Dienstag, 18. August 2015

PLANET DER AFFEN - REVOLUTION (Dawn of the Planet of the Apes 2014 Matt Reeves)


Der Großteil der Menschheit ist an einem im Labor gezüchteten Virus gestorben. Die letzten Überlebenden hausen in den Ruinen der Großstadt, im Wald haben sich die intelligenten Affen ein zu Hause geschaffen. Trotz kürzlicher Konfrontation mit ihnen versucht Malcolm den Affenanführer Cäsar zu kontaktieren, um von ihm die Erlaubnis zu erhalten in ihrem Territorium ein altes Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Als Cäsar die Menschen unterstützt sieht ein Affe, der damals in menschlicher Gefangenschaft stark leiden musste, das als Verrat an und zettelt eine Revolution unter dem Affenvolk an...


Mentalitäten anstatt Rassen...

Als ich nach dem sehr geglückten „Planet der Affen - Prevolution“ von einem Regie-Wechsel für die Fortsetzung erfuhr, war ich schon etwas enttäuscht, erschuf Rupert Wyatt doch einen Blockbuster im klassischen Gewand, der die Krankheiten der Großproduktionen heutiger Tage weitestgehend hinter sich ließ und sich auf seine Geschichte anstatt auf Spezialeffekte konzentrierte. Nun nach Sichten von „Planet der Affen - Revolution“ bin ich positiv überrascht trotzdem eine gelungene Fortsetzung gesichtet zu haben, aber mit Blick auf die anderen Arbeiten von Matt Reeves, dessen Namen ich keinem anderen Film zuordnen konnte, wundert mich nichts mehr. Sein „Cloverfield“ ist ein besonders gelungener Found Footage-Streifen und „Let Me In“, das Remake eines europäischen Vampir-Dramas, ist sogar noch besser ausgefallen.

Eigentlich wird das Rad nicht neu erfunden. Ganz grob betrachtet erzählt der Film die typischen Probleme des Krieges. Völker glauben zusammenhalten zu müssen um gegen ein anderes zu kämpfen. Es gibt Verrat, Leid und verschenkte Möglichkeiten. Und die Ziele der Weisen sind unrealistisch, wirken zum greifen nah, werden aber doch nie erfüllt. Irgendetwas kommt immer dazwischen: die Rhetorik der Machtgeilen, der Stumpfsinn der Mitläufer, und die zu späte Erkenntnis der Intelligenten, dass Mentalitäten zusammen schweißen, nicht aber durch Raum oder Rassen zusammengeführte Gruppen.

Dass Cäsar zu dieser Erkenntnis kommt, ist das wahrlich Positive am Streifen, kann er diesen wichtigen Standpunkt doch an jene weiter tragen, die nicht intelligent genug sind dies von alleine zu begreifen. Da wird eine wichtige Botschaft vermittelt, auch wenn sie ein wenig im zu idealistischen Licht von Friede, Freude Eierkuchen verbreitet wird. Denn eine Wahrheit wird nicht thematisiert: Idealisten sind immer Extreme welche Wahrheiten ignorieren, egal ob es die machtgeilen oder die sozialorientierten Fanatiker sind.

Das soll für einen Science Fiction, der uns einen weiteren Schritt zum Planeten der Affen näher bringen soll, aber auch egal sein. Hier geht es um die Umstände, die zu der großen und entscheidenden Schlacht führen wird, die uns Teil 2 vorenthält. Und da darf es schon überraschen wer nun wirklich Schuld am Krieg ist, der mit diesem Film gerade erst begonnen hat.

„Dawn of the Planet of the Apes“ (Originaltitel) weiß alles zu vereinen was einen guten Popkorn-Film ausmacht. Er ist trotz seines schlichten Grundgerüstes einfallsreich ausgefallen, präsentiert Dramatik, Action, Komik und Abenteuer in ausgewogener Form, und die Charaktere sind einem nicht egal. Ihr Tun ist uns wichtig. Ihr Scheitern tut uns weh. Dass freilich auch die atemberaubenden Animationen, die uns so echt wirkende Affen präsentieren, dabei helfen mitzufühlen, darf nicht unerwähnt bleiben.

Animationstechnisch habe ich nur zwei Schwachpunkte festgestellt. Das ist erstens der Kampf der Affen gegen einen Bären, der zu sehr nach Zeichentrick aussieht, und noch schlimmer ist zweitens das Wegfallen der Geschlechtsteile der Affen zu nennen. Da versucht man im Zuge der Möglichkeiten eines Popkornfilmes die Geschichte möglichst erwachsen zu erzählen, und dann laufen da peinliche Affenwesen ohne Pimmel zwischen den Beinen durch die Gegend. So etwas gibt es auch nur im christlich biederen Amerika.

Somit schaut sich „Planet der Affen - Revolution“ für uns Europäer nicht ganz so ernst wie für Amerikaner. Kann man die Spielzeug-artigen Körper der sonst so lebensechten Kreaturen aber halbwegs ignorieren, steht ansonstem einem erfüllten Sehspaß wirklich nichts im Wege. Reeves nimmt sich Zeit für die Geschichte und ihre Figuren, behält immer den Überblick bei dem was er erzählt und setzt Schwerpunkte für den jeweiligen Moment immer genau richtig. Tritt die Action in den Vordergrund geht ordentlich die Post ab, dramatische Momente umschiffen gerne mal mit einem blauen Auge gerade noch den Kitsch. Und ein wenig Nostalgie an den Vorgänger wird kurz vor Schluss auch versprüht. Man kann einem Teil 3 nur wünschen, dass er so gut ausfallen wird wie seine beiden Vorgänger.


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