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18.04.2020

LONG SHOT - UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH (2019)

Seth Rogen und romantische Komödien, das ist so ein Ding für sich. In "Zack and Miri Make a Porno" hat das nicht wirklich funktioniert, in "Beim ersten Mal" umso mehr, aber da war der Film auch stark auf seinen Hauptdarsteller und dessen spezielle Komik konzentriert. Mit "Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich" versucht er es auf dem schweren Feld jener Politikthematik, in welcher Berufspolitiker als besonders sympathische Mitmenschen verkauft werden sollen. Das mag aufgrund der Alibi-Position beim märchenhaften "Dave" funktioniert haben und aufgrund sich der totalen Träumerei verschriebenen Art auch noch bei "Hallo, Mr. Präsident!", aber bei einer Komödie, die zudem satirisch ausfällt und somit in Sachen Gesellschaft und Politik reflektiert und Kritik und Anregungen äußert, ist es etwas fehl am Platz einen Politiker in solch hoher Position charakterlich als geradezu bürgerlich darzustellen. Mit der privaten Vergangenheit und den Kompromissen, denen man sich auf der Leiter des Erfolgs als Ministerin ausgesetzt sieht, versucht man eine derartige Position zu stärken, aber wirklich funktionieren will das nicht. Allerdings kommt auch die zwischenmenschliche Komponente hinzu, welche die Chemie zwischen Seth Rogen und Charlize Theron nicht wirklich funktionieren lässt, zumal die harmonische Distanz zwischen beiden Schauspielern zusätzlich durch zu extreme Kostümwahl und durch die völlig unterschiedlichen Figuren, die sie verkörpern, verstärkt wird. Das passt nicht zusammen, und das Drehbuch ist psychologisch nicht clever genug ausgefallen uns das Ganze dennoch funktionierend vorzusetzen.

"Long Shot" (Originaltitel) ist kein wirklich schlechter Film, die einzelnen Versatzstücke wollen nur nicht wirklich eine harmonische Einheit bilden. Dabei sind seine Ambitionen teilweise sehr lobenswert zu nennen. Das Thema um Frauen in der Politik wird recht ehrlich behandelt, zeigt der Film doch viele Bereiche der Frauenfeindlichkeit auf, die versteckt in der Gesellschaft toleriert werden. Schön auch dass man das leidige Thema, um Männer, die es nicht verknusen können eine beruflich erfolgreichere Frau zum Partner zu haben, zusätzlich integriert. Hier ist Rogen die passende Besetzung, passt er doch bereits nicht ins typische Profil eines Hollywoodstars, da kauft man ihm seine Rolle als Prinzipienreiter, der als einfacher Kerl kein Problem damit hat sein Ego in einer Partnerschaft zurückzustellen problemlos ab. An anderer Stelle kommt "Long Shot" jedoch viel zu naiv daher. Seine Kritik an der Wirtschaft, welche die Politik lenkt, kommt in einem zu klein gehaltenen Umfeld daher, anstatt die Situation realitätsnaher und damit hoffnungsloser darzustellen. Und um bürgernahe Ehrlichkeit eines Politikers beim Zuschauer in Hoffnung zu stellen, bedient er sich ausgerechnet der Peinlichkeit eines Lebenspartners, der sich vor laufender Kamera ins Gesicht wichst, also einem Erlebnis, welches man schon als normaler Durchschnittsmensch eklig, peinlich und in der Öffentlichkeit thematisiert als unangebracht empfindet. Wie soll eine derartige Extremsituation als Plädoyer für Bürgernähe, Ehrlichkeit und dem Kampf gegen die in der Politik alltägliche Erpressung funktionieren? Hier passen Rogen-Komik und das anvisierte Ziel nicht wirklich zusammen.

Dank der netten Geschichte, die zwar naiv, aber unterhaltsam seicht vor sich hin plätschert, kann man sich "Long Shot" bei wenig Erwartung dennoch ruhig mal geben. Der "All the Boys Love Mandy Jane"-Regisseur Jonathan Levine und Seth Rogen sind erfahren miteinander und haben schon gemeinsam "Die highligen drei Könige" und "50/50 - Freunde fürs (Über)Leben" gedreht. Charlize Theron ist in jeglichen Genres zu Hause und meistert ihre Rolle locker und überzeugt als zugeknöpfte Ministerin ebenso, wie als Lebenspartner, der beim Sex von Hinten einen Klapps auf den Po erhalten haben möchte. Aber sie zusammen mit dem eher schmuddelig anstatt lässig wirkenden Rogen, der zärtliche Humor gepaart mit der (zugegebener Maßen stark zurückgeschraubten) Drogen- und Lässigkeits-Komik von ihm, das will auch als unwahrscheinliche, verträumte Kinomagie auf Spielfilmlänge zusammen mit den Ambitionen des Drehbuchs nicht hinhauen. In seinen schönsten Momenten freut man sich für die beiden und kann kurz ausblenden, dass sie nicht zusammen passen. Aber das sind Ausnahmen innerhalb eines Streifens, dessen schlichte erzählerischen Vorteile sich eher in Nebensächlichkeiten finden. Und als mündiger Europäer kauft man dem Drehbuch zudem nicht ab, dass es ausgerechnet die USA sind, welche die halbe Welt zusammentrommeln, um in Sachen Umweltschutz große Ziele zu verfolgen. "Long Shot" erwartet auf zu vielen Themenfeldern Naivität und Tagträumerei vom Zuschauer, und das bekomme ich nicht hin.  OFDb

THE DISASTER ARTIST (2017)

Bei der Kombination Franco und Rogen denkt man zunächst an die Party-Komödien "Ananas Express", "The Interview" und "Das ist das Ende". Wie schon manch andere Regiearbeit von James Franco, so ist "The Disaster Artist" jedoch eine Tragikomödie und somit etwas ganz anderes als die Gemeinschaftsarbeiten der beiden zuvor. Allerdings ist der hier besprochene Film, dem die gemeinsame Tragikomödie "Zeroville" zwei Jahre später folgen sollte, ohnehin kein Seth Rogen-Film, auch wenn dieser an dritter Stelle genannt wird. Der Mit-Produzent spielt eine Nebenrolle, die erst zum zweiten Drittel ins Geschehen tritt und spielt diese angenehm zurückhaltend. Im Zentrum stehen James Franco und sein Bruder Dave, die uns zeigen wie es zu dem Film "The Room" kam, der in den USA aufgrund seines schlechten Ergebnisses zu alternativem Ruhm kam, während er hierzulande nicht einmal den meisten Cineasten ein Begriff ist.

Bis jetzt zumindest, denn durch "The Disaster Artist" könnte sich das ändern, ist er doch interessant genug ausgefallen, um aufzufallen. Zumindest ist er ungewöhnlich genug umgesetzt, um dies zu tun. Zwar folgt Franco dem klassischen Handlungsablauf einer solch biographischen Geschichte und hält sich großteils überraschend stark an die Norm, die im eher konservativen Hollywood herrscht, nicht aber ohne subtil im Unterton bereits jenen alternativ verschmitzten Stil atmen zu lassen, der in gelegentlichen lauteren Szenen schließlich überdeutlich hervor bricht. Franco war nie der angepasste Filmemacher im Stil eines Adam Sandlers, er "provozierte" in seinen eigenen Werken schon immer und ließ sie eine Mündigkeit atmen, die sich gegen verbohrte Standards richtete. Wo es in wilderen Filmen gerne auch mal um körperliche Tabus, Drogenkonsum und lockere Lebensarten ging, da leuchten in "The Disaster Artist" diese Aspekte nur kurz auf, um im erwachsener geratenen Rahmen alternativen Denk- und Lebensweisen einen Appell um Akzeptanz zu gewähren. Diese Botschaft kommt unterschwellig und frei von Moral daher, wird noch weit weniger bedeutungsschwanger integriert als im diesbezüglich bereits wunderbar funktionierendem "Adams Äpfel", und wer Franco kennt, weiß dass auch ein erwachsenes Ergebnis in seinen Händen noch genügend charmant unreife Momente beherbergen wird, aber letztendlich ist der Respekt und die Toleranz vor alternativen Menschen der Kernpunkt des Streifens.

Freilich ist er auch eine Erfolgsgeschichte, zumindest wenn man dem Film glauben kann, dass "The Room" heutzutage tatsächlich derart gefeiert wird. Aber wie eine solche fühlt er sich erst zum Schluss an, wenn aus einem sehenswerten Film für einen kurzen Zeitpunkt ein unglaubwürdiger wird, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass der unermüdliche Tommy bei so viel Herzblut so schnell und leicht akzeptieren kann, dass sein Film anders gemocht wird, als er gedacht war. Und kam dieses Party-Feeling tatsächlich bereits während der Premiere auf? Wie unglaubwürdig sich dieses, wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen veränderte, Szenario auch anfühlen mag, der exzentrische Charakter, den der Regisseur hier verkörpern darf, überzeugt umso mehr. Das darf schon verwundern, so grotesk er doch manchmal angelegt ist (überzeugend und mutig dargeboten von einem wie immer überargierenden, aber nicht minder talentierten James Franco), aber der Film lebt hauptsächlich von ihm. Dave Franco mag die Hauptrolle als Identifikationsfigur einnehmen, aber er ist ein Normalo, der die Geschichte nicht in Bewegung bringt, nicht einmal durch sein Empfinden der Ereignisse.

Der sich selbst überschätzende und untalentierte Tommy sorgt für das besondere Etwas, eingebettet in eine psychologisch durchdachte und somit funktionierende Dynamik, versteht das Drehbuch doch den Motor, der die ganzen Ereignisse zum laufen bringt und im weiteren Verlauf die entscheidenden Wendungen beeinflusst. Dass man sich als Zuschauer während der fiktiven Dreharbeiten ebenso wie das Publikum des Originalfilms fragt, worum es in "The Room" eigentlich gehen soll, ist nur ein Beweis dafür, dass "The Masterpiece" (Alternativtitel) erreicht was er will und somit zu funktionieren weiß. Mag sich die Geschichte in der Theorie auch ein wenig wie Burtons "Ed Wood" anhören, er ist völlig anders geartet, allein schon weil er die Figur des Tommy nicht feiert und sie absichtlich nie durchleuchtet oder hinterfragt. Denn Tommy soll ein Rätsel bleiben, das Werk über ihn soll keine Sozialstudie sein, in der wir lernen die Psyche des ungewöhnlichen Mannes zu verstehen. Wir sollen nur kurz jene Luft atmen, die man in seinem Radius abbekommt. Dank eines passiven und dennoch aufdringlichen, sensiblen aber nicht empathischen und reflektierenden aber fehlerhaft selbst-reflektierendem Charakters ist das auch gar nicht anders möglich, wenn man erst einmal in Kontakt zu ihm steht.  OFDb

08.07.2018

EIN MANN FÜR ALLE UNFÄLLE (2008)

Sicherlich klingt das Rezept nach der typisch ausgelutschten Ami-Familienfilm-Soße. Teenager sind in Nöten, fallen auf einen Blender herein, dem tut es schließlich leid, und er bereut alles was er getan hat, denn Freundschaft ist das wichtigste im Leben. Freilich beweisen sich auch die Loser im Kampf gegen ihre Peiniger, und am Ende schwebt über allen Beteiligten eine heile Welt. Und ja, man kann "Drillbit Taylor - Ein Mann für alle Unfälle" (Alternativtitel) nicht gerade einen hohen Grad Kreativität zugestehen, und sicherlich verlaufen einige brauchbare Ansätze, wie der Stiefvater der Hauptfigur, der einst selbst Schulschläger war, voll von vertanen Chancen ins Leere. Aber ich kann mir nicht helfen, ich mag diesen vorhersehbaren, überraschungsfreien Film.

Das liegt natürlich u.a. daran, dass ich Owen Wilson gerne sehe, und dieser tatsächlich hervorragend in die vorgegebene Loser-Rolle hineinpasst. Nun ist es nicht so, dass diese Erkenntnis erst durch den hier besprochenen Film entsteht, schließlich war der gute Mann schon immer die passende Besetzung für Sonderlinge, aber die Rolle des Drillbit ist ihm wahrlich auf den Leib geschrieben, anbei u.a. von Seth Rogen, der mit einem Partner zusammen das Drehbuch verfasste. Die Rolle Owen Wilsons kommt weit weniger trottelig daher als man vermuten würde, so dass wir es hier nicht mit der würdelosen Art des Anti-Helden zu tun bekommen. Selbiges gilt für die drei im Zentrum stehenden Außenseiter. Die sind zwar nicht sonderlich sympathisch besetzt, aber sehr passend. Vielleicht etwas zu sehr, konnte ich doch nie wirklich Mitleid zu ihnen aufbauen. Dabei ist ihr Gegenspieler wahrlich ein Ekel und in seinem Mix aus vernünftig wirkend, nett lächelnd und sadistisch grinsend hervorragend besetzt.

Kurzum: es liegt an der Besetzung, dass die eigentlich simple Story um drei Schüler, die sich einen Betrüger als Bodyguard kaufen, nicht ins Leere läuft. Gewöhnlich ist die Umsetzung tatsächlich ausgefallen, da kann ich auch als Sympathisant des Streifens nichts schön reden. Regisseur Steven Brill kommt durch seine Arbeiten "Little Nicky" und "Mr. Deeds" ohnehin aus der Adam Sandler-Ecke, da darf man nicht zu viel erwarten. Aber dank des Verzichts auf Schmalz, Belehrungen und erhobenen Zeigefinger, Zutaten die ansonsten üblich sind in amerikanischen Familienfilmen, weiß das Ganze unverkrampft und unterhaltsam daherzukommen, so dass man sich den Film nach einem anstrengenden Arbeitstag zur anspruchslosen Ablenkung ruhig geben kann. Ich habe ihn seit seinem Erscheinen damals nun nach einigen Jahren ein zweites Mal gesehen und fühlte mich erneut nett unterhalten. Wer jedoch aufgrund des Drehbuchs von Seth Rogen dessen üblichen Provo-Humor erwartet, wird enttäuscht werden. "Drillbit Taylor" (Originaltitel) ist eine völlig harmlose, jugendfreie Komödie.  OFDb

10.09.2017

BEIM ERSTEN MAL (2007)

Während der Versuch Seth Rogen in „Zack and Miri make a Porno“ sanfter als gewohnt einzusetzen eher als gescheitert betrachtet werden darf, ist dieses Experiment im ein Jahr zuvor erschienenden „Beim ersten Mal“ bereits vorher geglückt. Dabei klingt das Handlungskonstrukt zunächst arg bieder, der Plot keineswegs innovativ, wirkt eher orientierungslos angehaucht, und keine der Figurenzeichnungen ist positiv ausgefallen. Man muss schon etwas näher hingucken, um die Stärken eines Streifens kennenzulernen, der davon handelt dass zwei unterschiedliche Menschen aufgrund einer Schwangerschaft versuchen eine Partnerschaft zu leben. Das klingt arg nach dem zwanghaften Familienbild amerikanischer Filme, nach einem Belehrungsversuch Alternativlebende zur Zweisamkeit zu bekehren und nach gesellschaftlichen Vorurteilen ein Baby würde nur im klassischen Familienbild glücklich aufwachsen können.

„Beim ersten Mal“ ist hingegen viel sensibler erzählt und gedacht, als uns der provokante Ekelhumor rund um Bens Clique zunächst weiß machen möchte. Es geht um den echten Versuch den Menschen hinter dem ersten Eindruck kennenzulernen, um den wahren Charakter eines Menschen, der in der Regel etwas Liebenswertes in sich trägt, das es zu entdecken lohnt. Und Judd Apatows Film macht es seinen Protagonisten wahrlich nicht leicht dies aneinander zu entdecken. Fortschritte wechseln sich mit Rückschritten ab, zu arges Bemühen mit natürlichem Funktionieren, äußere Beeinflussung mit eigenem, kritischen Denken, zu schnelle Entscheidungen mit zu stark überdachten. Wie im wahren Leben werden die Tücken des Alltags, das Umfeld und die Selbstzweifel zu Stolpersteinen des Glücks.

Aufgrund dieser facettenreichen Orientierung tut es dem Film unglaublich gut, dass er sich stets für Nebensächlichkeiten Zeit nimmt, thematisch scheinbar sinnlos abdriftet, oft um das Ergebnis herumschlendernd anstatt das Ziel direkter anzusteuern. Wer den wahren Kern des Films entdeckt und in diesem emotional eintauchen kann, der wird nie, wie oft zu lesen, beklagen, dass die Laufzeit zu lang ausgefallen sei und dass der Film mit Nichtigkeiten überfrachtet sei. Ganz im Gegenteil würde die Hauptgeschichte gar nicht ohne dieses Beiwerk funktionieren, weil eben dies das Leben ausmacht und beeinflusst.

Es ist schön, dass es trotz diverser Entgleitungen in eine alternative Kinorealität, in solch einem Film tatsächlich einmal um den Menschen geht, anstatt um Erwartungen eines Kinofilms zu diesem Genre. Es geht um alles was der Mensch verkörpert, ohne moralisch oder anderweitig orientiert irgendetwas schönreden zu müssen. Das ist in einem romantisch angelegten Werk durchaus möglich, wie „Knocked Up“ beweist, aber man muss sensibel hinter den Schleier scheinbarer Klisches blicken können, man muss selbst die Fähigkeiten der hier gezeigten Figuren besitzen, sich auf jemanden einzulassen, der einem zunächst unsympathisch erscheint. Und dank der Gegenüberstellung eines nicht wirklich glücklichen oder unglücklichen Ehepaares, bekommt der Versuch der beiden zentralen Figuren eine Spiegelung dessen vorgehalten, was aus einer Partnerschaft werden kann, sollte, bzw. nicht sollte.

Es ist wohl dem Drehbuch zu verdanken, dass selbst diese Nebenfiguren empathisch beleuchtet werden, Tiefe erhalten und zu weit mehr werden als für Randaussagen nützliche Stereotypen. Dass dies bei Bens Freunden nur bedingt funktioniert, verwundert aufgrund der unangenehmen Ekelkomik in diesen Reihen nicht, die Rogens grenzwertigen Humor ebenso in den Film einbringen, wie Rogen in vorgenommener Besetzung seine persönlichen Freunde integriert, seine Standard-Crew. Dass aber selbst deren verkörperte Figuren den Ansatz von Tiefe besitzen und der Zuschauer die Schwächen sich stark gebender, schmuddeliger Männer entdecken kann, beweist die Sensibilität des Streifens, bzw bei Nichtfunktionieren der Mangel an Sensibilität beim Zuschauer.

Was bei Ben zu Hause passiert ist selbst mir als Freund seiner Filme oftmals zu viel des Schlechten und kratzte damit leicht an der ansonsten angenehm zu schauenden Fassade des Wohlfühlfilms. Aber mit diesen kleinen Abstrichen kann ich leben innerhalb eines Filmes der stillen Komik, der urplötzlichen lauten Lacher, der ansteckenden Romantik und der nachvollziehbaren Reibereien. Es ist herzerwärmend zwei unterschiedliche Menschen dabei zu begleiten das Liebenswerte ineinander zu entdecken, und es tut ebenso gut ganz nebenbei eine entstehende Männerfreundschaft mitzuerleben, deren einzige Basis es zunächst ist Vater zu sein / Vater zu werden. Vielleicht ist es letztgenannter, nicht zu unterschätzender Aspekt, der dabei hilft aus „Beim ersten Mal“ keinen reinen Frauenfilm werden zu lassen. Aber allein die Besetzung Seth Rogens ist eigentlich schon der erste Schritt gegen solch ein Klischee-Kino zu steuern.  OFDb

31.07.2017

SAUSAGE PARTY - ES GEHT UM DIE WURST (2016)

Ich mag die von Seth Rogen geschriebenen Komödien, gerade dann wenn er mit James Franco ein Team bildet. Ob sich Rogens Humor jedoch auf einen Zeichentrickfilm übertragen lässt, ließ in mir Zweifel aufkommen. Und auch wenn ein Blick auf den Trailer zum Film durchaus belustigend ausfiel, so blieb ich doch trotzdem kritisch. Man kennt sie, diese auf erwachsenerem Humor getrimmten Trickfilme, die entweder in ihrer Provo-Art zu kindisch, zu unterkühlt oder zu Genre-anbiedernd daher kommen. Und was soll man sagen? Letztgenanntes ist auch in „Sausage Party“ der Fall.

Es ist nicht so, dass es nicht hervorragende Ideen gäbe, die durchaus zum Lachen anregen, einzelne sind sogar recht brillant und intelligent ausgefallen, warum man eine so lustig auf grenzwertigen Humor angelegte Komödie jedoch in einen Handlungsverlauf zwängen muss, der für den Animationsbereich leider geradezu typisch geworden ist, will ich nicht verstehen. So trifft Anarchie auf Mainstream und wechselt sich immer wieder ab, so dass man als Zuschauer ständigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt ist. Da wird brav gesungen (provokativ gemeint, aber doch nur brav ausgefallen), da gibt es die typischen Actionmomente aus dem Animationsfilmbereich, der in der Regel für den jungen Part des Publikums eingebaut wird, also einer Gruppe von Menschen, die nicht zum Zielpublikum von „Sausage Party“ gehören, und da muss die Geschichte harmonisch schließen, wie ein jeder Trickfilm aus Amerika.

Würde zwischendurch nicht gefickt, gekifft und gestorben werden, es wäre der typische Handlungsablauf einer familientauglichen 08/15-Geschichte für den übersättigten Zeichentrickmarkt. Da zudem manche Provokation, wie meist in solchen Filmen, zu infantil ausfällt, bleibt das Ergebnis leider ein mageres. Das ist schon schade, schließlich weiß die Religionskritik in ihrer abgedrehten Art zu gefallen (bis zu jenem Moment, wo die alte Laier des Respekts vor dem Glauben anderer stattfindet), der Gegenpart in Form eines ausgespuckten Kaugummis als Stephen Hawkings-Parodie ist ebenfalls gelungen, und wenn in der Küche das Massaker losgeht, welches alle Gläubigen extremst schockiert bevor sie sterben, ist „Sausage Party“ ohnehin auf seinem Hoch.

Der Rest stolpert zwischen amüsant, gewollt und kindisch hin und her und lässt sich zwar mit gelegentlichen Lachern bis zum Schluss schauen, doch auch wenn ich zwischendurch mit allerlei Ideen sympathisierte, so hatte ich am Ende doch eher ein unbefriedigtes Gefühl, der letzte Schwung zur akzeptablen Unterhaltung war nicht vorhanden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Idee nicht genügend ausgeschöpft wurde, und die Figurenzeichnung pendelte auch immer wieder zwischen gelungen und einfallslos.

Im nachhinein fragte ich mich zudem, warum man die Geschichte bei all seinen Schwerpunkten aus der Sicht künstlich hergestellter Lebensmittel erzählt hat. Wäre eine provokante Konsumkritik nicht noch erfolgreicher gewesen, wenn man sich auf die Massentierhaltung und dem Ende im Schlachthaus konzentriert hätte? Das hätte sicherlich weniger Leuten geschmeckt, hätte für Diskussionen gesorgt und wäre eine radikalere Kritik am Konsumverhalten der Amerikaner gewesen, ohne die Schönmalerei eines Zeichentrickfilms, welche die Anarchovariante eigentlich ohnehin nicht benötigen müsste.

So wie tatsächlich angegangen überschattet der Mainstream jedoch die zu brav ausgefallenen  Grenzüberschreitungen, womit „Sausage Party“ eher ein Jugendfilm geworden ist, anstatt eine Komödie für Erwachsene. Zumindest ist er nicht ganz so anbiedernd ausgefallen wie „Angry Birds - Der Film“, hierfür nervt der Plot des hier besprochenen Filmes glücklicher Weise kaum. In Zukunft möchte ich aber doch lieber wieder realverfilmte Rogen-Komödien sichten. Die schaffen es trotz und manchmal auch aufgrund infantiler Ausrutscher den Bildschirm zu einer wilden Party werden zu lassen. Das müde Getue in „Sausage Party“ kann da nicht ansatzweise mithalten.  OFDb

25.03.2017

BAD NEIGHBORS 2 (2016)

Bereits „Bad Neighbors“, der erste Teil des hier besprochenen Streifens, war lediglich eine nette kleine Routine-Komödie ohne nennenswerte Höhepunkte, solide inszeniert, aber bis auf winzige Elemente überraschungsfrei und vorhersehbar erzählt. Wie zu erwarten ist das Ergebnis in „Bad Neighbors 2“ nicht anders ausgefallen. Dass ich mich trotzdem relativ früh nach Erscheinen der DVD an die Fortsetzung herangewagt habe, liegt am Mitwirken von Chloë Grace Moretz, die ich für eine der talentiertesten Jungdarstellerinnen halte, die Amerika zur Zeit zu bieten hat. Wie gut der Star aus „Kick-Ass“, „Let Me In“ und „Carrie“ schauspielern kann, fällt in Nicholas Stoller Film, an welchem auch Hauptdarsteller Seth Rogen mitgeschrieben hat, jedoch kaum auf.

Das ist sehr schade. Erst kürzlich in „Die Wolken von Sils Maria“ durfte Moretz ihre Vielseitigkeit und ihr Können in einem Art House-Stoff unter Beweis stellen, und unter der Fuchtel von Seth Rogen wusste sich „Harry Potter“-Star Emma Watson in „Das ist das Ende“ mit nur einem kleinen Gastauftritt gekonnt zu emanzipieren. Dass dies in der viel größer angelegten Rolle Moretz‘ in „Bad Neighbors 2 - Sorority Rising“ (Originaltitel) nicht ebenfalls der Fall ist, liegt an der oberflächlich gezeichneten Charakterisierung. Zwar wird ihre Rolle als Kämpferin gegen den Sexismus dargestellt, letztendlich verkörpert sie aber nur das übliche Party-geile Teenie-Mädchen, wie man es in jeder x-beliebigen Teenie-Komödie zu sehen bekommt.

„Bad Neighbors 2“ soll ein kurzweiliger Partyfilm sein, deswegen ist dies nicht wirklich hinderlich für den Unterhaltungswert des Streifens, es verkauft die sympathische Schauspielerin damit lediglich unter Preis. Interessant an der Herangehensweise Stollers ist die Perspektive aus welcher der zweite Teil erzählt ist. Waren trotz diverser Abstecher ins Lager der Studenten Mac und Kelly die Stars des ersten Films, beleuchtet die Fortsetzung das Treiben der Girlies ein wenig intensiver. Einige Zeit lang beschäftigt sich der Streifen intensiver mit ihrer Seite als mit jener der Helden aus Teil 1. Damit bekommt „Bad Neighbors 2“ tatsächlich einen gewissen Teenie-Komödien-Touch.

Da der Film insgesamt nichts Neues zu erzählen hat, hat die Erwachsenenseite, die gerne jünger wäre als sie ist, ihr Alter aber akzeptieren muss, dem wilden Treiben der Mädels nicht viel entgegenzusetzen, wirkt damit gehaltloser, so dass die Teenie-Perspektive dominiert. Erst in der letzten halben Stunde besinnt man sich dessen was man eigentlich mitteilen möchte, und lenkt damit wieder auf die Seite der Erwachsenen, die, wie schon in Teil 1, mit Hilfe eines entgegenkommenden Kompromisses als Sieger vom Platz laufen.

Mit „Bad Neighbors“ verhält es sich ähnlich wie mit der „Ted“-Reihe. Innovativ und böse sieht anders aus, und ich kann jeden verstehen der auf diese Komödien schimpft, die nur das Grundlagenprogramm abarbeiten und keine wirklich großen Lacher, Kreativität und Überraschungen zu bieten haben. Als solide Routine-Kost gehen sie aber beide für mich in Ordnung, die beiden Rogen-Filme sogar mehr als die Vergleichsreihe mit Mark Wahlberg, ist mir der Hauptdarsteller seit meiner ersten Begegnung mit ihm in „Shopping-Center King“ doch einfach ursympathisch. Und dass er auch noch zusammen mit Chloë Grace Moretz in einem Film auftaucht, ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und rettet mir somit solch einen durchschnittlichen Stoff, in Kombination mit einer soliden und flotten Inszenierung. Einfallsreich sieht anders aus, aber Langeweile bekämpft der Streifen trotz seinem braven Einhalten gängiger Erzählregeln recht ordentlich.  OFDb

06.09.2015

SUPERBAD (2007)

Ich muss schon sagen, was Party-Filme betrifft hat es Seth Rogen wahrlich drauf. Was er neulich wieder mit „The Interview“ bewiesen hat (der mir erst beim zweiten Gucken richtig gefiel), mit „Das ist das Ende“ zur Königsübung werden ließ und auf Kiffer-Basis mit ein wenig Geduld auch mit „Ananas Express“ ablieferte, sind Weiterführungen von „Superbad“ mit dem diesbezüglich alles los ging. Rogen selbst schrieb am Drehbuch mit und bescherte sich nur eine größere Nebenrolle, was Sinn macht, ist der hier besprochene Film im Gegensatz zu dem was folgen sollte doch eine Teenie-Komödie, und für die war der alte Specki definitiv zu alt.

Also musste Busen-Kumpel Jonah Hill in der Hauptrolle besetzt werden, was kein Fehler sein kann. Als ebenso gut gewählt erweist sich Michael Cera an seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse, der hier schon ähnlich Comic-artig übertrieben agieren darf wie später in den beiden „Kick-Ass“-Filmen. Seine Darstellung des Nerd, der selbst dann noch völlig ohne Rückgrat wirkt, wenn er für den großen Helden gehalten wird, ist wahrlich witzig, wenn auch keine große Schauspielkunst. Bill Hager harmoniert wunderbar neben Rogen, so dass es kein Wunder ist, dass beide noch das ein oder andere Mal in gemeinsamen Filmen agierten. Und Emma Stone ist ein Traum und macht mit ihrer bodenständigen, natürlichen Art wieder Lust auf „Einfach zu haben“, eine völlig unterschätzte geistreiche Teenie-Komödie.

Somit spielt sie dort im Gegenteil zu hier, denn hier soll nur der Spaß am Spaß herrschen, und das bedeutet nach Rogen-Rezeptur Pimmelwitzchen, Anarchie, Drogen und herrlich schräge Dialoge - und es funktioniert. Zwar reißt „Superbad“ aufgrund seiner Teenie-Story nicht so mit wie spätere erwachsenere Party-Filme, aber dafür erfüllt der Film auch andere Kriterien die an das Jungpublikum gebunden sind. So sind die Love Storys, die sehr klein gehalten wurden, recht süß ausgefallen, und das Drehbuch geht fair und realistisch mit dem Seelenleben der Protagonisten um.

Dem gegenüber steht eine Geschichte wie sie realitätsferner nicht sein könnte und sein möchte. Damit kann man sich entweder anfreunden oder eben nicht. Es kommt wie bei jedem Rogen-Film darauf an wie angepasst man an die Political Correctness ist, oder wie sehr man sich leicht geistreichen Nonsens im Anarcho-Gewand wünscht. Leute die überall nach Niveau suchen werden ihn mit ihrem Tunnelblick selbst dann nicht finden, wenn es aufblitzt, dabei ist es in jeder Party-Komödie die von Rogen geschrieben wurde zu finden. Seine Werke sind eine Lebenseinstellung. Entweder die Mentalität passt oder nicht. In „Superbad“ wird man noch am ehesten den Kompromiss erleben, denn durch den Hauch von Story und Identifikation mit der eigenen Jugend wird vielleicht auch mancher Rogen-Nörgler noch etwas mit diesem frühen Werk voll begabter Jungstars anfangen können.

Inszeniert wurde der Streifen von Greg Mottola, der mit seinem „Paul - Ein Alien auf der Flucht“ damals die Warzeit auf Simon Peggs und Nick Frosts dritten Cornetto-Film versüßte. Im Original wurde der Außerirdische von Seth Rogen gesprochen. Ähnlich wie bei Adam Sandler-Produktionen besteht ein Familien-ähnliches Gefüge zwischen den Darstellern. Fast jeder tauchte mehr als einmal in Filmen des anderen wieder auf oder teilte sich gar die großen Rollen.

Als ich „Superbad“ damals als er neu erschien gesehen habe, fand ich ihn lediglich ganz nett. Jetzt wo ich die Familie kennen gelernt habe schaut sich der Streifen völlig anders, wesentlich lebendiger und liebevoller. Und im Gegensatz zu damals weiß ich heute die wunderbar schrägen Rogen-typischen Dialoge zu schätzen. So viel ich weiß habe ich den Film damals aber ohnehin nur halb motiviert geguckt. An die späteren Party-Filme des Autors kommt er noch immer nicht heran, aber er hat mir mit all seinen bescheuerten Situationen wahrlich viel Freude bereitet.  OFDb

20.06.2015

THE INTERVIEW (2014)

Wenn jemand seine Popularität nutzt um frei Schnauze jene Art Film zu drehen die er möchte, dann ist das zur Zeit Seth Rogen, der mit Busen-Kumpel James Franco diese Freiheit im Gegensatz zu George Clooney nicht nutzt um geistreiche Nebenprojekte zu finanzieren, sondern um die Mechanismen rund um Hollywood zur großen Party seines Lebens zu nutzen. Warum auch nicht? Wer weiß wie lange er das noch kann. Nachdem die beiden mit „Das ist das Ende“ den persönlichen Partyfilm schlechthin abgeliefert hatten und sich dabei ganz nebenbei über das Christentum lustig gemacht haben, stand beim Folgeprojekt ein politisches Thema an. Und wie so oft in amerikanischen Fun-Filmen mit Politinteresse, macht man sich über den Führer eines anderen Landes lustig.

Zwar versucht der Story-Mitbeteiligte Produzent und Hauptdarsteller Seth Rogen all zu pro-amerikanische Stellungnahmen zu umgehen, was schließlich auch nicht zu seinem kifferfreudigen Anarcho-Touch passen würde den er stets zelebriert, trotz diverser Seitenhiebe auf sein Heimatland kommt die CIA und der fragwürdige Journalismus der USA allerdings doch viel zu positiv weg, ganz davon abgesehen dass die Methoden die in „The Interview“ zum Happy End führen in ihrer Fragwürdigkeit nicht parodiert werden, obwohl der Film sich an anderer Stelle diesbezüglich zunächst zumindest hin- und hergerissen zeigt.

Dieses Pro-Amerika-Getue steht Seth Rogen ebenso wenig wie der krampfhafte Versuch jene Komik unbedingt in eine satirisch angehauchte Komödie zu integrieren, die ihn berühmt machte. Überzeugung oder der erbärmliche Versuch das Stammpublikum nicht zu verprellen? Keine Ahnung, aber Sprüche die in Kiffer-Komödien lustig rüberkommen wirken in „The Interview“ oft fehl am Platz. Und der Fäkalwitzchen gibt es einfach zu viele, als dass man sie lediglich als nervige Randerscheinung belächeln könnte.

Schön ist es hingegen zu sehen, dass man es auch in diesem Film schaffte den skurrilen Running Gag aufrecht zu erhalten, welcher darin besteht dass die Rollen Francos die Rollen Rogens stets anhimmeln. Das zündet hier nicht mehr so gut wie in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“, aber es gehört bei einer Zusammenarbeit der beiden beliebten Schauspieler einfach dazu.

Leider ruht sich „The Interview“ viel zu sehr darauf aus die Komik aus dem Privatverhalten des nord-koreanischen Diktators zu ziehen. Was Hussein betreffend als Randerscheinung in den „Hot Shots“-Filmen zu funktionieren wusste, und in den meisten Szenen auch hier zu funktionieren weiß, kann alleine keinen kompletten Film stemmen. Zwar versucht man mit allerhand Action und Aktionskomik dem ganzen mehr Schwung zu bescheren, aber mehr als leichte Unterhaltung will der so spitzfindig klingende Plot dann doch nicht werden.

Die thematische Verwandtschaft zu „Frost/Nixon“ wird am Rande erwähnt, und auch in anderen Nebensächlichkeiten gibt man sich Selbstreflektier-freudig, aber in den wichtigsten Punkten ist „The Interview“ zu aalglatt ausgefallen. Hinter der anarchischen Fassade ist er doch zu sehr Mainstream und leider eben doch gar nicht so selbstreflektierend wie er an anderer Stelle tut. Das verärgert ein wenig, jedoch auch nur wenn man zu hohe Erwartungen am Film hegt, egal ob es Erwartungen in den Satiregehalt des Streifens oder in die Partytauglichkeit eines Seth Rogen-Streifens sind. Der Film lässt sich nämlich viel eher mit jener leichten Kost aus „Bad Neighbors“ oder „Zack and Miri Make a Porno“ vergleichen, als mit jenen Rogen-Filmen in welchen der gute Mann neben Franco agierte.

Das soll heißen: als schlichter Film für zwischendurch kann „The Interview“ funktionieren, sofern man die Überzahl an Fäkalwitzchen gnädigast ignorieren kann (vergleichbar mit Sandlers „50 erste Dates“). Die Regiearbeit von Rogen und Goldberg hat sicherlich einige kleine Höhepunkte im Gepäck, von denen man gerne mehr in der Art gesichtet hätte, und das glaubwürdige Kim Jong-un-Double ist viele Lacher wert, aber letztendlich ist der Streifen ein viel kleinerer und unbedeutenderer Film als er eigentlich gerne wäre. „The Interview“ mag ja die aufgeblähtere Story und den wirksameren Aufhänger präsentieren, aber das größere Kino lieferte Rogen ironischer Weise mit dem reinen Party-Film „Das ist das Ende“ ab. Der blieb sich in seiner Ganzheit treu. „The Interview“ ist an zu sicheren Stellen mutig, und in jenen, an denen Mut von Nöten gewesen wäre, kneift er dann doch den Schwanz ein. Nicht schlimm, aber deshalb auch nicht groß!  OFDb

Nachtrag:

Ich habe "The Interview" mittlerweile einige Male gesehen, und von ein paar Witzchen unter der Gürtellinie einmal abgesehen, ganz besonders vom nervigen Running Gag darüber ob Kim Jong-un nun Kacka macht oder nicht, gefällt er mir nun wesentlich besser. Sicherlich muss man auf die übliche Komik eines von Seth Rogen selbstgeschriebenen Filmes eingestellt sein und auch Zugang dazu haben, aber für eine Anarchokomödie inklusive Entgleisungen ist der Plot doch wesentlich intelligenter ausgefallen als es mir zunächst schien, und auch die Lacher sind in ihrer Population im entspannteren Zustand wesentlich häufiger vorhanden als beim sehr kritischen und kopflastigen ersten Sichten. "The Interview" ist somit für unvoreingenommene Filmfreunde wesentlich gelungener ausgefallen als es mir zunächst bewusst war, da er sehr verspielt pointensicher mit viel mehr Themen arbeitet, als mir zunächst aufgefallen ist.

22.03.2015

UNTERWEGS MIT MUM (2012)

Es ist unübersehbar was Regisseurin Anne Fletcher vorschwebte. „Unterwegs mit Mum“ sollte eine Komödie werden in welcher sich ordentlich gekabbelt wird, um am Ende ganz emotional zu erkennen wie gerne man doch den anderen hat. Das gab es bereits sehr gelungen umgesetzt bei den beiden Filmen „Ein Ticket für zwei“ und „Harry und Sally“, und das ist nur die Spitze eines riesigen Eisberges an Veröffentlichungen ähnlicher Geschichten. Mit Barbra Streisand und Seth Rogen hatte die gute Frau dann auch zwei sympathische Mimen in den wichtigsten Rollen mit an Bord. Das ließ hoffen.

Aber Besetzung ist nun einmal nicht alles, und ein sicher klingendes Rezept ist nicht zwingend ein sicheres Rezept, das musste der Komödien-Fan bereits bei Danny De Vitos „Der Appartement Schreck“ unbelustigt feststellen. Was „Unterwegs mit Mum“ fehlt ist die Dialogstärke der gelungenen Varianten dieser Art Komödie. Auf Situationskomik kann es auf so engem Raum (die meiste Zeit spielt im Auto) nicht zwingend ankommen, die dient der gelegentlichen Auflockerung. Aber gewitzte, spritzige, freche und später auch emotionale Dialoge, die machen den Kern einer solchen warmherzigen Komödie aus, freilich auf der Grundlage von Charakteren, die man als Zuschauer gut genug kennenlernen darf.

Letzter Punkt ist Anne Fletcher gelungen. Wir lernen beide Figuren kennen, wir lernen sie sogar ein wenig mögen, aber auch diese Identifikation bzw. die Sympathie zu den Hauptcharakteren allein macht noch keinen guten Film aus. Leider reichte es dem Verantwortlichen für das Drehbuch bereits allerhand Mutter-Klischees mit an Bord zu nehmen, ohne mit diesen kritisch, ironisch oder humoristisch neu überarbeitet umzugehen. So nervt die Mutter den armen Andrew zurecht, und da es da nichts zu lachen gibt, nervt sie trotz durchaus vorhandener Sympathie auch den Zuschauer.

Das sind glücklicher Weise nur kurze Momente zwischendurch, diese tauchen aber immer wieder auf und sind unnötig noch dazu, da sie sich hätten vermeiden lassen können, wenn man nur ein klein wenig raffinierter vorgegangen wäre. Richtig schaden tut dem Film jedoch eigentlich seine unübersehbare Routine. Die Geschichte wird im Bewustsein heruntergeleiert dass Filme dieser Art dem Publikum bekannt sind, so als wolle man diesem nur die nächste Portion reichen, die kurzfristig satt machen soll. Keine innovativen Momente, keine Sternstunden der Komik, alles plätschert vor sich hin, charmant genug um nicht gelangweilt auszuschalten, aber belanglos genug um sich nicht wirklich für den Stoff zu interessieren.

Im Vergleich zum völlig in die Hose gegangenen „Selbst ist die Braut“, den ebenfalls Anne Fletcher inszenierte, weiß „The Guilt Trip“ (Originaltitel) zumindest noch halbwegs zu funktionieren. Aber dieser Film ist eine Komödie der Theorie, bei welcher der Zuschauer weiß was das alles eigentlich soll. Aber um auch in der Praxis zu funktionieren fehlt die Seele, das Herz, es fehlt die Ehrlichkeit, die Griffigkeit. Die Geschichte bleibt zu sehr Geschichte, und die Figuren bleiben lediglich Figuren. Man verschmilzt nicht mit ihnen. Man sehnt sich nicht nach dem Moment der Versöhnung. Und das ist recht schade, weiß doch gerade der Schwerpunkt des alltäglichen Mutter-Sohn-Konfliktes für diese Art Komödie eigentlich zu reizen.

„My Mother‘s Curse“ (Alternativtitel) fehlt es somit sowohl an den wahrlich großen humoristischen Momenten als auch an der tiefemotionalen Identifikation, die ein solches Werk erst so menschlich ausfallen lässt. Dass eins von beidem fehlt hätte man verkraften können, auch wenn erst beide Zutaten zu einem besonderen Erlebnis geführt hätten. Aber dass hier gleich beides fehlt ist zu wenig des Guten. Sicherlich lässt sich „Unterwegs mit Mum“ gucken, aber es gibt zig Alternativen diese 90 Minuten Leben aufregender zu gestalten. Will man aber eine weniger aufregende Sache mit hier besprochenem Film kombinieren, z.B. zur Nebenbei-Unterhaltung während des Wäschefaltens, ist Fletchers Werk der ideale Begleiter.  OFDb

21.09.2014

BAD NEIGHBORS (2014)

Ob spießige Komödie („Vorsicht Nachbarn“), Filme für das Mainstream-Publikum („Verrückte Weihnachten“) oder schräge Ausnahmewerke („Die verrückten Nachbarn“), der Nachbarschafts-Streit ist ein immer wieder gern praktizierter Inhalt für humoristische Stoffe. Seth Rogen, der „Bad Neighbors“ mit produziert hat, geht das Thema auf die von ihm gewohnte anarchische Art und Weise an, setzt dabei wie in „Das ist das Ende“ die Party in den Mittelpunkt allen Geschehens, und setzt zur typisch bekannten Thematik einen drauf, in dem der Feind des auf Ruhe hoffenden Bürgers kein klassischer Nachbar sondern eine Studentenverbindung ist, eine deren Mitglieder ganz typisch, so wie es uns Hollywood zumindest immer wieder weiß machen will, nichts anderes im Kopf haben als pausenlos zu feiern.

Seth Rogen-Filme, wie der eben erwähnte über den Weltuntergang und die Drogen-Komödie „Ananas Express“ machen aufgrund ihrer Pointen-sicheren Provokationen und aufgrund der skurrilen, meist lang gezogenen Dialoge Laune. Auch „Bad Neighbors“ besitzt diese Vorteile. Da diesbezüglich jedoch bei weitem nicht jeder Gag zündet, und nach der Innovationsblende des Feindes sich das ganze erzählte Konstrukt als viel zu bekannt heraus stellt, bleibt es diesmal jedoch nur bei einem kleinen, sympathischen Film, dem der nötige Touch fehlt um ihn wirklich empfehlen zu können/wollen. Rogen spielt Rogen, alles wie gehabt, deswegen ist das Pärchen im Mittelpunkt auch keinesfalls ein klassisches Spießer-Pärchen. Letztendlich guckt sich der Streifen trotzdem und aus eben diesem Grund jedoch zu angepasst.

Auf der einen Seite hält „Neighbors“ (Originaltitel) sich brav an den klassischen groben Ablauf ähnlich thematisierter Werke, auf der anarchistischen Seite hält er sich brav an jenen Grad Provokation, der den klassischen Rogen-Fan mit an Bord bleiben lässt. Somit bekommt dieser eine immerhin noch amüsant bleibende Lightversion eines Filmes seines Lieblings präsentiert, während der klassische Komödien-Fan von ewigem grenzdebilem Herumgefasel vor den Kopf gestoßen wird, mit dem er nichts anfangen kann, womit „Bad Neighbors“ auch für diese Art Publikum Mauern aufstellt. So wirklich glatt geht für keine Art erwachsenem und Vorurteils-freiem Publikum die Rechnung auf.

Sicherlich werden Teenager kurzweilig und spaßig unterhalten, und die Intelektuellen werden genug zu meckern finden über das was sie von oben herab als zu niveaulos einstufen würden, beide Seiten sind keine Überraschungen. Aber in der Mitte trifft der Film beim Publikum eben auch nicht ins Schwarze, obwohl man „Townies“ (Alternativtitel) durchaus ein paar Überraschungen und verdammt gut gesetzte Pointen zugestehen muss.

Dennoch bleibt am Ende alles für eine Anarcho-Komödie eine Spur zu vorhersehbar und zu versöhnlich und für eine klassische US-Komödie zu skurril und geschwätzig. Ich persönlich mag diesen letzten Punkt, aber auch mir kam er mittlerweile viel gewollter vor als in den großartigen Wortgefechten in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“. Vielleicht hätte „Bad Neighbors“ doch eher die klassische Komödie, fern jeden Kompromisses a la „Shopping-Center King“ werden müssen. Dort wusste Rogen genug Wellen innerhalb der klassischen Kino-Normen zu schlagen. Der Film wusste genau was er wollte, wann er die Normen einreißen und wann er sich an diese halten musste, ohne dabei in irgend einer Art und Weise angepasst zu wirken. Nicholas Stollers neueste Komödie weiß dies nicht. Von daher kann man erleichtert darüber sein, dass „Bad Neighors“ zumindest noch kurzweilig zu konsumieren ist.  OFDb

27.04.2014

DAS IST DAS ENDE (2013)

Wenn man reich und berühmt ist, kann das Leben eine fröhliche Spielwiese sein. Genau so guckt sich Seth Rogens Regie-Debut, welches er auf dem Hoch seiner Karriere nutzt, um mit befreundeten Kollegen mit einem immensen Kostenaufwand einmal das zu drehen, wo man Lust drauf hat. Zwar hat Rogen sich ähnliches mit dem gelungenen „Ananas Express“ bereits gegönnt, diesmal wird es jedoch eine Spur privater. Mögen die Charakterzeichnungen der Stars auch fröhlich selbstzerstörende Fakes sein, die jeden einzelnen als schrecklichen Egomanen abstempeln, dennoch umweht dem Film eine zwischenmenschliche Ehrlichkeit, die das ganze zu einem wunderbaren Cocktail aus Lüge und Wahrheit werden lässt - inmitten eines herrlich schrägen Szenarios, welches dankenswerter Weise die Regeln der biblischen Apokalypse nicht neu erfindet.

In diesem simplen Gedankengut der gläubigen Christen liegt der Reiz dieses Endzeit-Streifens, der fast zeitgleich als Konkurrenz zum (besseren) „The World‘s End“ im Kino lief. Die Braven kommen in den Himmel, auf der Erde tut sich der Boden auf, die Welt brennt, und wenn die Zeit reif ist bekommen wir auch toll getrickste Dämonen präsentiert, die alle geradezu klassisch aussehen wie ewig von Kirchenseite angepriesen. Lustiger Weise verkommt die Apokalypse in der ersten Stunde fast schon zur Nebensächlichkeit, handelt der Film doch zunächst vom Überleben in Francos Haus, vom Zusammensein einer Gruppe befreundeter Egoisten mit dem Drang gemeinsam überleben zu wollen.

Erst wenn Lebensmittel knapp werden konzentriert sich der Streifen was mehr um das was draußen tatsächlich passiert, aber das bedeutet nicht dass der Film nicht auch zuvor wunderbar zu gucken wäre. Nach der ersten halben Stunde wusste ich noch nicht so ganz wie ich finde was ich da sehe, geht mir diese ewige Pro-Kiffer-Mentalität Rogens doch grundsätzlich auf den Keks, auch wenn ich ihn als Komiker all zu gerne sichte.

Bedenkt man jedoch wie gnadenlos ein jeder Schauspieler mit sich selbst und seinem Ruf abrechnet, steckt schon ein gewisser Grad Mut hinter einem Projekt, das eigentlich nur dafür da ist Freundschaft und Party auf Zelluloid zu bannen (okay, heutzutage eher digital einzufangen), und alle Fans der Stars daran teilhaben zu lassen. Selbstbeweihräucherung kommt dabei überraschender Weise nicht heraus, stattdessen steckt die Stimmung an, und sie bleibt beim Zuschauer aufrecht erhalten wenn die Figuren des Films diese nach und nach verlieren.

Das Abhängen im Haus macht Spaß, auch wenn es manchmal Stillstand zu geben scheint. Aber wie schon in „Ananas Express“ reißen die Dialoge so einiges raus, auch wenn sie hin und wieder zu aufgesetzt wirken. Und die Anspielungen auf andere Filme und Rollen, die Gastauftritte diverser Schauspieler als sie selbst und diverse Querverweise auf das Leben in Hollywood geben der Sache genügend Zunder um fröhlich dran zu bleiben. So richtig rocken tut der Film jedoch eher in der zweiten Hälfte, in der nun ordentlich die Post abgeht, Vorteile der ersten Hälfte aber dennoch genug Platz finden um sich auch hier zu entfalten. Somit steigert der Film gekonnt seine Stimmung, so wie es sich für eine richtig gute Party auch gehört.

Was mir im Komplettfilm neben dem wundervollen Endzeit-Spektakel im letzten Drittel zwischen Dämonen, Besessenen und Kannibalen zudem äußerst gut gefallen hat, sind die unerwartet witzigen und abwechslungsreichen Momente mit Jonah Hill, für den ich mich sonst noch nie begeistern konnte. Außerdem ist der geglückte Gastauftritt von „Harry Potter“-Darling Emma Watson, die mal anders spielen darf als sonst, ein Spaß für sich, auch wenn sie zu meinem Bedauern viel zu wenig Screentime beschert bekommen hat. Klar, „Das ist das Ende“ soll ein Männerfilm sein, mit Männerkomik wie Sprüchen a la „Tränen aus der Spitze meiner Eichel“, aber etwas mehr Platz für Watson hätte sich bestimmt gefunden, auch wenn die Pointe, auf die ihre Szenen hinausläuft, herrlich konsequent ist und einen längeren Auftritt innerhalb des Films nicht zulässt.

Selbst der Schluss des Streifens weiß noch zu rocken, oder besser gesagt zu poppen, denn auch hier wartet auf den Zuschauer  ein unerwarteter Gastauftritt, mit dem die Geschichte dann auch schließt. Dass man hier keine erwähnenswerte Handlung geboten bekommt und man die Stars und ihre Werke besser gesehen haben sollte (ganz besonders „Ananas Express“ auf den sehr häufig auf wirklich lustige Art und Weise angespielt wird) ist nicht von der Hand zu weisen. Aber „Das ist das Ende“ ist auch nicht die Art Film, die das Kino inhaltlich oder stilistisch neu erfinden will. Es ist Anarcho-Kino, eine Stilrichtung die kaum noch im heutigen Filmgeschäft unter Großproduktionen vorzufinden ist. Es ist im Vergleich zu 70er Jahren-Größen dieser Gattung aber auch die moderne Variante Anarcho-Film, die sich leider mit den Kompromissen der modernen Welt arrangieren muss. Dem Spaß-Faktor selbst bereitet das jedoch überhaupt keinen Abbruch.  OFDb

08.08.2012

PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT (2011)

Die Engländer Graeme und Clive klappern in ihrem Amerika-Urlaub alle Alien-Sehenswürdigkeiten des Landes ab, als sie eines Abends tatsächlich eine Begegnung der dritten Art haben. Ein Außerirdischer namens Paul bittet um ihre Hilfe. Von der US-Regierung verfolgt, sollen die beiden ihn zu dem Ort bringen, an dem seine Leute Paul abholen wollen. Die beiden Freaks lassen sich auf das Abenteuer ein...

Wenn Aliens kiffen...
 
Mit ihrer Parodie „Shaun Of The Dead“ starteten sie durch und eroberten sogleich die Herzen aller Horror-Fans, und mit „Hot Fuzz“ bewiesen sie, dass ihr Talent keine Eintagsfliege war und widmeten sich diesmal dem Action-Genre. Die Rede ist von den Autoren und Hauptdarstellern Simon Peck und Nick Frost, die als Team großartig zusammen harmonieren und denen man ihren Erfolg auch gönnt, so clever und vielschichtig ihre Werke ausfielen. Mit „Paul“ wendeten sie sich nun dem Science Fiction-Bereich zu, und da wurde man als Fan der beiden doch recht neugierig. Doch wer „Paul“ zu sehr mit den beiden Vorgängern vergleicht, dürfte enttäuscht werden. Die Geschichte um das hilfsbedürftige Alien ist schon recht witzig ausgefallen, besitzt aber keine stille Verwandtschaft mehr zu den Vorgängern, so wie es „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ schafften.

Scheinbar war eine solche Verbindung auch nicht gewollt. Das zeigt sich u.a. daran, dass nun auch die USA als Spielort und Finanzgeber mit dazu gestoßen sind, womit der britische Humor etwas unter geht und das Niveau etwas niedriger gehalten wird, damit auch die Amis etwas zu lachen haben. So fällt die Geschichte etwas 08-15 aus, und auch die Propaganda, dass der Ami (lustigerweise diesmal durch ein Alien verkörpert) dem Ausländer die US-Lebensart beibringen muss, schaut leider um die Ecke. Im Vorspann wird das Duo weiterhin als Autoren der ganzen Chose genannt, aber wer die Vorgängerfilme kennt, wird schon ahnen unter wie viel Einmischung und Korrekturen das Ergebnis erzielt wurde.

Man darf also zurecht meckern, man kann „Paul“ jedoch auch eine echte Chance geben. Denn er ist trotz aller Kritik mehr geworden als nur das durchschnittliche Filmchen von nebenan. Die oben erwähnten Negativpunkte fallen nicht so enorm aus wie meist im US-Kino, und selbst das Rezept eines coolen Aliens erinnert nun nicht an einen längst veralteten „Alf“ oder einem emotionslosem Sprücheklopfer a la „Der Onkel vom Mars“ (Raumanzug) und „Der Flug des Navigators“(Raumschiff), nein, Paul wird glücklicherweise sehr menschlich dargestellt, so dass er Sympathie beim Zuschauer aufbauen kann.

Neben der USA zeigt sich ein weiterer Fakt, warum „Paul“ ein eigenständiges Dasein nach „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ fristet. Man holte sich einen anderen Regisseur an Bord. Die Wahl fiel auf Greg Mottola, der einige Jahre zuvor mit der Teenie-Komödie „Superbad“ auf sich aufmerksam machte und den heimlichen Star dieses Streifens, Seth Rogen, gleich mit an Bord holte, wovon der deutsche Zuschauer herzlich wenig mitbekommt, durfte Seth im Original doch Paul sprechen, ein Job den hierzulande Ärzte-Drummer Bela B. übernahm, der schon in „Terkel in Trouble“ beweisen durfte, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.

Auch in der Lightversion ist es gerade den beiden Briten zu verdanken, dass „Paul“ so sehenswert bleibt. Schwarzer Humor weiß leicht dosiert immer wieder zu überraschen, Running Gags begleiten das Geschehen, Insider Jokes wurden allerhand gesät (am schönsten die Anspielung auf Han Solo in „Krieg der Sterne“ oder das Gespräch mit Steven Spielberg, der gerade „E.T.“ plant), und auch die Figurenzeichnungen lassen viel von der Handschrift der beiden Autoren erkennen. Glücklicher Weise fiel auch die Spielfreude dem höheren Budget und dem Drehort USA nicht zum Opfer. Alle Beteiligten sind mit viel Spaß bei der Sache dabei, dürfen ebenso improvisieren, wie gelungene Drehbuch-Dialoge von sich geben, die hin und wieder die Raffinesse besitzen, welche die beiden tiefer gehenden, intelligenteren Vorgänger dauerhaft besaßen.

Simon Pegg und Nick Frost schaffen die Gratwanderung sich über Alien-Freaks lustig zu machen und ihnen gleichzeitig doch mehr Sympathie zu bescheren, als das olle Außenseiter-Mitleid. Das Hinauswachsen über den eigenen Schatten ist ein Klischee welches sich leider mit eingeschlichen hat, aber ebenso wie die Umerziehung zum Amerikaner und die Coolness des Außerirdischen wird dieser unangenehme Teil der Geschichte sehr leicht dosiert präsentiert, so dass man zwar immer kurz vor dem Schimpfen steht, dann aber beruhigt wird durch die Schaden verringernde Haltung der beiden Köpfe des Projektes.

„Paul“ macht Spaß und bietet trotz seiner oberflächlichen Geschichte immer wieder Geist, Tiefgang und Hintergrundwissen, dies aber leider nicht in der Dosierung, welche die beiden Vorgänger zu solchen Meisterwerken werden ließ. Glücklicher Weise besitzt die Science Fiction-Komödie genügend eigenes Potential und eigene Stärken, so dass man sich in etwa vorstellen kann, wie die weitere Phase kommender Projekte der beiden Briten aussehen dürfte. Und da bin ich selbst in der Lightversion gerne wieder mit dabei. Nur noch gewöhnlicher sollten ihre Filme nun wirklich nicht mehr werden. Man würde zwar weiterhin nett unterhalten werden, aber ihr Talent wäre dann nur noch Perlen vor die Säue.  OFDb

24.07.2012

SHOPPING-CENTER KING (2009)

Ronnie ist der oberste Sicherheitsbeamte des örtlichen Einkaufszentrums und nimmt diesen Job sehr ernst. Da passt es ihm gar nicht, dass die echte Polizei dazwischen funkt, als es tatsächlich einen Fall zu lösen gibt: ein Exhibitionist verängstigt weibliche Kunden und Angestellte...

Ich - Das Zentrum der Welt...
 
Der kleine Mann, der seinen kleinen Beruf sehr ernst nimmt, der gerne mehr geworden wäre, da er glaubt es stecke mehr in ihm drin, der kleine Mann, der es dann doch wagt und die böse Konkurrenz von oben zu überraschen weiß, der kleine Mann, der über sich hinauswachsen muss um das Herz seiner Holden zu erobern, und so weiter und so fort! Diesen Plot kennt man, und er ist nicht neu. Schon der im selben Jahr erschienene, titelähnliche „Kaufhaus Cop“ erzählte diese altbackene Geschichte, die er nur mit leichter Abwandlung zu einem passablen Ergebnis führen konnte. So ziemlich jede drittklassige Komödie von oder mit Adam Sandler geht selbige Wege, was soll man sich da „Shopping-Center King“ anschauen? Die Antwort ist einfach: „Shopping-Center King“ ist anders.

Zwar hält er sich für meinen Geschmack viel zu eng an das klassische Muster von Storyablauf her, dieses erfährt aber eine leichte Änderung durch einen kleinen Aspekt in der Charakterzeichnung der Hauptrolle. Seth Rogen spielt einen soziopathischen Egomanen, der nur kurz davor steht eine Gefahr für sich und für andere zu sein (Zitat aus dem Ergebnis seiner Bewerbung für die Polizeischule). Und wo andere Filme einem solchen Außenseiter eine Chance geben, in dem er geläutert wird, in dem er sich zum besseren Menschen bessert, passiert in „Shopping-Center King“ diesbezüglich nichts!

Und keine Frage: das ist herrlich zu beobachten! Was hat es Spaß gemacht diesen provokativ aufpolierten Streifen zu schauen und festzustellen: die sind konsequent! Die lassen ein Arschloch Arschloch sein, und daran wird sich auch nichts ändern. Nicht einmal die Begründung der psychologischen Krankheit des Helden dient als Schutz, Ausrede oder Alibi. Es ist schlichtweg eine Begründung unter mehreren angedeuteten, warum Ronnie so ist wie er ist.

Und da er selbst das wichtigste in seinem Leben ist, das Zentrum der Welt, der Mittelpunkt aller Wichtigkeit und in diesem Zustand freilich auch vor Selbstbewusstsein nur so glüht, glaubt er auch in allem recht zu haben, selbst wenn alles um ihn herum für das Gegenteil steht. Sein Urteilsvermögen ist aus dieser Egosicht getrübt, gerät aber lange Zeit nicht ins Wanken, und wenn dies dann doch einmal passiert, ist hinterher alles wie vorher. Gegen Ende nimmt Ronnie wieder seine Tabletten. Das hat aber weniger die Bedeutung des sich bessern Wollens, a la „Besser geht‘s nicht“, sondern ist nur wieder das Geraderücken einer Verschiebung der Norm für Humorzwecke. Denn wenn man mitten im größten Chaos irgendwann erfährt, dass Ronnie auf Eigeninitiative seine Medizin weglässt, da es ihm so gut ginge, ist das nur eine von wirklich vielen gut gesetzten Pointen.

Dadurch sich dem charakterlichen Wandlungsmuster gängiger amerikanischer Komödien zu verweigern, kommt „Shopping-Center King“ wesentlich unverkrampfter daher als all das was in den letzten Jahren aus diesem Land humoristisch in unsere Kinos sprudelte. Dementsprechend locker geht der Streifen auch mit Tabuthemen um, wie dem Thema Nacktheit, welches in der Art eines „American Pie“, aber noch mehr eines „Scary Movie“ in den 90er und 00er Jahren doch recht gewollt provoziert wurde. Keine Frage, das waren wichtige Schritte in der Befreiung aus bislang gekannten Prüderie Hollywoods. Es ist aber genau so wichtig, dass die Amis in ihrem liebstem Medium neben dem TV auch endlich dahin gelangen, was „Shopping-Center King“ ihnen vor macht: die lässige Variante mit dem Tabuthema Nacktheit umzugehen. Und anbei auch das unverkrampfte Spiel mit dem Anbiederungen umgehenden Verarbeiten von Themenbereichen wie die Krankheit Ronnies oder dem Alkoholismus seiner Mutter.

Bleiben wir aber beim Thema Nacktheit, welches trotz des für kurze Zeit ins Zentrum rückenden Exhibitionisten zunächst keine Rolle spielt. Kaum zu glauben, aber das Umherlaufen eines nackten Mannes kann zur lustigsten Szene einer Komödie werden, wenn das ganze als eine Verfolgungsjagd durch ein gut besuchtes Einkaufszentrum inszeniert wird, in Zeitlupe ein hin und her zuppelnder Pillemann nicht zensiert wird und dieses Szenario mit dem Lied „Where Is My Mind“ untermalt wird. Zwar gab es mal eine vergleichbar mutige Szene 10 Jahre zuvor in „Terror Firmer“, aber die badete inmitten eines klamaukigen Provokationsfilmes, der seinerzeit auf ganz eigene Art all jenem den Stinkefinger zeigte, was Kommerzkino zu bieten hatte. „Shopping-Center King“ ist jedoch kein Gegenstück zum Mainstream-Kino. Er zeigt wie es innerhalb diesem anders geht. Ein gewisser Grad Mainstream bleibt er dennoch.

Zu schade, dass die eigentliche Geschichte viel zu routiniert abläuft. Der sture, unveränderbare Charakter des Egomanen kann schon viel vom üblichen Klischeeablauf abwenden, letztendlich verfällt der Streifen dennoch viel zu sehr ins gängige Muster. Zumindest tut er dies mehr als es nötig gewesen wäre in einem sonst so konsequent modern erzählten Streifen! Da tut es der Komödie sichtlich gut passend besetzt zu sein. Seth Rogen passt super in die Rolle des Ronnie und gefiel mir dort auch besser als in „Superbad“ oder „Beim ersten Mal“, wo ich seine Leistungen auch schon beeindruckend fand. Als Gegenspieler ist auch Ray Liotta gekonnt besetzt. Und Anna Faris, die diesmal keinen Sympathiecharakter spielen darf, tobt sich erneut aus, so wie sie es gerne tut. Müde Ausrutscher wie der ein Jahr zuvor erschienene „House Bunny“ scheinen der Vergangenheit anzugehören.

So bleibt mir nur all jenen, die beim Lesen jeglicher Inhaltsangaben und beim Titel ebenso mit den Schultern zucken mussten wie ich, zu sagen, dass „Shopping-Center King“ einfach mal anders ausgefallen ist als all das im scheinbar selben Fahrwasser erschienene. Trotz des noch immer vorhandenen Streifens des Mainstream-Bereichs ist der Film aber immerhin noch weit von den gängigen 08-15-Adam Sandler-Komödien entfernt. Denn einem Hauptrezept von diesen verweigert sich „Shopping-Center King“ komplett: den der biederen Moral.  OFDb

23.07.2012

ANANAS EXPRESS (2008)

Ein Kiffer wird Zeuge eines Mordes und vom Täter verfolgt, da dieser die Identität des Mitwissers anhand einer seltenen Cannabis-Marke herausfindet. Zusammen mit seinem Dealer flüchtet der Kiffer vor einer Bande mordgieriger Mafiosis und deren Konkurrenz...

Noch besser als gemeinsam Glücksrad zu gucken...
 
Eine Action-Komödie mit Kiffern im Zentrum - was für andere lustig klingt wusste mich zunächst einmal nicht zu locken. Dass ich mir „Ananas Express“ dennoch zu Gemüte geführt habe, liegt einzig an der Anwesenheit Seth Rogens, der mir durch „Superbad“ und „Shopping-Center King“ so positiv aufgefallen ist, so dass ich mehr von ihm sichten wollte. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht, denn der Streifen, an welchem Rogen selber mitschrieb und den er gleich mitproduzierte, macht richtig Laune.

Und dies macht er auf eine Art welche den später folgenden „Shopping-Center King“ ebenfalls so sympathisch machte: die Hauptgeschichte ist 08-15, während die Gimmicks innerhalb des halbwegs Bekannten immer wieder zu überraschen und zu amüsieren wissen. Anbiedernde Komik gibt es nicht, der Humor des Streifens ist wild und provozierend, allerdings auch reflektierend und ehrlich.

Das ist um so erfreulicher, da „Ananas Express“ keineswegs eine Pro-Kiffer-Komödie ist, wie man meinen könnte, so nah wie sie am Empfinden und Reden eines Cannabis-Konsumenten orientiert ist. Wenn der Hauptfigur irgendwann klar wird, dass man all dem Ärger nicht entkommen kann, wenn man dauerhaft zugedröhnt ist, wird dies nicht auf die moralische Schiene durchgekaut, sondern wirkt natürlich frisch, da orientiert an den Figuren, für deren Charakterzeichnung man sich jede Menge Zeit lässt.

Der Blick auf den Drogenkonsum der Helden, der in keiner Form eine Wertung erhält, ordnet sich wie alles andere der minimalen Geschichte unter, die ihre Stärke durch interessante Charaktere und einer pointen- und ideenreichen Story erhält. Ob es die Einführung von Nebenfiguren ist, der Actionanteil, was auch immer: alles wird erst dann ausgepackt, wenn es förderlich für die Geschichte und den Unterhaltungswert ist. Das Verweigern einer Suche nach einem Zielpublikum und das damit einhergehende Anbiedern an diesem findet nicht statt und hilft dabei, dass das Nichts am eigentlich Erzählten so aufzublühen weiß.

Der Ideen gibt es genug. So darf man beispielsweise einem minutenlangen Kampf sichten, bei welchem sich drei kampfunerfahrene Loser gegenseitig auf unbeholfene Art verprügeln und anderweitig Schaden zufügen. Oder man darf einer Autoverfolgungsjagd beiwohnen, bei welcher die Idee die Windschutzscheibe vom Fahrer heraustreten zu lassen, zu einer höchst witzigen Szene führt.

Wenn das ganze später völlig überzogen in einem gewaltigen Actiongewitter mit jeder Menge Toten endet, wird es in dieser Phase keinesfalls unwitzig. Running Gags und einfallsreiche Situationskomik machen das Massensterben zum fröhlichen Happening, oftmals wie zuvor durch das Gegenlenken von Zuschauererwartungen.

Weinende Profikiller werden zu ebensolchen nebensächlichen Lustigkeiten, wie das Herausreißen aus einer depressiven Stimmung mittels des Wortes „heiraten“, oder das Zukotzen eines Druckers, oder herumblödelnder Mafiachefs, oder hirnverbrannter Diskussionen und Entdeckungen aus Kifferköpfen. Wenn ein nicht startendes Auto zum Aha-Moment führt, dass man nach Plan B dann halt zu Fuss geht, gefühlte Ewigkeiten darüber geredet wird welche Uhrzeit man wohl gerade habe, oder rein theoretisch darüber spekuliert wird dem besten Freund einen runter zu holen, kann man sich das Lachen nicht verkneifen.

Interessant ist, dass eine solche Geschichte, die sicherlich nicht so leicht ihre Geldgeber gefunden hat, professionell umgesetzt wurde. Das sieht man an gekonnten Stunts, toller Fotografie und dem geglückten Drehbuch, welches unnötiger aber auch interessanter Weise in den 30er Jahren beginnt, nur um auf herrlich ulkige Art in den Film einzusteigen.

James Franco, der hier den Klein-Dealer spielen darf, macht seine Arbeit ebenso gut wie Seth Rogen. Letztendlich wurde aber ohnehin jeder passend besetzt, was viel am positiven Gesamtergebnis ausmacht. Da scheinbar auch gute Laune am Set herrschte, sieht man den Akteuren ihre Spielfreude auch pausenlos an.

Einen interessanten Blick ist zudem die Schluss-Szene wert, in welcher man der Gruppe Kiffer dabei zuhören darf wie sie die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren lassen und auch auf Situationen verweisen bei welchen nicht jeder Dasitzende anwesend war. Allein diese Szene zeigt wie nah das Drehbuch an den Protagonisten orientiert ist und es mit solchen Methoden schafft inmitten eines völlig überzogenen Szenarios immer wieder Realitätsnähe aufblitzen zu lassen - mit dem Nebeneffekt auch diese wieder lustig werden zu lassen.  OFDb

16.07.2012

ZACK AND MIRI MAKE A PORNO (2008)

Zack und Miri leben zusammen in einer Wohngemeinschaft und sind Freunde seit der Grundschule. Da sie ihre Schulden nicht bezahlen können, beschließen sie einen Pornofilm zu drehen und entdecken dabei die Gefühle zueinander...

Kevin Smith Make Mainstream...
 
Da ich zur Zeit mit Vergnügen Filme mit Seth Rogen sichte, im Zuge dessen auch den beim ersten Gucken für mittelmäßig befundenen „Beim ersten Mal“ eine zweite Chance gab, der sich dann doch als toller Film entpuppte, kamen so einige Leute an mich herangetreten und empfahlen mir „Zack and Miri Make a Porno“, der sei besonders gut. Manch einer betitelte ihn gar als den bislang besten Streifen mit Rogen. Da er die Thematik eines Pornofilmdrehs mit einer romantischen Komödie mischen sollte, war ich auch recht neugierig und guter Dinge. Doch nun nach Sichten des Streifens weiß ich wirklich nicht, warum so oft so gut über diese Komödie geurteilt wird.

Die ersten 10 - 15 Minuten nerven komplett mit krampfhaft aufgedrückten, teilweise infantilen bis überraschend konservativen Sprachprovokationen, wobei Variationen des Wortes Ficken mit am meisten verwendet werden. Nichtsdestotrotz kann man sich recht schnell mit den Hauptfiguren identifizieren, teilweise sogar Sympathie zu ihnen aufbauen, und, man soll es nicht meinen, spätestens wenn es zur Planung eines Pornofilmes kommt steigt auch das Niveau des Streifens. Warum die beiden Helden diesen Weg an Geld zu kommen für den besten halten, wird zwar nicht ganz klar, aber realitätsorientiert ist der Streifen ohnehin nicht erzählt, dafür arbeitet er situativ dann doch zu überzogen. Die Hauptfiguren hingegen bleiben greifbar, während sie, je mehr der Film voranschreitet, von immer mehr Comicfiguren umgeben sind, deren schräge Besonderheiten gerne auf die Spitze getrieben werden.

Leider ist „Zack and Miri Make a Porno“ viel zu ideenarm erzählt, verweigert sich nennenswerter Pointen und geglückter Witzchen und leider auch einer innovativen Geschichte. Brav spult er das übliche Muster der so beliebten romantischen Komödien ab, mit der Thematik ein wenig blendend dies nicht zu tun. Mögen direkte Worte und das Grundthema auch frech und provokativ wirken, der Kern des Filmes ist konservativ und sein Verlauf recht bieder.

Ich selbst konsumiere die modern als RomComs bezeichneten Filme gerne, somit hätte „Zack and Miri Make a Porno“ mit Abstrichen bei mir dennoch funktionieren können. Aber leider will trotz der niedlichen Miri und eines sympathischen, wenn auch recht blass spielenden, Seth Rogen die Romantik kein bisschen übersprudeln. So sehr ich auch mit der Idee sympathisiere, dass die beiden die Liebe zueinander ausgerechnet während ihres ersten Aktes vor der Kamera entdecken, die Szene funktioniert nicht. Geradezu euphorisch legt Smith die mitreißen wollende Musik über diese Szene, aber sie bleibt zu unterkühlt und gewollt und steckte mich nicht an.

Inhaltlich mit einem Provo-Thema so blendend und doch fast so brav wie ein ebenfalls im anzüglichen Milieu spielender „Pretty Woman“ und „Taschengeld“, konnte der Streifen die Gefühlswelt dieser arg biederen Vergleichsfilme so gar nicht treffen, so dass sie tatsächlich die weit besseren Komödien geworden sind, und das obwohl „Zack and Miri Make a Porno“ im Gegensatz zu diesen gerne unverkrampft und locker wäre. Oberflächlich betrachtet ist er dies sogar, aber der brave vorhersehbare Verlauf der Geschichte beweist das Gegenteil.

Guten Werken mit Rogen wie „Ananas Express“ und „Shopping-Center King“ ging es nicht anders. Auch sie waren in der oberflächlichen Handlung vorhersehbar und innovationsfrei. Aber auf die speziellen jeweiligen Situationen der Streifen traf das nie zu. Da wurde mit Erwartungen von Durchschnittswaren gespielt, Filmtabus wurden gebrochen und es wurde mal albern und mal niveauvoller gewitzelt. Smiths Streifen ist gerade diesbezüglich eine Gähnnummer. Fans dieses Regisseurs, der spätestens mit dem provokanten „Dogma“ auf sich aufmerksam machte, werden es ebenso kaum fassen können: pointen- und provokationsarm, das ist nicht der Kevin Smith den sie kennen. Erwachsener ist sein neuer Stil auch nicht. Also was soll der Mist?

Auf ganz flacher Ebene weiß „Zack and Miri Make a Porno“ gerade noch zu funktionieren. Aber da muss man sich schon mit wenig zufrieden geben, um am Ende von einer geglückten Unterhaltung zu sprechen. Der Film plätschert überraschungsarm vor sich hin, wird gegen Ende noch einmal besonders schlecht, wenn er das Finale völlig unnötig drei Monate später spielen lässt und ständig den Versuch unternimmt überraschende Wendungen mittels Missverständnissen zu präsentieren, die so vorhersehbar sind wie die Handlung des kompletten Streifens. Das hätte noch funktioniert, wenn Rogen mal wieder den Kiffer gespielt hätte. Ein dröger Kopf wäre sicher überrascht was das Finale für Neubetrachtungen eines bislang geglaubten Zustandes bereit hält, ein klarer Kopf jedoch nicht.

Es ist schade um die eigentlich so sympathische Idee, und noch mehr schade ist es um diesen wundervollen Filmtitel. Außerdem ist es schade um die Haltung der verantwortlichen Personen Pornos gegenüber. Weder sie noch die Umgebung und Umstände unter denen sie entstehen werden dämonisiert. Das Thema wird geradezu menschlich angegangen. Inhaltlich verharmlost wird auch nichts, wenn doch recht offen über Analsex gesprochen wird, der heutzutage zu fast jedem Pornofilm dazu zu gehören scheint. Aber das allein reicht nicht um sich von gängigen Romantikkomödien zu unterscheiden oder gar distanzieren zu wollen. Wahrscheinlich reicht dies nicht einmal im sex- und genitalfeindlichen Amerika. Dem hat „Shopping-Center King“ mit nur einer Szene viel mehr den Stinkefinger gezeigt, als es der komplette hier besprochene Streifen je könnte.  OFDb