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19.06.2025

Kurzkommentare (2)

 

Archive (2020)

Dieser Science Fiction zum Thema K.I. kommt mit manch interessanter Idee daher, inklusive einem süß anmutenden Suizid eines Roboters, während er ansonsten hauptsächlich von der Kälte der Forschung berichtet (vergleichbar mit "Splice"), mittels eines Protagonisten, der sich selbst für sozial und mitfühlend hält. Manch überraschende Wendung, gutes Schauspiel und ein unterkühltes Setting sorgen für den Rest in einem Werk, dessen Herangehensweise zur Entstehungszeit bereits nicht mehr innovativ zu nennen war.  Wiki


Iron Man 3 (2013)

Der Abschluss der Trilogie mag nicht der ereignisreichste sein, die Story plätschert überraschend gradlinig von einem visuellen Event zum nächsten, aber er unterhält mit der Einhaltung von Grundstimmung und humoristischen Einflüssen der Stammfiguren aufeinander, und er weiß durch die Rolle von Ben Kingsley zusätzlich zu gefallen, gerade zur zweiten Hälfte hin. Dass einem das alles bereits bei der ersten Sichtung zu bekannt vorkommt, ist schade zu nennen, aber die Sympathie des Bekannten, welche man eher von TV-Serien, anstatt von einer Großproduktion erwarten sollte, entschädigt dennoch halbwegs.  Wiki

 

The Flash (2023)

Auch wenn sich "The Flash" mehr denn je als Marvel-Imitat von DC schaut und an mancher Stelle etwas überfrachtet wirkt, so trägt er das Herz und vor allen Dingen die Pointensicherheit doch am rechten Fleck und weiß mit manch kreativer, nicht wirklich innovativer Idee die übertriebene Action für sich zu nutzen, um das Ganze zu ironisieren. Der Hauptdarsteller hat mit seiner Doppelrolle sichtlich Freude, Michael Keaton als Batman nicht nur in kurzen Auftritten zu erleben, lässt das Herz ohnehin höher schlagen, und zumindest bietet "The Flash" im Gegensatz zu manchem Superhelden-Konkurrenten eine erzählenswerte Geschichte. Auch der Schluss-Gag hat mir gut gefallen.  Wiki

 

Creed 3 - Rocky's Legacy (2023)

Dass man Stallone vermissen würde, war abzusehen, ihn als Rocky aber nicht einmal bei einer wichtigen Beerdigung auftreten zu lassen, zeigt wie sehr der dritte Teil des Spin Offs Produkt, anstatt Herzensangelegenheit war. Es zeigt sich auch in der überraschungsfreien Gradlinigkeit einer an sich netten, sich aber bereits durch "Rocky 5" bekannt anfühlenden Geschichte, und dadurch, dass der Gegner charakterlich interessanter ausfällt als der Held und sein Weibchen. Unterhaltsam ist das zu schmale Ergebnis dennoch ausgefallen, lediglich weit unter den Erwartungen nach zwei so geglückten Vorgängern.  Wiki

 

Doctor Who - Kinda (1982)

Zwar fühlt sich die oberflächliche Geschichte selbst etwas arg zu oft erzählt an, die Rätselhaftigkeit um die Lebewesen und ihrer Geheimnisse vor Ort, lassen einen dennoch neugierig werden. Der fünfte Doktor täuscht so herrlich verspielt Ahnungslosigkeit und Naivität vor, dass man fast schon meinen könnte, dass die noch frische Reinkarnation tatsächlich so gestrickt ist. Wer bei einem solch nostalgischen Produkt wie diesem neuere Effekte benötigt, wie vom Bluray-Menü wieder einmal alternativ angeboten, will sich mir jedoch nicht erschließen.  Wiki

30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (7)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Wenn Louis eine Reise tut (1958)

Da ist der gute Louis in den schwarz/weißen Klassikern nicht so hibbelig wie in den deswegen manchmal leicht nervig ausgefallenen Werken seiner Promi-Zeit, da nervt stattdessen sein Filmsohn, der in der deutschen Fassung zudem eine penetrante Synchronstimme erhalten hat. Aber ohnehin fällt zu wenig Licht auf Louis und sind Plot und Pointen doch zu austauschbar, um etwas Nennenswertes zu zaubern. Zumindest die Altherrenwitze funktionieren mit einem lüstern fremdflirtenden de Funès-Ehemann mit strenger Ehe-Frau im Anhang recht gut.  OFDb

 

War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern (2008)  

John Cusack als Auftragskiller funktioniert erneut wunderbar, diesmal eingebettet in eine bissige Satire um die Haltung der USA zum Thema Krieg und sämtlichen weiteren in den Medien zu beobachtenden Abarten in solchen Zeiten. Auch die Musikindustrie bekommt ihr Fett weg, und dem Drehbuch gelingt es mit Hilfe der wundervollen Darsteller Charme und Liebe inmitten von schwarzem Humor aufkommen zu lassen, ganz ohne mit Gefühlsduselei und Kitsch das alles zu verwässern.  Wiki

 

American Psycho 2 (2002)

Aus einer echten Gesellschafts-Satire wird ein lockeres Teeniefilmchen, welches eher verspielt mit der Serienkiller-Thematik umgeht, anstatt durchdacht. Da das Original für meinen Geschmack immer eine Spur zu verkrampft umgesetzt war, finde ich persönlich diesen eher plumpen Ansatz lockerer an die Sache heranzugehen gar nicht verkehrt. Mila Kunis ist süß wie immer, die Ironie, das zu verkörpern was man später bekämpfen will, wirkt was aufgesetzt, der Gesamtplot ist aber ohnehin nicht durchdacht. Aber durch seine leichtfüßige Art funktioniert der schlicht heruntergekurbelte Trivial-Streifen für einen schnell vergessenen Film eigentlich recht gut.  Wiki

 

Monk - Staffel 8 (2009)

Selbstverständlich wird in der finalen Staffel das Geheimnis um Trudy gelüftet, wenn auch mit banalerem Hintergrund als erhofft. Randy erfährt von allen Hauptfiguren das schönste Happy End, und es gibt zudem ein Wiedersehen mit Sharona. Zu den Highlights zählen Monk in der Rolle eines Gangsters zu sehen, eine Folge in welcher man sich mit Monks Lieblinsserie damit austobt die Brady Family zu parodieren und der Kriminalfall in welchem Monk von Ufo-Freaks für ein Alien gehalten wird. Es ist schön zu sehen, dass die Reihe bis zum Schluss auf einem Niveau blieb und nicht, wie in anderen Serien so oft der Fall, gegen Ende schwächelte.  Wiki

 

Mr. Monks letzter Fall (2023)

14 Jahre nach Serienende buddelte man den berühmten Meisterdetektiv mit der Originalbesetzung der vier wichtigsten Rollen wieder aus. Der Ansatz, dass die Welt seit Corona mehr Richtung Monk tendiert, ist wundervoller Natur, wird aber kaum genutzt. Stattdessen widmet sich die durch einen Streamingdienst finanzierte Film-Fortsetzung der Serie einem klassischen Fall, wie er auch in der damaligen Reihe hätte stattfinden können. Trotz Retrogefühle und Wiedersehensfreude im Gepäck wirkt das alles etwas zu langgezogen und auch etwas unnötig. Verkehrt ist ein Blick auf den sympathisch seichten Stoff trotzdem nicht zu nennen.  Wiki

21.11.2021

GENIE UND SCHNAUZE (1988)

Den Sherlock Holmes-Mythos aushebeln und ihn gleichzeitig gut kennen und ehren, das schafft die Komödie "Genie & Schnauze - Without a Clue" (Alternativtitel), die aus Holmes eine Erfindung Watsons macht, der das eigentliche Genie ist und aufgrund der Popularität seiner Erfindung wen finden musste, der den Sherlock mimt. Den findet er in einem erfolglosen Schauspieler mit Alkohol- und Spielproblem, der von allen angehimmelt wird, während Watson hingegen keinerlei Beachtung geschenkt bekommt. Das gibt Kingsley eine große Chance comic-artig die beleidigte Leberwurst zu spielen, während man Michael Caine erfrischend ungewöhnlich herumalbern sehen darf. Dass der Aufhänger und die daraus resultierende Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren Selbstläufer ist, merkt man daran, dass sie nie aufhört lustig zu sein und nicht den Kniff von "Was ist mit Bob?" voraus greifen muss, dass der unterdrückte Charakter wahnsinnig wird, um sich aus dem Schatten zu befreien. 

Stattdessen begleiten wir das Duo aus arrogantem Dämel und verkanntem Genie durch einen Kriminalfall, der interessant genug ausgefallen ist, um ihm zu folgen, aber nicht zu dominant daher kommt, als dass er den eigentlichen Aufhänger in den Hintergrund schieben würde. "Without a Clue" (Originaltitel) bleibt selbst dann noch kurzweilig, wenn das Team kurz auseinandergerissen wird und der Kriminalfall für die finalen Momente ins Zentrum rückt. Das funktioniert allein deswegen so gut, weil Sherlock auf sich allein gestellt keineswegs cleverer wird. Hier bleibt das Drehbuch konsequent. "Sherlock and Me" (Alternativtitel) ist ein Heidenspaß, für Freunde der Materie ebenso wie für Unwissende im Sherlock Holmes-Universum. Es bereitet Freude zuzusehen, wie zwei meist auf stilvolle Rollen abonnierte Schauspieler einmal hemmungslos einen auf Comicfigur machen dürfen (gerade die Slapstickmomente mit Caine sind unglaublich witzig ausgefallen), und als Ergänzung weiß zudem Jeffrey Jones wie immer zu gefallen, freilich in der Rolle des Inspectors Lestrad, der mit neidischem und interessiertem Blick all dem plumpen Rumgetue Sherlocks folgt, welches seine Brillanz darstellen soll, während Watson unerkannt neben dessen Hokuspokus die Denkarbeit übernimmt. "Genie und Schnauze" kommt lockerleicht und unverkrampft daher und erreicht damit ein Niveau mit links, das manch zu bemühte Holmes-Alternativstoffe nicht erlangen.  OFDb

06.07.2017

STONEHEARST ASYLUM - DIESE MAUERN WIRST DU NIE VERLASSEN (2014)

Ein wenig hat mich „Stonehearst Asylum“ an „Shutter Island“ erinnert, sind doch beide Filme professionell abgefilmt und hervorragend besetzt, lässt ihre eigentliche Geschichte aber, trotz interessantem Aufhänger, doch eigentlich zu wünschen übrig. Während man im Vergleichsfilm in die wahren Geschehnisse schneller eingeweiht war, als es dem Autor lieb gewesen ist, herrscht hier auf freiwillige Art eine ähnliche Situation. Denn wer glaubt der auf einem Werk von Edgar Allen Poe erzählte Film spiele mit der Frage, ob Wahnsinnige im Keller nur behaupten Ärzte zu sein, oder ob es sich bei den Eingesperrten wirklich um die Belegschaft des Sanatoriums handelt, der wird, so wie ich, überrascht sein, dass es von Anfang an diesbezüglich keine Zweifel gibt. Die Menschen im Keller sind die tatsächlichen Angestellten und Leiter der Klinik.

Das enttäuscht zwar, weckt gleichzeitig aber das Interesse welchen Zweck die Geschichte verfolgt, wenn sie doch von Anfang an mit offenen Karten spielt. Und tatsächlich wird ein interessanter Zusatzaspekt der grundlegenden Geschichte hinzugefügt, welcher Gut und Böse ein wenig zu vermischen vermag, besitzt der betrügerische, angebliche Leiter der Klinik doch wesentlich mehr Empathie den Patienten gegenüber, als der echte, eingesperrte Chefarzt, der mit den damals üblichen, bestialischen Methoden versuchte Geisteskranke zu heilen. Das beeinflusst die Vorhersehbarkeit der Reststory jedoch nur bedingt, so dass selbst dieser Aufhänger das Ruder nicht wirklich herumzureißen weiß aus Brad Andersons Film doch noch ein sehenswertes Werk zu machen. Zudem fußt auch diese Erweiterung auf der ewigen Gut- Bösetrennung amerikanischer Werke, eine Unterteilung mit der ich als Freund von Graustufen in einem bodenständigen Stoff nichts anzufangen weiß.

Es ist nicht so, dass „Eliza Graves“ (Originaltitel) keinen Blick wert wäre, er ist toll gespielt, imposant dekoriert und inhaltlich auch halbwegs interessant. Er ist nur leider weder spannend, noch dramatisch genug ausgefallen, als dass sich aus diesen wundervollen Zutaten etwas Gehaltvolles entwickeln würde. „Stonehearst Asylum - Diese Mauern wirst du nie verlassen“ plätschert eher sanft vor sich hin, ist nett zu schauen, aber ohne wahre Höhepunkte versehen, und ein unnötiger Schlusstwist, der alles zuvor Geglaubte auf ein weiteres umstößt, wirkt so unnötig wie konstruiert, bereichert das fertige Werk somit also auf keinen Fall.

Im Gegenzug dazu dürfen zumindest die alteingesessenen Starmimen Michael Caine und Ben Kingsley auf ein weiteres beweisen, was sie schauspielerisch drauf haben, spielen sie ihren jeweiligen Part doch keineswegs lustlos mit halber Backe herunter. Beide knien sich derart in ihre Rollen hinein, als ginge es um einen gnadenlos großartigen Film, und genau diesem Engagement ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der Streifen trotz Vorhersehbarkeit, dem Ignorieren interessanter Chancen und dem zu häufigen Streifen von Klischees (insbesondere in der Schwarz/Weiß-Zeichnung von Gut und Böse) ein Film geworden ist, den man durchaus an einem regnerischen Tag schauen kann als kleinen Film für zwischendurch. Wer aufgrund der Story, des Autors und der Starbesetzung mehr erhofft, wird vom übermäßig vorhandenem Mainstream jedoch gnadenlos erschlagen.  OFDb

13.01.2015

DAVE (1993)

Mit „Ghostbusters“ und „Zwillinge“ machte Komödienspezialist Ivan Reitman Karriere, nachdem er mit den lauten Bill Murray-Komödien „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ auf sich aufmerksam machte. Wer dementsprechend bei „Dave“ nun mit einer satirischen Witzorgie rechnet liegt falsch. Satire ist „Dave“ sicherlich, bei all den Seitenhieben auf Politverbrechen, die er austeilt. Aber herausgekommen ist ein sanfter Film, eine Art Märchen für Erwachsene, das uns zeigt wie Politik im Idealfall laufen könnte, wenn Menschen mit Sozialengagement die hohen Ämter einnehmen würden.

Trotz allem kommt das System Amerikas in dieser Komödie noch viel zu gut weg. Gute Menschen gibt es bis ganz oben an der Politspitze, Intriganten sind leicht zu stoppen, und so weiter und so fort. Dass dies in „Dave“ überhaupt nicht stört liegt an den anderen Schwerpunkten die der Film setzt. Reitmans Komödie soll ein Wohlfühl-Film sein. Zwar keiner der eine komplett verschönte Politik vorlügt, aber einer der einen was-wäre-wenn-Gedanken verfolgt, welchem zu extreme Systemkritik im Weg stehen würde.

Wie erwähnt: „Dave“ ist ein Märchen. Deswegen darf sich die mit dem Präsidenten verstrittene First Lady auch in das sozialengagierte Double verlieben. Deswegen darf ein einfacher Unternehmer den Haushaltsplan sanieren (der wunderbare Charles Grodin in einer amüsanten Nebenrolle). Und deswegen läuft auch alles ganz glatt ohne dass irgendwelche Verräter, Durchblicker, Querdenker oder Zeugen die sich nicht bestechen lassen der ganzen Chose einen Strich durch die Rechnung machen - mal abgesehen vom Filmbösewicht, der irgendwann kontraproduktiv gegen Dave aktiv werden muss.

Die Geschichte die „Dave“ erzählt ist interessant, mit leichter Komik versehen und ursympathisch umgesetzt, weswegen ich mir diese Komödie auch bereits viele Male angesehen habe. Man fühlt sich einfach gut nach einem Film wie „Dave“, ganz ohne Unterforderung, ist dieses Werk doch trotz seines Märchengehalts mit Köpchen erzählt und keinesfalls so naiv ausgefallen wie es sich hier an mancher Stelle lesen mag.

Anhand der vielen Senatoren, die sich in Gastauftritten selbst spielen, merkt man freilich dass das Grundsystem der amerikanischen Regierung nicht kritisch hinterfragt wird. „Dave“ kritisiert nur die Art und Weise wie es von den Führern des Landes aus egoistischen Gründen ausgebeutet wird, jedoch ohne dabei ins Detail zu gehen. Nicht einmal Wirtschaftskritik wird angegangen. Und Jahre bevor er Gouverneur wurde, ist auch Arnold Schwarzenegger in einem Gastauftritt als er selbst mit an Bord. An berühmten Gesichtern wurde nicht gespart.

„Dave“ schaut sich jedoch aufgrund der großen Leistung von Kevin Kline so großartig, einem Mann der trotz so professionell gespielter Rollen wie in „Ein Fisch namens Wanda“, „In und out“ und „French Kiss“ nie zu den Top-Berühmtheiten der Branche wurde, obwohl er im kleinen Finger mehr Talent besitzt als viele Superstars am ganzen Körper. Kline spielt mit Herz, albert hin und wieder im stillen herum und schafft es, ähnlich wie Dieter Hallervorden in „Didi - Der Doppelgänger“ die beiden Figuren die er verkörpert in ihrer kompletten Art zu trennen, und es glaubwürdig darzustellen wie der anfangs noch naive Dave mit der Zeit in die Rolle des Präsidenten hineinwächst und erkennt wie er sich aus der Rolle der Marionette befreit bekommt.

„Dave“ verschweigt einige Polit-Probleme um seine Geschichte so erzählen zu können wie er es möchte. Und auch die Erklärung warum Dave den Platz des Präsidenten einnehmen soll ist sicherlich nicht wirklich überzeugend ausgefallen (wenn dafür aber wenigstens aufgrund der Situation psychologisch glaubwürdig). Aber all das wäre nur wirklich relevant, wenn es Reitman um mehr als einen leichten Stoff gegangen wäre. Oder wenn er all dies weglassen würde, um einen unangenehmen, manipulativen Propagandafilm zu drehen, was im Blockbuster-Kino Amerikas keine Seltenheit wäre, man schaue nur mal auf den fragwürdigen „Mensch, Dave!“ mit Eddie Murphy.

„Dave“ weiß als das zu gefallen was er ist. Mehr noch: innerhalb seiner Nische ist er ein großartiger Film mit Köpfchen, der ehrlich zu Herzen geht, überzeugend gespielt ist (Sigourney Weaver erweist sich als wahrer Glücksgriff für die Rolle der First Lady) und uns einfach mal in einem Bereich zum träumen verführt, der im Idealfall gar kein Traum sein sollte. Aber welcher Realist glaubt in einer Welt voll von Graustufen noch an so etwas wie den Idealfall? Den kann es nie geben, und das weiß zu frustrieren. Deswegen ist es auch so wichtig, dass es erwachsene Märchen-Filme wie „Dave“ gibt. Es ist mir unverständlich warum dieses wundervolle Werk so wenigen Menschen ein Begriff ist.  OFDb

20.12.2014

A SOUND OF THUNDER (2005)

Es gibt Filme bei denen man über Unlogiken, gerne auch mal über echte Blödheit, hinwegsehen kann. Wenn diese Eigenschaften jedoch dominant auf den Zuschauer hinabregnen, dann kann man Augen und Ohren noch so schließen, das Werk bleibt dumm, dies auf so penetrante Weise, dass es geradezu unverschämt ist vom Zuschauer überhaupt erst zu erwarten all das zu akzeptieren, was einem da erzählt wird - fiktiver Film hin oder her.

Die Grundidee von „A Sound of Thunder“ ist eigentlich gar nicht mal so übel. Und ähnlich wie bei der Science Fiction-Serie "Lexx" könnte man sicher auch über die mauen Computeranimationen hinwegsehen. Peter Hyams Werk krankt jedoch an allem. Die (noch eher harmlosen) Schwächen beginnen damit, dass uns eine völlig kritiklose Zukunft gezeigt wird. Der Film spielt etwa 50 Jahre nach seinem Entstehen. Eine Reise in die Vergangenheit wird für ganz Reiche angeboten, jene die es sich als einzige leisten können. Da hätte man, und wäre es nur in einer kurzen Erwähnung nebenbei gewesen, kritisch auf eine Zweiklassengesellschaft Amerikas hinweisen können, die schließlich jetzt schon vorhanden ist, in 50 Jahren aber sicher noch extremere Formen annehmen wird. Aber nein, das wird nicht getan.

Auch weitere Beispiele einer kritischen Betrachtung der Gesellschaft der Zukunft, in Hinblick auf das Treiben der Gesellschaft von heute finden nicht statt. Dass dies aufgrund der Thematik eigentlich förderlich für die Geschichte gewesen wäre, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein solches Vorgehen wäre klug gewesen, um damit auf die Frage aufzubauen: Lohnt es sich überhaupt diese Art Gesellschaft zu retten? Ist es gut was der Mensch erreicht hat, oder wäre es gar besser, wenn man einfach die neue Evolution akzeptiert, die immerhin keine Umweltzerstörung beinhaltet und den Mensch, wenn auch genetisch stark verändert, sogar noch mit im neuen Konzept enthalten hat.

Trotz des Fehlens dieser kritischen Beäugung könnte die Logik des Streifens zumindest noch auf etwas naive, blauäugige Art funktionieren. Könnte, tut sie jedoch nicht, da das was die Verantwortlichen für das Drehbuch niedergeschrieben haben hinten und vorne nicht zusammen passen will. Widersprüche, Unlogiken und oftmals auch Szenen in denen es sich die Erzähler der Geschichte zu einfach machten, bis hin zu lächerlichsten Ideen was aus den Menschen in der letzten Evolutionsstufe des Zeitirrtums geworden wäre, lassen den an sich doch recht flott erzählten und manchmal gar spannenden Film einfach nicht gut werden.

Das erwähnte Beispiel mit der veränderten Menschenevolution ist auch eines der besten Beispiele für die extreme Naivitäten der Erzählung. Ginge man davon aus dass der Schmetterling alles zukünftige verändern würde, so müsste man doch ernsthaft bezweifeln, dass selbst wenn es den Menschen in irgend einer Art und Weise noch geben würde, ausgerechnet dieser eine uns hier präsentierte Mensch noch existiert. Und selbst wenn man diesen vollkommenen Blödsinn noch akzeptieren würde, so ist es doch sehr fraglich, dass dieser eine Mensch sich noch genau am selben Ort befindet, wie sein Parallelkörper der zuvor existierenden Evolutionsgeschichte. Das ist schon völlig unmöglich, wenn das Leben ganz andere Wege geht, könnte mit viel Augenzudrücken aber noch akzeptiert werden, wenn diese Denkweise nur in der Ausnahme vorkäme. Leider ist dies nur eins von unglaublich vielen Beispielen.

Die Darsteller sind okay zu nennen, auch wenn wahre Größen nicht auffallen. Heike Makatsch hat eine zu kleine Rolle ergattert, was ihrer Kariere aber zumindest somit nicht schaden konnte. Die Computeranimation, in manchen Werken der Ersatz für mangelnde Schauspielgrößen, ist hier meist schlecht ausgefallen, hat hin und wieder aber auch ansprechende Kreaturen zu bieten. Leider werden in dieser ohnehin schon wackeligen Geschichte viele Ideen nicht konsequent genug umgesetzt, so z.B. die Attacke größerer Ameisen, die nur in einer einzigen Wohnung stattfindet. Der Rest der Welt weiß nichts von ihrer Existenz.

Wäre „A Sound of Thunder“ nicht so flott und auf wunderliche Weise nicht doch noch halbwegs nett erzählt, er hätte nie die Chance gehabt einen Rest Wohlwollen auf ihn fallen zu lassen. Aber ich mag allein schon die Grundidee, auch wenn ich sie mir einfallsreicher vorstellen könnte. Allein das Fehlen der nach und nach einsetzenden Zeitphasen hätte das Niveau der Geschichte schon ordentlich heben können. Die Erzählweise der selben Idee in einer der „Simpsons"-Halloween-Folgen fand ich wesentlich besser. Dort wurde der Rückkehrer direkt mit fertigen Konsequenzen einer veränderten Zukunft konfrontriert.

Zumindest ist "A Sound of Thunder" aber allein schon dadurch halbwegs spannend erzählt, dass man nie weiß was als nächstes passieren wird. Dies verdankt er ironischer Weise mitunter seiner Fehler. Wenn selten etwas zu Ende gedacht wird, wenn Unlogiken und Widersprüche zum Alltag werden, dann weiß auch der letzte Zuschauer nicht was ihn als nächstes erwarten wird. Zu dumm nur dass dies nur auf Zuschauer zutrifft, die sich trotz der Mängel naiv auf die Geschichte einlassen können.  OFDb

08.02.2013

GOOD VIBRATIONS - SEX VOM ANDEREN STERN (2000)

Ein Außerirdischer landet auf Befehl auf der Erde, um dort eine Frau zu schwängern zur Vorbereitung auf eine Invasion. Der kulturelle Unterschied wird jedoch zu einem echten Hindernis...
 
Wie ein Alien zum Ami wird...
 
„Good Vibrations“ ist zwar kurzweilige Unterhaltung, allerdings derart belanglos und von den meisten sicherlich schnell vergessen, dass man echt keine Empfehlung aussprechen kann. Gute Schauspieler sorgen dafür, dass das Nichts an Story über 90 Minuten lang Unterhaltung bietet. Und dies ist schwerer als es klingt, haben die bekannten Gesichter doch meist entweder kleine oder gar uninteressante Rollen. Wozu beispielsweise John Goodmans Part da ist, weiß am Ende des Films niemand. Nie wird seine Rahmengeschichte wirklich eins mit der eigentlichen Story. Anstatt gerade in diesem Bereich die Geschichte etwas gemeiner werden zu lassen, wie es selbst die Finalfolge der Serie „Alf“ schaffte, wird es zum Ende hin versöhnlich, versehen mit einem Hauch Zusammengehörigkeit zur Restgeschichte.

Trotz der Möglichkeit auch andere Aspekte zu verstärken, dient die Story nur als Verkleidung wie so oft die gutbürgerlichen US-Ansichten zu verbreiten. Da ist es schon gut, dass der Film von einem Alien handelt, ein solches müsste man auch sein, um diese ewig wiederholte Weltansicht noch nicht ein Dutzend mal gehört zu haben. Dabei steht der Außerirdische freilich nur als Ersatz für den Ausländer da, der sich gefälligst den Amis anzupassen hat.

Und gerade in dieser fragwürdigen Ideologie geht „Good Vibrations“ noch einen völlig ignoranten Schritt weiter: Die Zivilisation des Aliens ist böse und bietet damit aus Amisicht keinen Hauch guter Elemente, die der Erdenbürger lehrreich in seine Kultur integrieren könnte. So etwas erlebten wir schon durch die DDR und Nazi-Deutschland, alles böse Kulturen, und ob da irgendetwas brauchbar Kulturelles vorhanden war wurde gar nicht mehr hinterfragt. Das Böse solcher Systeme überdeckt alles und macht den Amerikaner blind für objektives Denken.

„Good Vibrations“ gibt dem Zuschauer gar nicht erst die Chance zu überprüfen, ob die Alienwelt rein bösartig ist. Man erfährt so gut wie nichts über sie. Dabei wäre hier das meiste herauszuholen gewesen. Die Außerirdischen des Films sind arrogante Intellektuelle, kein Wunder dass der Ami da kuscht, erfüllt dieser in Kino und Politik in der Regel doch nur 50 % dieser Formulierung. Die Drehbuchautoren gehen den fehlerhaften Integrationsschritt sogar so weit, dass sie es als geradezu lächerlich hinstellen, wenn das Alien seine Erdenfrau am Ende fragt, ob sie nicht auf seinen Heimatplanet ziehen wolle, ein Planet mit einer Politik im Wandel und mit ihm als neuen Chef. Nein, da lässt sie ihn lieber pendeln, wie lächerlich und naiv von ihm gefragt zu haben...

Für eine lockerleichte Komödie braucht man sich in diesen Themenkomplex nicht zu sehr hineinsteigern, so kann eine US-Komödie doch trotzdem funktionieren. Aber auch aus naiver Sicht ist die Erzählung schlichtweg zu banal. Man lebt einige Geschlechter-Klischees auf, anstatt wirklich zwei Kulturen aufeinander knallen zu lassen und/oder die Wurzeln der Geschlechterklischees zu ergründen. Ewig gibt es biederen Sexualhumor, ewig parodiert man die Machoart der Männer aus den 50ern, allerdings mit noch weniger Stil (das ist immerhin ab und an witzig).

Auch die Nebenhandlung mit Goodman macht es sich zu einfach. Für einen Skeptiker glaubt seine Rolle recht früh an ein übernatürliches Phänomen. Warum? Alles wird eine Spur zu simpel angepackt, allem fehlt der letzte Schliff zur echten Identifikation. Diese findet nie statt, egal mit was oder wem. In comichafter Übertreibung wäre ein solcher Mangel noch o.k. zu nennen, aber die gibt es auch nicht, höchstens im Surren des Pillemanns von unserem Besucher.

Das kann alles banal 90 Minuten unterhalten, wird den anspruchsvolleren Cineasten allerdings mit Sicherheit langweilen. Hier wurde ohne Highlights gearbeitet, hier gibt es nur das Grundlagenprogramm. Das kann als Lückenfüller ruhig mal herhalten, immerhin darf ab und an geschmunzelt werden und der Cast spielt auch nett. „Good Vibrations“ ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn man einen alltagsgeplagten, schweren Kopf hat und leichte Kost benötigt um mal abzuschalten.  OFDb

25.07.2012

LUCKY NUMBER SLEVIN (2006)

Eigentlich wollte Slevin nur für ein paar Tage bei seinem Kumpel Nick unterkommen. Doch der ist nicht da, und stattdessen stehen Gangster vor der Tür, die Slevin für Nick halten, und diese bringen ihn zu ihrem Big Boss. Über einige Umwege und Missverständnisse weiter gerät Slevin zwischen die Fronten zweier Gangster-Bosse mit allerhand Schulden am Hals und dem Auftrag einen Menschen zu töten...

Zur falschen Zeit am falschen Ort...
 
Wer könnte widerstehen bei dieser Vielzahl an Stars, die sich in „Lucky Number Slevin“ tummeln? In der Hauptrolle erleben wir Josh Hartnett, in seiner liebsten Rolle als Auftragskiller ist Bruce Willis wieder mit dabei, Lucy Liu steht für die Frauenquote, Morgan Freeman und Ben Kingsley agieren als zwei gealterte Rivalen. Regisseur Paul McGuigan hat für seine 5. Regiearbeit einiges an Prominenz an Bord geholt für die Verfilmung eines Drehbuches, welches an die typischen Werke Tarantinos erinnert.

So einiges ist in dieser Welle mit geschwommen und meist verdienter Maßen untergegangen. Und auch das Buch zu „Lucky Number Slevin“ ist von dem Niveau eines „True Romance“ und „Pulp Fiction“ weit entfernt, was bereits zu Beginn auffällt, wenn man besonders kluge Dialoge servieren möchte, und diese als solche nicht wirklich zu wirken wissen. Doch dies ist nur eines der wenigen Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß.

Ein weiterer wäre, wie sollte es anders sein, Lucy Liu, die zwar nicht wirklich negativ auffällt in ihrem eindimensionalen Spiel, aber der Gedanke ließ mich nicht los, was wohl manch begabte Schauspielerin aus dieser Rolle heraus geholt hätte. Andererseits is der weibliche Part ohnehin eher Nebensache, auch wenn zunächst Gegenteiliges den Eindruck macht. Aber wenn man ansonsten ein Werk serviert bekommt, welches mit einer wirklich guten Besetzung glänzt, dann darf man auch mal auf hohem Niveau maulen.

„Lucky Number Slevin“ ist fast ein Genre-Cocktail. Sein Schwerpunkt liegt im Thriller-Bereich. Zudem ist er gespickt mit einer leichten Priese Humor, ohne deshalb gleich zur Komödie zu werden, und dem Bereich der Dramatik ergeht es ebenso. In gewisser Hinsicht spielt auch die Action eine wichtige Rolle, auch wenn es keine Autoverfolgungsjagden und keine Zerstörungsorgien zu bewundern gibt. Aber es wird häufig geschossen, und es gibt eine Explosion. Eventuell könnte man zudem von einem kleinen Hauch Erotik sprechen. Immerhin darf Frauenschwarm Josh Harnett zunächst einige Zeit lediglich mit einem Handtuch bekleidet mitspielen, was nur eine von wirklich vielen treffenden Ideen von Situationskomik ist.

Bis der Film sich nach über 100 Minuten dem Ende neigt, gibt es interessante Wendungen mitzuerleben und dies meist zu einem Zeitpunkt wo man sich ohnehin gerade gefragt hat, wohin die ganze Erzählung nun führen soll. Zwar kann man am Ende behaupten dass „Lucky Number Slevin“ nur viel heiße Luft in sich trug, immerhin ist die Geschichte nicht gerade neu, und die etwas wirr mit Informationen um sich her schießende Erzählweise verschleierte keinen all zu kniffligen Plot. Allgemein fühlte ich mich von diesem Film jedoch sehr gut unterhalten, eben weil er flott und kurzweilig erzählt ist. Außerdem weiß die kühne Art Slevins zu gefallen, der diese Wirkung immer dann auf die Spitze treibt, wenn er unüberlegt etwas sagt. Er ist nun mal ein Klugscheißer.

Außerdem imponiert es in Zeiten, in denen im Kino immer die Post abgehen muss, dass das Finale einer Gangstergeschichte derart ruhig abläuft, anstatt sich im Actiongewitter dem Massengeschmack hinzugeben. Zwar wird im Finale nichts mehr erzählt was man nicht längst begriffen hätte, aber auch hier weiß der Film in seinem Stil zu gefallen und bleibt sich mit dieser Ruhe in seiner Art treu.

Vielleicht liegt es genau daran, dass „Lucky Number Slevin“ in Deutschland nur auf DVD erschien. Zu einer Kinoveröffentlichung kam es nur bei Spezialaufführungen. Somit reiht sich der Film in die lange Schlange der dem deutschen Publikum im Kino verweigerten Veröffentlichungen ein neben „Der blutige Pfad Gottes“ und „Donnie Darko“, alles Werke die dem Stammbesucher im Lichtspielhaus hätten zeigen können, wie ein guter Film aussieht. Aber dort serviert man ja lieber Blockbusterquatsch mit Soße.  OFDb