Mittwoch, 17. Juni 2015

DER SCHLITZER (La casa sperduta nel parco 1980 Ruggero Deodato)


Zwei Leute nehmen nach einem Problem mit ihrem Auto den Mechaniker Jack und seinen Kumpel mit auf eine Party, ohne zu wissen dass Jack ein gewaltbereiter Triebtäter ist...


Die Geschichte von einem der besten Ficker der Stadt...

Wenn man einmal in den Geschmack kam Deodatos großartigen „Nackt und zerfleischt“ gesehen zu haben und den Quasi-Vorgänger „Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch“, dann möchte man mehr von diesem scheinbar verkannten und sensiblen Menschenversteher sehen. Gerade ein Film außerhalb des Kannibalen-Bereiches interessierte mich, und bevor ich mich mit „Cut and Run“ auf ein mir eher uninteressant scheinendes Thema einlasse, wollte ich zunächst mit „Der Schlitzer“ einen Film des Regisseurs sehen, der mein Interessengebiet anzugehören schien.

Erwartet hatte ich einen Giallo, bekommen habe ich eine geschwätzige Pseudo-Gesellschaftsstudie, in welcher zwar manch stiller, kleiner Ton zu überraschen weiß, der aber scheinbar eher dann doch den Kritikern von „Nackt und zerfleischt“ Recht zu geben scheint. Das Reißerische siegt über dem Menschlichen, das Voyeuristische siegt über eine sensible Beobachtunsgabe. War der in so vielen Ländern verbotene Kannibalenfilm in ungeschönter Bitte um das nicht Weggucken der Gräueltaten unserer Zivilisation am Ende doch nur ein Zufallsprodukt Deodatos? Zumindest mit Blick auf den nur eingeschränkt interessanten „The House on the Edge of the Park“ (Alternativtitel) darf man seine Zweifel hegen.

Mal davon abgesehen dass ewiges Hinhalten auf dem Plan steht und man ewig einem Typen dabei zusehen darf, der sich mit einem Rasiermesser in der Hand irre wohlfühlt im Irrglauben die dekadente Gesellschaft würde ihn schlecht behandeln, bleibt „La casa sperduta nel parco“ (Originaltitel) zumindest die Grundsituation betreffend realistisch. Eine Waffe reicht die Situation im Griff zu halten. Keiner versucht den Helden zu spielen. Die Gefahr ist allen stets bewusst, und nur der in Filmrealitäten lebende Mensch wird den Bedrohten vorwerfen in manch möglich scheinender Situation nicht auf Gegenwehr gesetzt zu haben.

Seine Glaubwürdigkeit verliert der Streifen eigentlich erst in einer Sexszene, wie sie unsinniger nicht sein könnte. Immerhin der Kontrast dessen was parallel andernorts passiert weiß dem Moment ein Restniveau zu geben. Verarscht kommt man sich freilich trotzdem vor.

Allerdings ist man zu diesem Zeitpunkt auch kaum noch am Film interessiert, durfte man doch ewig den sicherlich mit Absicht nach Jack the Rippers Vornamen benannten Psychopathen im Zentrum dabei zusehen, wie er den großen Macker markiert, der zwar nicht schlecht gespielt ist, aber doch eher nervt. Bedrohlich wirkt er nur bedingt. In der Deutschfassung bekam er zumindest DeNiros Synchronstimme beschert, was zu seinem Gesicht, welches an den großartgen amerikanischen Kultschauspieler erinnert, passt. Die Figur ist nicht interessant genug geschrieben, als dass sie die magere Geschichte tragen könnte.

Auch wandelt sich der Streifen nicht zu einer Rachegeschichte a la „Ich spuck auf Dein Grab“, ist schon eher vergleichbar mit „The Last House on the Left“ von Wes Craven, vielleicht auch als reißerische Vorversion eines „Funny Games“ zu verstehen. Aber welche Filme man auch immer als Vergleich heranziehen könnte, einen tieferen Blick ist „Der Schlitzer“ einfach nicht wert um ihn mit Werken zu vergleichen, welche das Genre des harten Thrillers und Horrorfilms beeinflussten. Er geht auf Kosten von Quantitäten nicht so tief wie er könnte, und das Finale ist enttäuschend und hinterlässt einen grummelnd zurück, fragt man sich als Zuschauer doch wofür man dieses Stück Routine so lange ausgehalten hat. Und wie versteht Deodato eigentlich die Figur des Jack? Ist sein Ende tragisch? Interessant ist da eher die Charakterisierung seines Partners, auch wenn sie das übliche Abziehbild als Mitläufer eines Gemeingefährlichen ist.

Vielleicht sieht manch einer mehr in dem drögen Getue eines reißerischen Kammerspiels. Vielleicht meint wer ernsthaft Gesellschaftskritik zu entdecken, oder glaubt die Psychologie des Streifens sei auf gewagte Art voll krass analytisch ausgefallen. Aber all das stimmt nicht. Solche Behauptungen würde nur als Legitimation dienen um zu begründen warum einem ein solch uninspirierter Durchschnitt gefällt. Ein genauer Blick auf das Treiben im Film zeigt doch zu deutlich, dass die Figuren viel zu sehr Konstrukt bleiben, als dass sie für mehr als oberflächliche Unterhaltung herhalten könnten. „Der Schlitzer“ ist plump, wäre sicherlich gerne mehr. Aber für mehr kann man ihn nicht ernst genug nehmen.


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