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14.09.2024

RAUMPATROUILLE ORION (1966)

Da Raumfahrer McLane wiederholt gegen seine Befehle gehandelt hat, werden er und seine Crew zum Patrouillendienst im Weltraum degradiert. Es ist ein ungünstiger Zeitpunkt dafür, denn kurz darauf stößt man auf eine feindlich gesonnene, bislang unbekannte Alienart, den Frogs. Aber ob nun mit oder ohne Frogs, irgendwie schafft es McLane auch im Patrouillendienst mit seinem geschulten Riecher, seinen Extratouren und statt einer staatlich eingesetzten Aufpasserin an Bord stets in Schwierigkeiten zu geraten und dabei Menschenleben, wenn nicht gar die ganze Menschheit zu retten...

Rücksturz zur Erde...

Hört man etwas über die Serie "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" (ursprünglicher Titel), dann geht es meist um seine trashigen Spezialeffekte, bestehend aus Alltagsmaterialien, wie manches Badezimmerinventar, oder allen voran das legendäre Bügeleisen, das nicht einmal optisch verändert nach etwas anderem aussieht. In vielen Köpfen ist die Serie, die im selben Jahr startete wie die sehr themenähnliche US-Serie "Raumschiff Enterprise", lediglich unfreiwillig komisch geartet, gerettet durch seinen Retro-Charme. Ich finde es traurig, dass diese Ausflüge ins All, die gekonnt das Kind im Manne zu wecken wissen, so stiefmütterlich betrachtet werden, denn hinter der ganzen Sache steckt ein weit erwachsenerer Stoff, als es die US-Konkurrenz mit ihrer an Scientology erinnernden Idealisierung der Gesellschaft und des Individuums der Zukunft, verkauft als Fortschritt der Menschheit, erreicht. Die Autoren der hier besprochenen Serie machen gar kein Geheimnis daraus, wie fragwürdig noch vieles in der Zukunft ist, und dass je höher der Rang und die Verschwiegenheit, Entscheidungen immer unmenschlicher, angeblich zum Zwecke der gesamten Menschheit, werden. Ob ganz oben in der Weltregierung nicht doch ein Elektronenhirn entscheidet, bleibt ungenannt, würde aber zu der Vision passen, die hier für die Zukunft kreiert wird, und die ist durchdachter als sie auf manch einen zu Beginn wirken mag, sowie treffsicherer, als z.B. die zunächst albern anmutenden Modetänze der Zukunft glauben lassen. McLane und seine Mannschaft sind Kumpanen, pflegen einen sozialen Umgang, handeln so wie sie es für richtig halten, anstatt stur Befehle zu befolgen, sind jedoch alles Profis ihres Fachs und sehen sich stets in der Verantwortung ihres Auftrages und darüber hinaus. Sie bilden das soziale Gegenbild zum sturen Staatsapparat, gemeinsam mit manchem Vorgesetzten, der nur wenige Ränge über ihnen steht. Sie haben die eigene Mündigkeit und ihre Lebensfreude parallel zur Pflichterfüllung nicht vergessen. 

Die aus sieben, jeweils plus/minus 60 Minuten laufenden, Episoden bestehende Reihe erzählt zwar einzelne, abgeschlossene Abenteuer je Folge, am Ende ergibt sich jedoch ein Ganzes aus der Erzählung. Berichtetes wird nicht wieder vergessen, rote Fäden im Vorder- wie im Hintergrund werden konsequent beibehalten, die Geschichte erfährt einen Abschluss, das Weltbild der Zukunft wird mit jeder Phase der Serie exakter und erwachsener, während die Geschichten selbst verspielt bleiben, wenn z.B. gegen rebellierende Roboter gekämpft wird, Überlebende eines interstellaren Krieges das Geschlecht der Männer belächeln, oder ein an Dr. Mabuse oder Bond-Bösewichte erinnerndes, selbsternanntes Genie, die Flucht von einem Gefängnisplaneten plant. "Space Patrol" (Alternativtitel) bleibt den Trivialstoffen aus Comics und Romanen der Science Fiction stets treu, vermischt diese aber mit politischer, sowie gesellschaftskritischer Satire. Und während diese nur entscheidend am Rande wirkt, spielt Dietmar Schönherr als Hauptdarsteller im Zentrum gekonnt jedes noch so irrsinnige Szenario, begleitet von professionellen, jeweils perfekt besetzten, Kollegen (lediglich Wolfgang Völz überzeugt nicht so wirklich, trotz humoristisch angelegter Rolle), und zollt dem Stoff somit jenen Respekt, den er verdient, so durchdacht und unterhaltsam er geschrieben ist. Trotz manch improvisierter Vorgehensweise in Sachen Deko und Spezialeffekte, ist "Raumpatrouille Orion" auch aus technischer Sicht professionell zu nennen, gerade wenn man den Zeitgeist betrachtet, in welchem derartige, leichte Stoffe noch nicht in eine Ernsthaftigkeit und einen optischen Realismus gepackt werden mussten, wie es heute in Großproduktionen zwanghaft üblich ist. Nein, da bevorzuge ich lieber den Realismus im Miteinander der Geschichte und im kreierten Weltbild, den Mut im Kreativen und den Appell an die Menschlichkeit, eben weil viele Werke von heute gerade genanntes Hauptaugenmerk besitzen, während Drehbücher wie geklont wirken und fremde Welten wie eine leicht veränderte Mentalität der Menschheit der Gegenwart daher kommen. Dass auch die Sprachneuerungen der Zukunft amüsant, wie glaubwürdig in "Raumpatrouille Orion" eingebracht wurden (und dies nicht ganz so inflationär, wie in der, in diesem Punkt ebenfalls überzeugenden, "Uhrwerk Orange"-Verfilmung), soll beim Benennen der vielen Pluspunkte der Serie nicht ungenannt bleiben.  Wiki

01.03.2020

PIPPI IN TAKA-TUKA-LAND (1970)

Nach zwei Kinoauswertungen der beliebten TV-Serie folgte mit "Pippi in Taka-Tuka-Land" der erste tatsächlich fürs Kino konzipierte Film um Pippi Langstrumpf. Waren die Vorgänger bereits hoch qualitatives Kinderprogramm mit hohem Unterhaltungswert, so setzt der dritte Film um die Piratentochter noch eins drauf, bildet er doch meiner Meinung nach den Höhepunkt der klassischen schwedischen Pippi Langstrumpf-Filme. Und das empfinde ich als Erwachsener noch ebenso, wie bereits zu Kinderzeiten. So sehr die vereinfachte Plotstruktur auch typisch Kinderfilm ist, auch als Erwachsener hat man noch einen Heidenspaß mit dem Werk, das weit über nette Retro-Erinnerung hinaus geht. Der Humor, die Stimmung, die liebevolle Inszenierung, all das schließt man noch immer in sein Herz, und ich könnte mir vorstellen, dass auch wer, der nicht mit den Filmen groß wurde, Freude an dem Produkt haben dürfte.

Spätestens mit diesem Teil 3 müsste dies zumindest funktionieren, der nun ohne Serienherkunft nicht mehr so episodenlastig ausgefallen ist, wie sich die ersten beiden zwangsweise anfühlen mussten. Nach einer kurzen Vorgeschichte geht es schnell los, und die Kinder geraten von einem Abenteuer ins nächste, bis schließlich in der Piratenhochburg angekommen der Rest der Geschichte ausgedehnt dort verweilt. Es mag zu Beginn etwas komisch anmuten, dass die Eltern von Tommy und Annika ihre Kinder drei Wochen in die Obhut von Pippi Langstrumpf begeben, um sie sicher aufgehoben zu empfinden, widerspricht es doch ihrer Meinung über Pippi in der TV-Serie, ansonsten leistet sich "Pippi Långstrump på de sju haven" (Originaltitel) keine Schnitzer. In selbiger Besetzung, wie gehabt inszeniert von Olle Hellbom, setzt der Film die Qualität der Vorgänger fort und setzt diese innerhalb einer fortlaufenden Geschichte ein, die von einem humoristischen Höhepunkt zum nächsten hüpft. Pippis Unbesiegbarkeit und Heldenmut wird noch um einige Grade mehr übertrieben, zusätzlich zudem verstärkt indem im Gegenzug die Piraten um so ängstlicher wirken. Und gerade dieser aus Erwachsenensicht empfundene störrische Größenwahn Pippis mit großer Klappe erheitert allerlei Situationen. Selbstverständlich trumpfen derartige Punkte auch aufgrund der hervorragenden deutschen Synchronisation.

Neben dem humoristischen Effekt wird zudem stets auf eine stimmige Abenteueratmosphäre gesetzt. Kleine Bedrohungen werden direkt genug eingefangen, um das Publikum nicht in Watte zu packen, geraten gleichzeitig aber nie düster genug, als dass sich das Ergebnis nicht kindgerecht gucken würde. Alkohol und Brutalitäten finden in verspielter Kindersicht Einzug in die Geschichte, anstatt aus pseudo-pädagogischen Gründen derart wichtige Zutaten zu verbannen. Hier wird weder verharmlost, noch pädagogisch übertrieben rot gesehen, "Pippi in Taka-Tuka-Land" entstand in einer Zeit, in der man noch wusste wie kindgerechtes Kino ohne moralinsauren Unterton, übertriebener Verharmlosungen, extremer Verkitschung oder altersanbiedernder Coolness funktioniert. Entspannt erzählt, zweckmässig getrickst und mit einer bunten Schar lustiger Figuren bereichert, schaut sich die Abenteuerkomödie sehr kurzweilig und schafft es mittels eines vergnüglichen Untertons und gut gesetzter Pointen und Dialoge Erwachsene nicht zu unterfordern.

Die Botschaft aus Buch und Vorgängerfilmen, dass man sich nicht aus Prinzip einer Autorität unterzuordnen hat, wenn die Regeln die sie befolgen lediglich den Sinn der Regeleinhaltung beinhalten, wird hier konsequent auf eine Verbrechergesellschaft angewendet. Warum sollte Pippi kuschen? Die Piraten, die Gehorsam fordern, sind schließlich Verbrecher. Dementsprechend angenehm dreist kommt Pippi Langstrumpfs musikalische, auf einem Kneipentisch tanzend vorgetragene, Vorstellung dem Piratenkapitän gegenüber herüber, ein Moment den ich als den besten inmitten eines von großen Momenten nur so wimmelnden Filmes empfinde. "Pippi im Taka-Tuka-Land" (Alternativtitel) ist innerhalb einer vorbildlichen und gut unterhaltenden Kinderfilmreihe der Höhepunkt in jederlei Hinsicht und zu Recht im Laufe der Zeit ein namhafter Klassiker geworden. Während man andere Filme und Serien für die Kleinen meist mit erwachsenen Augen mit einer gewissen Geduld und viel Wohlwollen konsumiert, funktioniert der hier besprochene Film rein unterhaltungstechnisch für die Großen ebenso gut, wie zu Kinderzeiten. Er ist für mich eines der besten Produkte seines Fachs, welchem man das Herzblut aller Beteiligten geradezu ansieht.  OFDb

12.03.2017

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961)

Wenn einem hohen Tier von Scotland Yard mitten in einem gewaltigen Schusswechsel ein Tee gereicht wird, oder eine Frau direkt nach einer lebensbedrohlichen Situation zur Schminke greift, da sich die Presse nähert, dann hält recht skurriler Humor Einzug ins Wallace-Universum. Zwar dominiert der Kriminalpart, so dass „Der grüne Bogenschütze“ deshalb nicht zur Krimi-Komödie verkommt, und die hier aufgezählten Beispiele und einige andere wissen zu gefallen, aber Eddi Arent (man verzeihe mir das Wortspiel) überspannt den Bogen dann doch zu sehr, wirkt erstmals kurz vor Schluss meiner Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe störend anstatt bereichernd, zumal er pausenlos die vierte Wand durchbricht, was schließlich nur noch nervt.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwachpunkte zu vermelden, ist der Plot doch derart angereichert mit zwielichtigen Personen und Situationen, dass die Geschichte den titelgebenden Verbrecher eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, so interessant wie hier jegliche Nebenhandlung und freilich auch die Haupthandlung ausgefallen ist. Zwar wirken sowohl Wolfgang Völz als Higgins, als auch der von Klausjürgen Wussow verkörperte Featherstone etwas blass, obwohl sie als Ermittler große Rollen erwischt haben, aber der Rest der Besetzung macht das wieder wett, allen voran Gert Fröbe, dessen Rolle hier wie eine Übung für die drei Jahre später angegangene Titelrolle im James Bond-Film „Goldfinger“ ausgefallen ist, so übertrieben schurkisch, geradezu wahnsinnig wie er seine Rolle ausfüllt. Wenn er im Finale einen offenen Krieg gegen die Polizei führt, dann ist wahrlich kein Unterschied mehr zwischen beiden Rollen zu bemerken.

Aber nicht nur Fröbe weiß in seiner brummig egoistischen Art zu gefallen. Die attraktive Karin Dor darf bezaubernder denn je wirken, Harry Wüstenhagen verkörpert einige der wenigen Figuren im Wallace-Universum, bei denen Gut und Böse verschwimmen und auch die restliche Besetzung weiß dem Zuschauer einiges zu bieten. Nach „Der rote Kreis“ sollte „The Green Archer“ (Alternativtitel) Jürgen Rolands letzter Beitrag zur Wallace-Reihe gewesen sein, verstehe einer warum, so unterhaltsam wie beide Werke ausgefallen sind. An der immer weiter ansteigenden Überspitzung des beiläufigen Humors kann es nicht gelegen haben, so sehr wie Roland im hier besprochenen Werk darauf baut. Es wäre interessant gewesen zu erleben, in welche Richtung sich die Serie entwickelt hätte, wenn Roland weiter für sie tätig gewesen wäre.  OFDb

16.07.2016

NEUES VOM WIXXER (2007)

Nachdem „Der Wixxer“ bereits allerhand Verweise, Storyfragmente, Klischees, Schauspieler, Stereotype, Stilmittel und Handlungsorte der Wallace-Geschichten, welche die hauptsächlich in den 60er Jahren entstandene Rialto-Reihe erzählte, durch den Kakao gezogen hatte, war das Wichtigste zu Parodiezwecken eigentlich schon verarbeitet. Nicht dass bei über 30 Filmen nicht trotzdem noch einiges an Material vorhanden wäre, aber „Neues vom Wixxer“ guckt sich eher im Grundton wie eine Wallace-Parodie, teilt sich inhaltlich jedoch den Bereich des humoristisch Nachgeahmten mit der kunterbunten Welt der TV-Hits und Kinoerfolge, die zur Erscheinungszeit der hier besprochenen Komödie gerade von sich reden ließen.

Obwohl nun also vergleichsweise weniger Wallace durch die Fortsetzung weht, hat man nach vergeblicher Mühe bei Teil 1 für Teil 2 nun endlich Wallace-Legende Joachim Fuchsberger für eine große Nebenrolle gewinnen können, der sichtlich in die Jahre gekommen ist, aber eine wunderbare Plattform versteckter Anspielungen auf die Originale bietet, inklusive eine „Der Zinker“-Verwechslung mit Heinz Drache. Auch mit an Bord ist Chris Howland, den man seinerzeit aber nur in Konkurrenzprodukten der berühmten Wallace-Reihe erleben durfte. Da diese aber nicht nur finanziell vom großen Kuchen mitnaschen wollten, sondern auch stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten zu Rialtos Geldkuh aufwiesen, geht das schon in Ordnung.

Zumal wie erwähnt diesmal nicht nur die Wallace-Filme ihr Fett weg kriegen. Da wird über Klassiker wie „Winnetou“ ebenso gekalauert wie über zur Entstehungszeit moderne Kino-Hits wie „Drei Engel für Charlie“ oder Quoten-Hits wie „7 Tage 7 Köpfe“ und „24“. Mit den Handlungsorten Kloster und Irrenanstalt konnte man zudem mit anderen Elementen vergangener Wallacefilme spielen als bisher, was mit ein Grund dafür ist warum „Neues vom Wixxer“ nicht nur wie ein wiedergekäuertes unnötiges Anhängsel des ersten Teils wirkt, sondern stattdessen wie eine kraftvolle Weiterführung. Mit dazu bei tragen die Stars, die im Vorgänger nicht mit an Bord waren, als da wären der unglaublich komische Christian Tramitz, die wie immer toll schauspielernde Christiane Paul und Judy Winter in einer mimisch großartig gemeisterten Rolle als Nonne.

In Nebenrollen und Gastauftritten tummeln sich zudem Hella von Sinnen, Martin Semmelrogge, Frank Zander, Roberto Blanko, Michael Kessler, Achim Mentzel und manch andere Prominente mit herum, während zudem auch die wichtigsten Gesichter des Originals für das Projekt zu gewinnen waren, einschließlich Christoph Maria Herbst, dessen Rolle als Hatler aufgefrischt wird durch seine Position als Leiter einer Nervenheilanstalt. Pastewkas Mimiken mögen nicht ganz so gekonnt humoristisch ausgefallen sein wie im Vorgänger, sind aber noch immer eine Wucht, und Oliver Kalkofe schlägt sich wacker inmitten der professionellen Schauspieler, so dass ich hier wie in Teil 1 nicht verstehe was die Leute an seiner Leistung stets zu meckern haben.

Sein grenzwertiger Humor, der nicht so recht in „Der Wixxer“ hineinpassen wollte, wird in der Fortsetzung auf ein Minimum reduziert, was dem Film sichtlich gut tut, und da jeder der erstmals auftauchenden Mimen zudem seinen eigenen Humor mit einbringt, guckt sich auch dieser zweite Teil frisch und angenehm und bietet gekonnter Weise so viel zu Lachen wie sein Vorgänger. Sicherlich fällt eine schnell nachgereichte Fortsetzung nie so liebevoll detailreich aus wie ein erstes Projekt, für das man in der Regel mehr Zeit besitzt und in das man Ideen einbauen kann, die einem schon lange im Kopf herumspuken. Der Feinschliff des ersten Teils fehlt und einen pompösen Moment wie die wundervolle Gesangseinlage des Originals gibt es nicht zu sichten.

Stattdessen überrascht das Drehbuch jedoch mit einem interessanten Aufhänger, einem einfallsreichen Szenario, welches trotz wirrer, irrer Ideen, die manches Mal auch die physikalischen Gesetze aus den Angeln heben, doch immer zusammenhängend und durchdacht ist, sowie einer Mörderaufdeckung, die so pointensicher wie schwachsinnig genial ist, dass sie auf ganz eigene Art Wallace-Klischees aufs Korn nehmen kann. „Neues vom Wixxer“ ist somit der würdige Nachfolger eines geglückten Nummer 1 und auch mit weniger Edgar Wallace im Gepäck noch immer eine klare Empfehlung für Freunde deutschen Humors.  OFDb

08.07.2016

DER WIXXER (2004)

Auch wenn „Der Wixxer“ selbst für meinen Geschmack typisch Kalkofe an mancher Stelle zu unnötig vulgär daher kommt, so ist das Ergebnis an sich doch eine liebevolle, detailreiche und sympathische Verulkung und Verbeugung zugleich vor der deutschen Rialto-Wallace-Reihe, die man nicht zwingend kennen muss um seinen Spaß mit dem von Tobi Baumann inszenierten Film zu haben, den Sehwert jedoch bereichert.

Die Autoren Pastewka, Kalkofe und Welke zaubern einen schmackhaften Mix aus Wallace-Elementen, Albernheiten, deutscher Mentalität, dem Humor der Zucker/Abrahams/Zucker-Filme und einem Hauch Amateurfilm-Niveau, was ich als positive Eigenschaft verstanden haben will, schaut sich „Der Wixxer“ doch (am Anfang mehr als im weiteren Verlauf) teilweise wie selbstgedreht. Es ist ein schwer zu erklärender Charme für eine eigentlich professionell produzierte Produktion, aber ein wichtiger Bestandteil zum Funktionieren des Streifens, was auch im unglaublich sympathisch ausgefallenem Abspann spürbar wird, in welchem nicht einzig Patzer den Blick hinter die Kulissen bestimmen, sondern auch andere herzliche und solidarische Momente einer scheinbar wunderschönen Drehzeit.

Mag man auch die wirklich große Wallace-Prominenz von einst vermissen (Fuchsberger ließ sich erst für die Fortsetzung „Neues vom Wixxer“ locken), so weiß doch gerade die Besetzung aus mal mehr mal weniger bekannten Mediengesichtern die Komödie zu bereichern, zumal alle, bishin zur kleinsten Rolle, wie jene überraschende und gut pointierte von Achim Mentzel, mit Spaß an der Freude dabei zu sein scheinen. Neben der professionell lustigen Leistung von Anke Engelke und Olli Dittrich, einem in vielen Filmbesprechungen schauspielerisch unterschätzten Oliver Kalkofe und dem wunderbaren Overacting eines Christoph Maria Herbst, fällt in erster Linie Bastian Pastewka mit seinem gekonnten Mimenspiel auf, welches ihn in den besten Szenen zu einer zu Fleisch gewordenden Comicfigur werden lässt, Momente die den Zuschauer selbst beim x-ten Schauen noch laut auflachen lassen.

Ohnehin ist die Pointensetzung in „Der Wixxer“ sehr gekonnt ausgefallen. Da mag sich immer auch mal manch weniger gut funktionierender Humor eingeschlichen haben, aber die dominierende Menge an brauchbaren bis guten Witzen macht daraus keinen störenden Negativpunkt. Einzig die größte Fehlentscheidung des Streifens, die Besetzung der beiden Söhne des Earl of Cockwood, hinterlässt einen Riss im sonst so positiv ausgefallenem Film. Der mir völlig unbekannte Lars Rudolph trumpft als treffsichere Klaus Kinski-Parodie, Wolfgang Völz tritt würdevoll würdelos in die Fußstapfen von Siegfried Schürenberg als Sir John, lediglich die weibliche Rolle der Miss Pennymarket ist etwas undankbar ausgefallen, was aber sicherlich auch an den Vorlagen aus den 60er Jahren liegt, an denen sich „Der Wixxer“ nun einmal orientieren muss.

Das Drehbuch erweist sich als höchst einfallsreich, wenn es gekonnt die Schwarz/Weiß-Phase der Rialto-Reihe von einst mit jener der Buntphase vereint. Und wie man es so charmant, witzig und wirksam zugleich schafft Richtung Finale ein Element in den Vordergrund zu setzen, das mit den Wallace-Filmen nicht das geringste zu tun hat, ich spreche von der unglaublich gelungenen Musikszene, in welcher Cockwood um die Hand von Miss Pennymarket anhält, werden nur die wenigsten Filmschaffenden verstehen. Dieser Moment macht einem deutlich, dass es eigentlich schade ist, dass Gesangsszenen in einer nicht Musical-orientierten Komödie keinen Platz mehr finden, eine verloren gegangene Tradition, die lange Zeit den Erfolg an den Kinokassen mitbestimmte.

Wie man herausliest hat „Der Wixxer“ viel zu bieten, Kreatives wie Lustiges, und allein deshalb finde ich es schade, dass man Kalkofe, Engelke und gerade den so unglaublich lustigen Pastewka heutzutage immer noch im Fernsehen anstatt auf der großen Leinwand antrifft. Wo sind die Produzenten von einst, die dem talentierten Hallervorden zurecht eine Kinokarriere bescherten? Wo sind die Geldgeber die damals selbst blassen Mimen wie Mike Krüger, Thomas Gottschalk und Otto Waalkes den Weg auf die Leinwand ermöglichten? Gibt es in der heutigen Generation von Filmfinanzierern keine Menschen mehr die Vertrauen in die Komik von jenen Menschen haben, deren Talent weit über jenes der TV-Comedy hinaus geht? Wir brauchen mehr Projekte wie „Der Wixxer“ und „Jerry Cotton“, aber keiner gibt der Komödien-Elite Deutschlands scheinbar eine Chance. Schade, aber das macht den hier besprochenen Film und seine fast genauso sympathische Fortsetzung um so wertvoller inmitten einer Komödienlandschaft aus peinlichen Otto-Filmen, dämlichen Bully-Werken und dem Proleten-Kino a la „Fack ju Göhte“.  OFDb

18.12.2015

MEIN MANN, DAS WIRTSCHAFTSWUNDER (1961)

„Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ wird in einer DVD-Box als einer der großen Erfolge des Komikers Heinz Erhardt verkauft und beworben, und da erwartet man einen gewissen grundlegenden Charme, der die Komödien des heute noch so beliebten Mimen von unbedeutenden Beiträgen des Genres damaliger Zeit trennte. Da Erhardt jedoch nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt, kann der Film von Regisseur Ulrich Erfurth die vorgegaukelten Erwartungen nicht erfüllen.

Da aber selbst der etwas wackelige „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ funktionierte, trotz selbigen Problems, muss das noch nichts heißen. Aber auch als Film für sich betrachtet, losgelöst von den Stärken Erhardts, will mir „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ so gar nicht gefallen. Viel zu verkrampft konstruiert empfand ich den Plot, ohne dass aus dessen Übertreibung und Realitätsferne Humor, Charme oder eine innereigene Logik geerntet werden konnte. Zudem nervte mich so ziemlich jede weibliche Rolle durch ihr schrilles Auftreten (was zu den viel zu schrillen Stimmen passte) und durch ein vorgelebtes Frauenbild, das unglaublich frech wirken will, das weibliche Geschlecht jedoch nur beleidigt.

Zwar kommt das Männerbild nicht viel besser weg, aber die Klischees in denen ihre Charaktere baden dürfen wirken verspielt, augenzwinkernd, provokativ und die kleine Rolle Heinz Erhardt betreffend aufgrund ihrer Schwächen sogar sympathisch. Leider sind dies keine Stärken die den Film tragen können, fehlt es der leichtfüßig erzählten Komödie doch an Würde und brauchbarer Witze, geschweige denn gut gesetzter Pointen. Eine Menge unnötiger Singsang gibt einem schließlich den Rest. Und wer glaubt Hansi Kraus wäre als Pepe Nietnagel in den Lümmel-Filmen bereits etwas zu gewollt auf dreist getrimmt worden, der sollte sich die Darstellung von Cornelia Froboess als unartige 16jährige im hier besprochenen Werk besser nicht antun.

Somit ist „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ nicht nur eine Heinz Erhardt-Täuschung, sondern auch eine komödiantische Enttäuschung, der es an so ziemlich allem fehlt was den Charme der damaligen Lustspiele ausgemacht hat.  OFDb

01.12.2012

MEIN GOTT, WILLI! - DIE SELTSAME KARRIERE DES HERRN GIMMEL (1980)

Willi ist ein erfolgloser Mann. Im mittleren Alter wohnt er noch immer bei seiner dominanten Mutter, im Theater steht er im Sofleur-Kasten statt auf der Bühne. Kurz bevor er unkündbar wird, verliert er auch diesen Job. Doch Willi ergattert sich einen neuen: in einem großen Kaufhaus soll er den Blitzableiter für unzufriedene Kunden mimen, indem er sich für den Leiter der jeweils betroffenen Abteilung ausgibt...

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Dieter Hallervorden ist ein Mann, der in der Presse gerne auf seinen Klamauk reduziert wird, so als sei er der geistlose Clown und nur wenig talentiert. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Hallervorden lebt für das Theater, bewies sein Können in unterschiedlichsten Filmen, mal ernst („Das Millionenspiel“), meist komödiantisch („Didi – Der Doppelgänger“), gerne aber auch satirisch („Alles Lüge“). Zur letzteren Thematik hatte er lange Zeit eine erfolgreiche TV-Reihe, ebenso erfolgreich moderierte er ein mal „Verstehen Sie Spaß?“. Er synchronisierte „Die Wombles“ und im Theater, sein heutiger Schwerpunkt, ist er nicht nur in schauspielerischer Hinsicht aktiv.

Hallervorden mimt gerne den kleinen Mann, und dass er den noch unsichtbaren Umbruch der 80er Jahre und ihre neue Mentalität und Ideologie schnell erkannt hat, spiegelt sich in den meisten seiner Filme wieder, wenn nicht sogar in allen. Wer Didi-Komödie als reinen Klamauk betrachtet, hat sie nicht verstanden, und das beweist selbst der TV-Film „Mein Gott, Willi!“, der einige Jahre vor dem Beginn Hallervordens relativ kurzer aber intensiver Kinokarriere entstand.

Zwar hat der Schauspieler fast nie aktiv an einem Drehbuch mitgearbeitet (der hier besprochene Streifen stellt eine Ausnahme da), aber die Stoffe wurden auf ihn zugeschnitten, und seine Rollenauswahl war stets davon geprägt still und versteckt Gesellschaftskritik auszuüben und eben nicht nur der zappelnde Clown zu sein.

Die Geschichte von „Mein Gott, Willi!“ nimmt einige Elemente von Loriots „Ödipussi“ vorweg, wenn auch nicht so feinsinnig umgesetzt. Auf den Aspekt der dominanten Mutter, des devoten Sohnes und dessen erster Liebeserfahrung konnte man hier auch nicht so zentral achten wie im Vergleichsfilm, ging der Hauptaspekt der Geschichte doch um die im Beititel erwähnte Karriere des Protagonisten. Und deren Verlauf, angefangen beim Theater steht für eine simple Aussage: arbeite als Schauspieler nie für die Industrie und den Kommerz, denn es macht Dich unglücklich.

Dies erfährt Willi zunächst in einem erfolgs- statt kunstorientierten Theater, dass einen arroganten Halbtalentierten zum Star eines jeden Stückes erkort. Selbiges erfährt Willi, wenn er für das Kaufhaus tätig ist und gegen statt für den Zuschauer schauspielerisch arbeitet. Das macht Willi selbst unglücklich und zudem psychisch kaputt, denn die Arbeit in der Industrie ist gnadenlos. Willi muss sich vom Kunden viel gefallen lassen, hat kein Ventil für seine eigene Wut, und im späteren Teil der Geschichte erlebt er zudem wie kurz eine Karriere in der Industrie sein kann.

Nach einem kurzen Höhenflug in der neuen Karriere, geht es schnell mit ihm bergab. Die Konkurrenz ist gnadenlos und kämpferisch, schnell wird Willi gegen wen ausgetauscht dem Ethik fremd ist und der die Kunst der Arschkriecherei perfekt beherrscht. Doch dieses Erwachen in der Realität ist das beste was Willi passieren konnte. Er ist kein Mann für den Kommerz, für das kühle, berechnende Geschäft, das dafür da ist Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Er ist ein verkannter Schauspieler. Er ist Dieter Hallervorden.

Und der hat sich ebenso wie Loriot und Helge Schneider nie dem Kommerz hingegeben, ist immer nur Projekte angegangen, die ihm am Herzen lagen, und damit steht er nicht nur auf der anderen Seite von niveaulosen TV-Komikern wie Ralf Schmitz, Markus Maria Profitlich, Dirk Bach und Co, sondern leider auch von so talentierten Menschen wie Stefan Raab, Hape Kerkeling und Oliver Pocher. Auch wenn es nicht so scheint, so arbeiten doch all diese TV-Stars gegen statt für das Publikum. Sie arbeiten für die Industrie, den Kommerz, der Manipulation des Kunden, dem Zuschauer, anstatt für ihn, so wie es der Beruf des Schauspielers und Entertainers eigentlich sollte.

Eine gehörige Portion Klamauk und anderweitiger Albernheiten lenken gekonnt von diesem ernsten Grundthema ab, und wer in die Tiefen der Geschichte eines „Mein Gott, Willi“ schielt, erkennt in erster Linie leider meist nur die Konsumkritik im Einkaufsalltag, die unübersehbar angegangen wird und kaum das Niveau der tiefergehenden Thematik besitzt. Deswegen wird der TV-Film auch gerne als in seiner Kritik missglückt bezeichnet, weil er beim Ein- und Verkaufsthema nicht scharfzüngig genug ist und eine gute Ausgangslage an schlichten Humor verschenkt.

Ich bewundere das Talent Hallervordens und ich liebe seine besseren Filme, eben weil er es wagt Tiefsinn und Klamauk zu vereinen. Zu seinen Höhepunkten filmischen Schaffens gehört „Didi – Der Doppelgänger“, „Der Experte“ und „Didi und die Rache der Enterbten“. Ein wenig schlichter geraten, wohl aufgrund der TV-Herkunft, steht „Mein Gott, Willi!“ ein wenig weiter hinten an. Aber auch er ist zu empfehlen.

Ähnlich wie in Loriots Filmen ist die Sketchorientierung noch stark zu spüren, und das braucht nicht zu wundern, wo Hallervorden doch erst vor recht kurzer Zeit vor dem Werk um Herrn Gimmel mit der Sketch-Reihe „Nonstop Nonsens“ große Erfolge feierte. Erfolge, die er später mit der „Didi Show“ noch toppen sollte.

Seine TV-Schlichtheit sieht man dem Film an jeder Stelle an, der Witz ist jedoch, dass es nicht stört oder negativ arbeitet. Das liegt in erster Linie am hervorragenden Casting rund um Hallervorden. Die Mutter reißt fast jede Szene an sich, der Konkurrent auf der Arbeit ist ein häufiger Spielpartner Didis, eines Mannes, der Professionalität in seiner Arbeit schätzt, und deshalb am liebsten Menschen um sich scharrt, denen das jeweilige Projekt ebenso ernst ist wie ihm selbst.

Bis in die kleinste Rolle weiß jeder zu überzeugen, ob es der Psychologe ist, der Theaterstar, die zukünftige Geliebte Willis, bis hin zum maulenden Gaststättengast, der sarkastische Sprüche über Willis Thermoskanne auf den Zuschauer regnen lässt. Auch wer den Schauspieler hinter der Synchronstimme Bud Spencers einmal sehen möchte ist herzlich eingeladen, sich „Mein Gott, Willi!“ einmal anzugucken, einen Film der sicherlich albern, aber auch liebevoll umgesetzt ist.

„Mein Gott, Willi!“ bringt mich trotz seltener Ausrutscher in Peinlichkeiten immer wieder zum lachen. Seine Geschichte ist ebenso interessant wie die Figuren, der Witz treffend, die Besetzung geglückt und der ernste Hintergrund fein versteckt und nicht auf die Nase gedrückt. Kleiner Mann, bleib Deinen Prinzipien treu und verkaufe Dich nicht. Schön dass Hallervorden sich daran großteils gehalten hat und sich somit einen Platz neben den Größen Loriot und Helge Schneider gesichert hat.  OFDb