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29.04.2015

DER ALTE - DIE DIENSTREISE (1977)

„Der Alte“ erschien auf der Bildfläche nachdem „Der Kommissar“ von selbiger verschwand. Damit wurden die Fälle des von Siegfried Lowitz verkörperten Köster zur Konkurrenz für die Krimi-Serie „Derrick“, welche „Der Kommissar“ den Gehilfen Harry Klein abwarb. Trotz des Greisen in der Titelrolle gibt sich „Der Alte“ in seinem Vorspann, der Titelmusik von Peter Thomas und der Extreme in welcher Köster ungewöhnliche Ermittlungswege geht, die gerne auch einmal den Bereich des Illegalen streifen können, moderner als die ohnehin schon moderne Serie mit Horst Tappert. Den auf Spielfilmlänge gedrehten Piloten kann man mitsamt seiner Geschichte als eigenständiges Werk sehen, welches so auch die Geschichte eines Kinofilmes hätte sein können.

Dass ich mich so kurz nach meinen ersten 15 Folgen „Derrick“ der zwei Jahre später gefolgten Serie mit Lowitz zugewendet habe, liegt an meiner „Derrick"-Lieblingsfolge „Stiftungsfest“, in welcher Lowitz schauspielerisch derart zu beeindrucken wusste, dass ich ihn unbedingt als Kommissar erleben wollte. Was nutzten mir schon meine ollen Kindheitserinnerungen, die nur ein grobes, vernebeltes Bild ergaben? Eine Neusichtung musste her, und da hat mich der Pilotfilm in seiner völlig anderen und ungewöhnlichen Art schon sehr überrascht.

Bereits der ironische Titel „Die Dienstreise“ verweist auf einen anderen Ton der hier herrschen soll. Den klassisch zu lösenden Mordfall gibt es hier nicht. Hier gibt es nur einen erfahrenen Polizisten, der sich freiwillig als Geisel für einen Bankräuber hergibt, insgeheim aber eigene Pläne verfolgt, während der Kriminelle glaubt die Fäden in der Hand zu halten. Wohin das Ganze wirklich laufen soll ist dem Zuschauer zunächst ebenfalls unklar, aber freilich wird er in einige Hintergründe mit eingeweiht, von denen der Bankräuber keine Ahnung hat.

In dieser Zwischenposition kann der Zuschauer sowohl die vom Drehbuch so großartig herausgearbeiteten Kniffe genießen, mit welchen Köster es schafft den Geiselnehmer im Glauben zu lassen alles laufe wie er es will, gleichzeitig mangelt es nicht an Überraschungen, ebenfalls von Kösters Seite aus, denn der aalglatte sich an Regeln haltende Kommissar ist der gute Mann nicht. Zumindest in der Erstausstrahlung dürfte das was Köster zum letzten Drittel hin treibt den Zuschauer sehr überrumpelt haben.

Zumindest erklärt dieser Wechsel der Tatsachen zuvor eingebaute Szenen über andere Gangster und Bekannte derer, von denen man zunächst nicht wusste wofür sie gut sein sollen. Zwischendurch eingestreut machten sie immer wieder deutlich, dass „Die Dienstreise“ kein Road Movie bleiben würde, glücklicher Weise aber ohne zu signalisieren wohin das Ganze führen soll. U.a. deswegen bleibt diese ungewöhnliche Kriminalgeschichte bis zum Schluss interessant, auch wenn sie in manchen Momenten an Tempo verliert.

Schauspielerisch stehen sich Lowitz als Kriminalist und Hans Brenner als Bankräuber in nichts nach. Und mag er auch erst spät so richtig in Erscheinung treten, auch Wolfgang Reichmann weiß seinen Part als gnadenloser Fiesling hervorragend auszufüllen. Einzig der Gehilfe Kösters bleibt in der ersten Geschichte noch sehr blass, noch blasser als Harry Klein in „Derrick", aber zumindest weiß es zu belustigen wie pampig Köster mit ihm umgeht. Diesen Drahtseilakt schafft auch nur Lowitz sich derart wie ein Arsch aufzuführen und trotzdem sympathisch zu wirken.

Ich weiß noch nicht wohin mich die Serie weiter führen wird. Neugierig bin ich nach diesem Start nun definitiv. Normalerweise hätte ich wie bei „Derrick“ das Ende der Box abgewartet bevor ich etwas schreibe, wenn ich das denn überhaupt nach kompletter Sichtung tun werde, aber die ungewöhnliche Art des Piloten, in seiner völlig eigenständigen Erscheinung, hat mich dann doch dazu getrieben die Start-Folge gesondert zu besprechen. Zu gefallen weiß sie, auch wenn es ein klein wenig gedauert hat bis der Funke bei mir übergesprungen ist.  OFDb

15.07.2014

DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN (1985)

Nachdem Dieter Hallervorden im Vorgänger „Didi - Der Doppelgänger“ in einer Doppelrolle zu sehen war, wollte er gerne einmal eine ganze Familie allein verkörpern, so wie sein Vorbild Alec Guinness 34 Jahre zuvor in „Adel verpflichtet“.  Sieben Rollen sind es geworden die Hallervorden in „Didi und die Rache der Enterbten“ meistert, im Gegensatz zum Vorgänger verstärkter unterstützt durch die Maske, was humoristisch jedoch so treffsicher ist, dass man dies keinesfalls als negativen Aspekt des Streifens werten sollte, zumal die Maske ergänzend wirkt und nicht das Talent des Hauptdarstellers ersetzt, das noch in so ziemlich jeder Szene durchschimmert.

Schön ist jedoch, dass die Mimen an Hallervordens Seite dabei keinesfalls zu kurz kommen. So lustig die Charakterzeichnung des jeweiligen Mitgliedes der Sippschaft geworden ist, so treffsicher sind auch die anderen Figuren gezeichnet, allen voran der Assistent des Kommissars, Sohn des Bürgermeisters, jedes Klischee des Berufes lebend ohne etwas von diesem zu verstehen und fast passend zu den langen Haaren Langenhagen genannt. Interessanter Weise wird dieser in der Regel weder in Besprechung gesondert erwähnt, noch wird auf ihn im Audiokommentar eingegangen, dabei sind seine Witze stets ein Volltreffer, sein Spiel ungemein sympathisch trottelig und seine ihm zugeschriebenen Eigenarten, wie die Körperpflege in den unmöglichsten Situationen, geradezu Kult.

Wenn ein erschossener Toter im Spiegelkabinett aufgefunden wird, fragt er seinen Vorgesetzten allen ernstes ob das Opfer an den Spiegelscherben gestorben sein mag, während der Kommissar genervt sachlich antwortet, dass ihn wohl eher die Kugeln getötet haben. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist sich für keinen noch so flachen Gag zu schade, und dies gepaart mit der Spielfreude aller Beteiligten und der Leichtigkeit die Drehbuch und Inszenierung umwehen, macht das Werk selbst innerhalb der für diese Eigenarten bekannten Didi-Filme in der hier angewendeten Konsequenz einmalig.

Mag der gewisse Anspruch den „Didi - Der Doppelgänger“ für sich noch verzeichnet hatte und der mit „Der Experte“ auch wieder in die Kinoarbeiten Hallervordens zurückkehren sollte hier auch dem hemmungslosem Klamauk weichen, so ist „Didi und die Rache der Enterbten“ doch zumindest bis 1985 der beste Hallervorden-Film geworden, gibt es hier im Gegensatz zu seinem Vorgänger doch keinen Einbruch im Unterhaltungsbereich. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist durchweg gelungen, von Anfang bis Ende ohne jeglichen Durchhänger.

Dass der eigentliche Held erst nach 30 Minuten Film eingeführt wird, ist ein Kuriosität für sich, wird auch im Audiokommentar besprochen, wo die Drehbuchautoren gestehen das nie so bewusst bemerkt zu haben, ebenso wie es dem Zuschauer kaum auffällt, wird dem doch von Anfang an Didi geboten. Dieter Dödel, wenn unter anderem Namen auch die typische klassische Didi-Rolle Hallervordens, wirkt fast schon normal unter all den ausgeflippten Charakteren und schrägen Situationen, bekommt aber dennoch genügend Rahmen um trotzdem selbst für viele Lacher zu sorgen. Und das ist gar nicht so leicht, wenn um ihn herum so herrlich kranke Ideen fruchten, wie der naive Nachbar, der die morbiden Vorkommnisse für einen Film hält und deswegen von Kongo-Otto (allein der Name) dazu verdonnert wird einen guten Teil der Geschichte in einer Mülltonne abzusitzen.

Herrlich auch die Arbeiten der Zuständigen für die Deko. Da wurde eine Abbruchbude so wunderbar herzlos und absichtlich sichtbar heruntergekommen in Dödels „Wohnung“ verwandelt, dass nicht einmal die ärmliche türkische Familie, welcher der Vermieter die Wohnung präsentiert um Dödel endlich loszuwerden, auch nur Ansatzweise in Versuchung kommt einzuziehen. Da fallen so herrlich übertriebene, großkotzig großzügige Sätze des Vermieters, er würde auch sein Einverständnis geben, dass die Familie hier eine Heizung einbauen dürfe, kurz nachdem er ein Waschbecken mit Brausekopf als Dusche angepriesen hat, mit warmen und kaltem Wasser - je nach Jahreszeit, wie Dödel hinzufügt. Und wenn man denkt nach der türkischen Familie ginge es gesellschaftskritisch nicht weiter, äußert der unangenehme Zeitgenosse vor seinem Verschwinden, er würde im Notfall aus der Bude ein Studentenwohnheim machen. Aua! Tiefschlag! Wunderbar!

An Witzen, skurrilen Situationen und einfallsreicher Charaktere mangelt es hier wahrlich nicht. Autoren wie Schauspieler toben sich hier munter aus in einem Plot, der so heute nicht mehr ins Kino kommen würde, so anarchistisch anders wie er heute wirkt im Gegenzug zu herkömmlichen Drehbüchern der Gegenwart. „Didi und die Rache der Enterbten“ sieht seine Anwesenheit im Kino nicht so streng, als dass er aufgrund seiner Größe irgendwelche Normen einhalten müsse. Der Film ist ein Liebhaberstück, ein zum Lachen einladendes Original und keinesfalls der krampfhaft verfehlte Versuch eine Kopie des Vorbildes mit Guinness sein zu wollen.

Dass es das Finale schafft inmitten von so viel Irrsinn ganz leicht den Bereich eines Thrillers zu streifen, verdankt der Film nicht nur dem hervorragenden Spiel Wolfgang Kielings, den man als Glücksgriff für seine Rolle bezeichnen kann, auch der Soundtrack weiß hier enorm zu wirken, aber der ist ohnehin sympathisch ausgefallen und weiß in seiner ziemlich simplen Komposition jeden Winkel des Streifens bestens zu unterstützen. Wer die richtige DVD-Edition ergattert, hat auch gleich eine Soundtrack-CD zusätzlich zum Film erworben, und die lohnt sich meiner Meinung nach - ebenso wie der Film, den jeder der es auch gerne einmal albern mag unbedingt gesehen haben sollte.  OFDb

10.01.2013

DER EXPERTE (1988)

KFZ-Mechaniker Willi wird nach einer fatalen Probefahrt von einem Wahlkampfexperten, der bei der Bürgermeister-Wahl helfen soll, im Auto mitgenommen. Es kommt zu einem Unfall, Willi verliert sein Gedächtnis und wird für den anderen gehalten...

Politik wie sie wirklich ist... 
 
In „Der Experte“ darf man Dieter Hallervorden, nach seinem qualitativen Ausrutscher mit „Didi auf vollen Touren“, ein letztes Mal in Hochform erleben. Hallervorden selbst sah in „Der Experte“ einige Zeit seinen besten Film. So weit würde ich nicht gehen, an das Geblödel aus „Didi – Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ kommt der Streifen nicht heran, er ist aber immer noch ein gelungener Film geworden.

Im Vorgängerwerk wandte sich Hallervorden bereits dem Bereich der Satire zu. Diese wird im hier besprochenen Film ebenfalls aufgegriffen, die Orientierung in diese Richtung wurde sogar verstärkt. Vom Genre her kann man dennoch nicht wirklich von einer Satire sprechen, dafür wird in Hallervordenart einfach zu viel herumgeblödelt, wäre ja auch schade wenn nicht. Mir persönlich gefällt der kaputte Mix aus ernstem Anliegen und dem Mut zum Klamauk gut. Einen Qualitätsverlust durch das dominante Herumalbern werden nur jene empfinden, die bereits beim Doppelgänger und den Enterbten nicht den Charme und das psychologische Niveau der Figuren entdecken konnten. Man muss schon frei vom Tunnelblick sein, um die versteckten Qualitäten Hallervordens zu entdecken. Leider wird er viel zu oft auf seinen Klamauk reduziert.

In „Der Experte“ werden auch ernste Töne angeschlagen. Das dürfte sicherlich neu sein. Trotz seines ernsten Grundthemas gab es solche Szenen in „Didi auf vollen Touren“ nicht. Hier darf Didi, der diesen Spitznamen eben wegen der Stiländerung bewusst nicht mit in den Kinotitel eingebaut hat, auch mal Gefühle zeigen, zwar keiner Frau gegenüber, dafür aber väterliche Gefühle einem Waisenkind gegenüber. Das wirkt manchmal leider zu aufgesetzt, gerade zu Beginn, entgleist aber nicht immer in unglaubwürdigen Sozialkitsch. Gerade in Szenen, die geradezu nach solchen Ausrutschern schreien, bekommt das Drehbuch immer wieder den Bogen die nötige Würde und Glaubhaftigkeit zu behalten.

Seltsamer Weise findet man besagte Ausrutscher in den eher banalen Szenen (gemeinsames Frühstück, etc.). Ein weiterer kleiner Minuspunkt sind diverse Fehltritte im Humorbereich. Hin und wieder verlaufen sich greise Witze in den Film, z.B. „Warum treten Polizisten immer zu zweit auf?“ – „Weil der eine lesen und der andere schreiben kann.“ Das ist Humor für die Generation meines Großvaters, verkrampft und viel zu unwitzig. Leider behielt Hallervorden dieses Niveau in seiner späteren Satire-TV-Sendung bei und machte ihn dort zum Zentrum seiner Komik, weswegen mir späte Produktionen mit dem einstigen beliebtesten deutschen Komiker persönlich auch nicht mehr gefallen. Zum Glück gibt es Witze dieser Art im Experten nur am Rande, somit ist das hier Beklagte nur ein kleiner Wermutstropfen.

Punkten kann Hallervorden neben der gewohnten Qualitäten (tolles Geblödel, Figuren mit Tiefe und psychologischem Niveau, gute Geschichte, gutes Timing für Gags, gute Vorbereitung auf die Rolle) mit einem sehr ernsten und stillem Schluss, den ich ihm vor Sichtung des Streifens zwar vom Talent her zugetraut hätte (dass Hallervorden auch anders kann sieht man ja auch in „Das Millionenspiel“), in seinen klassischen Filmen aber nie erwartet hätte. So abgedreht seine Filmfiguren auch sind, sie leben in unserer Welt, und Hallervorden ist sich der Polit-Korruption durchaus bewusst. Der Schluss hat Klasse, und dass der Humor dort nicht auftauchen darf ist ausnahmsweise gut zu nennen.

Zudem hat diese Art Ende einen weiteren Vorteil. Verglichen mit den üblichen Filmen des Komikers (mit Ausnahme von „Mein Gott, Willi“) und auch verglichen mit den Mehrteilern in „Nonstop Nonsens“ verzichtet Hallervorden auf die Action. Hallervorden ist ein stolzer Eigenstuntman, lässt sich von Drehbuchautoren unter Mitsprache chaotischste Stunt-Situationen zuschreiben, und vergisst dabei, dass man ihn wegen seiner Komik sehen will. Hallervorden schaffte es, seine großartigsten Filme „Didi – Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ mit diesem Heckmeck dank Pausieren der Komik abzubremsen. In „Der Experte“ wird diese Action nun durch Dramatik ersetzt, wieder kommt die Komik im Finale zu kurz. Der Wechsel ins Ernste ist in Hallervordens Politfilm allerdings konsequent zu nennen, während die Stuntszenen in den Vergleichsfilmen völlig unnötig eingebracht sind, scheinbar im Irrglauben, man müsse dem Zuschauer zum Finale hin mehr bieten als zuvor.

Auch wenn Dieter Hallervorden im Mittelpunkt steht, wie in all seinen Kinofilmen ist er nicht der einzige Pluspunkt im Darstellerbereich. Wieder einmal hat der Komiker allerhand talentierte Schauspieler um sich gescharrt, wieder einmal dürfen sie tollste Figuren verkörpern. Zwar fehlen dieses mal so schräge Gestalten wie Theo aus der Tonne oder Herr Langenhagen, die hätten in der etwas ernsteren Thematik von „Der Experte“ aber ohnehin nur bedingt hineingepasst. Mit einem guten Blick auf typische wiederholende Charaktergrundkonstellationen in der deutschen Politik werden uns hier gerade in den beiden Parteien die witzigsten Figuren vorgesetzt.

Neben Hallervorden dürfte der größte Trumpf des Filmes Walo Lüönd sein, der einen solch penetranten, unsensiblen, unehrlichen, karrieregeilen und politisch unkorrekten Kandidaten spielt, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen und viel mehr noch zuzuhören. Er schreit sich unsensibel einen zurecht, dass es eine wahre Freude ist sich von ihm seine Ohren vergewaltigen zu lassen. Aber auch der Gegner aus der anderen Partei, wenn auch mit wenig Auftritten versehen, ist perfekt besetzt und charakterlich perfekt ausgearbeitet. Aber so geht es so ziemlich allen wichtigen Figuren der zwei Parteien.

Die Politkomik wird im breiten Bereich umgesetzt. Ob Wahlkampfreden, private Politiker, Heuchelei, Wahlkampfsprüche/plakate, Konkurrenz, falsche Werte, Manipulation, falsche Freundschaft, fast alles was Politik so unangenehm macht wird mit eingebracht. Lediglich die politische Abhängigkeit durch Firmen und die Kompromisse mit Religion werden nur kurz angedeutet. Nebenbei bekommt noch der Bereich der Nervenheilkunde eins auf den Deckel und wird ein weiteres Mal beim Versuch der Verhaltenskorrektur Fehlgeleiteter als Anwendung von Gehirnwäsche geoutet. Manche Verbrechen geschehen halt auch heute noch vor unseren Augen, sogar mit Einwilligung der Gesellschaft.

Das faszinierende an Hallervordens Werk ist, dass diese Bereiche durch den ebenfalls anwesenden Klamauk nicht ihr Niveau verlieren. Die ernsten Thematiken gehen zwar ein wenig unter, können aber immerhin von dem Zuschauertyp, der sich nicht nur berieseln lassen will, noch immer genügend beachtet werden. Hallervorden verzichtet nicht komplett auf die großen Lacher, verzichtet nicht auf den Klamauk, den man an ihm so schätzt, wagt es aber diese Bereiche herunterzuschrauben, um sein ernstes Anliegen diesmal deutlicher zu machen als in seinem Film zuvor.

Für einige mag dies unausgegoren wirken. Der eine will das Klamaukpotential aus dem Enterbten-Streifen, der andere will eine reine Satire sehen. Wichtig ist allerdings zu beachten, dass trotz beider Komponenten beides nicht seine Wirkung verliert. Und das ist ein Kunststück, dass nicht jeder Filmschaffende hinbekommen hätte. Die Teamarbeit aus Drehbuchautoren, Hallervorden und Regisseur Reinhard Schwabenitzky (der schon „Didi – Der Doppelgänger“ inszenierte) hat in diesem Punkt echte Klasse bewiesen, auch wenn der Unterhaltungswert im direkten Vergleich zum Doppelgänger und den Enterbten etwas reduzierter ist.  OFDb