Sonntag, 2. August 2015

SAVE THE GREEN PLANET! (Jigureul jikyeora! 2003 Jang Joon-hwan)


Byun-gu entführt einen Industriellen, da er glaubt, dass dieser ein Außerirdischer ist, der das Ende der Welt bei der nächsten Mondfinsternis einleiten möchte...


Haare schneiden verhindert den Funkverkehr...

„Save the Green Planet“ in eine Schublade zu stecken ist wie so oft bei asiatischen Filmen fast unmöglich. Ob er ein Science Fiction ist oder nicht ist eigentlich eine Spoiler-Frage, geht es doch u.a. darum ob Byun-gu ein Irrer ist der recht hat, oder ob er ein Irrer ist der unrecht hat. Irre ist er in jedem Fall, daraus macht der Film kein Geheimnis. Aber kann wer Gestörtes nicht trotzdem recht haben? Ob der Film eine Antwort gibt oder nicht ist Ansichtssache. Man kann die Geschehnisse am Ende als Tatsache ansehen, oder als den Wunschtraum eines Sterbenden. Das bleibt dem Zuschauer überlassen.

Am Ende ist das alles aber ohnehin egal, werden doch ethische Fragen gestellt, bei welchen der Mensch mal wieder unglaublich schlecht wegkommt. Jang Joon-hwan wirft viele Themen auf, mischt sie durcheinander, stellt sie kurz darauf wieder in Frage, will das komplette Spektrum der Einflüsse einfangen und verhaspelt sich dabei nicht einmal, aber er setzt mir für meinen Geschmack keinen deutlichen Schwerpunkt, so dass es um alles und nichts zugleich geht und „Save the Green Planet“ damit in seiner Gesamtheit an Bedeutung verliert.

Handwerklich gibt es nichts zu meckern. Gute Schauspieler wissen im Überagieren zu gefallen, und die Kamera fängt großartige Bilder ein, allein ihretwegen ist das Zuschauen eine Wucht. Auch die Geschichte fängt gut an und ist mit interessanten Charakteren gespickt. Allerdings schielt mir der Streifen zu sehr Richtung „Saw“ und schenkt der eigentlich vielseitigen Geschichte zu viel Beachtung im Folterbereich, womit der uninteressanteste Part zum Schwerpunkt wird. Das macht „Save the Planet!“ (Alternativtitel) nicht wirklich einseitig, bremst den wilden Mix aus Komödie, Drama, Thriller, Action und Science Fiction aber so manches Mal aus.

Die Figurenzeichnung weiß viel zu retten, auch bei so großartigen Nebenfiguren wie den ermittelnden Sonderling, der für eine Nacht bei dem Psychopathen nächtigen darf, oder die Geliebte des Anti-Helden, die kaum dämlicher charakterisiert werden könnte wie geschehen, herrlich! Leider ist es gerade der Genre-Mix, der nicht immer so stimmig durcheinander gewühlt wird wie beispielsweise in „A Chinese Ghost Story“. Drama-Aspekte werden oftmals zu dominant eingestreut, vereinen sich damit nicht mit dem Rest, gerade in Sachen Erzähltempo, während im nächsten Moment wieder der Wahnsinn regieren darf. Das schaut sich nicht wirklich professionell. Und wenn Joon-hwan gegen Ende meint noch dokumentarische Bilder gequälter Menschen einbauen zu müssen, schaut sich das schon sehr geschmacklos und wirkt intellektuell ähnlich zu gewollt wie die unnötige Einleitung von „Ein Kind zu töten“.

Vieles was ernst hervorgehoben wird, ist heiße Luft. Da kommt der Satire-Gehalt schon wesentlich besser weg, der in verschiedenste Richtungen austeilt, sich aber auch immer wieder den quantitativen Schauwerten unterzuordnen hat. In „Jigureul jikyeora“ (Originaltitel) ist irgendwie der Wurm drin. Er ist ein durchaus sympathischer Film mit wahrlich großen Momenten. Er besitzt Köpfchen und weiß mit seiner Raffinesse ebenso zu gefallen wie mit seinen blutigen Momenten. Aber die Monotonie des ewigen Folterns in Abwechslung mit den ewigen Fluchtversuchen hindern den Streifen an der vollen Entfaltung.

Und je mehr sich „Save the Green Planet!“ Richtung Ende bewegt, desto bewusster wird einem die Orientierungslosigkeit, die den Film daran hindert das zu werden was an Potential vorhanden war. Freunde von Verschwörungs-Themen und dem asiatischen Kino sind dennoch herzlich eingeladen dem wilden Treiben Byun-gus beizuwohnen, einem Psycho der glaubt die Welt retten zu müssen. Der anfangs lustige Blick auf sein Treiben wird ein trauriger, je mehr wir über seine Vergangenheit und seinen Geisteszustand erfahren. Allein dieser tolle psychologische Kniff zeigt wie weit der Stoff vom üblichen Mainstream entfernt ist.


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