"Frankenstein" und "Dracula" liefen bereits, da kam in der frühen Phase des Tonfilms auch eine freie Interpretation von Poes "Mord in der Rue Morgue" (Alternativtitel) in die Lichtspielhäuser und präsentierte erneut Bela Lugosi in der Rolle des Schurken. Der überzeugt wieder einmal herzlich wenig, verliert sich in jener Theatralik, die auch den halben Film umweht, während der Rest des Streifens einen unpassenden humoristischen Touch beschert bekam, was wohl den grotesken Gehalt der Geschichte unterstützen sollte. Was in der Kurzgeschichte Poes Auslöser ist, landet in Robert Floreys Inszenierung im Finale, was die Dramaturgie des Stoffes nicht gerade verbessert. Simpel dümpelt "Murders in the Rue Morgue" (Originaltitel) Standardrezepturen abarbeitend vor sich hin, überzeugt weder mit dem Antrieb des irren Wissenschaftlers, noch mit einer Identifizierung mit den Protagonisten. Einzig der Affe wird relativ überzeugend eingesetzt, zumindest versucht man sich in den realen Tierszenen mit passenden Aufnahmen, dafür dass Mensch und Tier nur selten gemeinsam das Bild teilen, und die Kostümierung künstlicher Tierauftritte wird recht geschickt eingesetzt, gern aus der Ferne gefilmt. Dass hier ein Größenunterschied zu bemerken ist, wäre nur in einem besseren Werk relevant zu kritisieren. Für seine Zeit ist das anständig getrickst. Auch die Hintergründe, die künstlich eine Stadt präsentieren sollen, gehören zu den Pluspunkten, erinnern sie doch ein wenig an die expressionistische Herangehensweise manchem Stummfilms diesbezüglich. "Das Geheimnis des Dr. Mirakel" ist ein arg austauschbares Horrorfilmchen und bereits für seine Zeit zu banal erzählt. Man sieht ihm an, dass er für den Schnellverzehr gedreht wurde, um dem Publikum, heiß gemacht auf Horror, möglichst eilig eine neue Mahlzeit servieren zu können. "King Kong und die weiße Frau" kam anbei erst ein Jahr später heraus. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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23.07.2023
08.06.2018
DIE SCHRECKENSKAMMER DES DR. THOSTI (1956)
In "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti" treffen etliche namhafte Darsteller des Horror-Genres aufeinander. Mit von der Partie sind John Carradine, Basil Rathbone, Lon Chaney Jr. und Bela Lugosi. Letztgenannter hatte erst ein Jahr zuvor und lange Zeit nachdem Hollywood nichts mehr mit dem damaligen "Dracula"-Star zu tun haben wollte, mit dem berühmten Trash-Filmer Edward D. Wood, Jr. "Die Rache des Würgers" abgedreht, ein Film weit unter dem künstlerischen Niveau angesiedelt, als es für den ehemaligen Theater-Mimen üblich war, aber eine Chance für den mittlerweile drogensüchtigen Mann, der nur noch begrenzt fähig war zu agieren. Mit dem hier besprochenen Werk von Reginald Le Borg, hat er eine nur minimalst professionellere Produktion erwischt, letztendlich ist seine Rolle aber ohnehin eine der unbedeutendsten des Streifens und langweilig noch dazu. Dennoch wirkt die zurückhaltende Darbietung Lugosis hier einen Deut würdevoller als in seiner comicartigen Rolle in besagtem Trashfilm.
Auch John Carradine ist hier bereits in die Kategorie "unwichtige Nebenrollen" abgedriftet, so wie er dies auch später in "Überfall im Wandschrank" und etlichen weiteren Produktionen als Vieldreher geblieben ist. Le Borg arbeitete bereits in "The Mummy's Ghost", der dritten von insgesamt vier Fortsetzungen von Karloffs "Die Mumie", mit Carradine zusammen, seine Rolle ist in "Dr. Cadman's Secret" (Alternativtitel) jedoch viel zu klamaukig ausgefallen, als dass sie zu wirken wüsste. Wenn er an der Seite des ehemaligen Catchers Tor Johnson, der ebenfalls in einigen Edward D. Wood,Jr.-Filmen mitwirkte, die Revolution gegen seinen Peiniger auslöst, dann hat das eher etwas von den "Three Stooges", wie "Gremlins"-Regisseur Joe Dante in einem Trailer-Kommentar einst so schön sagte, als von einer gefährlichen Bande geistig Gestörter, die für gruseliges Unbehagen sorgen sollen.
Aber wie bereits erwähnt ist "The Black Sleep" (Originaltitel) ohnehin nicht weit vom Niveau eines Filmes des legendären Billigfilmers Edward D. Wood, Jr. entfernt. Mag es ihm auch an den völlig dilettantischen Fehlern des Schnellabfilmers mangeln, die Geschichte ist ebenso unsinnig ausgefallen wie dessen Werke, auch wenn sie bereits vier Jahre zuvor Elemente des qualitativ überdurchschnittlichen "Augen ohne Gesicht" vorwegnimmt. Auch hier begeht ein Wissenschaftler Verbrechen an der Menschheit um per Operation einen liebgewonnenen Menschen zu retten. Le Borgs Film kommt jedoch weit naiver und unsinniger daher. Ihm ist keinesfalls ein ernstzunehmender, vergleichbarer Horrorbeitrag gelungen, aber ein unterhaltsamer durchaus. Nah orientiert an den weit uninspirierter umgesetzten Jess Franco-Filmen ähnlicher Thematik, gelingt es Le Borg im Gegensatz zu diesen das an sich bereits bekannte, da übliche Treiben dieser Art Film nicht einmal in die Nähe eines Langeweilegefühls zu bringen. Dies verhindert die flotte, wie charmante Umsetzung des Streifens, die trotz häufiger Dialoge den Film nicht mittels dieser in die Länge zieht, sondern im Gegenteil aufgrund dieser und dem richtigen Mix zusätzlicher Geschehnisse weiß Interesse für die eigentlich dünne Story zu wecken.
Während sich die Innenaufnahmen als Pappmaschee-Steinwände in schlichter Optik entpuppen und die Außenaufnahmen des Schlosses ihre Künstlichkeit zu keinem Zeitpunkt verbergen können, sind es im Gegenzug die wichtigsten Darsteller, welche die Leidenschaft Le Borgs zu diesem Projekt positiv zu unterstützen wissen. Während die meisten anderen eingekauften Stars aufgrund ihrer Unterforderung eher blass wirken, auch der recht ansehnlich minderbemittelt spielende Lon Chaney, Jr., den ich in "Der Wolfsmensch" als zu versteift empfand, spielt Basil Rathbone seine eigentlich völlig unsinnige Rolle derart respektabel, dass er damit einen guten Teil des Gesamtwerkes gestemmt bekommt. Aber auch Hauptakteur Herbert Rudley weiß seine schlichte Figur wirkungsreich genug zu verkörpern, ohne sich gleich ein Bein ausreißen zu müssen. Die interessanteste Nebenfigur ist schließlich der humorvoll angereicherte Odo, gespielt von Akim Tamiroff, die einzig wahre Konkurrenz Rathbones in diesem Grusler.
So ergibt sich am Ende ein Film, der sich letztendlich aufgrund seines Charmes und des Engagements der Crew vor und hinter der Kamera weit besser guckt, als er theoretisch ausgefallen ist. Erst gegen Ende kann die entstandene Sympathie nicht mehr gegen die dünnen Produktionsverhältnisse und gegen die Schwachpunkte der Geschichte ankämpfen, schaut sich der dominante Part der Ereignisse im Finale doch zu klamaukig ausgefallen und die eigentlich wichtigen Aspekte zu nebensächlich angegangen. Zu ereignislos wird auf die Schnelle ein Schluss gezaubert, der dem Restfilm nicht gerecht wird. Es ist schade, dass man sich nach der recht ordentlichen Vorbereitung auf die Finalereignisse nicht noch genügend Zeit genommen hat die Fäden etwas liebevoller zusammenzufügen. Der Schluss guckt sich weit mehr wie ein Ed Wood-Film, als der Reststreifen ohnehin schon. Aber selbst das zu hingeschluderte Ende ändert nichts am sympathischen Schundfilm-Feeling, welches "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti" über seine restliche Laufzeit zu versprühen weiß. OFDb
02.04.2018
DER WOLFSMENSCH (1941)
Im Bereich der Monsterfilme der Universalstudios, die mit "Dracula" eine Hororfilmwelle ausgelöst hatten und lange Zeit Marktführer dieser Gattung des phantastischen Films blieben, erblickte "Der Wolfsmensch" recht spät das Licht der Welt. Zwar entstand er immer noch 13 Jahre vor "Der Schrecken vom Amazonas", aber im Bereich der klassischen Ur-Monster, die das Horrorgenre in Buch- und Filmform schon immer beschäftigten, war er definitiv ein Nachzügler. "Frankenstein" hatte längst zwei Fortsetzungen beschert bekommen, "Dracula" mit "Draculas Tochter" fünf Jahre zuvor auch eine, und selbst die ebenfalls Anfang der 30er Jahre entstandenen "Die Mumie" und "Der Unsichtbare" bekamen ein Jahr vor dem Erscheinen des Werwolfs ihre ersten spät nachgerückten Fortsetzungen beschert. Sein Auftritt war somit längst fällig.
Doch so ganz will er sich der Qualität seiner meisten namhaften Vorgänger nicht anschließen, schaut er sich doch nicht so intensiv wie diese. Weder gelangt der tragische Aspekt an das Leiden des Monsters von Dr. Frankenstein heran, noch fasziniert der Wandel, den der Körper des Wolfsmenschen durchmacht, derart intensiv wie jener des wissenschaftlichen Experimentes des Unsichtbaren. Letztendlich schaut sich das Treiben im hier besprochenen Streifen ohnehin eher wie die Blaupausen-Fluch-Version eines "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", den das Konkurrenzstudio MGM längst zu Beginn besagter Horrorwelle auf die große Leinwand brachte. Dieser vermochte die Tragik einer bestehenden Leidenschaft zu dem Mann, der das Monster in sich birgt, wesentlich intensiver einzufangen, als es Waggner mit seinem Wolfsmenschen schaffte. Zu nebensächlich eingebracht scheint die Blondine an Chaneys Seite, zu wenig nahe gekommen sind sie sich für ein wahrhaft tragisches Verzweifeln.
Auch das Aussehen des Werwolfs kommt dem Streifen nicht zur Hilfe, gelingt es doch selbst heute kaum wen ein solches Wesen überzeugend per Maske oder Computereffekte darzustellen, und die recht ordentlich angegangenen Versuche der Maskenbildner des hier besprochenen Werkes können ebenfalls nicht überzeugen. Das frühe Erscheinungsjahr lässt einen jedoch über diese Unzulänglichkeit hinwegsehen, schaut sich "Der Wolfsmensch" doch längst ohnehin lediglich nostalgisch anstatt wahrhaftig gruselig. Und da die Geschichte routiniert gekonnt genug erzählt ist und die im Nebel gehaltenen überzeugenden Studiolandschaften, sowie das Schloss und der Friedhof atmosphärisch gekonnt dagegen halten, verfällt der Film nicht all zu sehr der unfreiwilligen Komik, unter welcher der zu blutarme "Dracula" mit Lugosi mit seinen Gummifledermäusen und dem Fehlen von Vampirzähnen litt, gerade im Vergleichsblick zum großartigen 9 Jahre zuvor entstandenen "Nosferatu".
Lugosi spielt auch in "The Wolf Man" (Originaltitel) mit, und das klingt nach einer guten Entscheidung, war es doch nicht er der den 30er Jahre Vampirfilm scheitern ließ und wurde er doch zusammen mit Boris Karloff zu Recht eine der bedeutendsten Horrorikonen seiner Zeit. Da klingt es nur gut, dass er als Ergänzung zum naiv dreinschauenden und versteift wirkenden Lon Chaney Jr. eingesetzt wurde, der den Film nicht wirklich zu tragen weiß und als Mensch nicht halbwegs so gut zu überzeugen weiß wie als Werwolf. Doch Lugosis Part als Zigeuner ist zu kurz ausgefallen, um "Der Wolfsmensch" einen wahren Pluspunkt zu bescheren, und auch der ebenfalls anwesende Claude Rains kann in seiner zu wenig beeinflussenden Rolle nicht die Intensität seines Unsichtbaren zur Verbesserung des Streifens wiederholen.
Und so bleibt "Destiny" (Alternativtitel) das was zum Glück trotz aller Umstände noch aus ihm geworden ist: ein kleines, sympathisches Stück Horrorroutine, welches längst nicht die Qualitäten der meisten Konkurrenzprodukte besitzt, aber ordentlich und effektiv genug umgesetzt wurde, so dass zumindest der Horrornostalgiker von heute ordentlich und charmant genug unterhalten wird, um nicht sonderlich streng mit dem Produkt umzugehen. Damit liegt er zwar weit hinter seinen Erwartungen zurück, aber wenn selbst ein überforderter Lon Chaney Jr. trotz seiner Defizite solche Sympathie zu versprühen vermag, dann kann ein Film wie "Der Wolfsmensch" nicht völlig entartet sein, dann merkt man bei weniger Erwartungen dass sehr wohl Herzblut an seiner Entstehung mit im Spiel war und man inmitten von Fortsetzungen altbekannter Monster zumindest mal wieder etwas Frisches hinzu erschaffen wollte. Wahrscheinlich kam "Der Wolfsmensch" trotzdem einfach ein halbes Jahrzehnt zu spät, wer weiß wie er zu den Bestzeiten der Universal Studio-Monsterfilme ausgefallen wäre. OFDb
26.01.2013
DIE RACHE DES WÜRGERS (1955)
Da im Sumpf immer mehr Menschen verschwinden, stößt die Polizei auf
einen in der Nähe lebenden Wissenschaftler, der im Geheimen an der
Entwicklung einer Rasse von Supermenschen arbeitet...
Eine sympathische Katastrophe...
Trashfreunde kommen nicht drum herum, sich früher oder später Filme des legendären Ed Wood anzuschauen, dem Mann, von dem man sagt er sei der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Ob es da nicht doch noch schlimmere Übeltäter gab, ist schwer zu beurteilen, aber so oder so, gehört Ed Wood auf jeden Fall zur näheren Auswahl dieser Auszeichnung.
Bei Sichtung von „Die Rache des Würgers“ mag man schon erahnen warum: Es findet mindestens ein Fehler in Bezug auf Tag- und Nachtszenen statt, die Kulisse ist billig, die Krake entweder bewegungslos oder (je nach Szene) aus Naturdokus entnommen, die Alligatorszene stammt auch aus Fremdmaterial, so dass ein gewollter Angriff der Tiere nicht als solcher aussieht, die Dialoge sind unterste Schublade, und wackelnde Kulissen wurden ignoriert.
Einer der Hauptdarsteller kann nicht deutlich reden und bekommt deshalb eine Rolle ohne Text, der andere ist morphiumsüchtig, aber dafür eine zu diesem Zeitpunkt ehemalige Berühmtheit. Es ist Bela Lugosi, ein Freund von Ed Wood, dem Regisseur, Drehbuchautor und was weiß ich noch alles von „Die Rache des Würgers“.
Die konzentrierte Schlechtheit ist es, die den Film so sehenswert macht. Denn „Bride Of The Monster“ (Originaltitel) besitzt genügend Charme, so dass er als Trash richtig Spaß macht. Denn eins kann man Ed Wood nicht abstreiten, die Liebe zu diesem Filmgenre, auch wenn er nicht in der Lage war es mit seinem Können würdig zu beschenken, auf jene Art, auf die er es eigentlich wollte. Zum ohnehin schon trashigen Anteil gesellt sich noch jene Komik hinzu, die mit dem Zahn der Zeit einhergeht.
So hat sich zumindest der Respekt andersartiger Mitmenschen zum besseren gewandelt. Es wäre traurig, wenn man heute bei jedem dicken Glatzkopf gleich laut „Monster!“ schreien würde, um dann wegzulaufen. Natürlich haben die Leute das damals nicht gemacht, aber immerhin kommen solche Szenen in Ed Woods Werken vor, so dass man sich fragen muss, ob ein gewisser Anteil der damaligen Bevölkerung sich ernsthaft mit solch fragwürdigen Szenen identifizieren konnte. Letztendlich soll es uns egal sein, nicht dass der Film es nötig gehabt hätte, aber solche Fragwürdigkeiten drehen noch einmal zusätzlich an der Spaßschraube.
Trotzdem, der echte Kenner solcher Filme weiß, dass Werke wie dieses keine Seltenheit waren. Wer nur einmal „The Giant Gila Monster“, „The Slime People“, „Beast From Haunted Cave“ oder ähnliche, in unseren Breitengraden, unbekannte Horrorfilme gesichtet hat, weiß, dass „Die Rache des Würgers“ sich nur in eine lange Schlange talentlosen Mülls mit einreiht. Und im Gegensatz zu den hier aufgezählten Vergleichsfilmen weiß Ed Woods Werk wenigstens zu unterhalten. Kann man ihn da noch als den schlechtesten Regisseur aller Zeiten bezeichnen? Ich denke ja! Denn eines muss man unbedingt beachten: „Bride Of The Monster“ ist eines von Ed Woods besseren Werken.
Der Mann hatte seinen Namen noch nicht ruiniert, und hatte somit wenigstens etwas Geld zur Verfügung. Die Kulissen sind billig, aber für Ed Wood-Verhältnisse noch als recht ordentlich zu bezeichnen, die Krake bewegungslos, aber immerhin eine Krake. Wood macht Fehler bei Tag und Nacht, aber immerhin noch selten. Und im hier besprochenen Film setzt Ed Wood noch innerhalb einzelner Szenen genügend Schnitte, um das Auge nicht zu langweilen. Doch in den Folgewerken sollte sich all dies noch ändern. Kaum zu glauben, aber wo andere Regisseure von Film zu Film mehr Professionalität erlangten, wurde Ed Wood immer untalentierter. Und der Geldmangel folgender Werke war sicherlich nur ein winzig kleiner Grund dafür.
„Die Rache des Würgers“ ist jedem Trashfreund ans Herz zu legen. Er ist kurzweilig, weiß ganz besonders durch seine naiven Dialoge und Handlungsabfolgen zu belustigen und ist anbei doppelt so witzig, wenn man zuvor Tim Burtons Film über „den schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ gesichtet hat. Mit dem dort erlangten Hintergrundwissen gibt es gleich noch viel mehr zu lachen, als ohnehin schon. OFDb
13.12.2012
DER RABE (1935)
Nachdem er ihr das Leben gerettet hat, verliebt sich der ominöse Arzt
Vollin in seine Patientin. Da seine Liebe nicht erwidert und vom Vater
nicht gestattet ist, sinnt der Edgar Allan Poe-Fan auf Rache...
Und der Rabe war nur Raumdeko...
Die 30er Jahre waren eine der Hochzeiten des Horrorfilms, oder wer den Begriff gerne trennen mag: des Gruselfilms. Nicht ohne Grund verweisen Filmkritiker gerne auf jene Zeit, in der das Genre den Sprung in den Tonfilm schaffte und damit etliche Kinobesucher lockte. Neuverfilmungen klassischer Stoffe wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, „Dracula“ und „Frankenstein“ wurden ebenso gedreht wie erste Umsetzungen a la „Der Unsichtbare“, „Graf Zaroff“, „King Kong und die weiße Frau“ und wie sie alle heißen. Das Horrorkino dieser Zeit hatte seinen eigenen Charme und brachte auch zwei Genrestars hervor: Bela Lugosi und Boris Karloff.
Die Zuschauerreaktion deren Darstellung von „Dracula“ und dem Monster aus „Frankenstein“ dürfte auf seine Art in etwa zu vergleichen sein mit dem Hype um Freddy und Co im 80er Jahre Horrorkino. Viele finanzstarke Genrebeiträge wurden fortgesetzt, oftmals wurden Prominente ähnlich besetzt. „Der Rabe“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Publikum schon zu seiner Zeit seine Helden in immer ähnlichen Rollen sehen wollte. Somit ist „Der Rabe“ auch das ideale Beispiel dafür, dass es schon früh im Filmgeschäft um die schnelle Mark ging. Er ist aber auch ein Beispiel dafür, wie man für die schnelle Mark auch etwas brauchbares drehen kann.
Schon dass Poes' Gedicht für einen Film herhalten sollte, klang zunächst einmal experimentell, geschah doch letztendlich, selbst für damalige Zeit, viel zu wenig wovon man da hätte erzählen können. Die erste Halloween-Episode der Erfolgsserie „Die Simpsons“ zeigte wohl das Maximum dessen, was mit der Vorlage möglich war. Aber einen Film damit auf mindestens 60 Minuten füttern? So gut wie unmöglich! Und das dachten sich wohl auch die Köpfe hinter diesem 30er Jahre-Horror, und so machten sie das selbe wie mancher Produzent unserer Kinotage, der schnell Geld machen will: Man kaufte zwar den Namen, drehte aber etwas völlig anderes. Das machte man in den 30ern nicht ganz so respektlos wie später. Häufig fallen Zitate aus „Der Rabe“, es gibt eine Tanzinterpretation zu Poe's berühmter Schauergeschichte, und auch der Autor selbst wird namentlich erwähnt und erfährt eine kleine Vertiefung in die Geschichte integriert, wenn sich der Bösewicht des Streifens schon recht früh als großer Poe-Fan outet. Dennoch ist der Titel Augenwischerei.
Die eigentliche Geschichte schustert etwas arg naiv die beliebten Elemente seiner Zeit zusammen. Lugosi darf einen irren Wissenschaftler so mimen, als sei er „Dracula“. Karloff darf wieder das Monster mit Seele spielen, von der Gesellschaft verbannt. Bekannte Elemente aus anderen Werken Poes blitzen auf (und gerade „Das Pendel des Todes“ hat für die Geschichte wesentlich mehr Relevanz als der titelgebende „Rabe“). Rachestory aus Liebe, ein irrer Forscher der zu weit geht, kurzum badet „Der Rabe“ im Erfolgsrezept des 30er Jahre Gruselkino und macht dies gar nicht mal schlecht.
Hilfreich kommt ihm die Schlosslocation zu Hilfe, in welcher der Großteil der Geschichte spielt. Die Maske Karloffs ist etwas schlicht umgesetzt, überraschender Weise ist sie aber auch nicht wirkungslos, was aber auch an Karloffs Spiel liegt. Seine tragische Mimik in der einen Gesichtshälfte verhilft der etwas banalen Maske der anderen Gesichtshälfte zur Entfaltung. Seine Figur macht ohnehin viel am Gelingen des Filmes aus, ist sie doch tragischer Natur, und obwohl sie zu recht ein gesellschaftlicher Außenseiter ist, so zeigt sie doch Reue und den Wunsch nach Besserung in einer Welt, die dies einfach nicht zulässt. Wenn der hässliche Mann erst einmal zum wirklich hässlichen Monster geworden ist, erfährt er Ablehnung allein durch sein Aussehen, ohne Kenntnis seiner bösartigen Vorgeschichte. Das ist simple Psychologie, aber soviel Ablehnung führt nun einmal zum Hass. Wie Freut so schön sagte richtet man sie entweder gegen sich oder gegen andere, und Karloffs Charakter aus „Der Rabe“ richtet sie gegen andere. Nur nicht gegen den, wo es ihn am meisten nach Rache dürstet: dem bösen Arzt.
Dass Lugosi auch in vergleichsweise schwächeren Produktionen noch immer spielte, als ginge es um Leben und Tod, hat er spätestens in den unfreiwillig komischen Produktionen Ed Woods bewiesen. Lugosi hat eine unglaubliche Ausstrahlung, und wenn er völlig überzogen den irren Forscher spielt, der mal wieder einen seiner Hass-Rache-Aussetzer erlebt, dann glühen die Augen (unterstützt von Fremdhilfe), dann arbeitet er mit den Augenbrauen und jedem Muskel im Gesicht, um dieses Diabolische beim Zuschauer ankommen zu lassen. Bei all dieser Genialität (vielleicht auch das Gegenteil wegen der zu überzogenen Art, Auslegungssache) muss man dennoch objektiv lästern: Und trotzdem nur wieder das Übliche aus „Dracula“.
Womit wir wieder beim Thema wären. „Der Rabe“ wurde für die schnelle Mark gedreht, kopiert Erfolge wo er sie nur kopieren kann, arbeitet dafür mit einer arg naiven Geschichte, die wie auf die Schnelle zusammengeschustert scheint und wahrscheinlich auch ist. Aber die Rechnung geht auf. „Der Rabe“ versprüht einen ähnlichen Charme wie die großen Filme seiner Zeit, weiß zu gefallen dank positiver Darsteller, nettem Grusel-Flair und seinem Schuss Tragik, der zu dieser Zeit ohnehin in einen Gruselfilm hinein gehörte.
Auch wenn der Name lediglich Etikettenschwindel ist, so ist dieses Werk doch wirklich weiter zu empfehlen, dank seiner dichten Atmosphäre und stimmigen Umsetzung. Wegen der blauäugigen und etwas arg lieblos zusammengeschusterten Story muss man allerdings ein Auge zudrücken. Aber das fällt bei solch hoher Qualität nicht schwer. Damals gab man sich halt auch bei Schund Mühe. OFDb
21.10.2012
DRACULA (1931)
Allen Warnungen der Dorfbewohner zum Trotz reist Makler Renfield zum
Schloss des Grafen Dracula, um ein Geschäft mit ihm abzuschließen. Der
Graf entpuppt sich als Vampir und macht Renfield zu seinem Sklaven und
reist mit ihm gemeinsam nach London, wo recht bald ein gewisser Van
Helsing auf das Treiben des Blutsaugers aufmerksam wird...
Ungerechtfertigter Ruhm...
Ohne die Rechte zu besitzen drehte Regisseur Murnau 1922 die erste Dracula-Verfilmung „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“, die bis heute zu den großen Klassikern seines Genres gehört. „Dracula“ gehört zu den anerkannten Größen der Horrorliteratur, und so verwundert es nicht, dass man für den ersten Tonfilm des Horror-Genres erneut zum beliebten Blutsauger griff, und das obwohl Murnaus Meisterwerk so gelungen war.
Was ein Glück, dass man dieses Projekt dennoch anging, wird manch einer denken, gilt Bela Lugosi, der in dieser Tod Browning-Version des „Dracula“-Stoffes die Titelrolle übernahm, doch als DER Dracula-Darsteller schlechthin, wird heute noch vor Christopher Lee und Max Schreck mit dieser Rolle in Verbindung gebracht und wurde sogar in seinem Vampirumhang beerdigt.
Doch nicht jeder Klassiker besitzt Klasse, und nicht jeder Ruhm ist berechtigt. Und das kann man von dieser „Dracula“-Verfilmung wohl ebenso sagen, wie von Darsteller Lugosi. Auf naive Art ist diese 1931er Verfilmung sicherlich ein nettes Stück Grusel-Nostalgie, letztendlich verzeiht man ihm jedoch zu viel für sein Alter, wenn man ihn überbewertet, Dinge die man dem älteren „Nosferatu“ nie verzeihen müsste.
In erster Linie fällt auf wie schlicht der Streifen gefilmt wurde. Viel Mühe ist nicht zu erkennen, der Großteil schaut sich wie abgefilmtes Theater. Das ist nicht zwingend schlecht, im Schatten von Murnau jedoch trotzdem enttäuschend. Zu Beginn genießt man noch die Kulissen des wundervoll unbewohnbaren, da verfallenen und verdreckten Schlosses des Grafen, das Renfield berechtigtes Unbehagen beschert. Die Kulissen sind schlicht, aber wirksam, Kutschfahrt und Szenen im Dorf gehen auch als o.k. durch.
Der erste Auftritt Lugosis sorgt jedoch bereits für erste leichte Ernüchterung, wirkt er doch optisch allein durch seine zu dunklen Haare nicht so ganz wie erhofft und schafft er es doch weder mystisch noch gruselig zu wirken. Man vermutet das komme noch im Laufe der Zeit. Aber der gute Mann wird nie zu dem, was an Erwartung durch seinen Ruf aufgebaut wurde, wirkt eher wie der Kasperle im Schreckenskabinett auf dem Rummelplatz, als wie eine ernstzunehmende Interpretation des berühmten Blutsaugers. Der erotische Aspekt, der mit der Titelrolle oft einhergeht, ist in dieser Besetzung ebenso verloren.
Das weiß schon ein wenig zu enttäuschen. Sicherlich, man sieht Lugosi seine Spiellust an, er genießt seine Rolle. Und würde er nicht den Ruf besitzen DER Dracula-Darsteller zu sein, ginge seine Leistung mit etwas Augen zudrücken auch als halbwegs akzeptabel durch. Aber er ist nun einmal ausgesprochene Legende, das lässt sich aus dem Kopf des Zuschauers nicht mal eben löschen.
Wer nicht zu viel erwartet, wird sicherlich nett unterhalten. Da tanzen lächerliche aber nicht uncharmante Gummi-Fledermäuse durch das Bild, eine Szene, in der Dracula kein Spiegelbild besitzt weiß zu begeistern und zu überraschen, da die Tarnung des Grafen damit überraschend früh aufgedeckt ist, und doch, das wahre Feeling will nicht überspringen, das man von anderen Klassikern dieser Zeit wie „Der Unsichtbare“ oder „Frankenstein“ gewöhnt ist. Viel zu zahm geht Tod Browning mit dem Thema um. Kein Blut ist zu sehen, das mag durch das Entstehungsjahr noch zu entschuldigen sein, aber kein Biss wird gefilmt und Vampirzähne gibt es auch nicht zu sehen? Das ist schon etwas arg wenig für einen Vampirfilm. Man ruht sich lediglich auf die hypnotische Wirkung Lugosis aus, und diese Leistung war in Werken wie „Der Rabe“ wesentlich überzeugender als in seiner großen Rolle.
Mit diesen Defiziten wird nun auch das Theater-Flair des Filmes zu einem Negativpunkt, denn wo thematisch optisch ausgeblendet und ignoriert wird, wo ein Dracula ebenso wenig Grusel verbreitet wie der komplette Film, da hätten nun gotische Elemente, Bauten, düstere Straßen Londons und ähnliches für Stimmung sorgen müssen. Doch in den schlichten Studiokulissen, die sich als solche auch im Dauerzustand outen, ist dies nicht möglich. Immerhin die Musik weiß einiges zu retten.
Man mag von Enttäuschung auf hohem Niveau sprechen, aber das wäre ein Trugschluss. Murnaus „Nosferatu“ ist Beweis dafür, dass die Mängel nicht altersbedingt sind. Seine Version des Stoffes zählt für mich bis heute zur besten Verfilmung des Themas und einem der besten Horrorfilme überhaupt. Und dem gegenüber steht der olle, viel zu brave Browning-"Dracula“. Gleiches gilt für die Darstellung der Titelrolle selbst. Max Schreck war ein furchterregendes Monster, Lugosi sollte der Gentleman-Typ sein, was durch sein Herumgekasper aber auch nur halb funktioniert. Erst Christopher Lee schaffte das Kunststück, gleich beides in einem zu verkörpern, das furchterregende Monster und der mystische Edelmann in einem.
Der Stummfilm hat stilistisch so seine Vorzüge, die ihn grundlegend zu einem besonderen Filmerlebnis macht, so dass die Geschichte fast egal scheint, die auf diese Art gedreht wurde. Allein deshalb mag Brownings Tonfilm-„Dracula“ mit Blick von heute ein wenig gewöhnlich wirken. Man muss jedoch auch bedenken, dass die Stummfilmzeit noch nicht lange vorbei war. 1929 kam der erste Tonfilm auf. Gerade mal zwei Jahre später entstand der hier besprochene „Dracula“. Und ebenso wie in Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“, so ist auch in diesem Lugosi-Film noch deutlich der Hauch von Stummfilm zu spüren. Filmemacher und Schauspieler mussten noch lernen sich von Theater und stummem Film zu distanzieren und neue Wege zu finden, wie was dargestellt werden musste. Und so wirken noch viele Elemente wie aus der Zeit, als das Medium Film noch keinen Ton besaß, ganz besonders der Bereich der Schauspielerei.
So glaubte Lugosi er müsse mit seiner Hand wundersame Bewegungen machen, um Mystik auszustrahlen. Für gruselige Stimmung sorgt das so gar nicht, ganz im Gegenteil. Der Darsteller des Renfield überagiert mimisch komplett, so als würde der Einsatz seiner Stimme nicht reichen.
Lugosis Dracula ist wenig wirksam, wesentlich alberner als gruselig. Damit ist er jedoch im richtigen Film aufgehoben. Denn wo wirksame Kulissen ersetzt werden durch Fledermäuse aus Gummi, lässt sich ebenso wenig Grusel ernten. Es ist das Glück dieser „Dracula“-Verfilmung, dass sie so alt ist. Das schenkt ihr zumindest ein veraltetes Flair, einen nostalgischen Touch und eine verzeihbare Variante der unfreiwilligen Komik.
Warum jedoch der Tod Draculas komplett ausgeblendet wird, will mir selbst unter dieser kompromissbereiten Sichtweise nicht klar werden. Murnau blendete den Blutsauger schlicht aus dem Bild aus, eine tolle Tricktechnik war da noch nicht zu erwarten. Der 9 Jahre später entstandene „Dracula“ bietet nicht einmal das. Der Tod des mächtigen Blutsaugers geschieht im Off, so schluderig dargestellt, dass man von der „The End“-Schrift überrollt wird, da man dachte es ginge noch weiter. Einen solch ernüchternden Schluss hätte nicht einmal eine so schlicht umgesetzte Verfilmung wie diese verdient und der zahlende Zuschauer ohnehin nicht. OFDb
Der Stummfilm hat stilistisch so seine Vorzüge, die ihn grundlegend zu einem besonderen Filmerlebnis macht, so dass die Geschichte fast egal scheint, die auf diese Art gedreht wurde. Allein deshalb mag Brownings Tonfilm-„Dracula“ mit Blick von heute ein wenig gewöhnlich wirken. Man muss jedoch auch bedenken, dass die Stummfilmzeit noch nicht lange vorbei war. 1929 kam der erste Tonfilm auf. Gerade mal zwei Jahre später entstand der hier besprochene „Dracula“. Und ebenso wie in Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“, so ist auch in diesem Lugosi-Film noch deutlich der Hauch von Stummfilm zu spüren. Filmemacher und Schauspieler mussten noch lernen sich von Theater und stummem Film zu distanzieren und neue Wege zu finden, wie was dargestellt werden musste. Und so wirken noch viele Elemente wie aus der Zeit, als das Medium Film noch keinen Ton besaß, ganz besonders der Bereich der Schauspielerei.
So glaubte Lugosi er müsse mit seiner Hand wundersame Bewegungen machen, um Mystik auszustrahlen. Für gruselige Stimmung sorgt das so gar nicht, ganz im Gegenteil. Der Darsteller des Renfield überagiert mimisch komplett, so als würde der Einsatz seiner Stimme nicht reichen.
Lugosis Dracula ist wenig wirksam, wesentlich alberner als gruselig. Damit ist er jedoch im richtigen Film aufgehoben. Denn wo wirksame Kulissen ersetzt werden durch Fledermäuse aus Gummi, lässt sich ebenso wenig Grusel ernten. Es ist das Glück dieser „Dracula“-Verfilmung, dass sie so alt ist. Das schenkt ihr zumindest ein veraltetes Flair, einen nostalgischen Touch und eine verzeihbare Variante der unfreiwilligen Komik.
Warum jedoch der Tod Draculas komplett ausgeblendet wird, will mir selbst unter dieser kompromissbereiten Sichtweise nicht klar werden. Murnau blendete den Blutsauger schlicht aus dem Bild aus, eine tolle Tricktechnik war da noch nicht zu erwarten. Der 9 Jahre später entstandene „Dracula“ bietet nicht einmal das. Der Tod des mächtigen Blutsaugers geschieht im Off, so schluderig dargestellt, dass man von der „The End“-Schrift überrollt wird, da man dachte es ginge noch weiter. Einen solch ernüchternden Schluss hätte nicht einmal eine so schlicht umgesetzte Verfilmung wie diese verdient und der zahlende Zuschauer ohnehin nicht. OFDb
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