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03.12.2023

ROCKETEER (1991)

Während die Zeichentrickserie "Rocketeer" die Idee des zugrunde liegenden Comics eher wie eine durchschnittliche Version des Themen-ähnlichen "Steamboy" aussehen lässt, ist "Der Raketenmann" (Alternativtitel) der 90er Jahre ein im Herzen auf klassisches Popkornkino ausgelegtes Abenteuer, das nicht mit Geld und Schaueffekten spart, also nicht gerade unaufgeregt daher kommt, dank seiner Entstehungszeit aber keinen Dauerzustand der Action-Bespaßung sucht, wie es heutige Produktionen a la Marvel, "Star Wars" und Co suchen. Rocketeer bietet einen geradezu klassischen, zufälligen dazu gewordenen, Superhelden, Ende der 30er Jahre auf einen Raketenrucksack stoßend, für den sich Banditen, Spione und das FBI gleichermaßen interessieren. Wenn ein aalglatter Gentleman-Film-Star als Nazi-Spion enttarnt wird, tritt selbst die Mafia auf die Seite der Guten. Das kann nur Hollywood verspielt liefern, ohne dass es sauer aufstößt und stattdessen wunderbar in die leichtfüßige, gar nicht wirklich politisch interessierte, Inszenierung passt. Wenn die Nazis am Ende ihr Fett weg kriegen, wird es jeden "Indiana Jones"-Fan gefallen, so sehr wie ihr Ableben Kino-Luft atmet. 
 
Dass einer von ihnen wie Frankensteins Monster aussieht und somit wunderbar in die Comic-Welt von "Dick Tracy" passen würde (der ein Jahr zuvor floppte), ist nur ein weiteres Beispiel für den kunterbunten Mix diverser Stoffe, von "Superman" bis "Iron Man", toll besetzt mit Billy Campbell (der auch als Synchronsprecher in eingangs genannter Zeichentrickserie aktiv war), noch besser besetzt allerdings in den Schurkenrollen. Die Musik erinnert gelegentlich an "Zurück in die Zukunft", alte Mantel- und Degenfilme werden während der fiktiven Dreharbeiten im Film geehrt und parodiert (herrlich wenn der deutlich erkennbare Held die Maske abnimmt und erst dann erkannt wird), und auch die Liebesgeschichte, samt Errettung durch den Helden, könnte nicht klassischer ausfallen, mit Ausnahme der Endvereinigung, wenn ein dort nachgesprochenes Filmzitat die Geschlechterrollen charmant vertauscht. Dass das alles ur-amerikanisch daher kommt, wirkt kaum unangenehm, trotz ständiger Präsenz des Nationalstolzes, nicht nur repräsentiert durch die Nationalflagge in entscheidenden Aufnahmen (was sicherlich auch der Printvorlage geschult ist), sondern auch durch den Running Gag mit dem Kaugummi. Vielleicht liegt es daran, dass der Pro-Amerika-Aspekt nicht zur penetranten Propaganda wird, oder auch daran dass der Blick in die 30er Jahre es zulässt, das Verhalten des FBI als fragwürdig darstellen zu können, ohne die Institution an sich zu kritisieren. 
 
So oder so will "Rocketeer - Der Raktenmann" (Alternativtitel) nur kurzweilige Popkornunterhaltung sein, holt das Verhalten von FBI und Mafia nur des Retro-Klischees wegen mit an Bord, und da Regisseur Joe Johnston die 30er Jahre ebenso wunderbar aufleben lässt, wie das klassische Kino-Feeling, weiß das Gesamtergebnis zu gefallen. Etwas mehr Innovationen wären für ein besseres Ergebnis dennoch wünschenswert gewesen. Aber für einen verregneten Sonntagnachmittag ist "Rocketman" (Alternativtitel) genau der richtige Film.  Wiki

31.07.2021

WILD BOYS - DER SOMMER IHRES LEBENS (1990)

Mussten Corey Haim und Corey Feldman zwei Jahre zuvor in "Daddy's Cadillac" ebenfalls vergebens aufpassen, dass sie den Caddilac eines anderen nicht schrotten, was dort zu allerhand Chaos in lauter Komik führte, so findet die Überfahrt in "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens" auf die tragikomische, sanfte Tour statt. Auch diese ist nicht frei von lauten Momenten, Daniel Stern bekommt genügend Chancen sein Talent des lauten Schreiens unter Beweis stellen zu können, aber an sich kommt der Streifen doch besonnen daher, seine Charaktere ins Zentrum setzend anstatt den schnellen Witz. Die Schauspieler sorgen dafür, dass aus den Stereotypen greifbare Figuren werden, die man im Laufe der Zeit lieb gewinnt, auch den mürrischen Vater, welcher von Alan Arkin dargeboten der heimliche Star des Films ist. Doch die drei Söhne brauchen sich hinter ihm nicht zu verstecken. Jeder von ihnen ist wie die Faust aufs Auge besetzt, und die deutsche Synchronisation passt sich diesem Zustand an.

Wie so viele Jugend-Werke mit Patrick Dempsey, so ist auch "Coupe de Ville" (Originaltitel) nicht auf DVD und Bluray erschienen. Und im Vergleich zu seinen meist schnell vergessenen Teenie-Komödien "Loverboy", "Casanova Junior", "Happy Together" und "Sommer-Ferien - Total verrückt" ist es bei dem hier besprochenen Film eine wahre Schande, ist Regisseur Joe Roth doch ein herzenswarmer Film geglückt, der bewegt ohne in Kitsch zu baden und belustigt ohne seine Figuren vorzuführen. War sein "Die Supertrottel" (die Fortsetzung zu "Die Rache der Eierköpfe") zuvor eine Bruchlandung und sein erst 11 Jahre nach "Wild Boys" entstandener Folgefilm "America's Sweethearts" lediglich eine amüsante Komödie, mit der mehr möglich gewesen wäre, so trifft sein Road Movie genau ins Schwarze und bietet so allerhand Momente, an die man sich hinterher noch gerne erinnern wird. Allen voran sei die Diskussion um das Lied Louie Louie genannt, aber auch Roberts Verabschiedung von seinem Rektor, oder so ziemlich jede Dialogzeile Freds gehören zu den Highlights, ebenso wie die sanft gesetzte Schluss-Pointe.

"Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens" macht sich zwar den Aspekt einer Krankheit zu nutze, die ab einem gewissen Zeitpunkt eine Traurigkeit über die Erlebnisse der drei Jungs schweben lässt, aber er rückt diese nie ins Zentrum und erschafft mit ihr, ebenso wie mit seiner Nostalgie und den wundervollen zwischenmenschlichen Momenten, einen lebensbejahenden Film. Das Drehbuch dieser rundum gelungenen Tragikomödie beschert den Figuren zudem die nötigen Eigenartigkeiten und Schrulligkeiten, die sie trotz ihrer Orientierung am Klischee so lebensnah machen. Ob es Buddy ist, der nach dem Sex sogleich einschläft, auch wenn er sich noch so vornimmt es nicht zu tun, oder Robert, der als jüngster stets kindischer, aber auch rebellischer auf die Ereignisse und auf seine Mitmenschen blickt, als es der verkrampfte Marvin macht, man gewinnt die Figuren schlichtweg lieb. Und selbst derbere Momente, wie das Szenario um herunter geschluckte Kotze, kommen mit einer Sympathie und sanften Note daher, dass man herzhaft auflachen und sich wundern darf, dass sie so kompatibel mit dem ruhigen, bewegenden Rest erzählt sind.  OFDb

05.06.2021

KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES (1976)

Zugegeben, die Geschichte klingt reizvoll und ist mit einigen Kenntnissen der originalen Sherlock Holmes-Geschichten angereichert, mit denen augenzwinkernd anders gespielt wird. Doch mag "Kein Koks für Sherlock Holmes" auch hervorragend besetzt sein und mit Ideen trumpfen, wie jener, dass Freud erst über Holmes das logische Denken auf jener Stufe beherrschen lernt, mit welcher er die Psychoanalyse entdecken und begreifen konnte, so ist der Film an sich doch alles andere als sehenswert ausgefallen. Der überraschend kaum auf Komik setzende Film verwässert seine Dramatik und den Kriminalfall stets mit Schauwerten, so als hätte eine zurückhaltende Herangehensweise nicht genügend Potential, um einen Kinofilm zu stemmen. Da bekommen wir Richtung Finale eine unnötige und arg lang gezogene Actionsequenz zu sichten, in welcher ein Zug von einem anderen verfolgt wird, Freud hat sich mit Witz und Raffinesse gegen Judenfeindlichkeit zu wehren, exotische Mentalitäten werden voll von Vorurteilen für geheimnisvolle Ereignisse genutzt, kurzum verfällt "The Seven-Per-Cent Solution" (Originaltitel) immer wieder der Versuchung dümmlichen Reißern nachzugehen, welche der Erzählung sowohl vom Unterhaltungsapekt her schaden, so plump wie sie eingebracht werden, als auch der Cleverness an anderer Stelle. Es ist sehr schade um solch nette Ideen, wie der Moriarty-Situation, hinter der was ganz anderes steckt, als man von den Ur-Geschichten und vielem was danach kam zu wissen glaubte. Aufgrund mangelndem psychologischem Verständnis werden aber auch stets derartig gute Ideen zu wackelig angegangen. Das zeigt sich auch in jener reizvollen, in welcher Holmes seine Ermittlungen angeht, während er längst noch nicht von seiner Sucht geheilt ist. Was hätte man alles aus diesem Schwebezustand ernten können? "Kein Koks für Sherlock Holmes" ist für das Massenpublikum konzipiert und schert sich nicht um wahre Intelligenz, täuscht sie ebenso vor wie seine Tiefgründigkeit und seinen augenzwinkernden doppelten Boden und fällt damit leider zu gewöhnlich aus, um jemanden begeistern zu können, der mit eingeschalteten Gehirn zusieht.  OFDb

09.08.2020

A SERIOUS MAN (2009)

Das Leben ist nur eine Momentaufnahme. Es gibt keinen Schluss aller Ereignisse, Entwicklungen folgen weitere, fortschrittliche, wie rückläufige. Es klingt gut, wenn ein Film derartiges berücksichtigt, und die Coen Brüder bauen in ihrem Werk "A Serious Man" sehr bewusst darauf. Dennoch ist es genau diese Herangehensweise, die dieses Werk auf mich eher unbefriedigend wirken lässt. Der mehr Dramen- als Komödien-orientierte Film, was bereits einen Unterschied im Schaffen der beiden Regisseure und Autoren im Vergleich zu ihren anderweitigen Arbeiten ausmacht, bezaubert zunächst in seinem Mix aus subtiler Komik und bitterbösem Umgang mit dem Schicksal seines charmanten und ahnungslosen Protagonisten. Es werden uns schrullige Personen im Leben der Hauptfigur präsentiert, nebensächliche, wie hauptsächliche, penetrante, wie oberflächliche. Das ist alles typisch Coen und bündelt eine ungeheure Sympathie, die für sich allein ohne nennenswerte Geschichte bereits ausreicht um zu beeindrucken und zu unterhalten. Aber je mehr der Film voranschreitet, umso mehr Figuren werden bedeutungslos und nicht mehr benötigt. Ein Haupttrumpf geht flöten. 

Nicht zu Ende Erzähltes bleibt nicht angenehm nachdenkenswert in der Luft schweben, sondern hinterlässt eine unangenehme Lücke. Das zuvor Präsentierte wirkt willkürlich, auch weil die mangels einer wahren Geschichte im Zentrum stehende Charakterentwicklung der Hauptfigur nicht intensiv genug ausgeprägt ist, kaum nennenswerte Veränderungen herbei führt und die sich anbahnenden Veränderungen für die Zukunft abrupt abgebrochen werden, wenn man völlig unerwartet gnadenlos aus dem Film, und somit aus dem Leben der zu beobachteten Familie, herausgeschmissen wird. Wie erwähnt, ich weiß das ist so gemeint in einem Werk, welches trotz satirisch überzogener Sonderlinge zur Humorförderung die Realität des Lebens intensiv nahe bringen möchte. In all den Bereichen der erzählerischen Reduzierung und mangelnden Konsequenz vereint, will das meiner Meinung nach aber nicht so intensiv funktionieren, wie sich die erste Filmhälfte zuvor noch schaut. 

In der zweiten wächst allmählich das Bewusstsein, dass sich die Geschehnisse im Nichts verlaufen. Intensiv mitempfindbare Wendungen entpuppen sich stets nur als Phantasien im Schlaf, das Leben ist nicht so wandelbar, wie sie es sind. Und so schön es auch ist mit anzusehen, dass es gerade die alltäglichen Nichtigkeiten sind, die große Probleme wieder fast ungeschehen machen können, es bleibt ein Gefühl erzählerischer Leere zurück, trotz intensiver Analyse des Lebens unseres Anti-Helden und trotz der durchdachten Vertiefung eines jeglichen Randcharakters. Wir sprechen trotz dieser Defizite noch immer von einem unterhaltsamen Werk, denn für ein Scheitern ist "A Serious Man" zu liebevoll ausgefallen, zu mühevoll umgesetzt und die Geschehnisse zu interessant dargeboten. Die professionelle Herangehensweise aller Beteiligten vor, wie hinter der Kamera ist stets unübersehbar spürbar. Zur ersten Hälfte hin dachte ich jedoch noch eine außergewöhnliche Empfehlung zu sichten, während der Streifen zur zweiten Hälfte hin ein etwas zu ernüchterndes Produkt wurde, das unter den theoretischen Stärken, der individuellen Inszenierung und der mutigen Entscheidungen eher leidet, anstatt daran zu wachsen.  OFDb

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

19.03.2016

LAKE PLACID (1999)

Steve Miner, ich mag seine Filme, gerade jene aus dem Horror-Bereich. Deswegen wollte ich nach vielen Jahren der Vernachlässigung noch einmal den semi-bekannten „Lake Placid“ sichten, der ebenso wie Miners „House“ das Genre humoristisch nutzt. Interessanter Weise ist dem guten Mann das theoretische Hauptaugenmerk, das Krokodil, ziemlich egal. Hauptsächlich geht es in dem Streifen um die Wortgefechte innerhalb der aus unterschiedlichsten Menschen zusammengewürfelten Gruppe, und glücklicher Weise sind auch genau sie der Motor der den Film zum Laufen bringt. Die Kabbeleien untereinander sind sympathischer Natur. Wer keift wird nicht zum Nervfaktor des Zuschauers wie in anderen Filmen. Und mögen die meisten Figuren auch egoistisch gezeichnet sein, so wachsen sie einem doch alle ans Herz, auch wenn mit keinem von ihnen eine intensive Charakterstudie durchgeführt wird.

Humor hin oder her, Miner hat von Spielberg scheinbar etwas gelernt, denn er lässt uns das Krokodil nur sehr selten sehen, und wenn ist es auch schnell wieder verschwunden. Damit kann man zwar auch über technische Schwächen hinweg täuschen, für sein Erscheinungsjahr ist das Krokodil jedoch glaubwürdig animiert, so dass der Grund der raren Erscheinung entweder in der Kostenfrage zu suchen ist, oder das spärliche Einsetzen des Aggressors atmosphärisch gewollt war, um Szenen möglichst effektiv einfangen zu können und im Zuschauer eine Erwartungshaltung aufzubauen. Was auch immer tatsächlich der Grund war: die Krokoszenen sind geglückt, in ihrer Population gut über den Film verteilt ohne all zu lange Durststrecken vom ungeduldigen Part der Zuschauer abzuverlangen, und sie lassen der Gruppe Menschen in ihren Pausen genügend Raum sich entfalten zu können.

Dabei wird der Schlagabtausch untereinander nie zur Königsübung der Komödienkunst. Man verlässt sich einfach darauf dass die Figuren auf den Zuschauer zu wirken wissen, und bei jenem Teil bei dem das der Fall ist ist dies für das Endergebnis auch die halbe Miete. Wer keine Freude mit den Charakteren hat wird sicherlich auch dem kompletten Film wenig abgewinnen können, folgt die Geschichte doch bis auf wenige Ausnahmen eher überraschungsarm dem typischen Verlauf einer solchen Geschichte, inklusive der obligatorischen Love Story, die sich mit der Zeit langsam aufbaut.

Wer einzig auf Kroko-Action steht, dem werden nicht nur die Auftritte des Reptils zu selten sein und zu harmlos erscheinen, der wird auch mit dem Finale nicht viel anfangen können, das darauf verzichtet noch einmal für einen letzten Paukenschlag auszuholen, wenn alles zu Ende erzählt scheint. Bei „Lake Placid - Der Schrecken aus der Tiefe“ (Alternativtitel) ist mit der Gefangennahme des Krokodils die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt, und das ist in diesem Falle auch gut so, da diese Entscheidung konsequent zu nennen ist. Ein unnötiges, aber sympathisches Schlussgeplänkel zwischen den Liebenden gibt es noch kurz zu erleben, und dann folgt auch schon der Abspann, der ein Schlussbild präsentiert, welches manchen sicher staunen und/oder schmunzeln lässt.

„Lake Placid“ spielt nicht in der ersten Liga der gelungenen Reptilien-Horrorfilme mit. Da gefallen mir Werke wie „Black Water“, „Der Horror-Alligator“ und „Rogue - Im falschen Revier“ doch wesentlich besser. Aber einen Blick kann man durchaus riskieren, wenn man mit humoristisch untermalten Horrorbeiträgen etwas anfangen kann. Sympathische Darsteller bereiten in einem Nichts an Story genügend Freude um das Ende des Streifens nett unterhalten zu erreichen. Und auch die gelungene deutsche Synchronisation hilft dabei.  OFDb

16.11.2014

ZWEI VOM ALTEN SCHLAG (2013)

Machen wir uns nichts vor. Ohne die legendären Boxerfilme „Wie ein wilder Stier“ und „Rocky“ würde „Zwei vom alten Schlag“ nicht existieren. Und würde wer anders die Hauptrollen spielen als Robert DeNiro und Sylvester Stallone, die Originalbesetzungen beider Filme, würden sich nur die wenigsten für einen Film über zwei verfeindete Boxlegenden, die viel zu alt noch einmal gemeinsam in den Ring steigen, interessieren. Ernst umgesetzt würde man nur den Trash-Fan hinter den Ofen hervor locken, von daher war es gut, dass man erkannte, dass ein solches Projekt als Komödie umgesetzt werden muss. Und so sehr das Projekt auch jegliche Innovationen ausblendet, so sehr muss man doch trotzdem sagen: gelungen.

Letztendlich weiß „Grudge Match“ (Original) nur aufgrund der guten Leistungen seiner Stars und der Chemie zwischen den beiden zu gefallen. Stallone spiel was er immer spielt, weiß dabei aber neben den schauspielerisch stärkeren DeNiro zu bestehen, der eine herrlich infantile Rolle beschert bekommen hat und in dieser Unreife eine großartige Performance abliefert, locker aus der Hüfte gespielt, ohne sich groß abmühen zu müssen. Profi halt! Das Gekabbel zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu belustigen. Beide Charaktere sind interessant vertieft, ihr Zwist weiß einige kleine Überraschungen inmitten einer vorhersehbaren Handlung zu offenbaren, und der kleine Schuss Dramatik, der zu jeder gefühlsechten Komödie dazugehört, ist auch nicht von schlechten Eltern.

Glücklicher Weise setzt man bei „Zwei vom alten Schlag“ nicht auf die Klamaukebene. Der Humor kommt herzlich daher, der Film ist trotz des Zwists im Mittelpunkt friedfertig ausgelegt, und am Ende ist alles freilich arg heile Welt. Aber vom Feeling her soll Nostalgie umher wehen, wenn auch nicht so stark wie im überraschend geglückten „Rocky 6“. Genau wie dort soll es auch ums Alter gehen. Um den Sinn im Alter, um verpasste Chancen und ganz besonders um Fehlentscheidungen, von denen nicht jede wieder gerade zu biegen ist. Es geht ums Zwischenmenschliche, um Annäherung sich fremder Charaktere und um Geld in einer Welt, in der du an Altersarmut leiden kannst, obwohl Du eine Legende bist. Wirklich gesellschaftskritisch kommt Peter Segals Werk diesbezüglich jedoch nicht daher.

Der hat mit „Tommy Boy“, „Die nackte Kanone 33 1/3“ und diversen Adam Sandler-Filmen sonst einen ganz anderen Ton drauf. Da darf man schon erleichtert sein mit „Zwei vom alten Schlag“ eine so liebevolle Komödie sichten zu dürfen, mit in Würde gealterten Stars (diesbezüglich sei mal Kim Basinger hervorgehoben) und einem Respekt vor dem Alter, selbst dann wenn absichtlich die Trainingsszenen ins Lächerliche abrutschen. Zu den beiden legendären Boxfilmen, aus denen man sich die Stars entlieh, gibt es freilich auch die ein oder andere Anspielung, am deutlichsten wohl jene die in einem Schlachthaus stattfindet. Und so kann man sagen, dass man so köstlich wie innovationsfrei mit hier besprochenem Film unterhalten wird. „Zwei vom alten Schlag“ ist leichte Kost in gemütlichem Tempo, und da fern jeglichem Holzhammers präsentiert ein wohltuender, ur-sympathischer und treffsicherer Film, den ich mir mit Sicherheit noch des öfteren ansehen werde.  OFDb

02.06.2013

DIE MUPPETS (2011)

Kermit versucht zusammen mit einem Fan die geschlossenen Muppet Studios vor ihrer Zerstörung zu retten, indem er die alte Truppe zu einer erneuten Show zusammen trommelt...
 
Muppet Movie 3.0 ...
 
Jeder kennt die Muppets, ob jung, ob alt. Fast jeder erzählt welche Puppe er am lustigsten findet und wie toll das alles war was er da mal gesehen hat, aber zuschauen wollte scheinbar keiner mehr, wurde doch beispielsweise die „Muppet Show“ auf DVD aus mir unbekannten Gründen bereits nach drei Staffeln eingestellt, obwohl es zuvor hieß alle Staffeln würden binnen eines Jahres erscheinen. Die Muppets führen ein Rest-Prominenzleben im US-TV mit gelegentlichen Filmen und Festtags-Specials, und bereits in den 90er Jahren wurde der Versuch ihnen mit „Muppets Tonight“ wieder ein regelmäßiges Forum zu geben, von Zuschauerfüßen getreten. Keiner interessierte sich für ihre Rückkehr, da konnte auch moderne Prominenz nichts dran ändern. Die Liebe zu den Muppets war eine rein theoretische, eine nostalgische.

„Die Muppets“ setzt bewusst auf diesem Todpunkt an, weiß wie verloren sein Patient ist und weiß dass die aktiven Fans zur Minderheit gehören. Von daher ist der Gedanke 12 Jahre nach „Muppets aus dem All“ mal wieder einen Kinofilm zu drehen aus finanzieller Sicht trotz der Berühmtheit dieses Franchising  recht gewagt. Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Mitproduzent Jason Segel hat es dennoch gewagt, anscheinend war es ihm eine Herzensangelegenheit die Muppets aus der Versenkung heraus zu holen und dies scheinbar mit Erfolg, las ich doch erst kürzlich dass mittlerweile eine Fortsetzung geplant ist. Ob dieser halbwegs erzielte Erfolg gerechtfertigt ist, sei einmal angefochten. Ich wurde zumindest bereits vor der Sichtung vorsichtig, als ich las dass Ur-Puppenspieler Frank Oz für das Projekt nicht zu begeistern war. Beim Reanimationsversuch mit „Muppets Tonight“ und Henson-Sohn Brian war er noch motiviert dabei.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Geschichte nicht viel her gibt. „Die Muppets“ soll eine Verbeugung vor dem Original sein, da mag man es als passend ansehen können dass Kermit versucht die Truppe für eine Show zusammen zu trommeln. Wenn man jedoch nicht nur im modernen Kino unterwegs ist, sondern auch ältere Werke schaut, dann hat man mit „Muppet Movie“ und „Die Muppets erobern Manhattan“ bereits zwei mal eine nahezu ähnliche Geschichte gesichtet, eine solche die schon beim ersten Mal nicht das Gelbe vom Ei war.

Als Verbeugung vor dem Original mag das in der Theorie noch funktionieren, aber „Die Muppets“ sollte mehr als das sein. Man wollte die Muppets auch ins angekommene Jahrhundert katapultieren, freilich nicht mit zu viel Gewalt, die Seele der alten Projekte sollte beibehalten werden, doch das hat nicht wirklich geklappt. Zwar kann der Film tatsächlich mit anderen Muppets-Filmen mithalten, doch waren die nie das Herz des ganzen. „Die Muppet Show“ war der Zuschauermagnet. Und die war im Gegensatz zu den Filmen recht anarchistisch aufgebaut, trotz Feinsinn für Kunst laut und provokativ für seine Zeit. Die Filme waren schon immer viel zu brav, und der neue „Die Muppets“ ist dies auch.

Brav Ende der 70er Jahre, als mit „Muppet Movie“ der erste Langfilm der Puppen in den Kinos lief, war noch etwas anderes als brav zu Zeiten der Political Correctness. An den Muppets ist nichts mehr frech. Und die Prominenz grinst nur noch lieb und zahm vor sich hin, sicherlich mit glaubhafter Liebe zum Projekt, das Urgeschehen jedoch nie verstanden habend. Einzig Jack Black ab seinem zweiten Auftritt versprüht alten Gäste-Charme und kann damit Pluspunkte sammeln, der Rest ist akzeptables aber müdes Recycling, das so in der Art nicht hätte aussehen müssen.

Was soll man z.B. davon halten, dass ein Film, in welchem die Muppets im Zentrum stehen sollen, Musicalnummern beinhaltet, in welchen die berühmten Puppen zu Statisten degradiert werden? In seiner schlimmsten Szene tanzt ein Haufen Menschen fröhlich grinsend in braver Choreographie auf der Straße, und damit das ganze noch was mit den Muppets zu tun hat, lässt man ein paar Puppen nach einiger Zeit im Vordergrund mittanzen. Das ist peinlich, ärgerlich, unnötig und eine Beleidigung an die Mühe früherer Projekte.

Die Geschichte dümpelt ansonsten seicht vor sich hin, bietet eine sympathische Ausgangslage, zu viel selbstverliebten Gesang und gelegentlich manch netten Gag. Aber so recht zünden will da lange Zeit nichts. Nichts - bis zu jenem Zeitpunkt wenn die Muppet Show innerhalb des Kinofilms startet. Hier kommt nun der nötige Gehalt greifbarer Nostalgie auf, man lächelt über simpelste Dinge und hat Spaß dem munteren Treiben zuzuschauen. Und in dem Moment wurde es mir wieder bewusst: das Kino ist der falsche Ort zur Reanimation. Wenn diese Szenen in „Die Muppets“ etwas beweisen, dann dass es einer neuen „Muppet Show“ bedarf und nicht eines neuen Filmes mit den Filzköpfen.

Warum „Muppets Tonight“ in den 90er Jahren scheiterte ist mir ein Rätsel. Abgesehen von der ersten Folge, die alles andere als gut war, war es ein mutiger und meiner Meinung nach geglückter Versuch die Muppets zurück ins Fernsehen zu holen. Man modernisierte an den richtigen Ecken, vernachlässigte zugegebener maßen etwas zu sehr den künstlerischen Rahmen, hievte dafür aber den Anarcho-Charme der alten Zeit hervor, passte sie der Neuzeit an, was im Ergebnis um so lauter, schriller und schneller wurde, so wie die Erfolge „Die Simpsons“ und später „Futurama“, „Family Guy“ und Co.

Die braven Sequenzen aus „Die Muppets“ zeigen, dass eine Show auch auf die harmlosere Art zu wirken wüsste, badend in der Political Correctness, die heute leider, spätestens angekommen in den Disney Studios, nicht mehr zu verhindern wäre. Wenn schon kein radikal-freudiges Hoch wie „Muppets Tonight“, dann doch bitte eine „Muppet Show“ wie wir sie für einige Augenblicke im hier besprochenen Kinofilm sichten durften. Dies wäre die Heimat der Muppets. Hier wären sie gut aufgehoben, und hier würden selbstverliebt grinsende Stars auch nur bedingt unangenehm auffallen.

Im Kino, gestreckt mit einer künstlichen Geschichte auf Spielfilmlänge, kann der Charme der Puppencharaktere nicht richtig greifen. Kermit mag Zugpferd sein und das Herz der Muppets, aber er im Mittelpunkt ist einfach nicht der Zuschauermagnet. Und jede andere Puppe kommt zu kurz, zumal nur die heute noch bekannte Muppet-Prominenz in den Mittelpunkt rückt und schräge unbekannte Figuren gar keinen Rahmen mehr zum wirken erhalten. Außerdem fehlen die ausgeflippten Momente eines „Schweine im Weltraum“, und auch die bloße Anwesenheit des Professors mit Beaker oder des Chefkochs allein lassen noch nicht jenen Wahnsinn entstehen, der erst dann aufkommt, wenn man ihnen auch einen kompletten Sketch gewährt.

„Die Muppets“ ist gut gemeint, aber leider zu theoretisch und typisch Muppet-Film zu brav ausgefallen. Da hätte man sich in Sachen Frechheit besser am großartigen „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ orientieren sollen, der einzige Muppet-Film der genügend Pfiff besaß den Humor der Serie auf die große Leinwand zu transferieren. Etwas weniger Ehrfurcht und etwas mehr Mut hätte „Die Muppets“ gut gestanden. Zumindest verstehe ich jetzt warum Frank Oz sich abgewendet hat, auch wenn sich oberflächlich alles so wie gehabt anfühlt. Nur der Kenner erkennt auch die fehlenden Ecken und Kanten. Glattgehobelte Muppets wissen in diesem Format einfach nicht zu funktionieren. Mit Längen versehen ist der Film aber immerhin guckbar, wenn auch nicht sehr unterhaltsam.  OFDb