Wenn Travis seine Verabredung mit einem Kinobesuch der besonderen Art schockt, oder den Präsidentenkandidat nach plumpen, aber bürgerlichen Eindruck mit radikalen Vorschlägen während einer Taxifahrt konfrontiert, dann ist "Taxi Driver" auf seinem Hoch, oder eben bei gerade bereits erwähntem Schluss, der ein wenig an den von "Uhrwerk Orange" erinnert. Ansonsten plätschert der Film etwas arg in bedeutungsschwangeren Nichtigkeiten dahin, zwar immer die Faszination der pessimistischen Grundhaltung seiner Betrachtung von Personen, Orten und Geschehnissen aufrecht erhaltend, aber doch nie konsequent genug, um sich in eine interessante Erzählung hineingezogen zu fühlen. Ich konnte in dem Szenario nie wirklich aufgehen, blieb immer nur fremder Beobachter, in einer Welt, von der ich nicht Teil wurde, und damit blieb der professionell umgesetzte und hervorragend besetzte Film zu sehr Theorie für mich. Ob nun der psychologische Aspekt, oder die oberflächlichen Erlebnisse an sich, sie blieben mir alle zu flach, kamen mir nicht intensiv genug vor, um von ihnen zehren zu können. Dieser Meilenstein der Filmgeschichte, den die meisten ganz anders erleben werden, als ich es tat, hat mir zwar gefallen und mich zumindest phasenweise begeistert, das große cineastische Werk wurde er für mich persönlich jedoch nicht. Das finde ich sehr schade. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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13.05.2023
TAXI DRIVER (1976)
"Taxi Driver" im Zeitgeist zu sehen, ist in manchen Punkten äußerst schwierig, so selbstverständlich wie uns manches heutzutage scheint, zur Entstehungszeit aber noch revolutionär, geradezu provokativ bzw. aufrüttelnd war. Die Großstadt ist nicht mehr der stolze Vorzeigeort des bisherigen Hollywood, die neue Filmmentalität zeigt sie so dreckig wie sie tatsächlich ist. Und die Hauptfigur ist schwer zu greifen, nicht nur kein strahlender Held, sondern auch für eine Bösewichtrolle viel zu facettenreich ausgefallen, als dass diese Bezeichnung greifen würde. Eine große Charakterstudie ist mit ihr jedoch auch nicht ausgefallen, da bleibt der Film unter seinen Möglichkeiten. Letztendlich lebt er von den Überraschungen einer Figur, die traumatisiert von Vietnam ihren Platz in der Gesellschaft sucht, und kaputt wie sie ist meint eine Mission für sich entdeckt zu haben, viele Überraschungen sei Dank pointensicher letztendlich aber auch mit dem völlig anderen Ziel am Schluss des Streifens zufrieden ist und somit alles andere als ein Idealist ist.
04.07.2019
COP LAND (1997)
Hinter der simplen Oberfläche einer klassischen Geschichte um Korruption und Mafia, und eingebettet in eine Handlung, die eigentlich keine großen Überraschungen oder unerwartete Wendungen offenbart, verbirgt sich eine von Stallone toll dargebotene Charakterstudie eines vom Schicksal geprügelten Mannes, der von Seinesmöchtegerngleichen klein gehalten wird, von seiner verheirateten Love Interest lediglich Mitleid erntet und unter einer Hörbehinderung leidet, weil er besagter Frau einst das Leben gerettet hat. Dies wiederum ist der Grund, warum der hervorragende Schütze nie Polizist in New York werden konnte. Eher lethargisch, mit Solidarität seiner ihn belächelnden Kollegen gegenüber agierend, geht er seinem Job nach und guckt zu lang über vieles hinweg. Dass hier weit mehr schief geht, als das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, nimmt er kaum noch wahr. Zu tief sitzt er teilnahmslos selbst im Sumpf, der in dieser Stadt herrscht, nicht einmal wirklich etwas gegen häusliche Gewalt tun könnend, ohne sich mit der Polizeipräsenz vor Ort anzulegen.
Dementsprechend hält er halb ahnungslos, halb wissend dass hier etwas nicht richtig läuft, den Mund als ihn wer von der Inneren um Hilfe bittet. Der Einfluss dieser Spezialeinheit endet an der Brücke, die verdächtigen New Yorker Polizisten wohnen nun einmal in Garrison. Trotz seines Schweigens lassen Freddy Fotos, die ihm während dieser Unterredung gezeigt werden, nicht kalt. Sie zeigen den Cop Ray, der hier vor Ort den meisten Einfluss hat, zusammen mit mächtigen Leuten der Mafia, und so langsam ahnt Freddy, warum so viele Polizisten hier ein günstiges Haus erstanden haben. Als es schließlich um Leben und Tod geht, schaut Freddy nicht länger weg, und es ist bei seiner finalen Entscheidung sein Glück, dass die hier wohnenden Polizisten ihn stets unterschätzten. So wie viele Kritiker stets Sylvester Stallone unterschätzten und erst mit Sichten von "Cop Land" das bemerkten, was sie längst hätten entdecken können. Aber so geht es Tunnelblickdenkern, die eine gute Darstellung erst in seriös umgesetzten Stoffen erkennen, anstatt auch in einem schlichten Actionreißer auf schauspielerisches Talent achten zu können. Allerdings hatte Stallone auch jenseits solcher Stoffe mit "Rocky" und "F.I.S.T." längst sein Können bewiesen, was die später Erkenntnis mancher Kritiker nur noch peinlicher erscheinen lässt.
"Cop Land" ist ein besonnener, durchdachter Film, in aller Ruhe erzählt, nie den reißerischen Weg wählend, und doch sowohl für den Cineasten, als auch für den Freund von leicht verdaulicher Feierabendunterhaltung gleichermaßen genießbar, vorausgesetzt man erwartet kein Actionfeuerwerk. Dass der von Mangold inszenierte und selbst verfasste Stoff immer eine winzige Spur anders ausfällt, als ähnlich funktionierende Vergleichsfilme, beweist er z.B. mit der mutigen Idee, das relativ kurz ausfallende Finale in reduzierter Akustik ausfallen zu lassen. Nachdem dem auf einem Ohr tauben Sheriff eine Waffe am gesunden Ohr abgefeuert wurde, stampft er taub durch die schussintensive Schlussphase des Streifens, und Mangold lässt uns dies großteils aus Freddys Akustik heraus miterleben. Mit dieser Entscheidung wird ironischer Weise auf etwas lautere Art das deutlich, was der Komplettfilm ansonsten eher subtil vermittelt. Er schert sich nicht um reißerische Elemente, will keinen Knalleffekt vorbereiten, er will eher sachlich eine gute Geschichte, die schlichter scheint als sie ist, interessant aufbereitet erzählen.
In guter Besetzung mit Keitel, DeNiro und vielen anderen talentierten Mimen, gelang es Mangold ein größeres Publikum zu erreichen als es für derartige Stoffe oft üblich ist. Um so mutiger darf man die Entscheidung Stallone in der Hauptrolle zu besetzen betrachten, gibt es doch viele Vorurteile diesem Mann gegenüber, so dass manch einer diesen sensibel umgesetzten Mix aus Thriller und Drama aufgrund seiner Anwesenheit wohl nie gesehen hat. Glücklicher Weise trifft dieser Verlust ignorante Menschen, also was soll's? Warum die späte Anerkennung Stallone nicht zu einer Wende in seiner Karriere verholfen hat, weiß ich nicht. Stattdessen kehrte er erst drei Jahre später mit "Get Carter" in einer Hauptrolle besetzt zurück. Verstehe das wer will. Gerade nach seiner überraschend guten, aber auch unterschätzten 90er Jahre-Phase hätte ich ihm gegönnt, dass ihm aufgrund des Erfolges von "CopLand" (Alternativtitel) reizvolle Projekte angeboten worden wären. Wie stattdessen mit ihm umgegangen wurde, macht die traurige Entstehungsgeschichte des Filmes "Driven" deutlich. OFDb
25.12.2016
FROM DUSK TILL DAWN (1996)
Es ist egal ob Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl sitzt oder ein Tony Scott bei „True Romance“. Am Ende schaut sich ein Drehbuch Tarantinos immer wie ein Quentin Tarantino-Film, und das ist auch bei „From Dusk Till Dawn“ der Fall, der alle liebgewonnenen Eigenschaften besitzt, die man bis heute an einem Tarantino-Film zu schätzen weiß. Ich weiß nicht warum einige Cineasten glauben aus dem Tarantino-Alter herausgewachsen zu sein, entsprechen seine Filme doch keinesfalls einer Phase, die man einzig nutzen konnte um sich cineastisch weiterzuentwickeln und dabei über diese Sehhilfe hinauszuwachsen. All seine Werke, die ich einst schätzte, besitzen noch immer eine enorme Sogkraft, sind höchst kurzweilig ausgefallen und auf ihre eigene Art sogar recht intelligent erzählt. Die Verbeugung vor Vergangenem geht stets Hand in Hand mit neuen Einflüssen, und dies von Werk zu Werk trotz wiederkehrender Zutaten auf jeweils eigene Art.
Die Dialoge in „From Dusk Till Dawn“ gehören zur Creme de la Creme dessen was der für seine besonderen Dialoge bekannte Tarantino je geschrieben hat. Lediglich die Dennis Hopper/Christopher Walken-Szene aus „True Romance“ weiß diese zu toppen. Die pointensichere Textabfolge ist im hier besprochenen Werk derart geglückt, dass sie zum Höhepunkt des Streifens wird und sämtliche noch so perfekt umgesetzte Actionszenen in den Schatten stellen. Hinzu kommt eine Gruppe interessant charakterisierte Figuren und einige Spielereien mit Wahrnehmung und Optik und schon schaut sich die eigentlich recht simpel ausgefallene Geschichte um Gangster und ihre Geiseln, die Vampiren zum Opfer fallen, wesentlich ereignisreicher als sie eigentlich ist.
Die Besetzung ist hochkarätig ausgefallen, schenkte George Clooney einst die Chance aus seinem Serienarzt-Schatten treten zu dürfen, nutzte das kindliche Gesicht Juliette Lewis‘ ähnlich gekonnt wie „Kap der Angst“, zeigte uns einen Harvey Keitel einmal von einer völlig anderen Seite und gab Quentin Tarantino die Chance einmal selbst vor der Kamera tätig zu werden, was er nach heftigsten Kritiken nicht mehr in dieser Größe wiederholte, obwohl er die comichafte Übertreibung, die sein Charakter benötigte, verstand und dementsprechend gekonnt umsetzte. Verstehe einer manche Kritiker.
Eine Prise gekonnt eingefangener Erotik und ein Soundtrack, der für die perfekte Grundstimmung sorgt, machen aus „From Dusk Till Dawn“ ein Liebhaberstück zum Immerwiedersehen, auch wenn er durchaus seine Schwachstellen besitzt. Nicht nur dass mir das Design der Vampire nicht zusagt und ich auch manch zelebrierte Coolness diverser Nebenfiguren im Titty Twister als zu albern, ja regelrecht infantil empfinde (typische Rocker-, Tatoo-, Metalmentalität eben), ohnehin gefällt mir der dominantere Teil ohne Vampire besser als alles was nach dem Ausbruch vonstatten geht. Nicht falsch verstehen, „From Dusk Till Dawn“ bleibt auch in dieser Phase ein kurzweiliger Film in guter Pointensetzung und mit vielen einfallsreichen Ideen versehen, die Kraft die seine Atmosphäre zuvor besaß verpufft jedoch in einem Szenario, das nun fast ausschließlich nur noch auf Actionsequenzen im Kampf Mensch gegen Vampir setzt.
Das könnte alles besser funktionieren, wenn man nun die zuvor anders eingefangene Coolness der Figuren nicht dafür nutzen würde, sie sympathisch und heldenhaft wirken zu lassen. Was zunächst ironische Distanz besaß, wird nun zum Profilieren genutzt und verliert damit seine Unschuld und Harmlosigkeit. Eine Schrulle wird zur Identifikation, Coolness wird plötzlich zelebriert und gepuscht, und das ist schon recht ärgerlich.
Zumindest bleibt der Kampf gegen die Überzahl Vampire für einen verspielten Genrebeitrag recht glaubwürdig, und an Ideen mangelt es ebenfalls nicht, auch wenn man die ein oder andere aus „Fright Night“ und „Night of the Demons 2“ entliehen hat. Letztendlich ist das in einem Film, der soviele eigene Ideen bietet auch völlig egal, und wenn man erst einmal weiß in welch ein toll umgesetztes Schluss-Szenario das alles mündet, geht man ohnehin versöhnlicher mit der etwas schwächeren Vampirthematik um, ist die Schlussszene auf dem Parkplatz doch Gold wert und auch das letzte eingefangene Bild eine wundervolle Idee.
Es braucht nicht verwundern, dass viele Fans den Streifen fast auswendig mitsprechen können, ist „From Dusk Till Dawn“ doch ein Film den man immer wieder gucken kann und der es schafft theoretisch realitätsferne Sätze perfekt ins Geschehen zu integrieren. Trotz kleiner infantiler Ausrutscher ist „From Dusk Till Dawn“ ein Hingucker für jede Altersstufe ab 18 Jahren. Er ist einer dieser Kultfilme, der seinen Begriff verdient hat, so kultisch wie der Soundtrack verehrt wird, so fanatisch wie sich selbst Rammstein bei ihrem „Engel“-Musikclip an ihm bedienten und, wie bereits erwähnt, so auswendig wie seine Fans ihn wiedergeben können. Es ist nur schade, dass die Vampire nicht anders aussehen. Das ist der einzige Fehler, den ich Rodriguez und Co nicht verzeihen kann. OFDb
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28.05.2016
SATURN CITY (1980)
Das Kind in mir geht jedes Mal mit mir durch wenn ich auf Filme mit Themen wie Killerroboter stoße. Solche Werke stehen nie lange ungesehen in meiner Sammlung herum, und wenn sie vor der computeranimierten Kinozeit entstanden sind, dann vergrößert das mein Interesse um so mehr. „Saturn City“ ist bislang unbemerkt an mir vorbei gegangen. Um so erstaunter war ich eines Tages die DVD in der Hand zu halten, die mir anhand ihrer Aufschrift mitteilte, dass es eine derartige Thematik mit Kirk Douglas in der Hauptrolle gibt. Und da auch noch Harvey Keitel mit an Bord ist, war die Neugierde endgültig geweckt, auch wenn ich kritisch blieb ob eine der auf dem Cover genannten Aspekte Augenwischerei sein könnte.
Unter dem reißerischen Titel „Mörder Roboter“ habe ich „Saturn City“ erstanden, und beim Sichten war ich erleichtert, dass besagter Maschinenmensch auch wirklich im Zentrum der Geschichte steht. Die ungewohnt lockerleichte Atmosphäre für einen erwachsenen Science Fiction-Film dieser Thematik hat mich schnell für sich eingenommen, und nun nach Beendigung des Streifens kann ich behaupten, dass das Interesse für den Film bis zu seinem Ende hin aufrecht erhalten wurde.
„Saturn 3“ (Originaltitel) ist flott inszeniert, konzentriert sich ohne große Umschweife für den Kampf Mensch gegen Maschine, verarbeitet damit etwas augenzwinkernd das Klischee des Alten der mit der modernen Technik nichts anzufangen weiß und weiß dies subtiler umzusetzen als der darin arg bemühte „Stirb langsam 4.0“. Und da sich Stanley Donen und sein Autor Martin Amis auch wirklich für die Charaktere der Protagonisten interessieren, wird aus dem schlichten Stück roter Faden ein intensives, spannendes und griffiges Filmerlebnis.
Das ungewöhnliche Design des Roboters weiß zu gefallen, und dass während der kompletten Geschichte stets der Geist eingeschaltet bleibt, sprich dass innerhalb der Story immer wieder darüber nachgedacht wird was man als nächstes tun könne und somit die Handlungen der Helden Sinn ergeben, sorgt ebenfalls für einen guten Gesamteindruck eines von mir zuvor unterschätzten Streifens.
Einzig dass Kirk Douglas nie wahr haben will wie alt er tatsächlich ist, macht einen kleinen Schwachpunkt von „The Helper“ (Alternativtitel) aus. Aber da der Rest in seiner kurzweiligen und leicht düsteren Umsetzung derart zu packen weiß, auch wenn das Metallvieh nie eine solch intensive Bedrohlichkeit auszustrahlen weiß wie vier Jahre später der „Terminator“, kann man „Saturn-City“ durchaus als kleinen Geheim-Tipp bezeichnen, der sich intensiver guckt als Norringtons „Death Machine“ oder der x-te „wir laufen im All in Lüftungsschächten und Fabrikkellern vor Aliens weg“-Streifen.
Donens Werk ist handgemachtes Old School-Kino, wahrscheinlich schon zu seiner Entstehungszeit nicht mehr modern zu nennen, aber er macht alles richtig und weiß den Zuschauer für seine Geschichte bis zum Schluss zu interessieren. Und darauf kommt es in einem Unterhaltungsfilm an. Dank gelungener Tricks, einem geistreichen Drehbuch und dem auf den Inhalt bezogenen „weniger ist mehr“-Prinzip kann man „Saturn Three“ (Alternativtitel) also durchaus dem Genre-Fan ohne Bedenken weiter empfehlen. OFDb
27.12.2015
THE CONGRESS (2013)
Robin Wright, die Schauspielerin die einst jene Frau mimte, die auf Forrest Gumps Gefühlen herumtrampelte und jüngst in der zweiten Hauptrolle der Serie „House of Cards“ überzeugen durfte, klingt reizvoll als Wahl der Hauptbesetzung in einem sozialkritischen Science Fiction-Streifen, der nicht nur einer äußerst interessanten Idee nachgeht, sondern auch in einem Real- und Zeichentrick-Mix umgesetzt wurde. Was solle bei so viel Potential schon schiefgehen, allein schon weil der Vorgänger-Film des Regisseurs Ari Folman, „Waltz with Bashir“, ein so hohes Ansehen besitzt?
Die Antwort lautet: so einiges! Denn wenn man vor lauter intellektuellem Getue den Boden unter den Füßen verliert, wird aus etwas sozialkritisch Intelligentem eine dümmliche Peinlichkeit. Das bemerkt freilich nur jene Art Zuschauer, die sich nicht gänzlich dem optischen Rausch aussetzt, welcher der Film definitiv besitzt. Wer den Kopf eingeschaltet lässt, bemerkt recht schnell dass hier etwas nicht stimmt. Zugegeben, ab dem Zeitsprung 20 Jahre später hat mir die Idee der Droge, mit welcher man zu einem seiner geliebten Stars werden kann, nicht gefallen. Ich bin also allein schon rein storymäßig vorbelastet. Und die groteske Idee, dass aufgrund dieser Droge der Kongress in einer Zeichentrickrealität stattfindet, fand auch nicht meinen Zuspruch. Aber das allein wäre alles nur eine Frage des individuellen Geschmacks und würde „The Congress“ noch nicht allgemein seinen Reiz berauben.
Dass die Zukunftswelt jedoch nicht sinnig durchdacht wurde und immer wieder ihre Widersprüche erfährt, macht das Werk, das sich für ungeheuer anspruchsvoll und intelligent hält, zu einer Katastrophe. Schon in seiner moralischen Umsetzung mit erhobenem Zeigefinger macht Folmans Werk, welches nur wenig eigene Ideen besitzt, einen inszenatorischen Fehler und wird damit ein Werk für Pseudointellektuelle, die undurchdacht nachplappern und intelligente Ansätze zu einem intelligenten Gesamtwerk fehlinterpretieren, eben weil ihnen nicht auffällt, dass das Gesamtbild brüchig und fehlerhaft ist.
Am deutlichsten wird dies ziemlich gegen Ende, wenn Robin sich aus der Rauschwelt befreien kann und die Realität zum vorher berichteten Szenario so gar nicht passen will. Da gibt es weder eine elitäre Gesellschaft der Reichen, die von der Realitätsflucht des Volkes lebt, noch eine kaputte Zivilisation, da sich niemand mehr um die reale Ebene kümmert. Menschen die vor dem Drogenzeitalter erwachsen waren rebellieren weder aktiv noch passiv. Und eine Erklärung wie die Realitätsflüchtlinge ernährt, eingekleidet und gepflegt werden, gibt es auch nicht. Diese wandern zombieartig hypnotisiert durch die Realität, gekleidet wie Penner, und doch müssten sie ja von irgend etwas leben.
Auch die imaginäre Drogenwelt wird nicht richtig erklärt. Da besitzt zwar jeder seine eigene Phantasie, kann aber mit anderen in Kontakt treten, selbst wenn die Welt des einen jener des anderen kaum ähnelt. Einzig die prominente Tarnidentität gibt es als Einstimmigkeit. Wie gemeinsame Erlebnisse möglich sein sollen, in komplett verschiedenen Realitätsebenen, wird nicht versucht zu erklären, scheint nicht einmal als Gedankenlücke bemerkt worden sein, was beweist mit welchem Tunnelblick die ach so innovative Geschichte erzählt wurde.
Richtig peinlich wird es jedoch erst dann, wenn Robin zurück in die Drogenillusion treten möchte, um ihren Sohn zu suchen. Das ist äußerst schwierig, da niemand weiß für welche Identität er sich entschieden hat und wo er sich aufhalten könnte. Wesentlich mehr Sinn würde es machen, ihn in der Realität unter all den Pennern zu suchen, wo sein Gesicht der Mutter bekannt ist. Ein Denkfehler, der kaum dümmlicher sein könnte. Den Fehler warum man in der Drogenwelt nicht altert, in der Realität aber scheinbar auch nicht wirklich, wenn ich mir den Arzt des behinderten Jungen so ansehe, kann ich noch als Unverständnis meiner Wenigkeit abtun. Vielleicht habe ich da etwas nicht verstanden. Aufgrund der anderen unübersehbaren Unsinnigkeiten zweifel ich aber selbst daran.
Das komplett ruinierte Ergebnis finde ich sehr traurig für ein Werk, welches inhaltlich solch einen tollen Aufhänger mit dem Vertrag hatte, bei dem der Schauspieler nicht mehr mitentscheiden darf wo er mitspielt. Meiner Meinung nach hätte der Film sich allein auf diese Thematik konzentrieren sollen, als eine Art Gegenstück von „S1m0ne“, so wie „EdTV“ das Gegenstück zu „Die Truman Show“ war. Schade ist es außerdem um die mühevoll umgesetzten Zeichentrickszenen, die absichtlich verschiedenste Trickfilm-Stile aufnimmt und immitiert, so dass zwar immer auch welche auftreten, die jedem von uns mal weniger gut gefallen, die man aber trotzdem als gelungen ansehen muss, eben weil sie so gekonnt den jeweils vorgegebenen Stil kopieren.
Aber was soll man den Zeichentricksequenzen und den ersten halbwegs geglückten 20 Minuten hinterher trauern, wenn ein Film vor lauter Belehrung und moralischem Übermut den Sinn des Erzählten aus den Augen verliert, dies nicht bemerkt und vor peinlichem Hintergrund weiter seinem intellektuellem Getue nachgeht. Wie gesagt: wer sich lediglich berauschen lässt und aufgrund intelligenter Fragmente dem Film als Gesamtes selbiges zuspricht, oder lediglich hirnlosen Medien nachplappert dass „The Congress“ ein anspruchsvolles Science Fiction-Werk wäre, der sitzt im richtigen Film und weiß es selbst dann nicht besser, wenn man ihn auf die Fehler des Streifens hinweist. Jeder mündige mitdenkende Zuschauer hingegen wird sich mit Schaudern von diesem Werk abwenden, das in seiner Lehrer-haften und unsinnigen Art nicht einmal mehr dazu einlädt, sich zumindest an der liebevoll gestalteten Optik zu ergötzen. OFDb
Kategorien:
2010-2019,
Animationsfilm,
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Deutschland,
Drama,
Filmbesprechung,
Frankreich,
Harvey Keitel,
Israel,
Luxemburg,
missglückt,
Polen,
Robin Wright,
Science Fiction
17.11.2012
DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER (2004)
In der amerikanischen Verfassung soll sich ein Code befinden, der
verrät wo die Gründungsväter eine Schatztruhe vergraben haben.
Archäologe Gates ist dem Schatz auf der Spur. Aber auch finstere
Bösewichter sind hinter der Truhe her...
Jäger des verlorenen Schatzes...
Jon Turteltaub zeigt was mit einem Hauch Realität und einer Menge Phantasie möglich ist. "Das Vermächtnis der Tempelritter" ist dank netter kleiner Rätsel kurzweilig erzählt, dem System eines Computerspiels a la "Tomb Raider" und "Resident Evil" somit nicht unähnlich. Dass das Ganze nicht ganz so abgedroschen wirkt und im Sumpf der Masse von Abenteuerfilmen nicht untergeht, liegt mitunter an zwei Dingen: das sind die liebenswürdigen Charaktere die von guten Schauspielern verkörpert werden (auch wenn es nach "Staatsfeind Nummer 1" etwas komisch war den Schauspieler des Bösewichts hier als braven Papa hier zu erleben) und an der wunderbaren Idee eine Schatzsuche nicht an exotischen Orten stattfinden zu lassen, sondern mitten in der Großstadt.
Dadurch wirkt der Film zwar manchmal mehr wie ein Action- als wie ein Abenteuerfilm, aber daran erkennt man auch die enge Verwandtschaft beider Genres. Leider lässt man dieses Grundkonzept im Finale fallen, um dort dann doch eine ungewohnte Kulisse präsentieren zu können, dadurch möglich, da sie sich unter der Stadt befindet. Das sorgt jedoch nicht für einen Abfall in Stil und Tempo, sondern zeigt nur die mangelnde Konsequenz sich von der Konkurrenz etwas distanzieren zu wollen.
Für Spannung ist dank der Verfolger gesorgt, das Verbünden der (halb) entführten Frau mit den Schatzsuchern ist für das flotte Tempo nicht so hinderlich wie es Vergleichsfilme gerne tun. Der Schluss ist zwar nicht wirklich gut zu nennen (in Anbetracht des Reichtums den der Schatz beherbergt sollte man meinen, dass die linken Nummern vieler Beteiligter und zukünftiger Schatz-in-Anspruchnehmer erst losgehen sollte), hält aber ein kleines Augenzwinkern parat was den Finderlohn betrifft.
"Das Vermächtnis der Tempelritter" ist kein nächster "Indiana Jones" geworden, aber er weiß seine Laufzeit lang zu unterhalten und einem eine Verschwörungstheorie schmackhaft zu machen, die durch tausende andere fast schon in Vergessenheit geraten ist. Etwas mehr Inhalt als die beiden "Tomb Raider"-Filme kann dieser Abenteuerfilm auch vorweisen und im Gegensatz zum etwas themenähnlichen "Die Goonies" bleibt nur zu sagen, dass der Tempelritter-Streifen zumindest kein Kinderfilm wurde. Er ist der richtige Mix die größeren Kleinen und die Großen gemeinsam zu unterhalten, ohne zu sehr auf die Wünsche der Erstgenannten einzugehen. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Abenteuerfilmen (auch große wie die vier „Indiana Jones“-Teile) ist "Das Vermächtnis der Tempelritter" ein Paradebeispiel dafür, einen solchen Film auch mal ohne Fantasy-Elemente interessant und mystisch zu gestalten. OFDb
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