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31.05.2019

ROCKY 5 (1990)

Nachdem zwei Filme lang der zentrale Blick auf den Boxsport geworfen wurde, und dies in "Rocky 4" auf eher lächerliche Art, besinnt sich Autor und Hauptdarsteller Sylvester Stallone auf die Anfänge der Reihe, in welchen das private Schicksal des Sportlers weit mehr im Fokus stand, und widmet sich diesem nach einem brutalen Sturz des Protagonisten in die Armut erneut. Geradezu symbolisch wurde John G. Avildsen für die vierte Fortsetzung auf den Regiestuhl gesetzt, der mit dem Erstling "Rocky" einst bewies wie gut er arbeiten kann. Hat man aber ein Drehbuch wie jenes zu "Rocky 5" zur Verfügung, kann man keine Höchstleistung von einem Mann erwarten, der selbst aus dem Klischee-lastigen "Karate Kid" einen wundervollen Film zauberte. Letztendlich ist die Geschichte des fünften Teils einer hoch unterhaltsamen Kinoreihe eine interessante, die allerhand Potential birgt. Und auch wenn man immer wieder vernichtende Worte über "Rocky V" vernimmt, schlecht ist die Rückbesinnung der Reihe nun nicht ausgefallen. Sie findet aufgrund ärgerlicher Entscheidungen jedoch nicht auf solch hohem Niveau und kaum mehr mit authentischem Flair versehen statt. Vielmehr schaut sich das Ergebnis wie ein raues Märchen, ein Stück Kinofilm - unterhaltsam definitiv, aber nicht mit dem ersten Teil und "Rocky 3" mithalten könnend.

Zwar weiß gerade mit Blick auf "Rocky 2", in welchem Balboa nicht in der Lage war einen Werbespot zu drehen, der Gedanke zu gefallen, dass Rocky (noch) nicht in der Lage ist einen Jungboxer zu managen und zu trainieren (er plappert stets nur die Worte seines Lehrers nach und will in Tommy etwas sehen, das nicht vorhanden ist), leider verwässert der drumherum aufgebaute Plot um die Vernachlässigung der Familie jedoch diesen hervorragenden Gedanken. Was subtil ins Geschehen hätte eingewoben werden müssen, wird mit dem Holzhammer per Stereotype und Klischees in die Geschichte eingehämmert, doppelt unangenehm auffallend durch das magere Spiel Tommy Morrisons als Gunn und das schlechte Spiel von Sylvesters Sohnemann Sage Stallone als Sohnemann. Sie zusammen mit einem zu gewollt daher kommenden Drehbuch sind zu viele Schwachpunkte, um am alten Erfolg anschließen zu können. Jedoch sind die vorhandenen Stärken interessant und gut genug ausgefallen, um "Rocky 5" dennoch als angenehmen Film wahrnehmen zu können. Neben besagter Idee, dass Balboas Intelligenz ihre Grenzen kennt und deswegen kein guten Manager aus ihm wird, trumpfen Zutaten wie der Blick auf das korrupte, per Knebelverträgen gesteuerte Boxgeschäft, die Idee in jemandem mehr sehen zu wollen, als vorhanden ist, und ganz besonders der Mut den Streifen mit einem Straßenkampf enden zu lassen, anstatt mit einem groß angelegten Boxkampf im Stadion.

So bleibt "Rocky 5" trotz klischeetriefender Holzhammermethodik in teilweise mauer Besetzung zu jedem Zeitpunkt seiner Handlung ein interessanter Film. Es lässt sich kaum ausmalen, wie toll das Ergebnis hätte ausfallen können, wenn man das Ganze in der Authentizität des ersten Teiles erzählt hätte. Die Märchenvariante tut es für schlichte Gemüter wie meiner Wenigkeit jedoch auch, so dass "Rocky 5" zwar ähnlich lächerlich ausgefallen ist wie sein in der Sowjetunion spielender, direkter Vorgänger, mit dem Herz am rechten Fleck jedoch weit sanfter und annehmbarer ausgefallen und somit anders annehmbar ist, als der Hass schürende, ignorante Blick auf ein sich unnatürlich anfühlendes Feindbild im Film zuvor. Dass Teil 4 trotzdem flotter zu schauen ist, als der zu bemühte fünfte Teil, ist die Ironie des Ganzen. Wenn guter Wille gekünstelt daher kommt, können die guten Zutaten einer brauchbaren Geschichte noch so reizvoll klingen, dann bleibt trotzdem nur ein netter Nachzügler, wohingegen der Propaganda-Schrott des Vorgängers mit seiner unfreiwilligen Komik ein Partypotential sondergleichen bot. Die Welt ist nicht gerecht, nicht einmal die der Kinoleinwand. Wie gut Balboa im Alter die Position des Managers und Trainers doch noch erfüllt, erfährt man im überraschend gut ausgefallenen "Creed". Dass der in Teil 5 erneut brillant verkörperte Rocky Balboa in seiner Erinnerung Mickey weit sympathischer herüber kommen lässt, als er es tatsächlich war, braucht man nicht als Fehler des Films zu sehen, sondern lässt sich über täuschende Verschönerungen von Erinnerungen erklären, die das menschliche Gehirn allgemein hervor bringt. Schwerwiegender schaut sich da schon das Ignorieren von Rockys Hirnschaden im ansonsten gelungenen "Rocky 6". Teil 5 war wohl zu unbeliebt, um an einem in ihm entstandenen Fakt anknüpfen zu wollen.  OFDb

28.05.2019

ROCKY 4 (1985)

Die "Rocky"-Reihe gehört mit zu den besten Filmserien, welche die große Leinwand je hervorgebracht hat. Immer irgendwo schwankend zwischen Kinotraum und Authentizität schien sie wie ein Abbild ihres Helden und Autors Sylvester Stallone. Jeder Teil ist ein Zeichen seiner Zeit, mal mehr von der Realität entrückt, mal weniger und stets mit dem Herz am rechten Fleck erzählt. Inmitten dieser Liebhaberstücke, die selbst bei schwächerem Ergebnis noch gut zu unterhalten wissen, stellt "Rocky 4 - Der Kampf des Jahrhunderts" (Alternativtitel) eine Ausnahmeposition da. Er ist der Teil, den man nie so richtig ernst nehmen kann, so comichaft böse, wie er die Russen ausschauen lässt, entstanden kurz vor Schluss des kalten Krieges und alle Vorurteile beinhaltend, die diesen am Leben ließen. Es ist als hätte Stallone gewollt, dass seine beiden größten, in Serie gegangenen, Rollen eins werden. Rocky wird Rambo. Auch der begann seine Kinokarriere im Bereich des dramatischen Films, bevor er zur Kriegsikone verkam. Nun soll Rocky den selben Weg beschreiten, sanftmütig old School der gute Kerl sein wie immer, für den guten Zweck kämpfend, aber doch diesmal eine ernstere Sache angehend. Politik im Ring, Krieg im Ring, mehr Action weniger Drama soll diesmal die Devise sein. Und dank seinem Mangel an Reflexion ist daraus ein gutes Stück Trash geworden, flott und unterhaltsam inszeniert, aber wie erwähnt: man kann das Ergebnis einfach nicht ernst nehmen.

Wo andernorts ein Soundtrack unterschwellig eingebracht wird, da gehört er in dieser dritten Fortsetzung zum offen dargebotenen Herzstück des Streifens, was Stallone keinesfalls versucht zu verheimlichen. Oftmals schaut sich das nicht einzig auf seine unfreiwillige Komik zu reduzierende Stück Fun-Film wie ein Musikvideo. Ein Lied untermalt z.B. komplett einen unkommentierten Rückblick auf alles was einst war, inklusive des eigenen ersten Filmdrittels, ein weiteres macht aus dem gnadenlosen Training in der Sowjetunion eine Musikshow der Demut des Amerikaners, während parallel dazu die technologische Chemiewelt Russlands den gottlosen Über-Sportler beim Training produziert. In seiner Schwarz/Weiß-Zeichnung kommt "Rocky IV" so respektlos und plump wie "Karate Kid 3" und "Phantom Kommando" daher, alles Filme, den hier besprochenen inbegriffen, die ich sehr mag, da sie ein hohes Maß an Unterhaltungswert mitbringen, in ihrer ignoranten Art jedoch Hohlbrot-Kino vom Feinsten sind. Amerikaner, die einen Russen ausbuhen, sind legitim, Russen, die einen Amerikaner ausbuhen, sind feindselig. Dieses Muster unreflektierter Schuldzuweisung kleidet den kompletten Film. Selten inszenierte sich Stallone plumper als das Spiegelbild des heldenhaften Amerikaners, zumindest in seiner Reihe um den Boxchampion. Gerne verzeiht man dem Film seine Ungerechtigkeit, so viel Spaß wie der Streifen einem bereitet, der ohne diese Zutat, die eigentlich Fremdschämen verursachen müsste, nicht das Stück Film wäre, für die man es in seiner Lächerlichkeit liebt.

Schlecht inszeniert ist er nicht, das ist das interessante an diesem Stück Ausnahme seiner eigenen Reihe. Gut besetzt wie immer weiß er Ausnahmemimen wie Brigitte Nielsen und Dolph Lundgren, die weniger gut schauspielern können, richtig einzusetzen. Tolle Aufnahmen im Schnee eines nicht zu kurz kommenden Trainings, ein flotter Soundtrack mit ebensolchem Inszenierungsstil, eine Vorgeschichte, die sich Zeit nimmt und letztmals Apollo Creed feiert, ein ausführlicher Hauptkampf der einen Mitfiebern lässt und eine herrlich naive Rede, die zum gemeinsamen Frieden aufruft, das alles bereichert einen Film, der in seinem Anliegen so ungelenk daher kommt wie der steife Ivan Drago im Ring. Und während der Film mittels eines klare Worte findenden Kommentars kein Geheimnis daraus macht, dass im Ring eigentlich ein stilloser Kampf der Köter stattfindet, anstatt das sportliche Ballett zweier Profiboxer, so macht Stallone mit der direkten Art, mit welcher "Rocky 4" erzählt ist, kein Geheimnis aus seinem schlichten Anliegen. Ob das Absicht ist oder nicht, immerhin offenbart der Film arg viele Vorurteile Stallones, sei einmal dahin gestellt. Aber der verkrampfte Versuch aus unreflektierter Ami-Sicht den kalten Krieg zu überwinden, ist geradezu putzig zu nennen und gleichzeitig eiskalt inszeniert und packend erzählt.

Wie oben erwähnt empfinde ich trotz all dieser locker-strengen Worte meinerseits "Rocky 4" nicht als reine Lachnummer. Immerhin hält er auch manch gute Idee bereit. Den Show-Kampf des ersten Drittels als humorvolle Nummer zu inszenieren, bevor er bitterböse und hoch dramatisch endet, ist eine psychologisch fiese Nummer von Autor und Regisseur Sylvester Stallone. Die bereits erwähnte Schneekulisse, welche die Sowjetunion darstellen soll, und die Gegenüberstellung beider Trainingsmethoden, eine durch Chemie gemogelt, die andere durch pure Willenskraft und Ausdauertraining gestählt, weiß zu gefallen. Nicht zu dieser Aufzählung gehört die selten dämliche Idee, einen Roboter ins Geschehen einzubauen, der eher zur Serie "Die Jetsons" passt, als zu einer Filmreihe Marke "Rocky", die zumindest versucht authentisch zu sein. Das metallene, künstlich-intelligente Geschenk für Pauly repräsentiert andererseits dieses Comicflair, welches "Rocky 4" umweht und zu solch einem großen Spaß macht. Seiner Zeit garantiert nicht gewollt, ist er im Laufe der Jahre immer mehr zum lebenden, geistlosen Comic-Happening Gut gegen Böse geworden, zu jenem Stück Unterhaltungskino, das nur Engstirnige über die vorhandene Ignoranz klagen lässt, ohne Spaß am rasanten und packenden Ergebnis zu haben. "Rocky 4" sollte man nicht so ernst nehmen, wie es Stallone einst tat. Nach dem kalten Krieg wurde der Film endgültig das, was er für viele Leute schon zur Entstehungszeit war: ein geistloses Kräftemessen zweier ignoranter Fronten, interessant besetzt und gut inszeniert dargeboten, und weit von einer ernstzunehmenden Politbotschaft oder vom ernstzunehmenden Boxsport entfernt. Als derber Spaßcomic weiß er in seiner Übertreibung jedoch bestens zu funktionieren - erstaunlicher Weise häufig auch in seiner Dramaturgie, dem eigentlichen Pluspunkt der restlichen "Rocky"-Reihe.  OFDb

23.05.2017

ROCKY 3 - DAS AUGE DES TIGERS (1982)

Waren die ersten beiden Teile der Boxer-Saga „Rocky“ noch auf die Gesamtperson Rocky Balboa konzentriert, erzählt „Rocky 3“ eine reine Boxergeschichte. Der Vater, der Ehemann, die Person mit den privaten Problemen tritt in den Hintergrund, darf eigentlich nur kurz heraustreten in einer rührenden Trauersequenz, wenn Mickey während eines Dialogs mit dem Titelhelden stirbt, ansonsten geht es jedoch einzig um die Karriere des Berufskämpfers, und dieses dritte Kapitel schaut sich, als würde es sich von selbst schreiben. Die Idee dass der Weltmeister seinen Biss verloren hat und zivilisiert wurde, wie Mickey es nennt, weiß zu gefallen. Und diese Thematik trifft auf eine weitere interessante.

Rocky war ein Prolet, aber ein Ehrenmensch, ebenso wie Apollo. Menschen wollen solche Personen in Siegerpositionen sehen. Clubber Lang, Rockys Herausforderer, ist jedoch ein Prolet der aggressiven Sorte, zu anständigem Sozialverhalten nicht in der Lage, aus seiner Wut heraus Boxer geworden. Er hat sich selbst trainiert, sich ganz allein von unten nach oben hochgearbeitet, und doch erntet er keinen Respekt, was verständlich ist, spricht er ihn anderen gegenüber schließlich auch nicht aus. Lang ist ein Asi, ein Kämpfer völlig anderer Liga als Rocky, was den Kampf mit einem zahm gewordenen Champion um so unfairer macht.

Die Geschichte mit diesen beiden Ideen im Zentrum ist ein Selbstzünder, und wenn nun noch Appollo Creed an die Seite Rockys tritt, kann die Verbrüderung losgehen, deren Nachhall noch bis zum siebten Teil der Reihe, dem Spin-Off „Creed“, zu hören sein wird. Nicht nur dass zwei lieb gewonnene Charaktere nun Hand in Hand anstatt gegeneinander antreten dürfen, die Figurenzeichnung Creeds ist eine Wiedergutmachung für „Rocky 2“, in welchem Creed keineswegs so menschlich weg kam wie in Teil 1 und dem hier besprochenen Teil.

Creeds Charakter wurde auf ein fragwürdiges Niveau heruntergeschraubt, dem gottesgläubigen Ehrenmann Rocky gegenüber gestellt, so wie es nun mit Clubber Lang gehandhabt wird. Der ist jedoch ein asoziales Wesen, den Kampfsport für seine Wut missbrauchend, ein Niveau welches Creed nie kannte. Und nun wird dessen Charakter wieder richtig gestellt. Wir lernen den Menschen hinter der Fassade des Kämpfers kennen, ein Geschäftsmann, zugegeben, aber einer mit einer Vision, mit Talent, mit Durchhaltevermögen, mit Gefühlen und mit Humor.

Ich weiß noch wie sehr mich Audrey stets in den Filmen ab Teil 3 genervt hat, wenn sie ihren klassischen Monolog halten durfte, der Rocky aus einer Krise heraus reißt. Erstmals schaue ich mir die „Rocky“-Reihe im Originalton an und endlich weiß sie zu funktionieren, die Gewissensstimme Adriens, die tatsächlich wachzurütteln und zu motivieren weiß. Ich bin gespannt ob sie in den Fortsetzungen ebenso fruchten wird wie hier, in „Rocky 3“ erfüllt sie zumindest ihren Auftrag und hat allein dadurch einen Zweck, nachdem „Rocky 2“ aus der Ehefrau des Boxers fast eine unnötige Nebenrolle machte.

„Rocky 3 - Das Auge des Tigers“ mag nicht mehr so viele Ecken und Kanten wie die Vorgänger besitzen, er ist feingeschlifferner, mainstreamiger ausgefallen. Aber letztendlich tut dies dem Film gut, zeigte ein Blick auf Teil 2 doch, dass eine tiefer gehende Vorgehensweise nur dann Sinn ergibt, wenn es auch wirklich etwas zu erzählen gibt. „Rocky 3“ konzentriert sich erstmals einzig auf den Sport, und der Geschichte sei Dank wissen diesmal sogar die für den Boxsport eher unrealistischen Straßenköter-Kampfmethoden zu überzeugen, wenn beide Gegner wie die Tiere billig aufeinander einschlagen, was diesmal überraschender Weise recht gut in Szene gesetzt wurde. Die gewonnene Schnelligkeit Rockys, auf die in seinen gelungenen Trainingsszenen gesetzt wird, wird auch in den Boxszenen deutlich und zur Wichtigkeit für den finalen Kampf, im Gegensatz zum Trainingsaufhänger des Vorgängerfilmes.

Gute Kampf- und Trainingssequenzen in einer reizvollen, sich fast selbsterzählenden, Geschichte, präsentiert über längst lieb gewonnene Figuren, so mag die Geschichte des immer wieder aufstehenden Rocky zu gefallen, zumal sie diesmal nicht so selbstbeweihräuchernd umgesetzt ist wie in der ersten Fortsetzung. Ganz so gesellschaftskritisch wie sein Aufhänger ist der Blick auf den Profisport des Boxens schlussendlich nicht ausgefallen, die „Rocky“-Reihe muss man spätestens ab diesem Teil lediglich als Kinomagie auf sich einfließen lassen, denn eine realistische Auseinandersetzung zu dem Thema sieht anders aus.

Andererseits wirkt „Rocky 3“ noch nicht so verträumt jenseits jeglicher Normalität wie „Rocky 4“, in dem es nicht nur eine fast unbesiegbare Kampfmaschine geben wird und die übelste Form von Patriotismus, sondern zu alle dem auch noch einen Roboter, wie aus einem Science Fiction-Film entlaufen. Die Realität in „Rocky 3“ ist zumindest von der unseren nur etwas entrückt, um die Kinomagie zu polieren, um die Wirkung zu verschönern und sich mit einem Kämpfer mitzufreuen, wenn dieser siegt. Der (durchaus amüsante) Hirnriss wahrlich fern jeder Realität folgt erst einen Film später.  OFDb

21.05.2017

ROCKY 2 (1979)

Sylvester Stallone übernimmt in der Fortsetzung des Erfolges „Rocky“ selbst die Regie und versucht im Großen und Ganzen Avildsens Stil des Vorgängers beizubehalten. Er erzählt seine Geschichte ruhig und möglichst unaufgeregt, lässt den Zuschauer lange Zeit auf die Rückkehr ins Training warten und hält ihn auch im finalen Kampf lange Zeit hin, ehe die Entscheidung um Verlier und Sieger getroffen wird. Aber weder das Drehbuch, noch die imitierende Regieführung sind so gut ausgefallen wie im Erstling. Zwar ist „Rocky 2“ durchaus ein nettes Filmchen, zu unterhalten weiß er, er reißt den Zuschauer aber nicht mehr so enorm mit, wie es das Original und mancher Nachfolger der Reihe schaffte. Letztendlich wirkt „Rocky 2“ nur wie ein Wiederaufguss der bereits erzählten Geschichte.

Dabei sind einige Ideen wirklich hervorragend zu nennen. Rocky nutzt sein kurzzeitiger Ruhm nichts, da er mit seinem mangelnden Talent nicht zum Werbeträger geeignet ist. Und Mickeys Plan aus dem Linkshänder einen Rechtshänder zu machen, ist auch nicht von schlechten Eltern, bekommt im fertigen Kampf aber nicht wirklich eine Bedeutung, so hirnlos plump wie die beiden Kontrahenten aufeinander einprügeln, was noch mehr nach Straßenköter-Kampf aussieht, als es bereits im ersten Teil der Reihe der Fall war. Boxen sieht anders aus. Freunde des Sports werden die Augen verdrehen. Aber Bewunderer der Reihe sehen darüber gerne hinweg.

Leider ist die erste Hälfte um Rockys Alltag nicht halb so interessant ausgefallen wie im Vorgänger. Viele Liebesmomente zwischen Adrian und Rocky, bei denen keinesfalls romantische Gefühle für den Zuschauer aufkommen, hemmen immer wieder die Wirkung der besseren Drehbucheinfälle. Bereits hier wirkt Adrian nur wie ein Beiwerk, zur zweiten Hälfte hin wird sie fast völlig egal für die Geschichte und dient zusammen mit dem gemeinsam gezeugten Sohn nur noch als Motivator für den Sportler. Man könnte es als Spott betrachten, dass die emotional stärkste Szene zwischen dem frisch verheirateten Paar genau dann stattfindet, wenn Adrian im Koma liegt. Aber es ist wahr, und wenn Rocky um seine Ehefrau weint, weiß dies wahrlich zu rühren.

Charakterlich gibt es einige Ernüchterungen zu erleben. Pauly fällt in der Fortsetzung für seine Verhältnisse recht sozial aus und schlägt erst im Dialog mit Adrian über die Strenge, dann aber um zu helfen. Ich persönlich finde es gut, dass er ab Teil 3 wieder ins alte Muster zurück fällt, die Milde die er hier aufweist, will nicht recht überzeugen bei solch einem auf sich fixierten Menschen, der zur Selbstrefelxion nicht in der Lage ist. Schlimmer ist jedoch die Figurenzeichnung Apollo Creeds ausgefallen, der nun jegliche Milde im Gegensatz zu Pauly verloren hat und nur noch das Arschloch mimen darf, welches auf Teufel komm raus den Rückkampf will. Anders als erwartet, bleibt er selbst dann unsympathisch, wenn er im Rampenlicht nicht mehr die Rolle des Bad Guy spielen müsste.

Wenn nun diesem humorlosem, bösartigem Schwarzen der ewig betende, Gottesgläubige Italiener Rocky entgegen gesetzt wird, fragt man sich fast was hier auf rechts trainiert wurde, Rockys Faust oder Stallones Weltsicht - eine in der nicht nur faschistische Tendenzen aufzukeimen scheinen (zumindest mit übersensiblisiertem Blick von heute), sondern in welcher zudem die Selbstbeweihräucherung einige unangenehme Höhepunkte erhält, was zuvor genannten Punkt noch extremer erscheinen lässt. Das Zujubeln der Menge während des Trainings, die ihm folgenden Kinder beim Joggen und diverse Trainingssequenzen, die nur enthalten zu sein scheinen, um zu beweisen zu was Stallone in der Lage ist, und nicht Rocky, durchbrechen den ruhigen, bescheidenen Stil, den Stallone ansonsten von Avildsen kopiert. Und das will nicht wirklich miteinander harmonieren.

Nun sind dies alles Schwachpunkte, die „Rocky 2“ daran hindern so großartig auszufallen wie der Vorgänger, vielleicht zählt dazu auch die Entscheidung im Finalkampf diesmal eindeutiger den kleinen Aufsteiger zu feiern als bisher, indem dieser diesmal dem Champion den Titel weg nimmt. Dank der bekannten wichtigsten Charaktere (mit einer verstärkten Position Mickeys), dem klassischen Soundtrack und der noch immer enthaltenden Sympathie zum Gesamtwerk der Rocky-Reihe, schafft es aber auch die Fortsetzung angenehm zu unterhalten. Allerdings bildet sie auch in diesem annehmbaren Zustand den Tiefpunkt der Reihe, der von den meisten anderen Zuschauern Teil 5 zugesprochen wird.

„Rocky 2“ ist jedoch viel mutloser ausgefallen als dieser, zu sehr darauf bedacht Teil 1 ohne nennenswerte Geschichte nachzuahmen, als dass der Vergleich zum inhaltlich mutiger ausgefallenem „Rocky 5“ ein fairer sein könnte. Die etwas zu lieblos umgesetzte Kampfchoreographie im finalen Wettstreit vollendet das unausgegorene Gesamtbild der ersten Fortsetzung, so dass es um so erstaunlicher wirkt, welch sympathischer Film letztendlich doch noch aus „Rocky 2“ wurde. Somit ist der Film vergleichbar mit seinem Helden. Er steht immer wieder auf, selbst wenn man denkt dass alles vorbei wäre.  OFDb

20.05.2017

ROCKY (1976)

Die Geschichte von „Rocky“ und Sylvester Stallone geht Hand in Hand parallel einher. Stallone wird zusammen mit Rocky zu einem Star, richtet sich mit etlichen Comebacks immer wieder auf und erlebt eine Karriere über viele Jahrzehnte hinweg. „Rocky“ erzählt die klassische Geschichte welche Amerikaner immer wieder gerne über ihr Land hören: dass hier aus einem Niemand ein Jemand werden kann, dass hier jeder eine Chance hat. Und die Parallelereignisse zwischen Stallone und seiner Figur Rocky zeigen, dass in der Ausnahme an diesem Hoffnungsschimmer vieler Armer etwas dran ist. John G. Avildsens Film ist gut erzählt, er hätte keine zusätzliche Hilfe nötig um zu gefallen. Und doch puscht es das Sichten von „Rocky“ ungemein, dass dies der Start der Karriere des Autors und Hauptdarstellers Stallone war, und egal wie tief man es schafft in den Film einzutauchen, ein Hauch Stallone schimmert immer wieder in der Figur Rocky durch, was ich keinesfalls als Nachteil empfinde.

Ich bin ohnehin emotional an die komplette Filmreihe gebunden, empfand Wehmut beim nostalgischen Spin-Off „Creed“ und weinte kleine Tränen im überraschend großartigen „Rocky 6“. Ich konnte über „Rocky 4“ aufgrund seiner lächerlichen Extreme herzhaft lachen, ich empfand die Geschichte von „Rocky 3“ trotz des peinlichen Aufhängers des Auges des Tigers als äußerst reizvollen Fortsetzungsgedanken und selbst mit dem oft gescholtenen „Rocky 5“ konnte ich trotz zu extremer Klischees etwas anfangen, imponierte mir doch der Mut einen Rocky-Film lediglich mit einem Straßenkampf, anstatt mit einem großen Boxkampf enden zu lassen.

Bei meiner erneuten Sichtung des Erstlings nach etlichen Jahren versuchte ich „Rocky“ einmal nicht in der üblichen Euphorie zu sichten, die er üblicher Weise in mir auslöst. Ich wollte mit meiner seit damals angewachsenen cineastischen Erfahrung einmal einen möglichst objektiven, ehrlichen Blick auf jenes Sport-Drama werfen, welches so viele Menschen verzaubert hat. Und ich war überrascht wie extrem nüchtern der Film eigentlich erzählt ist. Relativ frei von Theatralik zeigt uns der Film mit Rocky einen Menschen, der weder charakterliches Vorzeigeideal der Gattung Mensch ist, noch ein sonderlich aufregendes Leben vor seinem Boxkampf mit dem Champion führt.

Man darf es Stallone hoch anrechnen, dass sein Drehbuch sich trotzdem in der ersten Hälfte einzig Zeit für die Nichtigkeiten in Rockys Leben gönnt. Erst nach dieser beginnt der Film mit dem Training für den bevorstehenden Kampf. Die Verantwortlichen für die Umsetzung von „Rocky“ erkannten das Potential der Figuren. Ja, es war ein Werk über den amerikanischen Traum, aber eben weil der Film sich nicht ziemlich direkt dieser Thematik widmet, erkennt man, dass den Köpfen hinter dem Filmprojekt bewusst war, welch starke Charaktere die Geschichte ausmachten, Charaktere die nach außen so gar nicht stark wirken. Rocky ist ein Prolet, der zwar ordentlich kämpft, in seinem Beruf aber nie den großen Sprung geschafft hat. Sein Auftreten ist zwar freundlich aber ordinär, seine Wirkung auf den Zuschauer keinesfalls sympathisch, höchstens etwas bemitleidenswert.

Das Unauffällige, geradezu Alltägliche in den Figuren Adrian, Mickey und Co übt diese Faszination innerhalb einer nichtig wirkenden ersten Stunde aus. Und wenn der Film gelegentlich zu Apollo Creed schwenkt, so wird selbst dieser doch ebenfalls nicht als großer Ungewöhnlicher gezeigt, den er im Showgeschäft so gerne spielen mag. Diese Bodenständigkeit tut schließlich der zweiten Hälfte des Filmes gut, die immerhin gewagt die Geschichte von einem Nobody erzählt, der den Champion im Boxen gewaltig ins Schwanken bringt und alles andere als ein leichter Gegner für zwischendurch ist. Die Bodenständigkeit sorgt für die Glaubwürdigkeit in dieser Hälfte, die bei anderer Herangehensweise leicht hätte ins Wanken geraten können.

Man merkt dem Autor und dem Regisseur an, dass ihnen der Stoff wertvoll erschien. Er wird mit größtem Respekt vor der Geschichte und den Charakteren umgesetzt. Etwas überrascht war ich von den Trainingssequenzen, hatte ich doch nicht mehr in Erinnerung, dass wir lediglich Rocky bei seinen Vorbereitungen beiwohnen, Apollos Training wird nicht gezeigt. Der Boxkampf wird schließlich zum Highlight des Streifens, so wie es sein soll, so dass „Rocky“ auch in diesem Punkt klassisches amerikanisches Erfolgs-Kino ist. „Rocky“ ist 70er Jahre Kino, er darf trotz großer Kinoauswertung noch langsam und in stillen Tönen erzählt sein. Diesen Luxus gönnte man sich damals noch, und deshalb schaut sich der Streifen auch kaum wie Mainstream, der er seinerzeit eigentlich war.

Rückblickend würde man ihn inszenatorisch aufgrund seiner emotional zurückhaltenden, so gar nicht dramatisch gepuschten, Art dem Europakino zuordnen. Lediglich die erzählte Geschichte drückt ihm endgültig den Amerikastempel auf. Somit ist „Rocky“ selbst dann noch ein beeindruckender Ausnahmefilm, wenn man Stallones Erfolgsgeschichte, die Fortsetzungen des Streifens, oder den Verweis auf den amerikanischen Traum kurzfristig wegblendet. Avildsen hat mit seiner sensiblen, realitätsnahen Umsetzung der Filmwelt ein besonderes Werk beschert. Und mit „Karate Kid“ bewies er im darauffolgenden Jahrzehnt, dass er ein gutes Sportler-Drama selbst dann noch beherrscht, wenn Moral, Kitsch und übermäßige Klischees, kurzum die typischen 80er Jahre-Krankheiten, die dem Kino nachhaltig schaden sollten, mit ins Geschehen treten.  OFDb

09.03.2017

BLOOD BEACH - HORROR AM STRAND (1980)

1980 war der erfolgreiche „Der weiße Hai“ noch nicht all zu lange her. Aber der Zeitabschnitt war lang genug um nach etlichen Nachahmern mit Haien oder manch anderen Bewohnern des Wassers umzudenken, um das gesättigte Publikum locken zu können. Ob man nun den Urzeithai ausbuddelte, oder eine Mix-Kreatur aus Oktupus und Hai kreierte, Ideen gab es zuhauf um vom Erfolgskuchen ein Stück abzubekommen. Und nachdem 1978 auch „Der weiße Hai 2“ erfolgreich die Kinos heimsuchte, ließen die Nachahmer erst recht nicht locker.

Zu diesen gehörte auch Jeffrey Bloom, der sich als Autor und Regisseur von „Blood Beach - Horror am Strand“ dessen besann, was Spielbergs Werk damals ausgelöst hatte: die Angst vor dem Badeurlaub. Noch Jahrzehnte vor „Sand Sharks“ kam er auf den Gedanken, was wohl wäre, wenn die mörderische Kreatur nicht im Wasser lauern würde, sondern unter der Erde im Sand. Und geboren war die Idee des hier besprochenen Filmes, der nun nicht wie das eben genannte Vergleichswerk einen Hai im Sand präsentiert, sondern eine uns unbekannte Kreatur, welche den Filmcharakteren Rätsel aufsetzt.

Recht schnell bemerken die Verantwortlich zur Lösung der Geschehnisse, dass eine nicht menschliche Kreatur für die vielen Todesfälle verantwortlich ist. Zwar verstehe ich nicht, warum Bloom keinen herbeigerufenen Wissenschaftler eingebaut hat, der nachforscht um was für eine Kreatures es sich handelt (stattdessen wird ein Forscher eingebaut, der lediglich unreflektiert phantastischen Humbug von sich gibt), aber zumindest fängt das Buch dies gelungen auf in Bezug auf die Polizeiarbeit, sind es doch die Cops auf deren Hilfe man hofft und deren Belegungszahl man in besonders kritischen Zeiten nun verdoppelt hat.

Der Captain regt seine Mannschaft an sich Gedanken zu machen was das gesuchte Vieh für eine Kreatur sein könne. Kollegen sollen ihre Kinder fragen, jeder solle sich Gedanken machen, wie die Bestie geartet sein kann. Da jeglicher Ansatz fehlt ist diese Spinnerei gar nicht mal verkehrt zu nennen, und „Blood Beach“ (Originaltitel) beweist sich in diesem trashigen Gewand als durchdachter und vom hohen Ross der unfreiwilligen Komik-Perspektive heruntersteigend als nachvollziehbarer und sinnvoller angegangen, als die Außenhülle der Geschichte vermuten lässt - dies zwar lediglich auf B-Film-Basis, Bloom folgt den üblichen Mustern einer solchen Geschichte, aber sie wird durch solch verspielten Kleinigkeiten aufgebrochen und damit interessanter als manch vergleichbares Werk.

Da auch die Charaktere trotz fehlender Tiefe recht sympathisch gezeichnet sind und sich das Herunterziehen unter den Strand, so billig es auch getrickst ist, immer wieder nett anschaut, gibt es keinen Grund über Blooms Werk zu schimpfen, ist es doch ein simples, wie unterhaltsames Stück Tier-Horror, mit dem Bonus nicht zu wissen um welches Tier es sich handelt. Dass wir es erst im Finale sichten, sei hier bereits verraten. Aber das ist meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, handelt es sich doch um eine wahrlich ungewöhnliche Kreatur, eine phantasievoll umgesetzte, aber auch eine, die ihre Wirkung bei Attacken auf Menschen verloren hätte.

Bloom ist sich dessen bewusst und zeigt das unbekannte Tier nur, damit wir darüber staunen können, nicht weil er nun die Jagd auf die Menschen eröffnet, und wir die Kreatur im Einsatz sehen dürften. Da mag nun mancher klagen, dass die Bestie billig aussehen mag, ich fand sie in ihrer etwas zu plump umgesetzten Art jedoch faszinierend und geheimnisvoll, tatsächlich in keine Schublade einordnen lassend, so dass auch die Schlusspointe während des Abspanns durchaus vorstellbar ist.

Als kleines Leckerchen für Dauergäste im Bereich des 70er- und 80er-Jahre-Kinos präsentiert uns „Blood Beach“ zwei stets gern gesehene Semi-Promis des B-Film-Bereiches, als da wären John Saxon, bekannt als der Vater aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und als Veteran aus „Asphalt-Kannibalen“, sowie Burt Young, bekannt als Pauly aus den „Rocky“-Filmen, der hier eine ähnlich abgefuckte Rolle spielen darf - als Cop. „Blood Beach - Horror am Strand“ ist der nette, kleine, sympathische Horrorbeitrag für zwischendurch, relativ unblutig geraten, für manch einen sicher auch belustigend ausgefallen, aber aufgrund des Mutes das Thema ernsthaft umzusetzen mit dem Herzen am rechten Fleck angegangen. „Blood Beach“ biedert sich keinem Publikum an, er lässt sich von neugierigen, aufgeschlossenen Cineasten entdecken.  OFDb

23.09.2012

ROCKY 6 - ROCKY BALBOA (2006)

In einem TV-Special wird per Computersimulation ermittelt, ob der ehemalige Boxchampion Rocky gegen den heutigen gewinnen könnte, vorausgesetzt beide wären zu ihren besten Zeiten gegeneinander angetreten. Diese sind für Rocky jedoch vorbei. Adrian ist tot, und seine Tage verbringt der ehemalige Boxer Anekdoten erzählend in seinem Restaurant. Das positive Ergebnis der Simulation bewegt Rocky jedoch dazu in den Ring zurückzukehren, sehr zum Widerwillen seines Sohnes. Eigentlich dachte Rocky nur an kleine Kämpfe, doch dann bekommt er das Angebot an einem Promotion-Kampf gegen den aktuellen Weltmeister teilzunehmen...

In Rente gehen kann wer anders...
 
Man, was war ich kritisch. Macht ein sechster Teil wirklich Sinn? Nun, Teil 6 kann man zwar als gelungen bezeichnen, Sinn macht er aber eigentlich wenig. Teil 5 war erzähltechnisch ein toller Schluss, etwas zu Stallone-typisch klischeehaft erzählt, aber eine runde Sache. Der sehenswerte sechste Teil bildet da nur ein unnötiges Anhängsel, zumindest was den sportlichen Bereich der Geschichte angeht.

Was mich bei der Erstsichtung aufatmen ließ, war der klassische Erzählstil. Stallone schrieb Buch, führte Regie, da war ein alter Haudegen der Filmbranche am Werk und kein nerviger Jungregisseur aus den Welten der Videoclips. „Rocky VI“ verzichtet auf moderne Bilder und erzählt seinen Film im Stil der fünf Vorgänger. Da der Streifen beim Zuschauer sehr auf Nostalgie setzt, ist das auch sinnig. Und auch die Geschichte mit Schwerpunkten über Neuorientierung im Alter, Trauerverarbeitung u.ä. spricht für diese ruhigere Erzählweise. Einzig wenn im Finalkampf einige Runden mit einer Musikschleife übersprungen werden, wird kurz auf modernes Schnellschnitt-Bildgewitter und farbliche Spielereien gesetzt. Das ist dann aber auch die einzige, sehr unnötige, Ausnahme.

Zu vergleichen ist der 6. Teil der Reihe am ehesten mit dem 1. und dem 5. Teil. Auch in diesen stand das Drama und nicht die eigentliche Sport-Action im Mittelpunkt. So etwas peinliches wie "Rocky IV" sollte sich nicht wiederholen. So etwas wunderbares wie Teil 1 ist es aber auch nicht geworden. Das liegt mitunter daran, dass die Figuren, die in Teil 6 neu eingeführt werden, zu sehr ins Leere laufen. Die neue weibliche Bekanntschaft und ihr Sohn, das sind alles Figuren die für wenig stehen.

Die Frau macht immerhin inhaltlich Sinn, wird zum Ende hin aber nicht mehr benötigt. Ihr Sohn wirkt von Anfang an krampfhaft eingebracht. Auf der DVD gibt es entfallene Szenen zu betrachten, unter denen auch eine war, die der Anwesenheit dieser Person mehr Sinn gegeben hätte. Wäre diese Szene im Film enthalten gewesen, wäre es dieser Rolle so wie jener der Mutter ergangen: sinnig für seine Zeit, danach verpufft, so aber verpuffte sie von Anfang an.

Stallone nutzt diese Figuren um an ihnen den typischen Rocky-Charakter zu demonstrieren (der Großzügige, der der gerne gehört wird, der der gerne Lehren erteilt, ...). Er nutzt sie um die Entwicklung der Hauptfigur zu zeigen, und natürlich nutzt er sie, um seine in fast allen Stallone-Filmen propagierten Lebensweisheiten preisgeben zu können (das hatte Stallone mit seiner Rocky-Rolle schon immer gemeinsam). Für die Geschichte rund ums Boxen sind die neuen Charaktere allerdings witzlos.

Das wäre noch in soweit o.k., wenn sie in diesem Erzählstrang nicht mehr vorkommen würden. Aber warum diese beiden Personen Rocky nicht nur begleiten (was trotz des Aspektes von Familienersatz schon unsinnig wirkt), sondern auch noch neben dem Boxer sitzend der Pressesitzung beiwohnen, will mir nicht in den Sinn.

Zu den unnötigen Filmfiguren dazugesellen kann sich diesmal auch der Sohn Rockys. Diente dieser dem 5. Teil für das Storygrundgerüst, wenn auch ertränkt in billigsten Vater-Sohn-Klischees, so darf er diesmal besonders plump wirken, ist einzig und allein Zielscheibe der guten Rocky-Ratschläge, und macht noch immer den Eindruck er sei das kleine Kind aus Teil 5, gefangen im Körper eines Erwachsenen. Seine Auftritte sind glücklicher Weise stark begrenzt, seine Wichtigkeit für den Film fast gleich null. Seine eigenen Emotionen sind völlig witzlos für das Werk, lediglich seine Distanz zum Vater ist wichtig für den psychologischen Aufbau der Geschichte. Aber hätte da nicht eventuell eine bloße Erwähnung gereicht? Hätte der Sohn wirklich "geistig geheilt" zurückkriechen müssen? Ich denke nicht.

Ein weitaus wichtigerer Kritikpunkt, als mein Tadel an den neuen Figuren, ist die Krankheit Rockys, die in Teil 5 thematisiert wurde. Ich glaube kaum, dass seine Gehirnverletzungen ernsthaft heilbar sind. Aber selbst wenn dies blauäugig der Fall wäre, hätte Teil 6 eine Erwähnung über den genesenen Zustand des Helden enthalten müssen. Das Thema wird jedoch einfach ignoriert, so als hätte es Rockys Kampfunfähigkeit nie gegeben. Das ist fatal, wo dieses Element doch Zentralproblem der Einführung des fünften Teils war. Genau wegen dieser Krankheit konnte sich Rocky nicht aus den Slums herausboxen und musste damit leben wieder dort zu stecken, wo er einst begann. Wie konnte ein so grober Fehler geschehen?

Zum Glück macht der Film auch vieles richtig. Nachdem Teil 5 zeigte, wie ungeeignet Rocky als Trainer war, macht seine neue Karriere Sinn. Die verschiedenen Nutzen, die er aus dem Gaststättengewerbe zieht, passen gut zum Rocky-Charakter (Erzählonkel, ehemaligen Kollegen helfen, ...). Ohnehin ist es immer wieder toll zu erleben, wie sich eben dieser Rocky-Charakter in all den 6 Filmen treu bleibt. Egal wie gut oder schlecht ein Teil der Kinoreihe war, Rocky blieb Rocky, blieb dabei nicht völlig unverändert, aber er veränderte sich sinngemäß und blieb zumindest im Kern der selbe Mensch.

Gut ist auch die Idee, dass Rocky die Boxlizenz lediglich für kleine Kämpfe erhalten möchte. Das passt zu seiner Bescheidenheit. Der Versuchung des großen Kampfes nicht widerstehen zu können passt auf der anderen Seite ebenso.

Auch die Weiterführung der Pauly-Rolle kann man als geglückt bezeichnen. Alter macht weiser. Pauly ist zwar noch das Arschloch das er immer war, lässt aber Einsicht durchfunkeln. Einen seiner bewegensten Auftritte hat der Mann ziemlich zu Beginn, wenn er erwähnt, dass er nicht an die Vergangenheit erinnert werden will, da er stets schlecht zu seiner Schwester war. Seinen dramatischsten Auftritt erlebt man leider nur auf der DVD. Unter den entfallenen Szenen befindet sich eine Parallelszene zu seinem Rauswurf aus der Schlachterei. Leider ist die schlechtere Szene im Film enthalten, in der Pauly den halbwegs Coolen mimt, während er in der Alternativszene zu heulen beginnt. Das mag man sich bei Pauly kaum vorstellen können, aber die Szene passte zu seinem Charakter wie die Faust aufs Auge.

Der Finalkampf ist diesmal sehr kurz gehalten (ebenso wie leider auch das Training). Die Kamera geht diesmal nicht zu oft nah an die Figuren ran. Stallone ist halt alt geworden, das musste man halt irgendwie kaschieren, damit der Fight dennoch wirkt. Dass Rocky sich in eine Boxsituation bis zum bitteren Ende festbeißt, hat er in den Vorgängerfilmen oft bewiesen. Mit einer anderen Figur würde die Boxgeschichte von Teil 6 gar keinen Sinn machen. Sie würde nur aufgesetzt wirken: ein alter Boxer kämpft gegen den aktuellen Champ. Mit den Geschehnissen der Vorfilme passt der hier gezeigte Fight allerdings zum Rocky-Charakter, und dass er es im Kampf so weit schafft, ist nur die weitergesponnene Konsequenz der Vorgängerfilme.

Trotz versöhnlichem Wortwechsels zum Ende hin, erscheint der Charakter des Gegners ungewollt düster. Überheblich und unfreundlich war gewollt, in seinen miesesten Szenen hat er aber sogar was von der Unsympathie eines Mr. T aus Teil 3. Das haben wohl auch die Produzenten gemerkt, und so würde es mich nicht wundern, wenn die Figur des anderen Schwarzen, der Sohn der neuen Freundin, nur aus politisch korrekten Gründen eingesetzt wurde. Das ist reine Spekulation, aber Hollywood traue ich in diesem Punkt mittlerweile alles zu.

Der Tod Adrians ist nicht nur ein wichtiges Storyelement am Rande, er tut auch dem Film gut. Vorbei die Zeiten der warnenden und vor allen Dingen lächerlichen Worte der guten Ehefrau. Vorbei die Zeiten des guten Geistes, der Vernunft und des guten Gewissens, quasi ihr Part den sie in der Ehe zu erfüllen hatte. An ihre Stelle tritt zwar die neue platonische Freundin Rockys, aber sie hat nicht die penetrante Art von Adrian. Sie wirkt in Gesprächen mit Rocky nicht so unecht wie das Eheweib. Das liegt mitunter an ihrer Charakterzeichnung, die eher zum Zuhören als zum Ratschläge geben taugt, ist aber prinzipiell eine Wohltat für den Adrian-gepeinigten Rocky-Fan.

So, mehr gibt es von meiner Seite aus nicht zu schreiben. Der Film ist kurzweilig, läuft für viele Charaktere ins Leere, bietet dafür aber auch positive charakterliche Überraschungen und zeigt uns einen gealterten Rocky (wunderbarer Mix aus Maske und wirklich altem Stallone) und hält seinen Schwerpunkt zum Glück wieder auf den Drama-Bereich und nicht aufs Boxen. Das positive Ergebnis verdankt "Rocky VI" seiner kinoklassischen, MTV-generationenfremden Erzählweise, Stallones Stärke Charaktere weiterzuentwickeln und ihnen dabei dennoch treu zu bleiben, und der unausweichlichen Nostalgie, die der komplette Film beim Stammzuschauer versprüht. Es ist als geleite man einen langjährigen Freund ins Alter.  OFDb