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11.02.2023

SIEBEN SOMMERSPROSSEN (1978)

Direkt und unverfälscht zeigt uns "Sieben Sommersprossen" das Entfalten einer Teenagerliebe im Sommercamp. Der Zugang zu den Figuren macht es aus, ob daraus ein dröges Filmerlebnis wird, oder eines zum emotional Eintauchen, sensibel und authentisch ist das Jugend-Drama so oder so erzählt. Neben dem romantischen Aspekt, der ebenso wie die Dramaturgie niemals künstlich gepuscht wird, gehört der Zeitgeist des Streifens zu den Sehenswürdigkeiten des Films. Ein respektvolles Miteinander, sachliches Reagieren auf Ärgernisse, der unverkrampfte Umgang mit Nacktheit, all das wirkt heutzutage fremd und beeindruckend. Die simpel anmutenden, naiven Gedankengänge der beiden jungen Menschen, eingefangen in direkten Dialogen, zeigen eine Zeit frei von Informationsflut. Wir erleben eine Jugend, die sich selbst entdecken darf, aufgeklärt über die Eltern, aber nicht überfordert von Medieneindrücken. Generationenkonflikte, junge Gefühlswelten, Liebe und Eifersucht sind die Themen eines Filmes, der von Herrmamm Zschoche inszeniert wurde, der Vergleichbares mit "Liebe mit 16", sowie "Und nächstes Jahr am Balaton" ablieferte und uns zudem den ungewöhnlichen Science Fiction "Eolomea" bescherte. Er baut mir in "Seven Freckies" (Alternativtitel) etwas zu viel "Romeo und Julia"-Proben ein, der romantischste Moment ist jedoch meiner Meinung nach tatsächlich Shakespeares (übersetzten) Worten zu verdanken, wenn wir der lang vorbereiteten Aufführung final beiwohnen. So angetan ich von der Schlichtheit und Echtheit des hier besprochenen Dramas auch war, ich persönlich konnte mich den beiden Hauptfiguren nicht wirklich nähern, so dass ich auch nicht in ihre Romantik und Tragik derart intensiv genug eintauchen konnte, um von einem sehenswerten Filmerlebnis zu sprechen. Interessant fand ich ihn durchaus, mit seiner Laufzeit von 76 Minuten auch angenehm zu schauen, aber er ist letztendlich nicht wirklich nennenswert in meiner persönlichen, cineastischen Filmographie.  OFDb

04.07.2021

IM STAUB DER STERNE (1976)

"Im Staub der Sterne" ist ein naives Stück DDR-Science Fiction-Kost auf dem Niveau eines "Raumschiff Enterprise" und ebenso unterhaltsam. Die simplen Spezialeffekte sind putzig anzuschauen, die Methoden eine fremde Kultur zu erfinden finden Gefallen, der durchschnittliche Plot wird durch die Charakterzeichnung der Figuren interessant, zwei gesungene Lieder überraschen damit vorzeitig an die Neue Deutsche Welle, sowie an den Stil von 2-Raumwohnung zu erinnern. Noch nicht dem Standard von heute genormt zeigt uns "Signale"-Regisseur Gottfried Kolditz mit seiner vorletzten Regie-Arbeit wie alternativ eine derartige Geschichte erzählt sein kann. Dialoge und Debatten finden in anderer Mentalität statt, ein Trivialstoff darf mit intelligenter Reflexion trumpfen, der Schluss lässt vieles offen und erwartet vom Zuschauer die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Naiv mag also etwas streng formuliert sein, so mutig wie sich ein Streifen wie dieser rückwirkend guckt (durchaus funktionierend wenn man nicht alles Ungewohnte gleich der Lächerlichkeit zuordnet), simpel gestrickt ist jedoch die Art der Unterdrückung, jene der Täuschung und jene der gegenseitigen Überlistung. Es ist also nicht der Stil des Streifens, der "Krieg der Planeten" (Alternativtitel) zum simplen Filmerlebnis degradiert, es ist die gelebte Mentalität, die fast schon das Gemüt eines Kinderfilmes erfüllt inmitten erwachsener Thematik. "In the Dust of the Stars" (Alternativtitel) hat sein Herz am rechten Fleck, ist durchdacht genug ausgefallen, um bei einem aufgeschlossenen Publikum nicht unfreiwillig komisch anzumuten, ist individuell genug um aus der Routine eine kurzweilige zu schaffen und ist mit erkennbarer Freude an Spiel und Umsetzung ausgefallen, so dass Retro-Freunde des Genres durchaus auf ihre Kosten kommen.  OFDb

14.12.2012

DIE SCHWARZE MÜHLE (1975)

Der gut gelaunte Wandersbursche Krabat gerät in die Gefangenschaft des tyrannischen schwarzen Müllers, der in seiner Gegend eine Schreckensherrschaft betreibt. Krabat muss von nun an mit sechs anderen Knechten in der schwarzen Mühle für den Meister Gold gewinnen. Nur die Mütter der Jungs können ihre Söhne freisprechen. Markus Mutter befreit ihren Sohn und durch einen Trick Krabat gleich mit. Dieser klaut dem Tyrann das Buch des Wissens und zwei Stoffbänder, mit denen man zaubern kann. Damit hetzt er den Zorn des schwarzen Müllers auf sich und Markus. Beide beginnen den Kampf gegen den magischen Unterdrücker...

Krabat und Krabat...
 
Dass diese Erzählung Parallelen und Unterschiede zugleich zu Ottfried Preußlers Buch „Krabat“ aufweist verwundert nicht. „Die schwarze Mühle“ ist nämlich nach einem Buch des Schriftstellers Jurij Brezan gedreht. Sowohl Brezans als auch Preußlers Vorlage orientieren sich an einer alten Legende. Deswegen haben sie Gemeinsamkeiten, auch wenn die Geschichten völlig anders verlaufen.

Der Beginn beider Storys ist sehr ähnlich. Vergleicht man jedoch „Die schwarze Mühle“ mit der Verfilmung von „Krabat“ von 2008 könnten selbst in den übereinstimmenden Punkten die Unterschiede nicht größer sein. Während „Krabat“ seine Geschichte recht düster präsentiert, wurde aus Brezans Buch ein Kinderfilm gedreht, wie er klassischer nicht sein könnte.

Krabat ist ein gut gelaunter Bursche, der Müller von Grund auf böse. Die Regeln der Logik sind versimpelt und konfus, so wie es nun einmal häufig in Märchen der Fall ist. Durch einen billigen Trick gerät Krabat in Gefangenschaft, durch ähnlich billige Tricks verarscht er des öfteren den schwarzen Müller, bis hin zum Höhepunkt, in dem er sich von seiner Gefangenschaft zu befreien weiß. Der schwarze Müller tobt vor Zorn bei jedem Rückschlag, selbst das könnte kaum klassischer märchengerecht gezeigt werden.

Krabat ist nun frei. Was nach dem Ende des Films klingt, zumindest mit der Kenntnis der Preußler-Vorlage, geschieht im fertigen Film nach ca. 30 Minuten, womit der Löwenanteil der Laufzeit einem noch bevor steht. Und nun beginnt ein endloser Kampf zweier Ex-Gehilfen des Müllers gegen eben diesen.

Wie in älteren Kinderfilmen üblich darf da auch mal wer sterben, selbst wichtige Figuren, und kurzfristig scheint dies auch Krabat zu betreffen. Der wird vom Müller erwischt und in den Fluss gestoßen. Von nun an gibt es nur noch Markus, der sich in der folgenden Szene plötzlich als Hofnarr im königlichen Hofe befindet, und den Zuschauer zunächst einmal vor den Kopf stößt. Hier erlebt die Geschichte nun einen Zeitsprung, dessen Sinn erst dann wirklich klar wird, wenn Krabat unverhofft wieder auftaucht und sich nach seinem Kumpel informiert.

Vielleicht liest man es schon heraus, im Gegensatz zu Preußlers Geschichte ist die von Brezan wesentlich wirrer. Da dies aber ein Märchenfilm ist geht das eigentlich auch wieder in Ordnung, wobei mir eine Streichung des Subplots am Königshof zur Laufzeitkürzung eher zugesagt hätte, da sich „Die schwarze Mühle“ auf 90 Minuten arg zäh guckt.

Dass man dennoch auf naive Art Spaß mit Bleiweiß’ Werk haben kann, liegt an der liebevollen Umsetzung. Die Darsteller spielen mit Engagement, wenn auch nicht immer mit bestem Talent, die Musik mixt Psychoterror aus Horrorfilmen mit dem quietschbunten Sound, wie man ihn z.B. aus der Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ kennt, und die Spezialeffekte sind billig aber sympathisch zu nennen. Die Location und die Kostüme hingegen sind schlicht, gehen aber noch als o.k. durch. Selbstverständlich sind sie meilenweit von der Authentizität eines „Krabat“ von 2008 entfernt, aber das sind die kompletten Situationionen in „Die schwarze Mühle“ ohnehin auch, könnte man beim Schauen doch meinen das dunkle Mittelalter wäre eine fröhliche, kunterbunte Zeit ohne Regeln gewesen.

Aber wie erwähnt ist dies die Naivität eines jeden Märchen-Films. Logische Lücken, die es zuhauf gibt, sollte man nicht hinterfragen, sondern viel mehr die vielen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu der uns bekannten Preußler-Geschichte genießen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich ein wenig mit dem Schriftsteller Jurij Brezan beschäftigen. Der soll laut Wikipedia wohl mehrere Geschichten mit dem Helden Krabat verzapft haben.

Was nun diese erste Krabat-Verfilmung betrifft, so konnte ich ihn persönlich nur zu theoretisch gucken. Richtig Spaß hat mir dieses eigentlich nett zusammengebastelte Stück Film leider nicht gemacht. Aber mit Märchen-Realfilmen tue ich mich ohnehin ein wenig schwer. Freunde dieses Genres sollten sich also besser nicht davon abhalten lassen einzuschalten.  OFDb

27.11.2012

EOLOMEA - UNHEIMLICHE ZEICHEN AUS DEM ALL (1972)

Die Zukunft: Menschen leben und arbeiten im Weltall, manch einer ist dort geboren, ohne die Erde kennen gelernt zu haben. In letzter Zeit werden einige Raumschiffe vermisst. Ein Flugverbot wird durchgesetzt gegen den Willen eines Doktors, der etwas wichtiges zu verschweigen scheint. Dieser beschäftigte sich vor vielen Jahren mit dem Projekt Eolomea...

Zschoche auf den Spuren Erlers...
 
Will man nicht spoilern, so kann man höchstens berichten, dass die Hauptfigur seinen Beruf im Weltall satt hat und lieber auf einer Insel leben will, einer, wo er den ganzen Tag am Strand herumlungern kann. Der Mann hockt aus beruflichen Gründen mit einem Kollegen älteren Kalibers auf einem ferneren Außenposten fest, und beide sinnieren über das Leben, ihre Wünsche und den Sinn und Unsinn der Forschung.

Was nach Nebensächlichkeiten klingt, ist eigentlich das Zentrum des Films. Hier geht es nicht um große Abenteuer, außerirdische Begegnungen oder allgemein um den großen Knalleffekt. Ganz im Gegenteil! „Eolomea“ hört da auf, wo Filme von heute eigentlich anfangen. Die Geschichte von Zschoches Werk würde heute in 5 Minuten abgehandelt werden, um dann in die Haupthandlung einzusteigen. Schade, denn damit verpatzt man sich die Möglichkeit mit Science Fiction auf eine sensible Art zu philosophieren.

In der DDR wurden nicht viele Science Fiction gedreht. „Eolomea“ gehört einer kleinen Genregruppe an, die nicht einmal eine zweistellige Zahl erreicht haben dürfte. Verwundern tut es mich ohnehin, dass ein Film wie dieser in seinem Land öffentlich aufgeführt werden durfte. Ist doch eine der Hauptaussagen des Werkes, dass man sich gegen die Gesetze und Regeln des Heute stellen muss, um die Menschheit voran zu treiben.

Das ist nicht die einzige Aussage die getroffen wird. „Eolomea“ beleuchtet mehrere Blickwinkel zu nah verwandten Themen. Worin liegt der Sinn des Forschens im All? Soll man für ein angeblich höheres Ziel die eigentlichen Bedürfnisse hinten an stellen, bzw. gar auf sie verzichten? Fragen über Fragen, zwischen den Zeilen Antworten über Antworten mit genügend Raum zum selber grübeln.

Grübeln, ein Wort das nicht nur Schriftsteller Max Goldt in unserer heutigen Gesellschaft zu vermissen scheint. „Eolomea“ soll den Geist anregen. Das ist ein lobenswertes Anliegen. Das mag seinerzeit auch funktioniert haben. Ich denke mir allerdings auch schon damals nur bedingt.

Zschoches Science Fiction-Film ist sehr naiv erzählt, präsentiert uns Bilder aus dem Weltall, mit liebevoll gestalteten Kulissen und richtig schön anzuschauenden Bauten und mixt dies mit Bildern, die aus dem Urlaub zu kommen scheinen. „Eolomea“ ordnet sich noch nicht den Regeln unter, die ein Genrebeitrag von heute leisten muss. Hier wagt man Stilmittel, die heute nicht nur fremd wirken, sondern leider auch lächerlich: Die Art wie brav sich zwei Kontrahenten unterhalten, die flinke Art mit der Wahrheit herauszurücken, nur weil man gerade sein Wort gegeben hat zu ihr zu stehen und dies alles in einer Ambiente, die fast aus dem Heimatfilm zu kommen scheint.

Dass man in den 70er Jahren noch Zukunftsvorstellungen mit riesigen Computern hatte und auch der klassische SF-Freund des Menschen, ein bescheuert aussehender Roboter, nicht fehlen dürfen, darf sich nur bedingt zu dieser Aufzählung zählen, haben diese beiden Bereiche doch einen charmanten Trash-Charakter, den man ihnen nicht übel nehmen will. Ersteres ist ohnehin verziehen, konnte man ja nicht wissen. Zweites kann es vom Sympathiewert locker mit dem Roboter ohne Gesicht aus „Futureworld“ aufnehmen, jedoch mit der Lächerlichkeit eines WWF-Club-Roboters. Wer den Schrotthaufen aus „Alarm im Weltall“ schon belustigend fand, wird hier einen Lachkrampf kriegen.

Aber solch belustigende Momente sind von kurzer Dauer. Der Roboter diente damals sogar der freiwilligen Komik, ein Bereich, der in „Eolomea“ eigentlich nur gestreift wird, wahrscheinlich weil Lustigkeit einfach zum Leben dazugehört und an dem wollte man sich nah orientieren. Ein Punkt der „Eolomea“ eigentlich zu menschlich wirken lässt, in Zeiten, wo ein Science Fiction konstruiert und fremd wirken muss. Ist „Eolomea“ überhaupt naiv, oder ist er in dieser menschlichen Art einfach nur zu ehrlich, so dass er uns Konsumenten von heute so fremd vorkommt? Ist es nicht viel naiver Science Fiction von heute zu erzählen, mit strengen Charakteren ohne individuellen Bedürfnissen und Wünschen in komplett fremder Kulisse? Eine interessante Frage...

So sorgt „Eolomea“ schlussendlich bei mir doch noch dafür, dass er mich zum philosophieren anregt. Trotz all seines Charmes und meiner Sympathie dem Film gegenüber, schafft sein eigentlicher Inhalt dies kaum, obwohl er sich größte Mühe gibt, diesen Knopf beim Zuschauer zu aktivieren. Dass er mit diesem Ziel, und mit der Tatsache, dass der Film mit dem eigentlichen „Abenteuer“ endet, recht geschwätzig ausfällt, lässt sich nicht verneinen. Das ist eigentlich auch o.k., macht es doch Spaß den Worten und damit dem Zeitgeist von einst zu lauschen. Dennoch kann man ruhig kritisieren, dass selbst für einen Dialogfilm eine Spur zu viel geredet und zu wenig gehandelt wird. Zumal Zschoches Genrebeitrag häufig interessante Gebiete streift, ohne diese, trotz ihres Reizes, zu vertiefen.

Nach all den Jahren bleibt am Ende nur noch ein sympathisches, verstaubtes Werk, mit lobenswerten Zielen, einer interessanten Art seine auf dem ersten Blick banale Geschichte zu erzählen, aber auch einem Haufen Banalitäten und einer arg naiven Umsetzung, wenn auch nur mit einem Hauch unfreiwilliger Komik versehen. Nach all den Jahrzehnten wäre die Wahrscheinlichkeit dafür wesentlich höher gewesen.  OFDb