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29.12.2023

MORTDECAI - DER TEILZEITGAUNER (2015)

Jede Menge gut aufgelegter Stars, ein Mix aus Schatzsuche, Kriminalfilm und Gaunerkomödie, das Ganze trotz moderner Umsetzung deutlich auf klassisches Kino getrimmt, das hätte schon etwas Großes werden können. Erstaunlicherweise kommt der Streifen jedoch viel verkrampfter daher, als er es mit manchem Gag, so z.B. in der Charakterzeichnung des Titelhelden, sein möchte. Klar, der Mann ist ungelenk, braucht ständig die Hilfe seiner rechten Hand, genießt trotz Unvermögen einen hohen Ruf und kann eigentlich so gar nichts wirklich. Aber die verkrampfte Umsetzung zeigt sich nicht einzig in der Figur, auch der komplette, nicht gerade rar gehaltene, Slapstick und anderweitige Choreographien wirken oftmals versteift und gewollt. Selbiges trifft auf die Pointensetzung und die auf locker getrimmten Dialoge zu. Nichts von alledem läuft wirklich rund, zumindest nicht rund genug für großes Erfolgskino, welches man mit der populären Besetzung sicherlich erreichen wollte. Es ist ihr und einer abenteuerlichen Geschichte zu verdanken, dass das Ganze trotzdem auf schlichtere Art funktioniert. Zu Beginn dachte ich noch, dass ich mich in dieses starre Getue nicht genügend hineinversetzen kann, wenn alles zu gewollt wirkt, aber die Running Gags und die verzwickte Schatzsuche, die mehr Handlung vorgaukelt als eigentlich vorhanden ist, gewährt einem zusammen mit der guten Laune der Prominenz doch noch Zugang zu der Chose, die zumindest amüsiert, wenn auch nicht für laute Lacher taugt. Auch im verkrampften Format macht es Spaß die rechte Hand Mortdecais leiden zu sehen oder den eifersüchtigen Kriminalisten beim Erobern von Mortdecais Frau scheitern zu sehen. Warum David Koepp, der sonst eher für Drehbücher zuständig ist, "Wen die Geister lieben" so geglückt inszeniert bekommen hat, bei "Mortdecai" (Originaltitel) auf dem Regiestuhl jedoch ganz deutlich den Schwachpunkt darstellt, will sich mir maximal dadurch erklären, dass Tempo und Slapstick einfach ein anderes Händchen benötigen, als die Trümpfe besagter Fantasykomödie.  Wiki

29.12.2022

BRADBURYS GRUSELKABINETT - DIE BRADBURY TRILOGIE (1985)

1985 erschien die Serie "The Ray Bradbury Theatre", in der es um unheimliche Geschichten aus der Feder des im Titel genannten Autors ging. In Deutschland sind nur drei Folgen als sogenannte "Bradbury Trilogie" erschienen, und dank reizvoller Aufhänger der jeweiligen Geschichte, bin ich neugierig an die Sache herangegangen, im Wissen dass sich das wie ein Episoden-Horror gucken wird, ein Bereich mit dem ich immer wieder meine Probleme habe. Ein Leslie Nielsen in einer Nebenrolle und ein Jeff Goldblum in einer Hauptrolle gaben zusätzlichen Anreiz, und was soll ich sagen? Wieder einmal wurde mein mangelnder Zugang zu Grusel-Kurzgeschichten bestätigt. So reizvoll die einzelnen Geschichten auch klingen, verschmitzt erzählt sind und brauchbar gespielt, der Drang zur überschnellen Schluss-Pointe lässt eine jede Geschichte sich zu banal anfühlen, zu unaufgeregt und letztendlich auch meist zu vorhersehbar. Letztgenanntes gilt nicht für die Geschichte, in welcher Goldblum als Intellektueller der Herausforderung wegen mitten im Nirgendwo eine Kleinstadt besucht, um zu gucken wie das Leben im vertrauten Miteinander so ist. Die ist nicht mehr oder weniger gut als der Rest erzählt, wohin die Geschichte steuert ist aber selbst dann noch nicht klar, wenn man endlich erfährt um was es dort überhaupt gehen soll. 

Ebenso reizvoll wie der Auslöser des Ungewissen hier, trumpfen von der Idee her die beiden anderen Geschichte. Von der einen ist die Idee nicht wirklich neu, da bekommt ein genervter Ehemann die Chance einen Roboterdoppelgänger die Frau bespaßen zu lassen, während er endlich all das tun kann, was er außerhalb der gelebten Routine schon immer wollte. Wirklich großartig ist die Idee der dritten Geschichte, in welcher ein Verunglückter eines Autounfalls auf das unheimliche Rätsel stößt, dass die Menschentraube bei Unfällen dieser Art immer wieder aus den selben aus dem Nichts auftauchenden Menschen besteht. Wer Kurzfilme dieser Art kennt, Serien a la "Twilight Zone" oder eben Episodenfilme, kann sich denken wohin das führt, wenn relativ schnell eine Auflösung her muss, hier hätte man der Geschichte doppelte Laufzeit gewünscht. Aber so funktionieren Produktionen dieser Art nun einmal nicht, also was soll's. Wer derartiges mag, und dies gerade auch mit 80er Jahre Retro-Feeling, kann jedoch ruhig einen Blick riskieren. Das Grundlagenprogramm wird schließlich geboten, langweilig wird es nie, ganz im Gegenteil wissen die Geschichten Neugierde zu wecken. Außerhalb ihrer Schlusspointen und Aufhänger besitzen sie jedoch zu wenig Zusatzpotential, um mehr als die kleine, banale Geschichte für zwischendurch zu sein. Aber sie unterhalten, und mit einem kleinen versöhnlich Blick zurück kann ich das großzügig auch für meine Wenigkeit behaupten, auch ich wurde amüsant und nicht frei von Sympathie unterhalten.  OFDb

10.02.2019

INDEPENDENCE DAY 2 - WIEDERKEHR (2016)

Dass man von Roland Emmerich keinen Geniestreich erwarten würde, dürfte wohl klar sein. Und dass man wieder sein patriotisches Weltbild ertragen muss, gekleidet in Stereotype, Klischees und Pathos, müsste ebenso jedem klar sein. Mehr Kawumm würde man ebenfalls von dem Meister des plumpen Mainstreams erwarten, das ist in gewisser Weise auch gegeben, schließlich schenkt uns "Independence Day - Wiederkehr" wenig Atempausen, es fühlt sich jedoch gar nicht so an. Das interessanteste und überraschendste Merkmal der Fortsetzung des recht tauglichen Vorgängers ist die, dass Emmerich aufgeregendes erzählt, aber unaufgeregt umsetzt. Vor dem Abspann hätte man noch eine große Actionsequenz erwartet, so zahm wie sich das Sequel guckt, aber nein, das war es tatsächlich, den Sieg leichter errungen als man meinen sollte.

Eine wirkliche Gefahr scheinen die Außerirdischen nicht mehr zu sein. Sie zerstören zwar wieder allerhand, etliche Menschenleben werden eingefordert, und doch ist "Independence Day: Resurgences" (Originaltitel) in eine Gleichgültigkeit getaucht, die den Angriff der Invasoren wie ein sich wöchentlich wiederholendes Ärgernis anfühlen lässt, aber nicht gerade, wie es trotz aller Schwächen selbst das Original schaffte, wie das Womögliche Auslöschen der kompletten menschlichen Rasse auf diesem Planeten. Emmerich interessiert sich mehr für Selbstzitate, das Erschaffen von Ritualen für mögliche kommende Fortsetzung irgendwann und für das Wiedererkennen von Figuren. Die Rolle Bill Pullmans ist zumindest halbwegs interessant ausgefallen, aber auch er spielt in diesem unaufgeregten Werk nur mit halber Backe, bis sein Charakter endlich ableben darf. Der Rest, ob bekannt oder nur an bekannten Figuren des Erstlings orientiert, interessiert so wenig die Bohne wie der komplette Stoff.

Zwar ist das Ganze irgendwie trotzdem so kurzweilige inszeniert, dass man bis zum Schluss dran bleibt, aber gerade in Zeiten sich stets überbietender Blockbuster ist am Ende diese Ernüchterung da. Aha, das war es also. Hätte man mir vorher vom Zustand der Fortsetzung erzählt, ich hätte mich gefreut, klingt doch in Zeiten von zu viel Schauwerten im Popkornfilm ein Zurückfahren nach dem typischen weniger ist mehr. Aber in einer Figuren- und Klischeewelt Emmerichs braucht man scheinbar diese Schauwerte, um die eigentliche Leere zu überschatten. Und die offenbart sich in "IDR" (Alternativtitel) geradezu erschreckend.

Glücklicher Weise mag ein gewisser Grad unfreiwilliger Komik zusätzlichen Sehwert bescheren. So konzentriert sich zwar das erschaffene alternative Weltbild nach dem Alienkrieg auf den technischen Fortschritten die aufgrund außerirdischer Technik seit dem gemacht wurden, aber trotz aller herben Verluste und Zerstörungen der ersten Invasion ist man gesellschaftlich so dekadent geraten wie heute üblich in den USA, und die Bevölkerungsdichte entspricht auch nicht gerade dem, was sich nach Teil 1 hätte fortpflanzen können. Kurzum ist das Amerika hier im Film das glattgebügelte, aber technisch weiterentwickelte Amerika von heute, zumindest aus der Sicht naiver Menschen. Selbst bei geringer Erwartungshaltung habe ich tatsächlich mehr erwartet. Mit seinem mickrigen, fast gleichgültig bekämpften zweiten Invasionsversuch hat mich der Schwabe überraschend negativ überrumpelt.  OFDb

15.07.2018

DIE FLIEGE (1986)

Der Neuverfilmung "Die Fliege" liegt ein guter gleichnamiger Klassiker zugrunde, der seiner Entstehungszeit geschult sicherlich eine Spur zu naiv ausgefallen ist, aber nichtsdestotrotz ein gelungener Science Fiction-Horror ist. Das eine Spur wissenschaftlicher angegangene Sequel steht dem Original in nichts nach, übertrifft es meiner Meinung nach sogar, obwohl es ebenso wie die Erstverfilmung in seiner Zeit feststeckt. Eine Lächerlichkeit schwebt in der Luft, wenn man den stets gut agierenden Jeff Goldblum mit seiner widerlichen Frisur erblickt, wie es sie auch nur in den 80er Jahren geben durfte. Es dauert tatsächlich sich daran zu gewöhnen, zumal seine Mitspielerin ebenfalls zu modisch, und damit mit heutigen Augen zu veraltet und albern, wirkt. Glücklicherweise rückt diese unfaire Lächerlichkeit mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund, da "Die Fliege" auf einer enorm stark erzählten Geschichte aufbaut, die uns für das immer poppiger werdende 80er Jahre-Kino noch angenehm sachlich präsentiert wird.

Wie schon in "Parasiten-Mörder", "Videodrome" und manch anderem Werk konzentriert sich Kult-Regisseur David Cronenberg auf sein Spezialgebiet, den Körperhorror, und gibt dem Film somit einen anderen Schwerpunkt als "Die Fliege" aus den 50er Jahren. Die Tricktechnik damaliger Zeit darf handgemacht zeigen was sie kann und bringt den Zuschauer gleichermaßen zum staunen und zum ekeln, so gekonnt geht das Effekte-Team vor. Man darf ihnen zugestehen, dass ihr Werk auch heute noch zu überzeugen weiß, so dass die Spezialeffekte weit besser gereift sind als das Aussehen der Protagonisten. Einzig die Kreatur am Schluss des Filmes kann mit den restlichen Effekten nicht mithalten, ist aber für seine Entstehungszeit ebenfalls hervorragend getrickst.

Cronenbergs "Die Fliege" hebt sich insofern von den meisten anderen Horrorfilmen, die auf Ekeleffekte setzen, ab, als dass er zum einen trotzdem andere Faktoren nicht vernachlässigt. So ist die Charakterzeichnung der beiden wichtigsten Figuren sehr tief ausgeleuchtet ausgefallen, so dass die Geschichte lange vor der Verwandlung Brundles bereits hochinteressant erzählt ist. Auch die Psychologie der Geschichte funktioniert und bleibt glaubwürdig. Zwischenmenschliche Zusammenhänge werden erkannt, Berufen werden Charaktereigenschaften zugedacht, die über die üblichen Stereotype hinausgehen, Figuren machen verschiedenste Entwicklungen glaubwürdig durch, ändern Sichtweisen, lernen durch Erfahrung, erkennen Irrtümer. Die sachliche Art der Erzählung verleiht dem flott erzählten Film einen ernsten Grundton, auf welchem im Laufe der Zeit die Spannung fußen kann, so dass die Bedrohung schnell zu spüren ist, auch wenn sie erst unterschwellig brodelt. Auf eine halbwegs trocken erzählte Art ist "The Fly" (Originaltitel) ein hoch atmosphärisch ausgefallener Film, der seine Thematik von Beginn an ernst nimmt, keinerlei Humor zulässt und inhaltlich nie zur unfreiwilligen Komik verkommt.

Zum anderen, und das ist nun der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Ekel-Horrorfilmen, nutzt Cronenberg die Spezialeffekte nicht zum Selbstzweck. Sie sind neben der Psyche der Hauptfigur der Erkennungsfaktor der Verwandlung Brundles, die das Drehbuch äußerlich wie innerlich gleichermaßen ausleuchtet, ohne einen von beiden Prozessen zu vernachlässigen oder vorzuziehen. Cronenberg zeigt Brundles Mutation in einer Gnadenlosigkeit, lässt den Zuschauer an den meisten Prozessen teil haben und verzichtet an anderer Stelle nur deswegen darauf, um das Publikum auf andere Weise schockieren zu können. Zudem nutzt Cronenberg diese Effekte, um uns das Leiden des Wissenschaftlers nahe zu bringen. Somit werden die Verwandlungssequenzen nicht nur hart und provozierend eingesetzt, sondern dienen einem psychologischen Verständnis, sie werden zu einer Brücke der Empathie, damit der Zuschauer halbwegs nachvollziehen kann, wie es Brundle wohl gehen mag. Mehr noch, über die Verwandlungen Brundles und der daraus entstehenden, erschreckenden Optik können wir uns umso mehr in die schockierte, irgendwann aus dem Prozess ausgeschlossene, Veronica hinein versetzen, die sich schließlich in jenen Mann verliebt hat, der nun einer extremen Behinderung unterliegt. Hilflos muss sie mit ansehen, wie der Mann den sie liebt nach und nach verschwindet. 

Auch seelisch ist kaum noch etwas von ihm vorhanden, was nicht nur als Fakt zu akzeptieren ist, sondern aufgrund der Eigenschaften einer Fliege, die uns zuvor nahe gebracht wurden, Richtung Finale für eine weitere Ergänzung der Geschehnisse genutzt wird. Die Geschichte kostet somit jegliche Möglichkeit verspielt, aber ernst nehmend, aus, so dass der Zuschauer auf verschiedenen Ebenen immer wieder herausgefordert wird. Das Ganze wird uns spannungsgeladen präsentiert, gleichzeitig hochgradig dramatisch ohne dabei theatralisch zu werden. Cronenberg zeigt Emotionen stets innerhalb des sachlichen Grundtons des Streifens, ohne dabei unterkühlt oder empathielos zu wirken. Und man soll es kaum glauben, aber inmitten eines Filmes, der für seine heftigen Spezialeffekte bekannt ist, nutzt der Regisseur gelegentlich sogar den Kniff des Verzichts und lässt das Grauen im Kopf des Zuschauers geschehen, was erneut beweist wie vielschichtig "Die Fliege" ausgefallen ist, selbst in ihren scheinbaren Oberflächlichkeiten. Bei einem so starken Ergebnis wünscht man sich das depperte Aussehen der Protagonisten wäre nicht so extrem ausgefallen wie geschehen. Andererseits dient die äußerliche Lächerlichkeit der Hauptfiguren somit heutzutage als zusätzlicher Beweis dafür, dass der Film derart stark und intensiv erzählt ist, dass er über dieses Makel nur kurzfristig tatsächlich zu stolpern vermag.  OFDb

23.05.2018

VERGESSENE WELT - JURASSIC PARK 2 (1997)

Der von Michael Crichton geschriebene "Jurassic Park" mag seine eigene Idee aus "Westworld" in groben Zügen wiederholen, wurde aufgrund völlig anderer Schwerpunkte jedoch ein sich anders anfühlendes Produkt und ein Riesenerfolg noch dazu. Freilich war der Hauptgrund dafür das Einbringen von bisher nicht möglichen Computeranimationen, welche die Fortschritte eines nur wenige Jahre zuvor erschienenen "Terminator 2" um Längen in den Schatten stellte und zum Vorreiter heutiger Trickeffekte in Großproduktionen wurde. Anstatt Puppen verwendete man rein am Computer entstandene Kreaturen, das Kino stand vor einer großen Wende. Dass das Funktionieren des ersten Teils von Spielbergs mittlerweile auf fünf Filme herangewachsenen Dino-Reihe nicht einzig auf die Spezialeffekte zurückzuführen ist, beweist dessen Fortsetzung "Vergessene Welt - Jurassic Park", der in Sachen glaubwürdige Animation den Vorgänger verständlicher Weise noch einmal überholt, am grandiosen Ergebnis des Erstlings jedoch nicht anknüpfen kann.
 
Dabei ist es zunächst lobenswert zu erwähnen, dass Teil 2 nicht einfach die Geschichte des ersten Teils kopiert, sondern eine eigene Handlung verfolgt, das kompromisslose Abenteuerfeeling und die gruselnahe Stimmung von Spielbergs erstem Dinofilm will in der Fortsetzung jedoch einfach nicht mehr aufkommen. Grund dafür ist u.a. der düsterere Stil, der die Verspieltheit des Originals kaum mehr aufzugreifen weiß. Diese findet sich eher noch im Verhalten der Wissenschaftler wieder, die Malcolms Worte nicht ernst nehmen wollen, immerhin Worte eines Mannes, der das Fatale hinter der Dinozüchtung am eigenen Leib erleben musste, was die Kollegen nicht davon abhält trotzdem wie Kinder im Süßigkeitenladen verspielt zu forschen. Für Kritik am Forschertum steht dies erstaunlicher Weise jedoch maximal im Ansatz, die Gesellschaftskritik im Fokus orientiert sich eher erneut am Kapitalismus und an der massentauglichen, und damit fast schon ermüdenden, Frage wer das wahre gnadenlose Raubtier ist, der fleischfressende Saurier oder der moderne Mensch.

Zwar ist Steven Spielberg, der erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm, noch immer ein unterhaltsames, wenn auch etwas zu lang geratenes, Stück Popkornkino gelungen, aber die Schwächen, die den Film auf dieses simplere Niveau herunterdrücken hätten recht schlicht behoben werden können. So nerven zu Beginn die Klischee-überladenen Dialoge zwischen Vater und Tochter, in welchen, typisch US-Blockbuster, Kinder sich wie Erwachsene verhalten. Warum aus dem herrlich sarkastischen Dr. Malcolm ein Sprücheklopfer werden musste, weiß ich nicht. Zwar wissen viele seiner zynischen Kommentare zu wirken, diese hätte man aber auch bei gleichbleibender Charakterzeichnung des Originals erzielen können, schade. Jeff Goldblum macht als stets wirksamer Mime freilich trotzdem das Beste daraus, und das weiß "Jurassic Park 2" ein gutes Stück zu retten.

Zwar gelingt es Spielberg immer wieder dem abenteuerlichen Treiben nervenkitzelnde Momente zu bescheren, so z.B. in der legendären Szene an der Schlucht, ein durchgehender Spannungsbogen wie in Teil 1 will jedoch nicht eintreten, einfach weil man zu viel Distanz zu den Charakteren aufbaut, die im Vorgänger griffiger wirkten, sich echter anfühlten und Sympathie zu erzeugen wussten. Zwar sind die Figuren hier keine hohlen Hüllen wie in vielen anderen Großproduktionen, aber sie sind einfach zu sehr auf Stereotype getrimmt, um den Zuschauer für den menschlichen Faktor zu interessieren. Auf Routineebene weiß die Geschichte trotzdem wie erwähnt zu funktionieren, bedenkt man aber den Produktionsaufwand und die Möglichkeiten, bleibt man trotz passablem Ergebnisses etwas ernüchtert zurück.

Dass das letzte Kapitel mit dem T-Rex in New York eher angehangen wirkt, anstatt sich wie ein wirklicher Teil der vorherigen Geschichte auf der Insel anzufühlen, mag ein berechtigter Kritikpunkt sein, zumal die Laufzeit mit dem Ende auf der Insel ideal für den Schluss des Filmes gewesen wäre, letztendlich ist diese arg geistlos ausgefallene Kreisch- und Zerstörungsorgie trotz allem jedoch der Hingucker von "The Lost World" (Alternativtitel). Dass das Regisseur-Kind im Manne Spielberg dieser Versuchung im zweiten Streich nicht widerstehen konnte, kann man ihm nicht verübeln, zumal sich der gute Mann damit vor Werken wie "Panik in New York" verbeugt, die zusammen mit "Godzilla" in der 50er Jahre-Monsterwelle ihre Dinos grundsätzlich auf die menschliche Zivilisation losließen (der Restfilm verbeugt sich hingegen vor dem 20er Jahre-Klassiker "Die verlorene Welt" von Harry O. Hoyt). Dennoch halte ich es für eine gute Idee, dass sich die Fortsetzungen ab Teil 3 nicht mehr von ihren Inselabenteuern abwendeten. Ein Dinoausflug in die Großstadt reicht vollkommen aus.  OFDb

16.09.2012

DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978)

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes von San Francisco findet heraus, dass außerirdische Pflanzen emotionslose Doppelgänger von Menschen produzieren...

Der Klon-Effekt...
 
Kennt man das US-Kino der 70er Jahre in seinem stilvollen, tiefsinnigeren und ruhigem Stil, in welchem stets mehr auf Psychologie, Geschichte und Charaktere und weniger auf äußere Schaueffekte geachtet wurde, dann kann man von der zweiten Version des mit "Die Dämonischen" begonnenen Body Snatcher-Themas schon überrascht sein. Auf dem Weg in die Richtung der 80er Jahre, welche diese Pluspunkte nicht mehr besaß, schien sich das so wundervolle Rezept eines Unterhaltungsfilmes mit gehobenen Ansprüchen langsam aufzulösen. So wie ein Jahr später im stilprägenden "Alien", so tauchen auch bereits in Kaufmans Film Modernisierungen auf, die im Falle des hier besprochenen Filmes das Werk auf ein Niveau unter solch großer 70er Jahre Science Fiction-Filme wie "Westworld", "Rollerball", "Phase IV" und "Der Omega Mann" hievte.

Sie ging langsam vorbei, die Zeit in welcher der Spezialeffekt sich der Geschichte unterzuordnen hatte und Figuren individuell geprägt waren anstatt einem Klischee folgend. "Die Körperfresser kommen" erweist sich bei näherer Betrachtung als eine Art Bastard, 1978 lebend zwischen dem niveauvollerem Stil des 70er Jahre Kinos und dem simpleren Unterhaltungskino der 80er Jahre. Denn bis auf bessere Spezialeffekte und einer Versimpelung der eigentlichen Grundidee von "Die Dämonischen" hat Kaufman der ersten Verfilmung nichts hinzuzufügen.

Ich möchte über die Spezialeffekte gar nicht meckern, das sind wundervolle handgemachte Momente ihres Genres. Aber wenn man sie inmitten eines sich immer nur wiederholenden Szenarios zu sichten bekommt in einer Geschichte in welchem einem die Figuren halbwegs egal sind, dann bleibt bis auf das Staunen nicht mehr viel übrig. Dann wird auch der letzte übrig gebliebene Pluspunkt des 70er Jahre-Kinos, die ruhige Erzählweise, zu einem eher ungeliebten Begleiter der Geschichte, so dass man verstehen kann, dass in den 80er Jahren für die neuen Schwerpunkte ein flotterer Stil zum Standard werden musste.

Toll und gleichzeitig schade ist die Veränderung in der Verhaltensweise der Klone. Die Doppelgänger in Don Siegels Original, welches auf einer Romanreihe einer Zeitschrift basierte, tarnten sich innerhalb der menschlichen Gesellschaft perfekt. Außenstehende konnten selbst in Gesprächen mit ihnen keinen Unterschied ausmachen. Erst die nahestehenden Personen, welche ihr Gegenüber in- und auswendig kannten, konnten Aufgrund von Eigenarten und Ritualen eine Emotionslosigkeit feststellen um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr Gegenüber ein Fremder anstatt der geliebte Mensch war.

Dies schaut sich besonders unheimlich und wäre verglichen mit dem eher schlichten Kino der 50er Jahre genau der Anreiz gewesen wo das tiefer greifende 70er Jahre-Kino hätte ansetzen müssen, um näher am Gefühl des Zuschauers zu arbeiten, als es das Original fest sitzend in seiner Zeit überhaupt konnte. Stattdessen wird nun eine ähnlich unheimliche, aber auch simplere Idee aufgegriffen, in welcher die Doppelgänger noch emotionsloser sind, so sehr, dass selbst ein Außenstehender die Fremdartigkeit der Wesen bemerken kann. Das ist sicherlich nicht ohne Reiz, verstärkt es doch die Paranoia der Protagonisten und führt zu dem wundervollen Erzählkniff sich schauspielerisch unter den Invasoren tarnen zu müssen.

Damit entsteht zudem ein Spannungspotential, welches seine Stärken auch im viel späteren "Equilibrium" fand, nämlich die Idee, dass man aufgrund unmenschlicher Beobachtungen die emotionslose Fassade nicht mehr aufrecht erhalten kann und sich somit selbst verrät. Eine vollwertige Beachtung bekommt diese Idee innerhalb des Body Snatchers-Universum erst in der 00er Jahre-Version "Invasion" beschert, eine Verfilmung die wesentlich besser ausgefallen ist als ihr Ruf. Solche Ideen bleiben in "Die Körperfresser kommen" aufgrund ihrer Neuartigkeit noch im Ansatz stecken.

Darf man bemerken wie sehr sich gerade in der zweiten Hälfte des Streifens die Geschichte im Erzählen der Flucht und des entdeckt werden sich zu sehr in einer Wiederholungsschleife befindet, kann man es schon als schade empfinden, dass man manch gute im Ansatz steckende Idee nicht schon seinerzeit als etwas erkannt hat, was man tiefer hätte thematisieren können. Aber ein Film ist nun einmal immer nur ein Kind seiner Zeit, und allein schon das Bereichern solcher Zusatzideen im Vergleich zu einem Original sind freilich bereits als Pluspunkt zu bewerten.

Als Kind seiner Zeit hat "Die Körperfresser kommen" auch andere Beweggründe eine solche Geschichte zu erzählen, als es der 50er Jahre-Film "Die Dämonischen" hatte. Spielte dieser noch mit der politischen Kommunisten-Paranoia geht es in den 70er Jahren viel mehr um die persönliche Entfremdung. Die Anonymität der in immer größeren Städten lebenden Menschen schien dem damaligen Publikum genügend Angst zu bescheren, sich für eine solche Thematik zu interessieren. Gerade das Science Fiction-Genre seiner Zeit spielte sehr häufig mit der Idee ausgetauschter Menschen ("Futureworld", "Die Frauen von Stepford", ...). Während die 90er Jahre-Verfilmung "Body Snatchers" in einer Zeit entstand, in welcher eine neue, kühlere Moral in der Gesellschaft aufkam, scheinen die Beweggründe der 70er Jahre mit Blick von heute schlichter, um mit einer derartigen Thematik aktuelle Ängste zu verarbeiten. Andererseits sind wir es heute gewohnt isolierter miteinander zu leben, gerade in Zeiten des Internets. In wie weit wir uns da überhaupt noch in die Ängste der damaligen Bevölkerung hineinversetzen können, sei einmal dahin gestellt.

"Die Körperfresser kommen" ist kein schlechter Film. Er besitzt eine wundervolle Pointe, ist stellenweise spannend erzählt, er besitzt tolle Spezialeffekte und verbeugt sich würdevoll vor seinem Vorgänger, was am deutlichsten in der Anfangssequenz zu sehen ist, welche mit dem Schluss des Originals spielt (gibt es einen tolleren Cameo-Auftritt von Stars der Originale im Remake?). Verglichen mit der bereits so geglückten ersten Verfilmung und mit Blick der sich zu sehr wiederholenden zweiten Hälfte und solch mittelmäßigen bis nervigen Nebenfiguren wie jene gespielt von Leonard Nimoy und Jeff Goldblum darf man trotzdem etwas enttäuscht vom Ergebnis sein. "Invasion Of The Body Snatchers" (Originaltitel) ist sympathisches Unterhaltungskino, aber eines mit Schwächen, welche die großen, vorangegangenen Genrebeiträge dieses Jahrzehnts nicht besaßen.  OFDb