Mittwoch, 9. Dezember 2015

TURM DER SCHREIENDEN FRAUEN (Tormented 1960 Bert I. Gordon)


Der Jazz-Musiker Tom möchte heiraten. Auf der Insel, auf der die Zeremonie stattfinden soll, wird er von seiner Ex-Freundin Vi aufgesucht. Auf einem Leuchtturm erpresst sie den Verlobten, den sie für sich allein besitzen möchte. Als Vi stürzt verweigert Tom ihr die Hilfe. Sie stirbt. Aber als Geist bleibt sie stets in seiner Nähe um die Hochzeit zu verhindern...


Die Streiche einer eifersüchtigen Toten...

Bert I. Gordon kenne ich hauptsächlich aus Horrorfilmen in denen es um mutierte Riesen geht. Gordon schwörte in Werken wie „Beginning of the End“, „In der Gewalt der Riesenameisen“ und „The Cyclops“ auf die mieserable Tricktechnik hoch projizierter echter Tieraufnahmen, die im Gegensatz zu Puppen einfach nicht zu wirken wussten und nur den höchst amüsanten „Die Rache der schwarzen Spinne“ nicht zu zerstören wussten. In einem Film um eine Geisterthematik lockte somit der Reiz was der gute Mann aus einem Werk herauszuholen weiß, der mit besagter Trick-Technik nichts am Hut hat.

Der Vollständigkeit halber sei zunächst einmal erwähnt, dass Bert I. Gordon auch für die Spezialeffekte des hier besprochenen Streifens verantwortlich ist und dass auch hier einige nicht zu überzeugen wissen. Aber das ist letztendlich für das Ergebnis nicht wirklich wichtig, denn wo eine verpatzte Optik im Tier-Horror-Bereich die komplette Atmosphäre eines Filmes zerstören kann, da lebt ein Werk über Geister auch von anderen Elementen. Allerdings ist es schwer zu sagen, ob man „Turm der schreienden Frauen“ als geglückt bezeichnen kann oder nicht.

Gruselig ist der Film nicht ausgefallen. Ganz im Gegenteil, aufgrund der häufigen Taten des eifersüchtigen Geistes guckt sich Bert I. Gordons Spukfilm fast schon wie eine Komödie im Stile eines „Die unsichtbare Frau“. Da die Figur des Tom zudem der einzige ist der die Verstorbene sehen und hören kann, wird der eigentliche Horrorstreifen durch ein weiteres Element bereichert welches eher typisch für das Komödienfach ist. Dank seines Retro-Feelings und der etwas unbeholfenen Art fällt das Ergebnis durchaus charmant aus. Aber gewollt war „Tormented“ (Originaltitel) mit Sicherheit anders.

Ein wenig hat mich die Geschichte an Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert, der mit seiner 10 Jahre späteren Erscheinung wesentlich moderner und morbider daher kommt als Gordons handzahmer Spukfilm, den man fast schon als familientauglich bezeichnen könnte. Gegen Ende werden dann doch noch einige Bösartigkeiten angedeutet, die nichts für Kinderaugen sind, in einem Szenario das recht nett auf die Ausweglosigkeit des Anti-Helden hin arbeitet, bis er selbst zu Taten fähig ist, die man einem so kinderfreundlichen Menschen nicht zutrauen würde.

Eine herrliche Schluss-Pointe, bei der man sich fragen darf auf welche Art Tom in Zukunft leiden wird, ergänzt die wundervollen Einfälle Toms voraus gegangener Tortur, denn der eifersüchtige Geist geht wahrlich nicht zimperlich mit dem Mörder um. Und auch wenn „Tormented Terror“ (Alternativtitel) für sein Genre viel zu brav ausgefallen ist und nicht im Ansatz gruselt, so schafft es Gordon doch immer wieder besondere Momente zu zaubern, die den an sich recht durchschnittlichen Film Zusatzsympathien bescheren. Der Einwand der Toten während der Hochzeit ist der einzige Moment des Streifens, der tatsächlich eine gewisse Düsterniss zu versprühen weiß. Und die Szene, in welcher eine Blinde sich in den Streit zwischen Tom und Vi einmischt, weiß für kurze Zeit Spannung zu erzeugen.

Eigentlich ist „Turm der schreienden Frauen“ kein besonders erwähnenswerter Film, aber durch seine locker flockige Art, meist aufgrund der Schandtaten einer Toten, weiß er mit seiner kurzen Laufzeit von unter 80 Minuten eigentlich recht gut zu unterhalten, wenn auch nur für Horror-Nostalgiker. Immerhin beweist der Film, dass Gordon durchaus zu mehr in der Lage war als seine ollen Mutanten-Streifen vermuten lassen und dass „Die Rache der schwarzen Spinne“ doch nicht sein einziges Ausnahmewerk sein sollte. Bild und Ton sind übrigens für die mir bekannte DVD-Veröffentlichung nicht aufgebessert worden, das macht es ein wenig schwer dem kleinen augenzwinkernden Grusler eine echte Chance zu geben.


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