Dienstag, 14. Juli 2015

RICHY GUITAR (1985 Michael Laux)


Pleitegeier Richard versucht mit zwei Kumpels mit Müh und Not eine Band zu gründen. Doch ohne Arbeit und ohne Geld der Eltern gibt es keinen Verstärker, also sucht sich Richard einen miesen Job für die erste Rate. Doch es hagelt Probleme von allen Seiten...


Die Ärzte mit Saxophon...

Eins haben all die 80er Jahre Musikfilme wie „Spider Murphy Gang“, „Gib Gas - Ich will Spaß“ (mit Nena und Markus) und „Drei gegen drei“ (mit Trio) gemeinsam: ihre Helden waren in der Musikbranche bereits Stars. Bei „Richy Guitar“, der mit den Ärzten besetzt wurde, ist dies anders. 1984, zum Zeitpunkt des Drehs, existierte lediglich ein Album mit vier/fünf Liedern, und als er 1985 ins Kino kam war man mit dem ersten richtigen Album „Debil“ noch nicht berühmt geworden. Aber zumindest gab es schon erste Artikel in der Bravo, so dass es bereits erste Fans vor dem großen Ärzte-Hype gab, und zu denen durfte ich auch gehören.

„Richy Guitar“ erzählt keine authentischen Erlebnisse der wahren Ärzte, und der Bandname wird auch nie genannt (ein rotes Kreuz auf einer Gitarre ist der einzige Hinweis). Aber so fiktiv der Film auch ist, er fängt das Jugendleben der 80er Jahre in Berlin realitätsnah ein, und das wüsste auch ohne den späteren Bekanntheitsgrad der Ärzte zu gefallen. Mit dem Bonus dass die Musiker eine der größten Bands Deutschland wurden, schaut man trotzdem etwas interessierter hin, wissendlich dass hier alles frei erfunden ist. In die jungen Gesichter zu blicken, die selbst noch nichts von ihrem Ruhm ahnen, tut einfach gut, hinterlässt aber auch einen wehmütigen Eindruck.

Denn wenn ich von den Ärzten schwärme, dann schwärme ich von ihrer Zeit vor dem Comeback. Und ganz besonders von jener Zeit bis einschließlich zum Album „Im Schatten der Ärzte“. Nie wieder danach besaß ihre Musik diese Leichtigkeit und diesen Charme. Nie wieder wirkte sie so ehrlich auf mich. Während sie gealtert heute immer noch Musik für Teenager machen, waren sie damals selber welche, und das merkt man an ihren Songs, die noch frei von zu viel Punkeinfluss und zu dominantem E-Gitarren-Sound waren.

Ich erzähle davon an dieser Stelle nur um deutlich zu machen, dass meine Vorliebe der Sahnie-Zeit der Ärzte dafür sorgt, dass ich dem Film „Richy Guitar“ gegenüber emotional voreingenommen bin. Die Ärzte waren ein Musikerlebnis für mich noch vor meiner Teenager-Zeit, und sie waren damals meine Lieblingsband. Und auch wenn ich den Film bis vor kurzem nicht wirklich geglückt fand, so hat er für mich doch schon immer eine Faszination ausgestrahlt - eine Faszination die vielen anderen fehlen könnte mit Blick auf das fertige Werk.

Denn inhaltlich sieht es mager für Filmfreunde aus, die eine ereignisreiche Geschichte erzählt bekommen möchten. Letztendlich ist der Musikbereich vordergründig, aber nicht Hauptteil des Streifens. „Richy Guitar“ handelt von der titelgebenden Hauptfigur und nicht nur von dessen Musikerseite. Probleme mit dem anderen Geschlecht, Stress auf der Arbeit, das illegale Beziehen einer leerstehenden Abbruchbude und der ständige Stress mit den Eltern sind weitere Faktoren eines Filmes, der dem Genre des Jugend-Dramas angehört. Und nur wer sich mit deutschen Produktionen dieses Genres auskennt, weiß was einem inhaltlich bevorsteht.

In Filmen wie „Die brennende Schnecke“, „Kroko“ "Alaska.de" und „Richy Guitar“ geht es eben nicht wie in amerikanischen Beiträgen dieses Genres um eine Kino-typische Erzählung. Ebenso wie die Franzosen nutzen wir Deutschen das Genre um uns nah an der Realität zu orientieren. Der Alltag der Jugendlichen soll eingefangen werden. Und der Mehrwert der Geschichte, die wie eine Aneinanderreihung von Nichtigkeiten wirken kann, ergibt sich durch die alltäglichen Erlebnisse erst im Gesamten. Nun ist „Richy Guitar“ im Vergleich zu den meisten anderen Jugend-Dramen diesbezüglich noch eine Spur extremer ohne roten Faden ausgefallen, und so sehr mir der Film mittlerweile auch gefällt, manchmal übertreibt es Regisseur Michael Laux, der nach seinem Debut nie wieder einen Film drehte, dann doch zu sehr damit.

So werden wir als Zuschauer bei den Vorbereitungen des finalen Konzertes zu dem es nie kommt nicht genügend an die Hand genommen, obwohl es sehr interessant gewesen wäre gerade diesen Bereich zu vertiefen. Und wenn man gegen Ende der spontanen Party beiwohnen darf, auf welcher eine Bauchtänzerin einen viel zu langen Auftritt hat, dann weiß das den Erzählwert weder von der Geschichte noch von der Tiefe her zu bereichern. Diese Phase schaut sich nur unnötig angehängt. „Richy Guitar“ würde sich ohne diese Szene flotter gucken. Man versteht nicht was das nun soll.

Ansonsten wissen die schlichten Abenteuer des jungen Musikers, der mal Opfer und mal Täter ist und meist nicht unschuldig in seine Miseren stolpert, zu gefallen, eben weil der Streifen ein ungeschöntes Zeitbild einfängt, das aufgrund der kritischen Bilder nicht bloß reine Nostalgie verströmt, sondern Berlin auch von seinen unschönen Seiten zeigt. Wer hier viele Lieder der Band „Die Ärzte“ erwartet wird enttäuscht werden. Stattdessen darf Nena als Gast einen kompletten Song beisteuern und die Band „Plan B“ ist auch mit am Start.


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