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02.12.2024

ADVENTURELAND (2009)

Weil sich seine Eltern sein Studium, anders als geplant, doch nicht leisten können, nimmt James einen Job als Spielebegleiter in einem Freizeitpark an und verliebt sich in die weit erfahrenere Kollegin Em. Als es zwischen den beiden funkt, steht Em ihre Vergangenheit im Weg, von der sie James bislang nicht berichtete...

Betrügereien im Spiel, nicht in der Liebe...

"Adventureland" kommt überraschend unaufgeregt daher, selbst die obligatorischen auf sonderbar getrimmten Randfiguren betreffend. Das ist Fluch und Segen zugleich für den Film, fühlt sich doch die Hauptfigur des James, wie gewohnt gekonnt verkörpert von Jesse Eisenberg, unerfahren, aber nicht schüchtern an, zurückhaltend, aber nicht feige, reflektierend, aber nicht verkopft. Das macht ihn zu einer angenehmen Identifikationsfigur. Und im Gegensatz zu ihrem großen Erfolg "Twilight" wirkt Kristen Stewart dank ihrer herrlichen Anti-Aufmachung unglaublich niedlich, mit ihrem enttäuschten Blick vom Leben, dem Abfinden mit wenig Erwartungen und dem Aufleuchten in ihren Augen, dass sich da wer ehrlich für sie interessiert. Auch den Part des sich schuldig Fühlens beherrscht sie, umso überraschter war ich, dass sie selbst in der Phase des zu erwartenden Happy Ends noch immer viel zu kränklich und depressiv wirkte, anstatt glücklich darüber ihre Liebe gegen alle Erwartungen doch noch bestätigt und ausgelebt zu bekommen. Das verwässert das an sich romantische, aber sehr typisch inszenierte Finale etwas zu sehr. Und die angenehm unaufgeregte, relativ bodenständige Art der Gesamtgeschichte, tendiert aufgrund der überraschungsfreien Standardgeschichte ab und an zur Austauschbarkeit. Letztendlich siegt jedoch die Wohlfühl-Atmosphäre, eben weil die Figuren sympathischer Natur sind, kleine Rollen ebenso wie große, unschuldige ebenso wie durchtriebene. Selbst die "Bösewichter" bleiben Alltag, werden nicht zu fiesen Kinofiguren, und das ist für eine US-Romanze, die eine derart häufig ähnlich erzählte Klischee-Geschichte besitzt, schon recht ungewöhnlich. Der meist sexuell geartete Provo-Humor von Greg Mottolas vorangegangener Regiearbeit "Superbad" ist glücklicher Weise nicht vorhanden, hätte dies den stillen Tönen, mit denen "Adventureland" trumpft, doch trotz gelegentlich lauterer Momente geschadet. Es ist erstaunlich dass ihm mit der wilderen Komödie trotzdem das bessere Werk gelungen ist, als mit dieser angenehm zurückhaltenden Tragikomödie, die aus seiner eigenen Feder stammt.  Wiki

21.08.2016

DIE WOLKEN VON SILS MARIA (2014)

Wunderschöne klassische Musik, imposante Bilder, talentierte Schauspieler in tiefgehenden Charakteren und gehaltvolle Dialoge machen es dem Zuschauer einfach sich dem eigentlich recht schwermütigen Stoff hinzugeben, den Regisseur Olivier Assayas selbst verfasst hat. Schnell merkt man, dass man etwas Großem beiwohnt. „Die Wolken von Sils Maria“, so sehr der Titel auch das Klischee manch verkrampfter Kino-Kunst verkörpert, schaut sich in seiner ruhigen wie intellektuellen Art nie bemüht. Man erkennt dass Figuren und Situationen verstanden wurden, aber auch dass ihre Eigenschaften nicht fest in Stein gemeißelt sind, sondern der Interpretation des Zuschauer unterliegen.

Das ist insofern wichtig, als dass dies auch ein wichtiger Aspekt innerhalb der Geschichte ist, gerade dann wenn wir Maria Enders dabei begleiten alte Erinnerungen an den Stoff Revue passieren zu lassen, und sie es nicht zulassen möchte aus reiferer Sicht von der von ihr geliebten Figur, die sie früher spielte, loszulassen. Obwohl sie über ihre junge Assistentin einen anderen Blickwinkel auf den Stoff erhält, tut sie diesen als naiv ab, als oberflächlich, anstatt sich dieser Alternative, abgestiegen von dem hohen Sockel auf dem sie thront, einzulassen. Symbolisch für diese Haltung Enders steht auch die gerne von kultivierten Menschen gelebte Tunnelblick-Haltung Tiefe könne in einem übernatürlichen Stoff nicht existieren.

Wie Enders am Ende des Films zu ihrer Rolle steht bleibt Interpretation, liegt also an der Sichtweise des Zuschauers wie so vieles mehr. Damit schaut sich „Die Wolken von Sils Maria“ auf mehreren Ebenen. Das was der Film erzählt, erlebt auch der Zuschauer in seiner Rolle als Zuschauer. Intensiver wird dies in den Charakterzeichnungen der Figuren und ihren Einfluss aufeinander angegangen, zeigt das eingeprobte Stück doch Parallelen zu dem was in der Filmrealität stattfindet oder sich zumindest unterschwellig andeutet, was wiederum Parallelen zu der unseren Realität und den hier agierenden Darstellern aufweist.

Nicht dass die Geschichte einen solchen Zusatzaspekt nötig gehabt hätte, die Dramaturgie des Stoffes ist hervorragend ausgearbeitet und sehr sensibel und subtil eingefangen. Aber diese doppelten Böden bereichern das Werk in seiner analytischen Deutungsvielfalt und den verschiedenen Blickwinkeln unter denen wir den Stoff verstehen oder nachempfinden können. Ohne je all zu schwermütig oder zu dick aufgetragen emotional zu werden, kommt „Die Wolken von Sils Maria“ mit einer Natürlichkeit daher, die einen fast schon glauben lässt einem leichten Stoff beizuwohnen, so entspannt ist das ethisch sensible Werk ausgefallen.

Die drei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen agieren nicht nur in Bestleistung, der Kenner dieser Schauspielerinnen erkennt zudem das Durchbrechen der vierten Wand. Binoche arbeitete mit dem stets verkopften Michael Haneke in „Caché“ zusammen, kennt somit das Arbeiten im Kunstfilmbereich ebenso wie die Kommerzseite des Filmgewerbes, wirkte sie im selben Jahr vom hier besprochenen Film doch auch in „Godzilla“ mit. Kristen Stewart, die mir mit ihrem bewundernswerten intensivem Spiel zum ersten Mal (positiv) aufgefallen ist, nimmt hier im Film phantastische Stoffe in Schutz, befreit sich aber gleichzeitig aus dem oberflächlichem „Twilight“-Gefängnis, in welchem sie Jahre lang festsaß. Und Chloë Grace Moretz mimt die Skandalnudel, nur um schließlich seriös zu wirken und im nächsten Schritt den Zuschauer im Unklaren zu lassen was davon nun die echte Jo-Anne Ellis ist.

Das passt zu Moretz Rollenauswahl, ist sie mit „Carrie“, „Let Me In“, „Runaway Girl“ und ganz besonders mit ihrer Rolle des Hit-Girls in „Kick-Ass“ und „Kick-Ass 2“ auf provokante Charaktere abonniert, so dass die Rolle des skandalösen Hollywood-Sternchens hevorragend in ihr bisheriges Repertoire passt. Obwohl sie die kleinste der drei wichtigsten weiblichen Rollen erwicht hat, eigentlich sogar nur eine Nebenrolle, gibt ihr der Stoff die Möglichkeit sich auf vielschichtige Art schauspielerisch zu üben und zu beweisen. In einer Kino-Sequenz den Zukunftsmutanten mimend, in einem Interview die Provozicke zur Schau stellend, im realen Leben als charmante junge Dame auftretend und im Theater die kämpferische, etwas arg arrogante, zickige aber auch gleichzeitig souveräne Schauspielerin verkörpernd, Assayas gibt Moretz die Chance aus ihrem Popkornschatten zu treten, während sie ihn gleichzeitig zelebriert. Das muss sie auch, denn dem Autor ist das Loslassen von Vorurteilen in der Kunst so wichtig wie der weiter oben erwähnte Interpretationswechsel von Zuschauer zu Zuschauer.

Locker hätte man aus dem Stoff ein Psycho-Drama zaubern können, in welchem die Parallelen zwischen Realität und Theaterstück auf morbid dominante Art in den Vordergrund treten. Assayas gibt dieser Versuchung nie nach, liebt es dass solche Gedanken im Raum schweben, wissendlich dass der Zuschauer derartiges vermuten könnte, aber er belässt es die alltäglich Dramatik zu thematisieren, macht aus „Sils Maria“ (Alternativtitel) niemals Hollywood, sondern liefert vergleichbar mit „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ einen vordergründig schlichten Stoff ab, dessen Tiefe man erst entdeckt, wenn man sich mit den Figuren und das was sie bewegt tatsächlich auseinander setzt.

Es ist schön dass „Clouds of Sils Maria“ (Originaltitel) trotz seines künstlerichen und intellektuellen Gehalts kein stures, verkopftes Stück Pseudo-Drama geworden ist, sondern ein gleichsam unterhaltsamer wie tiefgründiger Film, sensibel, natürlich und durchdacht erzählt, von einer scheinbaren Nichtigkeit berichtend, um tiefer gehend über Kunst, Kultur, Erfahrungswerte, Vergangenheitsbewältigung, Selbstlüge, medialer Manipulation, den Gesetzen Hollywoods und verdrängten Gefühlen zu sinnieren. Schön dass Stewart und Moretz die Chance zuteil wurde sich in einem solchen Stoff zu beweisen, während die erfahrene Binoche trotz großartigem Spiels den jungen Mitmimen hierfür genügend Raum lässt, ohne dabei in den Hintergrund zu fallen.  OFDb

24.07.2012

TWILIGHT - BISS ZUM MORGENGRAUEN (2008)

Die 17jährige Bella wechselt mitten im Schuljahr die Highschool, da sie in eine Kleinstadt zu ihrem Vater zieht. Recht schnell fällt ihr der attraktive Edward auf, zu dem sie recht schwerfällig eine Beziehung aufgebaut bekommt. Als sie hinter das Geheimnis des Außenseiters kommt, weiß sie auch warum...

Liebe ohne Biss...
 
Romantik im Horrorbereich ist nichts Neues und dass Teenager sich in Gruselgestalten verlieben sowieso nicht. Gerade in den 80er Jahren boomten die Geschichten um solche Beziehungen. Ob es um Hexen a la „Teen Witch - Hokuspokus in der Highschool“ ging, oder um Vampire in „Liebe mit Biss“, später auch um Zombies in „Mein Freund, der Zombie“, immer wurde in solchen Produktionen der Horrorpart stark zurückgedreht und auf einen anderen Schwerpunkt geachtet. Der war in allen Vergleichsfilmen die Komödie, so dass der nach einer beliebten Buchreihe entstandene „Twilight“ eine willkommene Ausnahme sein könnte im lustigen Einerlei verwandt klingender Produktionen.

Catherine Hardewickes Werk konzentriert sich verstärkt auf den romantischen und dramatischen Aspekt, schraubt den Horrorgehalt ebenso wie die oben erwähnten Teenie-Komödien drastisch zurück, so sehr sogar, dass am Ende diesbezüglich nur noch die Gestalt des Vampirs bleibt, wenn man sie denn so nennen möchte. Diese Wesen sind in „Twilight“ derart entfremdet, dass sie der Bezeichnung Vampir eingentlich nicht gerecht werden. Sie sind keine Gruselgestalten mehr, sondern Ausgestoßene die sich in ihren Eigenschaften weder am klassischen noch am modernen Vampir orientieren und damit so stark entmystifiziert werden, dass sie am Ende wie traurige Superhelden wirken, was zumindest in seine Zeit zu passen scheint, ist der Film doch schließlich zu einer Hochzeit der Superhelden-Welle in die Kinos gekommen.
 
Wo der Vampir keine Gestalt der Nacht mehr ist, da bietet sich auch keinerlei morbide Romantik mehr an, so dass am Schluss eine Fantasy-Liebesgeschichte bleibt, die viel routinierter ausfällt als sie gerne wäre und der jeder Schauwert entzogen wurde. Selbst wenn man sich auf einen soften Romantikfilm vorbereitet, so entpuppt sich „Twilight“ doch als langweilige Schlaftablette, die eigentlich niemanden über 18 locken könnte. Letztendlich orientiert man sich lediglich an naiv-romantischen Träumen geschätzter 14jähriger Mädels, für die es reicht dass ihr Partner gutaussehend ist und mysteriös daher kommt.

Das ist die Wirkung, welche der Film gerne im Zuschauer für Edward entfachen möchte. Letztendlich ist er jedoch ein jämmerlicher Softie, der zu geringe Freuden am Anderssein hat, und der zwar tolle Fähigkeiten im Vergleich zu uns Menschen besitzt, die Freuden die ihm durchs Anderssein verweigert werden damit aber nicht ausgleichen kann. So ist Edward am Ende eine bemitleidenswerte Person für die Krankenschwester in jungen Teenie-Herzen, die nun mittels Kitsch das Herz des traurigen Mannes füllen will. Im Gegenzug bietet dieser der Dame klassisch seinen Schutz an. Dass beide sich charakterlich kein bisschen kennen und scheinbar auch nicht kennen lernen wollen, ist nur eine wichtige Grundlage welche der Story fehlt um eine mitreißende Romantik zu präsentieren.

„Twilight“ will herzlich sein. Seine Liebe soll anstecken. Aber was bleibt ist oberflächliches Liebesgeplänkel, welches auch nur dem trivialsten Publikum gefallen kann, welches die Klischees des Wortes Romantik lebt, anstatt diese wahrhaftig nachempfinden und ausleben zu können.

Somit bleibt nicht nur der Menschen verschonende Edward ohne Biss, sondern auch die komplette Romantik, die nun einmal zum Mittelpunkt der Geschichte erklärt wurde. Der Horrorbereich wurde komplett abgesägt. Und der Fantasy-Bereich ist fast schon zu nebensächlich um all diese Mankos auffangen zu können. Das könnte er im hier präsentierten Gehalt jedoch schon, wenn er nicht so unfassbar massentauglich eingesetzt würde, sich jeder eigenen Idee verweigernd und nicht nur wiederkäuen würde was viele Filme, Bücher, Gedichte und Kurzgeschichten schon vor ihm geleistet haben.

Um die Besetzung ist es ein wenig schade. Robert Pattinson wirkt als Edward zwar etwas arg glattpoliert und soft, macht seine Sache aber eigentlich ganz gut, wenn man einmal bedenkt wie wenig aus dieser Rolle herauszuholen ist. Besser macht sich hingegen die süße Kristen Stewart als Bella, die trotz ihres jungen Alters auch schon einiges an Erfahrung mit an Bord brachte. So spielte sie beispielsweise Jodie Fosters Tochter in „Panic Room“ und im passablen „The Messengers“ auch gleich die Hauptrolle. Ihr ist es zu verdanken, dass der Film sich einige Zeit über Wasser halten kann, bevor der Zuschauer merkt, dass kein Land in Sicht ist und das komplette seichte Geplänkel zu nichts weiterem führt als zu noch mehr seichtem Geplänkel! Was in den 80er Jahren „Dirty Dancing“ war ist heute „Twilight“.  OFDb