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28.01.2024

FLETCHERS VISIONEN (1997)

Zu einer Zeit, in der ich weit mehr Massenware geschaut habe, als heutzutage, war ich von "Fletchers Visionen" richtig begeistert. Kurzweilige Unterhaltung ist er auch heute noch, aber anspruchsvoll erzählt sieht anders aus. Klar, technisch ist er bei solch einer Großproduktion professionell ausgefallen, die Stars, welche den Zuschauer ins Kino locken sollen, sind sympathischer Natur und relativ gut in dem was sie tun, und der Aufhänger der Geschichte weiß definitiv zu locken. Aber die Möglichkeiten, die mit der Thematik von Verschwörungstheorien vorhanden gewesen wären, werden nur oberflächlich abgegrast, dienen eher als Aufhänger und Freakshow und bedienen sich jeglichen Klischees. Doch die Fesseln, welche der Autor seiner Geschichte unnötig zumutet, entstehen erst so richtig durch die allmählich durchsickernde Auflösung. Warum muss alles was geschah im direkten Zusammenhang mit den Figuren stehen? Warum wird solch eine Geschichte in einem derartigen Mikrokosmos festgehalten? Ähnlich wie in "Number 23" 10 Jahre später, schnappt man sich ein Thema, welches durch eine unübersichtliche Reichweite gereizt hätte, und engt diese dann mit einer leicht zu überblickende Population an Beteiligten ein, sowie mit einem zu begrenzten Zeitfenster. 

Faszinierender Weise wäre die gar nicht einmal uninteressante Auflösung des Ganzen eigentlich wesentlich erzählenswerter und reizvoller ausgefallen, wenn man sie der natürlichen Zeitlinie der Ereignisse nach erzählt hätte, sprich all das Schritt für Schritt thematisiert hätte, was uns im Nachhinein enthüllt wird. Den Aufhänger einer aufgedeckten Verschwörung hätte man dann nicht gebraucht, mit dem Fehlen dieser entsprechend keine Erwartungen geschaffen, die es nicht einzuhalten gibt, und man hätte eine tolle Geschichte parat gehabt. Ganz verkehrt ist "Conspiracy Theoriy" (Originaltitel) freilich auch in seiner tatsächlich angegangenen Form nicht ausgefallen, aber er wird nur zur Lightversion dessen was er hätte werden können, ob nun bezogen auf die Auflösung oder alternativ auf den Aufhänger. Die Übervorsichtigkeit Fletchers wird freilich nach einer etwas belustigenden Phase, die zudem durch sein wirres Zusammenwürfeln unabhängiger Ereignisse in der Welt gefördert wird, zu einem funktionierenden Motor einer bedrohlicher werdenden Geschichte. Wunderbar schaut sich seine abgesicherte Wohnung, der Mechanismus sie zu zerstören für den Ernstfall, schockend ist seine überraschende Entführung und die packende Flucht im gefesselten Zustand, welche die Orientierungslosiglkeit im reinen Überlebensinstikt vortrefflich inszeniert einzufangen weiß.

Den leichten Anflug an Humor und den im Zentrum stehenden Thrill beherrscht Regisseur Richard Donner jedoch weit mehr als die Gefühlsebene. Und auf diese setzt man im Drehbuch ungemein. Aber die Figuren bleiben zu distanziert, trotz des harmonisierenden Teams Roberts/Gibson, und so will dieser Aspekt nicht wirklich fruchten. Die Schuldgefühle Fletchers kommen da noch eher an, aber auch sie wirken in diesem zu theoretisch emotionalen Film lediglich aufgesetzt. Damit geht viel vom Charme verloren, und auch die Schlusspointe ergreift einen damit nicht derart, wie gewünscht. Mit wenig Erwartungen weiß "Fletcher's Visionen" (Alternativtitel) aber zumindest zu unterhalten. In seinen 130 Minuten entsteht nie Stillstand oder eine sperrige Phase. Große Überraschungen im Plot oder eine nennenswerte Figurenentwicklung braucht man bei diesem typischen Stück Popkornkino jedoch nicht erwarten.  Wiki

30.10.2022

WAS FRAUEN WOLLEN (2000)

Sicherlich folgt "Was Frauen wollen" in den meisten Punkten dem üblichen Ablauf einer derartigen Fantasykomödie. Das Übernatürliche wird als Fluch angesehen, wird für den Egoismus schließlich zum Vorteil, wird später für das Gute genutzt und der Wunschpartner wird nach Läuterung erobert. So weit, so bekannt! Was dem Endprodukt zugute kommt, ist neben dem Selbstläufer als Ausgangsidee die damalige Idealbesetzung mit Mel Gibson, der sich damals auf dem Hoch seiner Karriere befand, eine ungeheure Ausstrahlung vorweisen kann und mit sichtlicher Spielfreude dabei war. Der Charme des Films entsteht nicht einzig über ihn, aber er ist ein wichtiges Element zum Funktionieren einer Komödie, die zum immer wieder Sichten einlädt. Eine authentisch besetzte Tochter inmitten der sonstigen Comicwelt, in welcher der Streifen trotz weltlicher Problemthematiken angesiedelt ist, und eine taffe, mitten im Leben stehende, mit Helen Hunt nicht minder gut besetzte, Vorgesetzte wissen sowohl als eigenständige Figuren, sowie als Motor gut funktionierender, emotionaler Entwicklungen zu gefallen und zu berühren, und dies, abgesehen von seltenen Ausrutschern, nie in Form eines reinen Frauenfilms. 

Okay, ich mag den Begriff sowieso nicht, aber manches Mal fühlt es sich trotz des gelungenen Ergebnisses so an, als würde "What Women Want" (Originaltitel) nur knapp an einer Katastrophe diesbezüglich vorbei schliddern. Tatsächlich aber wird das männliche Geschlecht nie ausgegrenzt herzhaft mit zu lachen, zumal Frauen und Männer gleichermaßen ihr Fett abbekommen, während ihre Fehler menschlich gezeichnet werden, anstatt kritisiert zu werden. In einem Film über Läuterung wird es freilich dennoch moralisch, manches Mal auch kitschig, aber das sind meist kurze Anflüge, die zu verzeihen sind. Im Finale, wenn Letztgenanntes besonders penetrant in den Vordergrund tritt, wird es durch einen Gag entschuldigt, der erst daraus fruchten konnte. Das offensichtliche Einkaufen der Firma Nike wird gewinnbringend für den Film genutzt, auch wenn es eine erfundene Firma ebenso getan hätte, "Was Frauen wollen" ist nicht frei von Krankheiten des Mainstreams und der Großproduktionen. Aber mit seiner pointensicheren Umsetzung, Gefühlsmomenten, die anzustecken wissen, sowie einer leichtfüßigen Inszenierung in passender Besetzung, weiß das Geglückte am Ergebnis weit mehr zu dominieren, als die offensichtlichen Schwachpunkte. 

Das Timing stimmt, Moral und Kitsch werden nie zu extrem zelebriert, der Soundtrack ist stimmig, das für seine Zeit geradezu typische glasklare Bild, in das die Kamera jegliches Szenario taucht, unterstützt den edlen Style der anvisierten Gesellschaftsszene. Lediglich das zu einfache Denken der Frauen wirkt ein wenig beleidigend, was umso mehr erstaunt, da der Streifen von einer Frau umgesetzt wurde. Nancy Meyers konnte drei Jahre später mit ihrem Folgefilm "Was das Herz begehrt" noch eine Spur treffender in das Gefühlsleben und die Gedankenwelt beider Geschlechter eintauchen. Letztendlich gelingt ihr das abgesehen von den offen gesprochenen Gedanken der Frauen auch hier. Also kann man wohl davon ausgehen, dass dieser Schwachpunkt der Vereinfachung wegen genutzt wurde, so dass nur engstirnige Korintenkacker wie ich daran Anstoß nehmen können. Und dennoch wurde ich rundum gut unterhalten. Wie muss sich der Film da erst bei Zuschauern anfühlen, die sich nicht an derartigem aufhängen?  OFDb

30.05.2021

BOSS LEVEL (2021)

Egal wie häufig sie thematisch mittlerweile verwendet wird, ob in Dramenform ("Wenn Du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie"), im Horrorbereich ("Happy Deathday") oder als billiges TV-Format ("Und täglich grüßt der Bräutigam"), der erste Vergleich der Zeitschleifenthematik findet sich automatisch zu allererst in der cineastischen Ur-Version "Und täglich grüßt das Murmeltier". Diese musste zum Heranführen an die ungewöhnliche Realität noch viel mit Wiederholung arbeiten, so als wäre man Teil der Dreharbeiten, in denen Szenen aufgrund von Fehlern wiederholt werden müssen. Je mehr Filme sich dem Gedanken des wiederholenden Tages widmen, umso mehr ist man bemüht andere Erzählwege zu finden, sicher auch aufgrund der mangelnden Konzentration des Mainstream-Publikums, das man im finanziellen Idealfall erreichen möchte. Dieses wird mit "Boss Level" definitiv anvisiert, ist dieser Mix aus Action und Science Fiction doch eine Art Proll-Version besagter Thematik, was jedoch keineswegs so negativ gemeint ist, wie es klingt, immerhin bereitet der Streifen großen Spaß. 

Er nutzt die Kriminalaspekte und die wissenschaftlichen Hintergründe ähnlich wie "12:01", dessen Buchversion die eigentliche Ur-Fassung der Idee um Zeitschleifen ist, orientiert sich stilistisch aber an den ebenfalls Action-reichen "Edge of Tomorrow" und seiner schwarzhumorigen Art mit verschiedenen Todesarten dem Ziel jeweils ein Schrittchen näher zu kommen. Dass diese Herangehensweise an das System von Computerspielen erinnert, ist ein cleverer Schachzug, wenn man bedenkt, dass die Konsolen noch beliebter sind als das Medium Film, und sich das Massenpublikum mit der Kombination beider somit hervorragend locken lässt und gut identifizieren kann (womit praktischer Weise das ausführliche Wiederholungsszenario des Murmeltiers eingespart werden kann). "Boss Level" geht damit noch eine Spur direkter um und untermalt das Geschehen mit klassischer Spiele-Schrifteinblendung zu Retro-Computersound, so wie in damaligen Spielen üblich, dies jedoch nur als lustig gemeintes Gimmick. Die Wiederholung des Tages hat nichts damit zu tun, dass der Held in einem Spiel steckt, Joe Carnahans Werk ist weder "Tron", noch "Ralph reichts". Der Protagonist findet lediglich über Retrospiele Zugang zu seinem Sohn, welcher für den kleinen Anteil an Emotionen in "Boss Level" zuständig ist. 

Dieser Umgang mit dem anderen Medium signalisiert bereits wie augenzwinkernd der Film gemeint ist. Gerade wegen der an sich plumpen Haudrauf-Art ist diese Herangehensweise ungemein wichtig, um den ironischen Umgang zu signalisieren und, wie mit manch anderen Elementen ebenso, zu beweisen, dass man gar nicht so dümmlich herangeht, wie sich der Film grob gesehen anfühlt. Gleichzeitig steckt in diesen Schrifteinblendungen aber auch der einzige Minuspunkt des Streifens, den ich ihm nicht verzeihen kann: die hier eingeblendeten Zahlen sind völlig unrealistisch, verglichen mit dem was Roy erlebt, erreicht, erlernt (aller spätestens bemerkbar in seinen Schwertkampfkünsten innerhalb kürzester Zeit). Alles andere lässt sich aufgrund der augenzwinkernden Art entweder entschuldigen oder ist als Comicelement passend eingebuden. Carnahan inszeniert sein Werk actionreich und flott, gönnt ihm dennoch ruhigere Momente zur Vertiefung von Charakteren, ohne den Film  dadurch auszubremsen, und auch den Thrill-Bereich, den er bereits in "The Grey - Unter Wölfen" so gekonnt unter Beweis stellen konnte, vernachlässigt er inmitten eines Szenarios, das sich eher an geistloser Action-Unterhaltung orientiert, nicht. 

Damit ist ihm eine höchst unterhaltsame Wundertüte intellektuell anspruchslosem Kinos geglückt, das mit einer großartigen Optik, aufgrund verspielter Aufnahmen und genügend finanzieller Stütze, daher kommt, mit allerhand treffsicheren Sprüchen kommentiert entspannt erzählt ist, und mit der von Mel Gibson passend besetzten Figur des Bösewichts sogar ein intelligent artikulierendes Element besitzt. Dem Drehbuch kommt es zugute, dass der Held nicht der hellste ist. Gleichzeitig achtet es immer darauf den jeweiligen Grad und Grund der Motivation des Helden stets glaubwürdig einzufangen und ihn immer nur in jenem Umfang tätig sein zu lassen, der seinem Wissensstand entspricht. Der hervorragend gesetzte Schluss lässt Raum für die eigene Fantasie, während er gleichzeitig die Möglichkeit einer Fortsetzung bereit hält, was wohl naheliegend aufgrund des Titels "Boss Level" ist. Von daher bin ich einmal gespannt wie das nächste Level aussieht, das hoffentlich wieder genauso spaßig, entspannt und kurzweilig daher kommt, wie dieser wundervolle Film. Wenn schon Kopf aus-Kino, dann doch bitte wie hier präsentiert: kompatibel für den Mainstream ebenso wie für das Alternativpublikum der Freigeister.  OFDb

24.11.2018

SIGNS - ZEICHEN (2002)

Nach seinen beiden hervorragend ausgefallenen Werken "The Sixth Sense" und "Unbreakable" galt Autor und Regisseur M. Night Shyamalan als eine Art Wunderkind des amerikanischen Kinos. Der Ruf verflog recht schnell wieder, und "Signs - Zeichen" gibt uns einen ersten Blick darauf, warum dem so war. Bruce Willis, der Star der beiden Vorgängerfilme, ist diesmal nicht mit an Bord, ich wüsste aber gerne einmal ob er gefragt wurde erneut die Hauptrolle zu übernehmen, und ob er aufgrund des schwachen Drehbuchs einst nein sagte. Es würde für ihn sprechen. Stattdessen ist der Folgefilm der beiden Erfolge mit Mel Gibson besetzt, der zwar ein ähnlich starkes Charisma zu versprühen weiß wie der gute Bruce, aber nicht dessen Schauspielstärken besitzt, was gerade in den tragischer ausgefallenen Szenen aufzufallen weiß. Dennoch weiß er großteils zu wirken und spielt weitaus engagierter als es das Buch verdient hätte.

Dieses walzt zunächst jegliches Klischee um Aliens und Kornkreise breit, zwar nicht ohne um Realismus und kritische Worte bemüht zu sein, letztendlich aber zu sehr auf dem Altbekannten dieser Thematik herumreitend, als dass es der Geschichte gut tun würde. Mit dem Auftauchen der Fremden in den Medien bekommt der Film eine interessante, unerwartete Wende, so dass sich das Phänomen nicht mehr nur im kleinen Kreis von Hess Familie offenbart, sondern zu weltweiter Beachtung führt. Mit dem Spannungsfaktor um den Fakt, dass die Außerirdischen tatsächlich existieren und wir nicht wissen was sie wollen, gelingt Shyamalan unerwartet eine Wendung der Aufmerksamkeit des bis dahin nicht überzeugten Zuschauers, da sich eine Art ruhig erzähltes "Krieg der Welten" ankündigt, dass wie typisch für den Regisseur und Autor auf wilde, laute Szenen verzichtet, und allein schon aufgrund des über allen schwebenden Vielleichts lediglich besonnen und langsam mit dem Erzählen der tatsächlich aufregenden Ereignisse vorgeht.

Shyamalan schafft es in den besten Momenten des Streifens aus einem eher mittelmäßigen Thema einen Interesse weckenden Film zu gestalten, der an einigen Stellen ein enorm hohes Spannungspotential aufweist. Obwohl man es von dem Mann gewohnt ist eher friedliche Wege zu beschreiten und man deswegen vermuten könnte, dass die ganze Hysterie um die Aliens unnötig ist, wachsen Zweifel an der möglichen Friedfertigkeit der Besucher, welche unsere Helden der Geschichte hingegen nie wirklich in Betracht ziehen. Leider schafft es Shymalan nicht dieses späte Wecken des Interesses auch zu einem interessanten Schluss zu führen. Dieser verpufft geradezu in seiner zu distanzierten Art und lässt den Zuschauer fragend zurück, warum er für die Schlusserkenntnisse durch diese Story hindurch musste. Das Ergebnis ist unbefriedigend, am Ende zeigt sich lediglich das Gefühl von Leerlauf dort, wo man etwas Handfesteres erwartet hätte.

Klar, man war es durch die beiden Vorgängerfilme gewohnt, dass Shyamalan seine Geschichten mit einem Paukenschlag beendet. Aber es ist nicht der Verzicht darauf, der das Ende von "Signs" nicht wirken lässt, es ist die Ernüchterung der Erfahrung dessen, dass der unaufgeregte Erzählstil des Regisseurs nur dann in seiner Reduzierung Beiläufigkeiten zu aufregenden Geschehnissen werden lassen kann, wenn auch die Dramaturgie des Stoffes zu funktionieren weiß. Und die will diesmal so gar nicht wirken, ist doch bereits der Aufhänger, dass der ehemalige Pfarrer Hess seinen Glauben aufgrund eines schrecklichen Ereignisses verloren hat derart klischeebeladen thematisiert, dass man dem verkrampft traurig spielenden Gibson die Gefühlswelt seiner Figur niemals abkauft. Aus gutem Grund hat sich "Scary Movie 3" einst auf genau diesen Aspekt des Streifens konzentriert, um ihn zu verarschen. Hess' Schicksal und sein Kampf um seinen Glauben wirkt aufgesetzt und nervig, steckt emotional nie an, selbst dann wenn Shyamalan die hier selten im Vordergrund schwebende Dramatik des Stoffes hoch theatralisch ins Zentrum setzt (was auf seinem Höhepunkt angelangt bei einem verweigerten Essensgebetes zur unangenehmsten Szene des Streifens führt).

Besonders ärgerlich ist dieser Aspekt zu nennen, wenn wir am Schluss des Streifens erfahren müssen, dass uns all die ganze Zeit die Geschichte um die Außerirdischen nur deswegen erzählt wurde, um die Wiederentdecken des Glaubens von Hess mitzuerleben. Das ist der Grund warum die Alienthematik zum Schluss in scheinbarer Nichtigkeit verpufft und dem Drehbuch relativ egal ist. Shyamalan geht es um den Menschen im Zentrum und nicht um das große Drumherum. Leider hat er diesen hervorragenden Ansatz auf einer Figur aufgebaut, deren Schicksal sich nicht echt anfühlt, und deren Darsteller nicht in der Lage ist die unangenehmen Facetten des Drehbuchs mit überzeugender Mimik etwas abzumildern. Warum einem Autor das Schicksal des Protagonisten derart wichtig ist, dass alles andere darüber hinaus egal wird, obwohl der Dramengehalt des Werkes im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Filmen derart reduziert wurde, will mir nicht klar werden. Während der Alienaspekt fast schon im Nichts verpufft, schwankt die zu theatralische und geheuchelte Thematik um den Glauben des Ex-Pfarrers zum Ende hin hoch, so dass der Esoterikgehalt, den wir in fast allen Shyamalanfilmen vorfinden, auf unangenehme Art zum Zentrum allem Erzählten wird. Scheinbar erkannte man die Schwächen von "Signs" seinerzeit nicht, denn mit "The Village - Das Dorf" folgte ein noch schwächerer Film, dem man jedoch einen Pseudo-Knalleffekt am Schluss beschert hat. Scheinbar glaubte man der hier besprochene Streifen würde scheitern, weil er diesen nicht besaß.  OFDb

14.10.2018

LETHAL WEAPON 4 (1998)

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.  OFDb

LETHAL WEAPON 3 (1992)

Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.

Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.

Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können.  OFDb

LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (1989)

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.  OFDb

16.07.2017

LETHAL WEAPON (1987)

In jungen Jahren liebte ich die „Lethal Weapon“-Reihe, mochte die zwei Fortsetzungen gar noch mehr als das Original und liebte die dritte Fortsetzung, die überraschend verspätet nachgerückt wurde, als man sich gerade an den Gedanken einer Trilogie gewöhnt hatte. Teil 4 war in seiner ausgeflippten Art der Höhepunkt mit seinen enormen Übertreibungen und seinem Hauptaugenmerk auf den Humorgehalt. Erst Jahre später entdeckte ich erwachsener geworden die Stärken des Erstlings, der als einziger Teil die wirklich entscheidende Dosierung zwischen Komödie und Action bot und psychologisch gesehen weit weniger dümmlich daher kam, als die Party-tauglicheren Fortsetzungen, die sich keine Gedanken mehr zum Thema Gewaltbereitschaft machten. Nicht falsch verstehen, auch die mochte ich mit kleinen Abzügen immer noch, aber an die Qualität des Erstlings kamen sie nicht heran.

Nun sind wieder viele Jahre vergangen und eine erneute Sichtung machte mir nach Jahren der Bewunderung bewusst, wie extrem „Zwei stahlharte Profis“ (Alternativtitel) ein Großer Jungs-Film ist. Noch immer versprüht der Streifen seine Sympathie, einzelne Szenen sind so toll geschrieben, dass sie einem nie aus dem Gedächtnis verloren gehen würden (der Sprung mit dem Selbstmörder, Murtaughs Test ob Riggs wirklich selbstmordgefährdet ist, uvm), aber wirklich einfühlen konnte ich mich nicht mehr ins Geschehen, dafür war es mir zu sehr im Action-Kino angesiedelt und zu weit entfernt von der Realität. Nun will der Streifen diesbezüglich nichts anderes sein, aber der fein dosierte, teilweise subtile, Humor, der ihn vor den meisten Peinlichkeiten bewahrt, indem er Distanz zu seinem Große Jungs-Getue aufbaut, rettet ihn mit Blick von heute nicht mehr so gut wie einst. Bereits in diesem bodenständigerem Teil 1 sind die Protagonisten Comicfiguren, und aus irgendeinem Grund will das bei mir nicht (mehr) so gut funktionieren wie es heutzutage noch ein „Stirb langsam“ oder „True Romance“ schafft.

Die Geschichte entblättert sich zwar erst nach und nach, weiß aber definitiv nicht mehr derart zu gefallen wie einst, zu reißerisch ist ihr Hintergrund, zu unsinnig gehen die Hintermänner vor, zu extrem ist der Schwanzvergleich auf guter wie auf böser Seite. Wirklich peinlich wird es nur einmal, das ist jene Szene am Schluss, in welcher sich Riggs fern jedwegen Nachempfindens mit einem der Hauptgegner auf Murtaughs Rasen prügelt, ansonsten bekommt „Lethal Weapon“ immer rechtzeitig den Bogen, nie so gut funktionierend wie damals, aber doch noch immer unterhaltsam ausgefallen.

Richard Donners Werk weiß immer dann am besten zu gefallen, wenn die zwischenmenschlichen Situationen stattfinden. Da mag es in vielen Szenen ordentlich knallen, Verfolgungsjagden finden statt und böse Jungs werden erschossen (Riggs darf diesbezüglich fast die Position eines Superhelden einnehmen, ohne dessen überragenden Fähigkeiten die völlig übertriebene Geschichte überhaupt nicht funktionieren würde), aber all die Schauwerte erreichen nicht die Qualität eines Blickes in Murtaughs naiv optimistisches Gesicht, wenn er Riggs fragt, ob ihm das Essen seiner Frau tatsächlich geschmeckt habe. Auch die familiären Szenen als Gegenpol zu Riggs tristem Witwerdasein wissen in ihrer Warmherzigkeit zu gefallen, auch wenn sie so realitätsfern, da aufgesetzt, wirken, wie der Rest vom Film.

Somit ist es eher die Herzlichkeit und das Miteinander der beiden Hauptfiguren inmitten von Gewaltbereitschaft, was „Lethal Weapon“ noch immer genießbar erscheinen lässt, während seine Optik (ob nun Frisuren, oder die blaue Schrift im Vorspann) und die Saxophonuntermalung auf lächerliche Art in den 80er Jahren baden, dem einzigen Jahrzehnt, in welchem ein Actionfilm so ausfallen konnte wie hier. Die Bedrohung von Gegnern des 70er Jahre Kinos ist längst nicht mehr zu spüren. „Lethal Weapon“ ist trotz vieler einfallsreicher Szenen Formelkino, genauestens auf die Sehgewohnheiten des Publikums abgestimmt und durchkalkuliert, und eben jenes wollte seiner Zeit nichts sehen was sich echt anfühlt. Dementsprechend distanziert guckt sich Donners humoristisch gehaltene Gewaltorgie heute, ohne dabei den ernsten Ur-Beiträgen a la „Dirty Harry“ und Co, auf welche er sich im Gewaltbereich stützt, das Wasser reichen zu können.  OFDb

MAD MAX 3 - JENSEITS DER DONNERKUPPEL (1985)

Wer auch immer auf die selten dämliche Idee kam aus „Mad Max“ einen Kinderfilm zu machen, egal ob nun für Byron, dem der Film gewidmet ist, oder nicht, der sollte sich ordentlich schämen, ist das was manch einer ein mutiges Projekt nennen dürfte nicht nur nicht geglückt, es lädt auch ebenso zum Fremdschämen ein wie einst „Ein Junge und sein Hund“, der seinerzeit in einigen Dingen sicherlich Pate für „Mad Max 2“ stand.

Nicht nur dass sich die Brutalität des bereits bekannten Zukunftsbildes, auch wenn sie stark abgeschwächt wurde, nicht mit der Mentalität eines Kinderfilmes vereinen lässt, auch der komplett undurchdachte Plot, der darauf setzt dass man sich über das Gesehene bloß keine Gedanken macht („Mad Max 4“ sollte es Teil 3 diesbezüglich nachmachen), lässt es nicht zu, dass aus „Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel“ ein guter, alternativ zur Ursprungsreihe, funktionierender Film wird.

Fans der ersten beiden Teile werden ohnehin verprellt, wenn Benzin- und Diesel-betriebene Fahrzeuge nicht mehr das Hauptgeschehen dominieren, das bizarre Zukunftsbild von einst gegen eine Jahrmarkts-ähnliche Freakshow ausgetauscht wird und ein wunderlicher Stamm von Kindern, unversehrt, scheinbar nie einer Attacke durch Anarchisten ausgesetzt, in der letzten Oase der Zukunft wohnend und trotzdem auf Utopia hoffend, an die unbeliebten Ewoks aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnern. Hier wird der Zeitgeist deutlich, in welchem der Film entstand, wurde geistreiches Provo-Kino doch immer mehr gegen undurchdachtes Unterhaltungskino für die ganze Familie ausgetauscht, und das weiß am hier besprochenen Werk auch ohne Blick auf die beiden ersten Teile zu nerven.

Wenn Kinder sich gnadenlosen Banditen per Bratpfanne zur Wehr setzen, die einzige Autoverfolgungsjagd dafür genutzt wird mit kindlischer Begeisterung Tuff Tuff Tuff-Lokomotive zu spielen und das Ganze zudem noch hin und wieder mit Musik untermalt wird, die auch in einem „Pippi Langstrumpf“-Film Platz gefunden hätte, dann atmet man nicht mehr den Stoff, den der Ur-Fan der Reihe sehen will. Dann setzt man auf ein völlig neues Publikum.

Nicht nur dass typische 80er Jahre-Schrulligkeiten dem Zeitgeistcharakter einer dystopischen Welt nach dem Krieg seine eigene Identität berauben und somit das Entstehungsjahr in eine alternative Zukunft teleportiert, auch neu aufgekommene Unannehmlichkeiten dieser Zeit, wie das Besetzen eines Stargastes, egal ob dieser schauspielern kann oder nicht, in diesem Falle die damals gerade angesagte Tina Turner, bekommen ihren Platz in einem Film beschert, der nur noch Produkt ist, Geldmacherei und somit alles andere als ein Herzensprojekt. Das zeigt allein die schlecht choreographierte Verfolgungsjagd am Schluss, die bei weitem nicht die Mühe beschert bekommen hat, die noch hinter dem großartigen Finale des Vorgängers steckte.

Viel mehr konzentriert man sich diesmal auf barbarische Spielereien, die in einer Serie wie „Lexx“ zu gefallen wissen, dort aber auch nur, weil sie augenzwinkernd betrachtet werden. Die Löwenarena namens Donnerkuppel und das selten dämliche Schicksalsrad für Gesetztesüberschreiter, wird hingegen viel zu ernst genommen innerhalb eines Filmes, in dem nicht nur Kinder sich gegen einem Haufen skrupelloser Barbaren locker zur Wehr setzen können, sondern eine neu aufgebaute Zivilisation in dieser bitteren Zeit zudem so einfach ohne Sicherheitsvorkehrungen einzunehmen ist, wie es uns Richtung Finale völlig dreist demonstriert wird.

Ich weiß nicht woran es liegt, dass sich „Mad Max Beyond Thunderdome“ (Originaltitel) trotzdem noch halbwegs brauchbar guckt, anstatt dass sein Fremdschämen ihn gnadenlos vernichtet, aber auf ganz dünnem Eis schreitend funktioniert die Umkehrung des zweiten Teiles halbwegs, vielleicht auch weil Spiegelungen zu diesem bewusst angegangen werden. Max bleibt diesmal freiwillig zurück für die bessere Zukunft einer Gesellschaft. Und auch er könnte eines Tages ein Happy End erleben, wenn er irgendwann die Lichter in der Ferne sieht und Teil der neu gegründeten Gesellschaft werden kann. Aber was ist das Hausen in den Ruinen einstiger Großstädte für ein Happy End, alternativ zum vorherigen Wohnort der Kinder, am fließenden, sauberen Wasser gelegen, in einem „Planet der Affen“-ähnlichen kleinen Dorf, an dessen Ort sogar ein paar Pflanzen wachsen?

Aber wer sich solche Fragen stellt, gehört bereits nicht zum Zielpublikum dieses dümmlichen Filmes, der sich nur auf Denkverweigerer verlässt, oder auf jene, die es so geil finden actionreiches Familienkino zu sichten, inklusive der für das junge Zielpublikum obligatorischen Rutschpartie-Szene, dass es ihnen vor lauter infantiler Schauwerte egal ist, dass alles um sie herum keinen Sinn ergibt. Damit kann man aber zumindest dem Mainstream-Publikum von heute, welches scharf auf „Deadpool“, „Transformers“ und Co ist, „Mad Max 3“ als kleinen Filmklassiker gleichem Niveaus ans Herz legen.  OFDb

MAD MAX 2 - DER VOLLSTRECKER (1981)

Max ist nach wie vor kein strahlender Held. Ganz im Gegenteil hat er jegliche zivilisierte Eigenschaften seines Charakters gänzlich über Bord geworfen. Und auch nachdem er die Chance bekommt in einer rauen Welt wieder Teil einer Gemeinschaft zu werden, lehnt er dies als Einzelgänger ab. Konnte man in „Mad Max“ noch darüber streiten ob Max es Schuld war die Chancen da draußen zu überleben falsch eingeschätzt zu haben, besteht diesmal kein Zweifel, wenn er trotz des Wissens der lauernden Gefahr in der Nähe sich von der Gemeinschaft, mit der er einen Deal hatte, verabschiedet, um nur kurz darauf bereits zu scheitern.

Die Welt hat sich seit Teil 1 enorm verschlechtert. Nach einem Krieg herrscht die Anarchie in dem zur Wüste verkommenen Land. Eine Form von Fremdschutz existiert nicht mehr, jeder muss sich selber helfen. Jeder ist auf der Suche nach Sprit für sein Fahrzeug. Es haben sich extremistische Gruppen gebildet, die wildernd durchs Land ziehen, aber auch Einzelpersonen ist nicht zu trauen. Die einen gehen trickreich vor, andere plump. Gewaltbereit ist in dieser Welt jeder. Und da ist auch Max keine Ausnahme - und wird auch im kleinen Maße sein Anstand ein wenig zurück erweckt: er wird zu einer solchen auch nicht mehr werden.

Fehlte es dem ersten Teil an Empathie für die Hauptfigur und seine Leiden, was zu einem Schwachpunkt eines ansonsten gelungenen Streifens wurde, ist das Weglassen des Selbigen in „The Road Warrior“ (Alternativtitel) ein Pluspunkt. Der Film konzentriert sich auf die Erweiterung des bereits in Teil 1 vorbereiteten veränderten Weltbildes, zeigt nüchtern das Treiben der Menschen unter solchen Bedingungen und ist dabei, ebenso wie der Vorgänger, frei von einer moralischen Stellungnahme. Die Zukunft hat sich mehr denn je zu einem bizarren Zirkus Tempo-geiler Freaks entwickelt, und es bereitet einen Heidenspaß die verschiedenen Figurentypen, die individuell zusammengeschusterten Maschinen und die Gesetzmäßigkeiten dieser düsteren Welt zu entdecken und auf sich einwirken zu lassen.

Die Geschichte schreitet ein wenig flotter voran als im Vorgänger, ist aber trotzdem noch trocken und intensiv genug ausgefallen, um nicht zum reinen Partyfilm a la „Mad Max 4“ zu verkommen. Die schlicht gehaltenen Charaktere sind der Geschichte neben dem glaubwürdigen Weltbild das wichtigste Element welches es zu beachten gibt, und aus Letztgenanntem ergibt sich automatisch die Gesetzmäßigkeit einer schlicht gehaltenen Geschichte. Komplexe Vorgänge existieren in dieser brutalen Zukunftswelt nicht mehr. Die Zukunft ist eine Zeit der Begegnungen geworden, in einer Welt in welcher man dem Gegenüber nicht trauen darf.

Zwischen ruhigen, tristen Momenten und rasanten Verfolgungsjagden springt „Mad Max 2 - Der Vollstrecker“ immer wieder hin und her, und dank des trockenen Grundtons, der nur selten durch leichte Züge der Menschlichkeit oder durch das leise Anklingen (schwarzen) Humors gebrochen wird, und des bizarren Weltbildes weiß das alles unglaublich gut zu wirken. Interessante Gegner, ein wirksamerer Mel Gibson und ein atemberaubendes Finale, in welchem sich Regisseur Miller als ausgezeichnet darin erweist den Überblick zu behalten und eine Art Crash-Choreographie zu erschaffen, wie es sie so zuvor noch nicht gegeben hat, zeigen innerhalb einer intelligent durchdachten, minimalistisch gehaltenen Geschichte, dass solch effektgeladenes Actionkino alles andere als zwingend plump ausfallen muss, selbst dann wenn eine Geschichte gnadenlos auf direktem Wege erzählt ist und in einer oftmals wortkargen Inszenierung nur das nötigste sprechen lässt.

Dass wir am Ende gar nicht wie gedacht die Geschichte von Mad Max erlebt haben, sondern eine ganz andere, in welcher der Titelheld lediglich Mittel zum Zweck war, ist nur eine jener großartigen Ideen, die „Mad Max 2“ zu dem tollen Film macht, der er ist. Durch seine mystische Art, die er gerade in den zu Beginn und am Ende eingesetzten Off-Kommentaren auszustrahlen weiß, fällt er noch eine Spur atmosphärischer als sein Vorgänger aus. Und obwohl die Fortsetzung eine Spur lauter und schriller ausgefallen ist als der noch wesentlich nüchterner präsentierte Teil 1, und obwohl ich eigentlich ein reduzierteres Vorgehen im Filmbereich bevorzuge, gefällt mir Teil 2 gerade wegen der dichten Atmosphäre die er innerhalb einer furchterregenden Welt erzeugt, um einiges besser als sein Vorgänger, auch wenn das realitätsentrücktere Treiben einem im Gegensatz zu Millers erstem Streich nicht mehr solche Furcht vor der Gegenwart bereitet. „Mad Max 2“ ist ein durchdachter Adrenalin-Kick mit einem Helden, der zum Zweck des Sieges auch mal das Leben eines Kindes riskiert - ein schönes Beispiel dafür, wie ungeschönt Miller uns beweist wie gnadenlos die Zukunft ausgefallen ist.  OFDb

MAD MAX (1979)

Die Zivilisation besteht noch, aber sie steht auf wackeligen Beinen. Ihr Ende ist in Sicht. Die Polizei ist kaum noch in der Lage gewaltfrei für Gerechtigkeit zu sorgen. Max betont in einer Szene, der Unterschied zwischen der Polizei und den zu bekämpfenden Wilden sei nur noch das Abzeichen. Er glaubt noch rechtzeitig abspringen zu können, aber egal wohin es einen zieht, die Anarchie macht sich breit. Eine Familie ist nirgendwo mehr sicher. Der Schein und das Vertrauen auf Altbekanntes trügt. Das muss Max bitter erfahren, bis er schließlich zu dem wird, was er verhindern wollte: ein Outlaw auf der Straße, der im Kampf nur noch mitmischt anstatt die gute Sache zu vertreten. Er rächt sich auf selbem Niveau, und man benötigt nicht erst einen Teil 2 um zu erkennen, dass sein Zustand sich danach nicht rehabilitieren wird.

George Miller inszeniert den Film minimalistisch. Mit schlichten Mitteln erweckt er eine trostlose Zukunft, eine Art Zwischenbereich zwischen der unseren Realität und jener aus „Mad Max 2“. Überall bröckelt es, der Krieg findet auf den Straßen statt. Selbst ein Mann wie Max, der diesen Kampf jeden Tag miterlebt, unterschätzt wie weit die Gesellschaft bereits abgerutscht ist. Nach dem Verlust der Familie hat er nichts mehr zu verlieren, und Miller präsentiert uns Max‘ Selbstjustiz frei jedweder Moral oder Kritik. In einer Welt, in welcher der Straftäter durch Gesetzeslücken frei kommt, hält Max sein Tun für gerechtfertigt und tritt damit in die Fußstapfen von „Dirty Harry“. Der Zuschauer darf dies entweder ebenso sehen oder nicht, da mischt sich Miller, der am Drehbuch mitgeschrieben hat, nicht ein.

Max ist mit dem damals noch sehr jungen Mel Gibson überraschend unspektakulär besetzt. Er ist noch kein harter Haudegen, und rein optisch würde man ihm seinen täglichen Kampf auf den Straßen nicht ansehen. Gibson wirkt in der futuristischen Polizeikluft ebenso glaubwürdig wie als liebender Familienvater, aber wie ein harter Hund sieht er nun wirklich (noch) nicht aus. Da es mimisch zudem zu dieser Zeit beim guten Mel noch zu wenig zu holen gab, musste Miller durch seine rasante, direkte und brutale Inszenierung für den nötigen Wandel vom Ehrenmann zum Rächer sorgen, damit die Geschichte trotz Milchgesicht glaubwürdig bleibt.

Was Gibson in jungen Jahren noch nicht aufzufangen weiß, erledigt somit der Regisseur, und der macht seine Sache so gut wie es das dünne Drehbuch zulässt. Zwar weiß der trostlose Blick in die nahe Zukunft und der Minimalismus auf der einen Seite zu gefallen, da aber die Action wesentlich mehr im Vordergrund steht als eine brauchbare, mit zu empfindende Dramaturgie, fühlt sich der Gesamtfilm trotz sättigender Optik ereignisreicher Szenen ein wenig leer an. Dies nicht in solch einem Maße, dass „Mad Max“ nicht zu funktionieren wüsste, aber doch eine Gleichgültigkeit ausstrahlend, die ihn daran hindert eine Höchstleistung zu entfalten. Gesehen haben sollte man diesen ungewöhnlichen Film aber durchaus mindestens einmal.  OFDb

25.12.2012

BRAVEHEART (1995)

Der Schotte William Wallace ehelicht heimlich seine große Liebe und übt als erster den Beischlaf mit seiner Braut aus. Dies verstößt gegen das Gesetz, so dass der Lord die Gesetzesbrecherin öffentlich tötet. William rächt den Tod seiner Braut auf gleiche Art und entfacht eine Rebellion gegen den König von England und seiner Tyrannei. Wallace ist nicht käuflich und hat nur ein Ziel: die Freiheit für sein Volk...

Rebellion und Wahnsinn...
 
Ich mag diesen Film, und doch muss ich einschränken, dass er ganz oberflächlich betrachtet alles andere als eine gute Erzählung ist. Die Regiearbeit von Mel Gibson selbst ist geglückt, aber die Methoden, die er zum Berichten seiner Geschichte wählt, sind plump und manipulativ. Er jongliert mit Klischees, nutzt Kitsch, stellt sich selbst anbetungswürdig dar und erreicht mit letzterem gar, wenn man auf die von Gibson gewählte Symbolik achtet, einen Vergleich mit Jesus.

Dem Mann wird nachgesagt ein religiöser Fanatiker zu sein, und seine Umsetzung von „Braveheart“ lässt diese Vermutung bestätigen. Aber nicht jeder Geschichtenerzähler hat die komplette Kontrolle über sein Werk, und so funktioniert „Braveheart“ durchaus als wundervolle Geschichte, nur eben nicht so wie es Gibson gerne hätte.

Man kann die Erzählung fressen wie er es möchte. Dann ist der König ein reiner Tyrann, Wallace ein Krieger guten Herzens der bis zu seinem tragischen Ende ein großer Held ist, die Schotten alles edle Kämpfer, der Adel verlogen, und Wallaces Antrieb ist die Liebe und der Wunsch nach Freiheit. Das mag bei einem naiven Publikum sicherlich funktionieren, denn „Braveheart“ weißt allerhand Stärken auf.

Die Ausstattung, Kostüme und Make Up wirken authentisch, bis auf manch zu modischem Schnitt (meist bei Bärten). Die Kulissen sind grandios gewählt, die Musik zum größten Teil atmosphärisch unterstützend. Der Großteil der Schauspieler versteht sein Handwerk, die Liebesgeschichte schwappt herüber, die Kriegsszenen sind wuchtig inszeniert und übertreffen jene aus der „Herr der Ringe“-Trilogie um Längen, und die Geschichte der Befreiung vor den Unterdrückern reißt mit. Dies mitunter wegen der Manipulation in Form von Verschönerung, Verherrlichung und der gepuschten Gefühlsregungen beim Zuschauer, z.B. durch die Musik. Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte mitreißt.

Sie tut es aber auch, wenn man das von Mel Gibson nicht Benannte, wahrscheinlich nicht mal Gewollte, der Geschichte beachtet. Mit offenem Geist gesehen, losgelöst von Gibsons Propaganda, guckt sich „Braveheart“ auf anderer Ebene richtig gut, so dass die Negativpunkte lediglich zu kleinen Schwächen werden (eine Möglichkeit die in klischeeüberladenen Propagandafilmen nur selten vorhanden ist).

So fällt, um mit dem kleinsten Punkt anzufangen, beispielsweise auf, dass der König von England nicht nur der tyrannische Mensch ist, sondern auch ein liebender Vater. Dies muss man aus seiner Perspektive betrachten: ein solch linker, emotional und willkürlich handelnder Mensch, verachtet sicherlich die Art seines Sohnes zu lieben, und er ist enttäuscht dass Sohnemann nicht das Führertalent des Vaters geerbt hat. Trotz jeglicher Enttäuschung steht er jedoch zu ihm und will dass er später sein Reich beerbt. Selbst den Angriff mit dem Messer verzeiht er ihm, ist es doch sein Sohn und handelte dieser in diesem Moment doch durch aufgepeitschte Emotionen.

Umgekehrt guckt sich das Handeln von Wallace nicht als reine Heldentat. Der Mann handelt aus Rache, beginnt eine Rebellion und verliert irgendwann den Überblick. Wie jeder Kriegstreiber und selbsternannter Befreier wird er wahnsinnig, verliert den Überblick dessen was möglich ist. Sein Wunsch nach Freiheit wird zu einer Gier. Er kämpft um sie, bereitwillig seine Mannen opfernd. Und so wirkt auch sein letzter Ausruf nicht heldenhaft, vorbildlich oder kämpferisch, wie von Gibson sicherlich gewollt, sondern geisteskrank und wahnsinnig.

Den eigentlichen Grund, aus dem der Kampf fruchtete, oder noch besser woraufhin Beweggründe und Taten zu etwas Widerlichen mutierten, verrät er später gar selbst, wenn er den Schwur bricht nur seine Frau zu lieben. Hier sei nur die rein körperliche Liebe gemeint, denn ob hinter dem späteren Beischlaf nicht auch Taktik stecken mag, ist sicherlich kein naiver oder aus der Luft gegriffener Gedanke.

Wallace ist ein Kriegstreiber. Er ist ein Verräter seines früheren Ichs (was nicht nur durch den Verrat der Liebe, sondern auch dadurch deutlich wird, dass der einst mit Köpfchen handelnde, gelehrte Mann, zum reinen Kampfbarbaren wird) umgeben von Verrätern aus den eigenen Reihen. Böse Menschen, die ihm ins Handwerk fuschen, lassen den denkenden Zuschauer aber noch lange nicht glauben, dass damit Wallace gleich zum Guten wird. Propaganda und Manipulation kann nur bei dem Teil des Publikums fruchten, welches sich dessen nicht bewusst ist oder zu leichtfertig damit umgeht.

Ein wenig hat der Film etwas von „Der Untergang“. Hitler, als Bestie unanfechtbar, wird von seiner menschlichen Seite gezeigt. So kann man auch die Rolle Wallaces sehen, die, im Gegensatz zur erst in den letzten Tagen gezeigten Hitlerfigur, anfangs ja auch durchaus eine Sympathiefigur ist. Der Zuschauer kann anhand dieses netten Mannes erfahren, dass Rache, Hass, Eifersucht und was noch alles mitspielen mag, aus einem guten Menschen einen geisteskranken machen kann. Und verfügt dieser über eine gute Rhetorik, so kann er viele andere gleich mit in den Abgrund reißen.

Löst man sich von Täuschungen, so kann „Braveheart“ also durchaus auf anderer Ebene funktionieren. Dann kommen die Schotten zwar noch immer zu liebenswürdig weg (als ob die keine Kriegsverbrechen begangen hätten), aber die Geschichte weiß dann zu funktionieren. Und die will kein Geschichtsunterricht sein, sondern Unterhaltungskino mit romantischem Touch und allerhand Action. Und mit offenen Augen betrachtet, wissen die oben genannten Pluspunkte auch in der Sichtung einer anderen Wahrnehmung als jener Gibsons, ebenso zu überzeugen, wie im verträumten Blick manches Cineasten, der den Film so guckt wie von Gibson gewünscht.

Ich will Mel Gibson hier nicht schlechter machen als er ist. Er ist ein Sympathisant im Großteil seiner Rollen, ich selbst sehe ihn recht gern. Also darf man meinen nächsten Kommentar nicht als Hetze betrachten. Ich finde ihn nämlich für die Rolle des Wallace komplett fehlbesetzt. Ewig grinst mich Mel Gibson an, wenn ich ihn als Wallace sehe. Da können die sonst so grandiosen Kulissen, Kostüme und Make-Up-Künste nichts dran ändern. In der Anfangsphase erinnert er mich mit seiner schelmischen Art zu sehr an seine Rolle aus der „Leathel Weapon“-Reihe. Ist dies vorbei steht ihm sein mangelndes Schauspieltalent im Weg.

Er ist kein Niete seines Berufes, weiß in Filmen wie „Mad Max“ als Kämpfer, in „Forever Young“ auf Gefühlsebene, in „Payback“ als Rächer und in „Leathel Weapon“ als humorvoll angelegte Figur zu überzeugen, ja sogar richtig zu gefallen. Aber eine Rolle wie die des Wallace weiß er nicht auszufüllen. Was daran liegen mag, dass sein Spiel ebenso im Klischee badet wie seine Inszenierung. Er selbst hat die Rolle, die er spielt, nicht verstanden. Wie soll er sie da glaubhaft verkörpern können?

Dass der Film mit der Fehlbesetzung in der Hauptrolle nicht kaputt geht, zeigt aber nur um ein weiteres die großartige Inszenierung und die mitreißende Wirkung der Geschichte. Und wie oben herausgearbeitet kann diese auch jenseits von Klischee, verlogenen Weltbildern und manipulierten Gefühlsregungen stattfinden. Ein Geschichtenerzähler ist nur bis zu einem gewissen Grad Herr über seine Geschichte. Die Kunst des eigenen Denkens und der Interpretation gibt dem Zuschauer eine Unabhängigkeit, die ihn nicht zum gefolgsamen Sklaven des Erzählers macht, der, wie hier, andere Absichten verfolgt. Da kann ich nur rufen: Freeeeeeiheeeeeeit!  OFDb