Dienstag, 11. August 2015

BLUTTHEATER (The Meateater 1979 Derek Savage)


Der ehemalige Vertreter Webster zieht mit seiner Familie in eine Kleinstadt, da er dort ein altes Kino gekauft hat. Keiner ahnt dass in dem Gebäude noch jemand aus der Vergangenheit des Lichtspielhauses wohnt...


Fleischfresser gegen Fleischfresser...

„Bluttheater“ ist sicherlich kein Film auf dessen DVD-Veröffentlichung irgendwer ernsthaft sehnsüchtig gewartet hat. Ich freue mich trotzdem über alles was den Weg auf die Silberscheiben schafft, selbst wenn die Bildqualität so unterirdisch ausgefallen ist wie bei dem hier besprochenen Streifen, der völlig unnötig reißerisch den neuen Titel „Der Menschenfleischfresser“ erhalten hat. Menschen werden hier nicht gefressen, das ist gar nicht das Thema des Films. Der Originaltitel „The Meateater“ wird der Sache doch gerechter, haust der alte Mann, der hier die Bedrohung darstellt, doch von jederman Auigen unentdeckt in der Bruchbude von Kino und ernährt sich von Ratten.

Wer einen alten Mann gruselig findet, der sich nach seiner verstorbenen Liebe zurücksehnt und glaubt diese in der Tochter des neuen Kinobesitzers gefunden zu haben, der ist hier genau richtig. Aber gibt es solche Leute wirklich? Bedrohlich ist der Tattergreis nur für Menschen, die sich vor Hauterkrankungen schrecklich ekeln. Jeden anderen dürfte bereits das ewige Gebrabbel des Bösewichts auf den Senkel gehen, womit jeglicher bedrohliche Aspekt eigentlich aus dem Weg geräumt ist - vom dramatischen Bestandteil einmal ganz zu schweigen.

Toll gespielt ist der alte Mann nicht wirklich. Das sahen die Verantwortlichen des Streifens wohl anders, denn er wird im Abspann noch vor der Hauptbesetzung genannt. Zugegeben, Arch Joboulian absolviert eine Doppelrolle (ein Fakt der das Schluss-Schlupfloch bereits erahnen lässt), aber seine Screentime ist nicht wirklich hoch genug um deswegen den Helden des Films vom Platz der Erstnennung zu vertreiben. Wobei auch alle anderen Darsteller sich schauspielerisch kein Bein ausreißen, aber wer will es ihnen verübeln? „Blood Theatre“ (Alternativtitel) ist ein biederes Stück zahmer Horror, welcher die Genre-Bezeichnung kaum verdient.

Er ist uninspiriert erzählt, braucht eine Ewigkeit um uns die Figuren vorzustellen, ohne dass diese für den Zuschauer je mehr werden als hohle Gefäße. Und die Erzählung selbst dümpelt angereichert mit routinierten Storyelementen vor sich hin, brav die üblichen Klischees einer Vorgeschichte abarbeitend, ohne irgendwann den Bogen zu wahren Ereignissen zu finden.

In seiner billig abgefilmten Art, die Kamera bei wahren Horrorelementen stets viel zu nah herangerückt, und in seinen undeutlichen Bildern und plötzlichen Sprüngen, die man wohl darauf zurückführen kann, dass nicht viel Filmmaterial vorhanden war, guckt sich „Bluttheater“ viel mehr wie eine filmische Baustelle als wie ein fertiger Film. Er wirkt wie eine Rohfassung, die noch überarbeitet werden muss, und die noch diverse Nachdrehs vertragen kann. Und in diesem Gewandt ist der einzige Streifen von Regisseur Derek Savage keine Erwähnung wert.

Überrascht war ich, dass der Film trotz seiner Makel und sehr konservativen Art nie langweilig wurde, obwohl er eigentlich nie etwas aufregendes oder zwischenmenschlich interessantes erzählt. Aber das verdankt er vielleicht auch der deutschen Synchronisation, die spätestens in den Auftritten des Sheriffs schöne Momente flacher Gags bereit hält, mit der Synchronstimme Bud Spencers versehen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich als Trash-Fan solche versagenden Geh-Versuche von Filmmachern immer einen gewissen Grad sympathisch finde, ohne genau zu wissen, was ich an dem Gesehenen gerade so mag.

„Bluttheater“ ist eher unfreiwillig komisch als in irgendeiner Art irgendwie aufregend, und mit Blick auf den neuen Titel „Der Menschenfleischfresser“ wird er es um so mehr, könnte Savages Werk doch kaum weniger reißerisch inszeniert sein als geschehen, womit er zum kompletten Gegenteil des deutschen DVD-Titels wird. Dass ich bei diesem Titel nicht widerstehen konnte, liegt in der Natur des Schundfilm-Fans. Und letztendlich bin ich, wie bereits erwähnt, am Ende ja immer froh, wenn es ein kleiner, vergessener Horrorfilm auf DVD schafft, egal ob er nun gut oder schlecht ausgefallen ist. Im hier vorliegenden Fall kenne ich jedoch niemandem, dem ich ein Sichten nahelegen könnte. „Bluttheater“ ist lediglich etwas für Komplettisten.


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