Montag, 17. August 2015

DAYDREAM NATION (2010 Michael Goldbach)


Caroline ist 17, musste von der Großstadt in eine olle Kleinstadt ziehen und verführt dort ihren Lehrer Barry. Auch der gleichaltrige Thurston ist an Caroline interessiert, mit dem sie zunächst zur Tarnung ausgeht, damit ihr Abenteuer mit Barry nicht auffliegt...


Dreisam einsam...

Auf dem deutschen DVD-Cover wird „Daydream Nation“ mit dem kleinen großen Werk „Juno“ verglichen und mit dem wahrlich großen Werk „Donnie Darko“. Warum weiß ich nicht, weist der Film doch keinerlei Ähnlichkeiten mit einem von ihnen auf, außer vielleicht die taffe Art Carolines, die jedoch eher mit der Hauptfigur von „Einfach zu haben“ zu vergleichen wäre anstatt mit „Juno“. Solch einen Coververgleich sollte man ohnehin nicht zu ernst nehmen, und eigentlich gehe ich lediglich darauf ein, um hervorzuheben, dass Michael Goldbachs Regie-Debut keinesfalls ein so großer Film ist, wie er sein könnte und will. Es ist ein schöner Film, ein netter Film, aber die wahre Größe fehlt ihm.

Das liegt zumindest nicht an der Besetzung, die in wirklich jeder Rolle zu begeistern weiß, und es liegt auch nicht an technischen Dingen. Die Bilder sind teilweise hinreißend, manchmal morbide, aber so oder so immer hübsch fotografiert. Lediglich die Musik ist zu bemüht eine gefühlvolle Atmosphäre entstehen zu lassen, obwohl die Figuren selbst sich bis kurz vor Schluss kaum öffnen. „Daydream Nation“ ist mir emotional zu distanziert erzählt. Er hätte gefühlvoller ausfallen müssen. Viele Kitsch-genervte werden das anders sehen und das Drama vielleicht genau deshalb mögen. Aber auch ich bin kein Freund von gequältem Kitsch und hätte mir trotzdem etwas mehr Herzlichkeit gewünscht. Warum auch nicht? Der Film endet so blauäugig wie wesentlich naivere Storys. Wofür dann die Täuschung im lässigen Gewand?

Wie auch immer, nach anfänglich schwerem Start wird aus „Daydream Nation“, den Regisseur Goldbach auch selbst geschrieben hat, ein interessantes Drama, das ähnlich wie „Summer of Sam“ im Hintergrund die Geschichte um einen Serienkiller abspielen lässt, von der man nie weiß ob sie irgendwann in den Vordergrund tritt oder nicht. Auf jeden Fall hilft sie dabei die Dinge vom erzählten Sommer anders zu betrachten, ebenso wie das Feuer einen immer wieder aus den Tagträumen einer solch romantischen Geschichte herausreißt, dessen Qualm man immer wieder mal im Hintergrund erblicken darf und das in der Geschichte selbst nur so nebenbei erwähnt wird. Letztendlich geht es jedoch nur um die üblichen Irrungen und Wirrungen, die eine Dreiecks-Beziehung mit sich bringen kann, und das ist schon etwas dünn für einen solch professionell umgesetzten Film.

Wer nicht all zu viel erwartet darf gerne der kühlen Sympathie Carolines erliegen. Allein rein optisch ist sie mit ihrem wohlgeformten Gesicht und ihrem verführerischem Blick ein Augenschmauß. Und die männliche Teenagerrolle darf dem kühlen, beleidigenden und selbstbewusstem Charakter Carolines angenehm sanft und schüchtern gegenüber stehen, wie es seit der 80er Jahre kaum noch eine männliche Figur in einem Teenie-Stoff durfte. Entgegen dem was sonst so auf dem Markt vergleichbar erscheint ist „Daydream Nation“ übrigens keine Tragikomödie, sondern ein reines Drama, und letztendlich aufgrund der Darsteller und der restlichen Crew wesentlich genießbarer als es der dünne Plot eigentlich verdient hat. Mit dem Herz am rechten Fleck weiß der Streifen trotz seiner unterkühlten Art aber Freunden solcher Stoffe zu gefallen.


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