Posts mit dem Label Hans Clarin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hans Clarin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

04.02.2018

PIPPI LANGSTRUMPF (1969)

Astrid Lindgren hat der Welt mit ihren Pippi Langstrumpf-Büchern etwas wundervolles, lustiges und geistreiches zugleich beschert. Und mag es mittlerweile auch Zeichentrickverfilmungen, einen amerikanischen Realfilm und eine russische Version geben, den Geist der Bücher fangen lediglich die vier schwedischen „Pippi Langstrumpf“-Filme aus den 60er und 70er Jahren ein, bzw. die TV-Serie, sind die ersten zwei Spielfilme der Piratentocher Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf doch eigentlich Zusammenschnitte eben dieser, wohingegen „Pippi in Taka-Tuka-Land“ und „Pippi außer Rand und Band“ direkt für das Kino produzierte Spielfilme sind. Vielleicht liegt es daran, dass sie zu den Höhepunkten der filmischen Verwirklichung von Lindgrens Vision werden, und das ist kaum zu glauben, so großartig wie sich bereits der erste Zusammenschnitt guckt. Einen besseren oder gleichrangigen Kinderfilm gibt es nur selten.

Das Genre des Kinderfilms verwende ich nur recht selten und ungern, degradiert es ein Werk doch eigentlich in eine Nische, die ein erwachsenes Publikum nicht mehr ansprechen würde, zumal ein Kinderfilm immer auch ein anderes Genre abdeckt, sei es Kalle Blomquist und „Die Vorstadtkrokodile“ im Krimibereich, „Peterchens Mondfahrt" im Abenteuerbereich oder „Pippi Langstrumpf“ in jenem der Komödie und des Fantasyfilms. „Pippi Langstrumpf“ ist nicht nur fröhlich, kindgerecht und kunterbunt ausgefallen, er bereitet auch einem älteren Publikum einen Heidenspaß, ohne dass sich das Werk durch die Kinderfilmmentalität zu theoretisch guckt. Der Film mag die typischen Vereinfacherungen für die Umwelt und die Gesellschaft in der wir leben verwenden, die für die Kinderliteratur und ihre Verfilmungen geradezu typisch sind und damit den Kinderfilmbereich unverkennbar hervorstechen lassen, aber die vier Filme von Regisseur Olle Hellbom verfügen über so viele weitere Qualitäten, dass der erwachsene Zuschauer keine Abstriche in Kauf nehmen muss. „Pippi Langstrumpf“ ist so fern und nah der Realität, so unsinnig und bodenständig, so unterhaltsam und abwechslungsreich, wie es auch der Erwachsenen-Mainstreamfilm heutiger Tage ist, meist fällt dieser jedoch im Vergleich zum hier besprochenen Werk einfallsloser und geistloser aus.

Denn „PippiLangstrumpf“ steht keineswegs nur für die Superhelden-Version der Kinder, die sich auch einmal wünschen so stark und unabhängig wie ihre Heldin zu sein, um es auch endlich einmal den kommandierenden Erwachsenen heimzuzahlen. Die Geschichte wendet sich in ihrer gesellschaftspolitischen Aussage an Jung und Alt gleichermaßen, denn Pippi rebelliert nicht aus Trotzigkeit, sondern steht für ihre Freiheit ein. Sie wehrt sich gegen ein System, in welchem Gesetze der Gesetze wegen existieren, anstatt für den Menschen. Erwachsene wollen Pippi in ein Heim stecken, weil man das eben so mit alleinlebenden Kindern macht. Dass das Mädchen unabhängig ist, auf sich aufzupassen weiß und gut für sich sorgt, interessiert die Erwachsenen nicht. Die haben gelernt, dass es so ist wie es ist und hinterfragen ihren Alltag nicht mehr. Letztendlich warnt der Film und seine Buchvorlage, ebenso wie „Momo“, vor der Entstehung einer Gesellschaft, wie sie es mittlerweile geworden ist: eine leistungsorientierte Welt voller Verbote und Entmündigung. Darüber sollte manch einer einmal nachdenken, der fröhlich davon berichtet welch großes Vorbild Pippi Langstrumpf in seiner/ihrer Kindheit darstellte und was heute aus einem selbst tatsächlich geworden ist. Die Ideale könnten meist nicht unterschiedlicher sein - von wegen Vorbild!

Nun kommt „Pippi Langstrumpf“ aber nie moralinsauer mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Der Grundton ist fröhlich gehalten, und selten nervte penetrante Fröhlichkeit so gar nicht wie hier, stimmt atmosphärisch doch der Grundton des Streifens, ist der Film doch liebevoll, kindgerecht, aber auch interessant und stilistisch inszeniert, immer orientiert an der Art der gerade laufenden Geschehnisse. Die Besetzung der wichtigsten Rollen lässt auch keine Wünsche offen, inklusive eines herrlich sympathisch spielenden Hans Clarin, dem man sein Herz am rechten Fleck in jeder Szene ansieht. Tommy und Annika mögen nervig wirken, aber so sind sie nun einmal charakterisiert. Etwas besser hätte man die beiden aber tatsächlich besetzen können, sie bilden die Ausnahme von der lobenswerten Regel.

„Pippi Langstrumpf“ und auch sein etwas schwächerer Nachfolger „Pippi geht von Bord“ mögen im Gegensatz zu den Kinofilmen mit gleicher Crew einen etwas dominanten Episodencharakter besitzen, anstatt tatsächlich eine durchgehende Geschichte zu erzählen, aber das wertet das Gesamtergebnis keinesfalls ab, vielleicht auch weil Pippis Welt ohnehin nicht nur fantasiereich und abenteuerlich gestaltet ist, sondern auch chaotisch und spontan. So mag der Film zwar von einer Idee zur nächsten hüpfen, sicherlich auch dem ursprünglichen Seriencharakter geschult, letztendlich weiß aber jeder Erzählstrang Begeisterung zu verursachen, sei es nun der Kulturenclash zwischen Pippis Welt und der zivilisierten bei einem Kaffeekränzchen, eine abenteuerliche Ballonfahrt, in welcher Pippi sich eher zufällig ihren Goldschatz zurückholt, die Rebellion gegen Polizei und Kinderschützerin Prysselius, oder der Besuch des Piratenvaters, dem ein wunderbar chaotisches Stadtfest auf Pippis Anwesen folgt.

Jede dieser Phasen weiß kindgerecht und hochamüsant zu unterhalten, zumal dem Werk im Gegensatz zu heutigen Kinderfilmen die Coolness fehlt, ein natürlicher Verzicht, der letztendlich für das unverkrampfte und wunderschöne Feeling sorgt und diese Art Kinderfilm ernstzunehmender wirken lässt, als die coolnessorientierten, oft feigen, Werke unserer Zeit, die dadurch infantil anstatt kindgerecht wirken. „Pippi Langstrumpf“ ist geistreiche Kurzweile für Jung und Alt, unverkrampft und unverstellt inszeniert, liebevoll verkörpert und richtet lobenswerte soziale, gesellschaftspolitische und charakterliche Appelle an sein Publikum, ohne diese über den Sehspaß zu stellen. Damit ist bereits der erste Teil der Reihe perfekt ausgefallen, was das Übertrumpfen durch die Teile 3 und 4 umso unglaublicher erscheinen lässt.  OFDb

28.02.2017

DAS INDISCHE TUCH (1963)

„Das indische Tuch“ ist zweifelsohne mein liebster und am meisten gesichtester Wallace-Film. Wie könnte man ihn bei seiner klassischen Ausgangslage auch nicht mögen? Eine Testamentsverkündung, ein Ort abgeschottet vom Rest der Welt, ein 10 kleine-Negerlein-Szenario, der Handlungsort ein Schloss - das alles weiß zu wirken. Die Creme de la Creme die Alfred Vohrers Werk aber überhaupt erst zu einer solch unterhaltsamen Größe macht ist die hoch interessante Figurenkonstellation und ein Drehbuch, welches vorzügliche Dialoge und Monolge zauberte.

Es ist erstaunlich wie wenig konstruiert die gewitzten Worte wirken, selbst dann wenn sie ein wenig zu aufgesagt klingen. Aber im hier besprochenen Kammerspiel-artigen Kriminalfilm weht immer auch ein Hauch Theateratmosphäre mit, so dass man diese Art des Spiels nie als mangelndes Schauspieltalent abtun könnte, zumal die Wirkung ihren Zweck erfüllt. Eddi Arent mimt den höchst skurrilen Butler, dessen Humor auch gerne mal morbider Art ist, die Hausherrin ist ein eiskaltes Biest und eine übervorsorgliche Mutter, ihr Sohn ein in einer eigenen Welt lebender Wunderling, dessen erstes Klavierkonzert kurz bevor steht. Kinski mimt den Bastard der Familie, Schürenberg einen stets auf Safaris reisenden Engländer, und der amerikanische Ehemann einer Verwandten der Familie Lebanon sorgt für die ersten Höhepunkte des Streifens.

Wenn nach einer Mordanschuldigung dem Amerikaner gegenüber ein Gespräch unter vier Augen zwischen den Eheleuten stattfindet, dann ist die Dramaturgie und die Charaktertiefe auf einem Hoch. Auch hier erweisen sich die Dialoge als des Zitierens wert, und Alfred Vohrer beweist, dass er auch in seiner überspitzten Inszenierung, die stets Augenzwinkern und Humor zulässt, bittere Momente kompatibel einbauen kann - erstaunlicher Weise ohne den augenzwinkernden Aspekt zu pausieren. Ihm gelingt eine Meisterleistung, die selbst der höher geschätzte, ebenfalls von Vohrer inszenierte, „Der Hexer“ trotz seiner gelungenen Art nicht zu erreichen weiß.

Vohrer ist bekannt dafür die Reihe spätestens in der Buntphase durch seine immer drastischeren Überspitzungen in eine andere Richtung gelenkt zu haben. Das schmeckte vielen Fans der Schwarz/Weiß-Phase nicht, führte aber schließlich zum zweiten Höhepunkt der Reihe, den völlig in Komik badenden „Der Mann mit dem Glasauge“. Ob man diese Entgleisung einer halbwegs ernster gestarteten Krimireihe nun mag oder nicht, bereits in „The Indian Scarf“ (Alternativtitel) schwingen die Experimente Vohrers stark mit, noch jedoch ohne das Geschehen vollends zu dominieren.

Dennoch fallen solch schräge Ideen wie der selbstfahrende Wagen des Butlers, oder dessen Ritual des Gedeckabdeckens eines jeden Verstorbenen als lustige Besonderheiten auf, ebenso wie besagte lustige Dialoge, wie z.B. der Kommentar darüber, dass das Telefon in den kommenden Tagen aufgrund einer Funktionsstörung nur noch als Zimmerschmuck dienen wird. „Das indische Tuch“ könnte von diesen schrägen Stärken alleine leben, was ihn jedoch nicht zu einem der Höhepunkte der über 30 Filme beinhaltenden Reihe werden lassen würde. Was an Vohrers Beitrag neben all der verspielten Art und der gut gelaunten Schauspieler so viel am brillanten Ergebnis ausmacht, ist zudem das Spiel des Mörderratens für den Zuschauer.

Nicht nur dass die Auflösung sich sehen lassen kann, so toll wie sie selbst dann in ihrer Konsequenz zu wirken weiß, wenn man den Braten bereits zuvor gerochen hat, die Motivation bei solch einer Gruppe interessanter Figuren mitzuraten, ist enorm groß, wahrscheinlich größer als bei jedem anderen Wallace-Beitrag der Rialto-Reihe. Zwar muss man faier Weise sagen, dass das Mörderraten nie zu den Haupttrümpfen der Reihe gehörte und damit kein Pflichtrezept war, aber „Das indische Tuch“ atmet diesbezüglich Agatha Christie-Flair, und das kann auch in der komödiantisch angehauchten Form kein Fehler sein, wie auch der legendäre „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Margaret Rutherford beweist.

Wallace-Stars auf einem Hoch ihrer Spielfreude, alle klassisch besetzt und damit ihre Stärke voll einbringen könnend, ein augenzwinkernder Grundton der auch Dramaturgie und einen Spannungsbogen zulässt, an „Das indische Tuch“ gibt es bishin zum flotten Titellied und der ewig im Hintergrund ertönenden Klaviermusik des Sohnes nichts zu meckern. Alles greift perfekt ineinander, so dass der Film wahrlich ein Liebhaberstück der Reihe, aber auch seines Genres geworden ist. Sicher lohnt sich aufgrund vieler geglückter Beiträge ein intensiver Blick auf Rialtos Wallace-Filme, wer aus welchem Grund auch immer diese jedoch meidet, sollte zumindest beim hier besprochenen Film eine Ausnahme machen. Man verpasst sonst einen wahrhaften Schatz des deutschen 60er Jahre-Kinos.  OFDb

ZIMMER 13 (1963)

„Zimmer 13“ schaut sich wie ein Mix aus den klassischen und den Ausnahme-Rialto-Wallace Filmen a la „Das Verrätertor“. Auf der einen Seite wird klassisch ermittelt, angeleitet von Sir John und Begleitet von einem von Joachim Fuchsberger verkörperten Privatschnüffler, der allerdings behandelt wird als sei er fester Angestelter des Scotland Yard, auf der anderen Seite werden wir jedoch auch ausführlich Zeuge der Pläne der Diebesbande. Zu erraten wer schuldig oder unschuldig ist, gibt es da nichts. Mit Ausnahme des zusätzlich eingefügten Elements des unbekannten Frauenmörders, das sich nie ins Zentrum drängt, sogar so wenig Beachtung geschenkt bekommt, dass man Harald Reinl keinen Einfluss auf das kommende Giallo-Genre zusprechen kann.

Die Auflösung erklärt dann auch warum das Thema kürzer trat als zunächst angenommen, und trotz der dort anzutreffenden Hausfrauen-Psychologie, die anbei typisch für die italienischen Gialli der 70er Jahre werden sollte, beweist „Zimmer 13“ hier eine Ernsthaftigkeit, die ohnehin den kompletten Film umgibt. So hemmungslos hier auch teilweise herumgealbert wird, meist durch Eddi Arent, der eine Rolle erwischt hat mit der er sichtlich Spaß hatte, „Room 13“ (Alternativtitel) ist ein düsteres, ernstes Werk. Das zeigt sich auch im Agieren Fuchsbergers Rolle, die den Standard des kühnen Helden erfüllen könnte, also jene Rolle die er sonst oft verkörpert hat, mit dieser aber nur verwand ist.

Johnny Gray geht viel überlegter und sorgfältiger vor, als es die typischen Fuchsberger-Figuren in ihrem Elan je taten. Und der ständige Kontakt mit der Rolle Karin Dors (die eine pseudo-taffe Frau spielt, die doch nur ständig gerettet werden muss) wird keinesfalls genutzt um hemmungslos zu flirten, die Sorge um die Frau steht Fuchsberger ins Gesicht geschrieben. Seine flaxigen Anmachen lässt er nur zu Beginn heraus. Wenn die Situation ernst wird, dann ist es damit vorbei. Passend zu diesem ernsteren Grundton darf man auch über einen Rasiermessermord überrascht sein, in welchem für Wallace-Verhältnisse dieser Dekade überraschend viel Blut spritzt. Das wiederholt sich nicht, „Zimmer 13“ bleibt ansonsten relativ bieder und zugeknöpft, abgesehen von einer kurzen Nackedeiszene, die vorbei ist ehe sie begann.

Amourös hätte auch die schräge Thematik ausfallen können, wie der von Arent gespielte Dr. Higgins (welch herrliche Anspielung) mit seiner Versuchspuppe umgeht. Sein etwas arg persönliches Interesse für diesen weiblich geformten Gegenstand wird stets nur angedeutet, fällt wie gesagt nie amourös aus, und doch schwebt da was in der Luft. Arent überspielt es klamaukhaft, so will er sie z.B. zum Puppendoktor bringen, als sie leicht zerstört wird, und er bedauert dass sie sich in diesem Zustand befindet und damit die frisch erlangte Beförderung Higgins nicht mitbekommt. Allein hierdurch wird der Ehefrau-Ersatz überdeutlich. Mehr war in den 60er Jahren zu diesem Thema in einem Film für den einfachen Bürger jedoch nicht drin.

Zwar ist Reinl kein großer Wurf gelungen, gerade im Mittelteil schwächelt der Plot ein wenig, aber er versucht mit möglichst vielen lauteren und schnelleren Szenen dagegen zu halten, was ihm recht passabel gelingt. Das erste und das letzte Drittel schauen sich hingegen tatsächlich flott und unterhaltsam, so dass die Tendenz zur Mittelmäßigkeit noch umgangen werden konnte. „Zimmer 13“ mag nur etwas für Stammgäste im deutschen Wallace-Universum sein, aber als zwischen den Stühlen sitzendes Werk ist er für eben jenes Publikum auch recht interessant ausgefallen. Die französische Ausnahmebeteiligung an diesem Rialto-Wallacefilm merkt man meiner Meinung nach dem Werk nicht an.  OFDb

03.07.2015

DAS MÄDCHEN MIT DEN KATZENAUGEN (1958)

Bevor 1959 die Edgar Wallace Reihe mit „Der Frosch mit der Maske“ startete und damit das Genre des Kriminalfilms stark beeinflusste, da sah die Welt besagten Genres noch etwas anders aus. „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ neigt noch viel mehr zum klassischen Kriminalfilm, hat aber schon so einige berühmte Gesichter an Bord, die später in der harten Welle ordentlich mitmischten. Mit dabei sind Joachim Fuchsberger („Der Hexer“, „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“), Gert Fröbe („Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, „Der grüne Bogenschütze“), Hans Clarin („Das indische Tuch“), Wolfgang Preiss („Scotland Yart jagt Dr. Mabuse“, “Der Henker von London“) und Vera Tschechowa („Die Gruft mit dem Rätselschloss“).

Der deutlichste Unterschied zu besagter Welle war zu Zeiten von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ der Spielort Deutschland anstatt London, was am fertigen Werk jedoch herzlich wenig ausmacht. Geradezu austauschbar wirkt die Stadt innerhalb einer Geschichte, die meist innen an recht wenigen Orten spielt, inhaltlich dafür aber einen komplexen Erzählstrang aufweist. So vielschichtig die Geschichte auch sein mag und so toll die Besetzung auch glänzt und in der jeweiligen Rolle überzeugt, etwas zu lahm ist Eugen Yorks Werk dann doch ausgefallen, kommt der Streifen doch etwas zu steif und umständlich daher, und tritt er manches Mal doch zu lang auf der Stelle. Auch die eingebauten Liebesszenen zwischen Katja und Norbert wollen sich nicht gut ins Gesamtbild einfügen, zumal die Chemie zwischen den beiden nicht zu stimmen scheint. Ein völlig rabiater, unromantischer Kuss zwischen den beiden macht dies nur um ein weiteres Mal deutlich.

Immerhin erlaubt sich „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ jedoch den Luxus sich mit der Vorgeschichte Zeit zu lassen. Bis Hauptermittler Norbert Wilms ins Geschehen tritt vergeht fast eine halbe Stunde. Um so mehr darf es verwundern, dass der Mittelteil sich zu zäh schaut. Bei Laune gehalten wird man immerhin mit einem schurkisch spielenden Hans Clarin, der seine humorvolle und sensible Seite noch gar nicht zeigen darf und mit einem Gert Fröbe, der vom Alkohol so herrlich fertig und heruntergekommen spielen und aussehen darf, dass es eine Freude ist ihn einmal so ganz anders zu sehen, trotz der Tragik seiner Rolle.

Um heute noch vom Hocker zu reißen fehlt dem fertigen Werk jedoch die nötige Dynamik in der Erzählung, sowie die ein oder andere Überraschung innerhalb einer Geschichte, die viel zu vorhersehbar ausgefallen ist. Vieldreher Eugen York, der seit der 30er Jahre als Regisseur tätig war, im selben Jahr von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ auch noch die Kriminalfilme „Der Greifer“ und „Der Mann im Strom“ (beide mit Hans Albers in der Hauptrolle besetzt) inszenierte und mit „Der Nebelmörder“ später auch noch in der harten Welle mitmischen durfte, schafft es nicht dem hier besprochenen Werk einen eigenen Stempel aufzudrücken. Zu austauschbar guckt sich das fertige Werk. Gut genug um ihn sich als Vielseher des Genres mit geringen Erwartungen einmal zu geben ist „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ durchaus. Mehr aber auch nicht!  OFDb

12.10.2012

WARTEZIMMER ZUM JENSEITS (1964)

Ein Student will den Mord an seinem Onkel aufklären. Eine Spur führt ihn nach Italien, wo eine richtige Verbrecherorganisation hinter der Tat zu stecken scheint...

Starkino der 60er...
 
5 Jahre lang machte die deutsche Edgar Wallace-Reihe bereits in heimischen Kinos gut Geld, und Mabuse-Filme folgten diesem Ruf bereits seit vier Jahren. Grund genug ähnliche Stoffe auf den Markt zu werfen. Zwar ist „Wartezimmer zum Jenseits“ lediglich ein Krimi und kein Grusel-Krimi, aber eine Vielzahl berühmter Schauspieler sollten Zuschauer locken, und die Titelgebung klingt für den unwissenden Konsumenten nun auch nicht danach, als sei ein Grusel-Krimi völlig ausgeschlossen. Der Film von Krimiautor James Hadley Chase wurde zudem von Wallace-Regisseur Alfred Vohrer gedreht, einem der Mitbegründer der harten Welle, wie jene Filmgattung in vergangenen Trailern bezeichnet wurde.

Ob „Wartezimmer zum Jenseits“ damals ein Erfolg war, weiß ich nicht. Heute kennt ihn kaum noch wer, und das ist schon etwas schade. Zwar hat man mit diesem Krimi keinen guten Streifen vergessen, aber immerhin einen passablen, der allein schon wegen der oben erwähnten Stars einen Blick wert ist.

Ein junger Götz George mimt den Helden, der furchtlos den Mörder seines Onkels sucht. Sein ewiger Begleiter ist Hans Clarin, der seine ihm bekannt machende Stimme für meinen Geschmack etwas extrem ausreizt, für mich aber immer ein gern gesehenes Gesicht ist. Er wird jedoch leider als Eddi Arent-Ersatz eingebracht, und eine solche Rolle steht ihm nicht. In einer kleinen Nebenrolle spielt Klaus Kinski die Art Rolle, die er in Kriminalfilmen fast immer spielen durfte. Hildegard Knef gibt Georges Gegenpart und erwischte damit die zweite Hauptrolle. Heinz Reincke, Heintjes ewiger Filmonkel, ist ebenfalls mit dabei. Diese Aufzählung kann sich sehen lassen.

Der Film selbst ist etwas halbgar ausgefallen. Er beginnt mit einem unpassenden Off-Kommentar, der später nie mehr ertönen wird. Vielleicht vergaß man die Hauptcharaktere zu vertiefen und hatte keine Zeit mehr, diesbezügliche Szenen nachzudrehen. Einen anderen Zweck erfüllt die Stimme aus dem Off nämlich nicht.

Recht flink steigt man in die Geschichte ein, die jedoch zunächst den Eindruck einer banalen 08-15-Krimistory macht. Sie plätschert vor sich hin, ist nicht wirklich langweilig, und doch war ich zunächst geneigt auszuschalten. Was ich sah war einfach arg gewöhnlich. Dies änderte sich aber immerhin nach geschätzten 30 Minuten. Wenn die Geschichte nach Italien verlagert wird, bekommt sie wesentlich mehr Schwung, was in erster Linie an der Rolle liegt, die Richard Münch so übertrieben spielen durfte.

Er erfüllt jedes Klischee des Kopfes einer Gangsterbande: Reicher, geehrter Mann, den niemand verdächtigen würde, Rollstuhlfahrer, blonde Haare, Sonnenbrille (Heinofan?), wahnsinnig (begeht Verbrechen, damit die Menschen vor ihm zittern), wohnt in einem Schloss und hält jede Menge Gimmicks bereit: Maschinengewehre versteckt am Rollstuhl montiert, edle Verließe und überall hat der werte Herr Kameras versteckt. Unweigerlich erinnerte mich diese Figur an den bösen Baron aus „Timm Thaler“, der war jedoch eine Spur besser gespielt und unheimlicher. Das ist schon ein kleiner Witz für sich. Die Figur aus dem Kinderprogramm wirkt bedrohlicher als der Oberbösewicht aus der harten Welle der 60er. Da braucht man sich aber nicht zu sehr dran aufhängen, denn die mangelnde Wirkung in diesem Bereich liegt an der Art der Inszenierung, und die wollte den bedrohlichen Effekt scheinbar gar nicht einfangen. Dafür wirkt alles, was wir in Italien miterleben dürfen, viel zu comichaft. Wir schreiben immerhin das Jahr von „Goldfinger“, jenem Film, in dem James Bond ebenfalls zur Comicfigur wurde. Von daher passt Vohrers Inszenierung in seine Zeit.

Unter welchen Einflüssen der Kriminalfall sein Ende findet ist etwas arg konstruiert zu nennen und geschieht als reine Aktion auch viel zu plötzlich. Dies hinterlässt leider einen bitteren Beigeschmack. Da bereits das erste Drittel mäßig war, war mein Gesamteindruck somit eher mittelmäßiger Natur. Wer Freund vergangener, deutscher Kriminalkost ist, sollte aber ruhig mal rein schalten. Neben der Freude bekannte Gesichter zu sehen, ist es vor allen Dingen das Geschehen in Italien, das „Wartezimmer zum Jenseits“ seinen Reiz beschert.  OFDb