereit hält, ist neben der zugänglichen und sympathischen Figurenschar das Schlüsselelement zum Funktionieren dieses Streifens. 

Der ist nicht immer logisch, nicht nur was physikalische Elemente betrifft, auch inhaltlich, wenn z.B. über den Mentor, der einen gefühlt zwei Tage in die Macht einführte, mehr getrauert wird, als über Onkel und Tante, die man ein Leben lang kannte und einen groß gezogen haben. Das meiste andere, worüber man diesbezüglich stolpert, ergibt sich erst über die Fortsetzungen, damalige ebenso wie heutige, so dass die Geschichte durch sie immer mehr Lücken erhält. Als Film für sich lässt sich alles andere mit der anderen Welt und dem Schwerpunkt, lediglich ein Unterhaltungsfilm sein wollen, entschuldigen. Und die vielen Stärken, Schauwerte und die Stimmung, die dieser wundervolle Film zu entfachen vermag, lassen einen an einen solch unnötigen Kritikpunkt ohnehin nicht zu lang und streng verweilen. Das Outfit Lord Vaders, die beeindruckenden Weltraumschlachten mit unterschiedlich anzusehenden Raumschiffen, der Mut die Geschichte einige Zeit über zwei Roboter zu tragen, von denen einer nur fiepsen kann, "Star Wars" (Originaltitel) lebt von vielen Schauwerten und Ideen, getragen von einer klassischen Heldengeschichte, in welcher am Ende das Feiern eben dieser zählt und nicht die bitteren Verluste. 

Hätte es nie eine Fortsetzung gegeben, würde auch umso mehr auffallen wie mutig es gerade in einem Film für ein großes Publikum zu nennen ist, den Oberbösewicht überleben zu lassen. Nun ja, angeblich hatte George Lucas schon immer einen Mehrteiler im Sinn, auch zur Entstehung von "Star Wars IV - Eine neue Hoffnung" (Alternativtitel), aber der Mann schwätzt viel, und eben jene Ungereimtheiten, welche der hier besprochene Science Fiction erst durch die Fortsetzungen erhält (z.B. alles was mit dem Nichtwissen Vaders über seine Kinder zu tun hat), zeigen dass er die Geschichte, wenn seine Aussage stimmen sollte, zumindest noch nicht weit durchdacht hatte. Dennoch sei gesagt, dass auch die komplette Trilogie, trotz anwachsender Widersprüche, ein wundervolles Filmerlebnis der besonderen Art bleibt, damals wie heute, Episode 4 ebenso wie 5 und 6.  Wiki

09.12.2023

STAR WARS - EPISODE 9 - DER AUFSTIEG SKYWALKERS (2019)

Das ist er also, der bisherige, große Schluss der Kult-Reihe "Krieg der Sterne", welche die meisten Filmkonsumenten, ja sogar einige Cineasten, viel zu ernst nehmen, so dass entweder auf die Disneystudios geflucht wird, weil sie das Erbe Lucas' nicht ehrwürdig weiterführen würden, oder auf der anderen Seite Fans das Ergebnis hypen und zu einem großen Kinoereignis erklären. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Wenn man erst einmal erwachsen geworden ist und die Blauäugigkeit des hoch naiven "Star Wars"-Universums als charmant, anstatt als Krönung der Kinokultur anerkennt, dann kann man auch Gefallen an "Der Aufstieg Skywalkers" finden, auch wenn er, ebenso wie seine beiden Vorgänger, nicht an die Originaltrilogie heranreicht. An die letzten drei Filme der Reihe, die George Lucas noch höchst persönlich inszenierte, aber sehr wohl, bietet "Star Wars" bei Disney angekommen doch endlich wieder ansatzweise das alte Feeling, welches Kitsch und Gefühl in angenehmer Dosis präsentiert, anstatt in der infantilen Überschwemmung eines "Die dunkle Bedrohung", oder im zu geschwätzigen Stil der beiden Nachfolger von diesem. 

Bedeutungsschwanger kommt auch der Abschluss der im Mittelteil schwächelnden, bislang letzten Trilogie daher. Aber wer sich dem Ergebnis nicht völlig verkopft nähert, das Kind im Manne in sich trägt und seit vielen Jahren in Berührung zur Ur-Trilogie steht, der kann manch zu hochgepeitschte Emotion dennoch mitempfinden, wenn Familienwahrheiten und Schicksale sich erfüllen und alle entscheidenden Gesichter, mit denen es einst los ging, noch einmal die Figuren entscheidend beeinflussen dürfen. Mich hat es bewegt, freilich auf ganz naiver Popkorn-Kino-Ebene, und mir hat es gefallen, dass J.J. Abrams dies trotz des zu oft kopierenden und zu innovationslosen Konzeptkinos, das volle Kasse bescheren soll, bei mir geschafft hat. Gekonnt täuscht er mit allerhand Action und Menschlichkeit darüber hinweg, dass wir lange Zeit eigentlich nur einer Schatzsuche beiwohnen, sowie einem Familienkonflikt, der wie eine mutierte Form von "Romeo und Julia" anmutet, wenn man den romantischen Aspekt der Vorlage einmal außer Acht lässt. Dass Tote nicht zwingend tot bleiben müssen, Böse zu Guten werden können, Freunde im entscheidenden Moment zur Hilfe eilen, und all die anderen hochgradig naiven Elemente, gab es in der mit "Krieg der Sterne" begonnenen Reihe schon immer, soll man "Star Wars: Episode IX - The Rise of Skywalker" (Originaltitel) also nicht zu streng ankreiden, zumindest wenn man es bis zu diesem Abschlussteil geschafft hat. Unangenehm im aktuellen Zeitkontext stößt lediglich die gelogene Wahrheit am Schluss auf, die mich an manch linksgrüne Idee heutiger Zeiten erinnert hat. 

Aber Zeitgeist in einem für das aktuelle Massenpublikum konzipierten Filmes, lässt sich wohl kaum verhindern, also was soll's. Da das Ergebnis nicht moralinsauer daher kommt, was bei all den Ereignissen, denen wir beiwohnen durften, auch arg heuchlerisch gewesen wäre, stört derartiges nicht so stark, wie in manch anderem Werk. Ich habe mich auf Trivialfilmebene über zwei Stunden gut unterhalten gefühlt, frei von Leerlauf, trotz dünner Alibi-Handlung und Nonstop-Action, und ein derartiges Stück visuelles Wucht-Kino ist manchmal einfach genau das richtige.  Wiki

27.06.2021

BATMAN OF THE FUTURE - DER JOKER KOMMT ZURÜCK (2000)

Zwischen den beiden Staffeln der gar nicht mal uninteressant ausgefallenen Zeichentrickserie "Batman of the Future" entstand der zusätzliche Animationsfilm "Batman of the Future - Der Joker kommt zurück", der, wie der Titel bereits preis gibt, sich mit dem Phänomen des Jokers befasst. Kann er wirklich zurück sein? Was ist einst passiert, dass Bruce Wayne betont dies sei unmöglich? Wer die Serie zum Film kennt, der weiß, dass sie immer wieder auf klassische Figuren des Batman-Universums zurückgegriffen hat, aber auch dass sie mit der Weiterführung dieser in der Zukunft, nicht nur durch das höhere Alter, recht interessante Wege gegangen ist. Da ist es schön zu sehen, dass der wichtigste Feind des Fledermausmannes, der Joker (gesprochen von Mark Hamill im Original), eine Spielfilmlänge von 77 Minuten Zeichentrick beschert bekommen hat, um ihn ganz speziell zu achten. 

Dies betrifft zumindest die Langfassung, war die ursprünglich in Deutschland erschienene Version des Streifens doch um einige Minuten gekürzt. Das ist schade, erst recht wenn man erst einmal die ungekürzte Version genießen durfte, erklärt sich aber wieder einmal durch den Umstand, dass derartige Projekte als Kinderunterhaltung abgestempelt werden und damit der Sache nicht wirklich gerecht werden. Zugegeben, die Serie, auf welcher der hier besprochene Animationsfilm beruht, ist durchaus stark jugendorientiert ausgefallen, aber auch diesem Zielpublikum kann man die härteren Momente psychisch zutrauen, die "Batman Beyond - Return of the Joker" (Originaltitel) zu bieten hat. Diese Momente sind eingeflochten in einen ohnehin überraschend komplexer geratenen Plot als erwartet und damit in einen Stoff, der nicht einzig für ein Jugendpublikum gedacht ist. Überraschend clever wird ein Rätsel um die mögliche Wiederkehr des Jokers aufgebaut, versehen mit Finten, die darauf abzielen, dass wir auf sie hereinfallen, weil wir mitdenken. 

Es sei verraten, dass die Auflösung tatsächlich zu gefallen weiß und nicht vorausgeahnt werden kann. Und der Weg dorthin ist nicht nur in gewohnt gekonnter Animation mit allerhand Actionmomenten versehen, die Dramaturgie vergangener Ereignisse besitzt ebensolch besondere Drehbuchmomente, wie besagte Auflösung. Gekonnt nutzt man das ursprüngliche Batman-Universum mit der Möglichkeit des Zukunftsszenarios, bewusst spielt man mit Parallelen um Terry und Robin. Das Szenario lässt den Fan der Materie wahrlich nicht kalt, "Return of the Joker" (Alternativtitel) weiß zu packen und damit nicht nur oberflächlich zu unterhalten, sondern auch reflektiert. Die Größe eines "Batman - The Dark Knight Returns" bleibt zwar aus, auch in seinem guten Gewand bleibt "Batman of the Future - Return of the Joker" (Alternativtitel) lediglich ein kleiner Leckerbissen in Zeichentrickform, verglichen mit Routine-Produkten wie "Batman vs. Dracula" ragt der hier besprochene Film jedoch definitiv heraus, zumal er sich wie die besseren Folgen seiner Serie guckt, zu der er gehört.  OFDb

08.10.2020

MUTRONICS - INVASION DER SUPERMUTANTEN (1991)

Ein interessant klingender Anime-Stoff, um Mutanten und einen Kampfanzug, welcher einen zu einer nahezu unbesiegbaren Kampfmaschine macht, findet den Weg zu einer Realverfilmung, was doch zunächst reizvoll klingt. Dass es sich um eine US-amerikanische Produktion handelt, ernüchtert die Vorfreude zwar zunächst, mit Brian Yuzna und Screaming Mad George an Bord scheint das Projekt jedoch in den richtigen Händen zu liegen. Aber das scheint nur so, denn leider wurde aus dem "The Guyver"-Realfilm ein ähnliches Affentheater, wie es zwei Jahre später mittels der "Power Rangers" an Peinlichkeit in Serie gehen sollte. Billig choreographierte Kämpfe in lächerlichen Kostümen bieten ein Rumgehüpfe das keiner ernst nehmen kann. Zugegeben, "Mutronics - The Movie" (Alternativtitel) ist freiwillig humorvoll angelegt, aber der hier angesprochene Aspekt gehört zur unfreiwilligen Komik des Streifens und entschuldigt sich nicht einmal durch die Fehlentscheidung aus dem Werk ein penetrant kinderfreundliches Produkt zu machen. 

Weichgespült, zu brav, und doch nur gehaltlos auf Kämpfe und Monster aus, das ist in der hier billig heruntergeschluderten Variante ein schlechtes Rezept, welches sich bereits in der Orientierung des Handlungsaufbaus zeigt. Der interessanteste Part einer Superhelden-Geschichte besteht in der Entdeckung des neuen Helden, dass er einer ist und wie die Fähigkeiten genau ausschauen, sowie die Frage nach welchem moralischen Kodex sie eingesetzt werden. "Mutronics - Invasion der Supermutanten" überspringt dies fast gänzlich. Nur kurz muss der Held um die Aktivierung seines Anzugs kämpfen. Zu dumm dass er zunächst den Feind verärgerte und nun erst versucht aus dem Gegenstand schlau zu werden, der ihn kurz vorher zur Kampfmaschine machte. Aber dies nach kurzen Humormomenten doch noch herausgefunden und vorbei ist die Vorphase. Von nun an darf nur noch gekämpft werden, die Identifikation zum Helden ist vollendet. Nun darf man gegen meist peinlich anzusehende Gummimasken-Mutanten kämpfen, denen der Reiz von Kaiju-Film-Monstren fehlt und die mich etwas zu sehr an die "Gremlins" und das Vieh aus dem dritten Kapitel des Episoden-Horrors "Geschichten aus der Schattenwelt" erinnerten, dargeboten in billigst Latex-Masken und somit nicht so liebevoll ausgefallen wie die Vergleichskreaturen beider Filmprojekte. 

Unerträglich ist jener Gegner mitzuerleben, der als Schwarzer stets rappen muss, was in der Deutschvertonung einem albernen Sprechgesang gleicht, so als habe man zur Erscheinungszeit nicht gewusst, was es mit Rap-Musik überhaupt auf sich hat. Wenn sich eben jener Gegner in einen Mutant verwandelt, erleben wir dadurch einen Vorgeschmack auf Jar Jar Bings, nur dass dieser Tiefpunkt von Lucas "Krieg der Sterne"-Saga erträglicher ausfiel als die Nervensäge hier. Aufgrund des zu infantilen Grundtons, dem pausenlosen, hirnlosen Herumgebalge und der uninspirierten Umsetzung ist aber auch er nur ein Bruchteil dessen was schief ging. Und wo ich gerade bei Lucas Sternenkrieg-Saga bin, Mark Hamill hat sich anbei auch in den Guyver-Realfilm verlaufen, aber der hatte ja ohnehin kein Gespür mehr für gute Filmprojekte. Ob es sich bei der Fortsetzung "Guyver - Dark Hero" drei Jahre später um einen besseren Versuch handelt, der aus den Fehlern des Erstlings gelernt hat, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass ich ihn seinerzeit nicht gut fand. Warum das so war, daran erinnere ich mich nicht. Wirklich neugierig bin ich nach der extremst ernüchternden Begegnung mit dem ersten Teil jedoch ohnehin nicht auf ihn geworden. Die Anime-Serien hingegen, sowohl alt wie neu, würden mich weiterhin interessieren, allein schon um dort die Gewissheit zu erhalten, dass die Fehlentscheidungen der hier besprochenen Version bei den Amis lagen und nicht im Konzept der ursprünglichen Idee.  OFDb

25.11.2019

CHILD'S PLAY (2019)

Nach sieben "Chucky"-Filmen war ich nicht böse um eine Neuorientierung der sich angenehm schauenden Horrorfilm-Reihe, zumal es auch mit der alten Version weiter geht, zunächst wohl per TV-Serie, wie ich kürzlich las. Den Ansatz Chucky "Evolver"-ähnlich als durchdrehendes Elektronikspielzeug zu präsentieren, anstatt als per Voodoo besetzter Körper einer Massenmörder-Seele, fand ich nach erster Skepsis einen interessanten Ansatz, und so war ich neugierig angefixt eigentlich recht guter Dinge, was den Neustart jener, welche die Rechte am 88er Original besaßen, anging. "Child's Play" lief nicht lang, als sich bei mir erstes Misstrauen einstellte. Das Design des neuen Chucky sieht Scheiße aus, da muss man nichts schön reden, die Modernisierung des Stoffes kommt arg gewollt daher, von der Einstellung des Drehbuchautors, wirklich alles zu verraten, bevor der Zuschauer selbst etwas entdecken darf, einmal abgesehen. Ohnehin will die Neuverfilmung psychologisch so gar nicht funktionieren. Der olle Verpacker in Asien ist gleichzeitig der Programmierer einer solchen Puppe, ist klar, und das Umfeld Andys ist künstlich aufgeblasen auf modern getrimmt, zaghaft im White Trash-Umfeld angesiedelt, wie es seit Rob Zombies Filmen angesagt ist, dies freilich ohne dessen Radikalität zu wagen. Letztendlich spielt das Geschehen in keiner ersichtlichen nahen Zukunft, wie die übertriebenen Eigenschaften der Good Guy-Puppen vermuten lassen könnten. Auch hier will sich keine Glaubwürdigkeit einstellen.

Wirklich unangenehm wird "Child's Play" jedoch erst mit der Einführung Chuckys, der im Deutschton zudem eine nervige Stimme beschert bekommen hat, wohingegen im Original zumindest Mark Hamill der Puppe seine Stimme lieh. Die Versuche des Autors uns den Leidensweg und das Verständnis Chuckys nahezubringen, um uns aufzuzeigen warum er wurde, wie er wurde, sind erbärmlich zu nennen, das ist billigste Psychologie ohne das Verständnis für Ursache und Wirkung, eingebettet in Sozialkitsch das Umfeld Andys betreffend. Der per CGI integrierte Chucky wirkt weder als harmlose Puppe, noch psychisch entgleitend und erst recht nicht im wütenden Zustand. Sequenzen mit ihm in Großaufnahme schauen sich wie ein computeranimierter Zeichentrick, um ein realistisches, plastisches Aussehen wurde sich nicht bemüht. Und wenn Chucky recht bald zu morden beginnt, ist man als Zuschauer eigentlich schon zu abgefuckt, um an den eigentlich ordentlich inszenierten Mordsequenzen noch seine Freude zu finden. Mal ganz davon abgesehen, dass die Motivation der Puppe nervt und den Zuschauer nicht anzustecken vermag. An "Child's Play" wurde so ziemlich alles falsch gemacht, was man machen konnte, fortgeführt bei zu brav besetzten Nebenrollen und Chuckys weiterer Fehlentwicklung. Es will keine düstere Stimmung entstehen, und den einzig brauchbaren satirischen Ansatz sehe ich darin, Chuckys Mordlust im Medienkonsum zu begründen, was ein guter Seitenhieb auf Verfechter dieser Theorie ist, begründete man mit "Chucky 3" damals doch auch die Taten eines Mörders in den USA, was zur siebenjährigen Einstellung der Horrorreihe führte und der Filmfirma sicherlich ordentlich Geld gekostet hat. Andererseits weiß man in der undurchdachten Mainstream-Art der Neuverfilmung nicht, ob sich der Film tatsächlich direkt darauf bezieht, oder nur gedankenlos einen Weg suchte, Chuckys Mörderpersönlichkeit zu erklären. Wie auch immer, da gebe ich mir lieber zum x-ten Mal das Original und die ersten Fortsetzungen, die wussten noch wie man es richtig macht.  OFDb

06.10.2019

STAR WARS - EPISODE 8 - DIE LETZTEN JEDI (2017)

Wusste der Vorgänger "Das Erwachen der Macht" noch mit seiner Nostalgie und der lockeren und kurzweiligen Erzählweise zu überraschen und somit ein gelungeneres Ergebnis abzuliefern, als das was "Star Wars"-Schöpfer George Lucas uns mit seinen Prequels vorlegte, will das theoretisch selbe Rezept bei der direkten Fortsetzung nicht noch einmal so wunderbar zünden. Der Nostalgiebereich wirkt zu bemüht, die Parallelen ein Vorbild kopieren zu wollen (in diesem Falle "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") wird deutlicher denn je und wirkt damit ideenärmer und dreister. Irgendwie wollte bei mir nie so recht der Funke überspringen, "Die letzten Jedi" ist einfach kein solch sympathischer Film geworden, wie es sein Vorgänger war. Das liegt aber auch daran, dass die Rückkehr der bekannten Gesichter dort ein wundervolles, emotionales Wiedersehen waren, wohingegen die Anwesenheit von Luke Skywalker gnadenlos verheizt wird. Das ewige Selbstmitleid, die nicht durchschaubare Motivation, die ihn antreibt das zu tun was er tut und schlussendlich auch sein finaler Schachzug und die Folgen dessen, wirken so bemüht wie der Restfilm, wollen Mystik, Tragik und Tiefgang erzeugen, bleiben aber zu theoretisch umgesetzt und zu aufgesetzt präsentiert.

Zwischendurch gibt es immer wieder geglückte Szenarien mitzuerleben, welche die unterhaltsame Luft der guten Teile der Reihe atmen. Interessanter Weise taucht dieses Feeling meist in den simpleren Momenten auf, in den Actionszenen beispielsweise, während tiefer gehende und wichtige Ereignisse zu bedeutungsschwanger aufgeblasen werden, oder unmotiviert als Blaupause umgesetzt werden. Lobenswert ist die Entscheidung sich vom Sith Lord zu verabschieden, der fehlerhafter Weise ohnehin immer wie eine Comicfigur in der ansonsten plastisch kreierten CGI-Optik der Star Wars-Welt wirkte. Zudem weiß das Drehbuch den Zuschauer mehr als einmal die lange Nase zu zeigen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, und Täuschungen zu überraschenden Wendungen führen. Das Potential für ein besseres Ergebnis war also durchaus vorhanden. Bei wenig Erwartungen wäre das was "Looper"-Regisseur Rian Johnson uns vorwirft auch okay gewesen, langweilig wird es in Episode 8 nie. Aber nachdem Episode 7 trotz aller Recycling-Zutaten so gut zu funktionieren wusste, habe ich einfach mehr erwartet. Und je mehr sich die Geschichte weiterentwickelt, desto mehr bemerkt man, dass sie sich um sich selbst dreht und einfach nicht von den Vorgängern loslassen kann. So wie "Terminator" zu sehr an den Ur-Figuren gebunden ist, um sich heutzutage erzählenswert fortsetzen lassen zu können, so klammert man sich hier zu sehr an den Erlebnissen der Ur-Trilogie um "Krieg der Sterne" fest, so als sei man in einer Murmeltier-artigen Wiederholungsschleife alternativer Ereignisse gefangen. Und das reizt auf Dauer nicht wirklich.  OFDb

25.12.2016

STAR WARS: EPISODE 7 - DAS ERWACHEN DER MACHT (2015)

Als J.J. Abrams der längst beendeten „Star Trek“-Reihe um Kirk und Co neues Leben einhauchte, erschuf er damit ein sehenswertes Werk, welches den Start einer neuen Reihe einleitete. Als Selbiger danach versuchte mit „Super 8“ das Familienkino Steven Spielbergs aus den 80er Jahren wiederzubeleben, da scheiterte der gute Mann trotz anfänglicher Sympathien. Das Werk war zu sehr in Spezialeffekten getränkt, als dass es Chancen hatte genügend Retro-Charme zu versprühen. Und nun versuchte sich Abrams an der Wiederbelebung der von Schöpfer George Lucas mit seiner zweiten Trilogie in die Belanglosigkeit gerittenen „Star Wars“-Reihe, die in ihren letzten drei Regiearbeiten Lucas‘ u.a. am selbigen Problem krankte wie „Super 8“.

Unter solchen Voraussetzungen durfte man trotz des tollen Ergebnisses des 2009er „Star Trek“ kritisch sein, ob Abrams es erneut schaffen würde eine totgerittene Science Fiction-Reihe wiederzubeleben. Wie die Einspielergebnisse und die fleißige Weiterproduktion der Reihe samt Nebenprodukten zeigt, ist ihm dies wirtschaftlich gelungen, solch ein großes Ergebnis wie die Wiederbelebung um Spock und Co ist ihm meiner Meinung nach allerdings nicht geglückt, was, wie das Ergebnis von „Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht“ zeigt, auch gar nicht nötig ist.

Der Retro-Charme, den „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ (Alternativtitel) ausstrahlt, ist das Einschalten bereits wert. Endlich wird die Geschichte der Ur-Reihe weiter erzählt, so dass man nebenbei erfährt was aus den drei Helden wurde und welchen Einfluss sie auf die aktuellen Geschehnisse haben. Die alten Mimen sind wieder mit an Bord, die neuen Charaktere sind sympathisch ausgefallen, und an allen Ecken und Enden gibt es Wiedersehwerte die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Einfallsreich sieht anders aus, dafür kopiert die Geschichte viel zu sehr ihr Vorbild und dafür fehlt es an innovativen Momenten, welche die Figuren aus ihren Stereotypen herausreißen, so wie es die Müllpresse-Szene im allerersten „Krieg der Sterne“ vorgemacht hat. Allerdings funktioniert die Kopie einer bereits bekannten Geschichte besser als ich vermutete, allein schon weil Abrams mit allerhand Ablenkung alles versucht die Geschichte nicht wie eine Blaupause aussehen zu lassen.

Etwas ärgerlich ist der Handlungsablauf an sich ausgefallen, lebt die Zusammenkunft der Helden doch von zu vielen Zufällen, als dass sie zu gefallen wüsste, was dann am meisten nervt, wenn eine ausweglose Situation mehr als einmal dadurch gelöst wird, dass sie mit der Einführung eines Charakters aus der Ur-Serie blauäugig gelöst wird. Und dass es das ganze Universum interessiert Luke Skywalker wiederzufinden, ist schon ein etwas schwacher Auslöser eines kompletten Filmes um Rebellion, Verrat, Sternenschlachten und zerstörte Planeten. Zumal man sich unweigerlich fragt ob Luke entdeckt werden möchte, wenn er doch freiwillig ins Exil gegangen ist.

Diese Frage muss zwar erst die Fortsetzung beantworten, aber da das Schicksal der „Star Wars“-Reihe nicht mehr bei George Lucas liegt, kann die Antwort auf diese Frage nicht ganz so plump ausfallen wie die Mittel-Trilogie. Was die Frage um den CGI-Overkill betrifft, den Abrams im hier besprochenen Film hätte wiederholen können: hier kann man Entwarnung geben. Trotz etlicher Computereffekte und unzähligen Schlachten sind die Actionszenen und Fights nie überfrachtet ausgefallen. Das geübte Auge kann zuschauen, die Effekte sind erste Sahne, und so manches Mal fühlt es sich so an, als ob man sich tatsächlich mitten in einer Sternenschlacht befindet.

Der einzige Minuspunkt in Sachen Optik besteht leider im Aussehen des neuen Anführers des Bösen. Zwar versuchte man nicht den Imperator zu immitieren, aber leider setzt man uns als Master des Bösen diesmal ein komplett am Computer entstandenes CGI-Wesen vor, welches Echtheit nicht vorgaukeln kann und somit wie ein Zeichentrickelement inmitten eines Realfilmes wirkt. Seine Wirkung ist weder mystisch noch unheimlich, letztendlich ist er das einzige Element in Episode 7, welches das Werk kurzfristig zu einem Kinderfilm degradiert. Da seine Auftritte noch höchst rar gesät sind, schaden diese Ausrutscher dem Film nur minimal. Schnell ist man mit einem neuen Retro-Aspekt wieder wohlgestimmt.

Mit solchen allein wird sich eine Episode 8 jedoch nicht gucken lassen, so dass man für den Weiterverlauf der Story nur hoffen kann, dass nicht weiterhin nur noch die bewährte Kuh per Ideendiebstahl aus eigenen Reihen gemolken wird. Das funktionierte einmal, eben weil es den Zuschauer, ähnlich wie bei „Rocky 6“ nach einem Wiedersehen dürstete. Die Mitteltrilogie riss große Wunden in das Fanherz mit seiner leblosen, kindischen Art. Da ist „Das Erwachen der Macht“ eine wundervolle Medizin, um den enttäuschten Fan wieder glücklich zu machen. Aber nun muss es mutig weitergehen, und da bin ich trotz des sympathischen Ergebnisses des hier besprochenen Filmes bei Episode 8 wieder ebenso kritisch, wie ich es vor der Sichtung von Episode 7 war. Aber ich lasse mich gerne erneut eines Besseren belehren.  OFDb

09.02.2013

THE STAR WARS HOLIDAY SPECIAL (1978)

Die Wookies haben einen Feiertag und Chewbaccas Familie wartet auf seine Ankunft. Während die Familie mit Vorbereitungen und Fernseh gucken beschäftigt sind, werden Han und Chewbacca von Raumschiffen des Imperiums angegriffen...
 
Die dunkle Seite des Sternenkrieges...
 
Nachdem ich durch diverse Berichte im Internet vorgewarnt war, wagte ich mich an dieses Unding von „Krieg der Sterne“-Special, das 2 Jahre vor der Kinopremiere von „Das Imperium schlägt zurück“ im US-amerikanischen Fernsehen lief, heran. Nach den von mir eingeholten Informationen dachte ich, dies wäre ein unglaublich unfreiwillig komisches Happening, was zwar nicht unbedingt seine komplette fast 100 Minuten lange Laufzeit zu unterhalten weiß, aber wenigstens einen Teil davon. Also trafen wir uns in fröhlicher Runde, auf alles gefasst und unterstützt von Whisky-Cola. Ja, wir waren auf alles gefasst, auch darauf dass es eventuell todlangweilig werden könnte. Und so war es dann leider auch.

Man mag es sich nicht vorstellen, aber diese Aneinanderreihung von Lächerlichkeiten kann nur in den wenigstens Szenen belustigen (dies geschah bei erster Wookiefamilien-Sichtung, bei der Szene wo ein Typ sich Trinken in den Kopf schüttete, bei Sichtung der schlichten Animation in der Zeichentricksequenz und beim Gesang Carrie Fishers). Meist guckt man nur entgeistert den Fernseher und seine Mitgucker an. Was hatte das alles mit „Star Wars“ zu tun? Und wer um Himmels Willen sollte das Zielpublikum sein? Kinder? Privatfernsehverstrahlte? Das fertige Werk hätte sogar die anspruchsloseren Freunde von „Kampfstern Galactica“ verschreckt. Ich weiß nicht für wen das Holiday Special gedreht wurde, aber nicht für den Freund des Sternenkrieges.

Man muss bedenken, dass das Holiday Special einst als ernstes Produkt gedacht war. Ich habe zwar gelesen, dass George Lucas eine Zeit lang behauptet hat, dieses Special habe es nie gegeben, aber da gab es ja immerhin andere Zeiten, bevor klar wurde welcher Flop da produziert wurde. Irgendwer muss irgendwann diese Produktion doch mal so gut gefunden haben, dass er sie finanziert hat.

Immerhin machen bis auf Alec Guinness und Peter Cushing auch alle wichtigen Figuren des ersten Teils mit, erstgenannter wird über Szenen des Originalfilmes hin und wieder kurz eingeblendet. Dass Harrison Ford besonders gelangweilt agiert kann ich nicht bestätigen, dafür sieht Mark Hamill noch mehr wie ein Bauerntrottel aus als im Original, und nur Carrie Fisher ist mit vollem Einsatz dabei, singt zum Schluss auch noch ein irre schnulziges Lied, wohl in der Hoffnung dass man ihr bis dahin noch unbekanntes Zusatztalent nun endlich anerkennen würde. Aber Fehlanzeige! Ihr Lied ist grausam wie der komplette Soundtrack des Specials, ausgenommen Williams großartige „Star Wars“-Musik, die für diese Zuschauervergewaltigung ebenfalls verwendet wurde.

Die meist schmalzige Musik passt sich der unpassend schnulzigen Geschichte an, die nur hauchdünn ist, und eher als Ausrede für dieses Special dient. Dies erinnert an den ersten „Cube“, wenn in einem Denkversuch der Würfel begründet wurde: Er wird genutzt weil es ihn gibt. Das „Star Wars Holiday Special“ musste dieser Theorie nach sein, damit es existiert, nicht aber weil es etwas erzählen will.

Die unangenehme Hauptstory wird immer wieder von Zwischensequenzen unterbrochen. Manche sollen visuell interessante Experimente sein, wie man sie auf anspruchsvoller und künstlerisch wertvoller Ebene immer wieder in der „Muppet Show“ zu sehen bekam (und als Kind auch gelangweilt erduldete). Das Niveau dieser für Erwachsenenaugen gedachten visuellen Spiele mit Puppen, Licht und Musik erreicht das „Star Wars Holiday Special“ aus gleicher TV-Zeit nicht, ja nicht mal ansatzweise. Wäre ja noch schöner wenn auch nur irgend etwas nach einem Deu Mühe aussehen würde.

Als ideales Beispiel dient die Zeichentricksequenz, die erbärmlich animiert ist. So viel mehr hätte eine etwas bessere Animation (musste ja keine perfekte sein) wirklich nicht kosten können. Aber wozu Mühe geben? „Krieg der Sterne“ war 1 Jahr her. Damals liefen schon weniger beliebte Filme Monate im Kino, „Krieg der Sterne“ also sicherlich auch nach einem Jahr noch (zum Vergleich: „Didi und die Rache der Enterbten“ lief laut Audiokommentar 14 oder 16 Monate). Man hatte also einen festen Fankreis, ein hoher Einschaltquoten-Erfolg war sicher. Also noch mal: Wozu Mühe geben?

Dreist! Mehr kann man dazu nicht sagen. Mal davon abgesehen würde es mich brennend interessieren wie hoch die Einschaltquoten in der letzten halben Stunde waren im Vergleich zum Anfang der Sendung. Der Unterschied dieser Zahlen müsste erschreckend hoch sein.

George Lucas selbst taucht in den Credits nicht auf. Selbst wenn er komplett unbeteiligt war, und das würde mich doch stark wundern (hat er nicht schon damals die Rechte gehabt?), so hätte er wenigstens aus dieser Peinlichkeit lernen können. Aber nein, Lucas ist ein Sturschädel. Ebenso wie er in der späten Trilogie behauptete er hätte Jar Jar Binks schon immer so eingeplant und seine Reduzierung von Folge zu Folge wäre nicht das Ergebnis der Zuschauerproteste (kann der Kerl denn nicht einfach mal Fehler zugeben?), akzeptierte er hier nicht die Gründe des Totalreinfalls und kopierte das Wookie-Outfit des Jünglings und änderte die Lebensumgebung ein wenig ab, um daraus in Episode 6 die Ewoks zu erschaffen. 

Aus dem modernen Leben der Wookies mache man noch schnell den Stamm eines primitiven Volkes und schon wird es keiner mehr bemerken. Der Zuschauerprotest der Ewoks betreffend war ähnlich stark wie jener Jar Jar Binks betreffend, zeitlich verglichen versteht sich, damals gab es schließlich kein Internet.

Man muss das „Star Wars Holiday Special“ ernsthaft gesehen haben um zu begreifen was dies für ein Murks ist. Gelungen ist hier nichts, aber auch rein gar nichts. Das Mitwirken der original Stars ist verblüffend, wahrscheinlich wollten sie die Fans nicht enttäuschend und fanden es spannend eine Zeit lang im Rampenlicht zu stehen. Mit „Star Wars“ hatte das ganze nur in kleinen Elementen zu tun, so dass die Freunde des Filmes überhaupt keine Freude erlebten.

Ein anderes Zielpublikum will mir nach Sichtung aber auch nicht in den Sinn kommen. Und ich persönlich war in meiner Position als Trashfan auch sehr enttäuscht. So belustigend einzelne Dinge auch waren, im traurigen, schockierenden Gesamtbild und auf die ewige Lauflänge gesehen waren das einfach zu wenig unfreiwillig komische Highlights. Zu Beginn schmunzelt man noch viel, aber da vergehen keine 15 Minuten, und es stellt sich nur noch Langeweile ein (die sich mit dem Gefühl des Entsetzens paart, welches von Beginn an aufkam). Spätestens ab der halben Laufzeit erscheinen die Stop-Taste und die Bildvorspultaste immer attraktiver.

Für Soziologen ist die Wookie-Familie als Abbild der amerikanischen Durchschnittsfamilie sicherlich interessant, da schockierend, wenn man bedenkt wie viel Glotze dort geguckt wird, an einem für Wookies immerhin bedeutsamen Tag. Auch wenn es widersprüchlich klingt: Das Reinschalten lohnt in jedem Fall, einfach um mal einen Einblick in diese Katastrophe zu erhaschen. Das vorzeitige Ausschalten lohnt aber ebenso.  OFDb