Montag, 15. Juni 2015

TURM DER LEBENDEN LEICHEN (Tower of Evil 1972 Jim O'Connolly)


Zwei Fischer stoßen auf einer einsamen Leuchtturminsel auf Leichen. Einer von ihnen wird von einer geistig abgedrifteten jungen Frau umgebracht. Die Polizei ist davon überzeugt dass diese auch die anderen Toten auf dem Gewissen hat. Die Eltern der vermeintlichen Täterin glauben dies nicht und engagieren einen Detektiv nähere Nachforschungen auf besagter Insel zu betreiben. Dieser schließt sich einem Expeditions-Trupp von Wissenschaftlern an, die aufgrund einer der Tatwaffen die Grabstätte eines Kultes auf der Insel vermuten, der einst die Gottheit Baal angebetet hat...


Der Turm vor dem Tunnel...

Wenn man zu Beginn im Vorspann einen Blick auf den im Titel erwähnten Turm werfen darf, ist seine Miniaturherkunft nicht zu verleugnen, was der reißerischen Musik, die krampfhaft Stimmung erzeugen möchte, lächerlich entgegen wirkt. Das schränkt Erwartungen enormst ein und wirkt wie ein Alarmsignal für alles Kommende, aber diese Vorsicht ist gar nicht nötig, entpuppt sich „Turm der lebenden Leichen“ doch als sympathisch kleiner Grusler für zwischendurch, der inszenatorisch zu gefallen weiß. Mit Zombies hat das Ganze nichts zu tun. Da lügt der deutsche Titel ebenso wie der Alternativtitel „Devil‘s Tower - Der Schreckensturm der Zombies“.

Worum es eigentlich geht ist zunächst ein Rätsel, eines das der Stammzuschauer des Genres schnell für sich gelöst bekommt, aber die verschiedenen Elemente welche die Story bietet wissen trotzdem zu reizen. Da gibt es die Gottheit Baal mit welcher eine Schatzsuche einhergeht. Da gibt es die Verdächtige die in der Nervenheilanstalt sitzt und Versuche über sich ergehen lassen muss. Und da gibt es diverse Geschichten über jenes Pärchen, welches einst auf der Insel hauste und sein Kind verloren hat. Das Gebäude, seine knarrenden Türen und die felsige Insel mit ihren Höhlen, ja selbst die weniger gruseligen als viel mehr neugierig machenden Geräusche die unsere Helden immer wieder vernehmen, wissen zu gefallen. Mag der Film auch nie wirklich gruselig sein, er weiß atmosphärisch zu gefallen und versprüht genügend Charme um die etwas langsam erzählte Geschichte ohne einen Anflug von Langeweile zu überstehen.

Die tragische Figur aller Hintergrundereignisse erinnert ein wenig an den ein Jahr später folgenden, ebenfalls in England produzierten Film „Tunnel der lebenden Leichen“, welcher seine Kreatur jedoch noch mehr in den Bereich der Tragik rückte als die des sich verwandt anfühlenden Vorgängers. Optisch erinnert die Gestalt des hier besprochenen Filmes gar an jene aus Hoopers späteren "Kabinett des Schreckens". An anderer Stelle hingegen wird man eher an „Freitag der 13.“ erinnert. 10 Jahre später gedreht und man würde vermuten die berühmte Reihe um den unsterblichen Eishockey-Mörder hätte zu mancher Szene in „Tower of Evil“ (Originaltitel) inspiriert.

Zu Beginn stoßen Fischer auf eine handvoll Leichen, was ähnlich umgesetzt ist wie die späteren Momente in den Friday-Filmen, welche das Finale einleiten, wenn das Final Girl auf ihre toten Freunde stößt. Und auch die Figuren des Streifens haben in einigen Punkten eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Teenie-Banden aus besagter 80er Jahre Slasher-Reihe. Zwar haben wir es hier mit ausgewachsenen Männern und Frauen zu tun, aber die reden ähnlich pubertär wie die Teenager der Vergleichsfilme. Und wie Wissenschaftler benehmen sich die ewig über Sex redenden und kiffenden Forscher erst recht nicht.

Zumindest wirken sie auf diese Art nicht so eindimensional wie die austauschbaren Teens der „Freitag der 13.“-Reihe, tiefgehene Charaktere braucht man jedoch trotzdem nicht zu erwarten. Unfreiwillige Komik entsteht trotz der Parallelen nicht, und auch der Fehler, dass eine hypnotisierte Person von etwas berichtet, an dem sie nicht teilgenommen hat, wird der Stimmung in „Beyond the Fog“ (Alternativtitel) nicht zum Verhängnis. Der Film weiß auf seine schlichte Art zu gefallen, und dass ihm Nonsens nicht in die Quere kommt liegt daran, dass er sich eher wie die Fahrt in einer gut gemachten Geisterbahn anfühlt, also nichts ist was man ernst nehmen kann, aber etwas das genug Stimmung verbeitet und gut unterhält.

Wahrlich große Schnitzer leistet sich „Horror on Snape Island“ (Alternativtitel) ohnehin nicht. Und die Turm- und Fels-Kulissen, und erst recht die Grabstätte um den Baal-Kult, wissen zu gefallen, was auch an der ordentlichen Kameraarbeit liegt, die mit schlichten Mitteln ein eigentlich recht monotones Umfeld stimmig einzufangen weiß. Wenn dann noch ordentlich am Stück gekreischt wird oder ängstliche Frauen sich an kalte Mauern schmiegen, die an Burgmauern klassischer Genre-Stoffe erinnern, dann ist die Stimmung auf einem Hoch für Genre-Nostalgiker. Gleichzeitig spricht es eigentlich für den Film, dass er mich stets an Werke erinnert, die erst nach ihm entstanden sind.


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