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28.03.2020

BATMANS RÜCKKEHR (1992)

War der 1989er "Batman" in Sachen Dekoration und Kostüm noch ein wenig bescheiden ausgefallen, zeigt sich die finanzgestärkte Fortsetzung wesentlich pompöser, woraus auch direkt der Auftakt kein Geheimnis macht, wenn er zu bedeutungsschwangerer Musik das Kindheitsschicksal Pinguins thematisiert, in welchem er geradezu theatralisch vom Schicksal gelenkt in sein neues zu Hause abgetrieben wird. Was dem folgt ist ein imposant abgefilmter, meist in Düsternis gehaltener, zu Fleisch gewordener Comic. Die Alternativwelt Gotham City ist zum Augenschmaus geworden, selbst der Alltag wirkt stets ein wenig bizarr und suggeriert uns somit auch in der Normalität eine Comicwelt. Die inmitten dieser agierenden, wunderlichen Gestalten, sind für die Bürger längst zur Normalität geworden. Sollte Joel Schumacher, sich der 60er Jahre "Batman"-Serie nähernd, in seinem zweiten Streich "Batman und Robin" das Herumgekasper der bunten Gesellen zu einer Art niveauloser Travestie verkommen lassen, bietet Burton in seinem zweiten Film der Reihe eine Freakshow der Fetisch-Gesellen, stilvoll genug eingefangen, um sie nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, skurril genug dargeboten, um sie als Comicfiguren wahrzunehmen, anstatt lediglich als alternative Gesellschaft.

Catwoman darf die Peitsche schwingen, Batman ihr gegenüber immer ein wenig devot wirken, während der Pinguin der hemmungslose, unterfickte Lüstling ohne Scham und Würde geworden ist. Danny DeVito geht voll auf in dieser klassischen, wie individuellen Schurkenrolle, die keinerlei subtile Graustufen besitzt. Und dass die Geschichte um diese drei Freaks, sowie um Politverbrecher Schreck herum als nicht so banal auffällt, wie sie eigentlich ausgefallen ist, verdanken wir zum einen den Schauwerten, welche Burton seinem Werk immer wieder beschert, in ruhigen wie in lauten Momenten, sowie dem grotesken Touch, in welchem die Hauptfiguren getunkt sind. Sie sind sich ihrer realitätsfernen Art bewusster, als der Normalbürger, der ihr Auftauchen und den Einfluss auf die Sicherheit der Stadt, wenn auch oftmals unter Angst, schlichtweg akzeptiert. Auffällig ist zudem Burtons Verwendung von Farbe und Dunkelheit, setzt er doch die Bedrohung knallbunter Farben und Elemente aus, wohingegen die beschützenden und wohlfühlenden Faktoren des Streifens die Dunkelheit verkörpern. Burton lebt seine Andersartigkeit und seinen Blick auf die Gesellschaft hier kreativ losgelöst schonungslos aus, eher analytisch, ohne sie inhaltlich zum Zentrum der Geschichte zu machen, wie beispielsweise in "Edward mit den Scherenhänden" geschehen.

Mag sich "Batmans Rückkehr" in der maskierten Fetischwelt alternativer Kulturen auch manches Mal ein wenig zu gewollt bizarr anfühlen, Burtons zweiter Schlag der Reihe weiß ebenso wie der Vorgänger zu funktionieren. Die gute Besetzung, die u.a. mit Christopher Walken und einer sehr sexy dargebotenen Michelle Pfeiffer trumpfen kann, sorgt für den Reststolz einer jeden Figur, so dass ihr Auftreten nie zu plump gerät. Und der Budenzauber Burtons um diese herum weiß wahrlich zu beeindrucken. Ob es eine Vielzahl an ferngesteuerten Kampf-Pinguinen im Finale sind, die wesentlich besser ausgefallenen Momente des Batmobils, dunkle Orte, schrille Masken und Kostüme, sich stets dunkel anfühlende, wechselnde Tageszeiten, Pinguins knallbuntes Entengefährt oder seine einfallsreichen Schirme unterschiedlicher Funktionen, dem Auge wird es nie müde der Freakshow beizuwohnen, die kaum noch Kriminalfall ist und in der jeder nur noch mit sich selbst und seiner Filterblase, in der er lebt, beschäftigt zu sein scheint, während die Normalität um sie herum zur Nebensache verkommt. Ob eine derartige Auslegung der lieb gewonnenen Figuren aus den Comics dem Leser dieser zu schmecken weiß, weiß ich nicht, aber das Beibehalten einer Restmystik einer jeglichen Figur sorgt im Zusammenspiel mit dem meist stilsicherem Agieren der Stars dafür, dass sich das alles nie zu würdelos anschaut. Deswegen ist man Burton auch nie wirklich bös, so verspielt wie er mit der ganzen Chose jongliert, und deswegen geht das gewagte Vorhaben, im Gegensatz zu Schumachers zweitem Streich, auch als charmant durch und somit als geglückt.  OFDb

17.04.2014

DER LORAX (2012)

Ich kann es nicht verneinen: Das Charakterdesign der Figuren ist etwas arg rundlich und zu friedfertig ausgefallen, Lieder kommen arg poppig daher, und die getroffene Aussage wird dem Zuschauer recht penetrant aufs Auge gedrückt. Das faszinierende an „Der Lorax“ ist jedoch, dass er trotz alledem immer noch die Kurve kriegt. Die Figuren selbst wissen durch ihren Charakter zu gefallen, so dass das äußere Design trotz ähnlicher Umsetzung nicht so bitter daher kommt wie beispielsweise in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, in welchem vor lauter Liebartigkeit keine Sympathiemöglichkeit für die Figuren möglich war. Der hippe Sound entwickelt sich bei wirklich jedem gesungenen Hit zu einem angenehmen Kinderlied, mit dessem passablem Ergebnis man zu Beginn eines jeden Songs nie gerechnet hätte. Und die wichtige und noble Herzensangelegenheit, welche die Autoren dazu veranlasste die Botschaft des Streifens etwas penetrant aufs Auge zu drücken, verleiht dem Film eine Ehrlichkeit diesbezüglich, die den meisten Trickfilmen mit aufgedrückter sozialer Botschaft sonst üblicher Weise fehlt.

Solch ein Empfinden ist immer subjektiver Natur, dessen bin ich mir bewusst, aber „Der Lorax“ erscheint mir persönlich um einiges besser erzählt als der verlogene „Robots“, der auf zu modern gewollte „Die Rotkäppchenverschwörung“, der zu glattpolierte „Planet 51“ oder der viel zu einfallslose „Hotel Transsilvanien“. „Der Lorax“ basiert auf einem Kinderbuch. Das sollte man vorher wissen, um nicht all zu erstaunt zu sein, dass er nicht, wie sonst Genre-typisch, zu frech ausgefallen ist. Das brave Ergebnis wird sicherlich manch einem vor den Kopf stoßen. Und auch mir fehlt im Gesamtergebnis der letzte Charme, das letzte gewisse Etwas, um ihn auf eine Stufe mit dem ebenfalls auf einem Kinderbuch basierenden „Horton hört ein Hu“ zu hieven. Nett unterhalten wird man mit „Der Lorax“ aber definitiv.

Witzige Figuren wie der Lorax oder die Großmutter lockern das Grundszenario mit seinem ernsten Anliegen auf, ohne aus einer lehrreichen Geschichte mit sozialem Hintergrund eine Gag-Party a la „Shrek“ zu zaubern. So schön der ist, es würde hier nicht passen. Die Plastikstadt ist mit viel Phantasie umgesetzt und setzt an gerechtfertigten Kritikpunkten unserer modernen Wohlstandsgesellschaft an, Punkte die für in einer solchen Gesellschaft aufwachsenden Kinder Selbstverständlichkeiten sind, die für solch junge Gemüter erst einmal als Fehler erkannt werden müssen, weshalb ein Film wie „Der Lorax“ für sie auch ein sehr wichtiges Produkt ist. Und Dank der Erzählung mittels Rückblick, inklusive Pausen, entsteht auch ein Spannungsbogen innerhalb der Geschichte, ein zweigleisiger sogar, will man doch wissen warum es keine Bäume mehr gibt, während es zusätzlich für den Jungen mit jedem Besuch des alten Mannes außerhalb der Stadt schwieriger wird aus dieser zu entkommen.

Die Waldbewohner sind mit einem Augenzwinkern auf arg niedlich getrimmt, die Bäume wirken phantasievoll und sind auf ihrer entfremdeten Art sicherlich so aus dem Kinderbuch übernommen, der Bösewicht erinnert durch seine Größe ein wenig an den Gegenspieler aus dem ersten „Shrek"-Film, weiß aber trotzdem zu gefallen (sehr sogar), und der Lorax kommt überraschend wenig vor und bildet dennoch so eine Art Zentrum für die Geschichte.

Wenn er am Ende des Filmes endlich wieder auftaucht mischen sich Kitsch und auf den Zuschauer übertragbare Gefühle zu einem ungewöhnlichen Mix. Schlussendlich gibt man diesen Gefühlen jedoch gerne nach, da es sich ohnehin um eine versimpelte Kindergeschichte handelt. Also, die Verantwortlichen von „Der Lorax“ machen sicherlich nicht alles richtig, aber ein netter, kleiner Film ist ihnen durchaus geglückt. Zwar ist das Zielpublikum auf Kinder anvisiert, was aber nicht bedeutet, dass Erwachsene, die keine Party a la „Ice Age“ erwarten, nicht auch angenehm unterhalten werden können.  OFDb

17.08.2012

TÖTET SMOOCHY (2002)

Rainbow Randolf, ein Star des Kinderfernsehens, verliert wegen Korruption seinen Job beim TV. Um den Ruf des Senders wieder herzustellen, übernimmt der skandalfreie Idealist Sheldon dessen Sendeplatz als Smoochy das Nashorn. Der hat bald mehr Feinde als ihm lieb ist, da er nicht die üblichen Werbeverträge abschließen will...

Hinter der bunten Kinderindustrie...
 
Danny DeVito ist spätestens seit dem grandiosen “Der Rosenkrieg” für seine schwarzen Komödien bekannt. Und auch wenn er ab und an daneben haut, wie beispielsweise in der Ben Stiller-Komödie “Der Appartement-Schreck”, so sind die Ergebnisse seiner Arbeit in der Regel jedoch stimmig umgesetzt. Untergegangen ist 2002 sein Werk “Tötet Smoochy”, was sicherlich nicht an der Qualität des Filmes liegt, sondern vermutlich eher an seinem Thema. Der Film um das Nashorn aus dem Kinder-TV wurde ähnlich klein gehalten wie “Idiocracy”, naiv wer da bloßen Zufall vermutet.

Wie auch immer, “Tötet Smoochy” zeigt uns die kunterbunte Welt der TV-Shows für Kinder a la “Teletubbies” und “Barney And Friends”. Dabei parodiert er nicht nur das quietschbunte Geistlose dieser Sendungen, sondern zeigt uns auch die dunklen Abgründe hinter solchen Produktionen, so z.B. die Machenschaften der Mafia, die sich mit billigen Kinderprodukten und ungesunden Lebensmitteln befasst. So übertrieben und überdreht der Film auch umgesetzt ist, dass hier ein wahrer Hintergrund gezeigt wird und dass dem Film das Thema ernst ist, ist deutlich zu erkennen.

Dabei steht dieser Aspekt nicht einmal im Vordergrund. “Tötet Smoochy” ist zwar Satire, ist aber als kunterbunte Komödie getarnt, und da spielen im Vordergrund gut aufgelegte Stars, die, was die zwei Hauptfiguren angeht, auch gleich gegen ihr Image anspielen können. Edward Norton spielt den naiven Softi statt seiner harten Rollen aus “American History X” und “Fight Club”, und Robin Williams war zur Entstehungszeit ohnehin frisch auf böse Rollen abonniert und spielt den Filmbösewicht so abgedreht, als wäre er ein Looney Tune.

Dass alles zu einem Happy End kommt und mancher Schurke zum Guten bekehrt wird, wird dank der locker flockigen Inszenierung nie zu kitschig eingefangen, was wohl auch daran liegt, dass der Kitsch hier ebenso parodiert wird wie die Schattenseite von Sheldons Idealismus. Zwischen den Zeilen klingt immer wieder durch, dass auch er kurz vor einer geistigen Erkrankung steht und somit dem Bereich Genie und Wahnsinn ein neues Gesicht verleiht. Schön auch, dass es DeVito schafft gegen Ende für kurze Augenblicke aufzuzeigen, dass einem auch die Schurken sympathisch werden können, wenn sie sich genervt von Sheldons verblödendem Programm einer Eisrevue abwenden, das neben kunterbunter Farben und lobenswerter Botschaften einen Kunstaspekt heuchelt und sich damit trotz aller Bemühungen des Gegenteils doch als Schund-Projekt outet.
 
DeVito beleuchtet in diesem Unterhaltungsfilm mit ernstem Hintergrund also so ziemlich jede Negativ-Seite der Geschäfte um das Kinderprogramm, schafft es aber dabei seine eigentliche Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren und selbst klischeehafte Handlungsabläufe, wie die integrierte Liebesgeschichte, nicht all zu sauer aufstoßen zu lassen.

Der Film strotzt nur so vor guten Ideen, bösartigen Seitenhieben und jeder Menge guter Laune vor und hinter der Kamera. Er weiß immer etwas zu erzählen, verteilt seine Schläge in alle Richtungen, wird auch gerne mal vulgär und behält doch immer seinen Stil. “Tötet Smoochy” ist ein kleiner Geheim-Tipp der nur deshalb nicht so abgrundtief bösartig wie “Der Rosenkrieg” wirkt, weil er in einer kunterbunten Welt spielt, deren Schattenseiten uns wie ein Kinostoff vorkommt. Trotz aller Übertreibungen kann man sich mit dem Scheidungsfilm eher identifizieren als mit Smoochys Problemen. Gerade deswegen ist der kleine aufklärerische Kern des Streifens aber um so wichtiger für eine Gesellschaft, die nur sieht was sie sehen will.  OFDb