Montag, 19. Dezember 2016

DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL (La tarantola dal ventre nero 1971 Paolo Cavara)


Ein Frauenmörder geht um, der seine jungen Opfer betäubt und bei vollem Bewusstsein ausweidet. Inspektor Tellini verdächtigt zunächst den Mann des ersten Opfers, doch dessen eigene Ermittlungen bringen auch ihn auf die richtige Spur...


Eine Wespe von einem Killer...

In seiner Theorie besitzt „Der schwarze Leib der Tarantel“ alles was zu einem guten Giallo gehört. Die Kamera fängt auf verspielte Art ihre Bilder ein, die Morde finden auf eine grauenvolle Art statt, Ennio Morricone steuert den Soundtrack bei, ein Zivilist ermittelt parallel zur Polizei und das Ganze ist dann schließlich noch so langsam und trocken erzählt, so wie man das Entstehungsjahrzehnt des Streifens dafür liebt.

Aber so ganz will die Rechnung nicht aufgehen. Sicher, „Black Belly of the Tarantula“ (Alternativtitel) kann man sich als Fan dieser Art Film durchaus mal geben, aber so richtig gelungen ist er meiner Meinung nach nicht, ist er doch eine Spur zu nüchtern umgesetzt. Mir fehlte die düstere Atmosphäre, die einen so richtig in den Kriminalfall eintauchen lässt, eben jene Art Sog aus gut gewählten Bildern in Stille und packendem Sound, die es einem egal machen, dass die Charaktere eigentlich flach und die Psychologie hinter den Ereignissen arg simpel ausgefallen sind.

Das sind zumindest die üblichen Krankheiten des Giallos, die man aufgrund der Vorteile dieses Sub-Genres niemals als nennenswerte Nachteile aufzählen würde. Im hier besprochenen Film rutschen sie als Ärgernis in den Fokus, da die üblichen Vorteile nur reduziert vorhanden sind. Die Spielereien der Kamera erscheinen mit schnellen Fahrten nach unten und dem lustlosen Folgen geometrischer Linien diverser Objekte eher bemüht als stimmig. Und so schön Morricones Musik in der Ausnahme immer dann zu gefallen weiß, wenn er sie experimentell mit schwerem Atmen untermalt oder absichtlich leiern lässt, in den häufigsten Melodien des Streifens plätschert der Sound eher seicht, fast schon ein wenig lustlos vor sich hin, so wie es die Erzählung selber ebenfalls tut.

Letztendlich sind die Ermittlungen des von Giancarlo Giannini gar nicht mal schlecht verkörperten Durchschnittstypen des Inspektors zu wischi waschi ausgefallen, bringen den Fall meist zufällig voran, ohne dass man aufgrund von Teilerfolgen mitfiebern könnte. Zwar betont Tellini immer wieder dass er für den Beruf nicht geeignet wäre, ein interessanter Drehbuchtrick, der zu gefallen und zu wirken weiß, aber das allein fängt noch nicht die Belanglosigkeit auf, die durch dieses orientierungslose Ermitteln eingefangen wird.

Die parallelen Ermittlungen des Ehemannes des ersten Opfers kommen zu kurz um dagegen zu halten, entschied man sich im Gegensatz zu den meisten anderen gelben Kriminalthrillern Italiens die ich kenne doch dafür, diesmal den professionellen Ermittler ins Zentrum zu stellen. Da die Inspektorenfigur einfallsreicher charakterisiert wurde als der Ehemann ist dies auch die richtige Entscheidung, eine nette Ergänzung hätten genauer beleuchtete Parallelermittlungen jedoch definitiv sein können.

Zwar trumpft „La tarantola dal ventre nero“ (Originaltitel) durch die herrlich widerlichen Handschuhe des Killers, seinem unheimlichen Tick die Opfer zu betäuben und aufgrund der hierfür verwendeten Großaufnahmen der Akupunkturnadeln, mit denen diese Prozedur vollzogen wird, dennoch kommen die Morde, so theoretisch bestialisch wie sie auch klingen mögen, eher zurückhaltend daher. Dem Gorehound wird das bisschen Kunstblut, welches es zu sichten gibt, zumindest nicht reichen. Und bei all den fehlenden Qualitäten, die eigentlich zum Standardprogramm dieser Gattung Film gehören, hätte ein größerer Härtegrad meiner Meinung nach ausnahmsweise einmal wahre Wunder bewirken können.

Ich bin, wie man merkt, ein wenig enttäuscht aufgrund des zu nüchternen Ergebnisses, möchte aber dennoch noch einmal betonen, dass „Der schwarze Leib der Tarantel“ trotz alledem für Stammzuschauer des Genres durchaus lohnenswert sein kann, sofern man kein Meisterwerk erwartet, so wie das Cover des Mediabooks den Film anpreist und damit viel zu hoch greift um die Versprechen erfüllen zu können. Dass die Beweggründe des Killers eher künstlich herbeigeführter Natur in den meisten Werken dieser Art sind, ist kein Geheimnis, die hier schnell nachgereichte Erklärung, die sich nicht mehr in den natürlichen Handlungsablauf einfügen ließ, ist jedoch besonders erbärmlicher Natur. Da kann man Tellini nur dankbar dafür sein, dass er den pseudopsychologischen Schwätzer mitten in seinen Ausführungen unterbricht, da er zu mitgenommen sei um sich derartiges zur Zeit anzuhören. Dieser Mann ist mir einfach sympathisch. Und das stützt bereits den halben Film.


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