Montag, 10. September 2012

PAULY SHORE IS DEAD (2003 Pauly Shore)


Da ihn keiner mehr sehen will und dementsprechend auch keine Produzenten mehr auf ihn zutreten, inszeniert der Z-Promi Pauly Shore seinen eigenen Tod und wird von nun an als viel zu früh gestorbene Komiker-Legende gefeiert...


Wenn man nix kann, kann man nix...

In unserer Medienwelt ist es keine Seltenheit, dass auch Menschen gepuscht werden, die kein bzw. kaum Talent besitzen. Wenn man als Z-Promi also nun nicht das „Glück“ hat als Moderator bei 9-Live zu enden, was soll man dann machen? Eine ähnliche Frage stellt sich der unbeliebte amerikanische Komiker Pauly Shore, dessen Hoch längst vorbei ist, und auf die Antwort aufhören kommt er genau so wenig, wie die anderen Geltungssüchtigen seiner Branche. Shores Antwort fällt jedoch zunächst interessant aus.

Der untalentierte Mann ließ nach seinem letzten großen Versuch der Menschheit Komik zu schenken 6 Jahre vergehen und produzierte selbst einen Film mit sich in der Hauptrolle als er selbst. Hier inszeniert er seinen Tod, um die Anerkennung zu ernten, die ihm zu Lebtagen verwehrt wurden. Dies ist eine nette Idee, und Dank der Hilfe allerhand Prominenz, an die man gemessen am Talent Pauly Shores kaum glauben kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat, ist man in Versuchung Shores Comeback durch Sichten seiner ersten Regiearbeit eine Chance zu geben.

Warum auch nicht, der Aufhänger ist cineastische Verführung pur. Zudem verspricht er einen selbstkritischen Rückblick Pauly Shores, und dass dieser Strippenzieher ehrlich und relativ authentisch bleibt, kann man ihm wohl zu Recht anerkennen. Pauly macht weder ein Geheimnis daraus, dass die Flut an Prominenten wohl seiner Mutter zu verdanken sind, der viele ihren Karrierestart verdanken, da die gute Frau eine Comedybühne leitete, noch dass seine eigene Karriere mit einer Sitcom endete, die so schlecht war, dass sie vom Fernsehsender nach nur einer Folge eingestellt wurde.

Das sind alles keine inszenierten Wahrheiten einer Pseudo-Dokumentation, sondern Tatsachen. Allerdings sind es auch Wahrheiten, die zumindest in Amerika bekannt waren, wo Pauly Shore eine Berühmtheit war. In Deutschland kennen ihn nur die wahren Filmfreaks, und ob deren Wissen und Interesse über Pauly vor „Pauly Shore Is Dead“ so weit ging, um besagtes US-Grundwissen über ihn zu erlangen, ist wohl nur in Einzelfällen nicht auszuschließen. So mutig wie der Film uns Deutschen vorkommen mag, ist er damit nur bedingt.

Auch Shores Sexsucht, die immer wieder Platz für kleine Albernheiten lässt, war dem Amerikaner längst bekannt. Was also blieb, war die Privatperson Paul näher zu beleuchten. Aber dafür will „Pauly Shore Is Dead“ wieder viel zu sehr Komödie sein. Wir sehen den Privat-Pauly nur als Promi-Pauly, vielleicht war gerade das sein Kniff und die Kunstfigur Pauly stets identisch mit der Person, die er wirklich war. Aber so sehr Shore auch die Kritik seines mangelnden Talents in den Mittelpunkt hievt, erleben wir hier nur einen Mann, der nicht einsieht untalentiert zu sein.

Klar reitet Pauly auf seiner klassischen Wieselfigur herum, spielt den verwöhnten Nörgler a la „Schwiegersohn Junior“, aber inmitten von Übertreibung funkelt immer ein Rest auf, der suggerieren soll, dass es eigentlich unfair ist, dass diese gepuschte Karriere nun beendet ist. Ein Vergleich mit Adam Sandler schwebt so im Grenzbereich, bei dem man nicht weiß, wie ernst Pauly der Vergleich tatsächlich ist. Ist er wirklich als übertriebener Witz gedacht? Zumindest wenn man den selbstbewussten Shore auf dem Bonusmaterial gesichtet hat, darf man dies anzweifeln.

Dort darf man ebenso Zeuge seiner Improvisationskunst werden, und die ist offen gesagt schon unter aller Sau. Sie ist simpelste Gossenkomik, und lässt sogar Glückstreffer vermissen, die selbst ein unlustiger Fips Asmussen erreicht, wenn er 100 Witze am Stück erzählt. Verständlich also, dass es ein Fehler war dieses so wundervoll klingende Konzept Pauly selbst in die Hand zu drücken. Vielleicht war es auch nur eine Notlösung, da sich kein Regisseur fand. Aber das wird wohl nicht der Fall gewesen sein, was allein besagte Prominenz zeigt, die das Werk mit Kurzauftritten veredelt.

Eine biographisch angehauchte Komödie im semiprofessionellen Flair anzubieten klingt nicht widersprüchlich. Dieses Amateurfilm-Feeling will jedoch nie positiv zur Geltung kommen und lässt die Erwartung somit von Anfang an sinken. Eine faire Chance will man dem Werk trotzdem geben, und gerade zu Anfang ist das noch möglich, wenn Shore mit Tatsachen um sich schmeißt, sich selbst verarscht und Promis nicht nur ihr Gesicht reinhalten, sondern damit auch typisches Promi-Verhalten parodieren.

Leider lässt der Film aber genau jenen Aufhänger fallen, der auf dem Cover so unglaublich interessant klang. Was will man lieber sein? Ein lebendiger und erfolgloser Trottel, oder eine gefeierte, tote Legende? Klingt als müsse der Held der Geschichte eine Entscheidung treffen. „Pauly Shore Is Dead“ arbeitet aber nie damit, dass Shore in sich selbst gehen muss um besagte Entscheidung zu treffen. Nach einer viel zu blauäugigen Phase des Trauerns und Feierns um Pauly Shore, wird über Fremdhilfe ungewollt viel zu schnell aufgedeckt, dass der Tod nur eine Inszenierung war, dass die Leiche Paulys nur ein Fake war und der zuvor schon unbeliebte Mensch ein Betrüger ist, der es sich jetzt auch noch bei jenen vergeigt hat, die bislang noch immer seine größten Fans waren: die Hinterwäldler. Leider ist dies nur eine von wirklich sehr wenig witzigen Ideen in dieser Phase.

Denn von nun an verlässt der Film den (halbwegs) authentischen Pfad und wird zur reinen klamaukigen und nervigen Pauly Shore-Komödie, die das bestätigt, was sein selbstsicherer Auftritt im Bonusmaterial nur zwischen den Zeilen vermuten ließ: Pauly hat nichts hinzugelernt, glaubt mit der lustigen Idee des Films nur wieder auf sich aufmerksam machen zu müssen, um auf selben Niveau wie einst weitermachen zu können. Da kann man nach all den vergangenen Jahren rückblickend nur freudig jubilieren, dass dieser Versuch in die Hose ging.

Schaffte es Pauly zumindest in der ersten Hälfte noch damit zu trumpfen, sich als ebensolches fragwürdiges Arschloch zu präsentieren wie Bastian Pastewka in „Pastewka“ oder Bruce Campbell in „My Name Is Bruce“, so rutscht er in der zweiten Hälfte dann phasenweise doch viel zu sehr vom echten Pauly ab, so dass man nicht einmal mehr von Selbstparodie reden kann. Einen Psycho zu mimen, der jemand Totes zweckentfremdet hat, um sich selbst als tot darzustellen, hat nichts mehr mit Selbstparodie zu tun, das ist eine erfundene Filmfigur, die nun Teil einer komplett erfundenen Geschichte wird, deren Realitätsgehalt sich immer mehr auflöst.

Schon die erste gelungenere Hälfte funktionierte nur so halb mit viel Augenzudrücken und einem gewissen Stolz den Mut Shores betreffend. Aber wenn man erst einmal gesehen hat worin das endet, fragt man sich: wofür wurde dieser Film gedreht? Doch wohl nicht wie er heuchelt um das mangelnde Talent zu bestätigen und sich vielleicht für die penetrante Präsenz in der Medienwelt zu entschuldigen, sondern einzig und allein um den Zuschauer daran zu erinnern, dass es Pauly Shore noch gibt.

Man ist gewohnt, dass Z-Promis immer wieder einen Weg zurück in die Massenmedien finden. Dafür wechseln sie auch gerne mal auf Zwang ihre Nischen. Pauly will jedoch in die alte zurück und outet sich dadurch als Blender. Bei einem guten Ergebnis hätte man ihm das vielleicht verziehen, aber genau darin liegt der Hund schließlich begraben. Wie will man ein gutes Ergebnis erzielen, wenn man so gar kein Talent besitzt?


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen