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14.09.2023

THE BYE BYE MAN (2017)

Denk ihn nicht, sprich ihn nicht, schreib ihn nicht... ups... zu spät, verdammt! Für meinen Geschmack wandert "The Bye Bye Man" zu routiniert auf zu bekannten Pfaden, um einen für seine um Mystik und Grusel bemühte Geschichte einzunehmen. Die Figuren bleiben zu unnahbar, ihre persönlichen Probleme sind so sehr Dutzendsware, wie der Horroranteil der Geschichte, alles folgt einem längst bekannten Standard, gerade für Stammzuschauer im Horror-Genre, die neben der Jugend das eigentliche Zielpublikum zu sein scheinen. Es ist nicht so, dass das was erzählt wird nicht um Grusel bemüht wäre, aber das zu frühe Zeigen des optisch uneffektiven Bye Bye Man macht diesem bereits vorher eher verzweifelten Versuch endgültig einen Strich durch die Rechnung. Verfolgungswahn, Irrsinn, ein übernatürliches Phänomen, wer nicht zu viel erwartet findet vielleicht Gefallen am Ergebnis dieser theoretisch reizvollen Rezeptur, zumal das Drehbuch nicht dümmlich daherkommt und die Darsteller in ihren Rollen überzeugen. Aber ich bin müde geworden, was diese uninspirierten Standard-Produktionen frei von Innovationen betrifft. Wozu dreht man einen Film, der den üblichen Einheitsbrei liefert? Doch wohl nur der schnellen Mark wegen. Da hat Regisseurin Stacy Title 22 Jahre zuvor mit der schwarzen Komödie "Last Supper - Die Henkersmahlzeit" weit mehr Fingerspitzengefühl jenseits simpler Auftragsarbeit bewiesen, hatte dort aber auch ein weit gewitzteres Drehbuch zur Hand, als das brav die Pflichtvorgaben eines Durchschnittsfilms abarbeitende Skript, welches für "Bye Bye Man" (Alternativtitel) vorlag.  OFDb

25.06.2022

MATRIX 4 - RESURRECTIONS

Hohe Erwartungen hatte ich nicht nach zwei derart gewöhnlichen Vorgängern und entstanden in einer Zeit, in der alte Erfolge meist innovationslos wiedergekäuert werden. Zwar ist die spät nachgereichte dritte Fortsetzung des zu Recht erfolgreichen Filmes "Matrix" ebenso banales Trivialkino wie die Teile 2 und 3, das ebenso wie diese mittels pseudo-intellektuellem Getue einem mittelmäßig intelligentem Publikum Intelligenz vortäuscht anstatt sie zu besitzen, letztendlich funktioniert die Geschichte jedoch besser als in den beiden Vorgängern, wenn auch bei Weitem nicht so gut wie es das brillante Original schaffte. Aber der verspielten Blaupause des Erstlings kann man dank einiger sympathischer Ideen nicht wirklich böse sein. Das beginnt im Spiel mit der Metaebene, anstatt rein auf Nostalgie zu setzen, zeigt sich für mich zudem im offenen Umgang mit der Ähnlichkeit der neuen weiblichen Hauptfigur im Vergleich zu Trinity, es weiß zu gefallen im erweiterten Gleichnis der Geschichte bezogen auf traurige, gesellschaftliche Veränderungen der letzten 20 Jahre (was zeigt dass nicht völlig frei von Reflexion an das Projekt herangegangen wurde) und es beweist sich in der Kurzweile eines immerhin auf 140 Minuten aufgeblähten Stoffes, der eigentlich nicht viel zu erzählen weiß. 

Anders angeordnete Elemente sind schnell wieder auf alten Kurs gebracht, viel Neues gibt es nicht zu erzählen, weder im notwendigen Bereich, noch im sinnvollen, aber dieses Nichts an Alibi-Geschichte schaut sich nett an, auch wenn man freilich erneut nicht der Versuchung widerstehen kann mit den Effektmöglichkeiten von heute herumzuprotzen. Das stört mich in einem Action-Blockbuster jedoch herzlich wenig, wenn er treffsicher auf die Gefühlswelten der Figuren setzt, auch wenn deren Motivationen nicht tiefer gehen als das komplette Konstrukt, das trotz aller Gegenbemühungen oberflächlich bleibt. Erneut begeht man den Fehler Maschinen zu menschlich zu zeichnen (womit ich nicht die elektrischen Freunde seit dem Frieden zwischen Mensch und Computer meine), ein zunächst positiv im Hintergrund gehaltener Umgang mit der Figur der Trinity wird gegen Ende leider über Bord geworfen, wenn sie auf einer Bedeutungsebene mit Neo gehievt wird, und anstatt aus der reizvollen, gut funktionierenden Ausgangslage der ersten 30 bis 40 Minuten das herauszuholen, was möglich gewesen wäre, verrennt man sich, wie bereits in den ersten beiden Sequels geschehen, zu sehr in die Action der Geschichte, anstatt diese als Instrument für eine erzählenswerte zu nutzen. 

Der einzig wirklich bittere Fehler an "Matrix - Resurrections" ist meiner Meinung jedoch der, dass man immer noch nicht begriffen hat wie schädlich es für das Matrix-Universum ist Agent Smith zu viel Bedeutung einzuräumen. Zumindest schließt die Geschichte ähnlich Phantasie-fördernd wie Teil 1, wenn auch bei weitem nicht so emotional vielschichtig anmutend wie dort, und gerade wegen der Ernüchterung des Teils 2 und der Enttäuschung von Teil 3 weiß dieser triviale Stoff aufgrund geringer Erwartungen simpel positiv zu funktionieren. Ein gelungenes, eigentlich gar großartiges Werk hätte ein "Matrix 4" jedoch nur dann werden können, wenn er endlich die Erkenntnisse aus "Matrix 2" in die Geschichte konsequent integriert hätte, anstatt sie komplett zu ignorieren, wie rätselhafter Weise bereits in Teil 3 geschehen. Obwohl ich mit den beiden Vorgängern des hier besprochenen Streifens nicht sympathisiere, bin ich jedoch froh es bei Resurrections mit einer auf ihnen aufbauenden Fortsetzung zu tun zu haben, anstatt mit einer Neuinterpretation oder einem neuen Teil 2.  OFDb

07.05.2017

MATRIX (1999)

Eigentlich ist es so, dass „Matrix“ rein inhaltlich das Science Fiction-Genre nicht neu erfindet. Ganz im Gegenteil plündert er sich durch diverse Vorlagen, von denen „Welt am Draht“ und „Dark City“ wohl die einflussreichsten sein dürften. Es ist jedoch die Art wie er die Elemente neu zusammensetzt, was ihn zu einem solch hervorragenden Film macht, setzt er doch die entliehenen Komponenten nicht nur geschickt neu aneinander, wobei er selbst die nachteiligen in ein positives Licht zu rücken weiß, er vereint zudem intellektuelles Kopfkino mit einem Actionorgie-gleichenden Popkornkino, auch wenn Letzteres Ersteres dafür fast komplett zu verschlingen scheint, so dominant wie sich die Schauwerte durchsetzen und so hintergründig, wie die reizvollen philosophischen Ideen in der zweiten Reihe mitspielen.

Perfekt durchdacht ist „Matrix“ nicht wirklich, bilden sich innerhalb des selbst entworfenen Konzeptes über die Regeln in und außerhalb der Matrix doch immer wieder Logiklücken. Diese verzeiht man in der Regel jedoch, da sie das Fortschreiten der Geschichte ermöglichen und somit förderlich anstatt hinderlich sind. Zudem wird uns als Ausgleich eine durchdachte Geschichte in anderen Ebenen des Filmes geboten, so z.B. bei der Reifung Neos zum Auserwählten, dessen Fähigkeiten aufgrund der zuvor genannten Begebenheiten geradezu logisch erscheinen.

Letztendlich widmet sich der Film ohnehin lediglich der Geschichte darüber Neo erkennen zu lassen, dass er der Auserwählte ist. „Matrix“ schließt dieses Kapitel mit einer der besten Schlussszenen, die ich aus diesem Genre kenne, nutzt er mit dieser doch nicht nur den Mythos der um Neo geschaffen wird und die wuchtige Auswirkung, die glorifizierendes Kino auf das Publikum auszustrahlen weiß, er macht uns außerdem zu Mitwirkenden des Filmes, zu Menschen die am Schluss erfahren, dass es nun so weit ist aufgeklärt und befreit zu werden. Das funktioniert nicht nur aufgrund der innerfilmischen Ebene, die von einer 90er Jahre-Welt (der damaligen Gegenwart) erzählt, die von Maschinen beherrscht wird („Terminator“ lässt grüßen), es funktioniert auch deshalb, weil die Geschichte als Sinnbild für vieles in der realen Welt steht, vergleichbar mit der doppelbödigen Thematik eines Zombiefilmes.

Am ehesten bietet sich hierfür der Freiheitsdrang derer an, die verstanden haben, dass die Gesellschaft, wie sie gelebt wird, nicht zwingend so gelebt werden muss. Regeln, Normen und Gesetze wurden vom Menschen erschaffen. Diese kann man über Bord werfen und gesellschaftlich wie kulturell völlig andersartig neu ansetzen. Ob man nun glaubt dass nur wenige von diesem System profitieren, welches die anderen gedankenlos oder gar unwissend mitspielen, oder ob man glaubt dass das Spiel von einigen auf höheren Ebenen gespielt wird, während sich die Masse desinteressiert treiben lässt, beides ist auf das Konzept der „Matrix“ übertragbar, egal ob man den Ist-Zustand dieser Welt als Unterdrückung und Anpassung ansieht, oder als zufällige Variable, zu der die Gesellschaft nun einmal geworden ist.

„Matrix“ gönnt sich als Mainstream-Werk den Luxus wuchtigste Bilder zu präsentieren, mit modernsten Programmen und Techniken zu arbeiten, sprich Unsummen an Geld für das erreichte Ergebnis zu verbrauchen. Die Wachowski-Brüder, die Regie führten, sorgen jedoch dafür, dass sich die Geschichte nie den Schauwerten unterordnet. Stattdessen werden sie zu nützlichen und gern gesehenen Werkzeugen, um die Geschichte auf ein höheres Niveau zu hieven. Werden sie nicht benötigt pausieren sie.

„Matrix“ besitzt etliche ruhigere Phasen, z.B. jene in der das Konzept der Matrix erklärt wird. Auch in solchen Momenten wird der Film nie Kopf-Kino, mittels optischer Spielereien sorgen die Wachowskis stets dafür, dass selbst den Denkfaulen oder Unkonzentrierten unter den Zuschauern nicht langweilig wird. Und dieses Kunststück kombiniert mit einer beeindruckenden Geschichte, sorgt mit der riesigen finanziellen Unterstützung die bereit stand für ein Filmerlebnis, welches selbst heute, fast 20 Jahre später, noch immer umzuhauen weiß.

Die im Vergleich zu heute schwächeren Computeranimationen wissen noch immer zu gefallen und zu überzeugen. Wenige mittlerweile zu gekünstelt wirkende Animationen, wie Feuer oder Aufnahmen des Raumschiffes von Morpheus, werden glücklicher Weise kurz gehalten, so dass die Illusion nicht plötzlich mitten im Film abbricht. Kampfsportszenen, die trotz versteifter Stars hochwertig inszeniert sind, bilden weitere Schauwerte. Aber der eigentliche an sich ist die fantasiereiche Geschichte, die sich nicht auf einer Idee ausruht, sondern uns in ein magisches, wenn auch pessimistisches, alternatives Universum führt, wie es einen seit „Krieg der Sterne“ nicht mehr zu imponieren wusste.

Ob es die konkreten Bilder der Erntemaschinen sind, der Gedanke dass sich junge Menschen in Wirklichkeit von alten Menschen ernähren, der etwas unsinnige, für den Film aber funktionierende, Ansatz die Versklavung mit der Nutzung des Menschen als Batterie zu erklären, das alles sind Ansätze, die zu begeistern wissen und lediglich als Nebensächlichkeit eingebracht sind. Das Gedankenspiel darüber ob Maschinen wissen wie Hühnchen schmeckt, oder darüber dass eine utopisch positiv programmierte Matrix nicht funktioniert hat, bereichern den Film, auch wenn vieles davon, wie bereits erwähnt, nicht erstmals in „Matrix“ thematisiert wird.

Neben diverser Science Fiction-Werke, von denen die Wachowskis sich inspirieren ließen, dient freilich auch das christlich geprägte Leben als Vorlage, deutlich in der Rolle Neos zu erkennen, spätestens wenn er erst auferstehen muss bevor er die Menschheit erretten kann (was selten so viel Sinn ergab, wie im hier besprochenen Film). Es ist aber auch in der Rolle des Morpheus erkennbar, der ein Prediger und Verkünder der Wunder des Auserwählten ist, was sich hier noch in die magische Wunderwelt des Streifens positiv einzufügen weiß, diese Figur in der missratenen Fortsetzung jedoch zum Phrasen dreschenden Missionar machte. Auch buddhistische Anleihen sind erkennbar, meist in den Lehren Morpheus‘, die an die Demut und Unterwerfung des eigenen Ichs zum Finden des eigenen Zentrums dieser Religion erinnern. Tom Cruise hätte sicher gern die Hauptrolle übernommen, denn selbst der Glaube der Scientology wird in den Fähigkeiten Neos erkennbar.

Wie eingangs bereit erwähnt ist es die Kombination mit welcher diese einzelnen Einflüsse und Bausteine zusammengesetzt wurden, die „Matrix“ so einzigartig macht und selbst Cineasten überzeugen sollte, die mit Action, Mainstream und/oder Science Fiction in der Regel nichts anzufangen wissen. Denn „Matrix“ ist nicht nur ausgezeichnetes Genre-Kino, er hat auch tatsächlich etwas (auf mehreren Ebenen) zu erzählen und dies innerhalb eines recht glaubwürdig herübergebrachten Szenarios, welches sich zudem Raum für Spielereien lässt. „Matrix“ ist mehr als der geglückte Blockbuster, der alle Jahre wieder inmitten des üblichen Bullshits im Massenkino erscheint. „Matrix“ ist ein Ausnahmewerk des Mainstreams, sich dessen Vorteilen bedienend, gleichzeitig die Nachteile hinter sich lassend. Bei solch grandiosem Ergebnis braucht es nicht verwundern, dass „Matrix“ die Genres, für die er steht, nachhaltig beeinflusst hat.  OFDb

07.08.2012

FIDO - GUTE TOTE SIND SCHWER ZU FINDEN (2006)

Nach dem großen Zombiekrieg wurden die Untoten als Haussklaven in die Gesellschaft integriert. Jeder besitzt einen, nur die Familie Robinson noch nicht. Als es endlich doch so weit ist, freundet sich ihr einsamer Sohn Timmy mit Fido, wie er den lebenden Leichnam liebevoll nennt, an...

Der Hauszombie...
 
Wer glaubt aus der vor vielen Jahren zurückgekehrten Zombiewelle ließe sich nichts neues mehr ernten, sollte neben „Pontypool“ zu „Fido“ greifen, einem Film der im Endergebnis zwar eher Komödie als Horror ist, die Elemente des hier etwas vernachlässigtem Genres jedoch so respektvoll verwendet, dass selbst der Horror-Fan nicht mehr meckern dürfte. Es seih denn er lechzt pausenlos nach Blut, dann dürfte der in diesem Punkt recht harmlose Film von Regisseur Andrew Currie nicht die richtige Angelegenheit sein. Dann fehlt demjenigen Zuschauer, der dies beanstandet, aber ohnehin die sensible Aufmerksamkeit, die man einem „Fido“ entgegen bringen muss, um ihn vollends genießen zu können.

Der Streifen mit „Matrix“-Star Carrie-Anne Moss ist mehr als die kleine, lockerflockige Komödie von nebenan. Die intelligent erzählte und konsequent durchdachte Grundidee des Streifens bietet den Nährboden für eine Gesellschaftskritik auf vielerlei Ebenen und Perspektiven, die weder die parodierte Vergangenheit Amerikas vernachlässigt, noch die oftmals fragwürdig anbiedernde Gegenwart, in welcher, mit den Augen des Films betrachtet, erst der Zombie zur Zigarette greifen darf und der nekrophile Nachbar zur Sympathiefigur wird, eben da beide Charaktere durch ihre Extreme erst das erlangen, was überkorrekte Menschen unserer Zeit kaum noch zu besitzen scheinen: Individualität.

Es wird vielerlei thematisiert in einem Film, der mit der Idee einer Parallelwelt spielt, in welcher in den 50er Jahren Zombies zum Alltagsgeschehen gehörten. Erzähltechnisch so gut wie simpel gelöst, bekommt der Zuschauer zunächst die ersten Witze und Informationen über einen alten Lehrfilm nahegebracht, bevor der Übergang ins kunterbunte Klassenzimmer der kunterbunten 50er Jahre heile Welt stattfindet, wo wir auch gleich die wichtigste Person neben Fido kennen lernen: Timmy Robinson.

Über sein naives Alter und seine natürliche Neugierde stoßen wir schnell auf ein Lügenmeer der Erwachsenen, welches der Lehrfilm über seine Propaganda bereits ankündigte. Und spätestens da kann es los gehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen ist die Gesellschaftskritik pausenlos anwesend und findet in 90 Minuten Laufzeit immer wieder neue Wege auf sich aufmerksam zu machen, bzw. irgend etwas zu kritisieren. Da gibt es die witzigen offensichtlichen Seitenhiebe, wie jener über das Alter ab dem man Waffen besitzen darf, Seitenhiebe auf das Zwangsfamiliäre seiner Zeit, etwas versteckter das Spiel mit dem Umgang mit Schwarzen (es kommt nie einer vor, da der Zombie je nach Blickwinkel für diese Minderheit steht), dem Spiel mit der Kunst wahre Gefahren zu verharmlosen, und da gibt es noch eine Flut mehr an Punkten die man weiter aufzählen könnte, aber ich will den Bogen hier nicht überspannen.

Man mag darüber diskutieren können, ob es ein kanadischer Film sein darf der Amerika kritisieren darf. Aber spätestens im Bereich Vergangenheitsbewältigung sind die Amis nicht nur Weltmeister im Verdrängen, sie zeigen zudem auch liebend gern aufs Ausland was vergangene Verbrechen betrifft, was wir als Deutsche wohl am besten wissen. Von daher finde ich es durchaus legitim, dass eine solch harte wie lustige Kritik aus dem benachbarten Ausland der USA stammt.

Was an „Fido“ so beeindruckt ist seine Konsequenz. Da haben wir nicht nur diese quietschbunte heile Welt, in welcher im Set-Design alles zu stimmen scheint, inklusive der Kilometer weit voneinander getrennt gestellten Betten im Elternschlafzimmer, da wird auch die Grundidee interessant weitergedacht, wenn Zombies Teil unseres Alltags werden. Das hat einschneidende Änderungen unserer Realität gegenüber zur Folge. So wird das Thema Altenvernachlässigung auf die extremere Stufe Altenhass bzw. Altenangst hinaufgestuft, da nun jeder über 65 jederzeit zum Zombie werden kann, so dass alte Gefängnisse zum Schutze der Jungen zu Altenheimen umfunktioniert wurden.

Noch besser ist jedoch die Kritik am Kapitalismus, wenn Andrew Currie uns eine Welt zeigt, in welcher du dein Leben lang Geld sparst, um dir für Dein Ableben einen Kopfsarg leisten zu können, damit Du nicht wieder auferstehst. Trocken, da alltäglich heißt es während der Beerdigungen dann auch (sinngemäß, nicht exakt zitiert): von der Erde bist Du gekommen, zur Erde sollst Du gehen, und von der Erde sollst Du nicht mehr auferstehen!

Es gibt keinen Film, der nur mit Pluspunkten in Rahmenbereichen funktionieren kann, und so ist auch die Charakterzeichnung in „Fido“ sehr wichtig, die zwar immer Abstand hält, so dass man sich nie wirklich mit irgendwem identifizieren kann, aber ihr gekonntes Spiel mit den 50er Jahre Rollenklischees nutzt, um jeder Figur ihren individuellen Touch zu bescheren. Was aus der Rolle des Vaters geworden ist, hat schon lange nichts mehr mit dem gefühlskalten Arbeitstier zu tun, auf welchem sein Charakter beruht. Dieser Mann ist eine Person geworden, die Angst vor dem Leben und vor Gefühlen hat, es ironischer Weise aber geradezu liebt zu leben aus penetranter Angst vor dem Tod, bzw. der Angst davor wieder aufzuerstehen. Beerdigungen sind neben Golf sein liebstes Hobby, und ein Kopfsarg wäre die größte Erfüllung seiner Wünsche.

Er ist wohl die interessanteste Figur neben dem nekrophilen Nachbarn, der sich einen sexy Zombie hält. Dennoch werden auch Timmy, seine Mutter, Fido und der Kriegsheldennachbar nicht vernachlässigt. Jede Figur ist interessant gestaltet, psychologisch richtig durchdacht, gut besetzt und von der Maske schließlich zu dem gemacht, was wir zu sehen kriegen.

So bleibt am Ende eine Horror-Komödie mit Köpfchen, welche die mit der Zombiethematik immer einhergehenden Gesellschaftskritik einmal auf völlig andere Art präsentiert, woraus andere Möglichkeiten entstehen, sowohl im Ergebnis der Kritik als auch im Humorpotential. „Fido“ gibt sich nur selten dem lauten Witz hin, wird also nie eine Jagd nach Gags. Aber wer den Film begreift, bekommt ohnehin genug zu lachen, arbeitet der Film doch auf solch verschiedenen Humorebenen, so z.B. neben dem Offensichtlichen auch mit dem Versteckten zwischen den Zeilen, dem Spiel mit Horrorfilmen, sowie dem Spiel mit den 50er Jahren und der Gegenwart, bis hin zu kleinen versteckten Gimmicks im Hintergrund, wie beispielsweise jener in welchem im Bett nicht mehr das Life-Magazin sondern eine Illustrierte namens „Death“ gelesen wird.  OFDb